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Full text of "Wolfgang Eggert: Israels Geheimvatikan, Band 1 (2001)"

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Wdlfgang Eggert 


1 


IM NAMEN GOTTES 

ISRAELS 

G E H E IM VATI KAN 



ALS VOLLSTRECKER BIBLISCHER PROPHETIE 


Band 1 







WOLFGANG EGGERT 


IM NAMEN GOTTES 


ISRAELS GEHEIM-VATIKAN 


ALS VOLLSTRECKER BIBLISCHER PROPHETIE 


EDITION HERMETIKA 





Wolfgang Eggert: Israels Geheimvatikan (Bd.l) 


2. Auflage Oktober 2002 
1. Auflage Sommer 2001 

Beim Propheten! Verlag Postfach 450108 80901 München Tel: 089-26215774 

Internet: beimpropheten.com 

ISBN 3-935845-01-4 
ISBN 3-935845-02-2 Band 2 
ISBN 3-935845-03-0 Band 3 
ISBN 3-935845-00-6 Gesamtausgabe 1-3 

Internationales Copyright © 2001. Alle Rechte, einschließlich derjenigen des auszugsweisen 
Abdrucks sowie der fotomechanischen und elektronischen Wiedergabe, Vorbehalten. 



Gescannt von cOyOte. 


Dieses e-Buch ist eine Privatkopie und nicht zum Verkauf bestimmt! 


Printed in Germany 


Das Umschlagmotiv stellt einen Ausschnitt der amerikanischen Dollarnote dar. 





Inhalt 


Kapitel 1: Die Bibelprophetie - Göttliche Fügung oder 
menschliche Verschwörung? 17 

Der Bibel-Code 17 
Wer war hier am Werk? 18 
Das Mittel: Kryptographie 19 
Buchstabentreue Torah 21 
Tatkräftige Diener Gottes 22 

Kabbalisten als Träger und Wahrer der Gehei mni sse 25 

Kapitel 2: Biblischer Messianismus, Historischer 
Determinismus, Politischer Aktivismus 31 

Der Heiland der geschichtlichen Erfüllung 31 

Die „Verwaltungszentrale“ des Messias 32 

Der him mlische Plan 33 

Der göttliche Imperativ der Bibelprophetie 34 

Der biblische Erlösungszionismus 37 

Den Messias ben David erzwingen? 39 

Heiliger, Mystiker, Zionist. Rabbi Kook als Apologet des 

Geheimvatikans 41 

Ein Weltkrieg stellt die Errichtung des jüdischen Staatswesens in 
Aussicht 44 

Messiaswehen gegen das jüdische Volk: Der Holocaust 47 
Judaistische Reaktionen auf den Holocaust: Wächter der Mauer vs. 
Er Stürmer 54 

Der Staat Israel und seine messianische Bedeutung 56 
Ein unverwundbarer Platzhalter Gottes? 57 
Die Forcierung von Armageddon am Tempelberg 58 
Die Frage nach der Durchsetzbarkeit des Bibelplans 61 

Kapitel 3: Die Freimaurerei als verlängerter Arm des 
Geheimvatikans 63 

Ein Aufstand mit Folgen 63 

Das religiöse Selbstverständnis und das Zukunftsbild der 
Freimaurerei 64 

Die Ingangsetzung einer Verschwörung 65 
Der Schaffensprozeß - im Namen Gottes 66 
Zurück in die Zukunft: Armageddon 68 



Kapitel 4: Wie Israels Geheimvatikan Geschichte machte 69 

Kap. 4,1: Der Puritanismus als Speerspitze des 
Geheimvatikans 71 

Kap. 4,2: Die Freimaurerei und ihr Wesen 77 

Anklage und Verteidigung 77 

Eine undemokratische Struktur 78 

Die (un)kontrollierte Gesellschaft 78 

Der jüdische Ursprung der Freimaurerei von Ashmole... 79 

... zur ersten Großloge und dem Gang in die Öffentlichkeit 80 

Die mosaische Mission der Loge 82 

Politische Enthaltsamkeit als Lebenslüge 84 

Kap. 4,3: Die Begründung der Vereinigten Staaten von 
Amerika 87 

Vom europäischen Krieg um Amerika zum Paktabschluß 

Frankreichs mit der Loge 87 

Das Massaker vom 5. März 1770 89 

Die „Bostoner Tee-Party“ 90 

Die separatistischen Kontinentalkongresse 91 

Die Unabhängigkeitserklärung 92 

Die brüderliche Verteilung der Ämter 93 

Kap. 4,4: Das Geheimnis hinter der Französischen 
Revolution 97 

Die „Aufklärung“ 97 

Die revolutionäre Hochgrad-Freimaurerei in Frankreich 99 
Die bayerischen Illuminaten und ihr jüdischer Hintergrund 101 
Der Konvent zu Wilhelmsbad 103 

Cagliostros Ägyptische Maurerei und die Halsbandaffäre 105 
Die Illuminaten in Frankreich 108 
Die Einberufung der Generalstände 114 

Die Generalstände erklären sich auf Druck der Bürgerlichen zur 

Nationalversammlung 115 

Paris bis zum Bastillesturm 116 

Die Provinz zieht nach 119 

Warum schweigt die Loge zu ihr em Erfolg ? 122 

Der Hintergrund des Jakobinertums 123 

Die Entmachtung des Königs 124 

Der Beginn des „Terreurs“ 124 

Die Vertreibung der Girondisten 126 

Der allgemeine Aufstand 128 



Die Entchristianisierung Frankreichs 131 
Das Ende der Revolution 135 
Ein Resümee 136 

Kap. 4,5: Von der mosaischen Hochgrad-Freimaurerei zur 
alljüdischen Sammlungsbewegung 139 

Der Alte und Angenommene Schottische Ritus 139 
Der freimaurerische B'nai B'rith 141 
Die Alliance Israelite Universelle 144 

Kap. 4,6: Die Palästina-Verheißung und die ideologische 
Begründung des Zionismus 149 

Die erfolgreiche Emanzipation des hebräischen Volkes 149 

Die Gefährdung des jüdischen Kultus 151 

Die ideologische Begründung des Zionismus 152 

Der biblische Hintergrund des Moses Hess 153 

Das imperiale Wesen des religiösen Zionismus 155 

Rußland zwischen biblischer Auserwähltheit und zaristischer 

Assimilierungspolitik 157 

Zionistische Frühbesiedelung 160 

Die Rothschilds 162 

Pogrome als Steigbügelhalter des Zionismus 165 
Zionistischer Antisemitismus in Europa 168 
Zum Beispiel Deutschland 168 
Zum Beispiel Österreich-Ungarn 171 
Zum Beispiel Großbritannien 173 
Zum Beispiel Frankreich 174 

Kap. 4,7: Der exoterische Zionismus unter Theodor 
Herzl 179 

Auf dem Weg zum ersten Weltkongreß 179 

Die fehlgeschlagenen Verhandlungen der Jahre 1898-1902 181 

Die britische Uganda-Offerte 183 

„Eine Vision der Alten“: Krieg in Sicht 186 

Kap. 4,8: „Messiaswehen“ - Der Plan zur Führung dreier 
Weltkriege 189 

Der Kampf des Sinai gegen die weltliche Macht des Rom- 
Papstes 189 

Frankreichs Schaukelpolitik 190 

Die freimaurerische Einigung Italiens - ohne Frankreich 190 

Der preußische Stellvertreterkrieg gegen Österreich 192 

Das katholische Frankreich, die Loge und der Geheimvatikan 193 



Der deutsch-französische Krieg und der Sturz Napoleon III. 195 

Die Verurteilung Preußens durch die Loge 197 

Der Sturz des Papsttums 198 

Der „Kulturkampf 4 199 

Die territoriale Umgestaltung Deutschlands 200 

Die Hochgradfreimaurerei plant drei Weltkriege 202 

Deutschland aus jahwitischer Sicht 205 

Kap. 4,9: Die Gleichschaltung der Hochgrad- 
Freimaurerei 209 

Mazzinis Vorschlag an Pike 209 

Der B'nai B'rith „heiratet“ das Schottentum 210 

Die Gründung einer freimaurerischen UNO 211 

Kap. 4,10: Britannia - Alttestamentarischer Pfeiler in der 
ausser jüdischen Welt 213 

Die Symbiose 213 

D'Israeli und der Kauf des Suezkanals 215 Gladstone 

und die Eroberung Ägyptens 219 

Rhodes, der „Round Table“ und Rothschild 220 

Kap. 4,11: Von der Kolonialpolitik zum europäischen 
Konfliktkurs 223 

Die Haltung Englands zum deutsch-französischen Krieg und zur 
Reichsgründung 223 

Die Konkurrenz zwischen Deutschland und England 225 

„Der größte Kriegsfall, den die Welt je gesehen“: Deutschland im 

Visier der Londoner Kampfpresse 228 

Der Zionismus als treibende Kraft 230 

Die Einbindung der Freimaurerei 232 

Kap. 4,12: Der bibelfreimaurerische Einfluß auf die alliierte 
Politik 235 

Die Übernahme des parlamentarischen Lebens 235 Die 
Eroberung des Militärs 239 
Die Unterordnung der Presselandschaft 240 
Ein gekaufter König und die „Einkreisung“ 247 

Kap. 4,13: Die Einkreisung 253 

Italien verabschiedet sich aus dem Dreibund 254 

„Herzliches Einvernehmen“ zwischen England und Frankreich 254 

Die erste Marokkokrise 255 

Deutsche Friedens- gegen englische Kriegspolitik 255 



Die Entente Cordiale zwischen Großbritannien und Rußland 258 Lord 
Fisher's Kriegsplan 259 


Kap. 4,14: Der Anlaß 263 

Österreich annektiert Bosnien-Herzegowina 263 

Die Reaktion Rußlands 263 

Die Reaktion der Freimaurerei 264 

Kap. 4,15: Das freimaurerische Todesurteil 267 Kap. 

Kap. 4,16: Die Alliierten in den Startlöchern 271 

Frankreich kriegssicher 271 

Die Aufhetzung Rußlands 273 

Der Kauf der französischen Oppositionspresse 275 

Poincare Präsident 277 

Br. Churchill datiert den Krieg 278 

Rußland instruiert Serbien 279 

Frankreichs dreijährige Kriegszeit 280 

Rußland schärft die Klingen 282 

Rüstungsstände 283 

England geht mit 285 

Rußland entschieden 286 

Der Mordplan 288 

In den Startlöchern 289 

Kap. 4,17: Der Vollzug des blutigen Logenurteils 291 

Serbiens Militärgeheimdienstchef übernimmt die Ausführung 291 
Grand-Orient - Zwischenfälle in London 293 
Das Konto E 295 

Die Schüsse, die den Weltkrieg brachten 297 
Freimaurerische Vollstrecker 297 
Freimaurerische Hintermänner 299 

Kap. 4,18: Die letzten Schritte in den Krieg 301 

St. Petersburg: 19-22.Juli 301 
Donnerstag, 23. Juli 302 
Freitag, 24. Juli 303 
Samstag/Sonntag, 25726. Juli 304 
Montag, 27. Juli 305 
Dienstag, 28. Juli 307 
Mittwoch, 29. Juli 307 
Donnerstag, 30. Juli, St. Petersburg 310 
Donnerstag, 30. Juli, Paris 312 



Freitag, 31. Juli 313 
Samstag, 1. August 316 
Sonntag, 2. August 318 
Montag, 3. August 319 

Anhänge 

1: Das Alte Testament über die politische Sendung des Judentums 327 

2: Kabbalistische Weltpolitik und das Mysterium Zaddik 353 

3: Tikkun: Der Imperativ des Historischen Aktivismus 355 

4: Kabbalistischer Satanismus: Verderbnis als Weg zur Erlösung 363 

5: Großbritannien: „Reich des Bösen “? 367 

6: Endzeitprojekt Aufklärung: Der Einfluß des okkulten 
Chassidentums 371 

Epilog 375 


Grafiken 377 



Eine notwendige Vorbemerkung 


Das vorliegende Buch behandelt geschichtliche Abläufe, die in engster Form an das 
Wirken radikal-orthodoxer Kreise innerhalb des Judentums gekoppelt zu sein 
scheinen. 

Der Autor erachtet die Feststellung als grundlegend, daß im weiteren in keiner 
Form auf das Judentum als Volk und damit als Ganzes abgehoben wird. Im 
Betrachtungskem der Abhandlung steht vielmehr die jahwitische Religion, die 
sinnigerweise innerhalb Israels von dem überwiegenden Teil der jüdischen 
Bevölkerung abgelehnt wird. Und selbst hier ist eine weitere Einschränkung 
vorzunehmen, soll doch das religiöse Konstrukt des Judaismus ebenfalls nicht in 
seiner Gesamtheit in Frage gestellt werden. Unbestreitbar aber besitzt der 
theologische Überbau der Synagoge mit dem Auserwähltheitsgedanken und dem 
Messianismus fragwürdige Pfeiler, die eine Splittergruppe der mosaischen 
Gemeinde - der Chassidismus - wiederum zur Basis ihres Handelns erhebt. Die 
politischen Übergriffe dieser speziellen Sekte, in der sich vergangenheitsorientierter 
Fundamentalismus und endzeitlicher Okkultismus die Hand reichen, bilden die 
eigentliche Thematik des Buches. 

Da es dem Chassidismus im Laufe der Jahrtausende offen oder durch 
verschiedenste Frontorganisationen versteckt gelungen ist, tief in weltliche und 
religiöse Belange des Judentums einzudringen, und dieses für eigene Zielsetzungen 
zu instrumentalisieren, ist eine klare Interessenstrennung innerhalb des hebräischen 
Volkes von Fall zu Fall nur sehr schwer möglich. Auch der Autor hatte mit dieser 
Problematik, in der „Identifizierung“ und „Verallgemeinerung“ eng beieinander 
liegen, zu kämpfen. Er meint dies - wo möglich - im besten Sinne gelöst zu haben. 
Letztlich und ganz maßgeblich auch im Interesse der Masse jener leidgeprüften 
Israeliten, die bis auf den heutigen Tag Objekt der Zeitgeschichte geblieben sind. 



Es ist ein alter agadischer Satz, daß auch die 
größten weltbewegenden Ereignisse nur um 
Israel willen sich vollziehen. 

Der jüdische Religionsphilosoph Dr. Joseph 
Wohlgemuth in seinem Buch „Der Weltkrieg im 
Lichte des Judentums “ 

Ich hege keinen Zweifel daran, dass der Mythos 
vom auserwählten Volk sowie der damit Hand in 
Hand gehende Messianismus der Schlüssel¬ 
mythos der Geschichte ist und das wir darin 
eine fast vollständige Erklärung des 
weltweitem Irrsinns finden. 

Francis Bacon. Zitiert nach Ben Weintraub, 
„ The Holocaust Dogma of Judaism 
Seif Determination Committee, Washington 

D.C. 1995 

Der Jude von heute ist brandneu - er glaubt 
daran, daß ihm Gott die Macht gegeben hat und 
daß diese Macht genutzt und eingesetzt werden 
muß ... Es wird keine Veränderungen geben, 
wenn wir die Geschichte nicht in unsere eigenen 
Hände nehmen. 

Dr. Israel Singer, Generalsekretär des 
Jüdischen Weltkongreß', The Jewish Press, 20. 
2. 1998 

Im biblischen Judentum waltet nicht das Prin z ip 
der individuellen, sondern das der generellen 
Vorsehung, einer göttlichen Vorsehung, die sich 
auf die Arten der Kreatur, auf Völker, 
Generationen und deren Führer erstreckt. 

Simon Dubnow, „ Geschichte des 
Chassidismus “, Jüdischer Verlag im Athenäum- 
Verlag, Königstein/TS. 1982, 1. Band, Seite 19 



Vorwort 


Moskau 1937 - Im Scheinwerferlicht eines Hochverratsprozesses: Der angeklagte 
Sowjetfunktionär Karl Radek prognostiziert mitten im Frieden das sichere 
Herannahen eines dramatischen Konflikts. Dabei identifiziert er die Drahtzieher 
dieses zweiten mit den „wahren“ Verantwortlichen des ersten Weltkrieges. Das 
Geheimnis um die verborgene Elite - so der Todgeweihte - das Lenin am Ende 
seiner Tage habe enthüllen wollen, und um das 1914 die Attentäter von Sarajewo 
wußten, bedeute gleichfalls eine Waffe gegen den kommenden Krieg. Der Rest ist 
Schweigen, denn hier greift die Zensur Stalins ein. 

Moskau/Den Haag 1923 - Im Kreml und auf einem zwischenstaatlichen Symposium: 
Wenige Tage nach der Machtergreifung des Faschismus in Italien verbietet Lenin 
den geheimnisumwitterten Freimaurerorden, dem sich - so der Kornmunistenführer 
- leitende Linksrevolutionäre kurz vor Beginn des Krieges angeschlossen haben. Im 
gleichen Atemzug befiehlt er in einer geheimen Direkte seinem Mitteleuropa- 
Experten Karl Radek, vor einer internationalen Friedens-konferenz in Den Haag 
eine bedeutende Rede zu halten. In dieser sollen bis heute unbekannte Hintergründe 
der Entstehung des Ersten Weltkrieges zur Sprache kommen. Auch hier erhält sich 
der Text nur in Fragmenten. Radek kommt seinem Auftrag nicht nach. Lenin wird 
praktisch in Stundenfrist durch eine mysteriöse Krankheit für immer zum 
Schweigen gebracht. 

Paris 1914 - Hinter den Toren der Freimaurerloge „Grand Orient“: Die künftigen 
Attentäter von Sarajewo treffen sich mit leitenden freimaurerischen Vertretern der 
russischen KP. In diesem Umfeld beschließen sie die Ermordung des 
österreichischen Thronfolgers, die planmäßig den Krieg auslösen soll. Der Coup 
gelingt und führt zum bis dahin blutigsten Völkergemetzel der Geschichte. An 
dessen Ende steht Englands Versprechen zur Errichtung eines jüdischen 
Staatswesens in Palästina und der Sieg der Roten Oktoberevolution im 
nachzaristischen Rußland. Beide Ereignisse, die in ein und derselben Woche über 
die Bühne gehen, werden aus dem Hintergrund heraus von Ordenskräften lanciert, 
die in einem hebräischen Bankhaus in New York ihr Lebenszentrum haben. Diese 
geheimnisvolle Geldmacht wird wenig später in Italien und Deutschland den 
Faschismus triumphieren lassen. 

Was sind das für Kräfte, die es vermögen, derart massiv und konträr in die Belange 
der Weltpolitik einzugreifen? Wer sind die bestimmenden Männer und vor allem: 
Aus welchen Antrieben handeln sie? 

Als ich vor Jahren meine Forschungen über eine Geschichte hinter der Geschichte 
aufnahm, ahnte ich nicht im entferntesten, in welcher in des Sprichworts wahrer 
Bedeutung „Teufels Küche“ meine Wahrheitssuche schließlich enden würde. Ich 
ahnte nicht, welch komplizierte Wege die Recherche nehmen würde, nicht, wie oft 



Opfer und Täter, Gut und Böse, Himmel und Hölle ihre bunten Kostümierungen 
wechseln sollten. Immer und immer wieder entpuppten sich die Bahnhöfe 
vermeintlicher Entschlüsselung lediglich als Durchgangsstation. Und so führte der 
Blick hinter die Kulissen des Weltgeschehens von den alltäglichen Komplotten 
einflußreicher Geheimdienste zu dem gleichgerichteten Treiben politisierender 
Geheimgesellschaften, um dann schließlich in der Welt der Religion, der Mystik zu 
enden. 

Hier führt die Spur zu einer Sekte okkult-orthodoxer Israeliten, die es sich als 
selbsternannte Vertreter des mosaischen Glaubens zur Aufgabe gemacht hat, die 
Voraussagen der biblischen Überlieferungen bis ins Detail hinein in die Tat 
umzusetzen: Der Geheimvatikan. Es ist dies eine Kraft, der es durch die Infiltration 
bestimmter Freimaurergruppen früh gelungen ist, weite Teile des Establishment für 
seine Ziele einzuspannen und den Globus mit einem engmaschigen Netz zu 
umspinnen. Selbst im Dunkeln verharrend, beeinflußte die Kurie vom Sinai 
Revolutionen, sie schuf und zerstörte Staatswesen, hielt die Welt durch Skandale, 
Wirrnisse und bewaffnete Konflikte in Atem. Nach dem Zeitplan der israelischen 
„Propheten“ stehen wir derzeit kurz vor einem letzten - apokalyptischen - Waffen¬ 
gang, der im Nahen Osten ein atomares Ende finden soll. In seinem globalen 
Schrecken sollen sich die Völker bereit finden, die Grenzen niederzureißen, um sich 
einem erdumgreifenden Gottesstaat auszuliefern. 

Das vorliegende Buch thematisiert vor allem den Zeitabschnitt der Französischen 
Revolution bis hin zum Ausbruch des ersten Weltkrieges. Zwei weitere Bände - 
unter dem gleichen Titel erschienen und jeweils in sich abgeschlossen - behandeln 
nachfolgende Ereignisse. Zusammengenommen bildet das Gesamtwerk vermutlich 
jene Waffe, welche die eingeweihten Logenbrüder Lenin und Radek der 
Menschheit zum Kampf gegen den Krieg an die Hand geben wollten, bevor sie den 
Verrätertod starben. 



17 


Denn ich bin der Herr. Was ich rede, das soll 
geschehen. (Hes. 12.25, 591 v.Chr.) 

Und du, Daniel, verbirg diese Worte, und versiegle 
dies Buch bis auf die letzte Zeit (Daniel 12.4. 
536v.Chr.) 

Darin besteht die Liebe zu Gott, daß wir seine Gebote 
halten; und seine Gebote sind nicht schwer, denn 
alles, was aus Gott geboren worden ist, besiegt die 
Welt. Und das ist die Siegesmacht, die die Welt 
besiegt hat: unser Glaube. (1. Johannes 5:3, 4) 

Kapitel 1 

Die Bibel-Prophetie 
Göttliche Fügung oder 
menschliche Verschwörung? 


Der Bibel-Code 

Im Jahre 1994 warteten die Jerusalemer Hochschulprofessoren Elijahu Rips, Doron 
Witzum und Yoav Rosenberg mit einer Sensation auf, die binnen kürzester Zeit wie 
ein Lauffeuer den Erdball umrunden sollte. Die hebräischen Wissenschaftler 
behaupteten, auf einen geheimnisumwitterten Nachrichtenschlüssel gestoßen zu 
sein, mit dem es möglich sein sollte, innerhalb der alttestamentarischen 
Überlieferung des Judentums, vor allem in den Fünf Büchern Moses (Thora), 
Botschaften zu entdecken, welche den nachfolgenden Geschichtsverlauf bis auf 
unsere Tage mit exakter Genauigkeit voraussagten. Die Amerikanische Revolution, 
der Sturm auf die Bastille, das Wirken Napoleons, die bolschewistische Revolution 
in Rußland, der Zweite Weltkrieg, der Holocaust, Hiroshima, Watergate, die 
Ermordung der Kennedys, eine Beschreibung von AIDS, Einzelheiten des 
Golfkrieges... - kaum eine der großen Umwälzungen, die die Menschheit nach 
Niederlegung der Bibel bewegen sollten, blieb unerwähnt. 1 

Die israelischen Code-Forscher untermauerten ihre sensationelle Enthüllung mit 
einer langen Beweiskette. So verglichen sie unter anderem am Computer das 


1 Siehe den Artikel von Rips, Witzum und Rosenberg in der Augustnummer 1994 des 
amerikanischen Wissenschaftsmagazins „Statistical Science“. Abgedruckt in Michael Drosnin, 
»Der Bibel-Code“, Wilhelm Heyne Verlag, München 1997, Seite 245ff. 



18 


Verhältnis von Voraussagen und aktueller Wirklichkeit zueinander. Ergebnis: Alle 
solcherart befragten Elektrogehirne waren sich einig, daß die Vielzahl der 
eingetroffenen Voraussage jede Zufallsgrenze sprengte. Anschließend wurde der 
Geheimschlüssel von einem der hervorragendsten Kryptoanalytiker des US- 
Verteidigungsministeriums auf Herz und Nieren abgeklopft - um für stimmig 
befunden zu werden. Er überstand eine dreifache Überprüfung durch ein führendes 
amerikanisches Mathematikmagazin. Und schließlich gaben sich gar die drei 
berühmtesten Mathematiker der Welt in Harvard, Yale und an der Hebräischen 
Universität von Jerusalem nach eingehender Prüfung mit dem Befund geschlagen, 
daß der in Frage stehende Thora-Code real sei und wirklich zukünftige Ereignisse 
beschreibe. 2 3 


Wer war hier am Werk? 

Der Triumph des Codes war zugleich ein Sieg der im Zuge der Moderne immer 
mehr an den Rand des Lebens gedrängten Religion. Da die zur Diskussion 
stehenden ersten fünf Bücher der Bibel das Kernstück des Judaismus darstellen, 
sahen sich vor allem thoratreue Israelis in ihrem Glauben bestätigt: Das ist der 
Beweis, daß Jahwe , unser nationaler Gott, Wirklichkeit ist, jubilierten sie. Sein 
Bund mit dem jüdischen Volk, den er mit Mose auf dem Berge Zion schloß, prägt 
die politischen Ereignisse bis auf den heutigen Tag - allein durch den Willen des 
Herrn. War das die Wahrheit? Jene hebräischen Autoren, die den Bibel-Code 
außerhalb Israels bekannt machten, stimmten dem zu. „Wir waren bis auf den 
heutigen Tag nicht religiös“, verkündeten sie unisono. „Wir werden uns aber wieder 
der Religion unserer Väter zuwenden, denn welche andere Möglichkeit gibt es, als 
anzunehmen, daß hier Gott jene unabänderliche Zukunft verkündet hat, die er für 
seine Gefolgschaft geplant hat?“ 

War und ist der Code tatsächlich gottgesetzt und somit schicksalhaft? Ebenso 
denkbar und nicht minder explosiv wäre auch eine andere Erklärung: Es ist dies die 
weniger mystische und eher den Gesetzen aufgeklärter Logik folgende These, daß 
der Code von höchst irdischen Gestalten erdacht und aufgesetzt wurde - um genau 
zu sein von exakt jenen Männern, die auch das Alte Testament niederschrieben. 
Wenn wir diese Theorie zu Ende denken, dann handelte es sich bei den „göttlichen 
Ausblicken“ des Alten Testaments weniger um „Wunder“ als um ein in die Bibel 
kodiertes politisches Langzeitprogramm, das die Jahrhunderte hindurch von 
mächtigen Eingeweihten gelesen und umgesetzt wurde - eine ebenso fesselnde wie 
beängstigende Vorstellung! Unsere Annahme bietet eine einleuchtende Erklärung 
für das eigentliche Bestehen des Codes: Da sich die geheimpolitischen 
Anweisungen mehr als nur in einem Fall gegen das Wohl der Völkerfamilie 


2 Michael Drosnin, „Der Bibel Code“, Wilhelm Heyne Verlag, München 1997, Seite 13 

3 Seit dem Mittelalter wird der jüdische Gott von christlicher Seite mit dem Wort Jehova 
bezeichnet. Da diese Auslegung nicht unumstritten ist, wird in der Folge der Begriff Jahwe 
gewählt. 



19 


wandten, mußten sie vor der Außenwelt abgeschirmt werden, um den Plan als 
solchen nicht zu gefährden. So griffen die Verschwörer zur Verschlüsselung. 

Ist der Weg vom „Gottesbeweis“ des jüdischen Jahwe zum unterirdischen Wirken 
seiner Anhänger wirklich so kurz? Wir wissen zwar daß das Christentum ganz 
maßgeblich an der Gestaltung der Geschichte beteiligt war, indem es sich mit dem 
Vatikan eine organisatorische Zentrale und der Aufrichtung des Papsttums eine die 
Jahrtausende überdauernde 4 politische Führung gab. Von einem vergleichbaren 
Wirken des Judentums ist indes bis auf den heutigen Tag nichts bekannt geworden. 
Sind wir am Ende mit dem Bibelcode einer Art Geheimvatikan des „auserwählten 
Volkes“ auf die Spur gekommen? Gibt es wider aller historischen Erkenntnis einen 
engumgrenzten Kreis fundamentalistischer Hebräer, der über die Jahrtausende 
hinweg hintergründig sein Werk tut, um die Geschicke der Welt nach den Plänen 
ihrer „Propheten“ zu leiten? Abgesehen davon, daß ein Motiv vorliegt, da Jahwe 
bibelgemäß seinem Volk - und zwar einzig und allein diesem - für das „Ende der 
Tage“ die gesamte Herrschaft über die Welt in Aussicht stellt, gibt es in der Tat eine 
ganze Reihe von Indizien, die einen Verdacht gegen fanatisierte Jünger „des Herrn“ 
begründen. 


Das Mittel: Kryptographie 

Stellen wir uns also die ebenso grundlegende wie ketzerische Frage: Wer zeichnet 
für die Abfassung des Codes verantwortlich? „Gott und sonst niemand“, antworten 
uns die rindigen Autoren ebenso wie fromme Juden. Wenn sich nun tatsächlich 
nachweisen ließe, daß die Menschheit der biblischen Zeit noch keine Kenntnis der 
Geheimschrift besaß, dann sollte man sich der Logik nach dieser Meinung 
anschließen. Wenn aber das Wissen um Verschlüsselungssysteme in diesen frühen 
Tagen bereits irgendwelchen Menschen geläufig war, müssen wir auch diese 
Gruppe eingeweihter Sterblicher neben Jahwe auf die Liste „verdächtiger Codisten“ 
setzen. 

Tatsächlich ist die Kryptographie erst im Mittelalter in allgemeineren Gebrauch 
gekommen. Vor Christi Geburt wurde diese verschwörerische Kunst weltweit nur 
in einer einzigen Kultur gepflegt: Im Judentum, dem Volk der Bibel-Chronisten. 
Mehr noch, Jeffrey Satinover, jüdischer Autor des Buches „Die verborgene 
Botschaft der Bibel“, zeigt, daß die frühen Hebräer dieses Wissen ausgerechnet bei 
der Abfassung der „Heiligen Schrift“ anwandten. Wörtlich heißt es bei ihm: „Der 


4 Der Bischof von Rom wurde bereits im 3. Jahrhundert n. Chr. „Papst“ genannt. Bereits im Jahre 
325 wurde auf dem Kirchenkonzil zu Nikäa die Amtsgewalt des römischen Bischofs über die 
Bischöfe des lateinischen Westens (Italien, Gallien, Spanien, Illyricum, Afrika) anerkannt. Im 
Jahre 391 wurde das Christentum zur Staatsreligion im römischen Kaiserreich erhoben. Einer der 
ersten Bischöfe von Rom, die ihrer Macht Geltung verschafften, war Papst Leo I. (440-461 n. 
Chr.). Dieser eignete sich die vormals heidnische Ehrbezeichnung Pontifex maximus an, einen 
Titel, den noch heute die Päpste innehaben und der bis gegen Ende des 4. Jahrhunderts von den 
römischen Kaisern getragen wurde. 



20 


früheste ausdrückliche Gebrauch der zweiten Schicht einer Bedeutung, die auch 
absichtlich und willentlich in einen Text eingebettet wurde, der sich an der Oberfläche 
normal und sinnvoll liest (ein sogenannter 'Schlüsseltext'), kann vermutlich auf die alten 
Israeliten zurückverfolgt werden. Jedenfalls stammen die ältesten bekannten Texte 
dieser Art von ihnen. Sie kommen beispielsweise vor bei Jeremia (25,26 und 51,42), wo 
das eigenartige Wort ’Sheshech' (Sesach) offen für 'Babylon' substituiert ist: 'Wie ist 
Sesach so gewonnen und die Berühmte in der Welt so eingenommen! Wie ist Babel so 
zum Wunder geworden unter den Heiden!' Dies ist ein Beispiel eines Buchstaben- 
Substitutions-Codes, der 'Atbash' genannt wird; der erste Buchstabe des hebräischen 
Alphabets (im Hebräischen das A, der Verf.)... wird durch den letzten ersetzt (das T),... 
der zweite (das B)... durch den vorletzten (das Sh) und sofort. Kabbalistische Weise des 
Mittelalters bezeichneten diese Substitution als 'Permutation' von Buchstaben. “ 5 

Der Atbash-Code findet sich ferner in einigen der vorchristlichen Schriftrollen vom 
Toten Meer, die im israelischen Qumran von dem jüdisch-esoterischen Essener- 
Orden versteckt worden sind, um sie dem römischen Zugriff zu entziehen. 

Fein, mag man an dieser Stelle einwenden, damit wäre also bewiesen, daß das 
orthodoxe Judentum als letzten Endes einzig Begünstigter des Thora-Plans als einziger 
auch ein Motiv zu dessen Tarnung und Umsetzung hatte. Wir wissen jetzt ebenfalls, 
daß die Kinder Mose zugleich auch als einzige die Möglichkeiten zur Verschlüsselung 
des von uns angenommenen Vorhabens hatten. Wir haben schließlich erfahren, daß 
Geheimschriften zum ersten Mal in der Geschichte in gerade diesen Kreisen 
auftauchten, und zwar bereits zu der Zeit, als „die Hand Gottes“ angeblich den Bibel- 
Code gebar. Diese „Indizien“ passen zusammen und ergänzen einander. 

Wie aber soll die unbeschadete Bewahrung des Codes über Tausende von Jahren 
hinweg funktioniert haben? Bei jeder Neuschrift und Überarbeitung der Bibeltexte 
müssen doch im Laufe der Jahrtausende zwangsläufig Änderungen des 
ursprünglichen Textes aufgetreten sein. Setzen wir aber einen vor Christi Geburt 
durch jüdisch-fundamentalistische Schriftgelehrte in die Thora verschlüsselten 
Geheimplan voraus, so mußte dieser mit der kleinsten Satzumstellung und 
Sinnesdehnung im Originaltext unwiderruflich wieder abhanden kommen. Einer 
auf ein noch so geringfügig verändertes Dokument angelegten 
Verschlüsselungsschablone fehlen dann nämlich mit einem Schlag jene Eckpunkte, 
an der sich der Eingeweihte beim Lesen orientieren kann. Um die Bewahrung des 


6 Jeffrey Satinover, „Die verborgene Botschaft der Bibel - Der Code der Bibel entschlüsselt“, 
Goldmann Verlag, München 1997, Seite 143. Satinover rührt auf der folgenden Seite den 
bekannten Kryptologen David Kahn ins Feld. Dieser bestätigte demnach in seinem Buch „The 
Codebreakers: The Story of the Secret Writing“ (New York 1967, Macmillian, Seite 79) die 
Originalität der jüdischen Schriftsysteme, indem er ausführte, daß die hebräischen Codes, 
speziell das Atbash, erst „die Mönche und Schreiber im Mittelalter auf die Idee der 
Buchstabensubstitution brachte. Von da an begann der Strom des modernen Chiffre-Gebrauchs... 
als Mittel geheimer Kommunikation.“ 



21 


ursprünglichen Schlüssels zu gewährleisten mußten unsere hebräischen Regisseure 
daher ein geradezu übermenschliches Augenmerk auf die Authentizität des Alten 
Testaments legten. 


Buchstabentreue Thora 

Vor eben diesem Hintergrund ist eine ebenso alte wie geheimnisvolle Tradition des 
Judentums zu sehen, die den Verschwörern prompt zu Hilfe kam: Es handelt sich 
um die Überlieferung, daß im Gegensatz zu allen anderen Büchern der Heiligen 
Schrift die Thora nicht nur von Gott inspiriert, sondern Moses von Gott Buchstabe 
für Buchstabe diktiert wurde. Da es den Rabbinern gelang, diese Behauptung zum 
Glaubensgrundsatz zu erheben, sahen sich die frommen Juden genötigt, ihre 
Bibeltexte mit geradezu geheimdienstlicher Genauigkeit auf die Urversion 
abzustimmen. Und jede Thorarolle in jeder einzelnen Synagoge der Welt wurde 
seither mit derselben Sorgfalt nach nie geänderten Regeln von Hand von einer 
vorangegangenen kopiert. An die Schreiber, die sich für diese Aufgabe einer 
ebenso strengen wie langen Schulung unterziehen mußten, gaben die Rabbis 
jahrhundertelang die bezeichnende Warnung weiter: „Solltest du zufällig auch nur 
einen Buchstaben der Thora auslassen oder hinzufügen, würdest du damit das 
gesamte Universum zerstören.“ 6 Angsteinflößenden Drohungen dieser Art finden 
sich in der jüdischen Exegese übrigens mannigfaltig wiederholt. So mahnt im 
Babylonischen Talmud der Schreiber Rabbi Yishmael seinen Sohn: „Sei achtsam in 
deiner Arbeit als Schreiber, denn es ist eine heilige Aufgabe. Vielleicht vergißt du 
einen einzigen Buchstaben oder fügst einen einzigen hinzu und zerstörst damit die 
ganze Welt.“ Und Rabbi Solomon Yitzhaki (Rashi), der große Kommentator des 
13. Jahrhunderts, warnte ebenfalls: „Der Herr dein Gott ist Emet, die wahre 
Wirklichkeit. Wenn du Emet ohne den ersten Buchstaben schreibst, so zerstörst du 
die Welt.“ Und Rashi sagte weiter: „Und Gott sprach (Singular). Wenn du jedoch 
schreibst: Und Gott sprach (Plural), so zerstörst du die Welt.“ 8 Dieser befremdlich 
anmutende Fundamentalismus hat sich bis auf den heutigen Tag im Judentum 
erhalten. Er war die Basis, auf der die Bewahrung und Überlieferung des Codes 
durch alle Wirren der Zeiten ruhte. Während sich das profane Volk an der 
bilderreichen Oberfläche des Gotteswortes berauschte, konnten die Eingeweihten 
des Sinai auf diese Weise - zu jeder Zeit und an jedem Ort der Welt - 
übereinstimmend Klartext lesen, in einer anderen, geheimen Bibel. 


6 Jeffrey Satinover, „Die verborgene Botschaft der Bibel - Der Code der Bibel entschlüsselt“, 
Goldmann Verlag, München 1997, Seite 25 

7 Babylonischer Talmud, Eruwin 13b nach Jeffrey Satinover, „Die verborgene Botschaft der 
Bibel - Der Code der Bibel entschlüsselt“, Goldmann Verlag, München 1997, Seite 84 

o 

Jeffrey Satinover „Die verborgene Botschaft der Bibel - Der Code der Bibel entschlüsselt“, 
Goldmann Verlag, München 1997, Seite 84f. 



22 


Tatkräftige Diener Gottes 

Tatsächlich ist es von Alters her möglich, eine nahezu lückenlose Chronologie code¬ 
erfahrener ,Bibel-Forscher“ nachzuweisen, die die Jahrtausende bis auf unsere Tage 
überbrückt. Was dieser Entdeckung zusätzliches Gewicht verleiht: In ebendiesen 
Kreisen taucht von Anbeginn an das Bestreben auf, verschlüsselte oder offene 
„Prophezeiungen“ in die Tat umzusetzen - ein Handeln, das der Annahme einer 
möglichen Verschwörung klar Rechnung trägt. 

Der vielleicht älteste Beleg, daß im Judentum Glaube und „self-fulfilling prophecy“ 
durchaus zwei Seiten derselben Medaille sein können, findet man in dem von 
Jeremia um 580v. Chr. verfaßten 1. Buch der Könige 2,27. Hier lesen wir: „So 
vertrieb Salomo Abjathar aus dem Priesterdienst Jahwes, um das Wort Jahwes zu 
erfüllen, das er gegen das Haus Elis in Silo geredet hatte.“ Der Geschichtsschreiber 
berichtet von der Erfüllung einer Prophetie. König Salomo hat Abjathar aus dem 
Priesterdienst entlassen, um so das Wort des Herrn bewußt zu erfüllen. 

Ein weiteres frühes aber weit wichtigeres Beispiel vorauseilender Gottestreue ist der 
durch den Code „vorhergesagte“ vorchristliche Makkabäer-aufstand gegen das 
syrische Joch. Diese scheinbar patriotischen Zielen dienende Erhebung „ereignete 
sich“ nicht einfach aus heiterem Himmel, sie wurde auch nicht wie zu erwarten wäre 
von weltlich-politischen Juden inszeniert. Im Gegenteil, alle Vorbereitungen des 
Coups lagen in der Hand eines - radikalreligiösen Geheimbundes. Die Mitglieder 
dieses elitären Zirkels, die man Chasidäer nannte, begriffen sich quasi als Werkzeug 
Gottes. 

Sollten wir mit den frühen Chasidäern zugleich den Fix- und Angelpunkt jener von 
uns gesuchten, geheimnisvollen Hintergrundmacht gefunden haben? Sicher ist, daß 
diese Ultraorthodoxen für die Geschichte des Judentums von großer Bedeutung 
waren. Aus den Chasidäern gingen nach der Erhebung der Makkabäer um 150 v. 
Chr. zwei religiöse Gruppen hervor, die auf die Geschicke des Judentums auf lange 
Zeit einen wichtigen Einfluß ausüben sollten. 

Zum einen war dies die überaus gesetzestreue Sekte der Pharisäer, die wiederum den 
Stand der Rabbiner gebar. Letztere schwangen sich schnell zur geistigreligiösen 
Oberleitung des Judentums auf, eine Position, die sie bis heute nicht aus der Hand 
gegeben haben. 

Auf der anderen Seite brachten die Chasidäer die gleichfalls fest im Thoraglauben 
verwachsene, nach außen jedoch streng abgeschlossene Ordensgemeinschaft der 
Essener hervor. Diese der Freimaurerei in vielerlei Hinsicht nicht unähnliche 
esoterische Bewegung 9 , die den Atbash-Code kannte, löste sich der offiziellen 


9 Wie die in Aufbau und Vorgehensweise der Scientology-Kirche vergleichbaren Freimaurer, 
kannten die Essener Gradeinteilungen, Paßwörter, langwährende Probezeiten, 
Verschwiegenheitseide, das Gesetz der Brüderlichkeit. Abzeichen des Ordens waren eine Schürze 



23 


Geschichtsschreibung zufolge mit der Vertreibung der Juden aus Palästina nach 
Christi Kreuzigung praktisch im Nichts auf - vielleicht tauchte die verschwiegene 
Bruderschaft aber ganz einfach nur in den Untergrund ab, um von dort um so 
effektiver auf das Judentum wirken zu können. 

Auf jeden Fall machten Teile ihrer Geheimlehre, versetzt mit messianischen 
Endzeiterwartungen, späterhin immer wieder aufs Neue von sich reden. Der vielleicht 
wichtigste Ausstrahlungspunkt war Safed, eine der vier heiligen Städte des 
Judentums, seit dem 15. Jahrhundert Zentrum der jahwitischen Gemeinde im Orient. 
Inspiriert durch die jüdische Tradition, daß die messianische Ära - wenn der Messias 
kommen würde, um das Gesetz Gottes zu bringen - durch fürchterliche Katastrophen 
eingeleitet würde, richteten hier zwischen dem Berg Kanaan und dem See Genezareth 
einige aus Spanien vertriebene Rabbis eine Kommune ein, wo in Erwartung der 
neuen Morgenröte das Leben auf den Prinzipien der Frömmigkeit und mystischer 
Kontemplation geführt wurde. Um den Kem eines wiederbelebten Sanhedrin - eine 
alle Juden der Welt führende Regierung - zu bilden, wurde am gleichen Ort 1539 die 
alte Praxis der Priesterweihe wieder eingeführt. Manches Internum dieser 
Ordensgemeinschaft ist bis heute nicht bekannt, da die esoterische Ausbildung in 
absichtlich klein gehaltenen Gruppen stattfand, deren Mitglieder zur absoluten 
Verschwiegenheit verpflichtet waren. 

Die endzeitliche Mystik von Safed beeinflußte gleichermaßen die Entstehung des 
Chassidismus und des Sabbataismus im Gebiet der Moldau. Die Sekte der 
Sabbatianer fußt auf den Lehren des jüdischen Schwärmers Sabbatai Zwi, der sich 
für den für 1648 erwarteten Messias ausgab. Er wurde verbannt, lebte dann in 
Jerusalem und Ägypten und kehrte von da in seine Heimat zurück, begleitet von dem 
angeblichen Propheten Nathan aus Gaza, der überall von den Wundem und der 
Herrlichkeit des neuen Messias predigte. In Smyrna empfing man Zwi 1666 mit 
Triumph. Immer mehr Thoragläubige wurden von dieser Bewegung ergriffen, bis die 
türkische Regiemng den selbsternannten Verkünder festnahm und in das 
Dardanellenschloß Abydos einkerkern ließ. Um sein Leben zu retten, bekannte sich 
Sabbatai Zwi zum Islam und wurde später nach Dulcigno in Albanien verbannt, wo 
er starb. Noch 100 Jahre nach seinem Tod war der Glaube an den angeblichen 
Messias wach geblieben. 

Er lebte besonders in Jakob Frank (1720-1791) wieder auf, der die Bewegung der 
Sabbatianer beerbte und deren religiöses Fundament mit einem gefährlichen 
politischen Gerüst versah. Johannes Maier schreibt in seiner „Geschichte der 
jüdischen Religion“ über die nunmehr Frankisten benannte Gmppiemng: „Sie 
radikalisierten sogar mehr bis hin zum ausgesprochenen Nihilismus und 


und eine Hacke. Über ihre theoretischen Lehren ist wenig bekannt. Ihnen wurde Geheimwissen 
(so über die Engel und die menschliche Seele) zugesprochen, sie verehrten die Sonne (vor 
Aufgang der Sonne richteten sie ein Gebet an diese). Ihre Sonderlehren waren in Geheimbüchem 
aufgezeichnet. Im ganzen stellten sie ein mit mancherlei Außerjüdischem (Hellenistischem und 
Persischem) vermischtes Judentum dar. Andererseits charakterisierte sie ihre Auffassung vom 
Sabbat und vom Gesetz als strenggläubige Juden. 



24 


Anarchismus, paradoxerweise verbunden mit einer militaristischen Ideologie und 
mit phantastischen Weltherrschaftsplänen... Die Zerstörung der widerwärtigen 
Weltordnung betrieb man durch die 'heilige Sünde'... bildlich: die Stadt wird auf 
dem Wege durch die Kloake erobert, also durch bewußte Durchbrechung und 
Perversion der geltenden Moral... In geheimen orgiastischen Veranstaltungen 
wurde die alte Sexualmoral nach dem Grundsatz, daß die Verbote zu Geboten 
werden, auf den Kopf gestellt... Äußerlich, gegenüber den Nichtgläubigen, wurde... 
eine Assimilation vorgetäuscht zum Zwecke der Unterwanderung des 
Weltestablishments.“ Den Einfluß dieser Gruppierung auf spätere Ereignisse 
bestätigt Maier... so „konnte sich der Trieb nach dem Neuen, Umstürzlerischen als 
Folge der sabbatianischen Ausrichtung auf den radikalen messianischen Wandel 
der Verhältnisse mit säkularen nichtjüdischen Strömungen verbinden. Weniger das 
„Wie“ und „Was“ des erhofften Neuen als vielmehr das „Daß“ des Umsturzes 
überhaupt schien hier wichtig.“ 10 

Vor einem ähnlichen ideologischen Hintergrund und im selben territorialen Umfeld - 
im heutigen Moldaugebiet - entstand Mitte des 18. Jahrhunderts die mystische Sekte 
des Chassidismus (vom hebräischen chasid, „fromm“), die noch heute über große 
Macht innerhalb des Judentums verfügt. Begründet von Israel Baal Sehern, genannt 
Israel ben Eliezer verband sie Thorastudium, Talmudismus, Pantheismus und 
archaische Geheimlehre vor dem Hintergrund kommender Heilserwartung. Eliezer, 
der als Heiliger verehrt wurde, nahm den Titel Zaddik („Frommer“) an und erklärte 
sich für den Stellvertreter Gottes auf Erden. Seine Einweihung erhielt er in den 
transsylvanischen Karpaten. Der 1815 gestorbene Jacob Issac von Lublin, einer der 
angeblich hellsichtigen Führer des Chassidismus, verschärfte die messianischen 
Hoffnungen noch, indem er erklärte, die Napoleonischen Kriege seien das Vorspiel 
der anstehenden Gottes-Erlösung, die beschleunigt werden könne und müsse - unter 
anderem durch den Einsatz von Magie. 

Wie der Sufismus im Islam so wurden auch dessen hebräischen „Verwandte“ von 
den Chasidäern bis zu den Chassiden von der offiziellen Religion kaum mehr als 
geduldet. Je nach der Betonung eigenständigen Charakters reichte die Behandlung 
von der Zusammenarbeit bis hin zu Verfolgung und Exkommunizierung. Nicht 
zuletzt wegen des oft problematischen Verhältnisses zu Israels sichtbaren 
Statthaltern finden sich die vitalen Zentren heute vor allem in den USA, darunter 
die bekannten und überaus aktiven Lubawitscher. Trotzdem gab es eine ganze 
Reihe gläubiger Schüler, die ihren Einfluß auf das Heilige Land konzentrierten, 
darunter der Frühzionist Asher Ginzberg, Martin Buber und der Chefrabbi von 
Palästina Abraham Isaac Kook (1865-1935). 

Die Anfangs gestellte Frage: Sollten wir mit den frühen Chasidäern zugleich den 
Fix- und Angelpunkt jener von uns gesuchten, geheimnisvollen Hintergrundmacht 
gefunden haben? dürfen wir allem Anschein nach mit, „Ja“ beantworten. Wenn es 
eine den breiten Schichten des Judentums unbekannte Führung gegeben hat, die 


10 Johannes Maier, Geschichte der jüdischen Religion, S. 503f. 



25 


über die Dekaden hinweg das Volk Jahwe und dessen Umwelt im Sinne der 
göttlichen „Vorhersehung“ leitete, dann muß dieser Geheimvatikan ganz sicher 
zumindest in deren unmittelbaren Umfeld gesucht werden. Es ist nämlich 
nachweisbar, daß jedweder Anstoß zu bibelprophetischen Geschichtswirken aus 
dem Bereich des religiösen Judentums stammt und zugleich einem mystischen 
Wissen folgt, das die frühen Chasidäer mit ihren Nachfolgern teilten. Die Rede ist 
von der hebräischen Geheimlehre, die in der messianischen Gemeinde zu Safed ihr 
weltweites Zentrum hatte: der Kabbala. 

Die „Kabbala“ (hebr. „Überlieferung“) stellt angeblich eine von Gott selbst 
überbrachte tiefere Erkenntnis der im Gesetz verborgenen Geheimnisse dar, die 
von Moses an durch auserlesene israelitische Geister als Tradition neben der Schrift 
weitergegeben worden sei. Fakt ist, daß sich diese ursprünglich nichtjüdische 
Geheimlehre 11 in vielen Bereichen der Buchstaben- und Zahlenspielerei 
verschrieben hat. Das innerste Kernstück dieses Weistums ist die Erkenntnis, daß es 
Codes in der Thora gibt, mit der sich der geheime Sinn der Bibel entschlüsseln 
ließe. 


Kabbalisten als Träger und Wahrer der Geheimnisse 

Davon wußte bereits Nechunya ben HaKanahs, der während des 1. Jahrhunderts 
nach der Zerstörung Jerusalems durch die Römer in Judäa lebte. Er war einer der 
herausragendsten Schüler des Simeon ben Yochai, des geheimnisumwitterten 
Verfassers des „Zohar“, des Schmelzkerns der Kabbala. 12 Er war es, der in dem 42 
Buchstaben langen Namen Gottes die Länge des Mondzyklus und das Alter des 
„Universums“ entdeckt hatte. Ihm zufolge tat er dies mit Hilfe des Atbash, womit er 
gleichsam anklingen ließ, daß diese Methode komplexer sein muß als nur eine 
einfache Chiffrierung mit einer Buchstabenstellenverschiebung. Er gab nur 
teilweise preis, wie er dabei vorgegangen war. Nechunyas Geist wirkte noch lange 
nach und sein Buch „Sefer HaBahir“ war eine der Hauptquellen für die 
mittelalterlichen Kabbalisten. 


11 Das hebräische Geheimwissen entwickelte sich ganz zweifellos vor einem fremdkultischen 
Hintergrund - während der ägyptischen und babylonischen Gefangenschaft, als jüdische Priester 
bei den damals fortgeschrittensten Völkern der Alten Welt studierten. Gerade Babylonien bildete 
seinerzeit den Sitz sanskritischer Literatur und brahmanischer Gelehrsamkeit. Hier bewahrten die 
Chaldäer mit dem geheimnisvollen „Buch der Zahlen“ die Spitze esoterischen Wissens. Dieses 
erstaunliche Werk, welches mystische Riten, Anrufungen übernatürlicher Kräfte, die 
Wissenschaft der Zahlen, Astrologie und ähnliches mehr beinhaltet, machten die mosaischen 
Neueingeweihten nun zur Grundlage ihrer jüdischen Geheimlehre, eben der Kabbala. Das echte 
chaldäische „Buch der Zahlen“ befindet sich - offiziell verschollen - heute im Besitz einiger 

persischer Sufis. 

12 

' Das Alter der Kabbala wird in moderner Zeit gerne jünger angegeben, als es wirklich ist. Das 
erste Werk dieser ganzen Schriftenreihe, das Sefer Jezira („Schöpfung“) mag zwar in seiner 
bestehenden Form erst im 7. oder 8. Jahrhundert niedergelegt worden sein, tatsächlich geht sein 
Inhalt aber auf den 135 gestorbenen Mischnalehrer Akiba zurück. Und dieser wiederum schöpfte 
sein Wissen aus weit älteren Quellen. 



26 


Als Schüler Nechunyas ben HaKanah bezeichnete sich unter anderen der Thora- 
Kommentator Rabbenu Bachya Ben Asher, der im 13. Jahrhundert im spanischen 
Saragossa lebte. „Du solltest“, leitet dieser Weise sein Hauptwerk ein, „eine 
Entkryptisierung (wörtlich Kabbala) von diesem zweiten Abschnitt der Genesis 
kennen, die uns, beginnend mit dem Vers 'Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde..' 
bis zum Buchstaben beyt, dem 42. Buchstaben der Genesis, überliefert wurde. Er 
besteht aus 42 Buchstaben, die auf Gottes Tun vor der Schöpfung verweisen, 
allerdings nur mittels Umstellungen.“ Gleichsam, erklärte Bachya, enthielt dieser 
Bereich auch die nötigen Hinweise für die Findung jenes Schöpfungsdatums, 
„welches der echte Anfangspunkt aller Berechnungen der Astronomen ist“. Dunkel 
fährt er fort: „... wenn die Augen deines Herzens zu leuchten beginnen, wirst du das 
in dem Text verborgene Datum erkennen, in der Weise, daß zwischen jedem seiner 
Ziffern 42 Buchstaben stehen. Der Kluge wird begreifen, daß dies kein Zufall ist, 
sondern ein deutlicher Hinweis auf die Geburt der Welt.“ 13 

Zur gleichen Zeit und im selben Land wie Bachya lebte Joseph ben Abraham 
Gikatilla. 1274 veröffentlichte dieser in Kastilien sein erstes Buch, eine 
Zusammenfassung der Methoden zum Aufspüren verborgener Einsichten in der 
Thora mittels der „Gematrie“ (numerische Auswertung der Buchstaben), des 
„Notarikon“ (Anfangsbuchstaben von Sätzen) und der „Temura“ (Austausch von 
Buchstaben). Ein weiteres von ihm verfaßtes Werk, „Verse auf den Namen der 42 
Buchstaben“, verweist auf die von Bachya diskutierten einkodierten Informationen. 
Gikatilla bekannte, daß viele seiner Methoden den geheimen Aspekten der Lehren 
des Rabbi Moses Maimonides (1135-1204) entlehnt seien. Dieser bedeutendste 
jüdische Religionsphilosoph des Mittelalters hatte im 12. Jahrhundert in Spanien und 
Ägypten gewirkt und eine Vielzahl von Werken geschrieben. 

Die bis zur Neuzeit führende Linie von Eingeweihten aus dem Hause Israel setzte 
sich im 16. Jahrhundert mit Rabbi Moses Codevaro fort. Auch sein Name hat in der 
jüdischen Gemeinde einen guten Klang, amtierte er doch zu Lebzeiten als Haupt des 
damals höchsten rabbinischen Gerichts der Welt. Codevaro befand: „Für die Anzahl 
der Dinge, die man in der Thora mit Hilfe bestimmter Methoden entdecken kann, 
gibt es keine Beschränkung; es sind unzählige. Dergleichen ist von enormer Macht 
und tief verborgen. Wegen der Art, wie sie verborgen sind, ist es nicht möglich, sie 
voll zu verstehen, sondern nur teilweise. Die Heilige Schrift sagt selbst dazu: Ihr 
Maß ist länger als die Erde und breiter als das Meer. Die Geheimnisse der Thora 
enthüllen sich in den Auslassungen der Buchstaben.“ 14 

Von diesen Möglichkeiten dürfte auch der weise Jude Michael Nostradamus 
gewußt haben, der als größter Seher aller Zeiten in die Geschichtsbücher 
eingegangen ist. Weltweit berühmt wurde er durch seine in Reimform abgefaßten 
Vorhersagen, die er im Jahre 1555 unter dem Titel „Centurien“ herausgab. Da 


13 

Jeffrey Satinover, „Die verborgene Botschaft der Bibel - Der Code der Bibel entschlüsselt“, 
Goldmann Verlag, München 1997, Seite 113f. 

14 Jeffrey Satinover, a.a.O., Seite 81 f. 



27 


Nostradamus praktisch sein gesamtes Werk zerstückelte und mittels eines 
unbekannten Schlüssels neu zusammensetzte ist es kaum möglich, das Beschriebene 
vor seinem Eintreffen zu deuten, was dazu rührte daß der „Meister der Prophetie“ 
immer wieder in Zweifel gezogen wurde. 

Daß sich jedoch hinter der prosaischen Aneinanderkettung scheinbar 
unzusammenhängender Sätze mehr verbirgt als leere Luft, zeigen die von 
Nostradamus unverschlüsselt belassenen Vorworte, die den Centurien voranstehen. 
So schrieb er in seiner „Vorrede an Heinrich den Glücklichen“ über das Schicksal 
Rußlands, von ihm das „Gebiet des Attila und Xerxes“ 15 genannt: „Es folgen extreme 
Änderungen, vor allem die Umgestaltung der Königreiche. Die Erde wird gewaltig 
beben, zugleich aber wird mit der Vermehrung des neuen Babylons die elende 
Tochter emporwuchern durch die Greuel des ersten Brandopfers, doch wird sie nur 
73 Jahre und 7 Monate bestehen.“ Es dürfte klar sein, von welchen Zusammenhängen 
hier die Rede ist. Die bebende Erde und das erste Brandopfer bezeichnen den ersten 
Weltkrieg, die Umgestaltung der Königreiche deuten die europäischen Revolutionen 
der Jahre 1917/18 an, die elende Tochter ist der Kommunismus, der im Oktober 1917 
in Rußland die Macht ergriff und im Mai 1991 durch die Absetzung Gorbatschows 
sowie die Einführung des demokratischen Präsidialsystems aus allen Ämtern gejagt 
wurde - nach 73 Jahren und 7 Monaten. 

Ein Wunder? Natürlich nicht! Die vermeintlich gottverliehene Befähigung des 
Nostradamus hatte einen durchaus weltlichen Hintergrund: Des Rätsels Lösung liegt 
in der Kabbalistik, die in der Familie des Meisters in hohem Ansehen stand. Wie 
Nostradamus selbst in einem den ersten sieben Centurien vorangesetzten Brief an 
seinen Sohn Cäsar kundtut, überfiel ihn beim Lesen okkulter Schriften, die er dem 
Feuer übergab, die erste Inspiration. Flammen des Geistes erhellten das ganze Haus; 
plötzlich hatte er die Fähigkeit, Ereignisse der Zukunft zu „erkennen“ und 
niederzuschreiben. 16 In seiner Vorrede an Heinrich den Glücklichen schreibt der 
Seher ergänzend: „Auf astronomischem Wege und noch unter einem anderen 
Gesichtswinkel, nämlich dem der untrüglichen heiligen Schrift, könnte ich für jeden 
Vierzeiler die genaue Angabe der Zeit machen, wenn ich nur wollte.“ 17 Und er 
spricht im gleichen Atemzug „das heilige Volk Gottes, das das göttliche Gesetz 
bewahrt und hält“ 18 an. Vor unserem Erkenntnisstand dürften diese Andeutungen 
klar genug sein. 


15 Persien, in dem einst der König Xerxes regierte, wurde zu Lebzeiten des Nostradamus von den 
Mongolen beherrscht. Daneben war Persien der einzige Gesamtstaat neben Rußland, der - wenn 
auch nur vorübergehend - unmittelbar nach der Oktoberrevolution an eine kommunistische 
Regierung fiel. 

16 „Die großen Weissagungen des Nostradamus - Prophetische Weltgeschichte bis zum Jahr 2050“, 
übersetzt und gedeutet von N. Alexander Centurio, Turm Verlag, Bietigheim/Württ. 1977, Seite 13 
und 16f. 

17 Ebenda, Seite 118 

18 Ebenda, Seite 121 



28 


Ebenso wie der bereits zu Lebzeiten legendäre Nostradamus gedachte sich auch der 
britisch-israelische Forscher Isaac Newton (1643-1727) das Tor zu Ruhm und 
Unsterblichkeit über das Studium offener und versteckter Weisheiten in der „Heiligen“ 
Schrift zu öffnen. Deshalb lernte er Hebräisch und widmete sein halbes Leben der 
Suche nach dem verborgenen Bibel-Schlüssel, von dessen Existenz er fest überzeugt 
war. Schenkt man seinem Biographen, dem großen Wirtschafts-Wissenschaftler John 
Maynard Keynes Glauben, war der Entdecker der Schwerkraft von dieser Aufgabe so 
aus der Bahn geworfen, daß er jene Arbeiten, die ihn schließlich bekannt machen 
sollten, hintanstellte. Als Keynes Provost der Universität von Cambridge wurde, 
entdeckte er jene Unterlagen, die Newton in dem Jahr, als er als Provost in Ruhestand 
getreten war, der Universität überlassen hatte. Keynes war schockiert. Der Großteil von 
Newtons handschriftlichen Aufzeichnungen befaßte sich nicht mit Mathematik oder 
Astronomie, sondern mit esoterischer Theologie. Seine Notizen enthüllten, daß der 
große Physiker der Überzeugung war, die Bibel beinhalte quasi das „Drehbuch“ der 
Menschheitsgeschichte. Keynes zufolge glaubte Newton daran, daß die Bibel ebenso 
wie das gesamte Universum ein Kryptogramm sei, dessen eingeplante Ereignisse der 
Vergangenheit und Zukunft er zu entschlüsseln versucht habe. Er widmete sich dieser 
Aufgabe bis zu seinem Tod. 19 

Der vorerst letzte prominente Name in einer langen Kette kabbalistischer 
Bibelforscher ist Rabbi Michael Dov Ber Weissmandl (Weissmandel), der wenige 
Jahre vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges auf den Code aufmerksam wurde. 
Dieser in Prag seinem Dienst nachgehende Schriftgelehrte war bereits in früher 
Jugend an einem Kommentar des eingangs erwähnten Rabbenu Bachya hängen¬ 
blieben, in dem auf die Verschlüsselung der Bibel Bezug genommen war. Bachyas 
Auslegung, daß aus der Thora durch Entnahme gleicher Buchstabenintervalle 
Informationen zu entschlüsseln wären, verfestigten sich bei Weissmandl zur 
Gewißheit, als er bemerkte, daß sich durch Überspringen von jeweils 50 Buchstaben 
zu Beginn der Genesis das Wort „Thora“ ergab. Mit derselben Sequenz ließ sich 
dasselbe Wort auch im Buch Exodus, in den Numeri (4. Buch Mose) und im 
Deuteronomium (5. Buch Mose) finden. Im Zuge weitergehender Untersuchungen 
standen Weissmandl in Oxford etliche Abhandlungen Gikatillas in ihrer originalen 
Form zur Verfügung. Weissmandl, der wie Newton Zeit seines Lebens das Interesse 
am Bibel-Code bewahrte, schwieg sich vor der nichtjüdischen Öffentlichkeit über 
dieses Thema aus. Daß er sich mit dem Code befaßte wurde nur bekannt, weil die 
Studenten des Rabbi darauf am Rande einer Biographie hinweisen. 20 


19 John Maynard Keynes, „Essays and Sketches in Biography“, Meridian Books, 1956, Seite 280- 
290, Artikel „Newton, the Man“. Michael Drosnin, „Der Bibel Code“, Wilhelm Heyne Verlag, 
München 1997, Seite 20. Newton interessierte sich gleichsam für die oberflächlichen und 
unverschlüsselten Prophetien der Bibel. Aufschlußreich für sein Verhältnis zur Mystik in diesem 
Sinne ist das bereits 1733 erschienene Werk „Observations of the Prophecies of Daniel and the 
Apocalypse of Saint John“ 

20 „Torath Hemed“, YeshivaMr. Kisko, 1958 



29 


Soweit eine Auflistung der wichtigsten jüdischen Kryptologen, die seit der 
Zeitenwende bereit waren, die Öffentlichkeit zumindest oberflächlich an ihrem 
Wissen teilhaftig zu werden. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß diese im 
Judentum nicht wenig prominenten Namen den modernen „Entdeckern“ des Bibel- 
Code bekannt waren. Und es steht nach Meinung des Autors ebenfalls außer Frage, 
daß die neuzeitlichen Kabbalisten wie ihre Vorgänger nur zu gut wußten, daß sie 
sich bei den versteckten wie offenen Worten „Gottes“ und der „Propheten“ 
geradezu Regieanweisungen gegenübersahen, denen die Schäfchen Jahwe strikt 
Folge zu leisten hatten.“ 

Da damit die Frage nach dem Inhalt des Drehbuchs im Raum steht, empfiehlt es 
sich an dieser Stelle, näher auf die okkulte Seite der jüdischen Religion 
einzugehen... 


Weiterführende Literatur 

Zumeist nicht zitiert, inkl. konkurrierende bzw. gegenteilige Forschungsergebnisse 


Bennett, R.Wenn Tag und Nacht vergehen“, CKV, Lübeck 1993 Davis, George T. B., „Bible 
Prophecies Fulfilled Today“, Million Testamente Campaign, Philadelphia 1955 Eidelberg, F„ et al, 
Codes in the Torah: A Discussion“, Artikel in ,B’Or Ha Torah“, Nr. 9, 1995, Shamir, Jerusalem 
Fruchtenbaum, A. G„ „Handbuch der biblischen Prophetie“, Schulte & Gerth, Asslar 1991 
Glazerson, M./Haralick, R, „Torah Codes and Israel Today“, Lev Eliyahu, Jerusalem 1996 HaSofer, 
A.M., „Codes in the Torah“, Artikel in „B’Or Ha Torah“, Nr. SE, 1990, Shamir, Jerusalem Katz, M„ 
B’Otiyoteiha Nitna Torah“ (hebräisch), Tel-Co, Jerusalem 1991 Katz, M., „On hidden Codes in the 
Torah“, Achdut, Jerusalem 1996 Marrs, Texe, „World Conspiracy and Bible Prophesy“, VHS Video 
(1 Std.) * Michaelson, D., „Codes in the Torah“, Artikel in ,B’Or Ha Torah“, Nr. 6, 1987, Seite 7ff„ 
Shamir, Jerusalem Novick, N. A., „Fascinating Torah Prophecies Currently Unfolding“, Natzach 
Yistael Publications, Jerusalem 1997 Petersen, Jens (Übersetzer),„Der brennende Dornbusch. Mystik 
im Dienste jüdischer Weltherrschaft.“, Welt-Dienst-Bücherei, Heft 9, U. Bodung-Verlag, Erfürt 1938 
Howard Vos, „Fulfilled Prophecy in Isaiah, Jeremiah and Ezekiel“, Dissertation, Dallas Theological 
Seminary, Dallas/Tex. 1950 Weissmandel, H. M, D., „Torah Hemed“ resp. „Toras Chemed“ 
(hebräisch), Yeshivath Mount Kisco, Mount Kisco/N.Y. 1958 Witzum, D., „HaMaimod Ha Nosaf‘ 
(hebräisch), Agudah L’Machkor Torani, Jeruslam 1989 


Implizit negative Betrachtungen zum Bibelcode sind dem Autoren nicht bekannt. In den USA wird das 
Bibel-Code-Material von der jüdisch-religiösen Bildungseinrichtung „Aish Ha Torah/Discovery“ 
verwaltet, herausgegeben und laufend ergänzt. Rabbi Daniel Mechanic, Dozent der Discovery-Seminare, 
führt das wohl weltweit umfangreichste Archiv über alle den Code betreffenden Veröffentlichungen und 
Informationen. 


21 


Siehe zu diesem Zusammenhang den Abschnitt „Die messianische Sendung“ 



30 


Aish HaTorah/Discovcry-Scminars, 805 Kings Highway, Brooklyn, N. Y. 11223 


Zusätzliche Anmerkungen 


Der Autor ist sich bewußt, daß der in diesem Kapitel vorgenommene Nachweis zur tatsächlichen 
Existenz eines Bibelcodes sehr straff und überblicksartig geführt wurde. Dies begründet sich vor 
allem durch die Tatsache, daß die individuellen Beweisführungen zum Thema kaum noch zu 
überblicken sind und Schwerpunktsetzungen daher angeraten schienen. Der Leser möge sich an 
Hand der angerührten Literaturliste selbst ein Bild von den mannigfaltigen Ergebenheitsadressen 
verschiedenster Eorscher und Wissenschaftler machen, die allesamt mit einer Vielzahl von 
Plädoyers aufwarten, warum der Code nun zu akzeptieren sei. 

Kapitelinhalt und Liste sollen jedoch auf keinen Pall implizieren, daß der Autor mit der 
Stimmigkeit der jeweiligen Argumente stets übereinstimmt. Er nimmt im Gegenteil an, daß 
bestimmte Beweisführungen (gerade jene, die darauf abgestellt sind, die „Göttlichkeit“ des 
postulierten Codes zu belegen), nicht ohne suggestiven oder spekulativen Charakter sind. 

Nun wäre es aber wieder falsch, aus den vermeintlichen Schwächen des Codes einen spekulativen 
Charakter dieses Buchs ablesen zu wollen. Ist es doch eine überaus sichere und offen bekannte 
Tatsache, daß die Bibel über ein Sammelsurium verschiedenster Prophetien verfügt, welche - ganz 
gleich ob „verschlüsselter“, „allegorierter“ oder „offener“ Art - stärkstens mit späteren 
Ereignissen korrespondieren. Dieser grundlegende Zusammenhang scheint dem Autoren der 
eigentlich bewegende. Die Frage der Vorhersag eform bleibt dagegen durchaus sekundärer Natur. 



31 


Die messianische Legende schwelgt in ungezügelten 
Phantasien über die katastrophischen Aspekte der 
Erlösung... Mit Erlösung war eine Revolution in der 
Geschichte gemeint. 

Es sei an diesem Punkt mit aller gebotenen Vorsicht 
erlaubt zu sagen, daß die jüdische Historiographie 
sich allgemein dazu entschlossen hat, die Tatsache zu 
ignorieren, daß das jüdische Volk einen sehr hohen 
Preis für die messianische Idee bezahlt hat. (Gershom 
Scholem, „Sabbatai Zwi - Der mystische Messias“, 
Jüdischer Verlag, Frankfurt am Main 1992, Seite 18 
und 30f) 

Kapitel 2 


Biblischer Messianismus 

Historischer Determinismus 

Politischer Aktivismus 


Der Heiland der geschichtlichen Erfüllung 

Es ist gemeinhin bekannt, daß sich mit dem Begriff des „Messias“ im Judentum ein 
für die Endzeit erwarteter, von den Propheten geweissagter Gründer eines 
göttlichen Reiches auf Erden verbindet. Der Einfluß dieses Denkens prägte 
maßgeblich die frühe Verehrung Jesu von Nazareth, der es aber ablehnte, das 
entsprechende Erwartungsbild auf sich anzuwenden. Während ihn seine Anhänger 
bald Messias-Christos hießen, bezeichnete der Begründer des Christentums „sein 
Reich als nicht von dieser Welt“. Trotzdem hielt es die Führung des Rabbinats für 
geboten, den populären Tribunen als Messiasbetrüger der römischen Besat¬ 
zungsmacht ans Messer zu liefern. Soweit unser allgemeines, oberflächliches 
Erlö ser-V erständnis... 

Was außerhalb der Synagoge kaum jemand weiß und selbst nicht jedem 
Mosaen geläufig sein dürfte, ist die Tatsache, daß die Schöpfer der hebräischen 
Überlieferung zwei verschiedene Heilande typisierten: Und so treffen klassische 
jüdische Quellen eine Unterscheidung zwischen dem endzeitlichen Wirken des 
Messias ben Joseph und dem ihm nachfolgenden Messias ben David. 22 


22 J. Liver, „The Doctrine of the Two Messiahs“, „Harvard Theological Review“ 52 (1959): 149-85; 
Joseph Heinemann, „Aggadot ve-toldotehen“ (Jerusalem, 1974), Seite 131 ff. Eine Vielzahl der in 
diesem Kapitel zur Darstellung kommenden Zusammenhänge - darunter praktisch sämtliche 
Quellen jüdischer Provenienz - erschließen sich aus dem Buch „Messianism, Zionism and Jewish 
Religious Radicalism“, The University of Chicago Press, Chicago & London 1996. 



32 


Nach alter Überlieferung ist der Messias ben Joseph eine mit Spannung 
beladene Figur, die auf tragische Weise an seinen Davidischen Weggefährten 
gebunden ist. Ersterer symbolisiert nach der Quellenlage den letzten historischen 
Kampf, der zu Beginn des Erlösungs-Zeitalters anheben soll. Obwohl dieser 
sagenumwobene Steuermann die Menschen einer weltlichen Erfüllung 
entgegenfährt, verkörpert er auch die Unausweichlichkeit von Krise und 
Niederlage, das Leiden, das die „Geburtswehen des Messias“ begleiten soll, wenn 
die Erfüllung voranschreitet. Er ist verurteilt, in seinem Kampf umzukommen - 
womit er der Erscheinung des Messias ben David den Weg bereitet, der die 
schlußendliche Erlösung mit sich bringt. 


Die „Verwaltungszentrale“ des Messias 

Für die vorliegende Betrachtung ist nun die Erkenntnis herauszustellen, daß es zu 
allen Zeiten bibelfeste Gelehrte gab, welche die Erscheinung des Messias ben Joseph 
als gottgewollt annahmen und von einer durchaus greifbaren Tätigkeit irdischer 
Stellvertreter abhängig machten. 

Der einflußreiche Rabbiner Judah Alkalai zum Beispiel - einer der 
aktivistischen Vorboten des Zionismus im 19. Jahrhundert - identifizierte den 
himmlischen Vollstrecker kaum versteckt mit einer Gesellschaft jüdischer Weiser 
bzw. mit deren Führung, die sich erheben müsse, um das auserwählte Volk der 

24 

Erfüllung entgegenzuführen.' 

Alkalais Bibelerklärung ist bemerkenswert, wenn man das Schicksal 
bedenkt, das die Überlieferung dem Messias ben Joseph in die Hände legt: Soll 
doch die Erlösung Israels durch Krieg und Tod bewerkstelligt werden. 25 Die 
Erfüllungsdynamik wird in den alten apokalyptischen Vorstellungen der 
endzeitlichen Kämpfer Gog und Magog und den Geburtswehen des Messias 26 
derart blutig auf die Spitze getrieben, daß sich über den Heiland schließlich der 


Der Autor Aviezer Ravitzky, Vorsitzender der Abteilung für Jüdisches Geistesleben an der 
Hebräischen Universität, verlegte sein Werk zuerst 1993 bei Am Oved Publishers Ltd, Tel 
Aviv/Israel. Überträge aus dieser Quelle sind im Fußnotenteil gesondert mit der Kennung: 
„Ravitzky, ’Messianism’, Seite... ausgewiesen. Der vorliegende Messias-Zusammenhang findet sich 
auf Seite 30. 

23 

Abraham Isaak Kook, „The Eulogy in Jerusalem“ (hebräisch), in „Ma'amrei ha-Reiyah“, Seite 
96-99. Für eine Zusammenfassung des Artikels siehe Zvi Yaron, „The Philosophy of Rabbi 
Kook“, Jerusalem 1991, Seite 243 f. Ravitzky, „Messianism“, Seite 98 

24 Judah Alkalai, „Kitvei ha-Rav Yehuda Alkalai“, ed. Yitzhak Werfel (Jerusalem, 1944), Seite 
219-22; Jacob Katz, „Leumiyut Yehudit“, Jerusalem 1983, Seite 317. Ravitzky, „Messianism“, 
Seite 30 

25 

Original Seite 240 FN 54. Fortgesetzt mit dem Hinweis: Siehe die Studie von Yehudah Liebes, 
„Jonah Sohn von Amittai als Messias ben Joseph“ (in hebräisch), „Mehkerei Yerushalayim be- 
Mahshevet Yisrael“ 3 (1984): 269-311, insbesondere Seite 303-306; idem, „The Messiah of the 
Zohar: On R. Simeon bar Yohhai as a Messianic Figure“, in „Studies in the Zohar“, Albany 
1993, Seite 63-65. Ravitzy, Messianism“, Seite 249 FN 54 

' Die „Fußspuren“ des Messias ben Joseph sind letzten Endes zugleich die „Geburtswehen“ des 
Messias ben David. Abgesehen von der Bibel finden sich die entsprechenden Stationen in der 
Mischna am Ende des Traktats Sotah überliefert. 



33 


bezeichnende Talmudsatz „Laß ihn kommen, aber laß ihn mich nicht in meiner 
Lebensspanne erleben.“ 27 bildete. 

Alkalai hatte mit seiner messianischen Weisen-Gesellschaft ein Konstrukt 
vor Augen, das dem zur Zeit des Exodus verschwundenen Sanhedrin ähnlich war. Ist 
es Zufall, daß sich nicht wenige Würdenträger des kabbalistischen Judentums seit 
jeher für die Restauration eines derartigen „Parallel-Vatikans“ verwandten? 
Maimonides dozierte als Prominentester unter ihnen, daß die prophetische Vision, die 
sich in dem Vers „Ich werde deine Magistrate (Richter und Ratgeber) 
wiedereinsetzen, wie zu Beginn.“ (Jesaja 1:26) niederschlägt „vor der Ankunft des 
Messias“ erfüllt werden müsse. Seine Lehre wurde später als direkte Einladung zu 
messianischem Aktivismus, in der Form der Wiedereinsetzung einer rabbinischen 
Priesterweihe, interpretiert . Die esoterisch gebildeten Weisen des 16. Jahrhunderts 
in Safed leiteten gar praktische Folgerungen aus den Worten des Maimonides, 
während sie von den Jerusalemer Weisen, die als Vertreter des Establishments in der 
Messias-Frage eine passive Haltung vertraten, heftig angegriffen wurden. 29 Das 
Konstrukt eines endzeitlichen Überbaus lag seitdem beständig in der Luft, und wurde 
in unseren Tagen in Verbindung mit der nationalen Wiedergeburt des Judentums 
einmal mehr aktuell. 30 


Der himmlische Plan 

Die Räder der Geschichte - so jedenfalls schreibt es der israelische Autor Aviezer 
Ravitzky, dem wir so viele Zusammenhänge des vorliegenden Kapitels entnehmen - 
drehen sich nach einem bedingungslosen „Kosmischen Plan“, der im voraus 
festgelegt ist. Doch es liegt in der Macht des Menschen diesen Plan zu kennen - 
nicht allein von seiner bloßen Existenz zu wissen, sondern von seinen Inhalten und 
seinem zukünftigen Verlauf. Der fromme Jude brauche lediglich sorgfältig die 
ablaufenden dramatischen Ereignisse auf der einen und die Voraussagen der 
Propheten auf der anderen Seite zu studieren, um das Ganze zu erfassen. 

„ Wie könnt ihr so sicher sein, daß ihr den göttlichen Plan durch¬ 
schaut!", werden wir gefragt“, formuliert Eliezer Waldmann, Dekan der Yeshivah 


27 BT Sanhedrin 98a. Ravitzky, „Messianism“, Seite 127 

" Der kabbalistisch gebildete Bibelcode-Chronist Dr.Jeffrey Satinover nennt Maimonides den 
„vermutlich größten jüdischen Weisen der nachbiblischen Zeit. Im 12. Jahrhundert war 
Maimonides nicht nur der führende Rabbiner seiner Generation, sondern auch Astronom, 
Mathematiker, aristotelischer Philosoph, und er kodifizierte das gesamte jüdische Recht.“(S. 23) 
AufS. 124 spricht Satinover im Zusammenhang mit codierten Thorastellen, ohne genauer darauf 
einzugehen, von „den eher geheimen Aspekten der Lehren des Maimonides.“ (Jeffrey Satinover, Die 
verborgene Botschaft der Bibel, Goldmann-Verlag, München 1997) 

29 

Siehe Jacob Katz, „Halakhah ve-Kabbalah“, Jerusalem 1984, Seite 213-36. Ravitzky, - 
„Messianism“, Seite 91 f. 

30 

Siehe die Quellen bei Katz, „Halakhah ve-Kabbalah“, Seite 214 n. 5; Judah Leib Maimon, „On 
the History of the Idea of Renewing the Sanhedrin in Judaism“ (in hebräisch), „Ha-Tzofeh“, 7, 
Dezember 1951; Geulah Bat-Yehudah, „The Vision of the Säte among Early Religious Zionists“ 
(hebräisch), „Shragai“, 3, 1989, Seite 24 



34 


(Talmudhochschule) Kiryat Arba den oft gehörten Einwand weltlicher Zweifler. 
Dann, so der Rabbi, antworten wir: „Wenn Ereignisse ihren Lauf nehmen und Gott 
vor unseren eigenen Augen handelt, dann muß man schon blind sein, um nicht zu 
sehen, was vor sich geht. Und Rabbi Shlomo Aviner, Dekan der im muslimischen 
Teil Jerusalems gelegenen Yeshivah Ateret Kohanim wird noch deutlicher, wenn er 
verrät: , Ja, wir stehen in Nachrichtenaustausch (mit Gott). Die Propheten Israels 
(hatten) sogar einen die Zukunft betreffenden Austausch und sie händigten das 
Geheimnis dieser Verbindung an uns weiter.“ 32 


Der göttliche Imperativ der Bibel-Prophetie 

Eine Frage, die sich hier automatisch stellt, ist, wie der vermeintliche 
Glaube an die historische Zwangsläufigkeit mit dem Aktivismus von Angehörigen 
des Erlösungslagers in Einklang gebracht werden kann. Wenn man den Glauben in 
die Unumgänglichkeit der historischen Entwicklung hat, warum hält man sich dann 
nicht passiv, und wartet auf das Kommen der Dinge? 

Trotzdem zeigt die Geschichte der neuzeitlichen sozialen und politischen 
Bewegungen in Europa, daß derartige deterministische Überzeugungen - religiöse 
wie säkulare gleichermaßen - nicht Hand in Hand gehen mit einer passiven Haltung 
sondern vielmehr, ganz im Gegenteil, elektrisierend wirken, den Aktivismus 
anheizen und Hemmungen überwältigen. Jene, die meinen, die Zukunft zu kennen, 
wollen die ersten sein, die diese ankündigen... Sie wollen Teil des Flusses sein und 
diesem zu seinem vorbestimmten Ziel helfen. Egal welches soziale oder 
numerologische Gewicht ihnen zukommt, sie glauben, daß sie eine zentrale Rolle bei 
der Entfaltung der Ereignisse spielen.. 

Wir sollten daher den Glauben an historische Unumgänglichkeit nicht mit 
Fatalismus und Passivität identifizieren. Determinismus bedeutet, daß das End¬ 
resultat vorausgesehen wird, jedoch ist es genau dieses Vorwissen, daß den 
Gläubigen dazu motiviert, seinen Aktivismus zu intensivieren. Für denjenigen, der 
das Geheimnis entschlüsselt hat, birgt die erfüllende Richtung der Geschichte keine 
Bedenken mehr auf einen möglichen Fehlschlag. Man fühlt sich aufgerufen, in die 
Bresche zu springen, die Sache selbst in die Hand zu nehmen, vorwärtszudrängen, 
der Welle der Zukunft teilhaftig zu sein. 

Es ist diese Mentalität, die den jüdischen-messianischen Aktivismus, der in 
unserer Generation zum Ausbruch gelangt ist, charakterisiert. 

Vor diesem Hintergrund erklärt sich ein kabbalistisches Sektierertum, das 
seine Anhänger ein fürs andere Mal erfolgreich auf die Barrikaden des politischen 
Kampfes schickt. „Was wir wollen“, heißt es in einem dieser Aufrufe, „sind 
Gläubige, die aus dem Glauben an Gott sich zur Tat erheben ... Es ist dieser Glaube, 


31 

~ Waldmann, „AI da’ at ha-zeman veha-makom“, Seite 108-110. Vergleiche außerdem das 
Kapitel „Erbauer des Dritten Tempels“, in Arnos Elon, „Habet ahorah be-vehala mesuyemet“, Tel 
Aviv 1988. Ravitzky, „Messianism“, Seite 128 

32 

~ Shlomo Aviner, „Betreffs unserer Erlösung und die Gush Emunim“ (hebräisch), „Amudim“ 
366 (1976): 276-77. Ravitzky, „Messianism“, Seite 129 



35 


der ihn von dem Moment an, in dem er zu handeln beginnt, begleitet, der ihm die 
Kraft gibt, in historische und politische Ereignisse einzugreifen. Der Gläubige 
weiß, daß der Segen des Herrn auf jedem Schritt seines Wegs bei ihm ist.“ 33 

Genauso sah es mit Martin Buber der herausragendste Vertreter des 
Chassidismus. Nur daß er dabei noch bereit war, die Mahnung zum Aktivismus offen 
an die Mission des Messias zu binden. Diese Haltung kam in seinem Buch „Gog und 
Magog“ deutlich zum Ausdruck, wo er einem seiner rabbinischen Helden folgende 
Aussage zuschrieb: 

„Die Welt der Völker... ist in Aufruhr geraten, und wir können nicht 
wollen, daß es aufhöre, denn erst, wenn die Welt in Krämpfen aufbricht, beginnen 
die Wehen des Messias. Die Erlösung ist nicht ein fertiges Geschenk Gottes, das 
vom Himmel auf die Erde niedergelassen wird. In großen Schmerzen muß der 
Weltleib kreißen, an den Rand des Todes muß er kommen, ehe sie geboren werden 
kann. Um ihretwillen läßt Gott es zu, daß die irdischen Gewalten sich mehr und 
mehr gegen ihn auflehnen. Aber noch ist auf keiner Tafel im Himmel verschrieben, 
wann das Ringen zwischen Licht und Finsternis in den großen letzten Kampf 
übergeht. Da ist etwas, das Gott in die Macht seiner Zaddikim 34 gegeben hat, und 
das eben ist es, wovon es heißt: 'Der Zaddik beschließt und Gott erfüllt'. Warum 
aber ist es so? Weil Gott will, daß die Erlösung unsere eigene Erlösung sei. Selber 
müssen wir dahin wirken, daß das Ringen sich zu den Wehen des Messias steigere. 
Noch sind die Rauchwolken um den Berg der Völkerwelt klein und vergänglich. 
Größere, beharrlichere werden kommen. Wir müssen der Stunde harren, da uns das 
Zeichen gegeben wird, in der Tiefe des Geheimnisses, auf sie einzuwirken. Wir 
müssen die Kraft in uns wach halten, bis die Stunde erscheint, da das dunkle Feuer 
sich vermißt, das lichte herauszufordern. Nicht zu löschen ist uns dann aufgetragen, 
sondern anzufachen.“ 35 

„Buber“, so Moshe Idel, „zog“ einem kontemplativen-verinnerlichten 
Zugang zur göttlichen Prophetie, das Wirken „versteckter, vorbereitender, und 
leidender messianischer Figuren vor“. 36 Anders als die maßgebende esoterische 
Schule um Gershom „Sholem, die sich an den Mystifizismus anlehnte und den 
Blick auf den apokalyptischen Heiland gebannt hielt, ließ Buber Raum für das, was 


Dan Tor, „Fortfahren, das Ende zu erzwingen“ (hebräisch), „Nekudah“ 96 (1986): 28. 
Ravitzky, „Messianism“, Seite 130 

34 Chassidische Elite. Wörtlich „Gerechte“. Der Talmud stellt fest, daß das fortdauernde Bestehen 
der Welt dem Verdienst von 36 Personen zuzuschreiben ist, deren jeder „vollkommen gerecht“ 
(gamur tzaddiq) sei. Vergleiche in diesem Zusammenhang die später beschriebene Begegnung 
des Rebben von Munkäcs, Rabbi Shapira, mit dem „Heiligen Groß-Vater“, Rabbi Alfandari im 
Jerusalem des Jahres 1930. 

35 Martin Buber, „Gog und Magog“, Heidelberg 1949, Seite 141 

1(1 Moshe Idel, „Messianic Mystics“, Yale University Press“, New Haven & London 1998, Seite 
19 mit Bezug auf FN 33 Seite 330: „Siehe insbesondere Bubers Novelle 'Gog und Magog’. Diese 
zeigt den Widerstreit zwischen dem magischen Versuch zur Aktivierung des Messias, der in dem 
Seher von Lublin Gestalt findet, und der mehr versteckten und vorbereitenden Wirksamkeit, die 
durch den Heiligen Juden verkörpert wird.“ 



36 


er 'messianische Individuen' nannte, eine Reihe erlösender Persönlichkeiten, die 
verschwiegen das Ende der Tage vorbereiten.' 

Zu diesem erlauchten Kreis gehörten zweifelsohne jene Rabbiner, die als 
„Vorboten des Zionismus“ die hebräische Nationalstaatsbewegung auf den Weg 
brachten und damit den Beginn des messianischen Zeitalters einläuteten; zeitgerecht 
und im Einklang mit dem OrdnungsSchema der biblischen Voraussicht. 

„In Ezekiel“, verrät Rabbi Elhann Bunem Wassermann in seiner 
vielzitierten Abhandlung Ikveta de-meshiha (Die Fußspuren des Messias) „In Ezekiel 
ist prophezeit, daß die Juden in der Zeit der „Fußspuren des Messias“ das Motto 'Laßt 
uns wie die anderen (Völker) sein' proklamieren werden...“ 38 Ganz allgemein wurde 
hierunter die starke jüdische Assimilationstendenz verstanden, die sich Mitte des 19. 
Jahrhunderts international aus der erfolgreichen Emanzipation des Israelitentums 
ableitete. 

Was darauf folgen bzw. einhergehen sollte, beschreibt der Dekan der 
Talmudakademie (Yeshivah) Kiryat Shmonah, Zefaniah Drori, wie folgt: „Der 
Weg der Weisen Israels durch die Menschenalter hindurch bestand darin, die 
jüdische Geschichte mit offenen Augen im Lichte der Thora zu betrachten, mit 
vollkommenem Glauben in die dirigierende Hand des Herrn. Allein vor diesem 
Hintergrund konnte Rabbi Abba im Talmud sagen, daß wir das Ende an zwei 
deutlichen Zeichen erkennen würden: Dem Beginn des Einsammelns der Exilierten 
und dem Erblühen des Landes Israel. Mit Gottes Hilfe ist uns dies direkt 
offenbart.“ Angesichts des Gleichklangs des Prophezeiten mit der politischen 


37 

Moshe Idel, „Messianic Mystics“, Yale University Press“, New Haven & London 1998, Seite 
322. Das heißt natürlich nicht, daß Scholem nicht um die religiösen Wir kkr äfte in der Geschichte 
wußte. Schreibt doch dieser neben Buber wichtigste Vertreter des jüdischen Mystizismus in 
seinem über 1000 Seiten starken Werk „Sabbatai Zwi“: „Bei der Offenbarung der Thora am 
Berge Sinai war die Welt im Begriff, vollständig restituiert (wiederhergestellt, W.E.) zu werden, 
aber die Sünde des Goldenen Kalbs stürzte alles wieder ins Chaos. Danach erging das Gesetz, 
den Ti kk un' (kabbalistischer Terminus des Erlösungsprozesses. Im engeren Sinne: Auslösung 
des Makels bzw. Wiederherstellung der Harmonie) mit Hilfe der Gebote vorzubereiten. Jedes der 
613 Gebote des Gesetzes restituiert einen der 613 Teile des corpus mysticum’ des Uradam... Der 
Jude hält den Schlüssel zum Tikkun' der Welt in Händen, indem er durch die Erfüllung der 
Gebote der Thora immer mehr das Gute vom Bösen trennt... Durch seine Werke heilte der Jude 
die Krankheit der Welt und fügte die zerstreuten Fragmente zusammen, ja nur er allein konnte 
diese Vereinigung zustande bringen... Für die Kabbalisten war es nicht die Aufgabe Israels, den 
Völkern ein Licht zu sein, sondern, ganz im Gegenteil, aus ihnen die letzten Funken der 
Heiligkeit und des Lebens herauszulösen. So hat der Prozeß des Tikkun', wenngleich seinem 
Wesen nach konstruktiv, auch destruktive Seiten durch jene Macht, die den ’Kelipoth’ („Bösen“) 
und den Nichtjuden als ihren historischen Repräsentanten zukommen... Israels Arbeiten am 
Ti kk un' haben per definitionem messianischen Charakter... Der messianische König ruft 
keineswegs den Ti kk un' hervor, sondern wird von ihm hervorgerufen: Er erscheint, wenn der 
Ti kk un' vollendet ist.“ (Gershom Scholem, „Sabbatai Zwi- Der mystische Messias“, Jüdischer 
Verlag, Frankfurt/Main 1992, Seite 61 ff.) 

38 

Elhanan Bunem Wasserman, „Ikveta di-meshiha“, Jerusalem und Tel Aviv 1952, Seite 6ff. 
Diese Abhandlung wurde ebenfalls in „Kovetz ma'amarim“, Seite 106ff, in zwei verschiedenen 
Versionen, veröffentlicht. Zu einem ähnlichen Zugang, der dem Rabbi Elijah - dem Goan von 
Vilna - zugeschrieben wird, siehe Arey Morgenstern, „Ge’ulah be-derekh ha-teva“, Elkana 1989, 
Seite 54. Ravitzky, „Messianism“, Seite 171 



37 


Wirklichkeit setzte der Rabbi seinen Satz fort: „Es kann keine Zweifel mehr geben 
oder Gründe, unsere Freude und Dank an den Erlöser Israels zurückzuhalten.“ 

Verharren wir an dieser Stelle einen Moment, um einen genaueren Blick 
auf die Taufpaten des Staates Israel und ihre Motive zu werfen: 


Der biblische Erlösungs-Zionismus 

Während des 19. Jahrhunderts begann eine Anzahl religiös-orthodoxer Ideologen 
innerhalb des Judentums eine mehr aktivistische, weltliche Vision der Erlösung zu 
artikulieren. Einige gingen dabei so weit, das jüdische Volk aufzurufen, die 
messianistische Initiative zu ergreifen und einen schrittweisen Prozeß der 
Einwanderung nach dem und der landwirtschaftlichen Besiedelung in dem Lande 
Israel in Gang zu setzen - als notwendigen und organischen Schritt hin in Richtung 
auf eine volle Erlösung. Um ihr Unternehmen voranzutreiben, suchten sie selbst, 
praktische - zum Teil sehr weitreichende - Programme zu entwickeln. Diesen 
Persönlichkeiten, darunter Rabbi Judah Alkalai (Serbien, starb 1878), Rabbi Zvi 
Hirsch Kalischer (Preußen, starb 1874), und andere „Liebhaber Zions“, die die 
gleiche Sichtweisen einnahmen (wie z. B. Rabbi Eliyahu Golomb und Rabbi Nathan 
Friedland), gelang es, eine Gefolgschaft um sich zu sammeln. Sie wurden später als 
„Vorboten des Zionismus“ bekannt. 40 


39 

~ Zefaniah Derori, „Ma'ariv“, 18. Juli 1974. Original Seite 142 Es ist bemerkenswert, daß... in... 
sehr frühen Quellen, besonders in solchen die sich mit dem Namen des Goan von Vilna (18. 
Jahrhundert) verbinden, Andeutungen zu finden sind, die sich auf die Möglichkeit einer auf 
natürlichem (gemeint ist selbstgeführten) Wege bewerkstelligten Erlösung beziehen und 
verschiedene Hinweise binden diese Möglichkeit an eine konkrete Besiedelung Israels. (Aryeh 
Morgenstern, „Meshihiyut ve-yishuv Eretz Yisrael“, Jerusalem 1985; idem „Ge’ulah be-derekh ha- 
teva“ Elkana 1989; Menahem Mendel Kasher „Ha-tekuhfah ha-gedolah“, Jerusalem 1967, Seite 
411-539. Das Thema ist Gegenstand von Streitigkeiten unter Schülern. Siehe Yisrael Bartal, 
„Messianic Expectations“; idem, „Messianism and Historiography“ (in hebräisch), „Zion“ 52 
(1982): 117-30; Mordecai Eliav, „Eretz Yisrael ve-yishuvah ba-me’ah ha-tesha-esre“, Jerusalem 
1978, Seite 85. Ravitzky, „Messianism“, Seite 26) Jeffrey Satinover schreibt über den Goan: 
„Einer der bedeutendsten Lehrer und Denker der gesamten jüdischen Geschichte war im 18. 
Jahrhundert der litauische Rabbi Elijahu Solomon, ehrerbietig auch der 'Große von Wilna’ 
genannt - Vilna Goan.. Er stellte in einem seiner vielen brillianten Bücher in ungewohnt 
kryptischer Form folgende verblüffende Behauptung auf: Alles, was ist und bis zum Ende der 
Zeiten sein wird, ist in der Thora, den ersten fünf Büchern der Bibel, enthalten.’ Und das war 
nicht nur in jener überhöhten Form gemeint, wie sie in religiösen Schriften so verbreitet üblich 
ist. Sondern jener bedeutendste aller jüdischen Rationalisten meinte dies absolut wörtlich.“ 
(Jeffrey Satinover, Die verborgene Botschaft der Bibel, Goldmann-Verlag, München 1997, Seite 22 
mit Bezug auf die die Einleitung zu „Sifira Ditzniut“) 

40 Jacob Katz, „Leumiyut Yehudit“, Jerusalem 1983, Seite 263-265; Shlomo Avineri, „The 
Making of Modern Zionism: The Intellectual Origins of the Jewish State“, New York 1981. 
Ravitzky, „Messianism“, Seite 26 

Den „Vorboten des Zionismus“ folgten auf religiöser Basis die Mizrachi-Bewegung (*1902) und die 
Agudat Israel (*1912). Während sich die Agudat Israel, geführt von dem hasidischen Rebben von 
Gur, bei ihrem palästinensischen Engagement (vgl. Original Seite 173) einer direkten 
Zusammenarbeit mit dem weltlichen Zionismus enthielt, war die Kooperation der Mizrachi- 



38 


Rabbi Hayyim David Hazzan, der sephardische Rabbi (Hakham Bashi) von 
Jerusalem unterstützte Rabbi Kalishers Initiative zur Wieder-besiedelung Palästinas 
enthusiastisch. „Wir werden die Güter von Gott im Verfolg sorgfältiger 
Vorbereitungen erhalten... durch Aktionen aus Fleisch und Blut... Wir werden mit 
Erfolg die Erfüllung ins Heilige Land bringen - durch Pflanzen und Reifen und indem 
wir die Gebote ausführen, die sich auf das Land beziehen. Die Rettung des Herrn 
wird auf diese Weise aus dem Land selbst hervorwachsen... Sie wird von den 
Segnungen des Lebens und der Nahrung für alle Bewohner aufsteigen. Möge Gott 
vom Himmel herab gleich nach der Erlösung des Landes die (letzte) Erfüllung 
bringen.“ 41 


Es ist nicht ganz leicht, den mehrschichtigen Umfang und Einfluß der 
„Vorboten“ konkret einzuordnen. Nach Rabbi Hazzan opponierten „lediglich einige 
faule Ashkenazim“(Ostjuden) gegen die Aktivitäten der Kalisher-eigenen 
Gesellschaft zur Besiedelung des Landes Israel. 42 Damit mag er ebenso richtig liegen 
wie Aviezer Ravitzky, der sein zurückhaltendes Urteil auf einer ganz anderen Ebene 
ruhen läßt.„Die Doktrin der 'Vorboten' über die Erlösung“, wertet er den ideo¬ 
logischen Antrieb, „hatte zu seiner Zeit einen sehr begrenzten Einfluß. Sie vermochte 
keine signifikante Unterstützung unter der rabbinischen Führung oder unter der 
Mehrheit des orthodoxen Judentums zu erreichen. Zwar konnten in den 1870er und 
1880er Jahren immer noch messianische Obertöne aus den Reden und Schriften von 
Rabbis wie Shmuel Mohilever, Nathan Friedland und Mordechai-Gimpel Jaffe 
herausgehört werden, aber die messianische Begründung zur Besiedelung des Landes 
Israel ließ gradweise nach.“ 43 

Dieser letzteren Aussage steht indes Moshe Idels Erkenntnis entgegen, daß 
mit Theodor Herzl der „Gottvater“ des politischen Zionismus höchstpersönlich zu 
Beginn seines Lebens messianische Träume und Sehnsüchte gepflogen habe 44 , was 
ganz sicher das Faktum begünstigte, daß dieser „in dem religiös-zionistischen Lager 
seine loyalsten Anhänger hatte, Anhänger, die bereit waren ihm nahezu blind zu 
folgen.“ 45 

Letzterer Satz stammt wiederum von Ravitzky, der selbst an anderer Stelle 
eine logische Erklärung dafür gibt, wie es zu dem allmählichen Verebben der 


Bewegung mit national-säkularen Kreisen sehr eng. (Siehe „Ha-ish u-foalo“, Seite 44. Ravitzky, 
„Messianism“, Seite 175) 

41 A. J. Slutzki, ed., „Shivat Tzion“, pt. 2 (Warschau, 1900), Seite 54. Ravitzky, „Messianism“, 
Seite 29 

' Zevi Hirsch Kalisher, „Ha-ketavim ha-Tzioni'im shel ha-Rav Zvi Kalischer“, ed. Y. Klausner, 
Jerusalem 1947, Seite 258. Ravitzky, „Messianism“, Seite 239 FN 49 

43 Yosef Salrnon, „Religious Zionism and Ist Opponents“ (in hebräisch), „Zemanim“, Tammuz 
1984: Sedite 54-65; Ehud Luz, „Parallels Meet: Religion and Nationalem in the Early Zionist 
Movement, 1882-1904“, Philadelphia 1988, Seite 216. Ravitzky, „Messianism“, Seite 32 

44 Siehe einige Texte über Herzl, zusammengestellt von Raphael Patai, „The Messiah Texts“, 
Wayne State University Press, Detroit 1979, Seite 266, 272f. 

43 Über Herzl's „messianische“ Verkörperung in seiner eigenen Generation, siehe Theodor Herzl, 
„Tagebücher“, Berlin 1923, 2: Seite 458, 3 Seite 551; Joseph Nedava, „Herzl and Messianism“, 
„Herzl Year Book“ 7 (1971): 9-26; Shmuel Almog, „Messianism as a Challenge to Zionism“ 
(hebräisch), in Z. Baras (Hrsg.) „Meshihiyut ve-eskhatologiah“, Jerusalem 1984, Seite 434-35. 
Ravitzky, „Messianism“, Seite 100 



39 


messianischen Begründung bei der Besiedlung Israels wirklich kam. Nämlich 
durch eine Art unausgesprochenes Stillschweigeabkommen, eine Form der 
Selbstzensur, die nach diplomatischen sowie taktisch-strategischen Erwägungen die 
Erfordernisse des politischen Kampfes bediente: 


Den Messias ben David erzwingen? 

Die zionistischen Rabbiner kritisierten schon sehr früh jene „Redner oder 
Prediger die, während sie über Zion sprachen, gleichzeitig die Erfüllung und das 
Kommen des Messias ins Spiel brachten. Das heißt, sie wandten sich gegen eine 
Popularisierung bzw. Offenbarung der Idee der 'Vorboten'“. 46 Vor diesem 
Hintergrund hatte der bekannte Schriftsteller Peretz Smolenskin seinen 
befreundeten „Liebhabern Zions“ bereits 1881 warnend ins Stammbuch 
geschrieben: „Wenn Ihr danach strebt im Lande Israel Kolonien zu errichten, so 
mögt Ihr von Kraftquelle zu Kraftquelle schreiten!... Wenn Ihr aber sagt, daß es 
Eure Absicht ist, dies zu tun um dem Messias den Weg zu bereiten, dann werdet Ihr 
von beiden, den Gläubigen und den Aufgeklärten attackiert werden.“ 47 Die hohe 
Barriere, die die religiösen Zionisten daraufhin zwischen ihrem Zionismus und 
ihrem Messianismus errichteten, war daher auch maßgeblich darauf abgestellt, 
jedwede Behauptung, nach denen sie darauf abzielten, das biblische Ende zu 
forcieren, zurückzuweisen. 

Für dieses Verhalten gab es innere wie äußere Gründe. Zum einen mußte 
die Erkenntnis, daß es innerhalb des Judentums machtpolitische Bestrebungen gab, 
die sich aus der Bibel herleiteten, verheerende Folgen in den Exilländern haben und 
die Durchführbarkeit derartiger Planungen von Grund auf in Frage stellen. Zum 
anderen war die Tendenz, Gott ins Handwerk zu pfuschen, selbst im mosaischen 
Lager keineswegs unumstritten. Eine überwältigende Mehrheit der Israeliten lehnte 
derartige Bestrebungen ab und nicht wenige schriftgelehrte Rabbiner führten 
religiöse Vorschriften ins Feld, die ein aktives Eingreifen zugunsten der Erfüllung 
ausdrücklich zu verbieten schienen. Die Rede ist hier von den drei Schwüren, die 
die Juden nach den hebräischen Bibelauslegungen Midrasch und Talmud einst am 
Vorabend des Exodus abzuleisten hatten: 1. „daß Israel nicht die Mauer (des 
Heiligen Landes aus dem Exil, W. E.) erklimmen solle“, 2. „daß sie nicht gegen die 
Nationen der Welt rebellieren sollten“ und 3. daß „sie nicht das Ende erzwingen“ 
sollen. 48 

Diese an sich klaren Gebote führten dazu, daß das Wirken bibel- 
aktivistischer Gruppen stets auch im religiösen Lager auf Widerstand stieß - bis 
hinein in die Vorhöfe des kabbalistisch geprägten Geheimvatikans. Rabbi Shalom 
Dov Baer Schneersohn beispielsweise, der 5. Führer der mystischen Habad- 

46 Ravitzky, „Messianism“, Seite 242 FN 82 

47 Eliezer Ben-Yehudah, „Yisrael le-artzo ve-lileshono“, Jerusalem 1929, pt.I, Seite 221; Almog, 

’ Zionism and History“, Seite 58f. Ravitzky, „Messianism“, Seite 36 

48 Cant.. R. 2:7; BT Ketubbot lila. Original Seite 22 Über den letzten Schwur gibt es eine 
weitere Lesart, die statt des Wortes „yidhaku“ „yirhaku“ setzt, wodurch aus „Nicht das Ende 
erzwingen“- „Nicht das Ende vertagen“ wird. Siehe Ravitzky, „Messianism“, Seite 22 



40 


Bewegung, verstand den Zionismus sehr wohl als anmaßenden Versuch „das Ende“ 
herbeizuerzwingen und explizit messianische Ziele - vor allem die Sammlung der 
Exilierten - durch menschliche Mittel zu verwirklichen. Und deshalb erklärte er 
diesem den Krieg. 49 Eine verwandte und nicht minder thoratreue Gruppierung hat den 
Kampf gegen das bibelaktivistische Treiben gar frühzeitig zu ihrem ausdrücklichen 
Raison d'etre erklärt und sich mit dem Namen „Wächter der Mauer“ Neturei Karta) 
ein entsprechend geistiges Aushängeschild gegeben. 

In Wirklichkeit waren die drei Schwüre jedoch nie ein schwieriges Problem 
für die jüdische Geschichte gewesen, anders als dies die radikalen religiösen Gegner 
des Zionismus so gerne in Anspruch nehmen. Sie wurden hauptsächlich mehr als 
theologischer Leitfaden denn als formelles halachisches Verbot begriffen. 

Einige Weise gingen sogar noch weiter, indem sie die zwingende Kraft der Schwüre 
herunterspielten. Rabbi Hayyim Vital zum Beispiel beschränkte das Edikt auf einen 
bestimmten Zeitrahmen, wenn er lehrte: „Der Schwur gilt nur für Tausend Jahre,“ 5 
Dagegen begrenzte es Rabbi Pinehas ha-Levi Horowitz (der Autor des esoterischen 
„Sefer ha-hafla'ah“) auf einen bestimmten Ort: ihm zufolge wurde das Volk gewarnt, 
die Mauer nicht von Babylonien aus zu erklimmen. 51 Aus den Worten des Gaon von 
Vilna wiederum ließ sich schließen, der Schwur verböte lediglich einen ganz 
speziellen, klar definierten Akt: „Sie haben geschworen“, dozierte dieser 
hervorragende Kabbalist über seine Vorfahren „daß sie nicht selbst hinausgehen 
würden, um den Tempel zu bauen, die erhabene Rose, bis zur Ankunft des 
Messias.“ Einige rabbinische Autoritäten argumentierten ihrerseits, daß das Volk 
von seinem Schwur just in dem Moment entbunden worden sei, da die Nationen der 
Welt gegen ihren eigenen Schwur „Israel nicht über Gebühr zu unterdrücken“ 
verstießen. 53 Und es gab andere Rabbis, die eine spirituelle Interpretation der 
Schwüre ins Feld führten, wodurch diese ausdrücklich aus der politisch-historischen 
Arena hinausgetragen wurden. 54 

Eine interessante zeitliche Klammer, welche zugleich die vorrangige 
Motivierung der Rebellion auf den Punkt zu bringen scheint, bietet uns der 
israelische Wissenschaftler Israel Shahak. Nach diesem „Letzten der großen 
Propheten“ (Gore Vidal) war es der 1270 verstorbene und uns bereits im 
Zusammenhang mit geheimen Codes in der Bibel bekannt gewordenen Moshe 
Nachmanides, welcher sich als erster prominenter Rabbiner als Fürsprecher einer 
jüdischen Emigration nach Israel betätigte. Dieser ging dabei so weit, daß er seinen 
Schäfchen gar die Eroberung des Heiligen Landes ans Herz legte. „In den 70er 


49 Ravitzky, „Messianism“, Seite 194 

50 Hayim Vital, „Etz Hayyim“, Warschau 1931, Einleitung. Ravitzky, „Messianism“, Seite 233 

51 Pinhas Halevi Horowitz, „Sefer ha-Hafla'ah“, Seite 1, Offenbach 1787, über BT Ketubbot 
lila. Ravitzky, „Messianism“, Seite233 

52 

~ Elijah, Goan von Wilna, „Siddur ha-Gera“, Jerusalem 1891, pt.2, Seite 48a. Für weitere 
Quellen siehe Aviner, „Clarifications“. Ravitzky, „Messianism“, Seite 233 

5 Zum Bestehen eines derartigen Schwurs in der jüdischen Überlieferung siehe Ravitzky, 
„Messianism“, Seite 22 

54 Ravitzky, „Messianism“, Seite 293, FN 100 



41 


Jahren des 20. Jahrhunderts“, fährt Shahak fort, „wurde Nachmanides der 
Schutzheilige der radikal-israelischen National-Religiösen-Partei NRP und der 
verwandten Siedlerbewegung „Gush Emunim“. Rabbiner der NRP machten 
geltend, daß die drei Schwüre in der messianischen Zeit keine Gültigkeit mehr 
hätten und daß, obwohl der Messias noch nicht erschienen sei, ein kosmischer 
Prozeß begonnen habe, der als Beginn der Erlösung bezeichnet wird. In diesem 
Zeitraum sollten einige der früheren religiösen Gesetze angeblich nicht mehr 
beachtet werden; andere sollten geändert werden.“ 55 


Heiliger, Mystiker, Zionist 

Rabbi Kook als Apologet des Geheimvatikans 

„Wie kommt es, daß die Bewegung für eine konkrete Erlösung in unserer 
Zeit, einschließlich der Besiedlung und Eroberung des Landes (Israel) und die 
Beseitigung der Existenz im Exil, nicht der religiösen entsprang? Wie kommt es, 
daß einige religiöse Sprecher gar dem Zionismus und der Erlösungs-Bewegung ihre 
Unterstützung vorenthielten?... Sie versäumten die Erkenntnis, daß es nicht wir 
Sterblichen waren, die das Ende forcierten, sondern daß es vielmehr der Herr des 
Hauses, der Herr des Universums war, der unsere Hand führte; daß es nicht 
menschliche Stimmen waren, die die Mauern zerschlugen, die uns von unserem 
Land trennten, sondern die Stimme des lebenden Gottes, der uns aufforderte: 
'Erklimmt Sie!' 56 Diese Deklaration stammt von Rabbi Zvi Yehudah Ha-Cohen 
Kook (1891-1981), dem wichtigsten Mentor des Lagers der religiös-zionistischen 
Erfüller. 


Bis zum heutigen Tage, Dekaden nach seinem Tod, bleiben die Ideen des 
ehemaligen Chefrabbis von Palästina ein Leuchtfeuer für viele zionistische 
Talmudisten, und um so mehr für die Führung der thorapatriotischen „Gush 
Emunim“ und der Bewegung für die jüdische Besiedlung von Judäa und Samaria. 
Die Besonderheit der nationalistischen Ideologie von Kook und seiner Gefolgschaft 
aber liegt darin, daß sie die Geschichte des Zionismus als einen unvermeidbaren 
und entschieden messianischen Prozeß beurteilt, der zur Realisation prophetischer 
Voraussagen führte: „Zum Staat Israel als Erfüllung der biblischen Vision der 
Erlösung.“ 57 

Es ist dies ein „Messianismus“ ohne Messias, ein Erlösungs-Prozeß, der 
in Abwesenheit eines lebenden menschlichen Erlösers vonstatten geht. 
Trotzalledem aber befinden sich diese Eiferer in strikter Übereinstimmung mit der 
Vorstellung der 2 Messiasse. Ein physischer Messias - der Messias ben David - 


5:1 Israel Shahak/Norton Mezvinsky, „Jewish Fundamentalism in Israel“, Pluto Press, London 
1999, Seite 19 

56 Yosef Bramson, ed. „Ba-ma’arakhah ha-tzibburit“, ed. Y. Bramson, Jerusalem 1986, Seite 24f. 
Ravitzky, „Messianism“, Seite 79 

57 

Zvi Yehudah Kook, „Le-netivot Yisrael“, Jerusalem 1967, Seite 188. Ravitzky, „Messianism“, 
Seite 79f. 



42 


wird ohne Zweifel kommen aber, im Gegensatz zur allgemeinen Konzeption unter 
den Ultra-Orthodoxen, ist es nicht er, der die historische Wende in Gang setzen wird, 
und genauso wenig wird er den Erlösungsprozeß mit seinen eigenen Händen in Gang 
setzen. Im Gegenteil, diese Wende und dieser Prozeß des Messias ben Joseph werden 
ihn gerade zur Geburt verhelfen. Der davidische Heiland ist nicht in die at-halta de- 
ge'lah, den Beginn der Erlösung, involviert; er ist nicht verantwortlich für das Setzen 
und Wachsen der Frucht, sondern vielmehr für dessen Heranreifen. Das konkrete, 
historische Beginnen, dessen Zeuge wir heute sind, ist nicht durch einen physischen 
Erlöser in Gang gesetzt worden, sondern durch die kollektive Aktivität seiner Kinder 
auf Erden. 

Israel Shahak und Norton Mezvinsky greifen diesen Zusammenhang in 
ihrer Studie zum Jüdischen Fundamentalismus auf. „Ideologen der Gush Emunim, 
vor allem Rabbi Kook der Ältere“, lesen wir dort, „gewannen ihre Ideen nicht nur 
zum großen Teil aus der jüdischen Überlieferung, sie waren auch innovativ.“ Wie sie 
das Messiaskonzept auswerteten ist dabei anschaulich. Die Bibel sah nur einen 
einzelnen Messias voraus. Der jüdische Mystizismus erwartete zwei. Nach der 
Kabbala werden sich die beiden Messiasse in ihren Wesenszügen unterscheiden. Der 
erste Messias, eine kriegerische Figur unter dem Namen 'Sohn des Joseph', wird die 
materiellen Vorbedingungen der Erlösung schaffen. Der zweite Messias wird ein 
spiritueller 'Sohn des David' sein, der die Welt durch spektakuläre Wundertaten 
erlösen soll. 

Rabbi Kook der Ältere modifizierte diese Idee, indem er voraussah und -bestimmte, 
daß der erste Messias ein kollektives Wesen sein müsse. Kook identifizierte seine 
Gruppe mit dem kollektiven 'Sohn des Joseph'. Führer der Gush Emunim, die den 
Lehren von Rabbi Kook d. Ä. folgen, sehen ihre Rabbis, und vielleicht die 
Gefolgschaft insgesamt, als die Gesamtinkamation von wenigstens einem, vielleicht 
sogar von zwei prophetisch verordneten Heilanden. Mitglieder der Gush Emunim 
glauben zugleich, daß dieser Gedanke bis zu gegebener Zeit keinem Uneingeweihten 
eröffnet werden sollte. Sie glauben weiter, daß ihre Sekte ob der ihr eigenen 

CO 

unfehlbaren göttlichen Leitung nicht irren kann.“ 

Noch einmal: Wie wir bereits gesehen haben, ist dieser Zugang nicht 
gerade originär. Gab es doch immer kabbalistische Eingeweihte, die da lehrten, daß 
die ben Josephische messianische Erfüllung mit der kollektiven Verantwortung der 
Gemeinschaft oder der Gemeinde als Ganzem gleichzusetzen war. 59 


58 

Israel Shahak/Norton Mezvinsky, „Jewish Fundamentalism in Israel“, London 1999, Seite 66 

59 Diese Idee ist bereits im „Sefer ha-Zohar“ genannt. Siehe Yehudah Liebes„The Messiah of the 
Zohar: On R. Simeon bar Yohhai as a Messianic Figure“, in „Studies in the Zohar“, Albany 
1993. Ferner Gershom Scholem, „The Messianic Idea in Kabbalism“, in „The Messianic Idea in 
Judaism and Other Essays“, New York 1971, Seite 43-48; idem, „Sabbatai Sevi: The Mystical 
Messiah, 1626-1676“, Princeton 1973, Seite 44-66; Isaiah Tishby, „Torat ha-ra veha-kelipah be- 
Kabbalat ha-Ar’i“, Jerusalem 1965, Seite 143; Ronit Meroz, „Redemption in the Doctrine of 
Rabbi Isaac Luria“ (in hebräisch), Doktor-Dissertation, Hebräische Univerität, Jerusalem 1982, 
Seite 255-360; Yehudah Liebes, „Trein urzilin de-ayalta'“ (hebräisch), in „Kabbalat ha-Ar-i'“, a 
Special issue of „Mehkerei Yerushalayim be-Mahshevet Yisrael“ 10 (1992), Seite 113-69. 
Ravitzky, „Messianism“, Seite 81 



43 


Anders als die traditionellen kabbalistischen Weisen, die die Erlösung 
ausschließlich an die spirituelle Ausrichtung und die Erfüllung einer mystischen, 
kosmischen Mission gebunden sahen, gibt diese aktivistische Schule jedoch der 
Perfektionierung der Welt und der Erreichung historisch-politischer Erfüllung offen 
den Vorrang. Für sie ist es das zionistische Unternehmen, in all seiner Konkretheit, 
das die erforderliche kollektive Ausrichtung verkörpert und wahrhaft die Antwort 
des jüdischen Volkes auf den göttlichen Aufruf reflektiert. 60 

Kaum verwunderlich also, daß Kook in dem Schaffensprozeß der 
hebräischen Nationalstaatsbewegung das Wirken des Messias ben Joseph sah. Als 
der Rabbi nach 1904 nach Palästina emigrierte und der Zionistenchef Theodor Herzl 
wenige Wochen später das Zeitliche segnete, da verfaßte Kook einen lobenden 
Nachruf, in dem er ausführlichen Gebrauch von diesem sonderbaren Motiv des 
verdammten Erlösers machte - mit feinen Unterscheidungen zu seinem 
davidianischen Weggefährten. Auf der einen Seite zögerte er nicht von Herzl und 
etwas allgemeiner von „der zionistischen Vision in unseren Tagen“ in entschieden 
messianischen Wendungen zu sprechen: wir lesen da von Ausdrücken wie „den 
Fußspuren des Messias“, „der messianischen Generation den Weg ebnen“, und 
ähnlichem mehr. Auf der anderen Seite beschränkte Kook aber mit Bedacht den 
Gebrauch dieser Ausdrücke auf den „physischen“ Messianismus, jener, der sich an 
den Messias ben Joseph und damit an die Wirkfelder von Krisen und Rückschlägen 
bindet: Deshalb, folgerte der dogmengläubige Talmudist, „wurde der (zionistische) 
Führer das Opfer von Ärger und Leiden.“ „Die Jagd nach körperlicher Stärke und 
die allgemeinen Zubehöre des nationalen Lebens“, erklärte er ergänzend, „sind die 
Vorbereitungen des Messias ben Joseph, während die für die Spiritualität 
einstehenden Kräfte jene darstehen, die den Messias ben David vorbereiten.“ 

„In unseren Tagen“, fährt Kook fort, „erreicht uns wie die Schritte des Messias ben 
Joseph die zionistische Vision, die sich entschieden an die materielle Seite der 
Dinge lehnt. Da ihre Vorbereitungen (in Richtung auf die andere Dimension) 
mangelhaft ist, sind die Kräfte nicht vereint... bis der (zionistische) Führer (am 
Ende) der Herrschaft des Bösen und der Trauer zum Opfer fiel... Diesen Mann 
dürfen wir als den Künder des Messias ben Joseph betrachten, angesichts seiner 
Rolle, das große Ziel einer nationalen Widergeburt in einem generellen, materiellen 
Sinn erreicht zu haben. 61 


60 Ravitzky, „Messianism“, Seite 82 Siehe auch ebenda Seite 135 mit einem entsprechenden Zitat 
aus A. I. Kook, „Hazon ha-ge'ulah“, Seite 134 

61 Abraham Isaac Kook, „The Eulogy in Jerusalem“ (hebräisch), in „Ma’amrei ha- Reiyah“, Seite 
97 Für eine Zusammenfassung des Artikels siehe Zvi Yaron, „The Philosophy of Rabbi Kook“, 
Jerusalem 1991, Seite 243f. Ravitzky, „Messianism“, Seite 98f. 



44 


Ein Weltkrieg stellt die Errichtung des jüdischen 
Staatswesens in Aussicht 

Die Bedeutung dieser Analyse durch einen der führenden Mystiker seiner 
Zeit kann gar nicht hoch genug veranschlagt werden. Wenn Kook in Herzls Wirken 
den Beginn des Schlußteils der Tage ausmachte, dann mußte das im okkulten 
Verständnis die allerschwersten Konsequenzen auf die nachfolgenden, noch 
ausstehenden Ereignisse haben. Hieß es doch in der Prophetie, daß der Messias ben 
Joseph im wahrsten Sinne des Wortes apokalyptische Folgeereignisse in Gang 
setzen müsse. Erst wenn die Menschheit durch ein Meer von Blut geführt worden 
sei, so hieß es, könne der finale Erlöser erscheinen. Und als Geburtshelfer, als 
Stellvertreter des vollstreckenden Messias, fiel dem Geheimvatikan (nach Kooks 
engerem Verständnis dem Zionismus) genau diese traurige Aufgabe zu. 

Und so markierte der Tod des ausgleichsbereiten Theodor Herzl wohl 
nicht rein zufällig eine Wendung in der Politik des Zionismus hin zu einer stärkeren 
Betonung des konfliktbereiten Fundamentalismus. Herzl hatte die halbe Welt 
bereist, um dem Ziel eines jüdischen Staates im Nahen Osten nahezukommen. 
1902, am Ende seines Weges, zeigte er sich gar geneigt, Landangebote in ganz und 
gar unbiblischer Umgebung als jüdische Heimstatt anzuerkennen. Mit seinem 
plötzlichen Ableben änderte sich jedoch die Verhandlungsführung des hebräischen 
Nationalismus von Grund auf. Jetzt, hieß es, sei nurmehr Palästina zu akzeptieren, 
mochten sich die türkischen Kolonialherren sperren, wie sie wollten. 

Kook trug diesen Schwenk voll mit. Er, der sich so lange 
zukunftspositivistisch gegeben und wiederholt Zurückhaltung gepredigt hatte, 
gelangte nun mit einem Mal zu recht weitgreifenden Ansichten. In diesen Kontext 
gehört die kühne historiosophische Schlußfolgerung, daß „es Zeiten gibt, in denen 
die Gesetze der Thora überschritten werden müssen. Da es aber niemanden gibt, der 
den legitimen Weg dazu weisen kann, ist das Ziel durch ein Aufbrechen von 
Grenzen zu erreichen... Wenn die Prophetie blockiert ist“, dozierte er zur Zeit des 
Stillstands in den zionistischen Palästinaverhandlungen, „wird eine Berichtigung 
durch eine stützende Bresche erreicht, die äußerlich beklagenswert sein mag, 
innerlich aber eine Quelle der Freunde darstellt!“ 62 Viele Außenstehende werden ob 
der Bedeutung dieser Worte gerätselt haben. Auch als Kook wenige Jahre vor 
Ausbruch des Weltkrieges zunehmend betonte, daß „Vernichtung um des Aufbau 
willens selbst eine Art Aufbau sei,“ 63 und daß „die Wehen der Schöpfung die 
Vernichtung ganzer Welten (erforderten).“ 64 

„Es ist wert“, schrieb er, „die Wehen der Erschütterung und die 
Krankheitssymptome der Zerstörung zu durchleiden, um die verbesserten Welten 


62 

' A. I. Kook, „Arpelei tohar“ (ungebunden, Jerusalem 1934), Seite 13 und 15. Die Ausgabe, die 
sich gegenwärtig in Druck befindet, schwächt diesen Text nachträglich ab, um den Sichtweisen 
des Herausgebers und seiner Mentoren gerecht zu werden. Ravitzky, „Messianism“, Seite 105 

63 A. I. Kook, „Iggerot ha-Reiyah“, Jerusalem 1962,1: 85. Ravitzky, „Messianism“, Seite 105 

64 A. I. Kook, „Orot ha-kodesh“, Jerusalem 1963,1: 194. Ravitzky, „Messianism“, Seite 105 Über 
den nachhaltigen Einfluß der Kabbala auf die Gegenwartssicht Kooks siehe Ravitzky Seite 105f. 
sowie Fußnoten 100-105, ebenda Seite 259f. 



45 


voranzubringen, die einen solchen Reichtum an Leben ihr eigen nennen, daß es ihre 
Aufnahmefähigkeit gar zu übertreffen schiene.“ 65 „Dasselbe gilt“, kommentiert 
Chronist Aviezer Ravitzky mitdenkend, „für die historische 'Erschütterung' im 
Leben der Nation, deren 'KrankheitsSymptome der Vernichtung' nun den 
zionistischen Aufbau begleiteten...“ 

Je mehr sich die Wolken am politischen Horizont Europas verdunkelten, 
desto mehr bewegte sich Kooks Gedankengebäude in diese Richtung. „Das Böse 
und Eherne der Spuren des Messias, die jedes Herz aus der Ruhe bringen“, so der 
Rabbi „sind die dunklen Schritte, die zu einer verfeinerten, glücklichen Existenz 
führen. 66 Um einen neuen Weinberg im Hause Israel dergestalt zu bepflanzen, daß 
Israels Wesen im wahren Licht der Prophezeiung Wiedererstehen kann, müssen 
herkömmliche Werte ebenfalls durch die Ehernheit der Spuren des Messias 
ausgelöscht werden. Von (Letzterem) soll ein neues Licht ausgehen, strahlend in 

n 

seinem Glanz, rein wie die Himmel.“ 

In diesem Sinne erschienen ihm der Weltkrieg (1914-1918) und seine 
Schrecken nurmehr als Geburtswehen, Reinigung, Aufrütteln und Regenerierung 
zugleich, die zur Wiedergeburt führen. Wir stehen hier an der Grenze von 
Widersinn und Apokalypse 68 , doch selbst dort sieht Kook im besonderen Akt der 
Zerstörung nichts als biblischen Aufbau: „'Die Zeit des Gesangs (zamir) ist 
gekommen'“, zitierte er die heiligen Schriften, „die Zeit, die Tyrannen zu fällen 
(zamir). Die Gottlosen werden vernichtet und die Welt wird gereinigt; 'das Lied der 
Turteltauben erklingt in unserem Land' (Vgl. Das Hohelied Salomos 2:12)... Das 
Sühneopfer muß kommen: eine allgemeine Beseitigung aller gegenwärtiger 
Zivilisationsfundamente, mit ihrer Verlogenheit und Falschheit, ihren üblen 
Verunreinigungen und zersetzenden Giften. Jegliche Kultur, die stolz ist auf den 
Klang seiner Lügen muß ausgelöscht werden, um durch ein Reich vortrefflicher 
Heiligkeit ersetzt zu werden. Das Licht Israels soll erscheinen und soll eine Welt 
errichten, zusammengesetzt aus Völkern, die von einem neuen Geist beseelt sind.“ 69 

Nahum Goldmann, der spätere Präsident des „Zionistischen 
Weltkongresses“ schrieb 1915 mit geradezu identischen Folgerungen, ja 


65 A. I. Kook, „Orot ha-kodesh“, 2: 526. Siehe ebenfalls Yehudah Gelman, „Das Böse und seine 
Rechtfertigung in den Anschauungen Rabbi Kooks“ (hebräisch), „Da'at“ 119 (1987): 147-55. 
Ravitzky, „Messianism“, Seite 106 

66 A. I. Kook, „Orot“, Jerusalem 1963, Seite 83; idem, „Hazon ha-ge'ulah“, Seite 140-41 Der 
Einfluß dieses Sicht ist klar erkennbar in den Schriften des Rabbi Jacob Moses Harlap, eines 
Schülers von Rabbi Kook. Siehe „Mei marom“, Jerusalem 1977, 3: 60-62 

67 A. I. Kook, Orot ha-kodesh“, 1: 152 (korregiert nach dem Manuskript, das bei Ish-Shalom, 
Jtav Kook“, Seite 59, zitiert wird. Ravitzky, „Messianism“, Seite 108 

/TQ 

Siehe S. B. Urbach „Religiöser Zionismus in messianischer Perspektive“ (in hebräisch), in Y. 
Tirosh (Hrsg.) „Ha- Tzionut ha-dadit: Kovetz ma’amarim“, Jerusalem 1974, Seite 169. Ravitzky, 
„Messianism“, Seite 109 

69 A. I. Kook, „Orot“, Seite 13-15. Vergleiche hierzu Oswald Spengler, „The Decline of the 
West“, New York 1926 



46 


Wendungen, über „den Sinn und die historische Mission unserer Zeit“. Wie der 
tiefreligiöse Kook sah auch der vorgeblich weltlich orientierte Goldmann in der 
Vernichtung einen Schaffensprozeß, den er begrüßte. 70 

Der Hintergrund für diese befremdliche Kriegsbegeisterung entschlüsselte 
sich dem aufmerksamen Talmudisten nur zwei Jahre später, als die britische 
Regierung auf dem Höhepunkt des Völkermordens die berühmte Balfour- 
Deklaration veröffentlichte, in der sie Eretz („das Land“) Israel als jüdische Heimat 
anerkannte. Dieses vermeintliche „Geschenk des Himmels“ ging auf eine 
geheimdiplomatische Sonderleistung des Zionismus zurück, die in der modernen 
Geschichte kaum ein gleiches haben dürfte. 71 Da das große Ereignis aber auf das 
Jahr genau in der Bibel angekündigt worden war 72 , wurden in den Kreisen der 
religiösen Zionisten sofort messianische Gefühle laut : Die Gemeinschaft der Gur- 
Chassiden, der die Leitung der talmudnationalistischen „Agudat Israel“ oblag, 
definierte die Balfour-Deklaration als einen „Fingerzeig von göttlicher Herkunft“. 4 
Und Rabbi Israel Meir ha-Kohen (Hafetz Hayim), einer der führenden hebräischen 
Gelehrten seiner Zeit, sprach von einem göttlichen Eingriff zugunsten der 
Erlösung. 75 „Es besteht“, legte er sich fest, „kein Zweifel darüber, daß unsere Zeit 
diejenige der Spuren des Messias ist.“ 76 

Etwas weniger mystisch schrieb der eingeweihte Moseljünger M. Gonzer 
1919 nach der deutschen Niederlage über „das tausendfältige Glück, das die 


70 Vergleiche Nahum Goldmann, „Der Geist des Militarismus“, Stuttgart/Berlin, Deutsche 
Verlagsanstalt, 1915. Insbesondere Seite 37f. 

71 Es gelang der Nationalstaatsbewegung in diesem Zusammenhang, die Kriegsparteien durch 
eine umfassende zersetzerische Tätigkeit an allen Fronten unter starken Druck zu setzen. England 
erklärte sich schließlich zur Zusammenarbeit bereit, weil sein überstaatlicher 
Verhandlungspartner den Kriegseintritt Amerikas versprach. Vergleiche hierzu die noch 
folgenden Ausführungen im Zusammenhang mit den Ereignissen des 1. Weltkrieges 

72 

"1517 begann in Jerusalem die Herrschaft der Osmanen, die - gemäß dem Buch Daniel und dem 
kabbalistischen Werk Sohar - nach acht Jubeljahren, das sind 400 Jahre, enden sollte, was dann 
auch durch die Briten 1917 geschah. Vgl. Interview der Monatsschrift „Nachrichten aus Israel“ 
(Verein für Bibelstudium in Israel Beth-Shalom, CH-8330 Pfäffikon ZH) mit dem israelischen 
Thora-Weisen Schabatai Schiloh vom August 1980. Der „Bericht aus Jerusalem“ trägt den Titel 
„Der Messias kommt“. 

73 

Ravitzky, „Messianism“, Seite 86 

74 Siehe die Ausführung von Rabbi Yitzhak Meir Levin in „Kol Yisrael“, 16 Kislev 5693 (1933). 
Siehe ferner Yitzhak Alfasi, „Rabbi Abraham Mordecai Alter von Gur und seine Beziehung zur 
Besiedlung des Landes Israel“ (hebräisch), „Bi-Shevilei ha-Tehiyah“ 2 (1987): 121 

75 

Aussage von Israel Meir ha-Kohens Sohn, in Shmuel Grainemann (Hrsg.), „Hafetz Hayim al 
ha-Torah“, B’nai Berak o. D„ Seite 101. Hinsichtlich der religiösen Erregung, die die Balfour- 
Erklärung unter den Juden des Ostens auslöste, siehe Yosef Yo’el Rivlin, „Fußspuren der 
Erlösung“ (hebräisch), in „Minha le-Avraham (Almaliah Festschrift), Jerusalem 1959, Seite 40- 
48. Siehe ferner die Bemerkungen von Rabbi Moshe Khalfon von Djerba in seiner „Darkei 
Moshe“, Djerba 1935, zitiert durch Joseph Tubi, „Die Wurzeln der Haltung der orientalischen 
Juden zur zionistischen Bewegung“ (hebräisch) in „Temurot ba-historyah ha-Yehudit ha- 
hadashah“, Jerusalem 1988. Ravitzky, „Messianism“, Seite 160 

76 

Siehe Moshe Prager (Hrsg.), „Le-or ha-emunah“, New York 1958, Seite 6, 12. Das Buch zitiert 
die Worte von zahllosen Weisen der vergangenen Generationen, die, in ihrer Zeit - in den Tiefen 
von Schlechtigkeit und Verzweifelung - die Zeichen der „Geburtswehen des Messias“ 
entdeckten. Ravitzky, „Messianism“, Seite 171 



47 


Frommen (Chassiden) dem Kriege beim besten Willen zuschreiben können, - im 
Hinblick auf all das, was man dem gegenwärtigen Krieg zu verdanken hat...“ „Wir 
meinen damit“, fährt er fort, „die Bürgschaft für die Menschenrechte der Juden in 
allen Ländern der Welt, die völkerrechtliche Haftung, die durch die Gründung eines 
jüdischen Staates in Palästina für das Leben des jüdischen Volkes überall dort 
gegeben wird, wo es Juden gibt.“ Und angesichts der aus zionistischer Sicht lahmen 
Haltung der soeben abgesetzten kaiserlichen Regierung schließt Gonzer: „In der Tat 
hat das Deutsche Volk durch den Krieg seine Reife bewiesen und hat sich sogar 
noch mehr genommen, als seine Versorger ihm geben wollten... Daraus folgt, daß es 
auch unter den Nationen solche gibt, die schwer von Begriff sind, die in irgendeiner 
Beziehung etwas nicht begreifen können, wenn sie nicht vom Rebben, das heißt von 
der Weltgeschichte, ein paar spürbare Schläge bekommen, die ihnen die Augen 
öffnen... aber davon wollen wir gar nicht reden.“ 


Messiaswehen gegen das jüdische Volk: Der 
Holocaust 

Nun wäre es grundverkehrt aus diesem Triumph des hebräischen Nationalismus zu 
schließen, die Aufgabe des Messias ben Joseph bzw. seiner irdischen Stellvertreter 
erschöpfe sich darin, die Nationen der Welt zu quälen um das Judentum als einzig 
Begünstigten von dem blutigen Treiben auszunehmen. Auch gegen das eigene 
Fußvolk hatte der Geheimvatikan im Laufe der Jahrhunderte immer wieder 
stärksten Druck ausgeübt - und war es „nur“ aus dem praktischen Grund, um den 
Zusammenhalt der blind Geführten zu gewährleisten. 

Das israelische Autorenteam Shahak/Mezvinsky illustrieren dieses gerade aus 
jüdischer Sicht überaus heikle Thema durch „die Beziehung des ersten Messias zu 
ignorant-ungläubigen Juden, egal ob diese säkulare oder religiöse Hintergründe 
hatten. Rabbi Kook bezog dieses Konzept von der biblischen Prophezeiung, daß der 
die Erlösung bringende' Messias 'auf einem Esel und auf einem Fohlen, dem Jungen 
eines Esels reiten 'werde. (Zacharias 9:9). Die Kabbala betrachtete dieses Vers als 
Hinweis auf zwei Messiasse: einer, welcher auf einem Esel reitet und ein anderer, 
welcher auf einem Fohlen daherkommt. Nun lautete hier die Frage: Wie konnte 
ein kollektiver, ein gemeinschaftlicher Messias auf einem einzigen Esel reiten? 
Kook beantwortete die Frage, indem er den Esel mit Juden identifizierte, denen er 
an Weisheit und rechten Glauben fehlt. Kook postulierte, daß der 
gemeinschaftliche Heiland auf diesen Juden reiten würde... Rabbiner der Gush 
Emunim gebrauchen die folgende Analogie des messianischen Esels: angesichts 
seines niedrigen Rangs in der Hierarchie der Geschöpfe, muß der Esel über das 
noble Vorhaben seines göttlich inspirierten Reiters im Unklaren sein. Es ist dies der 


77 

Gonzer, M., „Der historische Moment“ (hebr.), Verlag Itzkowski, Berlin 1919. Zitiert bei Erich 
und Mathilde Ludendorff, „Die Judenmacht. Dir Wesen und Ende“, Archiv Edition im Verlag für 
ganzheitliche Forschung, Viöl 1999, Seite 353/355 



48 


Fall obwohl der Esel den Reiter in Umfang und vollständiger Kraft übertrifft. In 
dieser Analogie führt der erhabene Reiter den Esel seiner eigenen Erlösung entgegen. 
Wegen seines noblen Ziels darf der Reiter den Esel im Verlauf der Reise treten, um 
sicherzustellen, daß der Esel von dem festgelegten Pfad nicht abirrt. In der gleichen 
Weise, bringen die Rabbis der Gush Emunim vor, müsse diese besondere 
messianische Sekte jene eselsgleichen Juden führen und handhaben, die durch die 
satanische Kultur des Westens mit den ihr eigenen Kräften des Rationalismus und der 
Demokratie korrumpiert worden seien und die sich weigerten ihrer viehischen 
Gewohnheiten zu entsagen und den wahren Glauben anzunehmen. Um den Prozeß 
voranzubringen, ist die Anwendung von Gewalt wann immer als nötig empfunden 
erlaubt.“ 

Dieser eher kalte und berechnende als väterlich-beschützende Bezug des 
Geheimvatikans zu „seinen“ Schäfchen läßt den eingeweihten Kabbalaschüler nichts 
gutes ahnen, wenn er sich mit den Voraussagen der Propheten für das Ende der Zeit 
auseinandersetzt. Verhießen diese doch auch dem Volk Gottes derart schwarze Tage, 
daß - wie wir bereits an anderem Ort vermerkt haben - der fromme Talmudschüler 
seit jeher zu Gott betet, der erwartete Heiland möge nicht zu seinen Lebzeiten 

79 

kommen, sodaß er seine Wehen miterleben müsse. 

Tatsächlich machte Rabbi Jacob Moses Harlap, einer der frühen und 
führenden Schüler Kooks, die letzte Erlösung explizit von einem weltweiten 
Ausbruch der Feindseligkeit gegen das jüdische Volk abhängig. „Wenn die Zeit der 
Erlösung dämmert“, schrieb er, „werden die anderen Nation bereuen, den Juden 
geholfen zu haben; sie werden sich in Verfolger wandeln, und uns damit den Weg 
ebnen, das Licht der Erlösung zu sehen.“ 80 Und die besonders einflußreiche 
Betrachtung von Rabbi Elhanan Bunem Wasserman, Ikveta de-meshiha (Die 
Fußspuren des Messias), die dieser in den 30er Jahren am Vorabend des Holocausts 
verfaßte, stellt fest: „Bei Daniel steht geschrieben, daß der Kummer dieser Tage alles 
übertreffen soll, das Israel befallen hat, seit es ein Volk wurde, daß heißt, er wird 
sogar den Rahmen des Leides bei der Zerstörung des Tempels sprengen.“ 81 

Beide Prophetien sollten sich nun unheilvoll bewahrheiten. Zunächst lehnte 
es England gleich im Anschluß des Krieges ab, für sein Heimstatt-Versprechen 
einzugestehen, womit die Lösung der Palästinafrage erst einmal vertagt wurde. Als 
sich dann auch noch das mosaische Fußvolk im Exil den Emigrations- und 
Besiedlungsplänen des Zionismus verschloß stand das Projekt Israel mit einem Mal 
wieder am Nullpunkt. 


78 

Israel Shahak/Norton Mezvinsky, „Jewish Fundamentalism in Israel“, Pluto Press, London 
1999, Seite 66-68 

79 BT Sanhedrin 98a. Ravitzky, „Messianism“, Seite 127 

80 

Harlap, „Ma'ayanei ha-yeshuah“, Seite 29 sowie S. Aviner, „Am ke-lavi“ 2:188. Ravitzky, 

„Messianism“, Seite 134 
81 

Elhanan Bunem Wasserman, „Ikveta di-meshiha“, Jerusalem und Tel Aviv 1952, Seite 6ff. 
Diese Abhandlung wurde ebenfalls in „Kovetz ma’amarim“, Seite 106ff., in zwei verschiedenen 
Versionen, veröffentlicht. Zu einem ähnlichen Zugang, der dem Rabbi Elijah - dem Goan von 
Vilna - zugeschrieben wird, siehe Arey Morgenstern, „Ge'ulah be-derekh ha-teva“, Elkana 1989, 
Seite 54. Ravitzky, „Messianism“, Seite 171 



49 


In dieser Situation äußerster Bedrohung entschlossen sich radikale Kräfte 
innerhalb der zweifach verlassenen Nationalstaatsbewegung zur Führung eines 
doppelten Krieges: Zum einen suchten sie London durch eine emanzipatorische 
Unterminierung des britischen Empire unter Verhandlungsdruck setzen. Für diese 
Aufgabe stand die weltrevolutionäre Kommunistische Internationale unter Leon 
Bronstein (Trotzki) in der Sowjetunion als natürlicher Bündnispartner Gewehr bei 
Fuß. Zum anderen sollte das nach zionistischem Empfinden „satt und 
selbstzufrieden“ im Exil lebende Hebräertum seinen Assimilationstendenzen 
entrissen und der nationalen Bestimmung neu zugeführt werden. Als Prellbock bot 
sich in diesem Fall die antisemitische Bewegung in Deutschland an, die hinsichtlich 
der jüdischen Ausgrenzungspolitik die gleichen Ziele wie der Zionismus verfolgte. 
So kann es nicht verwundern, daß der Nationalsozialismus von Beginn seines 

Aufstiegs an von israelitischen Nationalisten begrüßt wurde und daß es auf beiden 

82 

Seiten der völkischen Rechten immer Formen direkter Zusammenarbeit gab. 

Nicht wenige Juden, darunter gerade die aufgeklärt-liberalen Geister, 
haben später über das Doppelspiel des Zionismus bittere Klage geführt. 83 Dabei 
fällt jedoch die Tatsache ins Auge, daß sich in diesem Zusammenhang religiöse 
Nationalismus-Gegner desto auffälliger der Kritik enthielten, je näher sie den 
Pforten des Geheimvatikans standen. Wenn es warnende Stimmen gab, so waren 
dies gewöhnlich Einwürfe, denen man die Selbstzensur auf Schritt und Tritt 
anmerkt. Nichtsdestoweniger ist deren erkenntnistheoretische Bedeutung ob der 
zugrunde liegenden biblisch-messianischen Perspektive vielfach als herausragend 
zu werten ist. 

Ein prominentes Beispiel liefert in diesem Sinne der größte hebräische 
Romancier der Moderne, Samuel Josef Agnon, welcher einer polnisch-rabbinischen 
Familie entstammte und später nach Palästina auswanderte: In „Ein ganzer Laib“ 
(„A Whole Loaf‘) - einer autobiographischen Geschichte im „Buch der Taten“ 
(Book of Deeds) - stellt uns der spätere Nobelpreisträger zwei seiner ältesten und 
engsten Freunde vor. Der eine ist - unverkennbar Mose symbolisierend - Dr. 
Yekutiel Neeman, der Gläubige (ne'eman) aus dem Hause des Herrn; der andere, 
Mr. Gressler, erscheint als das genaue Abbild des Satan, die Verkörperung des 

OA 

bösen Antriebes und seiner Verführungen. Der Erzähler erlebt nun viele 
persönliche Umschwünge, sieht sich beständig zwischen diesen beiden 
Antipoden hin- und hergerissen. Als jedoch Gressler, der dämonische Freund, 
dafür sorgt, daß sich das Heim des Chronisten mit all seinen Besitztümern in Rauch 


82 

‘ Zu den Einzelheiten siehe das entsprechende Kapitel. Es sollte an dieser Stelle noch erwähnt 
werden, daß die Nazis auch früh durch Engländer bezuschußt wurden, die ein militaristisches 
öeutschland gegen den sowjetischen Druck auf das Empire einzusetzen gedachten. Wie das 
vuellenmaterial der 20er Jahre belegt, hat Hitler diesen Kreuzzug bereits sehr früh als seine 
vordringlichste Aufgabe gesehen. 

83 

Siehe exemplarisch das Buch des Vorsitzenden der Israelischen Liga für Menschenrechte, Israel 
Shahak, „Jüdische Geschichte, Jüdische Religion“, Lühe-Verlag, Süderbrarup 1998 sowie die 
entsprechenden Vorworte. 

84 

Baruch Kurzweil, „Masot al Sippurei Agnon“, Jerusalem/Tel Aviv 1963, Seite 86-94. Bei 
Ravitzky, „Messianism“ Seite 40f. 



50 


auflöst, entscheidet sich dieser den lockenden Teufeleien Gresslers ein Ende zu 
bereiten. Er kündigt die Freundschaft, „vergräbt sich in das Buch des Yekutiel 
Neeman“ und packt schließlich den Rest seiner Habseligkeiten, um nach Eretz Israel 
(Palästina) abzureisen. „Sobald ich nach Eretz Israel abgereist war“, fährt Agnon fort, 
„war es ausgerechnet Gressler, dem ich als Erstem begegnete, denn er reiste auf 
demselben Schiff, jedoch auf dem Oberdeck, das für die Reichen reserviert war, 
während ich auf dem Unterdeck bei den Armen mitfuhr.“ Auf diese Weise tragen die 
beiden Protagonisten ihren „Flirt“ bis ins Heilige Land hinein, wo sich ihre Pfade 
auch weiterhin beständig kreuzen... 

Agnon scheint hier auf seine eigene autobiographische Betrachtung eine 
Parabel aus einer früheren Quelle zu pfropfen. Tatsächlich wurde nämlich dasselbe 
Motiv schon einmal von dem Rebben von Munkäcs, Rabbi Hayyim Eleazar Shapira 
(1872-1937), in einem Brief benutzt, den er seiner Gefolgschaft in Jerusalem im 
Anschluß an einen Israel-Besuches im Jahre 1930 sandte. Anders als Agnon spricht 
Shapira aber die eigentliche Bedeutung des Gleichnisses aus: Der Satan unserer 
Tage, der den Exiljuden quält und sich im Heiligen Land häuslich einrichtet, ist 
niemand anderer als die neue Zionistische Siedlungs-Bewegung. 

Mit dem Besuch des Rebben von Munkäcs im Heiligen Land hat es nun eine 
ganz eigene, nämlich messianische, Bewandtnis. Der damals vielleicht prominenteste 
hasidische Führer des ungarischen Judentums vollbrachte damit einen Schritt, den er 
jahrelang „aus großen und geheimen Gründen“ 86 von sich gewiesen hatte. 

Aviezer Ravitzky schreibt wörtlich: „Seine gesamte mysteriöse Wallfahrt 
nach Eretz Israel, die von einer ansehnlichen Gefolgschaft begleitet wurde, zentrierte 
sich um die Person des sephardischen Rabbi Solomon Eliezer Alfandari, bekannt als 
der „Heilige Groß-Vater“. 87 Shapira selbst unterstrich nachhaltig: 'Mein Haupt¬ 
anliegen ist es, den Heiligen Großvater zu treffen und zu ehren... denn das Gebot im 
Heiligen Land Israel Wohnsitz zu nehmen ist für unseren Zeitabschnitt noch nicht 
anwendbar.' 88 Allerdings schien es, als habe Shapira dennoch seine Hoffnungen auf 
eine schnelle Erlösung (verbunden mit der massiven Einwanderung des Judentums 
nach Israel, W. E.) auf die Person und mystischen Eigenschaften dieses besonderen 
Mannes projiziert. 


85 

Das Haus der Familie Agnon in Hamburg brannte 1924 - inklusive der Bücherei und der 
Manuskripte des Chronisten - vollständig ab. Ravitzky, „Messianism“, Seite 242 FN 2 

86 Berish Weinberger (Hrsg.), „Iggerot Shapirin“, Brooklyn 1983, Seite 262 und Moshe 
Goldstein, „Mas'ot Yerushalayim“, Munkäcs 1931, Seite 20. Den Gesamtzusammenhang der 
Reise bei Ravitzky, „Messianism“, Seite 58-59 

0*7 

Man beachte die Parallele zum „Heiligen Vater“, dem christlichen Papst in Rom. Seite 248 FN 
70: Rabbi Solomon Eliezer Alfandari, ein... kabbalistischer Weiser, unterrichtete in der Türkei, in 
Safed und in Jerusalem. 

88 Moshe Goldstein, „Mas'ot Yerushalayim“, Munkäcs 1931, Seite 121. Shapira's „Reise nach 
Jerusalem“ im Jahre 1930, die in dem Buch mit ebendiesem Titels beschrieben wird, drehte sich 
um die charismatische Persönlichkeit Alfandaris. Auf der Grundlage des Segens und der 
ausdrücklichen Einladung des Letzteren unternahm er diese Fahrt und er beschrieb das Treffen 
mit Alfandari als den Höhepunkt der Reise. (Goldstein, a.a.O., Seite 20) Siehe ebenfalls Seite 24, 
wo über Alfandari als den führenden Heiligen seiner Generation geschrieben wird. 



51 


Es liegt ein authentischer Bericht aus der Gefolgschaft Shapiras vor, der uns die 
näheren Umstände des Treffens schildert. Wir lesen: 

Indem er sich auf den rabbinischen Spruch stützte, daß 'was der Gerechte 
verfügt, der Heilige, gelobt sei er, das geht in Erfüllung,... flehte der Rebbe den 
Heiligen Großvater, als den führenden Heiligen seiner Generation an, er möge für 
den Ruhm der Shekhinah (der göttlichen Gegenwart) und dem Wöhle All-Israels 
unwiderruflich verfügen, daß der Messias ben David schnell in unserer Zeit 
kommen möge, da wir unsere Lage nicht länger ertragen könnten... Und der 
Heilige Großvater sagte in seiner Demut Ich bin kein gerechter Mann'. Und unser 
Rebbe blieb und flehte ihn eine lange Zeit an. ' ... 

Rabbi Shapira's Schreiber fährt fort: 'Hinter den Vorhängen hörten wir 
sie über die Angelegenheit 90 unserer vollen Erlösung verhandeln, so wie es der 
Plan der heiligen Engel vorgesehen hatte. Wir, die wir draußen standen, waren 
von Grauen und Schrecken ergriffen, und bis heute zittert meine Feder, wenn ich an 
die große Furcht denke, die uns an diesem Tag gefangen nahm. 

Das ist alles, was wir über den Inhalt dieses für die Geschicke des 
Judentums scheinbar so wichtigen Gipfeltreffens erfahren. Außer diesen wenigen 
Andeutungen bietet Ravitzky dem Leser keine weiteren Ausführungen, die das 
Verständnis über die Aufgewühltheit der Atmosphäre erleichtern würden. Und 
dennoch gibt er dem aufmerksamen Beobachter des okkulten Mosaismus 
verschiedene Schlüssel an die Hand. 

Rekapitulieren wir: 1930. Es ist das Jahr, in dem in Deutschland mit 
einem Schlag die antisemitische Pogrompartei des Nationalsozialismus zur zweiten 
Kraft im Lande aufsteigt. Europa ist beunruhigt. Vielleicht aus genau den gleichen 
Gründen ist dies auch der Führer der jüdischen Pietistenbewegung in Ungarn. 

Auf jeden Fall entschließt sich Shapira ins Heilige Land zu fahren, um 
dort den als Heiligen verehrten Gelehrten Alfandari zu treffen. Diesen fleht er an, 
die blutigen Geburtswehen des Messias ben Joseph endlich zu beenden und den 
Messias ben David herbeizurufen. Er tut das in der festen Überzeugung, daß sein 
Gegenüber die Macht und die Fähigkeit zu einer derart universellen Entscheidung 
besitzt. 

,, Was der Gerechte verfügt, der Heilige, gelobt sei er, das geht in 
Erfüllung. “ Das sind seine rätselhaften Worte, die vor dem Hintergrund eines 
schon einmal vorgestellten Vergleichstextes klarer werden. Hier schreibt der 
Mystiker Martin Buber: „Da ist etwas, das Gott in die Macht seiner Zaddikim 
(wörtlich: Gerechten) gegeben hat, und das eben ist es, wovon es heißt: 'Der 
Zaddik beschließt und Gott erfüllt'. Warum aber ist es so? Weil Gott will, daß die 
Erlösung unsere eigene Erlösung sei. Selber müssen wir dahin wirken, daß das 
Ringen sich zu den Wehen des Messias steigere. “ Danach sind die chassidischen 


89 Goldstein, a.a.O., Seitel21 

89 Weniger zurückhaltend übersetzt man „issue“ mit „den Blutfluß“ oder „den Ausgang“/„die 
Konsequenz“. Auch im Sinne von „in Gang setzen“. 

91 Goldstein, a.a.O., Seite 121 



52 


„Gerechten“ die Exekutive der Erfüllung, sprich der Prophetie. 92 Shapira identifiziert 
Alfandari also ganz offenkundig mit einem Teil des Geheimvatikans. Der 
Papstähnliche Titel des , „Heiligen Groß-Vater“ legt nahe, daß er damals sogar dem 
Führer des okkulten Judentums in die Augen blickte. 

Und diesen bittet er, durch die vorzeitige Inthronisierung des Messias ben 
David den unerträglichen Spuk des Messias ben Joseph abzukürzen. Ging Alfandari 
auf das Ersuchen ein? Der Chronist Ravitzky legt diese Vermutung nahe. 
Unmittelbar an die Konferenzimpressionen des Shapira-Gefolges schließend, setzt er 
nämlich die folgenden Sätze: 

„Einige Tage später wurde Alfandari von einer Krankheit befallen. Am 
Tag darauf wurde er in den Himmel berufen, während Shapira und seine 
Gefolgschaft an seinem Bett standen. 

Rufen wir uns eine erstaunliche Geschichte ins Gedächtnis, die Shapira 
seinen Schülern zu erzählen pflegte: 'Der Rebbe Menachem Mendel von Rymanow 
besuchte einstmals den Rabbi Jacob, den Seher' von Lublin, um mit diesem an der 
Beschleunigung der Erlösung zu arbeiten. Dabei überkamen sie die dämonischen 
'Gegenkräfte'. Rebbe Menachem Mendel wurde krank, und 'er hatte nicht die Kraft zu 
bleiben, um die Widersacher zu bekämpfen, die ihn zum Gehen zwangen. Beide 
Männer verstanden das in dem Sinne, daß es sich hier um eine himmlische Verfügung 
handelte, die darauf abzielte, sie von weiteren derartigen Handlungen (zugunsten der 
Erlösung) abzuhalten. 

Gewannen die Gegenkräfte“, schließt Ravitzky diesen Exkurs, „auch die 
Oberhand über die Kräfte der Heiligkeit“, die Shapira und Alfandari für kurze Zeit zu 
Gunsten der Menschheit durch okkulte Mitteln zwingen wollten? 

Beschrieb Shapira, dürfen wir als Außenstehende fragen, in dem Gleichnis 
der spiritistischen Rebben sein eigenes Erleben in Jerusalem? Und war durch ihr 
Scheitern das blutige Schicksal der Welt - so wie es Shapira vor seiner Reise vor 
Augen gehabt haben mag - ein weiteres Mal besiegelt? Wie genau sah er als 
eingeweihter Kabbalist in diesem Moment in die Zukunft, als er nach seinem Besuch 
das Bild des Satans auf die zionistische Siedlungsbewegung übertrug? Ravitzkys 
Schweigen scheint an dieser Stelle wiederum sehr beredt. Auch weil der 
schreibgewandte Autor anstatt einer klaren Antwort wieder zu einer scheinbar 
prosaischen Geschichte greift: 


92 

“ In einem nahverwandten Sinne schreibt der Talmud, daß das fortdauernde Bestehen der Welt 
dem Verdienst von 36 Personen zuzuschreiben ist, deren jeder „vollkommen gerecht“ (gamur 
tzaddiq) sei. 

93 Goldstein, a.a.O., Seite 240 

94 H. E. Shapira, „Kuntres yemot ha-mashiah, Seite 33. Bei Ravitzky heißt es in der 
überliefernden Fußnote 78 Seite 249: „Shapira fahrt fort, daß Rabbi Menahem Mendel 
unmittelbar nach seiner Heimkehr genas.“ 



53 


Im direkten Anschluß an das Lubliner Gleichnis, erzählt uns Ravitzky, 
daß „der Munkäczer Rebbe an der Seite der Seinen das Heilige Land verließ.“ 95 
Um dann fortzufahren:, Als er nach Munkäcz zurückkehrte, weigerte sich Shapira 
ein Begrüßungsfest zu besuchen, das zu seinen Ehren organisiert worden war, 'und er 
verbot seinen Schülern das Tanzen und Singen'. 96 Jahre später sollen seine 
Anhänger den verborgenen Grund für das seltsame Verhalten des Rebben an 
diesem Tag, dem 2. Tag des Monats Sivan, entschlüsselt haben. 'Das Herz weiß 
um die Bitterkeit um jemandes Seele' (Sprüche 14:10): Sie berechneten, daß genau 
sieben Jahre später, am 2. des Monats Sivan, der Munkäczer Rebbe sterben würde, 
indem seine Seele im Angesicht des neuen Zeitalters entschweben würde; genau 
sieben weitere Jahre darauf, an genau dem gleichen Tag, kam der Sensemann nach 
Munkäcz und sandte dessen letzte Söhne nach Auschwitz.“ 97 

War die nationalsozialistische End-Lösung Teil einer übergeordneten 
himmlischen Er-Lösung? Handelt es sich bei der „Opferung“ (so die Übersetzung 
des Begriffs „Holocaust“) um einen Teil der messianischen Geburtswehen, der der 
Vorsehung gemäß passieren mußte ? Lag hier der Grund für die Jerusalemer 
Fürbitte Shapiras zur vorzeitigen Geburtseinleitung des Messias ben David? 

Wie wir sahen, scheiterte der Rabbiner, um als gebrochener Mann nach 
Ungarn zurückzukehren. Bis zu seinem Tod verblieb ihm gerade noch genug Zeit, 
um mitzuerleben, wie radikale Vertreter des Zionismus im benachbarten 
Deutschland dem Nationalsozialismus die Hand zur Zusammenarbeit reichten. 

Als wenige Jahre später die schrecklichen Folgen des Holocausts 
öffentlich wurden, entschloß sich Shapiras „Dynastie“ endgültig, mit dem 
Geheimvatikan zu brechen. In einem programmatischen Akt verließ der 
„Thronfolger“ des Munkäczer Rebben das Heilige Land, um sich in New York 
dem Rebben von Satmar unterzuordnen. Und dieser aufrechte Mann Gottes stand 
im Zentrum jener Neturei Karta-Bewegung, welche als „Wächter der Mauer“ die 
anstürmenden Heerscharen des Messias ben Joseph bekämpfte. 


95 Shapira verglich später die dreizehn Tage, die er im Lande Israel verbrachte mit den dreizehn 
Janren, die - der esoterischen Überlieferung zufolge - Rabbi Simeon bar Yochai in einer Höhle 
zubrachte (Goldstein, „Tikkun olam“, Seite 152) Er führte ebenfalls biblische Gründe für seine 
Entscheidung ins Feld, das Land Israel vor dem Shavuot-Feierlichkeiten zu verlassen“ und 
ebenfalls aus geheimen Gründen hielt ich mich während der Feierlichkeiten nicht in Israel auf.“ 
Goldstein, „Mas'ot Yerushalayim“, Seite 365) 

96 Goldstein, „Mas'ot Yerushalayim“, Seite 358 

97 Ebenda 



54 


Judaistische Reaktionen auf den Holocaust: Wächter der 
Mauer vs. Er Stürmer 

Schon 1940 veröffentlichte die Neturei Karta eine Proklamation, in der sie einen 
Gutteil der Verantwortung für die Naziverfolgungen gegen die Juden an den 
Zionismus weiterreichte. Solche Anklagen vervielfältigten sich nach dem Holocaust. 
„An allem“, schrieb ein Polemiker, „trägt die häretische, aufrührerische, 
verführerische und korrupte zionistische Führung die Schuld.“ 98 Erwähnung fand in 
derartigen Fällen stets das Argument, die Zionisten hätten Hitler vorsätzlich gereizt, 
indem sie ihm mehrfach offen den Krieg erklärten um so das ganze jüdische Volk zu 
seinem Feind zu stempeln. Selbst Rabbi Moshe Blau, einer der herausstehenden 
Führer der religiös-zionistischen Agudat Israel argumentierte auf dem Höhepunkt der 
Vernichtung ähnlich. Für seinen Teil erwähnte er zudem „den Wirtschaftskrieg, den 
die Zionisten öffentlich gegen Hitler erklärt hatten - zu Beginn von dessen 
Judenverfolgungen.“ 

Im diametralen - weil akzeptativen - Gegensatz hierzu standen die 
Deklarationen der Messias-Aktivisten. Blicken wir an dieser Stelle noch einmal kurz 
zurück: Wie wir gesehen haben betrachtete Rabbi Abraham Kook den ersten 
Weltkrieg in nahezu apokalyptischen Termini. Er interpretierte diesen Krieg mit all 
seinen Schrecknissen als messianische Geburtswehen, die zur nationalen 
Wiedergeburt führen. Rufen wir uns noch einmal seine Worte in Erinnerung:„Das 
Böse und Eherne der Spuren des Messias, die jedes Herz aus der Ruhe bringen“, so 
der Rabbi damals „sind die dunklen Schritte, die zu einer verfeinerten, glücklichen 
Existenz führen. Um einen neuen Weinberg im Hause Israel dergestalt zu 
bepflanzen, daß Israels Wesen im wahren Licht der Prophezeiung Wiedererstehen 
kann, müssen herkömmliche Werte ebenfalls durch die Ehern heit der Spuren des 
Messias ausgelöscht werden.“ Zuvor hatte er betont, daß „Vernichtung um des 
Aufbau willens selbst eine Art Aufbau sei,“ und daß „die Wehen der Schöpfung die 
Vernichtung ganzer Welten (erforderten).“ 

Nun, gerade eben 30 Jahre später, übernahm sein Sohn Zvi Jehudah 
dieses bibel-deterministische Muster, um den zweiten Weltkrieg und die 
Vernichtung der europäischen Juden zu erklären. Erstaunlich genug, interpretierte 


98 So im Neturei Karta-Organ „Ha-Homah“ (Die Mauer) im Shevat 5706 (1946). Vgl. Ravitzky, 
„Messianism“, Seite 251 FN 98 

99 Kitvei Rabbi Moshe Blau, Jerusalem 1983, Seite 250-51. Ravitzky, „Messianism“, Seite 274, 
FN 14. Am 23. März 1933 wurde im Reichstag mit den Stimmen der bürgerlichen Parteien das 
Ermächtigungsgesetz verabschiedet, welches die Demokratie in Deutschland aufhob und Hitler 
für die Dauer von vier Jahren zum Diktator bestimmte. Am 24. März meldete die Londoner 
Tageszeitung „Daily Express“, mit millionenfacher Auflage eine der einflußreichsten 
Tageszeitungen Großbritanniens, auf der Titelseite in maximaler Aufmachung, „das Judentum“ 
habe Deutschland den Krieg erklärt. Der ausführliche Bericht beinhaltete die Ankündigung eines 
massiven weltweiten Warenboykotts, der Kündigung von Darlehen u.a.m.. Eine Woche danach 
setzten mit dem Boykott jüdischer Geschäfte im Reich die ersten staatlich organisierten 
Repressalien gegen die im Lande lebenden Juden ein. 



55 


er die Schrecken des Holocaust als eine Art himmlischer Chirurgie“, ein „tiefes, 
verstecktes, göttliches Heilverfahren, das darauf abzielt uns von der Unreinheit des 
Exils zu befreien.“ 100 So wie beide Weltkriege sei „auch der Holocaust eine 
Erschütterung, die Vernichtung einer verfaulten Kultur (jener des Exils) im Dienste 
der nationalen Wiedergeburt und der Erfüllung der Vision des geoffenbarten 
Endes.“ Dieser Schicksalsschlag, schreibt Zvi Yehudah Kook, ist „der zornige 
Sturm von der Hand des Herrn, der darauf abzielt uns aus den Nationen und ihren 
wertlosen Kulturen zu entfernen!“ 101 

„Das jüdische Volk ist hierher gebracht worden“, ließ der Rabbi seine 
Stimme aus Palästina vernehmen, „getrennt von den Tiefen des Exils, um zum Staate 
Israel zu gelangen. Das Blut von 6 Millionen bedeutet eine beträchtliche 
Ausscheidung aus dem Körper der Nation. Unser ganzes Volk hat sich einer 
himmlischen Heilbehandlung unterziehen müssen durch die Hände der Zerstörer, 
mögen ihre Namen verlöschen. Gottes Volk hatte sich so entschlossen an die 
Unreinheit fremder Länder geklammert, daß es, als die Endzeit nahte, mit einem 
großen Blutverlust (von dort) herausgeschnitten werden mußte... Diese grausame 
operative Entfernung... offenbart unser wirkliches Leben, die Wiedergeburt der 
Nation und des Landes, die Wiedergeburt der Thora und all dessen was heilig ist. 
Diese himmlischen, kosmologischen, göttlichen Tatsachen müssen genau so gesehen 
werden. Sehen ist mehr als Verständnis; es ist das Zusammenprallen, die Begegnung 

1 09 

mit dem Herrn des Universums.“ 

Mit anderen Worten: Die Vernichtung und das Leiden sind nicht durch 
klassische Kausalität, als Ergebnis von Sünde, zu erklären, sondern theologisch, als 
Mittel zum Zweck der Erlösung. Während der ältere Kook den ersten Weltkrieg als 
die Verpflanzung einer verdorbenen Fremdkultur deutet, erklärt der junge Kook den 
Holocaust als die Auswurzelung einer entwürdigten jüdischen Kultur, der Kultur des 
Exils. Die Katastrophe war, in seinen Worten, „ein zutiefst verborgener, interner, 
göttlicher Akt der Reinigung (um uns zu befreien) von der Unreinheit (des Exils)... 
ein grausam-göttlicher chirurgischer Eingriff mit dem Ziel (die Juden) gegen ihren 
Willen in das Land Israel zu bringen.“ 1 

Auf der anderen Seite gab es Erlösungszionisten, die den Holocaust als 
kollektive Bestrafung für eine kollektive Sünde sahen: nämlich die fortgesetzte 
jüdische Treulosigkeit gegenüber dem Lande Israel. 104 Rabbi Zvi Jehudah Kook 
und seine Schüler vermieden ihrerseits diese harte Position, aber auch sie führten 
den Holocaust theologisch auf die jüdische Ablehnung Zions zurück. Kook 
schreibt: „Wenn das Ende kommt und Israel es versäumt, dies zu erkennen, dann 


100 Shlomo Aviner (Hrsg.), „Sihot ha-Rav Zvi Yehudah“, Keshet 1980, Seite 11. Ravitzky, 
„Messianism“, Seite 109 

101 Ravitzkv: „Messianism“, Seite 109. FN 117 auf Seite 271 nicht einsehbar 

102 Zvi Jehudah Kook, „Yom ha-Shoah 5733 (1973),“ in S. Aviner, „Sihot ha-RZY“, Seite 11. 
Ravitzky, „Messianism“, Seite 127 

103 Zvi Jehudah Kook, „Yom ha-Shoah 5727 (1967),“ in S. Aviner, „Sihot ha-RZY“, Seite 21. 
Ravitzky, „Messianism“, Seite 127 

104 Rabbi Mordecai Atiyah war ein führender Vertreter dieses Gedankens. Siehe Mordecai Attia, 
„Mahshavot shalom“, Jerusalem 1948, Seite 50; idem „Simhat olam“, Mexiko City 1951, Seite 



56 


ereignet sich eine grausame göttliche Operation, die (das jüdische Volk) aus dem Exil 
beseitigt... infolge der Realität (die sich in dem Vers niederschlägt) 'Sie verachteten 
das begehrenswerte Land (und glaubten nicht an Seine Verheißung)' (Psalm 
106:24). 105 


Am Ende des Krieges lag das jüdische „Exil“ in dem ehedem von Hitler 
komplett überrannten Europa aus tausend Wunden blutend am Boden. Die 
Einwanderungszahlen nach Palästina, die vor der Machtergreifung des 
Nationalsozialismus rückläufig gewesen waren, hatten sich in den 30er Jahren 
sprunghaft vermehrt und ließen jetzt - da es hintergründigen Planern international 
gelang, anderweitige Emigrationsziele zu versperren 106 - alle Dämme brechen. 

Obwohl die englische Kolonialmacht der Entwicklung entgegen zu wirken 
suchte, wechselte die Machtkontrolle im Heiligen Land auf kaltem Wege. Downing 
Street verlor, der Zionismus, der sich werbewirksam zum moralischen 
Interessenswalter des Judentums aufschwang, gewann täglich an Boden. Schließlich 
legalisierten die Supermächte das Fait accompli, indem sie 1948 Israel als jüdischen 
Staat anerkannten. 


Der Staat Israel und seine messianische Bedeutung 

Es versteht sich von selbst, daß das messianische Lager die erneute Verwirklichung 
der biblischen Prophetie erkannte und entsprechend würdigte. Rabbi Yitzhak Meir 
Levin beispielsweise, der politische Führer von Agudat Israel und Schwiegersohn des 
Rebben von Gur, Rabbi Levin, der über mehr als 4 Jahre als Minister in der 
israelischen Regierung amtierte, sprach öffentlich von dem „Staat Israel, welcher mit 
nicht zu leugnenden Wundertaten errichtet wurde“, der „wunderbaren Vision des 
Beginns der Ernte der Exilierten“, „dem Finger Gottes“ der sich in der Gründung des 
Staates offenbare und „der Hand von göttlicher Herkunft, die die Schritte des Staates 
Israel dirigiere.“ 107 


‘ S. Aviner, „Sihot ha-RZY“, Yom ha-Shoah 5727 (1967), Seite 21 Original Seite 128 Der 
Psalm setzt sich wie fort folgt: Und sie fuhren fort, in ihren Zelten zu murren. Sie hörten nicht 
auf die Stimme Jehovas. So ging er daran, Seine Hand ihretwegen (zum Eid) zu erheben, daß er 
sie in der Wildnis fällen werde. Und daß er ihre Nachkommen unter den Nationen fällen werde. 

106 Diese „Politik“, bei der auf die Staatschefs verschiedener Länder stärkster Druck ausgeübt 
wurde, aus Europa fliehenden Juden die Einreise und damit die Fortsetzung des „Exils“ an 
anderem Ort zu gestatten, bediente die Erfordernisse der Zionisten und der biblischen Prophetie 
gleichermaßen. Zvi Jehudah Kook sollte über diesen Zusammenhang schreiben: „Der göttliche 
historische Imperativ, der uns deutlich offenbart wurde, das Exil zu beenden, kann nicht 
verändert oder verzerrt werden. Weder durch die Gottlosigkeit und den halsstarrigen Widerstand 
der Nationen, noch durch unsere eigenen Fehler und unjüdischen Abweichungen. Die flüchtigen 
Verzögerungen, die all jene ins Rollen bringen, haben nicht die Kraft die Bewegung aufzuhalten, 
die mit höchster Sicherheit vorwärts und aufwärts schreitet.“ (Z. Y. Kook, „Le-netivot Yisrael“ 
1:125. Siehe ebenfalls Jacob Moses Harlap, „Ma'ayanei ha-yeshuah“, Jerusalem 1963, Seite 227. 
Ravitzky, „Messianism“, Seite 124) 

107 Yitzhak Meir Levin, „Neumim“, Jerusalem 1952., Seite 27-28, 35, 42, 77, 93. Ravitzky, 
Ravitzky, „Messianism“, Seite 158 



57 


Levin sprach von Wundern. Vielleicht sprach er so für die Öffentlichkeit, 
das Fußvolk der Gläubigen. Vielleicht wußte er aber auch tatsächlich nicht, daß 
hinter der himmlischen Beglückung höchst irdische Sachwalter standen. Und diese 
Bibelaktivisten sahen die Dinge in einem etwas anderen Licht. Rabbi Zvi Yehudah 
Kook, einer ihrer Aktivposten, war aber vorsichtig genug, sich den Ruhm nicht 
allzu augenfällig an die eigene Weste zu heften. Statt dessen betonte er kurz nach 
Gründung des Staates Israel immer wieder vielsagend die Kraft der „historischen 
Zwangsläufigkeit“ und „kosmologischen Bestimmung“, die die gegenwärtige 
Nationalbewegung „ohne Zaudern und Schwanken“ ihrem Schicksal 
entgegenführe. 108 

Doch trotz aller Zurückhaltung im Detail zeigten sich der Rabbi und seine 
Anhängerschaft kühn genug, alle trennenden Barrieren zwischen dem 
Theologischen und Politischen fortzuräumen, indem sie der jüdischen Nation in all 
ihren Symbolen, Aktivitäten und Kämpfen eine messianische Qualität zuschrieben. 
„Der Staat Israel“, unterstrich Kook, „hat nichts anderes zu sein als das Fundament 
von Gottes Anwesenheit in der Welt.“ 109 


Ein unverwundbarer Platzhalter Gottes? 

Diese „Gott mit uns“ Haltung sollte den religiösen Zionismus bis zum heutigen Tag in 
nahezu jeden inneren und äußeren Konflikt begleiten. Als die Israelis - nach 
eindringlichen Aufforderungen durch Kook - 1967 den Sechs-Tage-Krieg gegen 
ihre arabischen Nachbarn vom Zaun gebrochen hatten, erklärte selbst der 
einflußreiche Nationalismus-Kritiker Rabbi Menachem Mendel Schneersohn 
öffentlich, daß der Verdienst jener, die an dem Krieg teilnahmen, größer gewesen 
sei als der derjenigen, die die Thora studierten. 110 

Es war dieser punktgenau prophezeite Waffengang 111 , welcher in ganz 
Israel die Flamme des Messianismus zum Flächenbrand ausweitete. Über alle 
Parteigrenzen hinweg bis hinein in das Lager der schärfsten Säkularisten schwappte 
ein nicht mehr für möglich gehaltener Feuersturm religiösen Eifertums, der 
erkennen ließ, wie stark sich Militär, Gesellschaft und die Politik des Heiligen 
Landes noch immer an der Bibel inspirierten. Rabbi Shlomo Goren, ein Renegat 
der nicht lange zuvor die Möglichkeit eines gesetzmäßigen jüdischen Staates 
vertreten hatte, der „sich nicht am den messianischen Prozeß beteiligt“ änderte 

108 Ravitzky, „Messianism“, Seite 125 

109 Ebenda, Seite 5 

110 S. D. Volpe, „Shalom shalom“, Seite 34. Ravitzky, „Messianism“, Seite 174 

111 Es sei an dieser Stelle noch einmal an die Berechnungen des israelischen Thora-Weisen 
Schabatai Schiloh erinnert, der das Buch Daniel und den kabbalistischen Sohar als Quelle 
anführt. „1517“, so Schiloh, „begann in Jerusalem die Herrschaft der Osmanen, die nach acht 
Jubeljahren, das sind 400 Jahre, enden sollte, was dann auch durch die Briten 1917 geschah. 
Dem sollte ein weiteres Jubeljahr (50) Niemandszeit folgen und danach sollte Jerusalem wieder 
dem Volk Israel zufallen, siehe 1967.“ Vgl. Die Monatsschrift „Nachrichten aus Israel“, 
herausgegeben durch den Verein für Bibelstudium in Israel Beth-Shalom, CH-8330 Pfäffikon 
ZH, August 1980. 

112 „Torat ha-mo'adim, Tel Aviv 1964, Seite 563. Ravitzky, „Messianism“, Seite 266 



58 


jetzt seine Meinung, indem er feststellte daß „die erste Stufe der messianischen 
Vision vor unseren Augen Gestalt annimmt.“ Nach dem fehlgeschlagenen arabischen 
Yom Kippur Krieg (1973) erklärte er bestimmt: „Alles entwickelt sich nach dem 
himmlischen Plan. Wir brauchen keine einzige Person zu fürchten, wir können 

113 

zuversichtlich sein, daß wir am Ende die dritte Erfüllung in die Tat Umsetzern“ 

Wenig später, am 27. Geburtstag der Unabhängigkeit Israels (1974), führte 
Rabbi Zvi Jehudah Kook in seiner Yeshivah einer mehrhundertköpfigen Zuhörerschaft 
die Größe der Stunde und die religiöse Bedeutung der jüdischnationalen 
Wiederherstellung vor Augen. „Da gibt es Menschen, die von 'dem Beginn der 
Erlösung' in unserer jetzigen Zeit sprechen“, sagte er, indem er den Ausdruck wählte, 
der von vielen religiösen Zionisten akzeptiert wird. Aber „wir müssen klar erkennen, 
daß wir uns bereits in der Mitte der Erlösung befinden. 114 Wir befinden uns bereits im 
Zimmer des Throns, nicht erst im Vorzimmer. Der 'Beginn' fand vor mehr als einem 
Jahrhundert statt, als die jüdische Niederlassung im Lande Israel erneuert wurde.“ 115 


Die Forcierung von Armageddon am Tempelberg 

Dem zeitlichen Aspekt der Erfüllung kommt in der Tat eine herausragende 
Bedeutung zu. Klärt sich doch mit dem Umstand, an welchem Punkt diese 
angelangt ist zugleich die Frage nach der Länge der Frist, die uns, der Menschheit, 
bis auf den vielzitierten „letzten Tag“ noch gegeben ist. Denn am Ende der 
biblischen Prophetie, das ist unstrittig, steht das Armageddon, der katastrophalste 
aller bisher gekannten Kriege. 

Bis zu diesem schicksalsschweren Punkt, der sich mit dem „Jüngsten 
Gericht“ und dem Erscheinen des Messias ben David verbindet, kann es nicht mehr 
ferne sein. Die kabbalistischen Auguren verweisen immer wieder auf die bisherigen 
Geschichtsabläufe und ihre Datierungen, wenn sie von den unmittelbar vor uns 
liegenden Jahren als dem erwarteten Zeitrahmen sprechen. 

Manche Weise bemühen sich, das gegenwärtige Erscheinungsbild des 
Staates Israel mit den Prophezeiungen der Endzeit abzugleichen. In einer in diesem 
Zusammenhang gern zitierten Mishnah-Passage (Traktat Sotah) heißt es über das 
Gelobte Land vor der Erlösung: „Galiläa (Nordisrael) wird zerstört werden... der 
Golan wird verwüstet sein“. 116 Jeder Besucher des Nahen Ostens mag sich heute 


„Ha-Tzofeh“, 14 Shevat 5735 (1975). Ravitzky, „Messianism“, Seite 266 

114 Hinsichtlich der „Mitte der Erlösung“ siehe Z. Y. Kook, „Le-netivot Yisrael“, Seite 196-98; 
idem, „Ba-ma'arakhah ha-tzibburit“, Seite 11, 28; Shmuel Federbush, „Torat ha-melukhan“, 
Jerusalem 1971, Seite 102; Menachem Friedman, „Der Staat Israel als ein religiöses Dilemma“ 
(hebräisch), „Alpayyim“ 3, 1991: 65 

115 S. Aviner (Hrsg.), „Sihot ha-RZY“, Seite 1. Ravitzky, „Messianism“, Seite 136 

116 Ravitzky, „Messianism“, Seite 170 



59 


davon überzeugen, daß dieses vermeintliche Zukunftsbild bereits jetzt weiträumig 
zur politischen Realität geworden ist. 

Andere Erlösungsaktivisten blicken derweil mit Hochspannung auf die 
alttestamentarischen Stätten Jerusalems. Bevor der apokalyptische Kampf der 
Supermächte Gog und Magog anhebt, erwarten sie hier die Umsetzung einer letzten 
Erfüllung: Die Errichtung des dritten Tempels an vermeintlich historischer Stätte, 
auf dem Tempelberg - dort, wo heute Heiligtümer des Islam ihren Platz haben. Daß 
sich in den Kreisen des Geheimvatikans gegenwärtig der Aktivismus verstärkt, 
auch in dieser endzeitlichen Umgebung Hand an „Gottes“ Geschichtswerk zu 
legen, illustriert einmal mehr, wie behende sich die Welt ihrem „Jüngsten Tag“ 
nähert. 


Auf jeden Fall begannen vor nicht allzu langer Zeit einige selbsternannte 
Handlanger des Herrn, ganz konkret Pläne zur Zerstörung der auf dem Tempelberg 
gelegenen AI Aqsa Moschee auszuhecken. Im gewissen Sinne war das ein politischer 
Schachzug, der das Abkommen von Camp David sabotieren sollte. Aber in einem 
anderen Sinn war es ein mystischer Versuch, die 'Kräfte der Unreinheit' stillzulegen, 
„die Schale Ishmaels“, von der Quelle ihrer Lebenskraft auf dem heiligen Berg 
abzuschneiden. Für einige, indessen, war es zugleich ein apokalyptischer Schritt, eine 
historische Wende in Gang zu setzen, durch das Heraufbeschwören eines 
katastrophalen Krieges die Hand des „Messias“ zu bewegen. 117 

Wir sehen hier ein logisches, organisches Ergebnis der Lehren von Rabbi 
Zvi Jehudah Kook. Das deterministische Element in dieser Entwicklung ist 
unübersehbar. Und tatsächlich waren einige der Aktivisten als extremistische 
Siedler ganz klar dem Kook'schen Ideenstrang des Geheimvatikans zuzuordnen. 
Israel Shahak erklärt diese gefährlich weit in die Neuzeit reichende Zündschnur wie 
folgt: „Die Rabbis, die seine Yeshivat in Jerusalem - Merkaz Harav - absolviert 
hatten und hingebungsvolle Anhänger seiner Lehren geblieben waren, begründeten 
eine jüdische Sekte mit einem scharf umrissenen politischen Plan. Anfang 1974, 
praktisch unmittelbar nach dem Schock des Krieges vom Oktober 1973 und eine 
kurze Zeit bevor der Waffenstillstands-Vertrag mit Syrien unterzeichnet wurde, 
gründeten Rabbi Kook's Anhänger mit dem Segen und unter der geistigen 
Anleitung ihres Führers die Gush Emunim, den 'Block der Getreuen'. Die Ziele der 
Gush Emunim waren es, in den besetzten Gebieten neue jüdische Siedlungen zu 
initiieren und bereits bestehende jüdische Siedlungen auszubauen... Nach dem Tod 
des jüngeren Kook ging die spirituelle Führung der Gush Emunim auf einen 
halbgeheimen rabbinischen Rat über, der über ein mysteriöses Auswahlverfahren 
aus dem Kreis der hervorragendsten Kook-Schüler zusammengestellt wird. Diese 
Rabbis haben fortfahrend politische Beschlüsse getroffen, die sie von... ihrer sehr 
eigenen Auslegung der jüdischen Mystik - allgemein als Kabbala bekannt - 
ableiten. Die Schriften von Rabbi Kook dem Älteren dienen als die heiligen Texte 


117 Siehe Rudick, „Eretz ge'ulah“, Seite 185; D. C. Rapoport, „Messianism and Terror“, „Center, 
Magazine“ 19 (1986): 30-39. Ravitzky, „Messianism“, Seite 134 



60 


und sind vielleicht absichtlich noch verdunkelter als andere kabbalistische Schriften. 
Gründliche Kenntnis der talmudischen und kabbalistischen Literatur, einschließlich 

moderner Auslegungen beider, und eine spezielle Ausbildung sind Voraussetzung 

118 

zum Verständnis der Kook'schen Schriften.“ 

Diese politisch sehr einflußreiche Hintergrundmacht 119 versorgt nun bis heute den 
aktivistischen Fundamentalismus im Heiligen Land und anderenorts mit einem nicht 
versiegenden Reservoir an frischen Kämpfern. Eine Handvoll Gush-Hitzköpfe 
„bereicherte“ auch das Lager jener Kommandos, die ausgezogen waren die Al-Aqsa 
Moschee auf dem Tempelberg in die Luft zu jagen. Allerdings gingen diesmal einige 
der führenden Figuren im Erlösungslager - durch die möglicherweise zu früh 
anberaumte Verschwörung alarmiert - in die Offensive und beeilten sich, diese als 
Perversion zu verdammen „Wir haben es hier mit einer messianischen Sekte zu tun, 
die danach trachtet die Erlösung des jüdischen Volkes durch die Macht der Waffen zu 
verwirklichen,“ wetterte Rabbi Zvi Tau. „Sie vertreten die offensichtlich götzen¬ 
dienerische Idee, daß sie durch die Sprengung der Moscheen den Herrn des 
Universums zwingen können, Israel zu erlösen. Es ist dies das Denken engstirniger, 
oberflächlicher Studenten der Kabbala, die mit all ihren Beschränkungen durch 
Neugierde in einen heiligen Bereich gelangen und große Zerstörung verursachen.“ 120 
Dieser Standpunkt Taus gibt eindeutig die im Judentum vorherrschende Meinung 
zum Thema wieder. 

Doch ebenso klar ist, daß es eben diese Fraktion aktivistischer Kabbalisten 
tatsächlich gibt, und daß sie seit langem genau das betreiben, was Tau angreift: Sie 
versuchen, die „Erlösung“ des jüdischen Volkes respektive die Erfüllung biblischer 
Prophetie durch die Macht der - wenn nötig: bewaffneten - Aktion zu erreichen. 

„Was wir wollen“, lesen wir in einem Aufruf aus dem messianistischen 
Umfeld, „sind Gläubige, die aus dem Glauben an Gott sich zur Tat erheben ... Es ist 


118 

Israel Shahak/Norton Mezvinsky, „Jewish Fundamentalism in Israel“, Pluto Press, London 
1999, Seite 55 und 57 

119 Shahak und Mezvinsky schreiben: „Gush Emunim's influence upon all Israeli governments 
and political leaders of varying political persuasions has been significant.“ („Jewish 
Fundamentalism...“, a.a.O., Seite 72) „Die Bedeutung ist am eindrucksvollsten, wenn man die 
breite Unterstützung - sowohl direkter als auch indirekter Art - für die Gush Hmunim bedenkt. 
Etwa die Hälfte von Israels jüdischer Bevölkerung unterstützt die Gush Emunim. Die - vor allem 
finanzielle - Unterstützung von Diaspora-Juden ist ebenfalls von großer Wichtigkeit. Viele 
Orthodoxe und andere Juden werden in New York und woanders durch das, was sie in Amerikas 
größter jüdischer Wochenzeitung, der 'Jewish Press' lesen, dazu ermuntert, die Gush Emunim zu 
unterstützen. Die in Brooklyn in Umlauf gebrachte 'Jewish Press' war und ist weiterhin ein 
redaktioneller Advokat der Gush Emunim, der häufig Leitartikel präsentiert, die von führenden 
Sprechern der Gush Emunim geschrieben wurden. Politiker der Stadt und des Staates New York 
suchen regelmäßig während des Wahlkampfes die Unterstützung der 'Jewish Press'. Leitartikler 
der 'Jewish Press' haben nicht nur eine messianische Ideologie vertreten; sie haben auch 
Bewunderung für Yigal Amir, den Mörder von Yitzhak Rabin, bekundet.“ („Jewish 
Fundamentalism...“, a.a.O., Seite 159) 

120 Segal, „Ahim yekarim“, Seite 216. Ravitzky, „Messianism“, Seite 134 



61 


dieser Glaube, der ihn von dem Moment, in dem er zu handeln beginnt, begleitet, der 
ihm die Kraft gibt, in historische und politische Ereignisse einzugreifen. Der Gläubige 
weiß, daß der Segen des Herrn auf jedem Schritt seines Wegs bei ihm ist.“ Das ist 
deutlich. Und ebenso unverstellt wie die Worte von Rabbi Ya'akov Filber, Kopf 
der - Kook'schen - Merkaz ha-Rav Junior Yeshivah: „Über und neben unserem 
Schaffen ist eine göttliche Macht, die über allem schwebt und uns zum 
Vorantreiben zwingt, in Übereinstimmung mit dem göttlichen Plan, der vollen 
Erfüllung entgegen.“ 122 


Die Frage nach der Durchsetzbarkeit des Bibelplans 

Nicht wenige Leser werden sich nun zu Recht fragen, wie es einer abspalterischen 
Sekte aus den Wüsten des Sinai gelungen sein soll, über Dekaden hinweg große 
Stationen der Zeitgeschichte zu bestimmen. Wie kann eine solche endzeitlich 
geprägte Fraktion über das Judentum hinaus ihre Wirksamkeit entfalten? Wie mag 
sie es schaffen, die engen Grenzen Israels, in denen den religiösen Parteien schon 
immer ein starkes Wort zukam, zu überschreiten und auf das jüdische wie 
nichtjüdische Exil im Sinne der Bibelprophetie dauerhaften Einfluß zu nehmen? 

Des Rätsels Lösung wird um vieles klarer, wenn man sich an dieser Stelle 
im direkten Vergleich den Werdegang der katholischen Kirche vor Augen führt. 
Stammte nicht das Christentum ebenfalls aus dem heiligen Land? War es nicht 
Anfangs ebenfalls eine vom Judentum abgespaltene Sekte? Und trotzdem -niemand 
wird das abstreiten wollen - gelang es dieser verschworenen Gemeinschaft über die 
Jahrhunderte hinweg, bedeutenden Einfluß auf das politische Geschehen des 
Abendlandes zu nehmen. 

Grundlegend für diesen Erfolgsweg war die zeitige Etablierung einer 
unantastbaren Führung, die ihren weltlichen Machtanspruch direkt aus der Bibel 
ableitete. Schon bald bildete so der Vatikan zu Rom das international anerkannte 
Zentrum, von dem aus die Päpste als Stellvertreter des Fischer-Apostel Petrus ihre 
Netze zur Missionierung der Menschheit auslegten. Um auf die Schaltstellen der 
Macht einwirken zu können, setzte der Klerus dabei flankierend sogenannte „Orden“ 
ein. Das waren geistlich-religiös inspirierte Gemeinschaften, die als vorgelagerte, 
exekutive Organe des Vatikans bald starken Einfluß auf die wirtschaftlichen, 
politischen, ja militärischen Belange der Alten und Neuen Welt ausübten. 

Vor dem Niedergang des katholischen Einflusses im diesseitigen Leben 
galt der Jesuitenorden als die rührigste Schaltzentrale Roms. 1534 gegründet, wurde 


Dan Tor, „Fortfahren, das Ende zu erzwingen“ (hebräisch), „Nekudah“ 96 (1986): 28. 

Ravitzky, „Messianism“, Seite 130 

122 

‘ Yaakov Filber, „Unsere Zeit, wie sie in den Quellen dargestellt ist“ (hebräisch), „Morashah“ I 
(1971): Seite 31, 37, 70. Ravitzky, „Messianism“, Seite 132 



62 


die Vereinigung von seinen Gegnern immer als politische Phalanx, mitunter sogar 
als Geheimdienst des Papsttums verstanden. Das Ziel der Jesuiten war weitreichend: 
Die Eroberung der Welt für Gott - nach dem Wahlspruch „Omnia ad majorem Dei 
gloriam“ („Alles zur größeren Ehre Gottes“). Daher arbeitete die Gemeinschaft 
auch immer überstaatlich und bekämpfte das dem Einheitsgedanken 
entgegenstehende nationale Prinzip. 

Was den Jesuitenorden aber vor allem aus dem Sammelsurium geistlicher 
Bruderschaften heraushob, war seine oftmals wenig moralische Einbindung in 
politische Händel. Der Zweck, an allen Orten den geistlichen Menschen erstehen zu 
lassen, bedeutete diesen Kämpfern Gottes viel, wenn nicht alles. Er heiligte - 

t 1 Ol 

hierher stammt das bekannte Wort - in der Tat nahezu alle Mittel. Diese 
Überzeugung machte lange Zeit die Macht der Gemeinschaft aus, sie brach ihr aber 
auch am Ende das Genick. Am 21. 7. 1773 hob Papst Clemens XIV. durch das 
Breve „Dominus ac Redemptor“ den Jesuitenorden für die ganze römisch- 
katholische Kirche auf - wegen „Einmischung in die Politik“ und „Störung des 
Friedens unter den Staaten“, wie es in der Verfügung wörtlich hieß. 

Wer nun aber meint, damit wäre das weltrevolutionäre „Schwert“ vom 
Sinai endgültig zerbrochen gewesen, der irrt grundlegend. Denn jetzt übernahm der 
in Aufbau, Wirkungsweise und Einfluß wesensähnliche Freimaurerorden den 
Staffelstab im Wettlauf der biblischen Erlösungssysteme. Während die Jesuiten den 
vorvergangenen 250 Jahre ihren Stempel aufgedrückt hatten, sollten die Freimaurer 
das jetzt folgende Vierteljahrhundert maßgeblich prägen. Doch ihr Lebenszentrum 
war nicht der Vatikan in Rom. Es war der kabbalistisch-messianische Sanhedrin in 
Safed. 


1 73 

' Die Entsendung von Einflußagenten in die Zweigstellen der Macht war oft der Schlüssel zur 
erfolgreichen Umsetzung geheimdiplomatischer Rä nk e. Die Tatsache, daß aus dem Schoß des 
Jesuitenordens die These von der Erlaubtheit des Tyrannenmordes geboren wurde (vgl. die 
Argumentation bei Juan Mariana oder Pedro de Ribadeneira), weist indes darauf hin, daß im 
Sinne des himmlischen Kreuzzuges bei Hofe auch mit härteren Bandagen gekämpft werden 
durfte. 



63 


Derjenige muß in der Tat blind sein, der nicht sehen 
kann, daß hier auf Erden ein großes Vorhaben, ein 
großer Plan ausgeführt wird, an dessen Verwirklichung 
wir als treue Knechte mitwirken dürfen. (Winston 
Churchill, freimaurerischer Staatsmann) 

Kapitel 3 


Die Freimaurerei als verlängerter Arm des 
Geheimvatikans 


Ein Aufstand mit Folgen 

Eine in unseren Sinne höchst aufschlußreiche Betrachtung über den Freimaurerorden 
sorgte erst vor wenigen Jahren im benachbarten Ausland für ein nicht 
unbeträchtliches Aufsehen. Der besondere Wert der Dokumentation, die unter dem 
Titel „Das Reich von Nietzsche“ erschien, hegt - neben den dargebotenen brisanten 
Informationen - in der Person des ungarisch-französischen Autors Aron Monus. Ist 
dieser doch durch seine jüdische Herkunft und ein speziell gelagertes Interesse mit 
den okkulten wie messianischen Seitenlinien „seiner“ Religion wohl vertraut. Und da 
er bei Abfassung seines Berichts zudem noch „Logenbruder“, also Freimaurer, 
gewesen war wird ihm niemand vorwerfen können, vorschnell und spekulativ über 
seinen Untersuchungsgegenstand geurteilt zu haben. Im Gegenteil: Hier hegt einer 
der äußerst raren Fälle eines Insiderberichtes aus den verschwiegenen Kreisen der 
vielleicht mächtigsten Geheimgesellschaft unserer Tage vor. 

Aron Monus nennt eine ganze Reihe von Gründen, die zu seiner 
Abrechnung mit der Freimaurerei führten. Vor allem die Einmischung in die Politik 
und der Griff zu - wie der Autor schreibt - kriminellen Praktiken, habe ihn dazu 
ermutigt, mahnend an die Öffentlichkeit zu treten. Dieser Schritt zog bald 
weiterreichende Folgen nach sich: Als nämlich die ersten Anklagen des Abtrünnigen 
in Paris publik wurden, kam es in der Französischen Nationalen Großloge (Grande 
Loge Nationale Francaise) zu einer Revolte, in deren Folge Arthur Wellesley Bamett 
- hoher Freimaurer und Leiter des gegen den eigenen Großmeister gerichteten 
Aufstandes - dem Chronisten mehrere hundert Seiten die Freimaurerei entlarvende 
Akten überließ. Und eben diese Geheimdokumente stellen nun wieder einen 
bedeutenden Teil jenes lesenwerten Enthüllungswerkes, aus dem in der Folge 
mehrfach zitiert werden soll... 



64 


Das religiöse Selbstverständnis und das Zukunftsbild der 
Freimaurerei 

Es ist klar, daß eine auf strengste Abschirmung und Verschwiegenheit bedachte 
Gesellschaft wie die der Freimaurerei ihre endgültigen Zielvorstellungen nicht laut in 
die Welt hinausposaunt. Selbst die unmittelbarsten Mitglieder erfassen meist erst am 
Ende eines langen Prüfungs- und Einweihungsweges das tatsächliche, 
unmythologische Wesen jenes Konstrukts, dem sie so lange in Treue verbunden 
waren. Trotzdem gibt es aber immer wieder Momente, in denen eben diese 
Wissenden im Überschwang des Augenblicks vor Publikum „Tacheles“ reden. Sie 
glauben dies ungefährdet tun zu können, da sie unter ihresgleichen sind und nicht im 
Traum daran denken, daß einer ihrer ,Brüder“ das Gesagte nach außen tragen könnte. 

Es ist das besondere Verdienst des vorerwähnten Freimaurers Aron Monus, 
daß er der Außenwelt einen solch aufschlußreichen Augenblick der Offenheit 
überliefert. Der „verbotene“ Blick hinter die Kulissen datiert auf den 15. Dezember 
1984. Damals hielt der „Erlauchte Bruder“ Henri L. Baranger, 33. Grad, Souveräner 
Großkommandeur des französischen Obersten Rates “ anläßlich eines großen 
Logenjubiläums vor einem ausgesuchten Kreis hochrangiger Mitstreiter eine 
Festansprache. Im Zuge seiner Laudatio in eigener Sache bemerkte Baranger: 

„Als ich vorhin sagte, daß unsere Jurisdiktion ihr 180jähriges Bestehen 
feierte, und auf einen langen Werdegang hinwies, meinte ich nur den rein 
menschlichen und zeitlichen Aspekt des Ritus als Organisation. In Wirklichkeit 
macht dieser fast zwei Jahrhunderte lange Abschnitt nur eine kurze Episode 
innerhalb einer ununterbrochenen Suche aus, die auf den Anfang der denkenden 
Menschheit zurückgeht, und deren Endzweck, den wir uns zu eigen gemacht 
haben, eschatologischer Natur ist. “ 

„Letzterer Begriff, kommentiert Aron Monus, „gehört zur Theologie. Der 
geläufigen Begriffsbestimmung gemäß handelt die Eschatologie Vom Weitende, 
von den letzten Dingen, vom Tode und der Auferstehung.'“ 

Aber zurück zur Rede Barangers. Der französische Souveräne Großkommandeur 
fährt fort: 

„Diesen Endzweck nennen wir die Verwirklichung des Heiligen Reiches, 
an dem wir mit Gottes Hilfe mit aller Kraft wirken: unser Orden ist bekanntlich 
nicht kontemplativ (beschaulich), sondern hauptsächlich aktiv, und die zweite 
Komponente seines Wahlspruchs „Deus meumque Jus“ macht ihn zu einem 
Mitarbeiter der Göttlichkeit. Und für die Ordnung, die wir anstreben, bildet das 
Heilige Reich tatsächlich eine Vision und ein Modell zugleich; diese Ordnung, die 
unsere Kräfte beansprucht und auf jenes Himmlische Jerusalem hindeutet, das 


124 Aron Monus „Verschwörung - Das Reich von Nietzsche“, Interseas Editions, Isle of Man + 
Ungarn 1994, Seite 103-106 sowie 122-127 



65 


dem geistigen Schutzpatron des Ritus, dem von Patmos inspirierten Greis, 
offenbart wurde... Wir können uns den Plan unserer Vorgänger zu eigen machen 
und dessen bewußt werden, daß dieses 'Heilige Reich', an dessen Verwirklichung 
bzw. Außau wir arbeiten, eines Tages die Bemühungen des Ritus krönen wird. 
Seien wir, meine Brüder, eines solchen Projekts würdig. “ 

'Unser' hebräischer Chronist erklärt hierzu: „Es sei bemerkt, daß der 
Ausdruck 'der von Patmos inspirierte Greis' sich auf den Evangelisten Johannes 
bezieht. Patmos ist eine der südlichen Sporaden, wo er das letzte Buch des Neuen 
Testaments geschrieben haben soll, die 'Offenbarung'. Der Leser muß außerdem 
erfahren, daß der Apostel Johannes Jude war. Die Freimaurerei, die dem 
christlichen Europa seit zweihundert Jahren schwere Schläge versetzte, strebt die 
Gründung nicht etwa eines christlichen Weltreiches an, sondern eines jüdischen. 
Dazu zerstörte die Sekte sämtliche christlichen Reiche. Die Juden, die der Sekte 
beitreten, täuschen sich nicht darüber. Sie treten bei, ohne daß die Souveränen 
Großkommandeure die jüdische Herkunft der Vereinigung ausdrücklich betonen. 

Alle Könige und Kaiser werden noch vor der Krönung des jüdischen 
Monarchen (also des Messias, W. E.) verschwinden müssen... Diese Rechte wird 
ausschließlich der jüdische Kaiser bei seiner Thronbesteigung erhalten. Die 
Freimaurerei zielt eindeutig darauf hin, eine jüdische Dynastie zur ewigen 
Weltherrschaft zu gründen. Es geht um die Wiederauferstehung Israels durch den 
Sturz der anderen, vor allem europäischen Völker... Die Harmonie und der 
weltweite Friede sind trügerische Versprechungen: die Welt wird sie erhalten für 
ihre unwiderrufliche Unterordnung unter die jüdische Freimaurerei. Sie wird sie 
allerdings erst nach der Gründung des 'Heiligen Reichs' genießen können, das mit 
Feuer und Schwert aufrechterhalten werden soll.“ 


Die Ingangsetzung einer Verschwörung 

Kaum überraschend also, daß Monus ausgehend von seinen persönlichen 
Erfahrungen und den ihm zur Verfügung stehenden Dokumenten auch die 
Gründungsgeschichte der Freimaurerei auf einen messianischen Nenner bringt. 
Angelpunkt seiner Ausführungen ist dabei die undurchsichtige Gestalt des 
jüdischen Schwärmers Sabbatai Zevi (1626-1676). Dieser mystische Kabbalist gab 
sich derart überzeugend für den 1648 erwarteten Messias aus, daß damals fast die 
ganze Judenschaft Europas von der Bewegung ergriffen wurde. Am Ende wurde 
Zevi von den türkischen Behörden ergriffen und ins Gefängnis gesteckt, wo der 
selbsternannte „Heiland“ zum Islam übertrat. Seine Gedanken aber dauerten in der 
Sekte der Sabbatianer fort. 

,,Diejenigen, die die Aufregung um Sabbatai Zevi genau beobachtet 
hatten,“, schlägt Monus den historischen Bogen, „kamen zu der Auffassung, daß 
die auf dem jüdischen Messianismus gründende Ideologie die beste war, um die 
Welt unter ihre Botmäßigkeit zu bringen. “ (Sie entschlossen sich) „dazu, selber in 
die Geschichte einzugreifen, um die Welt so zu verändern, daß das Endstadium in 



66 


etwa der jiidisch-messianischen Ära gleiche. An der Spitze der Welt würde ein 
jüdischer Potentat stehen, im Namen dessen die Mitarbeiter der Gottheit' die ganze 
Menschheit beherrschen würden. So entstand die Freimaurerei, und so wurde 1717 
in London die Großloge von England gegründet. 1 

„Mit den Kathedralenbauern des Mittelalters“ widerspricht Monus der 
offiziösen Logengeschichtsschreibung, „haben die Freimaurer nichts zu tun, obwohl 
die Logensymbolik scheinbar auf das Gegenteil schließen läßt. Da es sich von Anfang 
an um ein Komplott gegen die christlichen Staaten und den Papst handelte, haben die 
freimaurerischen Verschwörer in Wirklichkeit einen Gaunerjargon entwickelt, um 
sich zu schützen, falls man ihnen auf die Spur käme. Statt zu sagen, daß sie ein 
Weltreich mit Jerusalem als Hauptstadt gründen wollen, sagen sie, daß sie 'den 
Tempel Salomos' erbauen. Für den Thron des künftigen jiidisch-maurerischen 
Kaisers gebrauchen sie den Begriff 'Thron von Salomo'.“ 125 

„Die 'freimaurerische Spiritualität', die die Sekte allen Menschen, 'welcher 
Rasse oder Religion auch immer', aufdrängen will, ist eigentlich nichts anderes als 
das Wahnbild vom Eintreffen der messianischen Zeiten und, auf der praktischen 
Ebene, die Einführung ihres Weltreiches. Zu diesem doppelten, spirituellen und 
praktischen, Zweck hatte die Sekte Revolutionen - unter anderem die blutige 
Französische Revolution und die nicht weniger blutige bolschewistische Revolution - 
sowie Kriege seit zwei Jahrhunderten angezettelt. “ 126 


Der Schaffensprozeß - im Namen Gottes 

Damit sind wir hier genau bei dem Thema angelangt, das uns bei der Betrachtung 
des Geheimvatikans so lange begleitete: Dem Einfluß des religiösen Messianismus 
über den politischen Aktivismus auf die Geschichte. Und da kommt der 
„Verschwiegenen Gesellschaft“ - wir erinnern uns des Logenjubiläums - eine 
überaus zentrale Rolle zu. „Die Freimaurerei“, schreibt Insider Monus wörtlich, 
„die 'Mitarbeiterin der Göttlichkeit', hat sich die Aufgabe gestellt, die biblischen 
Prophezeiungen, vor allem aber die Grauen erregenden Vorstellungen, zu 
erfüllen. “ 127 


Die Stationen dieses Wirkens heben wie erwähnt mit der Französischen 
Revolution an. Als nächstem Schritt widmet sich unser Chronist mit Sorgfalt der 
Instrumentalisierung der hebräischen Nationalstaatsbewegung, die er aus einer 
Neturei-Karta-typischen Perspektive betrachtet.„Der Zionismus ist“, demnach „den 
Schein ausgenommen, der (wahren) jüdischen Religion fremd, derzufolge die 
Rückkehr der Juden nach Zion erst nach Ankunft des von Gott selbst geschickten 


125 Aron Monus, a.a.O., Seite 203f. 

126 Aron Monus, a.a.O., Seite 214f. 

127 Aron Monus „Verschwörung - Das Reich von Nietzsche“, Interseas Editions, Isle of Man + 
Ungarn 1994, Seite 216 



67 


1 9 8 

Messias erfolgen wird.“ Im nahen Zusammenhang streift Monus die 
Einflußnahmen der Freimaurerei auf den ersten Weltkrieg, um dann wieder 
ausführlicher auf die Rolle der Loge beim blutigsten Abschnitt der jüngeren 
Geschichte, dem Holocaust, einzugehen. 

„Die Freimaurerei wollte den Krieg und den Holocaust als 'Göttliche, die 
Ankunft des Messias ankündigende Wunder',“ 129 schreibt er, um dann anzufügen: 
„Hitler war das Werkzeug dazu.“ 130 Und noch einmal ganz deutlich: „Die 
Freimaurerei hat in Deutschland den großen Feind der Juden, oder vielmehr der 
Kleinjuden, an die Macht gebracht.“ 131 Es ist klar, daß derartige Formeln dazu 
angetan sind, Neulinge auf dem okkulten Terrain zunächst einmal zu verunsichern, 
ja vor den Kopf zu stoßen. Arbeitet man sich jedoch in die Materie ein, dann 
erscheint das Bedenkliche nicht so sehr die vermeintliche Gewagtheit der Theorie, 
sondern deren Beweisbarkeit. Tatsächlich durchzieht die entsprechende 
Indizienkette praktisch das gesamte Buch. Allein der Finanzierung Hitlers durch 
jüdische Freimaurer widmet unser Ankläger ein komplettes Kapitel. 

Aber wir wollen hier nicht vorgreifen, sollen doch die entsprechenden 
Zusammenhänge - auch von anderen Autoren oder Kronzeugen beleuchtet - dem 
Leser an späterer Stelle eingehend vorgestellt werden. Auf jeden Fall endet die 
historische Spurensuche des „Reichs von Nietzsche“ im Jetzt, in unseren Tagen. 
Das letzte behandelte geschichtliche Großereignis, dem sich der Autor zuwendet, 
ist der Krieg der „zivilisierten“ Welt gegen Saddam Hussein, die Krisenlage im 
Nahen Osten. Dieses Thema leitet Monus mit der Ausgabe der Tribüne de Geneve' 
vom 30. August 1990 ein, wo es heißt: 

„Für viele strenggläubige Juden Israels (rund 20 Prozent der 
Bevölkerung) besteht darüber kein Zweifel. Die Krise am Persischen Golf und die 
Gefahren, die sie für Israel bedeutet, sind das tragische Vorspiel zur Ankunft des 
Messias, auf die die gläubigen Juden hoffen, um das 'Königreich Israel' 
wiederherzustellen. Der Rabbiner Menahem Schneersohn, der geistige Führer der 
strenggläubigen Pietistenbewegung ’Habad', hat in den letzten Tagen von New 
York aus, wo er lebt, eine dramatische Botschaft an seine Getreuen in der ganzen 
Welt gerichtet. In dieser Botschaft bezeichnet er die Ereignisse am Golf als 
Vorbote der Ankunft des Messias'. 

„Würde der Rabbiner Schneersohn“, lesen wir in der dem Zeitungsbericht 
anschließenden Analyse, „um die Ereignisse der Neuzeit zu deuten, mich zu Rate 
ziehen, anstatt im Talmud nachzuschlagen, wüßte er, daß es sich um eine riesige 
Inszenierung durch die geheimen Führer der Freimaurerei handelt, die einen 
Riesenspaß daran haben, daß die frommen Juden sie mit Gott verwechseln...“ 


128 Aron Monus, a.a.O., Seite 189f. 

129 

Aron Monus, a.a.O., Seite 95 

130 Aron Monus, a.a.O., Seite 46 

131 Aron Monus, a.a.O., Seite 234 

132 Aron Monus, a.a.O., Seite 37-53 (Kapitel II) 



68 


Zurück in die Zukunft: Armageddon 

Das Problem ist nun, daß wir mit der nicht enden wollenden Kriegssituation auf der 
arabischen Halbinsel - wo die internationale „Staatengemeinschaft“ das irakische 
Volk in seiner Gesamtheit seit nunmehr einer vollen Dekade in Isolationshaft hält - 
im Zentrum des Geschehens, am Brennpunkt der biblischen Prophetie für die letzten 
Tage, angelangt sind. Folgen wir den letzten Betrachtungen im „Reich von 
Nietzsche“ - ohne Kommentar... 

„In der prophetischen Schrift Apokalypse ist von Babylon (der heutige 
Irak, W. E.) viel die Rede.“ 133 „Es fragt sich, ob die Machenschaften um den 
Persischen Golf schon darauf hinauslaufen, daß die Juden und die Welt einen 
Antichristen, einen jüdischen Betrüger als Messias, König von Israel und Kaiser des 
jüdisch-maurerischen heiligen Reichs anerkennen. 

Wir schließen nicht aus, daß die 'weisesten' unter den Weisen... - die 
obersten Führer der Weltfreimaurerei - die Ausrottung von einigen Hundert¬ 
millionen Menschen, größtenteils Arabern, noch vor dem messianischen 
Regierungsantritt für notwendig halten.“ 134 (Sie) werden, wenn es ihnen gut 
erscheint, entscheiden können, mit einem allgemeinen Atomkrieg das Weitende 
herbeizuführen.“ 

„Dann wird die Freimaurerei... ihren Patron rechtfertigen, um sich selbst 
zu rechtfertigen. Die kriminelle Sekte wird die Vision des erleuchteten Greises von 
Patmos verwirklichen. Die Freimaurerei wird die Katastrophe der Apokalypse 
hervorrufen, um der Welt, also auch der christlichen Welt, glaubhaft zu machen, 
daß nun ihr Reich dank Gottes Gnade gekommen sei.“ 136 

„Der 9 Av (1. August) - der Tag, der die Zerstörung des ersten und des 
zweiten Tempels wieder ins Gedächtnis ruft - muß in der eschatologischen 
Perspektive in einen Tag der Freude umgewandelt werden und soll bei der Erlösung 
ein wichtiges Datum sein. Man nimmt allgemein an, daß der Messias an einem 9 
Av auf die Welt kommen und seine entscheidende Schlacht auch an einem 9 Av 
liefern wird.“ 137 

Offen bleibt dann aber, inwieweit dieses den Kniefall der Menschheit erheischende 
Bühnenbild in der Tat von göttlicher Hand dirigiert wurde. Denn, wie Monus selbst 
sein Kapitel überschreibt:„Der Messias kann auch ein Galgenvogel sein...“ 


133 

Aron Monus „Verschwörung - Das Reich von Nietzsche“, Interseas Editions, Isle of Man + 
Ungarn 1994, Seite 235 

134 Aron Monus. a.a.O., Seite 217 f. 

nc 

~ Aron Monus, a.a.O., Seite 103 

136 Aron Monus, a.a.O., Seite 235 

137 Aron Monus, a.a.O., Seite 202 



Wie Israels Geheimvatikan Geschichte 
machte 

Kapitel 4 




71 


Das Zepter wird nicht von Juda weichen noch der 
Befehlshaberstab zwischen seinen Füßen hinweg, bis 
Schilo (der Messias) kommt; und ihm wird der 
Gehorsam der Völker gehören. (1. Mose 49:9, 10) 

Der Ausspruch Jahwes an meinen Herrn ist: 'Setze 
dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde als 
Schemel für deine Füße hinlege/ Den Stab deiner 
Macht wird Jahwe aus Zion senden, indem er spricht: 
'Schreite zur Unterwerfung inmitten deiner Feinde.' 
Dein Volk wird sich willig darbieten am Tag deiner 
Streitmacht. (Psalm 110, 1-3, von David) 


Kapitel 4.1. 


Der Puritanismus als Speerspitze des 
Geheimvatikans 


Die ersten „außenpolitisch“ bedeutsamen Aktivitäten des Geheimvatikans scheinen 
sich im Zusammenhang mit den abendländischen Kreuzzügen entfaltet zu haben. 
Kurz vor Aufnahme dieser Kämpfe tauchte den britischen Historikern 
Lincoln/Baigent/Leigh zufolge unter dem Namen „Prieure de Sion“ bzw. 
„Brüderschaft vom heiligen Gral“ eine ebenso mysteriöse wie höchst rührige 

1 oo 

jüdische Geheimorganisation auf. Den Ausführungen der Autoren nach kann kein 
Zweifel darüber bestehen, daß diese Gesellschaft mit dem Kern des 
Geheimvatikan identisch ist, zumal Lincoln & Co. die Messiasidee zum Leitfaden, 
zur „Raison d'etre“ ihrer „Prieure“ erklären. 139 

Über das Wirken der Organisation lesen wir im Einzelnen: „Trotz zeitweiliger 
interner Streitigkeiten und Flügelkämpfe übte sie ihre Funktion jahrhundertelang 
weiter aus. Als die große Unbekannte hinter den Kulissen nahm sie entscheidenden 
Einfluß auf gewisse kritische Entwicklungen in der westeuropäischen Geschichte... 
Als wir diese Ereignisse und Entwicklungen untersuchten, fanden wir 
unwiderlegbare Beweise, daß eine einheitliche Organisation, manchmal als andere 
Vereinigung getarnt, hinter den Kulissen gearbeitet hatte. Die Organisation wurde 
nicht namentlich genannt, aber alles deutete daraufhin, daß es sich um die Prieure 

138 

Siehe Lincoln/Baigent/Leigh, „Das Vennächtnis des Messias. Auftrag und geheimes Wirken 
der Bruderschaft vom Heiligen Gral“, Gustav Lübbe Verlag, Bergisch Gladbach 1987 sowie 
Lincoln/Baigent/Leigh, „Der Heilige Gral und seine Erben“, Bastei Lübbe, Bergisch Gladbach 
1991. 

i o q 

~ Siehe Lincoln/Baigent/Leigh, „Das Vermächtnis des Messias...“, Gustav Lübbe Verlag, 
Bergisch Gladbach 1987, Seite 14ff. 



72 


de Sion handelte... (Sie ist) eine außerordentlich raffinierte, erfinderische, gut 
organisierte und disziplinierte Vereinigung, die sich auf politisches Manövrieren 
ausgezeichnet versteht. Soweit wir ermitteln konnten, waren weder die Prieure noch 
ihre Großmeister je vor dem Makel politischer Macht zurückgeschreckt. Im 
Gegenteil, sowohl der Orden wie die Spitze seiner Hierarchie scheinen die 
Jahrhunderte hindurch ständig in Intrigen verwickelt gewesen zu sein. Zum 
Beispiel während der Religionskriege im 16. und während des als Fronde 
bekannten Aufstandes im 17. Jahrhundert (1648-53, der Verf.) hatte die Prieure 
sich anscheinend alle Mittel, alle Gepflogenheiten des Zeitalters zunutze gemacht... 
(Auch) eine Verbindung zu den geheimnisvollen und schwer faßbaren deutschen 
Rosenkreuzern des frühen 17. Jahrhunderts ließ sich herstellen... Die Prieure de 
Sion stand - im Gegensatz zum loyalen Malteserorden - dem Vatikan und der 
katholischen Kirche traditionell feindlich gegenüber, sie scheint sogar ein 
heimliches, alternatives Papsttum errichtet zu haben... Die Prieure de Sion existiert 
noch immer, und der Bereich der Politik ist eines ihrer wichtigsten 
Betätigungsfelder. An der Ausgestaltung internationaler Beziehungen ist sie auf 
höchster Ebene ebenso beteiligt, wie sie sich auch in die inneren Angelegenheiten 
verschiedener europäischer Staaten einschaltet.“ 140 

Tatsächlich scheint sich die Macht des jüdischen Vatikans anfänglich vor allem 
gegen seinen katholischen Widerpart in Rom gerichtet zu haben. 141 Fakt ist: Die 
bestimmenden geschichtlichen Ereignisse des Mittelalters waren durch die 
Spaltung des Christentums geprägt, welche das Papsttum nachhaltig schwächte. 
Gleichzeitig tauchte in diesen religiösen Kämpfen immer wieder vorder- und 
hintergründig das Gesicht des Judentums auf. 

Wie stark die romfeindliche Kirchenspaltungsbewegung mit jüdischem 
Geisteswesen Hand in Hand ging zeigt das Beispiel Englands. Hier standen allen 
voran die „Puritaner“ (Presbyterianer) dem Vatikan in Rom feindlich gegenüber. In 
ihrer fundamentalistischen Opposition gingen sie dabei so weit, daß sie sogar den 
Protestantismus ihrer Heimat, welcher sich in der Anglikanischen Kirche formiert 
hatte, bekämpften. Als die zum Katholizismus neigenden Stuarts den britischen 
Thron bestiegen, sahen sich infolge der sich bald verschärfenden Unterdrückung 
viele Puritaner gezwungen, das Land zu verlassen. Die Abwanderer, die seit 1620 
vor allem nach Amerika emigrierten wurden dort unter dem Namen „Pilgerväter“ 
bekannt. Jene Kräfte, die zurück blieben, verbündeten sich mit der evangelischen 
Staatskirche und dem Parlament, um den Regenten zu stürzen. 


140 Lincoln/Baigent/Leigh, Der Heilige Gral und seine Erben, Bastei Lübbe, Bergisch Gladbach 
1991, Seite 99 sowie dieselben „Das Vennächtnis des Messias. Auftrag und geheimes Wirken 
der Bruderschaft vom Heiligen Gral“, Gustav Lübbe Verlag, Bergisch Gladbach 1987, Seite 385, 
388f„ 340f. 

141 Der jüdische Schriftsteller James Darmesteter bestätigt wörtlich in seinem Buch „Coup d’Oeil 
sur l'Histoire du Peuple Juif: „Die heimliche nationale Vereinigung der Juden ist die Quelle aller 
religiösen Streitigkeiten, die Jahrhunderte hindurch Uneinigkeit im Christentum stifteten.“ 



73 


Der Kampf begann damit, daß die presbyterianischen Schotten 1640 in England 
einmarschierten und das englische Parlament seinem um Geldbewilligung 
bemühten Regenten in den Rücken fiel, indem es die außenpolitische Bedrängnis zu 
innenpolitischem Kampf nutzte. In seiner Not bewilligte Karl den 
Parlamentariern und den Schotten ihre wichtigsten Forderungen. Doch das 
Parlament wollte die Notsituation des Königs ausnutzen und forderte im November 
1641 eine völlige Umgestaltung der Verfassung. Ein Versuch Karls, sich am 4. 
Januar 1642 der Führer der Opposition zu bemächtigen, mißlang, worauf der Hof 
London verließ. Das Parlament legte sich nun die gesetzgebende Autorität in Staat 
und Kirche allein bei und sammelte ein ansehnliches Heer zu seinem Schutz. 
Nachdem der König die „Propositionen“ des Parlaments, welche seine Macht zu 
einem Schatten herabdrückten, abgelehnt hatte, begann der Bürgerkrieg im August 
1641 mit einem vergeblichen Abgriff der Royalisten auf Hüll. 

Derweil bildete der puritanische Parlamentarier Cromwell aus seinen Anhängern, 
den Independenten („Unabhängige“, Radikaldemokraten, eine radikale Fraktion 
der Presbyterianer), eine Reiterei, die, von politisch-religiösem Enthusiasmus 
erfüllt, am 2. Juli 1644 den ersten entscheidenden Sieg über die Königstreuen 
erfocht. Letztlich blieben die sich im Lauf des Krieges immer weiter 
radikalisierenden Aufständischen siegreich. Im Januar 1649 beschloß das 
puritanische Rumpfparlament die Anklage Karls wegen Hochverrats. Am 30. 
Januar wurde Karl nach kurzem Prozeß zum Tode verurteilt und trotz Vermittlung 
ausländischer Mächte vor seinem Schloß in London hingerichtet. Das 
Rumpfparlament erklärte jetzt England zur Republik ohne König und Oberhaus 
und übertrug die ausübende Regierungsgewalt einem jährlich zu erneuernden 
Staatsrat, der jedoch kaum reale Macht besaß. Der eigentliche Diktator war 
Cromwell. 

Die Herausstellung dieses Mannes geschah nicht ohne Grund, denn zweifelsohne 
war es hauptsächlich die puritanische Gruppe unter den Republikanern, denen die 
Revolution ihren siegreichen Ausgang verdankte. Mit welchen Mitteln es Cromwell 
letztlich gelungen war, den langen Bürgerkrieg durchzustehen ist auch heute nicht 
völlig klar. Mehr oder weniger ist er wohl von jüdischem Kapital abhängig 
gewesen. Nach Ansicht des Hebräers Wolf besteht kaum ein Zweifel, daß 
Cromwell bzw. der parlamentarischen Regierung seitens mosaischer Lobbyisten 
Geld zur Verfügung gestellt wurde. So führt er aus, daß bereits um das Jahr 1643 
fremde Juden von Amsterdam in London festgestellt worden seien, die 
wahrscheinlich durch die finanziellen Schwierigkeiten der damaligen Regierung 
angelockt waren. 142 An anderer Stelle bringt Wolf seine Meinung klarer zum 
Ausdruck. Er bezieht sich hierbei ebenfalls auf ein Schreiben, wonach Israeliten 
den Republikanern erhebliche Summen Geldes zur Durchsetzung ihrer Ziele 


142 


L. Wolf, „The Re-Settlement of the Jews in England“, 1887, Seite 4 



74 


angeboten haben. 143 Auch andere Schriftsteller, die aber Gegner Cromwells waren 
behaupten, daß er Zuwendungen von Jahwe-Jüngern erhielt. 144 

Diese Unterstützung lag nicht zuletzt in der starken Verwandtschaft von Judentum 
und Puritanismus begründet. Ein großer Teil der puritanischen Lehre war im Alten 
Testament verankert, und so verglichen ihre Anhänger Cromwell mit Gideon, der 
zuerst nur widerstrebend der Stimme Gottes gehorchte, oder mit Judas Maccabäus, 
der eine Handvoll von Märtyrern in eine siegreiche Armee verwandelte. 143 An Stelle 
der ursprünglich englischen Namen traten jüdische aus dem Alten Testament, und 
der Löwe von Juda wurde auf die siegreichen Lahnen der Puritaner gesetzt. Die Zeit 
unter der Herrschaft der Stuarts wurde als ägyptische Gefangenschaft bezeichnet. 146 
Lerner schlug man vor, an Stelle des Sonntags den Sonnabend als regelrechten 
Sabbat treten zu lassen. Schließlich berief Cromwell gar ein aus erlesenen 
„Heiligen“ zusammengesetztes Parlament (das sog. „Barebone Parliament“), 
welches sich ernstlich mit dem Vorschlag auseinandersetzte, den Staatsrat in 
Anlehnung an den jüdische Sanhedrin aus 70 Mitgliedern bestehen zu lassen. Zur 
gleichen Zeit bereisten Engländer den Kontinent, um gelehrte Gespräche mit 
Rabbinern zu führen, ja es gab sogar Puritaner, die den jüdischen Glauben 
annahmen. 147 

„Wenn die Mitglieder des Parlaments jüdisch gesprochen hätten, hätte man sich 
vorstellen können, man wäre in Judäa“, ergänzt der mosaische Historiker Graetz. 148 
Und der Jude Heinrich Heine fragte verwirrt: „Sind die protestantischen Schotten 
Hebräer? Sind nicht ihre Namen allesamt biblisch? Ist da nicht ein Jerusalem- 
Pharisäischer Widerhall in ihrer Sprache, ist ihre Religion nicht schlichter 
Judaismus mit der Erlaubnis, Schweinefleisch zu essen?“ 149 Die geistige Nähe von 
Puritanern und Judentum zeigt sich bis in wirtschaftliche Belange. Bei beiden 


143 L. Wolf, „Menasseh Ben Israel's Mission to Oliver Cromwell“, 1901, Seite 18f. 

144 W. Romaine, „An Answer to a Pamphlet“, 1753, Seite 5 sowie W. Prynne, „...Narrative...“, 
Seite 49. Beide Zitate nach Peter Aldag, „Der Jahwismus erobert England“, Archiv-Edition, 
Verlag für ganzheitliche Forschung und Kultur, Struckum 1989 

145 H. Graetz, „Geschichte der Juden“ in 11 Bänden, 1900 sowie ders. „Populär History of the 
Jews“ in 6 Bänden, 1930. 

146 A.M. Hyamson, „A History of the Jews in England“, 1928, Seite 129f. 

147 A.M. Hyamson, „British Projects for the Restoration of the Jews“, 1917, Seite 1 ff. 

„Die Puritaner waren judaisierende Fanatiker, sie umgaben sich mit den Lehren und Anwendungen 
des Alten Testaments, das für sie zur einzigen Quelle ihres religiösen, bürgerlichen und politischen 
Lebens wurde“, schreibt Macaulay, „sie tauften ihre Kinder auf die Namen der Patriarchen und 
Krieger der Juden. Den wöchentlichen Feiertag, der von der Kirche dem Gedanken an die 
Auferstehung Christi geweiht war, verwandelten sie in einen jüdischen Schabbes. Sie schöpften die 
Grundlagen ihrer Rechtspflege aus dem Gesetz Mosis und richteten sich in ihrer täglichen 
Lebensweise nach den Büchern der Richter und Könige. Die Kleidung, der Gang, die Redeweise, 
die Beschäftigungen, die Vergnügungen der finsteren Sekte waren durch Regeln festgelegt, ähnlich 
denen der Pharisäer...“ (Macauley, „History of England from Accession of James II“, Kapitel I.) 

148 Graetz, „Geschichte der Juden“, Band V, Seite 164f. 

149 Werner Sombart, „Die Juden und das Wirtschaftsleben“, Seite 293. Zitiert nach Denis Fahey, 
„The Mystical Body of Christ in the Modem World“, Reprint der dritten Edition (1939), Omni 
Publications, Hawthorne/Ca. 1987, Seite 18 



75 


Seiten finden wir engste Verbindung zwischen Geschäft und Religion und die 
Rationalisierung des Lebens. Beide huldigen dem Grundsatz, daß alles, was für ein 
gutes Geschäft notwendig ist, auch moralisch gerechtfertigt ist. So ist der Ökonom 
Sombart zu der These gekommen, daß Puritanismus gleich Judentum ist. 150 

Angesichts dieser Verwandtschaft ist es nicht verwunderlich daß man in Kreisen 
der Puritaner lebhaftes Interesse für die in England seit 1260 verbannten Juden 
zeigte. Diese Fühler lagen stark im Interesse des Geheimvatikans, denn mehr als mit 
nahezu jedem anderen Fleck der Erde verband der jüdische Fundamentalismus mit 
der britischen Insel prophetische Hoffnungen. Eine zentrale biblischer 
Zukunftserwartung war jene, daß Israels Name geändert würde, daß seine Söhne im 
Norden wohnen würden, daß sie den göttlichen Namen 'in the isles of the sea' 
(Isaiah) preisen würden, und daß einer ihrer Stämme, Manasseh, eine unabhängige 
Macht werden würde, wie es das Beispiel der Vereinigten Staaten zeigen sollte. 151 
Diese Theorie stimmt mit vielen Prophezeiungen der hebräischen Schriften 
überein. Sie ging in den Tagen Cromwells als „Anglo-Israelismus“ in die 
Gedankenwelt vieler Puritaner ein. 

Besonderes Interesse verdienen in diesem Zusammenhang die Ausführungen des 
Gelehrten und Politikers John Sadler, der ein persönlicher Freund Cromwells war. In 
seinem Bemühen, die Juden entgegen allen Widerständen des Volkes und der 
Geschäftswelt im Lande wieder seßhaft zu machen, dürfte Sadler wohl als einer der 
ersten 1649 die Behauptung aufgestellt haben, die Engländer stammten von den 
Israeliten ab. Als Beweis dafür führte er seinen Landsleuten unter anderem eine 
Reihe von Übereinstimmungen zwischen den englischen und israelitischen 
Gesetzen und Gewohnheiten an. 153 Es ist eigenartig, daß in England diese Lehre über 
die Abstammung der Briten durchaus nicht ohne weiteres als Legende abgelehnt 
wird. Vielmehr beschäftigten sich Gelehrte wie Rogers und Milner, Burt, Shirley 
Smith - um einige zu nennen - mit diesem Thema. Man geht sogar so weit mit der 
Behauptung, daß das gegenwärtige Königshaus von dem Geschlecht Davids 
abstamme. 1 

Diese hebräische Ideologie sollte nun unter den Puritanern Englands allmählich den 
Boden für die jüdischen Bestrebungen vorbereiten. Zwar zog sich die endgültige 

150 Werner Sombart, „The Jews and modern Capitalism“, 1913, Seite 249 

151 Siehe das offizielle Organ des US-amerikanischen Höchsten Rates des Alten und 
Angenommenen Schottischen Ritus der Freimaurerei „The New Age“, Washington D.C., Ausgabe 
Oktober 1952, Artikel des Freimaurers vom 32 Grad, H. Sol. Clark, „The Ten Lost tribes - Facts 
and Fiction“ 

152 

Danach waren die Briten vor Einwanderung der Angeln und Sachsen Nachkommen der 
sogenannten verlorenen zehn Stämme Israels, die von den Assyrern in die Gefangenschaft geführt 
wurden. 

153 J. Sadler, „Rights of the Kingdom“, 1649, Seite 8ff. Selbst das Wort „Britannien“ soll nach 
Ansicht kabbalistischer Juden semitischen Ursprungs sein. Herodot habe die englischen Inseln als 
„Cassiterides“ bezeichnet, was soviel wie Zinn-Inseln bedeutet. Das später in der griechischen 
Sprache gebrauchte Wort „Britannike“ sei lediglich eine Verstümmelung des hebräischen Wortes 
Barat-Anach gewesen und müsse ebenfalls mit Zinn-Inseln übersetzt werden. 

154 J. Sadler, a.a.O., Seite 47ff. 



76 


Seßhaftmachung der Kinder Mose auf der britannischen Insel noch einige 
Jahrzehnte hin, die Basis zu diesem Erfolg aber war zweifellos im siegreichen 
Bürgerkrieg der Jahre 1642-1648 gelegt worden. In ebendieser Zeit taucht in 
England eine weitere Organisation auf, die wie der Puritanismus in engstem 
Verhältnis zum Judentum und der romfeindlichen Kirchenrebellion stand: Es war 
dies die 1646 erstmals durch den Juden Ashmole namhaft gemachte 
Geheimgesellschaft der „Freimaurer“. 

Und hier gab es eine interessante Konstanz: Denn in dieser vermeintlich neuen 
philosophischen Umgebung betätigten sich exakt dieselben Kräfte, die gerade erst 
als „Protestanten“ den religiösen Kampf gegen den päpstlichen Vatikan gewonnen 
hatten. „Fast alle großen Namen im französischen Wappenbuch“ enthüllt der 
romzugewandte Pater Berteloot in seiner Arbeit „La Franc-Maconnerie et 1‘Eglise 
catholique“, „die im 18. Jahrhundert an der Spitze der Logen standen, waren genau 
jene, die auch an der Spitze der protestantischen Bewegung des 16. Jahrhunderts 
gestanden hatten.“ 155 


Weiterführende Literatur 

Zumeist nicht zitiert, inkl. konkurrierende bzw. gegenteilige Forschungsergebnisse 


Anonymous (Helen Peters), „Union Jack“* Col. Fleischhauer, „Freemasonry as a Secret Political 
Weapon of Jewish-English Imperialism“, 1940 * Hopkins, Joseph, „The Armstrong empire; a look at 
the worldwide church of god, Eerdmans, Grand Rapids/Mich.(USA) 1974“ * Lasell, Helen P., „What Is 
British Israel?: British Israel World Federation“, New York * Tuit, John, „The Truth Shall Make You 
Free. Herbert Annstrong's Empire Exposed“, The Truth Foundation, Freehold Township/N.J. (USA) 
1981 * Yates, Dame Frances A., „The Occult Philosophy in the Elizabethan Age“, Ron Hedge & K. 
Paul, London/Boston 1979 * 


155 


Berteloot, J., La franc-maconnerie et l'Eglise catholique, motifs de condamnation, Seite 44 



77 


Kapitel 4.2 


Die Freimaurerei und ihr Wesen 


Anklage und Verteidigung 

Über die Freimaurerei ist trotz ihrer geschichtlichen Bedeutung bis heute wenig an 
die Öffentlichkeit gedrungen. Zu allen Zeiten hat es der mysteriöse Orden 
verstanden, seine Interna vor der Außenwelt abzuschirmen. Seriöse Autoren 
berichten, die überaus strenge Schweigepflicht werde so ernst genommen, daß es in 
der Vergangenheit in Fällen von „Verrat“ wiederholt zu Fällen blutiger Selbstjustiz 
gekommen sei. 156 Gerade diese bewußte Zurückgezogenheit war es aber auch, die 
den Bund immer wieder zum Gegenstand von Spekulationen machte. Warum, 
wurde mit Recht gefragt, diese Geheimniskrämerei? Werden hier Vorhaben gehütet, 
die das Licht der Öffentlichkeit zu scheuen haben? 

Die Mitglieder des Bundes, die sich „Brüder“ nennen, streiten das natürlich heftig 
ab. Es seien, so die stereotype Verteidigung, allein honorige Ziele wie 
Gewissensfreiheit, Toleranz und Pazifismus, die in den freimaurerischen „Tempeln 
der Humanität“ gepflogen würden. Deren Anliegen erschöpfe sich am Dienst für 
Humanismus und Wohltätigkeit. 

Dabei wird nicht selten auf den Philanthropen und Gründer des Roten Kreuzes 
Henri Dunant verwiesen, welcher maßgeblich aus freimaurerischem Antrieb 
gehandelt habe. In der Tat leisten nicht wenige Freimaurer - vor allem in den 
niedrigen Graden der Johannismaurerei - heute vorbildliche karitative und soziale 
Arbeit. Im kommunalen, staatlichen und überstaatlichen Bereich. Das wird 
allgemein anerkannt. Doch ist damit die Funktion der Loge keineswegs erschöpft. 
Sie hat viele Gesichter. Und nicht wenige Schönheitsfehler trüben den Anspruch 
dieser nach außen hin gemeinnützigen Familienbande. 


156 In diesem Zusammenhang fuhrt der jüdisch-ungarische Freimaurer Aron Monus als echter 
Insider in seinem Buch „Verschwörung: Das Reich von Nietzsche“ (Interseas Editions, National 
House, Santon/Isle of Man 1994) eine ganze Kette von Mordlallen an. Die hier gegebenen - zum 
Teil hochpolitischen - Beispiele reichen bis in die aktuelle Gegenwart. Ganz allgemein öffnet sich 
eine Klammer, die von dem mysteriösen Ableben Mozarts bis hin zum Mord an dem Vatikan- 
Bankier Calvi reicht. 



78 


Eine undemokratische Struktur 

Einer der umstrittensten Wesenszüge des Ordens - wir kehren hier noch einmal an 
den Beginn der Betrachtung zurück - liegt in seinem fundamentalen 
Selbstverständnis als Geheimbund. Geheimbünde sind nämlich grundsätzlich nicht 
freiheitlich-demokratisch organisiert. Statt Durchlässigkeit und Offenheit regiert 
hier fast immer das Prin z ip von Befehl und Gehorsam. Und so ist auch der innere 
Aufbau der heute einflußreichen Mehr- und Hochgrad-Freimaurerei schlicht als 
autokratisch zu bezeichnen. Er gleicht den oligarchischen Bewegungen der 20er 
und 30er Jahre ebenso wie dem Organisationsprinzip der umstrittenen Scientology- 
Kirche, deren Begründer viele strukturelle Ideen der Freimaurerei entlehnt hat. 15 

Die Struktur einer Loge muß man sich als Pyramide vorstellen, in der ein 
Stufensystem besteht, das sich teilweise über 99 Ebenen (sogenannte „Grade“) 
erstreckt. Jeder Neueinsteiger beginnt seine Laufbahn auf der untersten Leiter¬ 
sprosse. Dort wird der Adept darauf vorbereitet, daß er auf seinem Weg nach oben 
beständig in Geheimnisse eingeweiht wird, die dem Normalsterblichen nie enthüllt 
werden. Um aber bis in den höchsten Weihegrad aufsteigen zu können, muß nun 
jeder „Bruder“ verschiedene philosophische Prüfungen bestehen - und sich jeweils 
in den Beobachtungen der Eingeweihteren und somit höher gestellten Brüder als 
nützlich erweisen. Das hört sich zunächst recht harmlos an, und mag es in vielen 
Fällen auch sein. Wie jedoch die Geschichte beweist, hat es eine wesentliche 
Fraktion des Logentums von Anfang an verstanden, an diese Prinzipien eine 
nachgerade verschwörerische Einflußpolitik zu binden. Dieser „revolutionären 
Freimaurerei“ kam dabei vor allem die sozial-elitäre Struktur des Ordens zugute. 


Die (un)kontrollierte Gesellschaft 

Handelt es sich doch in erster Linie um aufstrebende Unternehmer, Akademiker, 
Beamte und Politiker, denen die Loge meist durch Werbung ihre Pforten öffnet. 
Diesen Neumitgliedern, denen es in den unteren Graden kaum zu Bewußtsein 
kommt, daß sie als Schachfiguren in einem großen politischen Spiel mißbraucht 
werden können, ist bei entsprechendem Wohlverhalten mitunter ein steiler 
Karriereweg garantiert. Solche, offen jeder Demokratie hohnsprechende, 
„Vetternwirtschaft“ ist ein wichtiges Funktionsprinzip der Loge, das mit der 
Verpflichtung zur „Brüderlichkeit“ umschrieben wird. Im Klartext heißt das: Wer 
der Freimaurerei hilft, dem hilft der Gesamtorganismus, in welchem sich die Creme 
des staatlichen Establishments konzentriert. Daß dies zu Konflikten mit dem 


157 Ron L. Hubbard war, bevor er Scientology begründete, Mitglied des freimaurerischen Ordo 
Teinpli Orientis (O.T.O.), von dem später noch am Rande die Rede sein wird. Er war 1945 in 
Kontakt zu dem Führer des US-Zweiges, D. Jack Parsons, getreten und schaute späterhin von 
diesem Freimaurerorden nahezu alles für seine eigene „Religion“ ab. Die Scientology wird heute 
wohl allein deswegen von der Freimaurerei angegriffen, da sie durch ihr allzu offenes Wirken die 
wesensidente „reguläre“ Maurerei in Mißkredit zu bringen droht. 



79 


jeweilig „privaten“ Berufsethos führen kann, versteht sich von selbst. Gerät 
beispielsweise ein logentreuer Bruder Politiker einmal mit dem Gesetz in Konflikt, so 
mögen seine Brüder Chefreporter, Verleger, Polizeipräsidenten oder Richter sich 
gehalten sehen, den traurigen Vorfall niedrig zu hängen bzw. völlig zu 
unterschlagen. Bedenkliche Fälle dieser Art sind selbstverständlich auch in 
umgekehrter Konstellation vorstellbar, denn in der politischen Freimaurerei gilt 
ferner der Satz: Wer dem Orden schadet, dem wird dieser die Luft zum Atmen 
nehmen. So hat ein bekennender Gegner der Loge in einem von der Freimaurerei 
unterminierten und gleichgeschalteten System kaum eine Chance eine breitere 
Öffentlichkeit zu erreichen. 

Diese Zusammenhänge mögen erklären, wie es dem revolutionärem Logentum 159 
gelungen ist, seine ursprünglichen Ziele bis heute fast vollständig in die Tat 
umzusetzen. Diese seit über zweihundert Jahren verfolgten Vorhaben sind: 
Abschaffung der Monarchien und Aufrichtung von Republiken. Beseitigung der 
Nationalstaaten 160 durch supranationale Staatenbünde (USA, Europa, UdSSR) und 
ebensolche Organisationen (Völkerbund, UNO, Weltbank, Internationaler 
Währungsfonds/IWF). Förderung der Völkervermischung zur Erzielung eines 
Einheitsmenschen. Entmachtung der Weltreligionen und Förderung einer 
Einheitskirche (Weltkirchenrat). Am Ende dieser Entwicklung soll den Planungen 
zufolge die Aufrichtung eines Weltstaates stehen, der von einer einzigen Regierung 
mit Sitz in Jerusalem zentral gelenkt wird. Daß der Geheimvatikan dieselbe 
biblische Vision anvisiert, ist kein Zufall... 


Der jüdische Ursprung der Freimaurerei: Von 
Ashmole... 

Es gibt mehr als nur ein Indiz dafür, daß die Freimaurerei von Anfang an durch die 
Leitung des esoterischen Judentums kontrolliert, zumindest aber doch maßgeblich 
beeinflußt wurde. Schon Lincoln/Baigent & Leigh haben gemutmaßt, „ihre“ 
Prieure de Sion, also „unser“ Geheimvatikan, hätte nicht nur die romfeindliche 
Kirchenspaltung losgeschlagen, sondern auch beständig ihre Finger in dem 
hintergründigen Treiben der Loge gehabt. Möglicherweise aus übergeordneten 


158 * 

Die Macht der Politischen Maurerei im Medienbereich ist heute unbegrenzt. Laut Spiegel TV 
kontrolliert die P2-Loge die gesamte italienische Presselandschaft. Dort gibt es nicht eine einzige 
namhafte Zeitung außerhalb der Kontrolle der verschworenen Bruderschaft. Daß vor diesem 
Hintergrund „Wahlen“ zu einer Schmierenkomödie degradiert werden, liegt natürlich auf der 
Hand. 

159 Und von diesem (nicht von der viel weniger politischen und weit mehr karikativen 
Johannisfreimaurerei) ist hier die Rede. 

160 Die staatsfeindliche Zielrichtung der Freimaurerei erhellt zur Genüge das Prüfüngsschema des 
französischen Großorients zur Aufnahme in den Gesellengrad: Auf die Frage des Meisters nach 
den Pflichten des Freimaurers gegen seine eigene Person und seine Mitmenschen, folgt die Frage 
gegenüber seinem Geburtsland. Die Antwort: „Keine!“ Man kann sich die daraus ergebenden 
Konsequenzen vorstellen, wenn ein Politiker diesen Eid ablegt. 



80 


Schweigegründen führen die britischen Autoren für diese Sichtweise keine näheren 
Beweise ins Feld. Da der Verfasser an keine Gelübde gebunden ist, soll dieses 
Versäumnis an dieser Stelle ausgeräumt werden. Es gibt nämlich nur wenig was noch 
leichter fiele als der Nachweis, daß es Kinder Israels waren, die die Freimaurerei aus 
der Taufe hoben. 161 

Obwohl England, das Mutterland der Freimaurerei, seit Jahrhunderten die Hebräer 
von seinem Territorium verbannt hatte, war es ausgerechnet ein Jude, der als erstes 
Mitglied einer britischen Loge namentlich bekannt ist. Die bis heute verwandten 
Logenbegriffe tauchten jedenfalls just in dem Moment auf, als der mosaische 
Alchimist, Kabbalist und Geheimwissenschaftler Elias Ashmole behauptete, im 
schottischen Liverpool auf die geheime Gesellschaft „gestoßen“ zu sein. Ob er den 
Orden nun als fertige Gründung tatsächlich „entdeckte“ oder ob er selbst der Gründer 
gewesen war, ist nun berechtigterweise in Frage zu stellen. 

Letztes scheint dabei wahrscheinlicher, denn der glückliche Finder hatte sich schon 
vorher des öfteren als Stifter okkulter Zirkel betätigt. Nur ein Jahr zurückliegend - 

1645 - stand der gleiche Ashmole in Oxford als Pate am Taufbecken des 
freimaurerähnlichen „Unsichtbaren Kollegiums“ (Jnvisible College“). Enge 
Beziehungen verbanden ihn zu einer pansophischen Rosenkreuzergilde, die sich 

1646 in Londons „Mason Hall“ in der Masons Alley Basinghallstreet zum 
„Wiederaufbau des Tempels Salomonis“ zusammenfand. 162 

Ob nun Vater oder „lediglich“ Motor, Fakt ist, daß 1.) Ashmole am 16. Oktober 1646 
in der Feldloge zu Warrington, in die Maurerei aufgenommen wurde, 2.) damals 
bereits laut seiner Tagebucheintrag die Begriffe „Lodge“ (Loge) und „Free Mason“ 
(Freier Maurer) gebräuchlich waren 163 und 3.) der umtriebige Kabbalist nachhaltigst 
die gesamte Frühgeschichte der sogenannten Geistesmaurerei beeinflußte. 


... zur ersten Großloge und dem Gang in die 
Öffentlichkeit 

Die formal-offizielle Geburt der modernen Freimaurerei erfolgte ebenfalls in 
England, jedoch mit dem Jahr 1717 rund siebzig Jahre später. Wie aus 
freimaurerischen Quellen selbst einwandfrei hervorgeht, handelte es sich hierbei nur 
um eine bündelnde Reorganisation bereits unterirdisch bestehender 


161 Daß diese dabei nicht spontan sondern vielmehr im Auftrag des Geheimvatikans handelten, 

wird hier vorausgesetzt. 

162 

Felix Franz Egon Lützeier, „Hinter den Kulissen der Weltgeschichte. Beiträge zur Geschichte 
der Geheimbünde aller Zeiten und Völker“, Archiv-Edition im Verlag für ganzheitliche 
Forschung und Kultur, Struckum 1986, II. Band, Seite 870 

163 Br. Allen Oslo, „Freimaurer“, Elmschau-Verlag, Fra nk furt a. M. 1988, Seite 146, 154. Der am 
20. Mai 1641 in Newcastle in eine Loge aufgenommene schottische Generalquartiermeister 
Robert Graf von Murray wurde dagegen als „Gentlemen Mason“ bezeichnet. (Oslo, Seite 143) 



81 


Geheimbünde. Mit den Logen „Zur Krone“, „Zum Römer und zur Weintraube“, 
Zur Gans und zum Roste“ und „Zum Apfelbaum“, waren es vier Londoner 
Brüderschaften, die sich am 24. Juni zu einem Dachverband zusammenschlossen. 
Der erste förmliche Beschluß dieser jungen „Großloge von England“ bestand darin, 
daß keine fernerhin sich auftuende Loge auf der ganzen Welt ohne ihre, der 
Mutterloge, ausdrückliche Bestätigung zu Recht bestehe. Das puritanische 
Britannien hatte sich damit global zum Lenker des Logentums bestimmt, eine 
Position, die die englische Maurerei über Jahrhunderte zu verteidigen wußte. 

Der hebräische Einfluß innerhalb der Freimaurerei ist von diesem Zeitpunkt an in 
äußerlichen und inhaltlichen Merkmalen unverkennbar. Daß das esoterische 
Judentum die Freimaurerei von Anfang an für sich entdeckt hatte, wird bereits in 
den äußeren Symbolen des Bundes deutlich. So schreibt der mosaische Historiker 
Lucian Wolf über das Aushängeschild der Großloge von England: „Dieses 
Wappenschild ist gänzlich aus jüdischen Symbolen zusammengesetzt und gilt als 
ein Versuch, uns heraldisch die verschiedenen Erscheinungsformen des Cherubins 
darzustellen, die uns in der zweiten Vision des Esekiel geschildert sind: einen Stier - 
einen Mann - einen Löwen und einen Adler. Dieses Wappen gehört somit den 
höchsten mystischen Bereichen des hebräischen Symbolismus an.“ 164 Zufall wird 
dabei kaum im Spiel gewesen sein, denn das noch heute benutzte Wappen der 
englischen Großloge der Freimaurer wurde in der Tat von einem Juden 
entworfen. 165 

Indes blieb die israelitische Verbindung nicht auf reine Äußerlichkeiten beschränkt. 
Die Großloge war von Anfang an bestrebt, dem in Britannien ansonsten keineswegs 
assimilierten Judentum eine Heimstatt in der Maurerei zu bieten. So stellte der 
Orden bereits 1722 fest: „Die Maurerei ist ein Menschheitsbund zur Verbreitung 
toleranter und humaner Grundsätze, an welchen Ordensbestrebungen der Jude und 
der Türke ebensoviel Anteil nehmen kann, wie der Christ.“ 166 Diese Einladung 
wurde nur zu gerne angenommen. F. A. Six 167 schreibt unter Berufung auf das 
„Internationale Freimaurer-Lexikon: „Die bereits während der Gründungsjahre in 
den Logenlisten von 1723 und 1725 auftauchenden jüdischen Namen geben ein 
Bild von dem Umfang und der Schnelligkeit der jüdischen Überflutung der Logen. 
(1732 verlegte man sogar die Logenarbeit in Cheapside im Wirtshaus „Zur 
Rose“ auf den Sonntag, um den jüdischen Logenbrüdern die Teilnahme zu 
ermöglichen. Dabei amtierte der jüdische Schnupftabakhändler Daniel 
Delvalle als Meister...) Neben einfachen Mitgliedern wie Delvalle, Bett, 
Stainer, Meyer Schamberg, Issac Schamberg, Benjamin Da Costa... wird 1732 


164 N. Webster: „Secret Societies and subversive movements“, Hawthome, Calif. 1967, Seite 123 

165 Peter Aldag, „Der Jahwismus erobert England“, 1940, Archiv-Edition im Verlag für 
ganzheitliche Forschung und Kultur, Struckum 1989, Seite 175 mit Bezug auf D.B. De 
Mesquita, „The Historical Associatins“, in : Trans. Jew. Hist. Soc, Bd. X, Seite 225ff. (1924), Seite 
239 

166 Lemann, „L 'Entree des Israelites dans la societe francaise“, Seite 353 

i cn 

Franz Alfred Six, „Studien zur Geistesgeschichte der Freimaurerei“, 2. Auflage, Hamburg !942, 
Seite 91 f. 



82 


Salomon Mendez bereits als höherer Logenbeamter, und war als Großschaffner 
vermerkt. “ 


Die mosaische Mission der Loge 

Die starke jüdische Präsenz innerhalb der Loge schlug sich von Anfang an auch in 
der inhaltlichen Ausrichtung der Freimaurerei nieder. Bereits 1723 faßte eines der 
wichtigsten Gründungsmitglieder, Reverend Dr. James Anderson, die 
Selbstbestimmung des Ordens in seinem Konstitutionsbuch zusammen. Dieses Werk, 
im Original „The Constitutions of the Free Masons“, bildet mit seinen 
Gesetzmäßigkeiten das offizielle Fundament des Logentums. Es enthält in der 
Hauptsache die Pflichten des Freimaurers, die Regeln für sein Verhalten gegenüber 
Familie, Gemeinde, Staat und Gesellschaft. 

In den Anderson-Konstitutionen gibt es viele eigenartige Punkte, besonders aber jene 
Passage, die die „Alten Pflichten der Freyen und angenommenen Maurer“ umreißt 
und wo es heißt, daß jeder Logenbruder gehalten ist, „das Moralgesetz als ein 
wahrer Noachide zu beobachten, denn alle Menschen kommen in den drei großen 
Artikeln Noes überein, welches genug ist, die Verbindung zu der Loge zu 
bewahren 

Was soll das Wort „Noachide“ hier bedeuten? „Die Artikel Noes, auf die man sich 
hier bezieht, sind nicht biblisch“, bemerkt sehr richtig ein gut informierter 
Mitarbeiter der „Pensee catholique“ in Nr. 104, 1966. Man kennt sie nur aus der 
rabbinischen Tradition. Der Talmud und jüdische Theologen und Philosophen wie 
Maimonides (1135-1204) sind die einzigen, die sich damit befassen. 16 Daraus ergibt 
sich jedenfalls, daß die maurerische Verpflichtung, an Gott zu glauben, in den 
Anderson-Konstitutionen auf ungewöhnliche Weise formuliert wurde. 

„Im christlichen Geist, welcher Konfession auch immer“, so das katholische Blatt 
weiter, „hätte eine solche Formulierung nicht spontan entstehen können. - Gewiß 
war die Existenz der Noeschen Gebote im 18. Jahrhundert den christlichen 
Gelehrten und Hebraisten bekannt, einem Basnage, einem Richard Simon, einem 
Jurieu. Abwegig jedoch ist die Idee, Menschen des 18. Jahrhunderts die Religion 
Noes als 'gültige' Religion aufzuerlegen, wo sie doch für jeden Christen nur die 
Religion des ersten Bundes, die durch Abraham und Moses und schließlich durch 
das Christentum abgelöst wurde, bedeuten kann. Vom Standpunkt des Judaismus 
dagegen ist der Noachismus die einzige Religion, die für die ganze 
nichtjüdische Menschheit allzeit in Kraft geblieben ist, während die Juden die 
Funktion des 'Priesters' über die Menschheit ausüben und zu diesem Zweck den 


16R 

Die sieben noachidischen Gebote sind Gesetze, die nach Auffassung des Talmuds an die 
Nichtjuden gerichtet sind. Wer sie befolgt und akzeptiert ist vom Judentum auf halbem Wege als 
Glaubensbruder zu sehen. (I. Shahak, „Jüdische Geschichte“,a.a.O., S.166, 203/2) 



83 

Priestertumsvorschriften unterworfen sind, die allein sie betreffen, also dem 
mosaischen Gesetz.“ 

Elie Benamozagh, ein berühmter Rabbiner des 19. Jahrhunderts, lehrte ebenfalls: 
„Die Menschheitsreligion ist nichts anderes als der Noachismus... Das ist die 
Religion, die Israel bewahrt hat, um sie den Heiden zu übermitteln... Der Noachide 
befindet sich im Schoß der einzigen wahrhaft universalen Kirche als Gläubiger 
dieser Religion, worin der Jude der Priester ist und den Auftrag hat - vergebt das 
nicht! - die Menschheit in ihrer Laienreligion zu unterrichten, während er selbst die 
Religion des Priesters auszuüben hat.“ 169 

Somit wären also die Freimaurer nur die Laien Israels! Wem dies alles noch nicht 
deutlich genug ist: Das erste Noachitische Gebot lautet „Der jüdischen Obrigkeit 
gehorsam sein“. 170 Demnach ist ein „wahrer Noachide“, der mit den „drey Articuln 
des Noah übereinstimmt“ ein der jüdischen Obrigkeit gehorsamer Mensch, also ein 
künstlicher Jude. Jeder Freimaurer dürfte damit an sich darüber informiert sein, daß 
er lediglich für die Interessen des Jahwismus eingespannt ist. 

Nun wird jeder Leser verstehen, was es bedeutet, wenn der nichtjüdische Br. 
Hermann Gloede, Hochgradfreimaurer der Großen Landesloge der Freimaurer von 
Deutschland in seinen „Instruktionen“ für die Johannislehrlinge 1901 schreibt: „Da 
wir unsere Brauchtümer auch direkt an das jüdische Priestertum anschließen, so 
kann man unsere Gewohnheit, das Haupt zu bedecken 171 , als ein Zeichen deuten, 
daß wir eine heilige priesterliche Gemeinde zu bilden haben.“ Diesen Gedanken 
entwickelt Br. Gloede weiter. Er spricht davon, daß eine „Zionsgemeinde von 
heiligen Priestern“ durch die Freimaurer hergestellt werden soll, er spricht vom 
„ausgewählten Geschlecht, von einem heiligen Stamm, vom Volk des Eigentums“ 
und sagt auf Seite 88 ebengenannter „Instruktionen für die Johannisgesellen der 
Großen Landesloge der Freimaurerei von Deutschland“ 172 : „Ich bin Jahwe, Euer 
Gott: erweist Euch denn heilig und seid heilig (3. Mose 11,44)'. Das aber, was der 
Rezipient (der Neuzugänger) verspricht, hat in der Tat keinen anderen Inhalt, wenn 
wir auch gewohnt sind, das mit anderen Ausdrücken zu bezeichnen. Zum 
Verständnis unseres Brauchtums muß man aber noch ein anderes Wort Jahwes an 
Mose heranziehen, einen Auftrag und ein Gebot, den Mitgliedern der 
Volksgemeinde zu überbringen: Ihr sollt mir werden ein Königreich von Priestern 
und ein heilig Volk.“ (2. Mose 19,6) Weiter schreibt Gloede in seinem 2. Band der 
„Instruktionen für den Johannis-Gesellen“: „Zur Bildung einer solchen Theokratie 


169 La Pensee catholique, 104, 1966. Diesen zur Sprache gebrachten Zusammenhang überliefert 
Jacques Pioncard d'Assac in seinem Buch „Das Geheimnis der Freimaurer“, Priesterbruderschaft 
St. Pius X., Stuttgart 1990, Seite 13f. 

170 Dr. Jakob Ecker (Privatdozent an der Königlichen Akademie in Münster), „Der Judenspiegel 
im Lichte der Wahrheit“, Paderborn 1884, Seite 35f. 

171 Freimaurer behalten in der Loge - wie die Juden in der Synagoge - den Hut auf dem Kopf. 172 

„Gedruckt als Handschrift mit großmeisterlicher Genehmigung für die Brr. Lehrlinge von der 
Königlichen Buchhandlung Ernst Siegfried Mittler und Sohn“ 



84 


•ii i i i 173 

will uns der Orden leiten.“ Kürzer und prägnanter formulierte ein amerikanischer 
Bruder: „Die Freimaurer errichten einen Bau, in dem der Gott Israels immer wohnen 
soll.“ 174 

Diese offenen Eingeständnisse werden von der bevorteilten jüdischen Seite nicht 
dementiert. Bereits 1831 schrieb die „Verite israelite“, daß „der Geist der 
Freimaurerei der Geist des Judaismus in seinen grundlegendsten 
Glaubensüberzeugungen ist, seine Vorstellungen, seine Sprache, ja fast seine 
Organisation.“ 175 Wenige Jahre später ergänzte der mosaische Führer des 
freimaurerischen B'nai B'rith-Ordens in Cincinnati, Landesrabbiner Dr. Isaac M. 
Wise 176 : „Die Maurerei ist eine jüdische Einrichtung, deren Geschichte, Grade, 
Pflichten, Paßworte und Erklärungen von Anfang bis zu Ende jüdisch sind, und zwar 
mit einer einzigen Ausnahme eines Nebengrades und einiger Worte der 
Eidesformel.“ 177 


Politische Enthaltsamkeit als Lebenslüge 

Nun brauchte uns all dies nicht anzufechten, all dieser mystische Mummenschanz 
nicht zu interessieren, wenn sich die Freimaurerei auf sich selbst beschränkte, oder, 
wie sie behauptet, auf den „Dienst der Barmherzigkeit“. Allein der Hang zu 
wirtschaftlichen Komplotten und politischen Ränkeschmieden ist es, der einen 
Geheimorden tatsächlich gefährlich werden läßt und deshalb ist der Vorwurf, die 
Freimaurerei betreibe hintergründig Politik, der am heftigsten von den Brüdern 
bestrittene. Zu Unrecht. 


173 

Beide Gloede-Zitate zuerst durch Friedrich Hasselbacher, „Entlarvte Freimaurerei“, Band I., 
Verlag Richard Geller, 1934, Archiv-Edition im Verlag für ganzheitliche Forschung und Kultur, 
Viöl 1992, Seite 15f. 

174 Im Original: „Masons are erecting a structure, in which the God of Israel shall dwell for ever“. 
Abgedruckt im „The General Ahriman Rezon and Freemason's Guide“, Daniel Sickels, New 
York 1901, Seite 71. Hasselbacher, der in Band I seiner Trilogie „Entlarvte Freimaurerei“ (a.a.O., 
Seite 17) dieses Zitat überliefert, bedient seine Leser darüber hinaus mit einer hebräischen 
Übersetzung des Titels, wonach Ahriman Rezon zu deutsch „Brüder des (mosaischen?) Gesetzes“ 
heißt. 

175 Verite israelite, 1931, Bd. V, Seite 74 

176 

Wise (1819-1900), Gründer der „Union of American Hebrew Congregation“ und des „Hebrew 
Union College“ in Cincinnati gilt als Vorkämpfer der jüdischen Reformbewegung des jüdisch 
religiösen Liberalismus in den USA. 

177 Siehe den „Israelite of America“ vom 3. August 1866. Die Publications of the American 
Jewish Historical Society, Philadelphia 1910, Band 19 berufen sich auf „The Israelite“ vom 3. 
August 1855 und schreiben im Originaltext wie folgt: „Masonry is a Jewish institution whose 
history, degrees, charges, passwords and explanations are Jewish from beginning to end, with the 
exception of only one by-degree and a few words in the Obligation.“ Zitat unter anderem nach 
Poncins, Leon de, Hinter den Kulissen der Revolution I. Das Freimaurertum, Schlieffen-Verlag, 
Berlin 1929, Seite 159 sowie Friedrich Hasselbacher, „Entlarvte Freimaurerei“, Band 1, Verlag 
Richard Geller, 1934, Archiv-Edition im Verlag für ganzheitliche Forschung und Kultur, Viöl 
1992, Seite 15 sowie Huber, E„ Freimaurerei, o. J. (1934?), Seite 148 sowie Freund, W., B'nai 
B'rith-Judentum und Weltpolitik, 1990, Seite 145 



85 


Hören wir, wie entwaffnend deutlich ein römischer Logenredner bereits im 19. 
Jahrhundert in einer öffentlichen Festversammlung in Anwesenheit des 
Großmeisters und der übrigen Großlogenbeamten sprechen durfte, ohne zur 
Ordnung gerufen zu werden: „Die kleine Loge“, so der Bruder über die unteren 
,blauen“ Johannisgrade, „ist notwendig als Vorstufe der Hochgrade. Auch ist sie gut 
zur Ausübung von Werken der Barmherzigkeit. Das ist aber alles und man darf nicht 
zuviel Zeit und Geld daran wenden. Der Schwerpunkt unserer Arbeit hegt in den 
Hochgraden. Dort machen wir den Fortschritt, die Politik und die 
Weltgeschichte. Darum ungeschmälerte Aufrechterhaltung des Schottentums (also 
der Hochgrade, der Verf)\ In ihm haben unsere Väter ihre glorreichen Taten 
vollbracht, die Tyrannen gestürzt, die Fremden verjagt usw ... Was soll uns 
Johannes (der namengebende „Schutzpatron“ der symbolischen blauen Logen, der 
Verf.yi. Nichts anderes, als uns seinen friedsamen Namen leihen, damit wir unsere 
Feinde überrumpeln. Was soll uns das Symbol? Es soll uns Schild und Schirm sein 
am Tage des Kampfes. Nichts weiter.“ 178 

Diese Worte sollte jeder Historiker stellvertretend für eine ganze Reihe weiterer 
Entgleisungen aus dem Gedächtnis abrufen, wann immer seine Forschungen die 
Wege der Freimaurerei kreuzen. Gelegenheiten dazu bestehen dazu - wie das 
vorliegende Buch zeigen wird - mehr als genug. 

Gerade einmal 50 Jahre nach der Taufhebung der Großloge zu London hub die 
„brüderliche Gesellschaft“ zu dem ersten revolutionär-politischen Coup an, den sie 
auf ihre Fahnen schreiben konnte: Die Rede ist von der großen Amerikanischen 
Revolution, die durch die Loge nahezu im Alleingang lanciert und zum Sieg 
geführt wurde. In einer nur für Freimaurer bestimmten Studie unter dem Titel „Die 
nordamerikanische Freimaurerei“ streicht der Freimaurer vom 33. Grad, Eugen 
Lennhoff, völlig wahrheitsgemäß die bedeutende Rolle heraus, welche die Loge bei 
der Gründung der Vereinigten Staaten von Nordamerika spielte. Voller Stolz legt er 
dar, daß die amerikanischen Freimaurerlogen die „Keimzelle der Vereinigten 
Staaten“ waren, daß “der überwiegende Teil der Männer, die in dieser Zeit dem 
Lande so unvergängliche Dienste leisteten“, den Freimaurerschurz getragen haben. 

Nun war Lennhoff Jude und in seine triumphierenden Worte mag sich nicht 
zu Unrecht Stolz auf die eigene Herkunft gemischt haben. Wie bei fast allen 


178 „Freimaurerzeitung“, 27. Jahrgang, Leipzig 1876, Seite 150 sowie ebenda vom 9. Mai 1874. h 
die gleiche Kerbe hieb der maurerische französische Sozialpolitiker Louis Blanc, als er schrieb: 
„Allein es gab innerhalb der drei Grade des niedrigsten Freimaurertums eine Menge Leute, die nach 
ihren Verhältnissen und ihrer Überzeugung jedem Plan einer allgemeinen Umwälzung abhold 
waren; da wurden die geheimen Logen gegründet (Arriere Logen), die nur für die ausgesuchten 
'feurigen’ Geister bestimmt waren; ebenso waren die höchsten Grade festgelegt, denen der Adept 
lediglich nach langen Prüfungen gelangte, welche so berechnet waren, daß nian sich von der 
Gründlichkeit seiner revolutionären Erziehung überzeugen, die Beständigkeit seiner Überzeugung 
kontrollieren und die geheimsten Winkel seines Herzens erschließen konnte.“ (Louis Blanc, 
„Geschichte der Revolution“, Kapitel „Die mystischen Revolutionäre“, Band III) 

1 70 

Basel 1930 (Schriften der Allgemeinen Freimaurerliga, Nr. 5d) 



86 


unterirdischen Projekten der Freimaurerei war der Begünstigte nämlich auch bei 
dieser Unternehmung die jüdische „Prophetie“. Die Abspaltung Amerikas vom 
englischen Mutterland geht nämlich nach maurerischen Quellen auf eine hebräische 
Weissagung zurück, laut der ein biblischer Stamm - Manasseh - im Amerika 
unserer Tage eine unabhängige Macht werden würde. 180 Es kann daher kaum 
verwundern, daß sich die Geburt der Vereinigten Staaten in dem eingangs dieses 
Werkes vorgestellten „Bibel-Code“ verschlüsselt wiederfindet - bis hin zur 
Jahreszahl der „glorreichen“ Unabhängigkeitserklärung. 


Zusätzliche Anmerkungen 


Der Autor räumt an dieser Stelle ausdrücklich ein, daß es zwischen der blau-humanitären Johannis¬ 
und der rot-revolutionären Schottenmaurerei Unterschiede in der internen Arbeit und in dem nach 
außen getragenen Selbstverständnis geben mag. (Siehe hierzu vor allem die freimaurerische Sicht 
durch Br. Allen Oslo, „Freimaurer“, Umschau-Verlag, Fra nk furt a. M. 1988. Als Nachschlagewerk 
im gleichen Geist: Eugen Lennhoff/Oskar Posner, „Internationales Freimaurer-Lexikon“, 
München/ZürichAVien/Graz 1932) 

Nichtsdestoweniger kann schwerlich in Abrede gesteht werden, daß es den politisierenden 
Hochgradlogen durch ihr Aufnahme-, Führungs- und Rekrutierungssystem hervorragend gelungen 
ist, sich als eine Art Führungsetage der Freimaurerei zu etablieren. Und somit sind die ersten 
Stockwerke der brüderlichen Nächstenliebe tatsächlich nur die Basis für eine Chefetage, die das 
Fußvolk nach ihrem Gutdünken einzusetzen versteht. Auch ohne dessen Billigung oder Wissen und 
auch in Zusammenhängen, die nur wenig mit karitativen Anliegen zu tun haben. 


180 

Siehe das offizielle Organ des US-amerikanischen Höchsten Rates des Alten und 
Angenommenen Schottischen Ritus der Freimaurerei „The New Age“, Washington D.C., 
Ausgabe Oktober 1952, Artikel des Freimaurers vom 32 Grad H. Sol. Clark, „The Ten Lost tribes 
- Facts and Fiction“ 

181 Michael Drosnin, „Der Bibel Code“, Wilhelm Heyne Verlag, München 1997, Seite 49 



87 


Kapitel 4.3 


Die Begründung der 
„Vereinigten Staaten von Amerika“ 


Vom europäischen Krieg um Amerika zum Paktschluß 
Frankreichs mit der Loge 

Die Konsolidierung der europäischen Kolonien in Nordamerika vollzog sich gerade 
am Anfang unter häufigen und blutigen Kriegen gegen die indianische 
Urbevölkerung. “ Bald aber wurde der Kontinent zusätzlich in Machtkämpfe 
einbezogen, die die verschiedenen Erobererstaaten - England, Frankreich, Spanien 
und Holland - unter sich austrugen. 

Die Lage eskalierte schließlich, als die Franzosen nach Kanada auch das 
Mississippital und Louisiana erschlossen. Da sich diese Konkurrenten Britanniens 
mit den Florida kontrollierenden Spaniern verbündeten, drohte den 
angelsächsischen Kolonien die Umklammerung. Nach wiederholten Scharmützeln 
arteten 1754 am oberen Ohio gegensätzliche Pelzhandelsinteressen zu 
Grenzkämpfen aus, die den von 1756 bis 1763 andauernden entscheidenden 
englisch-französischen „Siebenjährigen Krieg“ um den Besitz Nordamerikas 
auslösten. 

Wie bei jedem Waffengang der modernen Geschichte suchten auch diesmal beide 
Parteien nicht allein auf dem Schlachtfeld die Entscheidung. Jeder noch so 
verschlungene Kriegspfad wurde auf seine Gangbarkeit überprüft, und so muß sich 
die Freimaurerei ihrem ganzen konspirativen Wesen nach sowohl dem 
Buckingham Palast wie auch Versailles als Verbündeter geradezu aufgedrängt 
haben. 

Als Vermittler zwischen Staat und Loge dürfte damals bereits dem Judentum eine 
Schlüsselstellung zugekommen sein. So schreibt die „Encyclopedia Judaica“ 183 
unter der Überschrift „Freemasons“: „In den USA erscheinen jüdische Namen 


182 

Dabei taten sich - anders als die Franzosen - vor allem die Engländer besonders rücksichtslos 
nervor. Bis etwa 1759 waren die amerikanischen Ureinwohner bis an die Alleghanies heran 
ausgerottet oder verdrängt. 

183 

Encyclopaedia Judaica, 17 Bände, Jerusalem 1972ff. 



88 


unter den Gründern der Freimaurerei in Kolonial-Amerika und tatsächlich ist es 
wahrscheinlich, daß Juden die ersten waren, die die Bewegung ins Land brachten.“ 

Im Besonderen ist sichergestellt, daß die politisch so gefährliche Hochgrad- 
Freimaurerei durch Hebräer in die englischen Kolonien nach Amerika verpflanzt 
wurde. Ein hilfreiches Zurseitestehen des vor Ort mit London konkurrierenden 
französischen Geheimdienstes ist dabei ebenso unerforscht wie naheliegend. Auf 
jeden Fall beginnt die Geschichte der „amerikanischen“ Hochgradfreimaurerei in 
Frankreich, genauer gesagt: In der atlantischen Hafenmetropole Bordeaux. Hier rief 
auf dem Höhepunkt des englisch-französischen Kolonialkrieges im Jahre 1760 der 

1 OA 

jahwitische Kabbalist Martinez Paschalis den freimaurerischen „Orden der 
Auserwählten Priester“ (Elus Cohens) ins Leben. Als Adept der jüdischen Kabbala 
behauptete Paschalis, die Wissenschaft von den göttlichen Dingen gefunden zu 
haben und direkt mit Gott in Verbindung zu stehen. Die sogenannten Geheimlehren 
des neun Grade umfassenden Ritus setzten sich vornehmlich aus einem Gemengsel 
von Gnostizismus und kabbalistischem Judentum zusammen. 

Es dürfte dieses Umfeld gewesen sein, in dem ein weiterer Kopf der biblisch¬ 
politischen Maurerei groß wurde: Die Rede ist von dem israelitische Kaufmann 
Etienne Stephan Morin, der wie Paschalis in Bordeaux lebte. Dieser erhielt am 27. 
August 1761 von Vertretern des Schottenritus eine Vollmacht, worin er als „Grand 
Elu parfait et ancien Maitre sublime“ (dt.: Großer Auserwählter, vollkommener und 
erhabener Meister, Fürst aller Orden) bezeichnet und zugleich beauftragt wurde, die 
Hochgradfreimaurerei des „Rite de Perfection“ in Amerika einzuführen. Morin 
kam seinem Auftrag nach und brachte die schottische Lehrart nach San Domingo, 
Jamaika und Charleston (South Carolina). Auf diese Weise waren bereits 1762 die 
freien und angenommenen Maurer des Staates Maine mit einer unabhängigen 
Großloge versorgt. 186 

Die jetzt einsetzende Expansion des „Schottentums“ in Amerika kam indes zu spät, 
um den Franzosen gegen die britische Konkurrenz noch von direktem Nutzen zu 
sein. 1763 mußte das in der Auseinandersetzung mit England unterlegene 
Frankreich im „Pariser Frieden“ alle seine nordamerikanischen Besitzungen, 
inklusive Kanada, an London abtreten. Die scheinbare Symbiose zwischen Thron 
und Loge war damit aber vorerst noch nicht ganz erschöpft. Um den Sieger doch 
noch seines kolonialen Hinterlandes zu berauben fuhr der auf Revanche bedachte 


184 

Häufig findet sich auch die Namensschreibweise Pasqually oder Pasqualis. Es ist denkbar, 
daß von den verschiedenen Autoren eine portugiesische, eine französische und eine lateinisierte 
Form desselben Stamms benutzt wird. 

185 Br. J. G. Findel, Geschichte der Freimaurerei, S. 320 ff. sowie „Allgemeines Handbuch der 
Freimaurerei“, 3. Auflage, von Lennings Enzyklopädie der Freimaurerei, Leipzig 1900/1901. 
Findel nennt als Auftraggeber Morins die „Ritter des Ostens und Westens“, das Allgemeine 
Handbuch nennt den Großorient von Paris. Möglich oder gar wahrscheinlich, daß hier eine 
Übereinstimmung vorliegt, da die Pariser Zentralmaurerei 1754 den Schottenritus angenommen 

hatte. 

186 

Allgemeines Handbuch der Freimaurerei, 3. Auflage, von Lennings Encyclopaedie der 
Freimaurerei, Leipzig 1900-190l,Bd. II 



89 


König zu Versailles nämlich noch eine ganze Weile fort, die unterirdische 
Wühlarbeit der Loge zu unterstützen. Dabei profitierte - diese Tatsache ist für die 
vorliegende Untersuchung vor dem Hintergrund des mosaischen Geheimvatikans 
wichtig - vor allem die jüdische Konspiration, die in Amerika 1768 mit dem Morin- 
Intimus Moses Michael Hayes bereits den Deputierten General-Inspektor der 

1 Ol 

Maurerei von Nordamerika stellte. Kurze Zeit später setzte dann jener Prozeß ein, 
den wir noch heute in jedem Geschichtsbuch unter dem Schlagwort „Amerikanische 
Revolution“ nachschlagen können. 


Das Massaker vom 5. März 1770 

Wie bei allen Aufständen wählten sich die Verschwörer nach gründlicher 
Unterminierung der wichtigsten Machtinstanzen zunächst eine administrativ 
wichtige Stadt, von der sie die „Revolution“ aufzurollen planten. Im Falle 
Frankreichs sollte dies später Paris sein und die Bolschewisten um Lenin 
kontrollierten in unserem Jahrhundert über Wochen zunächst nur St. Petersburg, bis 
es ihnen über die Jahre hinweg schließlich gelang, den Rest des Landes zu 
„befrieden“. In Amerika spielten sich die wichtigsten Phasen der „Unab¬ 
hängigkeits-Revolte“ in der Hauptstadt Neuenglands, in Boston ab, welches bis 
Mitte des 18. Jahrhunderts die größte Metropole der 13 englischen Kolonien war. 

Hier kam es am 5. März 1770 zu einem gewalttätigen Zwischenfall, der heute 
gewöhnlich als erster Akt der Amerikanischen Revolution betrachtet wird: Der 
englische Hauptmann Thomas Preston und neun seiner Soldaten wurden durch 
einen möglicherweise gekauften Mob von 60 Krawallbrüdern tätlich angegriffen. 
Die Soldaten eröffneten in Notwehr das Feuer und töteten 5 Personen. Begleitet 
von einem nicht enden wollenden Presserummel diente das „Boston-Massaker“ 
seitdem dazu, in allen Kolonien die Stimmung gegen die Briten aufzubringen. Am 
Ort des Geschehens selbst richtete die Loge eine breite Propaganda gegen die 
Quartierung englischer Militärs ein. Als Vorsitzender des Komitees, das von einer 
Bostoner Stadtversammlung unmittelbar nach dem Zwischenfall mit dem Auftrag 
gebildet worden war, den Abzug britischer Truppen aus der Stadt zu fordern, 
amtierte John Hancock, der 1762 in Quebec/Kanada in die „Merchants Lodge“ 
aufgenommen worden war. In Boston hatte er sich der „St. Andrews Lodge“ 
angeschlossen. 

Während professionelle Aufrührer die Gemüter erhitzten, sammelte die 
Freimaurerei in ihren Reihen die Creme der Gesellschaft. Es handelte sich dabei um 
Männer, die in den wichtigsten Bereichen des öffentlichen Lebens 
Schlüsselstellungen bekleideten und auf die man vor dem Hintergrund eines 
allgemeinen Aufstands zählen mußte: Einflußgewaltige Politiker jeder Couleur, 
reiche Bankiers, leitende Beamte, kampferprobte Generäle... Sie alle warb man für 

187 Encyclopaedia Judaica, 17 Bände, Jerusalem 1972ff. Stichwort „Freemasons“. 



90 


den Tag X bis zu dem sie im Sinne der Loge ihre Karrieren, ihre Kontakte pflegen 
sollten, ohne sich als Opponenten zu sehr zu verbrauchen. Wie Viren mehrten sich 
diese revolutionären Zellen im Körper des Gegners, um - lediglich auf ein 
verabredetes Zeichen wartend - den Verurteilten mit einem Schlag kollabieren zu 
lassen. Es sollte nicht lange dauern, bis dieses Signal gegeben wurde ... 


Die „Bostoner Tee-Party” 

Als Anlaß zum Bruch mit dem Mutterland hatte sich die Freimaurerei in der 
Steuerfrage ein bis heute populäres Thema gewählt. Um einen Teil der zur 
Verwaltung und Verteidigung der Kolonien aufgewendeten Gelder wieder 
hereinzuholen, legten die britischen Verwalter den Siedlern Abgaben auf. Gegen 
diese Besteuerungen machte die Loge allerdings so erfolgreich Front, daß die 
englische Regierung ihre Zölle zurücknahm - um das Gesicht zu wahren und des 
Grundsatzes wegen aber die Eingangszoll auf Tee bestehen ließ. Nun hätten es die 
Kolonisten bei diesem Sieg belassen können, doch die hinter ihnen stehenden Maurer 
wollten weiter. Also mußte das britische Volksgetränk zum Hauptgegenstand eines 
bierernst geführten Kleinkrieges erhoben werden. Englischer Tee wurde boykottiert, 
sogenannte Korrespondenzausschüsse bereiteten die Einheitlichkeit der Abwehr vor. 
Da sich London diesem Treiben gegenüber taub stellte sannen die inzwischen 
kriegsbereiten „Brüder“ auf eine Provokation, an der sich der landesweite Aufstand 
entzünden sollte. 

Die erwartete Initialzündung fand am 16. Dezember 1773 als ein Happening statt, das 
heute unter der Überschrift „Boston Tea Party“ bekannt ist. Im Zuge dieser Aktion 
überfielen mehrere Dutzend als Mohawk-Indianer verkleidete Männer drei in Boston 
festgemachte britische Schiffe und warfen 340 Kisten Tee in das Hafenbecken. Die 
Aktion wurde voll und ganz unter Regie der Loge durchgeführt. Dies gibt die 
Freimaurerei auch selbst unumwunden zu - im Kreis der Logenbrüder, versteht sich. 
So schreibt das Informationsblatt der Großloge von Texas: „Die Tea Party war ein so 
würdiges freimaurerisches Ereignis wie es die Grundsteinlegung eines Hauses ist - 

1 oo 

die Anführer der 'Patrioten' waren fast alle Maurer“. Um der Genauigkeit gerecht 
zu werden, sollte man hinzufügen daß die verkleideten Aufruhrer Mitglieder der 
Bostoner „St. Andrews 's und St. John 's Lodge“ waren. Ausbaldowert und 
beschlossen wurde der Aufstand in der „Green Dragon“-Taverne, dem Sitz der 
Bostoner Loge „ St. Andrew 's Lodge p‘. 189 


„Texas Grand Lodge Magazine“, Band X/2, Januar 1940 

1 SQ 

Walter Freund, „B’nai-Brith-Judentum und Weltpolitik“, Archiv-Edition im Verlag für 
ganzheitliche Forschung und Kultur, Struckum 1990, Seite 39 sowie Anthony T. Browder, „Nile 
Valley Contributions To Civilization“, The Institute of Karmic Guidance, Washington DC 1995, 
Seite 198. Nach letzterer Quelle bezeichnete Daniel Webster den Grünen Dragoner als das 
„Hauptquartier der Revolution“. Der Freimaurer John Johnson schrieb selbst, daß die Taverne 
jener Ort war, „wo wir uns trafen um die Versenkung einiger Schiffsladungen Tees für den 16. 
Dezember 1773 zu planen.“ 



91 


Als die Aufforderung Londons zur Überstellung der Täter auf herausfordernde 
Ablehnung stieß, verfügte das englische Parlament die Sperrung des Bostoner 
Hafens und die Aufhebung der Verfassung der Kolonie Massachusetts. Beide Seiten 
begannen vernehmlich mit den Säbeln zu rasseln: Großbritannien verstärkte seine 
Besatzung, die amerikanische Heimwehr übte sich in immer umfangreicheren 
Truppenkörpern. 

Zur gleichen Zeit wirkte in den Städten des Nordostens die Propaganda des Wortes 
und der Tat, von einer verschwindend kleinen Minderheit zäh und rücksichtslos 
vorgetragen, auf die zaudernden Anhänger Englands oder die Gleichmütigen. In 
Boston warf der Freimaurer 190 Samuel Adams das - von Deutschen in 
Neumecklenburg zuerst gebrachte - Wort „Unabhängigkeit“ in die Massen. Der am 
Ort des Aufstandes gebürtige Bruder 191 Josiah Quincy griff schriftstellerisch in die 
Revolte ein; seine 1774 erschienen „Observations“ kamen einem Aufruf zum 
bewaffneten Widerstandes gegen die britische Herrschaft gleich. 


Die separatistischen Kontinentalkongresse 

Am 5. September 1774 trat in Philadelphia der „Erste Kontinentalkongreß“ unter 
dem Vorsitz seines maurerischen Präsidenten Peyton Randolph zusammen. 
Durch diese Körperschaft traten - mit Ausnahme Georgias - die 13 amerikanischen 
Kolonien erstmals gemeinsam nach außen auf. Sie setzte sich aus Delegierten 
zusammen, die am Volk vorbei von irregulär zusammengetretenen Versammlungen 
und Kongressen „gewählt“ worden waren. Obwohl ohne jeden legalen Status, 
proklamierte der Kongreß die Interessen der vereinten Kolonien zu vertreten und 
verbreitete eine Deklaration von Rechten und Beschwerden. 

Am Rande des Kongresses wurden in Erwartung der kommenden Ereignisse 
Warfen und Munition gesammelt. Kaum verhüllt rüstete man zum Kampf. Die 
Heimwehren umlagerten das durch englische Truppen besetzte Boston und 
richteten Waffenlager ein. Ein Versuch des englischen Generals Gage, 
Waffenvorräte des Provinzialkongresses von Massachusetts fortzunehmen, führte 
arn 19. April 1775 zu den ersten blutigen Zusammenstößen mit den rasch 
einberufenen Kolonialmilizen. Dies gab das Signal zum allgemeinen 
Revolutionskrieg gegen England. 

Seit dem 10. Mai 1775 traten führende Männer der 13 Kolonien in Philadelphia 
zum zweiten Mal zu einem „Kontinentalkongreß“ zusammen, vor allem um die 
militärische Lage zu beraten. Anfangs führte wiederum Bruder Randolph als 
„Präsident“ den Vorsitz. Als er starb setzte der Freimaurer John Hancock die 


190 Walter Freund, „B’nai B’rith-Judentum...“, Seite 39 und 40 

191 Walter Freund, a.a.O., Seite 39 

1 Q? 

Der damalige Kongreßabgeordnete des Staates New York, Sol Bloom, im April 1939 im 
Großlogenblatt des Staates New York, „Masonic Outlook“. 



92 


193 

Präsidentschaft für die nächsten beiden Jahre fort. Diesmal faßte der Kongreß 
bereits weitgehende Beschlüsse: Die ausführende Gewalt wurde einem 
Zwölferausschuß übertragen; eine neue Währung eingeführt, brüderlich gedruckt 194 
und - obwohl zunächst mehrere Jahre lang hinter dieser Währung keine Bank oder 
dergleichen stand - im ganzen Lande in Zahlung genommen. Der Bund der Kolonien 
wurde als gegründet festgestellt und ausschließlich dem Kongreß das Recht zur 
Kriegserklärung und zum Friedensschluß Vorbehalten. 

Die vor Boston versammelten Freiwilligen erklärte der Kongreß zur 
Kontinentalarmee. John Adams aus Massachusetts schlug vor, einem Mann aus den 
Südstaaten zum Oberbefehlshaber zu ernennen, um auf diese Weise die Südstaaten 
stärker für die gemeinsame Sache zu verpflichten. Währenddessen traf von dort Br. 
George Washington ein. Er war der Einzige, der nicht in Zivilkleidern, sondern in 
seiner Uniform - als Oberst - erschien. Mit zwangsläufiger Folgerichtigkeit wurde 
Washington in geheimer Wahl am 15. Juni 1775 einstimmig zum 
Oberkommandierenden aller amerikanischer Truppen gewählt. Selbstverständlich 
war auch Washington Freimaurer. 195 

Die erste Schlacht fand am 17. Juni 1775 vor Boston statt. Am 17. März 1776 
schließlich hatte sich die militärische Lage derart zugunsten der Amerikaner 
entwickelt, daß die Briten zur Räumung Bostons gezwungen waren. Damit war der 
Boden der 13 Kolonien von englischen Truppen befreit. 


Die Unabhängigkeitserklämng 

Aber immer noch war keine nominelle Unabhängigkeitserklärung erfolgt. Mit Hilfe 
des Volkes war ein solcher Schritt auch schwer vorstellbar. Lediglich ein Drittel der 
weißen Bevölkerung mochte diesem Gedanken zur selben Zeit angehangen haben, 
der Rest war König- bzw. Englandtreu oder gleichgültig. Doch die Loge wollte den 
Weissagungen der Bibel getreu unbedingt ein eigenständigen Staatswesen schaffen. 

So fuhr zu Beginn des Jahres 1776 Br. Washington nach Philadelphia, wo der 
praktisch in Permanenz tagende Kongreß nun einen Beschluß verabschiedete, der 
das Band zwischen England und Amerika endgültig zerschneiden sollte: Die 
„Declaration of Independence“, die Unabhängigkeitserklärung. Dieses von den 


193 Br. Allen Oslo, „Freimaurer“, Umschau-Verlag, Frankfurt a. M. 1988, Seite 393ff. 

194 Es war der führende Kopf der Boston Tea Party, Paul Revere - welcher die Laterne an der 
Nordkirche entzündet hatte - der 1775 das erste Kontinental-Geld druckte. Revere war 
Freimaurer. Siehe Walter Freund, „B‘nai-Brith-Judentum und Weltpolitik“, Archiv-Edition im 
Verlag für ganzheitliche Forschung und Kultur, Struckum 1990, Seite 39 

195 George Washington war am 4. August 1752 der „Fredericksburg Loge 4“ und der „Alexandria 
Loge 22“ in Virginia beigetreten. Seit 1753 führte er den Titel eines Logen-„Meister“. Angaben 
nach: The New York „Masonic Outlook“, - das Organ der Großloge New Yorks - New York, 
April 1939 sowie Allen Oslo, „Freimaurer“, Umschau Verlag, Frankfurt a. M. 1988, Seite 393ff. 



93 


beiden Freimaurern Adams 196 und Benjamin Franklin 197 ausgearbeitete Papier wurde 
jetzt durch den Hochgradfreimaurer Thomas Jefferson 198 dem Kongreß vorgelegt und 
am 2. Juli 1776 von einem durch und durch maurerischen Kontinentalkongreß 
brüderlich angenommen. Unter den 56 Unterzeichnern der amerikanischen 
Unabhängigkeits-Erklärung waren sage und schreibe 50 Freimaurer, umgerechnet 
also 90%. 199 

Die am 4. Juli, dem heutigen Nationalfeiertag der USA, öffentlich angeschlagene 
Unabhängigkeitserklärung trug an ihrer Spitze eine „Erklärung der Menschenrechte“, 
deren Aufnahme in die Verfassung der Vereinigten Staaten wiederum Br. Jefferson 
durchgesetzt hatte. Sie war zugleich der erste nachhaltige Triumph jüdischer 
Emanzipationsbestrebungen, da die vollkommene Gewissensund Religionsfreiheit in 
„Gottes eigenem Land“ auch den Konkurrenten des Christentums gleiche 
Möglichkeiten bieten sollte. 200 Möglicherweise war dies für die hintergründigen 
Drahtzieher der „amerikanischen“ Revolution die wichtigste Folge der blutigen 
Umwälzungen. 


Die brüderliche Verteilung der Ämter 

Man könnte die Reihe jener amerikanisch-revolutionären Ereignisse, in denen 
Freimaurer die ausschlaggebende Rollen spielten, noch lange fortsetzen. Da der 


196 Walter Freund, „B ’nai B ’rith-Judentum und Weltpolitik“, Archiv-Edition im Verlag für 
ganzheitliche Forschung und Kultur, Struckum 1990, Seite 39 und 40 

197 

„Es ist fraglich“, schrieb die New Yorker Großlogenzeitung „Masonic Outlook“ in ihrem 
Januarheft 1939, „ob irgendein anderer Mann gleichen Ruhmes und in gleicher Staatsstellung 
von so wichtiger Bedeutung für unsere Nation sich derart im Laufe so vieler Jahre der 
Freimaurerei gewidmet hat, wie er.“ Franklin war seit 1731 Mitglied in der Loge „Zum heiligen 
Johannes von Jerusalem“ sowie der Loge „Neuf Soers“ in Paris. Er avancierte bereits am 21. 
Februar 1735 zum Provinzial-Großmeister des Staates Pennsylvania. 1749 stieg er zum Provinzial- 
Großmeister des Logentums im Bundesstaat Massachusetts auf. Zum Zeitpunkt der 
Unabhängigkeitserklärung stand er darüber hinaus als Provinzial-Großmeister der Freimaurerei in 
Virginia vor. Daneben betätigte sich Franklin noch als einer der fanatischsten Mitarbeiter der 
Pariser Revolutionsloge „Les Neuf Soeurs“, wo er Stuhlmeister wurde. Quellen: Walter Freund 
„B’nai B'rith-Judentum und Weltpolitik“, Seite 40 sowie das Organ der Großloge New Yorks, 
The New York „Masonic Outlook vom Februar 1939 sowie „Masonic Craftsman“, Boston, März 
1939 und folgende. Historische Forschungen des Br. MacGregor sowie der seinerzeitige 
Kongreßabgeordnete des Staates New York, Sol Bloom, im April 1939 im Großlogenblatt des 
Staates New York, „Masonic Outlook“ sowie Lennhoff/Posner, „Internationales Freimaurer- 
Lexikon“, nach Friedrich Hasselbacher, „Entlarvte Freimaurerei“, Bd. III, Verlag Paul Hochmuth, 
Berlin 1941, Seite 69 

198 

(The New York) „Masonic Outlook“ - das Organ der Großloge New Yorks - New York, April 
1939 

199 Das Freimaurerblatt Die Bruderschaß, Nr. 1, 1961, S. 23 sowie Anthony T. Browder, „Nile 
Valley Contributions To Civilization“, The Institute of Karmic Guidance, Washington DC 1995, 
Seite 199. Der Freimaurer Lennhoff spricht in seiner 1930 in Basel herausgegebenen Schrift „Die 
nordamerikanische Freimaurerei“ von 56 Unterzeichnern der Unabhängigkeitserklärung, von denen 
53 dem Freimaurerbund angehörten. 

200 1 78 8 wurde die jüdische Emanzipation sogar in die nordamerikanische Bundesverfassung 
eingeschlossen. 



94 


Platz dieses Buches begrenzt ist und noch weitere Zusammenhänge die politische 
Machtvollkommenheit der Loge belegen sollen, ist der Autor geneigt, an dieser Stelle 
einzuhalten und den Leser nach einem letzten Blick auf die Gewinner der ersten 
namhaften Revolution der Geschichte an andere Gefilde zu leiten. 

Für das Staatskapitol in der Stadt Washington legte Großmeister Louis Hart den 
Grundstein; dieses ward fortan fast nur noch von freimaurerischen Präsidenten 
betreten. Erster in dieser glorreichen Reihe war Br. Washington, der am 6. April 1789 
einstimmig zum ersten Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt 
wurde. Das Freimaurerblatt„Die Bruderschaft“ sagt zu Br. Washingtons Karriere 
vielsagend, er „wurde vom Stuhl des Meisters der Loge 22 in Alexandria auf den 
Stuhl des Präsidenten der USA berufen.“ 202 Auf eine von der Großloge New Yorks 
entliehenen Bibel, legte der Großkommandeur aller amerikanischen Logen, Bruder 
George Washington, am 30. April 1789 seinen Amtseid als Präsident der USA 
nieder, wobei die Feierlichkeiten vom späteren Großmeister der Großloge New 
Yorks, General Br. Morgan Lewis geleitet wurden, während der gerade amtierende 
Großmeister Robert R. Livingston, Kanzler des Staates New York und späterer 
Außenminister, die Vereidigung vollzog. 203 

Doch die Loge beließ es nicht dabei, ihre Macht stellvertretend durch den 
Präsidenten vertreten zu lassen. Praktisch alle Schlüsselstellen der Macht wurden 
durch Brüder besetzt. Br. Thomas Jefferson, der später selbst auf den 
Präsidententhron gehievt wurde und die politische Macht der Maurerei dadurch 
verewigte, indem er die Partei der „Demokraten“ gründete, erhielt das Amt des 
Außenministers zugesprochen. Währenddessen ordnete Br. Alexander Hamilton als 
Finanzminister den Haushalt der neugeschaffenen Union. Bei der illuminierten 
Betreuung des Staatsschatzes stand ihm der 1763 im deutschen Walldorf geborene 
und 1783 mittellos in die USA ausgewanderte John Jacob Astor zur Seite, der - 


201 

“ Masonic Craftsman, Boston, September 1939. Kurz bevor John F. Kennedy Präsident der 
erste katholische US-Präsident wurde, waren zwei Drittel des Senats, weit über die Hälfte des 
Repräsentantenhauses und nahezu sämtliche Gouverneur der 49 US-Staaten Freimaurer. (Die 
Bruderschaft, Juli 1959) Unter den ermordeten US-Präsidenten ist der Logen-Mitgliedssatz 
übrigens überproportional gering. So waren weder Lincoln noch Kennedy Freimaurer, was in 
beiden Fällen zu entsprechenden Spekulationen geführt hat. J. Edgar Hoover, der als FBI-Chef im 
Fall Kennedy die Untersuchungen fortgesetzt behinderte und die Ermittlungsakten bis über das 
Jahr 2000 hinaus unter Verschluß nehmen ließ, war Hochgradfreimaurer. Die schottische 
Freimaurerei errichtete ihm in ihrem Washingtoner Tempel einen eigenen Gedenkraum. 

" „Die Bruderschaft“, Nr. 1, 1961, Seite 23. Washingtons Maurerschürze wie auch eine von den 
Freimaurern als Andenken erbetene Haarlocke des ersten amerikanischen Präsidenten werden 
heute in Alexandria/Virginia ausgestellt und als „Heiligtümer“ verehrt. Zur Erinnerung an 
Washington wurde in dieser Stadt auch das „Washington Memorial“ als Treffpunkt aller 
Freimaurer Amerikas errichtet. (Texas Grand Lodge Magazin, 1938, Seite 77) 

203 

The New York „Masonic Outlook“, - das Organ der Großloge New Yorks - New York, April 
1939 sowie Walter Freund, „B’nai-Brith-Judentum und Weltpolitik“, Archiv-Edition im Verlag 
für ganzheitliche Forschung und Kultur, Struckum 1990, Seite 39f. Allen Oslo schreibt in 
„Freimaurer“ (Umschau Verlag, Frankfurt a. M. 1988, Seite 393ff), die fragliche Bibel sei aus 
der New Yorker „St. John's Lodge No. 1“ entliehen worden. Auf die Logenbibel legen noch 
heute die amerikanischen Präsidenten ihren Amtseid ab, was das Freimaurerblatt „Die 
Bruderschaft“ in seiner Ausgabe Nr. 1, 1961, Seite 23 bestätigt. 



95 


nachdem er 1790 in New York der „Holland Lodge No. 8“ beigetreten war - zum 
Direktor der Bank der Vereinigten Staaten gekrönt wurde. -04 

Die wichtigsten Gesandtschaftsposten fielen ebenfalls in die Hand des 
allerheiligsten Tempels. Während der erste Botschafter, der Amerika in England 
vertreten sollte, Rufus King, Mitglied der „Phoenix Loge 8“ in Fayetteville, N.C., 
wurde 205 , entsandte Washington seinen Hauptbeauftragten für Logenpolitik, Br. 
Franklin, zunächst nach Preußen zu Br. Friedrich dem Großen 206 und anschließend 
nach Frankreich, wo er neuerlich freimaurerische Fäden anzuknüpfen verstand. Sein 
Hauptaufgabengebiet bestand darin, die (nicht zuletzt aus Bordeaux gestiftete) 
„amerikanische“ Revolution nach Frankreich zu exportieren, wobei Franklin der 
amerikanische Generalstabschef in spe, Br. Lafayette, attachiert wurde. Als Dank 
für diese brüderliche Hilfe übersandte die Grande Nation später die FreiheitsStatue 
in die Vereinigten Staaten, wo ihr - im Hafen von New York aufgestellt - noch 
heute als Nationalheiligtum gehuldigt wird. Entworfen hatte das den maurerischen 
Lichtträger, Luzifer, verherrlichende Kunstwerk natürlich ein Freimaurer, der 
französische Bildhauer Frederic Auguste Bartholdi, Mitglied der Loge „Alsace- 
Lorraine“. 207 


204 Allan Oslo, „Freimaurer“, Umschau Verlag“, Frankfurt am Main 1988, Seite 394 

205 

Walter Freund, „B’nai B rith-Judentum und Weltpolitik“, Archiv-Edition im Verlag für 
ganzheitliche Forschung und Kultur, Walter Freund, „B’nai-Brith-Judentum Struckum 1990, 

Seite 40 

206 

Franklin und Friedrich „der Große“ teilten mehr als nur das brüderliche Bekenntnis zur 
Freimaurerei. Die Geschichte dieses Geheimnisses beginnt damit, daß der amerikanische 
Botschafter eng mit dem Hell-Fire-Club liiert war, einer sexualmagischen Gesellschaft, die sich 
im Untergrund tätig der Zerstörung der katholischen Kirche verschrieben hatte. Ihre 
Mitgliederliste bot einen Auszug aus dem „Who is Who“ der britischen Gesellschaft: Der 
Premierminister, der Schatzkanzler, der erste Lord der Admiralität, der Prinz of Wales und der 
Lordmajor von London waren allesamt Mitglieder des ominösen Ordens. Franklin stand 
besonders dem Gründer des Clubs, Sir Francis Dashwood, nahe, an dessen Seite er ein 
uebetsbuch verfaßte, das die Basis zu der Liturgie der englischen Hochkirche legte, jenem Buch 
also, das in vielen US-protestantischen Kirchen benutzt wird. Da Sir Francis Dashwood 
gemeinhin unter dem Namen Lord DeSpencer bekannt war, nannte man sein Gebetsbuch in 
England das „Franklin-DeSpencer Gebetsbuch“. In den Vereinigen Staaten lautete der Titel 
dagegen „Franklin-Gebetsbuch“. Verfaßt wurde es in Dashwoods Landhaus in West Wycombe, 
wo die Anhänger des „Höllenfeuers“ unzählige sexualmagische Riten abhielten. Und so schufen 
Franklin und Dashwood ihr „göttliches“ Werk tatsächlich zwischen ihren orgiastisch- 
sodomistischen Hexerei-Sitzungen. Im Zentrum dieses bunten Miteinanders stand dabei meist 
»Miss Chudleigh“, eine jüdische Prostituierte, die sich später durch Franklins Vermittlung zur 
Geliebten König Friedrichs II aufschwang. Angaben nach: Jim Keith (Ed.), „Secret And 
aupressed“, Feral House, Portland/Oreg. 1993, Artikel „Sorcery, Sex, Assassination And The 
Science Of Symbolism“ von James Shelby Downard, Seite 61 f. 

207 Allan Oslo, „Freimaurer...“, a.a.O., Seite 395 




97 


Es besteht eine starke Ähnlichkeit zwischen den 
bislang an die Öffentlichkeit gekommenen Maximen 
der Illuminaten und denen der frühen Jacobiner und 
ich bin überzeugt, daß die Ursprünge vieler dieser 
überspannten wenn nicht diabolischen Lehren, die 
sich hier in Frankreich mit einer solchen 
unvergleichbaren Üppigkeit verbreiten, aus Deutsch¬ 
land eingeschleppt wurden. (Quintin Craufurd, ein 
Freund Marie Antoinettes, 1794 an den britischen 
Premierminister William Pitt) 

Zweifellos bestehen Organisationen, die zur 
Vernichtung aller Throne und Altäre in Europa 
gebildet sind. Die Sekte, die dieses anstrebt, scheint 
sich in letzter Zeit der Juden zu bedienen, vor denen 
man sich sehr in acht nehmen muß. (Der französische 
Schriftsteller-Philosoph Graf de Maistre an Kaiser 
Alexander 1.) 

Kapitel 4.4 

Das Geheimnis hinter der Französischen 
Revolution 

Die „Aufklärung“ 

Von Frankreich hatte die radikal-revolutionäre „schottische“ Maurerei ihren 
Ausgang genommen. 

Hier planten die hinter ihr stehenden Verantwortlichen nach den USA ihr zweites 
Unternehmen.“ Vorbereitet wurde der Umsturz ähnlich wie in England durch eine 
Umwertungskampagne, die sich gegen das Autoritätsgebäude der Kirche richtete. 
Während sich der Angriff in Britannien noch (als Puritanismus) in einem religiösen 
Gewand gezeigt hatte, arbeitete er in Frankreich bereits im Rahmen einer die 


208 

Zeitzeugen-Literatur über das freimaurerische Wirken hinter der „glorreichen“ Revolution von 
1789 bieten folgende Werke: Vor der Revolution: Abbe Larudan, „Enthüllungen über den 
Freimaurerorden (1745) sowie derselbe, „Die Vernichtung der Freimaurer“ (Amsterdam 1766) 
sowie A. Francois, „Originalschriften des Ordens und Bundes 'der Erleuchteten’“ (München 
1781) sowie Marquis de Fuchet, „Abhandlung über den Bund der Illuminaten“ (Paris 1789). 
Während der Revolution: Abbe Lefranc, „Die Füftung des Schleiers für alle Neugierigen oder das 
mit Hilfe der Freimaurer offenbar gewordene Geheimnis der französischen Revolution“ (Paris 

1791) sowie derselbe, „Die Verschwörung gegen die katholische Religion und die Fürsten“ (Paris 

1792) . Nach der Revolution: Louis d'Estampes/Claudio Janet, „La Franc-Maconnerie et la 
Revolution“ sowie Sourdat, „Die wahren Anstifter der Revolution“ (1797) sowie Abbe Barruel, 
„Memoires pour servir ä l'histoire de Jacobinisme“ (Paris 1798). Der Abbe Lefranc wurde 
übrigens zur Strafe für seine Enthüllungen 1792 hingerichtet. 



98 


Person Gottes mehr oder weniger negierenden „Naturwissenschaft“. Um zu 
demonstrieren, wie nötig es war, die Menschheit aus ihrer mystischen 
Glaubenshaltung in einen materiellen Wissensstand zu transformieren gaben die 
Betreiber ihrem Erziehungsprojekt den Namen Aufklärung“. 

In Holland und England wuchs diese Bewegung schon sehr früh und ziemlich 
unmittelbar aus dem Humanismus hervor, dort vorwiegend religiös, hier vorwiegend 
politisch. In Frankreich entwickelte sich eine wesentlich gesellschaftlich-moralische 
Aufklärung seit Mitte des 17. Jahrhunderts. Ihre Hauptvertreter Voltaire, die 
Enzyklopädisten dAlembert, Diderot und Montesquieu waren vor allem von England 
her beeinflußt. Das Vorherrschen des naturwissenschaftlichen Interesses führte hier - 
vor allem bei Lamettrie und Holbach - zur Entwicklung von materialistischen und 
atheistischen Tendenzen. Unter dem Einfluß von Rousseau und Montesquieu kam es 
bald zur politischen Kritik, die mit zur französischen Revolution hinleitete. 

Interessant - aber für den Leser kaum verwunderlich - dürfte in diesem 
Zusammenhang die Tatsache sein, daß die genannten Geister, wie praktisch alle 
wichtigen Enzyklopädisten überhaupt, Freimaurer waren. Von dieser Adresse 
wurden sie bewußt und überlegt eingesetzt, um über die Philosophie hinaus zu 
wirken. Von einem Ausnutzen kann dabei jedoch nicht gesprochen werden, denn das 
Bewußtsein, das der Weg allein nicht Ziel sein könne, war auch den Enzyklopädisten 
nicht fremd. Wie ihre Mäzene und Auftraggeber wußten auch sie, daß am Ende ihres 
Wirkens weniger die Erkenntnis als vielmehr der Aufstand stehen sollte. 

Der erleuchtete Bruder Voltaire hatte schon im Jahre 1761 den Wunsch geäußert, 
daß die vorgeblichen Philosophen unter sich eine geheime Gesellschaft wie diejenige 
der Freimaurer errichten und sie in der engsten und in der verborgensten Verbindung 
zur Ausführung ihrer großen Pläne wirken möchten. „Oh, meine Philosophen“, 
schrieb er an dAlembert, „ man muß mit geschlossenen Gliedern gegen den Feind 
angehen, wie die mazedonische Phalanx, die nur dann erst überwunden ward, wenn 
man die Glieder trennen konnte. Möchten doch die wahren Philosophen eine 
Brüderschaft wie diejenige der Freimaurer stiften!“ 209 Um diesem Wunsch Rechnung 
zu tragen wurde zwei Jahre später, 1763, von Voltaire, Diderot, Turgot und 
dAlambert die geheime „Literarischen Akademie“ gegründet, die sich zu 
regelmäßigen Tagungen konspirativ im Hause des Barons d'Holbach traf. 

„Das Freimaurertum“ wiederum, befindet Copin Albancelli in seiner Con- 
juration Juive, „richtete besondere Organisationen ein, durch die die Werke der 


209 Johann August Starck, „Das Komplott der Philosophen“. Aus: „Der Triumph der Philosophie im 
18. Jahrhundert“, 1803, abgedruckt in: „Kursbuch“, Heft 124, Juni 1996, Rowohlt, Berlin, hrsg. 
von Karl Markus Michel und Tilman Spengler, Seite 29 



99 


Philosophen unentgeltlich über ganz Frankreich und das Ausland verbreitet 
wurden.“ 

Außer diesen wissenschaftlichen Ausführungen, die meist auf die gebildeten Stände 
zielten, wurden in den geheimen freimaurerischen Druckereien auf den Geschmack 
des gemeinen Volkes abgestimmte Schmähschriften, Flugblätter, Epigramme und 
Anekdoten gedruckt, die entweder anonym oder unter dem Namen verstorbener 
Schriftsteller herausgegeben wurden. 

„Der größte Teil der Bücher“, erfahren wir aus dem Munde eines Freimaurers, „die 
zu der Zeit gegen die Religion, Sittlichkeit oder die bestehenden Regierungen 
vorgingen, wurde durch uns herausgebracht; sie waren entweder von den eigenen 
Mitgliedern der Gemeinschaft geschrieben oder auf unsere Bestellung; vor der 
Drucklegung wurden sie von uns korrigiert, erweitert oder verkürzt, je nachdem, 
wie die gegebenen Verhältnisse es verlangten, dann wurden die Titel erdacht und 
der Name des Autors, um den wahren Ursprung des Buches zu verdecken: das, was 
man für die letzten Werke von Freret, Boulanger u.a. hielt, z. B. Le Christianisme 
Devoile (Das entschleierte Christentum) und ähnliche Schriften - alles das hatte 
seinen Ursprung in unserer Gemeinschaft. Das verbesserte Buch wurde erst auf 
gutem Papier gedruckt, um die Kosten der Herausgabe zu decken, dann wurde eine 
ungeheure Menge davon auf ganz billigem Papier herausgegeben, die wir an die 
Buchhändler und Straßenhändler verschickten. Letztere erhielten sie umsonst und 
mußten sich verpflichten, die Bücher zu möglichst niedrigen Preisen unter dem 
Volk zu verbreiten.“ 210 

Der seinerzeit selbst um die Revolutionierung seines Landes besorgte Bruder 
Voltaire war über diese Vorgänge bestens im Bilde. „Alles um mich her“, sagte er 
am 1. März 1764 zum Marquis de Chauvelin, „sehe ich Samen für eine Revolution 
ausstreuen, die unfehlbar kommen wird, deren Zeuge zu sein ich aber leider nicht 
die Ehre haben werde. Die Franzosen kommen in allem zu spät, aber schließlich 
kommen sie doch. Das Licht hat sich allmählich so verbreitet, daß es bei der ersten 

Gelegenheit hervorbrechen wird; das wird ein schönes Schauspiel sein. Die jungen 

211 

Leute haben Glück, sie werden schöne Dinge erleben!“ 


Die revolutionäre Hochgrad-Freimaurerei in Frankreich 

Zur gleichen Zeit, da Voltaire die freimaurerischen Philosophen in einer eigenen 
Loge versammelte und von rosigeren Zeiten schwärmte, begann sich die 
französische Freimaurerei eine ebenso effektvolle wie faschistische 
OrganisationsStruktur zuzulegen. Wir hatten von diesem Zusammenhang bereits im 
„amerikanischen“ Kapitel gehört, zum besseren Verständnis soll er hier aber noch 
einmal aufgegriffen werden: 


210 Max. Doumic, „Le Secret de la Franc Maconnerie“, Seite 148 
211 * 

Lantoine, Albert, Histoire de la franc-maconnerie francaise, Seite 142 



100 


Ursprünglich gab es in der Freimaurerei nur drei Grade, die auf die 
Steinmetzenüberlieferung von Meister, Geselle und Lehrling zurückgingen. Bald 
wurde aber hier und da diese einfache Form durch Hinzufügung höherer 
Erkenntnisstufen erweitert. Dies führte allmählich zur Herausbildung von politisch¬ 
revolutionären Hochgradsystemen, die sich vor allem in Frankreich zur größten 
Blüte entwickelten. Wie bereits erwähnt, waren es Jahwe-Jünger, die diesen Prozeß 
in Gang setzten. „Sie drangen“, so der mosaische Freimaurer Bernard Lazare über 
den Einfluß seiner Glaubensbrüder im Logentum, „hauptsächlich in den der 
Französischen Revolution vorangehenden Jahrzehnten zahlreich in den Obersten 
Rat des Bundes ein und gründeten selbst die Hochgradmaurerbünde.“ 212 

Es ist dem Leser nun bekannt, daß der israelitische Kabbalist Martinez Paschalis im 
Jahre 1760 den neun Grade umfassenden freimaurerischen „Orden der Auserwählten 
Priester“ (Elus Cohens) ins Leben rief. Es wurde ferner erwähnt, daß der mosaische 
Kaufmann Etienne Stephan Morin am 27. August 1761 von Vertretern des 
Schottenritus eine Vollmacht erhielt, worin er als „Großer Auserwählter, 
vollkommener und erhabener Meister, Fürst aller Orden“ bezeichnet und zugleich 
beauftragt wurde, die Hochgradfreimaurerei des „Rite de Perfection“ in Amerika 
einzuführen. Die Folgen dieses Exports sind ebenfalls besprochen worden. 

Bisher nicht erwähnt wurde hingegen die Tatsache, daß eine innerfranzösische 
Verbreitung dieses Hochgradsystems im gleichen Jahr von Paris und der 
Atlantikprovinz aus erfolgte. Im ersten Fall war eine jüdische Gruppe der Motor, 
die - exakt wie die Scientologysekte - mit dem Verkauf der Einweihungsstufen 
Geschäfte machte und infolgedessen die Zahl der Grade außerordentlich steigerte. 
Währenddessen gesellte sich in Bordeaux der umtriebige Paschalis zur Loge „La 
Francaise“ und begann damit, seine Lehre unter den Freimaurern zu verbreiten. 
Sein Orden wurde schließlich von der Großloge anerkannt, doch beunruhigt über 
die Rivalität der „Elus Cohens“ löste sie schließlich den Vertrag wieder auf. 
Paschalis ging daraufhin nach Paris, wo er mit dem Beistand einiger Brüder am 21. 
März 1767 den konkurrierenden Dachverband „Tribunal Souverain“ gründete. Ob 
es der Ordensmeister der „Auserwählten Priester“ nur bei dieser aufbauenden 
Tätigkeit beließ, steht dahin. Auf jeden Fall flog noch im selben Jahr die „Großloge 
von Frankreich“ infolge innerer Zersetzung auf. 

Nicht zuletzt auch auf deren Überresten baute sich dann 1773 der „Grand Orient“ 
(Großorient) von Frankreich auf, der als „schottischer“ Dachverband bald in ein 
ausschließlich radikal-revolutionäres Fahrwasser glitt.“ ~ Als Galionsfigur fungierte 
aus einer Seitenlinie des Königshauses der Herzog von Orleans und Chartres, Louis 


212 

Bernard Lazare, „L'Antisemitisme“, 1895 nach W. Freund, B'nai B'rith-Judentum und 
Weltpolitik, 1990 und E. Huber, Freimaurerei, o.J. (1934?), Seite 149 Lazare war Mitglied des 
hebräischen B’nai B rith-Ordens und Funktionär der alljüdischen Dachgesellschaft „Alliance 
Israelite Universelle“. 

“ An den Großorient wurde der „Oberste Rat“ des schottischen Hochgradsystems, der Supreme 
Conseil angeschlossen. 



101 


Joseph Philippe, welcher kurz zuvor noch der Großloge von Frankreich als 
Großmeister vorgestanden war. Aus diesem okkulten Umfeld sollte die 
französische Revolution wenig später entscheidende Impulse erhalten. 

Allerdings wurde der Putsch, der Frankreich mit den Vorzügen der Demokratie 
beglücken sollte, nicht allein im Heimatland organisiert. Er nahm auch einen nicht 
unwichtigen Umweg, der über das damals scheinbar so verschlafene Deutschland 
führte... 

Die bayerischen Illuminaten und ihr jüdischer 
Hintergrund 

Die seltsame Geschichte der bayerischen Illuminaten beginnt in einem 

214 

Hinterzimmer der Universität Ingolstadt: Hier versammelte der freimaurerische“ 
Professor für kanonisches Recht Adam Weishaupt am 1. Mai 1776 zum ersten 
Male einige ausgesuchte Schüler seines persönlichen Lehrkreises zur förmlichen 
Begründung einer eigenen Geheimloge. Zunächst taufte sich der Kreis „Bund der 
Perfectibilisten“, um dann 1778 den stolzen Namen „Orden der Illuminaten“ (der 
Erleuchteten) anzunehmen. Es sollte nur wenige Jahre dauern, bis der erlauchte 
Klub weit über die Grenzen Deutschlands als Exponent revolutionärer 
Bestrebungen innerhalb der Maurerei ebenso bekannt wie gefürchtet war. 

Neben der durchdachten Taktik verblüfft noch heute die Radikalität jenes Mannes, 
den der französische Sozialist Louis Blanc als „einen der größten Verschwörer, der je 
existierte“ beschrieb. Viele Ziele, die die Freimaurerei noch heute nicht erreicht 
hat, und die sie sich - vermeintlich - erst im Laufe der Zeit aneignete, hatte der 
Führer der Illuminaten damals schon den seinen aufs Panier geschrieben: Die 
Aufrichtung eines republikanischen Weltstaates, die Vernichtung des Christentums, 
die egalisierende Abschaffung des Eigentums durch sozialistische Maßnahmen des 
Staates - dies alles erschien Weishaupt sogar vor dem Hintergrund seiner 
monarchistisch-vielgeteilten Heimat einfach umsetzbar, wenn man dabei nur die 
richtige Strategie anlegte. Das erste Gebot lautete dabei, daß angesichts des Zieles 
moralische wie legitimistische Vorstellungen veraltet seien. Alles war erlaubt, wenn 
es die Gemeinschaft nur weiterbrachte.„Der Zweck rechtfertigt die Mittel“ lautete 
der Grundsatz, den Weishaupt bei den Jesuiten gelernt hatte. Bar jeden Glaubens 
war er jedoch bereit, in der Praxis wesentlich weiter zu gehen als seine frommen 
Lehrmeister. 


214 Weishaupt war Mitglied der Münchner „Loge Karl Theodor zum guten Rat“. Felix Franz 
Egon Lützeier, der diesen Zusammenhang durchaus richtig darstellt, liegt mit dem 
Aufnahmedatum 1777 ein Jahr zu spät. Siehe Lützeier, „Hinter den Kulissen der Weltgeschichte. 
Beiträge zur Geschichte der Geheimbünde aller Zeiten und Völker“, Archiv-Edition im Verlag 
für ganzheitliche Forschung und Kultur, Struckum 1986, Band II, Seite 910 

215 

Blanc, Louis, Histoire de la Revolution, Seite 84f. 



102 


Bleibt die Frage: Kann die Rücksichtslosigkeit der llluminaten allein deren 
scheinbar explosionsartig vonstatten gehenden und nicht zu bremsenden Erfolgszug 
erklären? Oder gab es da wohlorganisierte Mentoren, die Weishaupt praktisch als 
Marionette vorschickten, um selbst im Dunkeln bleiben zu können? Diese Annahme 
erscheint mehr als naheliegend, wenn man bedenkt, daß die llluminaten praktisch 
das gesamte Programm des hebräischen Geheimvatikans in Reinkultur feilboten. 
Israeliten als Hintermänner Weishaupts? 

Der prominenteste Vertreter dieser Theorie dürfte der mehrfache sowjetische 
Sonderbotschafter und Minister Christian Rakowski sein. Dieser hochrangige 
Freimaurer nannte während der Moskauer Prozesse in den dreißiger Jahren als 
versteckte Auftraggeber Weishaupts den großen Philosophen Mendelssohn, um im 
gleichen Atemzug zu behaupten, die llluminaten hätten geheime Beziehungen zu 
dem ersten Rothschild unterhalten. 216 Rakowskis Angabe deckt sich vollständig mit 
einer Aussage des kanadischen Marine-Nachrichtenoffiziers Commander William 
Guy Carr, der - möglicherweise auf geheime Dossiers des amerikanischen 
Außenministeriums fußend - berichtete, daß der Begründer des Hauses Rothschild 
die Pläne zur Gründung der llluminaten entworfen und anschließend Adam 
Weishaupt mit deren Aufbau und Weiterentwicklung beauftragt habe. 217 

Der Verdacht, Israeliten hätten den Ingolstädter Hochgradmaurern auf die Sprünge 
geholfen, wurde in der Vergangenheit selbst von Juden offen angesprochen. Rabbi 
Marvin S. Antelman zeigte in seinen Buch „To Eliminate the Opiate“ (New York, 
1974), daß es klare Verbindungslinien zwischen den chassidischen Frankisten und 
den llluminaten gab. Und der mosaische Freimaurer Bernard Lazare schrieb: „Es 
gab Juden um Weishaupt, die er gar nicht als Juden erkannte, wie Martinez de 
Pasquale, ein Jude portugiesischer Herkunft, der in Frankreich die ganze 
Organisation des Illuminatenordens gründete.“ 218 Nun ist uns Pasquale-Paschalis 
wohlbekannt. Da er bis einschließlich 1778 recht aktiv in Frankreichs Logenkreisen 
wirkte, ist ein mögliches Zusammentreffen mit Weishaupt - wiewohl an keinem 
anderen Ort überliefert - nicht von der Hand zu weisen. 

Man bedenke darüber hinaus, daß der Paschalis-Jünger Morin, welcher wie sein 
Meister in Bordeaux lebte, 1761 den Auftrag erhielt, den „Rite de Perfection“ in 
Amerika einzuführen, was er auch umgehend tat. Wer will ausschließen, daß dieser 
Ritus auch in andere Länder verschleppt wurde und so auch Bayern erreichte? Man 
erinnere sich, daß die llluminaten ursprünglich unter dem Namen „Bund der 
Perfectibilisten“ firmierten! 


216 •• 

Josef Landowsky „Rakowskij-Protokoll. Uber die Vernehmung des Sowjetbotschafters 

Kristjan Jurjewitsch Rakowskij durch den Beamten der GPU Gabriel G. Kuzmin am 26. Januar 

1938 in Moskau“, Faksimile-Verlag, Bremen 1987, Seite 33 

217 Des Griffin, „Wer regiert die Welt?“, Leonberg 1986, Seite 75 

218 

Bernard Lazare, „L'Antisemitisme“, 1895 nach W. Freund, B'nai B'rith-Judentum und 
Weltpolitik, 1990 und E. Huber, Freimaurerei, o.J. (1934?), Seite 149 Lazare war Mitglied des 
hebräischen B’nai B rith-Ordens und Funktionär der alljüdischen Dachgesellschaft „Alliance 
Israelite Universelle“. 



103 


Außerdem verfolgten der Orden der Auserwählten Priester und die Bayerischen 
Illuminaten ähnliche Ziele, wobei ihre Taktiken so dicht beieinander liegen, daß sie 
geradezu zu verschwimmen scheinen. 

Und: Wie im Falle Weishaupts so blieb auch die Organisation des Paschalis über 
den Tod des Stifters hinaus bedeutsam. Noch 1822 nahm der Hochgradfreimaurer 
Graf Haugwitz auf dem Fürstenkongreß zu Verona auf letztere Bezug, indem er - 
man behalte auch hier die Existenz eines Geheimvatikans im Blickfeld - den 
Paschalis-Nachfolger St. Martin als einen „der Koryphäen des Kapitels zu Sion 
(Zion)“ bezeichnete. Über den von St. Martin ererbten Orden fuhr er rückblickend 
auf die Zeit der französischen Revolution fort: „Dort hingen die ... (frei- 
maurerischen) Fäden zu einem Gewebe zusammen.“ 


Der Konvent von Wilhelmsbad 

Es waren unter anderem zwei grundsätzliche Strategien, die das Weishauptsche 
System der restlichen Freimaurerei im wahrsten Sinne des Wortes nach überlegen 
machte. Zum einen nahm der Illuminatenorden gewöhnliche Freimaurer und gar 
diejenigen im Schottenritus lediglich in seiner mittleren Etage auf, womit er sich 
von Anfang an über alle damals bekannten Geheimorden setzte. Darüber hinaus 
führte Weishaupt seine Adepten nach der Aufnahme in den Grad des Illuminatus 
maior in die freimaurerischen Logen ein, wo ihre einzige Aufgabe in der Spionage 
lag. Hauptsächlich hatten sie unter den Freimaurern jene ausfindig zu machen, die 
sie für das Illuminatentum gewinnen konnten, womit sich dieses einmal mehr 
verstärken konnte. 

1780 wurde der damals in Frankfurt am Main lebende Journalist und Schriftsteller 
Adolf Freiherr von Knigge als Bruder „Philo“ feierlich in den Illuminatenorden 
aufgenommen. Die Werbung dieses namhaften Freimaurers 220 lag ganz auf der 
Linie der seit 1778 sichtbaren Illuminatenpolitik, Einfluß auf die anderen 
Geheimorden zu gewinnen. Mit Knigge hatte sich Weishaupt einen Mann 
verpflichtet, der in den kommenden Jahren quasi als Außenminister“ der 
Illuminaten amtieren sollte. Er fungierte dabei als Kontaktstelle zu verschiedenen 
Freimaurerlogen innerhalb derer man bald einflußreiche Positionen gewann. 

Wie stark die Illuminaten dadurch wurden zeigte sich bereits am 16. Juli 1782 auf 
dem maurerischen Konvent von Wilhelmsbad bei Hanau. Dieser erste offizielle 
Weltkongreß der Schottischen Freimaurerei wurde auf Vorschlag des Herzogs von 
Braunschweig von Freimaurern aus aller Herren Länder beschickt. Einer der 
rührigsten Vertreter des hier in Deutschland zusammengekommenen bunten 

91 Q • 

Zitat durch Friedrich Hasselbacher, „Entlarvte Freimaurerei“, Band III, Verlag Paul Hochmuth, 
1941, Archiv-Edition im Verlag für ganzheitliche Forschung und Kultur, Viöl 1992, Seite 299ff. 

220 Er gehörte seit 1772 der Loge „Zum gekrönten Löwen“ in Kassel an. Siehe: Jean Baylot, „La 
voie substituee“, Lüttich 1968, Seite 46 

221 The Encyclopedia Britannica, 1966, Vol II, „Helicar-Impala“, Seite 1094 



104 


Haufens war - Adam Weishaupt. Seine Delegierten konnten sich auf dem Konvent 
als Führungsmacht innerhalb der schottischen Maurerei präsentieren. 

Über das, was 1782 hinter verschlossenen Türen besprochen wurde, bewahrten die 
Brüder vereinbarungsgemäß Stillschweigen. Nur Einzelne durchbrachen die Mauer 
des Schweigens. Boumand schreibt als Außenstehender in seiner „Geschichte des 
Freimaurertums“, Seite 174, daß in Wilhelmsbad der Untergang aller Monarchien 
beschlossen worden sei. Die Freimaurer hätten bestimmt, mit Frankreich 
anzufangen und sich gegenseitig den Tod Ludwigs XVI. und des schwedischen 
Königs Gustav III. geschworen. Das würde erklären, warum der aufrichtige 
Freimaurer, der Compte (Graf) de Virieu, der den Kongreß von Wilhelmsbad als 
Vertreter der martinistischen Loge „Zu den Rittern der Wohltätigkeit“ zu Lyon 
besuchte, bei seiner Rückkehr nach Paris auf die Frage nach den Resultaten des 
Kongresses dem Baron de Gillier antwortete: „Ich will Ihnen nichts von den 
Geheimnissen erzählen, die ich in mir trage, aber das eine kann ich Ihnen sagen: Es 
wird eine so fein gesponnene und weitverzweigte Verschwörung angezettelt, daß 
Religion und Regierung kaum dem Untergang entgehen können.“ Seit diesem 
Tag, so der Biograph M. Costa de Beauregard, konnte der Compte de Virieu vom 
Freimaurertum nur noch mit Schrecken sprechen. Die weiteren Ereignisse sollten 
zeigen, daß er seine Gründe hatte. 

Wie eng gestrickt und in die Zukunft blickend diese Verschwörung behandelt wurde, 
zeigt das Geständnis, das der Pater Abel im Jahre 1898 in einer Konferenz in Wien 
machte. Der Großvater Abels war einer der führenden Männer auf dem Kongreß von 
Wilhelmsbad gewesen. Abels Enkel führte nun aus: „Im Jahre 1784 berief die 'Große 
eklektische Loge' in Frankfurt eine außerordentliche Versammlung. In ihr brachte ein 
Mitglied das Todesurteil Ludwigs XVI, Königs von Frankreich und Gustavs, des 
Königs von Schweden, zur Abstimmung. Dieser Mann hieß Abel und war mein 
Großvater... Auf seinem Sterbebett hat mir mein Vater als seinen letzten Willen 
ausdrücklich hinterlassen, daß ich mich bemühen solle, die Schmach, die ihm und 
unserer Familie angetan worden wäre, wieder gutzumachen. Wenn ich diese 
testamentarische Bestimmung meines Vaters, datiert vom 31. Juli 1870, nicht 
verpflichtet wäre, auszuführen, hätte ich auch nicht so gesprochen, wie ich es getan 
habe.“ 223 


222 

“ Friedrich Hasselbacher, „Entlarvte Freimaurerei“, Band L, Verlag Richard Geller, 1934, 
Archiv-Edition im Verlag für ganzheitliche Forschung und Kultur, Viöl 1992, Seite 143. 
Hasselbacher beruft sich bei diesem Zitat auf das Buch Leon de Poncins, „Hinter den Kulissen 
der Revolution, Bd. 1 Das Freimaurertum“, Schlieffen-Verlag, Berlin 1929. Anderenorts wird der 
Name des Grafen mit Viriez wiedergegeben, dessen Aussage in Bezug zu einem 1785 zu 
Fra nk furt am Main abgehaltenen Illuminatenkongreß gesetzt und etwas modifiziert wie folgt 
übersetzt: „Die Verschwörung, die sich vorbereitet, ist so gut erdacht, daß es weder für die 
Monarchie noch für die Kirche eine Rettung gibt.“ 

‘ Friedrich Hasselbacher, a.a.O, Seite 142f. Verweis wie oben auf Poncins. 



105 


Cagliostros Ägyptische Maurerei und die Halsbandaffäre 

Während in Deutschland rätselhafte Kongresse noch rätselhaftere Beschlüsse 
faßten, begann in Frankreich die Verschwörung in eine aktive Phase zu treten. 
Maßgeblich geschah dies zunächst unter der Ägide eines „Alessandro Graf von 
Cagliostro“, welcher eigentlich Giuseppe Balsamo hieß. Vielfach wird behauptet 
der jüdische Abenteurer habe schon an der Seite des Herzogs von Orleans bei der 
Gründung des Groß-Orients mitgewirkt. Sicher ist, daß er sich umgehend daran 
machte, diesem an sich schon exponierten Dachverband eine weitere Chefetage 
aufzupfropfen. Es bleibt dabei völlig im Dunkeln, ob Cagliostro zu dieser Zeit 
bereits als ausführendes Organ der llluminaten des Herrn Weishaupt bzw. von 
Monsieur Paschalis handelte. 

Cagliostro behauptet nun seinerseits, im September 1780 in einer künstlichen 
Grotte bei Straßburg im Elsaß in einen „Geheimbund der llluminaten“ 
aufgenommen worden zu sein, der nach seinen Satzungen der gewaltsamen 
Ausrottung aller Monarchen auf Erden diente und dabei eindeutig auf den Sturz des 
bourbonischen Königshauses in Frankreich abzielte. Dieser mächtige Bund habe 
reiche Bankkonten in Amsterdam, Rotterdam, London und Genua besessen, wohl 
an die 180.000 eingeschworene Mitglieder in etwa 200 Logen Europas und 
Amerikas gezählt und überall, zumal an den Fürstenhöfen, auch beim Heiligen 
Stuhl, seine unsichtbaren Vertrauensleute und Sendboten gehabt. Diese Angaben 
klingen ganz nach dem Orden Weishaupts. 

In der Tat gibt es glaubhafte Hinweise auf eine Aufnahme Cagliostros in die Reihen 
der llluminaten. Nach den gut recherchierten „Beiträgen zur Geschichte der 
Geheimbünde“ lernte Cagliostro etwa zur Zeit seines geschilderten Erlebnisberichts 
bei dem Freimaurer, Rosenkreuzer und llluminaten (Br.„Anacharsis“) Baron Peter 
von Leonhardi auf Schloß Groß-Karben bei Frankfurt am Main den rührigen 
Freiherr Adolf von Knigge kennen, der den Franzosen dann in den 

224 

Illuminatenorden aufnahm."" 

225 

Sehr wahrscheinlich erst nach diesem Beitritt"" und möglicherweise auf höhere 
Weisung schuf Cagliostro dann in Straßburg die „Ägyptische Freimaurerei“, aus 
der der „Ritus von Memphis-Misraim“ hervorging, eine Art Super-Pyramide, die 
die Zahl der Hochgrade auf 90 erhöhte. Wie bei Weishaupt in Deutschland mußten 
die Adepten vor ihrer Einweihung nachweisen, daß sie alle Grade der als 


224 

Felix Franz Egon Lützeier, „Hinter den Kulissen der Weltgeschichte. Beiträge zur Geschichte 
der Geheimbünde aller Zeiten und Völker“, Archiv-Edition im Verlag für ganzheitliche 
Forschung und Kultur, Struckum 1986, Band H, Seite 949 

225 

Die zeitlichen Angaben zur Taufhebung des Cagliostro-Systems variieren in der Literatur. 
Meist werden die Jahre 1775/76, 1782 und 1785 genannt, wobei der Mittelwert hier als richtig 
angenommen wird. Die Außerachtlassung der frühen Zeitangaben trägt u.a. dem Umstand 
Rechnung, daß Cagliostro erst während seines Englandaufenthalts Kontakt zur Freimaurerei 
gefunden zu haben scheint. Br. Allan Oslo schreibt über den Großbetrüger, er sei 1777 in die 
Londoner Loge „L'Esperance“ aufgenommen worden.“ (Siehe Oslo, „Freimaurer...“, Seite 397) 



106 


untergeordnet angesehenen offiziellen Freimaurerei bereits durchschritten hatten. 
Sie mußten außerdem dem Großen Gründer, den die Seinen als modernen Moses 
verehrten, einen strengen Gehorsamseid leisten.“ 226 Es ist zu einfach zu sagen: 
„Das waren Narren, Schwachköpfe“. Goethe empfing Cagliostro, und wenn er sich 
auch im „Großkophta“ 227 über die Schwärmerei des Volkes für diesen fabelhaften 
Scharlatan lustig machte, gehörte er dennoch zu seinen Adepten, und vielleicht 
finden wir in den magischen Teilen des „Faust“ ebenso wie in der „Grünen 
Schlange“ seinen Einfluß. Mozart gehörte ebenfalls dem Misraim an, und die 
„Zauberflöte“ legt Zeugnis davon ab, zumal die Freimaurerei sich heute noch bei 
ihren Zeremonien des„Marsches der Osirispriester“ bedient. 

Daß Cagliostro jedoch weit mehr an politischen Winkelzügen als an der 
Verpflichtung prominenter Künstler gelegen war, wurde spürbar als er in die 
französische Hauptstadt zog. Kaum war der Großkophta nämlich in Paris 
angelangt, da hatte er nichts eiligeres zu tun, als durch wohlgesponnene 
Kampagnen das Ansehen des Hofes publikumswirksam in den Schmutz zu ziehen. 
Seine Meisterleistung stellte dabei die Inszenierung der sogenannten 
„Halsbandaffäre“ dar, die sowohl in Goethes Großkophta als auch in Alexandre 
Dumas' „Le collier de la reine“ hintergründig abgehandelt wird. Dabei ging es um 
folgendes: 

Der Kardinal v. Rohan, Fürstbischof von Straßburg, aus einer der ersten Familien 
Frankreichs gebürtig, trotz seines geistlichen Standes von durchaus weltlichem 
Lebenswandel, war wegen Klatschereien bei Hof in Ungnade gefallen und von 
seinem Posten als Gesandter in Wien abberufen worden. Sein ganzes Streben ging 
nun dahin, die verlorene Gunst des Königpaares wieder zu erringen. Dies benutzte 
1784 eine raffinierte Schwindlerin, die sogenannte Gräfin Lamothe-Valois. Sie 
versprach dem blindgläugigen Kardinal, ihm die Gunst, ja die Liebe Marie 
Antoinettes zu verschaffen, händigte ihm gefälschte Briefe der Königin aus und lieh 
von ihm in deren Namen Geld im Betrag von 120.000 Livre. Als die Juweliere 
Böhmer und Bassenge damals Marie Antoinette ein kostbares Diamanthalsband für 
1.600.000 Livres anboten, diese aber den zu teuren Kauf zurückwies, redeten die 
Lamothe und ihre Helfershelfer dem Kardinal ein, daß er das Herz der Königin 
endgültig erobern werde, wenn er ihr zur Erwerbung des Schmuckes verhelfe, und 
brachten es durch ein Billet mit der gefälschten Unterschrift derselben dahin, daß 
der Kardinal sich den Juwelieren für die Zahlung der Summe verbürgte, welche die 
Königin angeblich terminweise von ihren Ersparnissen abzutragen versprach. Als 
der Kardinal am 1. Februar 1785 das Halsband erhielt, lieferte er es der Lamothe 
aus, welche sofort die Diamanten ausbrach und durch ihren Mann in England 
verkaufen ließ. Rohan fiel es indes auf, daß die Königin das Halsband niemals trug 
und ihn auch mit der früheren Kälte behandelte. Auf seine Klage darüber erhielt er 
von der Lamothe gefälschte zärtliche Briefe, und endlich wurde eine der Königin 


226 

~ Zitat nach Jacques Pioncard d'Assac, Das Geheimnis der Freimaurer, Priesterbruderschaft St. 
Pius X., Stuttgart 1990, Seite 77ff. 

„Großkophta“ lautete der Titel des Vorsitzenden der Ägyptischen Maurerei. 



107 


an Gestalt ähnliche Dime, Marie Leguay d'Oliva, herausgeputzt und hatte mit dem 
Kardinal ein nächtliches Rendevous. Da aber die Zahlungen nicht an den 
versprochenen Terminen erfolgten, wendeten sich die Juweliere an die Königin und 
den König selbst. So wurde der Betrug entdeckt und Rohan am 15. August 1785 
verhaftet und dem Parlament zur Vemrteilung überwiesen, das ihn jedoch am 31. 
Mai 1786 freisprach und damit unter dem Beifall des organisierten Pariser Pöbels 
die ungünstigen Gerüchte über die Königin bestätigte. Es bedurfte nur eines 
gewissen Ausmaßes klug angewandter Propaganda, bis daß die gegen den Hof 
aufgestachelte, leichtgläubigen Menge Marie Antoinette allgemein für schuldig 
hielt, versucht zu haben, sich durch eine Liebschaft mit Rohan das Halsband zu 
verschaffen. 

Der Skandal kompromittierte den französischen Hof auf das äußerste und infolge 
der dadurch gesteigerten feindseligen Stimmung des Volkes gegen das Königtum 
wurde die Autorität desselben schwer untergraben. Nach dem Urteil Napoleons war 
die Halsbandaffare eine der drei Ursachen der Revolution. 

Was heute selten erwähnt wird - aber nichtsdestotrotz durchaus der Wahrheit 
entspricht - ist die Tatsache, daß hinter der ganzen Affäre der Hochgradbmder 
Cagliostro gestanden hatte. Während der Herzog von Chartres - der zukünftige 
Philippe Egalite - Cagliostro in die Logen um Orleans einführte und in den 
Loireschlössern für seinen Gast feierliche Bankette arrangierte“ , zog der 
vornehme Partylöwe (und durch ihn die Loge 229 ) in der Rufmordkampagne gegen den 
König hinter beiden Seiten die Läden. Zum einen kontrollierte er von Anfang an die 
intriganten Ränke der Gräfin Lamothe. Zum anderen hatte er sich schon während 
seiner Zeit im Elsaß in das Vertrauen Rohans eingeschlichen, der - damals noch als 
Lürstbischof von Straßburg - den bunten Sonderling in seiner Nähe wohnen ließ 
und ihn großartig unterhielt.“ Im Gegenzug weihte der Großmeister der ägyptischen 
Maurerei seinen Gastgeber in die Geheimnisse der magischen Medizin ein. 

Als der fleischgeprüfte Kirchenmann schließlich von den französischen 
Behörden verhaftet wurde, geschah dies übrigens im Zuge einer abendlichen 
Geistersitzung in der Wohnung Cagliostros, welcher gleich mit abgeführt wurde. 
In die Bastille gesperrt wurde der Großkophta durch Endurteil vom 8. Mai 1786 
zwar straffrei gesprochen, aber für immer aus Lrankreich verbannt. Cagliostro 
ging nach London, von wo aus er nun eine ganze Llut von Pamphleten gegen 
seine Gegner in Paris losließ. Er hetzte mit aulpeitschenden Broschüren und 
Plugschriften das französische Volk offen zur Revolution, zum Bastillesturm und anderen 


228 

Jacques Pioncard d’Assac, Das Geheimnis der Freimaurer, Priesterbruderschaft St. Pius X., 
Stuttgart 1990, Seite 77ff. 

““ Bord schreibt in „La Conspiration Maconnique en 1789“, daß die Halsbandaflure durch das 
Freimaurersystem der Strikten Observanz in der Loge der „Vereinigten Freunde“ organisiert und im 
Hause Boulinvillier in Passy ausgearbeitet wurde. 

230 Zitat nach Jacques Pioncard d'Assac, a. a. 0., Seite 77ff. 



108 


Gewalttätigkeiten auf, wobei er seine Hetzschriften noch in die Form besonders auf 

231 

den Pöbel einwirkender düsterer Prophezeiungen und Offenbarungen kleidete. 
Cagliostro sollte mit seinen Voraussagen bis in Details hinein Recht behalten... 


Die Illuminaten in Frankreich 

Sieht man einmal von Cagliostros Einweihungsgeschichte ab, die im deutsch¬ 
französischen Grenzgebiet spielt, ist über eine so frühe Verbreitung der Illuminaten 
in das westliche Nachbarland wenig bekannt. Halboffiziellen Quellen zufolge “ hatte 
der Orden erst 1782 im Zuge des Wilhelmsbader Kongresses den Gedanken 
erwogen, den Ordensaufbau generalstabsmäßig auch auf das Ausland auszudehnen. 
Das erste Ziel war dabei das benachbarte Österreich. 

Bis zum Jahre 1782 hatte es in Wien überhaupt kaum oder doch nur sehr wenige 
Ordensmitglieder gegeben. Dann aber nahmen der Graf Kobenzl („Arrianus“) und 
Knigge („Philo“) die Sache dort einmal schärfer in die Hand und glaubten sogar 
zeitweilig schon hoffen zu dürfen, den freigeistigen Kaiser Joseph II. für den Orden 
erwärmen zu können. 1782 beauftragte Knigge den Grafen Kolowrat („Numenius“) 
mit der Leitung der österreichischen Brüder, die alsbald in die Hände der Brüder 
Geheimrat von Sonnenfels („Fabius“) und Freiherr von Schreckenstein 
(„Mahomet“) überging. Und doch entsprach die Gesamtentwicklung des Ordens in 
Österreich in keiner Weise den Erwartungen Weishaupts, da man sich von Anfang 
an viel zu sehr in politische Umtriebe zersplitterte und schließlich gar ein eigenes, 
von Ingolstadt unabhängiges Ordensgebilde aufzustellen trachtete. 2 ’ 3 Als weit 
ergiebiger erwiesen sich die Fäden, welche die Illuminaten - nunmehr vielleicht 
schon ein zweites Mal - zu französischen Kreisen anknüpften. 

Ins Blickfeld rückte dabei zunächst der französische Staatsmann Mirabeau. Dieser 
hatte sich nämlich 1786 und 1787 im Auftrag der Minister Vergennes (Äußeres) 
und Calonne (Finanzen) nach Berlin begeben, um als geheimer Agent der 
französischen Regierung den preußischen Hof auszuspionieren. Tatsächlich 


231 

Lützeier, Band I, Seite 520. Nach seinem recht kurzen Englandaufenthalt wandte sich 
Cagliostro über die Schweiz und Norditalien nach Rom, wo er in der Villa Malta eine 
Freimaurerloge nach ägyptischem Ritus einrichtete. Am 27. 12. 1789 wurde er an seiner neuen 
Wirkungsstätte von der Inquisition verhaftet und nach langem Prozeß wegen Häresie, Zauberei 
und Freimaurerei zum Tode verurteilt. Pius VI. wandelte das Urteil 1791 in lebenslange Haft um. 
Cagliostro starb 1795 in Gefangenschaft in San Leone bei Urbino. 

“ Es ist hier die Rede von den im Zuge der Polizeiaktionen sichergestellten Ordensunterlagen 
sowie von Analysen des bayerischen Staatsschutzes. Siehe Literaturliste. 

~ Felix Franz Egon Lützeier, „Hinter den Kulissen der Weltgeschichte. Beiträge zur Geschichte 
der Geheimbünde aller Zeiten und Völker“, Archiv-Edition im Verlag für ganzheitliche 
Forschung und Kultur, Struckum 1986, Band II, Seite 950 

“ Siehe zum Berliner Aufenthalt Mirabeaus dessen „Histoire secrete de la cour de Berlin“ 
(Geheimgeschichte des Berliner Hofes). Im Zusammenhang mit den Illuminaten unter anderem 
zitiert durch Jean Baylot, „La voie substituee“, Lüttich 1968, Seite 50 



109 


drang der in Paris ob seiner scharfen Feder gefürchtete Publizist bis in höchste 
Kreise vor. Daß er über die Bankette die versteckten Antriebskräfte der hohen 
Politik stets im Blickfeld behielt, bezeichnet ihn nicht nur als guten Beobachter 
sondern auch als klarsehenden Freimaurer. Über den aufgeklärten „Bruder“ 
Friedrich II („der Großen“), der ihn ebenfalls empfing, schrieb Mirabeau 
scharfsinnig: „Es ist schade, daß Friedrich II. seinen Eifer nicht so weit trieb, um 
Großmeister aller Deutschen oder wenigstens aller Preußischen Logen zu werden; 
seine Macht hätte hierdurch einen beträchtlichen Zuwachs gewonnen... und viele 
seiner Unternehmungen hätten einen ganz anderen Verlauf genommen, wenn er 
sich niemals mit den Häuptern dieser Verbände überworfen hätte. 

Natürlich hatte die Anwesenheit des hohen französischen Gastes in Berlin sofort 
die Aufmerksamkeit von Weishaupt und Knigge erregt. Man suchte den Kontakt 
und fand ihn im jüdischen Salon Mendelssohn. 236 Hier überzeugte Jakob 
Mauvillon 237 , Schüler des wegen der mißlungenen bayerisch-österreichischen 
Geheimdiplomatie offiziell auf Tauchstation gegangenen Knigge, Mirabeau dem 
Illuminaten-Orden beizutreten. 238 So empfing der Graf de Mirabeau, der unter allen 
Historikern als der bedeutendste Politiker in den Anfängen der Französischen 
Revolution gilt, in Berlin als Bruder „Leonidas“ die Ordensweihe und stand 
seitdem mit Knigge (Bruder „Philo“) in ständiger Verbindung. 

Zurück in Paris machte sich Mirabeau dann noch im Jahre 1787 daran, die 
französischen Freimaurerlogen nach dem Vorbild des Illuminatenordens zu 
reformieren oder gänzlich dem von Knigge geplanten Ordensneubau einzugliedern. 
In diesem Sinne verhandelte er auch mehrfach mit dem späteren Herzog von 
Talleyrand-Perigord und dem bekannten Freiheitskämpfer Marquis de Lafayette - 
beides hochrangige Freimaurer 239 - die er für seine Gedankengänge gewinnen 
konnte. 


235 

Mirabeau, „De la Monarchie prussienne sous Frederic le Grand“, Band in, nach Friedrich 
Hasselbacher, „Entlarvte Freimaurerei“, Band I., Verlag Richard Geller, 1934, Archiv-Edition im 
Verlag für ganzheitliche Forschung und Kultur, Viöl 1992, Seite 172. Über Friedrich des 
Großen's Eintritt in die Freimaurerei herrscht im allgemeinen Klarheit. Sie erfolgte im Jahre 1738 
gegen den Willen seines königlichen Vaters. 

236 Graetz, „Geschichte der Juden“, Band V, Seite 162 

237 

Mauvillon, entgegen seines Namens tatsächlich ein deutscher Major und Nationalökonom, 
schrieb in diesen Tagen mit Mirabeau das Werk „De la monarchie prussienne sous Frederic le 
Grand“, das 1788 in London veröffentlicht wurde. 

238 

Siehe zum Berliner Aufenthalt Mirabeaus dessen „Histoire secrete de la cour de Berlin“ 
(Geheimgeschichte des Berliner Hofes). Im Zusammenhang mit den Illuminaten unter anderem 
zitiert durch Jean Baylot, „La voie substituee“, Lüttich 1968, Seite 50. Mirabeaus Einweihung, 
seine Mission in Frankreich und die Paris-Reise der deutschen Illuminaten berichtet Felix Franz 
Egon Lützeier, „Hinter den Kulissen der Weltgeschichte. Beiträge zur Geschichte der 
Geheimbünde aller Zeiten und Völker“, Archiv-Edition im Verlag für ganzheitliche Forschung 
und Kultur, Struckum 1986, Band II, Seite 947 Lützeier überliefert als Chronist die vorgestellten 
Zusammenhänge aus größerer Distanz. Siehe auch Friedrich Hasselbacher, „Entlarvte 
Freimaurerei“, Band I., Verlag Richard Geller, 1934, Archiv-Edition im Verlag für ganzheitliche 
Forschung und Kultur, Viöl 1992, Seite 141 f. 

Nach dem Freimaurer Allan Oslo war Talleyrand Mitglied der Pariser Loge „Les Francs 
Chevalier“ 



110 


Schon bald darauf reisten auf Mirabeaus Wunsch die beiden Ordensbeauftragten 
Bode (Br. ,Aemilius“) und von dem Busche (Br. „Bayard“) eigens nach Paris, um 
dem französischen Meister mit ihren Erfahrungen organisatorisch anhand zu gehen. 
Diese nahmen denn auch mit der Pariser Loge „Les amis Reunis“ engere Fühlung 
und brachten auf Schloß Ermeneville einen vorbereiteten Reformausschuß der 
„Vereinigten Freunde“ zusammen, dem auch der berühmte Graf von Saint 
Germain 240 angehörte. Auf diese Weise wurden die französischen „lumines“ 
begründet, so wurde schließlich der Grundstein zu dem berüchtigten „Klub der 
Jakobiner“ gelegt und es entstand somit der eigentliche Brandherd der großen 
Revolution, der unter der trügerischen Losung „Freiheit! Gleichheit! 
Brüderlichkeit!“ seine verheerenden Flammen und Giftschwaden in alle Welt 
hinausspeien sollte. 

In seiner „Geschichte des Geheimordens der Illuminaten-Freimaurer oder deutschen 
Jakobiner“ schrieb Br. Dr. Johann Georg Zimmermann bereits 1793 zum gleichen 
Zusammenhang: „1788 begaben sich auf Befehl ihrer Oberen zwei Illuminaten von 
hohem Rang, der fürstliche Rat Bode und Baron Busch aus hannoverschem Adel, 
nach Paris... Baron Busch wurde zu dieser Reise, deren Zweck er überhaupt nicht 
erfuhr, lediglich beordert, um für seinen Ordensbruder und Reisegefährten zu 
bezahlen. Denn diese Philosophen, diese gänzlich uninteressierten Reformatoren, 
waren immer bereit, noch einen Ordensbruder mitzunehmen, der sie dann 
unterwegs bei den störenden Ausgaben freihalten mußte. Bode allein war der 
geheime Zweck der Reise mitgeteilt. Er hatte die Instruktionen erhalten. Dieser 
gerissene, listige Bode war seit Jahren mit allen Geheimverbindungen Deutschlands 
auf das Beste vertraut... Man reiste unter dem Vorwand, es geschehe zum Studium 
des Magnetismus. Aber sobald sie dann in Paris waren, begab sich Bode 
unverzüglich in die Freimaurerloge der „amis Reunis“ und verhandelte dort. Er 
erreichte es, daß diese Loge und die von ihr abhängigen Logen sich bereit erklärten, 
in den Illuminatenorden aufzugehen. Sie begannen dann mit der praktischen 
Revolutionsarbeit. “ 241 

Johann August Starck schrieb 1803 in seiner Abhandlung „Das Komplott der 
Philosophen“ 242 : 

„Auf Mirabeaus Verlangen, daß zwei vollkommen unterrichtete und angesehene 
Illuminaten nach Frankreich geschickt werden möchten, und auf Mauvillons 


240 Der selbsternannte Graf von Saint-Gennain, der Sohn eines portugiesischen Juden aus 
Bordeaux, unterhielt vor Ausbruch der Französischen Revolutionen beste Kontakte zu allen 
maßgeblichen europäischen Herrscherhäusern sowie politische Clubs, in denen es lebhaft zuging. 
Viele Zeitgenossen hielten ihn für einen englischen Spion. So erklärte Voltaire in einem Brief an 
Friedrich II. vom 5. April 1758 mit Bestimmtheit, der weltgewandte Hochstapler stehe im Sold 
fremder Regierungen. (Charles Mackay, „Zeichen und Wunder. Aus den Annalen des Wahns“, 
Eichborn Verlag, Fra nk furt am Main 1992, Seite 143) 

241 Zitat nach Friedrich Hasselbacher, „Entlarvte Freimaurerei“, Band I., Verlag Richard Geller, 
1934, Archiv-Edition im Verlag für ganzheitliche Forschung und Kultur, Viöl 1992, Seite 141 f. 

242 Johann August Starck, „Das Komplott der Philosophen“. Aus: „Der Triumph der Philosophie 
im 18. Jahrhundert“, 1803, abgedruckt in „Kursbuch“, Heft 124, Juni 1996, Rowohlt, Berlin, 
hrsg. von Karl Markus Michel und Tilman Spengler, Seite 32ff. 



111 


Betrieb wurden denn im Jahre 1787 (der Verleger Johann, d. Verf.) Bode 
(Aemilius) und (Baron Wilhelm, der Verf.) von dem Bussche (Bayard) nach Paris 
abgeschickt. Ihre Sendung ward in Deutschland sehr geheim gehalten, und wo man 
sie erfuhr, hieß es, daß sie Erkundigungen über den Magnetismus, und ob und 
inwieweit die Jesuiten Einfluß auf die geheimen Gesellschaften hätten, einziehen 
sollten... Ein ganz neues und erwartetes Eingeständnis findet man... in der 
'Gothaischen gelehrten Zeitung' (24. 10. 1801)... Hier wird nun eingestanden, daß 
Bode mit noch einem andern im Jahre 1787 zu einem Maurer-Kongresse nach 
Paris gereist und daselbst in der Loge ein Memoire übergeben habe ... 

Der Illuminatismus ward von nun an der französischen Freimaurerei eingeimpft, 
und ihre Logen wurden in Verschwörungsspelunken gegen Thron und Altäre 
umgeschafft; aber die Franzosen gingen dabei ihren eigenen Gang. Sie ließen die 
bei ihnen einmal eingeführte Maurerei, wie sie war und mit dem Charakter der 
Nation übereinstimmte, unangetastet stehen und ordneten statt der illuminatischen 
'Mysterienklasse' in den Logen sogenannte 'Comites secrets, regulateurs et 
politiques' an, welches auf Orleans (gemeint ist Philippe Egalite, der Verf.) 
Veranstaltung auch in allen beträchtlichen, ihm unterworfenen Logen geschah. 
'Haß dem Gottesdienste! Haß dem Königtume! Freiheit und Gleichheit! Die 
Fürsten und Pfaffen als die Bösen von der Erde verschwinden zu machen' und eine 
'allgemeine Republik' und eine 'Vernunftreligion' einzuführen, dies große 
Geheimnis der illuminatischen Mysterienklasse war auch das Geheimnis dieser 
Comites secrets, und die Mittel, es auszuführen, der Gegenstand ihrer 
Beratschlagungen.. , 243 

An den in den Logen errichteten Komitees hatte man indessen nicht genug. Man 
sah wohl ein, daß man zur tätigen Ausführung des 'Grand Oeuvre' derbe 
Pöbelfäuste gebrauchte, und nicht vergebens hatte Spartacus (Weihaupt, der Verf.) 
den Adepten empfohlen, sich durch die Menge zu verstärken. Das Mittel dazu war 
bei der Hand - und dies waren die seit der bei den Franzosen eingerissenen 
Anglomanie schon eingeführten Clubs, die, wie ein Schriftsteller sagt, 'anfangs zum 
Lesen der öffentlichen Blätter bestimmt waren, aber bald der Schauplatz der 
heftigsten Diskussionen gegen die Regierung wurden.'... Man ermangelte also 
nicht, an allen Orten, wo nur illuminierte Logen, Comites secrets oder Adepten sich 
befanden, welche die Leitung übernehmen konnten, solche Clubs zu errichten, 
welche die Pflanzschule zu künftigen Revolutionshelden und die Vorhöfe des 
Allerheiligsten (des geheimen Komitees) waren und nach den Grundsätzen und 
Absichten dieser letzteren sowohl bei den Wahlen der Deputierten zur 
Nationalversammlung als auch nachher auf diese Versammlung selbst wirkten. 
Hierdurch erhielten die eigentlichen Verschwörungshöhlen eine fürchterliche 


243 

Der englische Intellektuelle John Robison, der selbst als Freimaurer von den Illuminaten 
geworben wurde steht in seinem 1798 verfaßten Buch „Proof of a Conspiracy“ (deutsch u.d.T. 
„Über geheime Gesellschaften und deren Gefährlichkeit für Staat und Religion“ 1800 in 
Königslutter bei B. Eulemann) ganz dezidiert fest, daß es die deutschen Illuminaten waren, die 
die frühen Führer der französischen Revolution in die Kunst einweihten, wie man zum Zwecke 
des Umsturzes politische Komitees bildet. 



112 


Gewalt und ungeheuerliche Ausbreitung, und man sieht hier die Komplotte, von 
welchen Lally-Tolendal 244 sagt, 'daß sie im ganzen Reiche stattgehabt, untereinander 
zusammengehangen und fast alle an einem und demselben Tage losgebrochen' wären, 
und man entdeckt die Quelle der 'vorhergegangenen Abredungen' und die verborgene 
Hand, welche die Auftritte 'gelenkt', von welchen Montjoye redet. 

Unter allen diesen Clubs war der wichtigste der sogenannte Club Breton, der 1789 
gestiftet wurde, ganz unter der Leitung des Areopags der illuminierten Pariser Logen 
stand und mit allen übrigen im Reiche zusammenhing... Endlich sprang am 14. Juli 
1789 die schreckliche Revolutionsmine: und nun ward dieser Club -welcher durch 
die glücklichen Operationen der von ihm ausgespieenen 'Casse-cous'(etwa: 
Draufgänger), wie man sie nannte, Bouche, Lacoste, die Lameths und Desmoulins, 
immer kühner geworden war und immer mehr Zulauf erhielt - nach Paris in das 
Dominikanerkloster in der Straße St. Jaques verlegt, und von diesem 
Versammlungsorte erhielten die Glieder dieses Clubs den Namen Jakobiner. Von 
dieser Zeit an war das große Geheimnis der illuminierten Logen und ihrer Comites 
secrets kein Geheimnis mehr: die Tore des Allerheiligsten waren aufgetan; die Logen 
hörten auf und verwandelten sich in Clubs, deren Glieder nach dem Beispiele des 
Haupt-Mutter-Clubs zu Paris sich Jakobiner nannten und teils in Kirchen und große 
öffentlichen Gebäuden, teils in den nun jedem geöffneten Logen ihre 
Zusammenkünfte hielten.“ 

Daß dies keine Auswürfe eines im Verfolgungswahn lebenden Reaktionärs sind, 
kann jeder halbwegs beschlagene Historiker selbst herausfinden - wenn er nur will 
bzw.: Wenn es ihm seine Brötchengeber gestatten. Die Freimaurer jedenfalls nehmen 
- glauben sie unter sich zu sein - die französische Revolution ganz offen als eigenes 
Werk in Anspruch. So stellte der Hochgradfreimaurer Felix Portal fest, daß „von der 
Arbeit der Loge die französische Revolution ihren Ausgang“ nahm und der Groß- 
Orient von Frankreich pries in seinen Einladungsschreiben zur Internationalen 
Freimaurertagung, die am 16./17. Juli 1889, also zur 100jährigen Wiederkehr der 
Revolution, in Paris stattfand, „die Freimaurerei, die die Revolution von 1789 
vorbereitete“ und durchführte. 245 

Bereits vorher, am 24. Dezember 1864 hatte die „Deutsche Freimaurerzeitung“ in 
gleichsam entwaffnender Offenheit geschrieben, daß die Französische Revolution 
„nur ein Werk der Freimaurer war, denn alle hervorragenden Männer jener Zeit 
waren Freimaurer“. Dieser Satz ist mit jedem Wort richtig. Es reicht sogar allein 


244 Trophime Gerard Marquis v. L.-T., Mitglied der Nationalversammlung. Für demokratische 
Reformen und den 3. Stand eintretend zog er sich schon bald von der Revolution angewidert 
zurück und ging mit dem Tod bedroht in die Emigration. 

245 Beide Zitate durch Friedrich Hasselbacher, „Entlarvte Freimaurerei“, Band I, Verlag Richard 
Geller, 1934, Archiv-Edition im Verlag für ganzheitliche Forschung und Kultur, Viöl 1992, Seite 
139. Als Quelle für die Auslassung des Grand-Orient führt Hasselbacher die amtliche 
Freimaurerzeitung „Chaine d Union“, 1889, Seite 134 an. Sie findet sich zur gleichen Zeit 
ebenfalls in der im französischen Großorient herausgegebenen „Histoire de la Revolution 
francaise“. 



113 


die prominentesten Eingeweihten von nur zwei Pariser Logen aufzuzählen, um ein 
würdiges „Who is Who“ der französischen Revolution zu erhalten. 

Beginnen wir mit der Loge „Les Neuf Soeurs“ 246 : Hier trafen sich im Schütze der 
Dunkelheit eine ganze Reihe leitender Enzyklopädisten, um sich als geistige 
Wegbereiter der Revolution in die Geschichtsbücher einzutragen. Darunter wären zu 
nennen Jean Lerond d'Alembert, der spätere Girondistenführer Marie Jean Antoine 
Condorcet, der „De l'Esprit“- Verfasser Claude Adrien Helvetius und nicht zuletzt 
Lrancois Marie Arouet, besser bekannt unter seinem Künstlernamen „Voltaire“. 
Neben Intellektuellen bot die „Neuf Soeurs“ aber auch etlichen Männer der Tat ein 
Lorum, auf dem diese brüderlich vereint den Umsturz vorbereiten konnten. Die 
vielleicht bekanntesten unter ihnen waren Jean Sylvain Bailly, 1789 Präsident der 
Nationalversammlung und Bürgermeister von Paris, Jaques Pierre Brissot, genannt de 
Warville, der Jakobinerführer, der 1789 die Schlüssel der kapitulierenden Bastille 
entgegen nahm, 1791-1793 Leiter der auswärtigen Angelegenheiten, George Jaques 
Danton, Jakobinischer Justizminister, Leiter des Revolutionstribunals, das die 
Septembermorde veranlaßte, Benoit Camille Desmoulins, Lührer des Bastillesturms, 
Cordelier, Joseph Ignace Guillotin, Abgeordneter und Erfinder der Guillotine, 
Lrancois Alexandre/Lrederic Duc de LaRochefoucauld, Girondist, Mitglied der 
Nationalversammlung, übersetzte die amerikanische Verfassung ins französische, 
Emmanuel Joseph Sieyes, katholischer Geistlicher, „Denker der Revolution“, Charles 
Maurice Talleyrand-Perigord, Bischof von Autun, 1790 Präsident der 
Nationalversammlung, Außenminister des Direktoriums. 

Kaum weniger illuster besetzt war die Loge „Les Amis Reunis“ 247 , die sich 
bekanntlich als erste Loge Lrankreichs in das System der Illuminaten einbeziehen 
ließ. Hier tummelten sich die Enzyklopädisten Marie Jean Antoine Condorcet, 
Diderot, Montesquieu, Jean Jaques Rousseau und Voltaire. Unter den Politikern 
stechen heraus: Jean Sylvain Bailly, der kommunistische Verleger und 
Dauerverschwörer Lrancois Noel Babeuf alias „Gajus Gracchus“, George Jaques 
Danton, Pierre Samuel Dupont, Nationalökonom, Verleger verschiedener 
Zeitungen, 1786 zum Staatsrat ernannt, wurde während der ersten Jahre der 
französischen Revolution zum Präsidenten der Konstituierenden Versammlung 
ernannt, bekleidete mehrfach hohe Staatsämter, Lührer der Jakobiner, Joseph 
Touche, begann als Girondist, also als Sozialdemokrat, mordete 1792 mit Collot 


246 Nach Friedrich Hasselbacher, „Entlarvte Freimaurerei“, Band III, Archiv-Edition im Verlag 
für ganzheitliche Forschung und Kultur, Viöl 1992, Seite 64ff. Hasselbacher beruft sich bei 
diesen Angaben auf das „Internationale Freimaurer-Lexikon“ der Brüder Lennhoff und Posner. In 
„Entlarvte Freimaurerei“, Band 1, Seite 138, führt Hasselbacher die führenden Mitglieder der 
Neuf Soeurs unter Berufung auf das Buch des Freimaurers Louis Aimable, „Les Neuf Soeurs“ 
auf. Siehe ferner Br. Allan Oslo in „Freimaurer...“, Seite 393ff. 

947 

Nach Friedrich Hasselbacher, a. a. O., Seite 64ff. Verweis wie oben auf Lennhoff und Posner. 
Siehe ferner Br. Wilhelm Ohr in seinem Buch „Der französische Geist und die Freimaurerei“ 
(Verlag K.F.Koehler, Leizig 1916) sowie Felix Franz Egon Lützeier, „Hinter den Kulissen der 
Weltgeschichte“, Band 1, Verlag für ganzheitliche Forschung und Kultur, Struckum 1986, Seite 
517 



114 


d'Herbois tausende unschuldiger Menschen in Lyon, wurde 1793 Jacobiner und 
Kommunist, stimmte 1793 für die Hinrichtung des Königs, stürzte dann Robbespierre 
und brachte ihn auf das Schafott, stürzte selbst, kam wieder zur Zeit des 
Direktoriums, wo er Polizeiminister wurde, Jacques Rene Hebert, Verleger, Führer 
der linksradikalen Parlamentsfraktion, Stellvertretender Generalprokurator der 
Kommune, Alexandre Lameth, 1789 Führer des dritten Standes in der 
Nationalversammlung und der Jakobiner, Jean Paul Marat, Zeitungsverleger, 
Cordelier, dann fanatischer Jakobiner, einer der Haupturheber der Septembermorde, 
„Bluthund von Paris“, Honore Gabriel Victor Riquetti Graf von Mirabeau, 
Maximilien Marie Isidore de Robespierre, Führer der Jakobiner, Emmanuel Joseph 
Sieyes, der Herzog von Orleans und Chartres, Louis Joseph Philippe alias Philippe 
Egalite. 

Dies sind, wie gesagt, lediglich die prominentesten Persönlichkeiten zweier Pariser 
Logen. Wer den einen oder anderen geschichtlichen Namen vermißt, ist gehalten in 
den Logenverzeichnissen der restlichen hundert Verschwörerzirkel nachzuschlagen, 
die die Grande Nation damals mit ihren „humanitären“ Taten beglückten. 

Wenden wir uns nun den Hauptstationen zu, durch die es den „Brüdern des 
Schattens“ gelang, das Ende der französischen Monarchie einzuläuten. Hierzu ist 
ein kurzer Blick in die Vergangenheit empfehlenswert: 


Die Einberufung der Generalstände 

Ludwig XV. starb 1774. Im letzte Jahr seiner Regierung hatte es schon einer 
bedeutenden Polizeimacht bedurft, um das ständig in Aufhetzungskampagnen 
begriffene Paris in Ruhe zu halten; er vermied es, die Hauptstadt zu besuchen. 
Heftige Flugschriften freimaurerischer Herkunft sprachen bereits von einer 
Revolution, ja von einer „Verurteilung“ des Monarchen. 

Der neue König, Ludwig XVI., ein junger, wohlwollender, aber schwacher Mann, 
stellte das Parlament wieder her. Durch Kriege und eine verbrecherische 
Mißwirtschaft (deren Vorsätzlichkeit ob ihrer geballten Linearität immer wieder 
vermutet worden ist) waren die Staatsfinanzen in solche Unordnung geraten, daß 
der Bankrott drohte, wenn nicht die privilegierten Stände Adel und Geistlichkeit 
auf ihre Steuerfreiheit verzichteten. Um diese dazu bewegen, berief der König im 
Januar 1787 eine Versammlung. Aber die Privilegierten waren nicht gewillt, ihre 
Vorrechte zu opfern, und verbargen ihren selbstsüchtigen Widerwillen hinter der 
Opposition des tatsächlich ruinös-unfähigen Finanzministers Colonne. Als dieser 
im April 1787 entlassen wurde brachten die führenden Stände eine neue Ausrede 
ins Spiel: Die seit 1614 nicht mehr zusammengetretenen Generalstände, in welchen 
der Adels, die Geistlichkeit und der Bürgerstand vertreten waren, müßten 
entscheiden. Nun wollten der König und der neue Finanzminister Lomenie de 



115 


Brienne die Steuerreform selbständig durchfuhren, stießen dabei aber auf den 
Widerstand des damals bereits maurerisch beeinflußten Pariser Parlaments, das sich 
trotz halbherzig durchgefiihrter königlicher Druckmittel verweigerte und seinerseits 
im Mai 1788 auf die Generalstände verwies. Angesichts des nicht mehr zu 
verhüllenden Haushaltsmisere wagte der König nun nicht mehr, sich der Berufung 
der Generalstände zu widersetzen und ernannte im August 1788 den liberalen 
Bankier Jacques Necker zum leitenden Minister, um dieselbe auf den 1. Mai 1789 
vorzunehmen. Sie erfolgte mit der Bestimmung, daß der dritte (bürgerliche) Stand 
600, der Adel und die Geistlichkeit je 300 Vertreter wählen sollten. Die Wahlen 
gingen unter allgemeinster Beteiligung, doch in Ruhe vor sich. 

Was damals kaum jemand auch nur im entferntesten ahnte, ist die Tatsache, daß der 
König mit der Einberufung der Generalstände sein eigenes Ende eingeleitet hatte. 
Sicher tat er tat dies völlig unbewußt, denn der Hof und selbst die meisten 
„Parlamentarier“ dachten damals, der Akt diese einzig dem Zweck, einige 
Mißbräuche abzuschaffen und die Staatsfinanzen in Ordnung zu bringen. Indes 
hatten die eigentlichen Strippenzieher im Hintergrund „ihrem Konvent“ eine ganz 
andere, nämlich viel weiter gesteckte Rolle zugedacht. „Das geheime, aber 
wirkliche Ziel der Berufung der Generalstände“, erkennt der zeitgenössische 
Beobachter Boutiller de Saint-Andre („Memoiren eines Vaters für seine Jinder“, 
Seite 26-29) ungeschminkt, „war die Absetzung des herrschenden Regimes in 
Frankreich. Die Adepten allein, die Häupter der Freimaurer, waren in dieses 
Geheimnis eingeweiht.“ 


Die Generalstände erklären sich auf Druck der 
Bürgerlichen zur Nationalversammlung 

Diese Zielvorgabe ließ sich im Vorgehen leitender maurerischer Delegierter klar 
ab lesen. Am 5. Mai 1789 traten die Generalstände in Versailles zusammen. Mitte 
Juni wurde durch das Wahlverhalten in den einzelnen Klassen klar, daß die 
Radikalreformer innerhalb des Bürgertums auf minderprivilegierte und dadurch 
unsichere Kantonisten bei der Geistlichkeit rechnen konnten. Dadurch ermutigt 
forderte der dritte Stand nun umgehend, daß nach Köpfen und nicht nach Ständen 
abgestimmt werde, und da Adel und Geistlichkeit hierauf nicht eingingen, 
konstituierte er sich am 17. Juni auf Antrag Sieyes allein als Nationalversammlung, 
die zur Beratung einer Verfassung berufen sei. Der niedere Klerus beschloß am 19. 
Juni, sich dem dritten Stand anzuschließen. Als der König darauf - durch den 
Adelsstand ermutigt - den Versammlungsort der Stände schloß, begab sich der 
dritte Stand ins sogenannte Ballhaus. Dort schwuren die Delegierten unter der 
Führung des Astronomen Jean-Sylvain Bailly am 20. Juni nicht eher 
auseinanderzugehen, bis sie eine neue Verfassung für Frankreich verabschiedet 
hätten. 



116 


Am 22. war das Ballhaus verschlossen; man begab sich in die Kirche von St. Louis. 
Dorthin, zur selbsternannten „Nationalversammlung“ hatte sich selbst die Mehrheit 
des Klerus begeben. Auch einige freimaurerische Vertreter des Adels stellten sich 
ein. Am 23. versuchte der König noch einmal den Widerstand zu brechen, indem er 
befahl, daß jeder Stand in den ihm bestimmten Saal zurückkehren solle; der 
größere Teil des Adels und des Klerus folgte dieser Aufforderung, andere aber 
blieben unbeweglich sitzen. Zugleich bietet Ludwig XVI. dem dritten Stand, finden 
Fall, daß er auseinandergeht und seinen Widerstand aufgibt, ein 
Reformprogramm an. Graf Mirabeau, dieser geniale Intrigant und ewig 
verschuldete Aristokrat, erfaßte intuitiv die Bedeutung des Augenblicks. Er rief: 
„Wir werden nur der Macht der Bajonette weichen.“ Auf seinen Antrag hin 
beschloß der dritte Stand, bei seiner Haltung zu bleiben. Da er König ihn gewähren 
ließ, traten jetzt immer mehr Geistliche und Adelige der „Nationalversammlung“ 
bei. Tatsächlich wich Ludwig XVI. zwischen dem 23. und 27. Juni ganz 
offensichtlich dem Widerstand der Nationalversammlung. Am 27. Juni erkannte er 
diese schließlich de facto an, indem er den ersten und zweiten Stand aufforderte, 
mit dem dritten gemeinsam zu tagen. Am 9. Juli erklärte sich die 
Nationalversammlung zur verfassunggebenden Körperschaft. 

Bis zu diesem Zeitpunkt ist die „Revolution“ in friedlichen Bahnen verlaufen. 
Nirgendwo war Blut geflossen, und nach der Lage der Dinge hätte auch die 
Konstituante trotz aller Reformen an der Monarchie in Frankreich wenig gerüttelt. 
Sicher schien allein zu diesem Zeitpunkt, daß die Herrlichkeit der Stände dahin 
war. Wie weit die Privilegien des Adels und des höheren Klerus fallen würden, 
stand dahin. Derartige Fragen konnten sich erst entscheiden, wenn sich 
herauskristallisierte, welchen Stellenwert die Nationalversammlung unter dem 
immer noch fortbestehenden Königtum einnehmen sollte. Rein formell war der 
Monarch nämlich noch immer der nahezu unbeschränkte Führer des Reiches und es 
war tatsächlich nicht auszuschließen, daß er diese Position gegenüber den 
Forderungen der Konstituante zu halten imstande war... 


Paris bis zum Bastillesturm 

Vermutlich wäre es Ludwig XVI. auch gelungen, seine starke Position noch lange 
zu halten. Aber der schlecht beratene Monarch begeht einen Fehler: Er richtet sich 
sowohl zu früh als auch zu offen auf die Restaurierung der alten Verhältnisse ein. 
Ständig werden fremde Regimenter, neue Truppen um Versailles 
zusammengezogen. Die Nationalversammlung überreicht dem König darauf eine 
Adresse - der Verfasser ist Mirabeau - und beschwört ihn, die Truppen zu 
entfernen. Der König lehnt ab. Als dann am 12. Juli die Entlassung Neckers und die 
Berufung eines „reaktionären“ Ministeriums ruchbar wird, beginnt der zweite - 
nunmehr gewaltsame - Akt der Revolution. Der „Neuf Soeurs“-Dichter Desmoulins 
wirft die Losung „Zu den Waffen!“ in die Volksmenge... 



117 


Wieder ist es nach dem llluminaten Mirabeau ein Mann der herrschenden 
Schicht , der bei den folgenden Ereignissen in verhängnisvoller Weise seine 
Hände im Spiel hat: der Herzog Philipp von Orleans, durch seine Positionierung im 
Grand Orient nominell erster Freimaurer Frankreichs und - Vetter des Königs. Ihm ist 
jedes Mittel recht. Er ist auch bereit, mit hohen Geldsummen professionelle 
Provokateure und Unruhestifter zu organisieren. Sein Palais ist eine einzige 
Verschwörerzentrale. 249 Hauptsächlich von hier werden die Männer entsandt, 
die die Hauptstadt während der nächsten 48 Stunden in Atem halten werden. 
Als der Augenzeuge Graf Eally-Tolendale (Tollendal), Mitglied der Partei der 
Royalistischen Demokraten, später erstaunt beschreibt, wie es in Paris von 
geheimnisvollen Agitatoren wimmelte, die mit Geld um sich warfen, um die 


948 

“ Die schnellen Erfolge des Freimaurertums in Europa führten dazu, daß bereits im Jahre 1747, den 
Angaben der „Defense Apologetique des Franc-Macons“ gemäß, bereits Kaiser Franz L, Prinz 
Karl von Fothringen, der Bruder des Kaisers, der Preußenkönig Friedrich II, der Prinz von Wales 
und fast alle deutschen Fürsten zu den Freimaurern zählten; Henri Bourbon, Graf von Clairmont, 
war Großmeister des französischen Freimaurertums mit Einverständnis des Königs Fouis XV; 
ebenso waren alle höchsten Würdenträger Frankreichs Freimaurer. Nach den Ausführungen 
derselben „Defense Apologetique de Franc-Macons“ gab es „in ganz Frankreich keine einzige 
bedeutende Stadt, in der nicht die Freimaurer ihren „Tempel“ hatten, und die Bruderschaft sich 
nicht aus den hervorragendsten Feuten, Parlamentsmitgliedern, Richtern, Adligen, Klerus und 
sogar Jesuiten zusammensetzte.“ Auf welche Weise die Fürstlichkeiten und vornehmen 
Persönlichkeiten in das Freimaurertum hineingelockt wurden, erfährt man aus den Bekenntnissen 
des italo-hebräischen Freimaurers Piccolo Tigre. In einem im Jahre 1822 abgefangenen Brief 
dieses höchstgradigen Bruders und Begründers der Carbonariloge von Turin stand geschrieben: 
„Hoch-Venta (Logendachverband) wünscht, daß Ihr unter dem oder jenem Vorwand soviel wie 
möglich Prinzen und reiche Leute in die Freimaurerlogen einführt. Jeder Prinz, der keine 
gesetzliche Aussicht hat, mit Gottes Hilfe einen Thron zu bekommen, ist bestrebt, ihn mit Hilfe 
der Revolution zu erreichen. Einige unter ihnen haben sogar ihren Thron verloren und sind 
verbannt. Ihr müßt ihrer Popularitätssucht schmeicheln und sie für das Freimaurertum 
vorbereiten. Die Hoch- Venta wird in der Folge schon sehen, wozu man sie im Namen des 
Fortschritts verwenden kann. Jeder Fürst ohne Fürstentum ist für uns ein guter Fund; die Loge 
wird ihn zum Carbonarismus führen. Sie sollen als Köder dienen für Dumme, Intriganten, 
abgeschmackte Kleinbürger und alle möglichen Amtspersonen. Sie werden unser Werk vollenden 
und denken, sie handelten im eigenen Interesse. “ 

249 Meyers Konversations-Fexikon, 5. Auflage, 13. Band, Feipzig und Wien 1896, 
Bibliographisches Institut. Seite 244. Bei der Finanzierung der Revolution scheint der Herzog 
von Orleans auch auf ausländische Gelder Zugriff gehabt haben. Bereits seinerzeit wurde 
gemutmaßt, daß die englische Regierung unter dem Freimaurer Pitt einen nicht unbeträchtlichen 
Obolus zum Gelingen der Unternehmung entrichtet habe. Deshalb wurde die Erhebung vielfach 
auch „Fa Revolution de l’Or de Pitt“ genannt - „Die Revolution des Pittschen Goldes“. (Friedrich 
Hasselbacher, „Entlarvte Freimaurerei“, Band I., Verlag Richard Geller, 1934, Archiv-Edition im 
Verlag für ganzheitliche Forschung und Kultur, Viöl 1992, Seite 137f.) Einen Einblick in die 
enormen Tresore der Foge gab zur gleichen Zeit der 1798 gestorbene Abenteurer Casanova, 
welcher über einen Aufenthalt in Amsterdam schrieb: ,Einige kurze Anspielungen in den 
Memoiren Casanovas geben eine Idee von dieser freimaurerischen Internationale. Casanova ist in 
Amsterdam. „Herr d'O. lud mich zum Souper in die Loge der Bourgmestres ein, eine 
besondere Gunst, denn gegen alle Regeln der Freimaurerei ließ man dort sonst niemals mehr 
als vierundzwanzig Mitglieder zu, aus denen sie sich zusammensetzt, und diese vierundzwanzig 
Freimaurer waren die reichsten Millionäre der Börse... Herr d'O. sagte mir, daß ich mit einer 
Gesellschaft gespeist hätte, die über ein Kapital von 300 Millionen verfüge. “ (Casanova, 
Memoires, Ed. Fivre de poche, Bd. 3, Seite 656). Der jüdische Historiker Graetz wiederum führt 
die Verzeichnisse von großen Summen an, die von Juden zugunsten der Revolution gezeichnet 
wurden. (Graetz, „Geschichte der Juden“, Bd. V., Seite 178f.) 



118 


Massen zur Meuterei aufzustacheln, so meint er dieselben Gestalten. Viele von 
ihnen scheinen von langer Hand an den Ort des Geschehens verbracht worden zu 
sein. Denn schon „seit Anfang Mai“ fällt dem Historiker Taine (, ,Die Revolution“, 
Band I) auf, „daß das allgemeine Gesicht der Pariser Menge sich verändert hat; zu 
ihr sind eine große Zahl Ausländer aus aller Herren Ländern gestoßen, in Lumpen, 
mit dicken Keulen in den Fäusten; schon das äußere Aussehen ließ erkennen, was 
von ihnen zu erwarten war.“ 

Ihre Stunde ist jetzt gekommen. Und so flammen die ersten Kämpfe auf. 
Zollhäuser werden in Brand gesteckt, Waffengeschäfte geplündert; am 
Vendomeplatz werden berittene Soldaten von einer tobenden Menge 
zurückgeschlagen. Die Stadt, wo verschlagene Drahtzieher gerade die 
Versorgungslage auf den Kopf stellen, beginnt dem Chaos entgegenzutreiben. Am 
13. Juli ist in Paris von der unumschränkten Macht des französischen Königs nicht 
mehr viel zu merken. Überall sind Plünderungen im Gange; Magazine, Geschäfte, 
Kaufläden werden von regelrechten Räuberbanden überfallen und ausgeplündert; 
die von der Loge durch und durch unterwanderten Truppe ist zurückgezogen 
worden, weil kein Verlaß auf sie ist 250 - anstelle dessen bilden die Aufständischen 
eine „Nationalgarde“. 

Die Männer des Terrors wittern Morgenluft. Im Invalidenhotel erbeutet die 
plündernde Volksmenge 20 Kanonen und 28.000 Gewehre. Plötzlich genügt es den 
Putschisten nicht mehr zu plündern. Der 14. Juli bringt den ersten entschlossenen 
Angriff, an ihm stürmen die „Revolutionäre“ die Bastille, dieses im Osten der Stadt 
befindliche Staatsgefängnis, das die revolutionären Propaganda zuvor mit dem 
schlechtesten Ruf als grausige Folterkammer ausgestattet hat. Nichts davon ist wahr, 
dort befinden sich nur einige wenige harmlose Gefangene, und es geht ihnen 
keineswegs unerträglich schlecht. Mit den erbeuteten Waffen aus dem Invalidenhotel 
wird der Sturm auf die Bastille eröffnet. 

Der Okkultist Dr. Encausse, in der okkulten Welt als Papus bekannt, schrieb in 
seiner Abhandlung „Traite elementaire d'occultisme“ über die tieferen 
Hintergründe dieses historischen Ereignisses: „Es gibt naive Menschen, die ein 
Geschichtsbuch aufschlagen und darin das schöne Bild eines heftig 
gestikulierenden Mannes finden, der 'A la Bastille! 4 schreit. Sie stellen sich vor, 
daß der Sturm auf die Bastille ganz einfach infolge der Volkswut geschah, die der 
Volkstribun mit seiner Heldentat hervorrief. Ich bedaure ihnen sagen zu müssen, 


250 

Praktisch die ganze Armee war zu diesem Zeitpunkt bereits von freimaurerischen Elementen 
durchsetzt. Das „Internationale Freimaurer-Lexikon“ erzählt nach Friedrich Hasselbacher, 
„Entlarvte Freimaurerei“/Band III, Verlag Paul Hochmuth, Berlin 1941, darüber: „Eine große 
Rolle spielten Militärlogen in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Frankreich; sie 
existierten bei fast allen Regimentern. In der Hauptsache bestanden sie zunächst aus Offizieren, so 
daß sich um 1785 auch Unteroffizierslogen zu bilden begannen... Die Logenliste des Grand Orient 
de France von 1789 verzeichnete 69 Militärlogen... Der freimaurerische Schriftsteller Gaston 
Martin hat in den Listen von 43 dieser Logen, die heute noch existieren, feststellen können, daß 
von 1.385 Brüdern 1.032 Offiziere waren.“ (Gaston Martin, „Manuel d’histoire de la Franc- 
Maconnerie Francaise“, Les Presses Universitaires de France, Paris 1934) 



119 


daß sie sich sehr täuschen, und daß es bis zu dem Schrei Camille Desmoulins' 42 
Jahre gebraucht hat. Um auf die Bastille losgehen zu können, mußte man vorher 
alle Offiziere, die an diesem Tage in Versailles Wache halten sollten, zum Eintritt in 
den Freimaurerorden bewegen. Man mußte sich der - geheimen oder 
eingestandenen - Komplizenschaft der ersten Diener des Königs versichern. Man 
mußte das Volk von Paris mit Waffen versehen; zu diesem Zweck wurden die 
Kanonen für die Einnahme der Bastille 14 Tage vorher durch vertrauenswürdige 
Männer zu den 'Invaliden' transportiert. Schließlich mußte man eine Revolte 
anstiften und die Pariser zum Angriff auf die Staatsfestung bringen.“ 251 

Als der König sich am 15. Juli selbst nach Paris begibt wird dort gerade zwischen 
den Barrikaden der Präsident der Nationalversammlung, Bruder Bailly, zum 
Bürgermeister und Bruder Lafayette 2 ^ 2 zum Befehlshaber der Nationalgarden 
ernannt. Dem Monarchen bleibt nur noch die traurige Rolle eines 
Testamentsvollstreckers in eigener Sache. Er entläßt die als „Reaktionäre“ 
verschrieenen Minister, ruft Necker zurück und erklärt sich vor der 
Nationalversammlung bereit, die Truppen um Paris entfernen zu lassen. Einen 
stilvollen Abschluß fand die französische Revolution als der nurmehr geduldete 
Regent am 17. Juli abermals in der logeneigenen Konstituante 2 ^ 3 erschien, um aus 
der Hand des Freimaurers Bailly die Trikolore entgegenzunehmen. Der 
Fahnenwechsel sollte jedermann deutlich machen, daß in Frankreich ein neues 
Zeitalter begonnen hatte. Dieses war für jeden Eingeweihten in den Farben Blau, 
Weiß und Rot symbolisiert, die für die freimaurerischen Forderungen nach 
„Freiheit“, „Gleichheit“ und Brüderlichkeit“ stehen. 


Die Provinz zieht nach 

Der erfolgreiche Sturm auf die Bastille war in der Tat kein Heldenstück, darüber 
hinaus noch befleckt durch die Massakrierung des hilflosen greisen 
Kommandanten und anderer - nichtsdestoweniger setzte der Fall und die 
Zerstörung dieser Festung des Feudalismus ein Zeichen. Es war eine Art 
Startsignal. Denn jetzt brechen im ganzen Fand bis in die entferntesten Regionen 
hinein Revolten gegen die in Paris nur noch pro forma im Amt befindliche 
Obrigkeit aus. 

Fast alle zeitgenössischen Historiker und Schriftsteller geben ihrem Erstaunen 
Ausdruck über die die „unerklärliche Einheitlichkeit“, mit der sich die 
verschiedenen französischen Städte und Provinzen wie „auf ein geheimes Zeichen 


251 

Jacques Pioncard d’Assac, Das Geheimnis der Freimaurer, Priesterbruderschaft St. Pius X., 
Stuttgart 1990, Seite 47 

252 

Marie Joseph Marquis de Lafayette, der Kommandant der Bürgergarde und der Nationalgarde 
war nach Hasselbacher, Band III, Seite 68, Mitglied der Loge „Contract Social“. 

253 

Nach Friedrich Hasselbacher, „Entlarvte Freimaurerei“ (Band I., Verlag Richard Geller, 1934, 
Archiv-Edition im Verlag für ganzheitliche Forschung und Kultur, Viöl 1992, Seite 137f.) waren 
von den 605 Mitgliedern der Nationalversammlung 477 Freimaurer. Das ist ein Anteil von 79% 



120 


hin“ gegen die Staatsgewalt erhoben. Wirklich erstaunt aber können nur jene 
Beobachter sein, die nichts von der Rolle der Freimaurerei ahnen. Der 
Eingeweihte hingegen weiß, daß das revolutionäre Logenwesen wie ein Krake 
mittlerweile das ganze Land überzogen und alle wichtigen Staatspositionen 
durchsetzt hat. Nur angesichts der geballten Einheitlichkeit der unterirdischen 
Aktion ist verständlich, wie die tausendjährige Monarchie der Grande Nation ohne 
spürbare Gegenwehr in sich zusammen bricht, der Verwaltungsapparat zu 
funktionieren aufhört. 

„Wir müssen bemerken“, verweist vor diesem Hintergrund der maurerische 
Schriftleiter Jouaust auf ein wichtiges Beispiel, „daß die bis dahin unerklärliche 
Einigkeit, mit der die Städte der Bretagne sich in demselben Augenblick und mit 
demselben Ziel erhoben, sich erklären läßt durch die ununterbrochene Verbindung 

254 

der Freimaurerlogen unter sich, die in dieser Provinz so zahlreich waren.“ 

„Diese ungewöhnliche Bewegung“, fährt der Zeitgenosse Boutiller de Saint Andre 
fort, „diese unerwartete Erschütterung wurde im voraus gewissenhaft und geheim 
vorbereitet und ebenso geheim im voraus den Freimaurern jeder Provinz 
mitgeteilt... Der Ausbruch erfolgte am 22. Juli 1789... Ich werde in meinem ganzen 
Leben diesen schicksalsschweren Tag nicht vergessen, als alle Franzosen sich 
gleichzeitig erhoben und bewaffneten, gehorsam der revolutionären Hetze, um als 
Werkzeug einer von langer Hand ausgearbeiteten aufrührerischen Verschwörung zu 
dienen.“ 255 

„Das ist“, resümiert daher Taine ganz richtig, „keine teilweise, abgetrennte 
Empörung; hier besteht überall eine Verbindung, und alles wird gleichmäßig 
geleitet; ein und dieselben Irrtümer werden in alle Köpfe hineingepaukt ... man 
belehrt die Leute darüber, daß der König angeblich selbst die allgemeine Gleichheit 
wünscht und keine Höflinge: Bischöfe, Ränge, Zehnte, Vorrechte usw. will... und 
die verdummten Menschen denken, daß sie das Recht haben, so zu handeln, weil 
das der Wille des Königs sein soll.“ 256 

Die letzten Worte Taines sind besonders hervorzuheben, denn sie weisen auf den 
recht eigentümlichen Umstand hin, daß es gerade in der Provinz einen 
„antimonarchistischen Aufstand von unten“ gar nicht gab. Weil die Verschwörer im 
Hintergrund wußten, daß ihre weitgreifenden Pläne keine Breitenwirkung finden 
konnten, bedienten sie sich der List, der Bestechung, der Lüge. 

Ein Deputierter des Adels, der auf die Seite des dritten Standes übergegangen war, 
der Graf Lally-Tolendale, bezeugt: „Schon längst war Paris voll von 
geheimnisvollen Agitatoren, die mit Geld nach rechts und links um sich warfen. 
Irgendwoher kam die Nachricht, daß die Pariser Unruhen nicht nur in den 


„Le Monde Maconnique“, 1859, Seite 479 

255 

Boutiller de Saint-Andre, „Memoiren eines Vaters für seine Kinder“, Seite 26-29 

256 Taine, „Die Revolution“, Band I., Seite 23f. 



121 


umliegenden Städten Widerhall gefunden hatten, sondern auch in den entfernten 
Provinzen... Die Agenten, zweifellos von einer Zentralstelle ausgesandt, 
schwärmten auf den Straßen, in den Städten und Dörfern umher, hielten sich 
nirgends lange auf, läuteten Sturm, sprachen einmal vom Einfall fremder Truppen, 
einmal vom Auftauchen von Räuberbanden und riefen alles zu den Waffen. Es 
wurde Geld verteilt: Diese Agitatoren hinterließen furchtbare Spuren: man begann 
das Brot zu stehlen, steckte Häuser an und erschlug die Besitzer.“ 257 

Ein anderer Augenzeuge schreibt: „Ich sah, wie irgendwelche Leute an uns 
vorbeiritten und schrien, daß die Husaren (königliche) das Getreide verbrennten 
und plünderten, daß dieses Dorf brenne und jenes in Blut schwimme. In 
Wirklichkeit war nichts dergleichen passiert, doch das Volk wurde aus Angst und 
Entsetzen kopflos, und das war es ja, was man brauchte.“ 258 „Im Elsaß“, weist eine 
weitere Quelle aus, „wurde ein königliches Dekret vorgelegt, in dem geschrieben 
stand, daß jeder selbständig Gericht halten und bestrafen darf; im Sundgau gibt sich 
ein Weber, angetan mit einem blauen Band, für einen Prinzen aus, den zweiten 
Sohn des Königs; dasselbe geschieht in der Dauphinee.“ 259 In Burgund wurde 
gleichsam als unbedingter Befehl folgendes gedruckt und angeschlagen: „Auf 
Befehl des Königs ist es vom 1. August bis zum 1. November erlaubt, alle 
Schlösser anzuzünden und jeden aufzuhängen, der irgend etwas dagegen sagt.“ In 
Brignomme plünderte man die Kasse des Steuereinnehmers mit den Rufen: „Es 
lebe der König!“ 260 Am 28. Juli verbreitete sich der Terror über den ganzen Bezirk 
(Saint Angele-Limousaine); mittags, am 29. wurde von allen Kirchen Sturm 
geläutet und zu den Waffen gerufen; es wurden die Trommeln geschlagen; die 
Männer versammelten sich zur Verteidigung ihrer Wohnsitze, die Frauen beeilten 
sich, ihre Sachen zu verbergen, und flohen mit den Kindern in die Wälder.“ „In 
Limoges entfachten sechs Mann, als Kapuziner verkleidet, eine ebensolche 
Panik.“ 261 

Man kann den Grund für all diesen brüderlichen Mummenschanz gar nicht 
vehement genug heraus streichen: „Ein Aufruf zum Aufstand gegen den König“, so 
Xavier Rou, „hätte gar keinen Erfolg gehabt; es wäre nicht einmal gelungen, das 
Volk gegen die königliche Regierung aufzuhetzen, so unpopulär sie auch sein 
mochte... Die Führer erreichten ihre Absicht durch Betrug. Sie erdachten und 
führten einen ungemein verwegenen Plan aus, der in folgendem bestand: Erhebung 
des Volkes im Namen des Königs gegen die besitzende Klasse; wenn die Besitzer 
vernichtet sein werden, wollte man über den geschwächten Thron herfallen und ihn 
vernichten.“ 262 


257 „Mittels der Freimaurer“, weist ein weiterer Zeitgenosse auf die Initiatoren im Hintergrund, 
„verbreiteten sich im Juli 1789 an ein und demselben Tag zu ein und derselben Stunde über das 
ganze Reich Gerüchte von angeblichen Räuberbanden.“ (Sourdat, „Die wahren Urheber der 
Revolution“, 1897, Seite 452) 

258 Mannontel, „Erinnerungen“, II, Seite 383 

259 Guerier, „Die französische Revolution von 1789-1795“, Seite95f. 

260 Guerier, „Die französische Revolution von 1789-1795“, Seite 75 

261 Xavier Rou, „Memoiren“, Seite III, IV 

262 Xavier Rou, „Memoiren“, Seite III, IV 



122 


Um vollkommen das tatsächliche Verhältnis der Revolutionäre zur Masse der 
Franzosen aufzuklären, sollen abschließend die nach den Ausführungen des 
Freimaurerschriftstellers Marmontel authentischen Worte des Freimaurer¬ 
revolutionärs Mirabeau angeführt sein. Mußte dieser doch seinen Mitstreitern mehr 
als nur einmal die Angst nehmen, der von den Illuminaten so oft beschworene 
Volkswille könnte ihre hochverräterischen Plänen am Ende zunichte machen. 

„Brauchen wir denn überhaupt“, sagte Bruder Mirabeau wörtlich, „die Ablehnung 
eines großen Teils der Bevölkerung zu befürchten, die unsere wahren Ziele gar 
nicht kennt und gar nicht geneigt ist, uns zu Hilfe zu kommen? Die meisten 
Einwohner und Stubenhocker werden hinter ihrem Ofen, in ihren Zimmern, in ihren 
Geschäften und Werkstätten sitzen und werden vielleicht unsere Pläne etwas zu 
kühn finden, weil sie ihre Ruhe und ihre Interessen stören könnten. Doch selbst, 
wenn sie uns auch tadeln werden, so werden sie das ängstlich tun, ohne Lärm tun.“ 
„Kann denn außerdem eine Nation selbst wissen, was sie wünscht? Man wird ihr 
den Wunsch aufzwingen und wird sie veranlassen, das auszusprechen, woran sie 
nicht einmal gedacht hat. Die Nation - ist eine große Herde, die nur am Weiden 
Interesse hat; die Hirten führen sie mit Hilfe treuer Hunde dorthin, wohin sie 
wollen.“ 263 

Das gelang mit Bravour, denn zwei Wochen später war Frankreich Republik. 


Warum schweigt die Loge zu ihrem Erfolg? 

Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß die Freimaurerei jener zentrale 
Machtfaktor war, der hinter der erfolgreichen Auslösung der Französischen 
Revolution stand. Warum - wird sich der Leser jetzt fragen - warum bekennt sich 
die Loge dann nicht zu dieser Leistung? Hat sie denn keinen Grund, wahrhaft stolz 
zu sein, der Menschheit die Vorzüge wahrer Demokratie gebracht zu haben? 

Die Antwort lautet ja und nein zugleich. Einen wirklich demokratischen Charakter 
hat die französische Revolution nämlich nur am Anfang getragen. Wie bei vielen 
noch folgenden „Volksumstürzen“ wurde die freiheitlich-liberale Komponente 
hingegen sehr bald von einer sozial-kollektivistischen erstickt. 264 Anstatt die 
Gesetze zu lockern und das Individuum in ein Mehr an Freiheit zu entlassen fanden 
die neuen Machthaber immer neue Regeln. Sie sollten am Beginn dem Einzelnen, 
in der zweiten Phase der sogenannten „Gemeinschaft“ und am Ende nur noch der 
Staat gewordenen„Idee“ dienen, die sich in den Augen kritischer Geister vor ihren 
eigenen „Bürgern“ schützen mußte. Die Freimaurerei sah und sieht dies indes 
anders. Sie wertet diese Reformation absolutistischer Strukturen, als deren schärfste 


“ A. Seljaninow, „Die geheime Macht des Freimaurertums“, Seite 63 

264 Eine angenehme Ausnahme bildete die amerikanische Revolution, die das Individuum und 
seine Rechte bis heute in den Mittelpunkt des staatlichen Interesses stellt. 



123 


Ausformung bereits damals der Kommunismus an der Erdoberfläche auftauchte, 
bis heute als fleischgewordenen Erfolg. Verständlich, denn Loge und jüdischer 
Geheimvatikan verfolgen beide als Endziel den materialistisch-zentralisierten 
Weltstaat, der seine ebenso gleichgeschalteten wie künstlich egalisierten Bürger 
von der Wiege bis zur Bahre „betreut“ und „femsteuert“. 

Daß in einem solchen Staatswesen aber für die Opposition kein Platz ist, das zeigte 
eben der Gang der französischen Revolution, bei der auf die Verkündung der 
Menschenrechte die Aufrichtung der Guillotine folgte. Man hat hier deutlich das 
Bild einer maßlos gescheiterten Gesellschaft vor Augen. Trotzdem hält die 
Maurerei - getrieben von den Forderungen des Geheimvatikans - dogmatisch an 
ihrem Zukunftsstaat fest. Und es ist dieses Mißverhältnis, das es den „Brüdern“ 
schwer macht, zu ihren historischen und intellektuellen Verfehlungen zu stehen. 


Der Hintergrund des Jakobinertums 

Auffallend ist, daß die radikal-jakobinischen Elemente der französischen Revolution, 
darunter die Begründer des Systeme de la terreur nahezu alle Mitglied der Amis 
Reunis waren, die sich - wir erinnern uns - im Zuge der Mirabeau-Mission als erste 
Loge Frankreichs den llluminaten untergeordnet hatte. Aus diesem Umfeld stammten 
praktisch alle Persönlichkeiten, die in der Zeit des Konvents (1792-1794) als leitende 
Figuren des radikalen Jakobinerklubs die revolutionäre „Schreckensherrschaft“ 
ausübten. Nach dem Vorbild des altertumsbesessenen „Spartacus“ Weishaupt 
benutzten auch seine jakobinischen Jünger als wahre llluminaten Pseudonyme. 
Chaumette nannte sich „Anaxagoras“, Clootz betitelte sich „Anarcharsis“, Danton 
wählte „Horaz“, Lacroix „Publicola“ und Ronsin „Scaevola“. 

Der maurerische Hintergrund der Jakobiner kann kaum bestritten werden. Selbst 
das Logenblatt „Acacia“ schrieb einmal in einer Stunde der Ehrlichkeit: „Es waren 
freimaurerische Mitglieder der Nationalversammlung, welche zuerst den 
Bretonischen Klub, dann die Gesellschaft der Freunde der Konstitution und später 
den Jakobinerklub gründeten. Sie taten es nach dem Muster der Freimaurerei, und 
während der ganzen Zeit ihres Bestehens hielt die berühmte Gesellschaft, die sich 
durch ihre Filialen über ganz Frankreich ausbreitete, öffentliche und geheime 
Sitzungen ab. Zu diesen letzteren wurden nur solche zugelassen, die das Licht 
erhalten hatten.“ 265 Tatsächlich waren die fanatischen Jakobinerklubs nach einem 
Bericht, der am 13. April 1883 der Loge von Nantes vorgelegt wurde - nichts 
anderes als Freimaurerlogen, die man in aktive politische Klubs umgewandelt hatte, 


256 Acacia, Mai 1908, Nr. 65, S. 334, 336. Das Licht erhalten haben, bedeutet in der 
Logendiktion, die freimaurerischen Weihen erhalten zu haben. 



124 


was allein schon daran ersichtlich ist, daß diese Klubs die Titel von Logen 
beibehielten. 266 


Die Entmachtung des Königs 

Bevor das Jakobinertum jedoch schließlich nach Gutdünken schalten und walten 
konnte, hatte die Partei der linksgemäßigten Republikaner das Gesicht der 
französischen Revolution bestimmt. Im März 1792 drängte diese als „Girondisten“ 
bekannte Partei dank ihrem parlamentarischen Übergewicht dem König das 
Ministerium Roland auf, setzte im April die Kriegserklärung an Österreich und 
Preußen durch und revolutionierte das Land durch eine Reihe scharfer Dekrete. Sie 
vornehmlich waren es, welche die Verbannung aller eidverweigernden Priester 
sowie die Bildung eines Lagers von 20.000 Mann Milizen aus allen Departements in 
der Nähe von Paris beantragten. Daß der König die Bestätigung dieser 
Beschlüsse verweigerte und das girondistische Kabinett entließ, hatte den Aufstand 
vom 20. Juni 1792 zur Folge. Obwohl ein Teil der Girondisten denselben heimlich 
gefördert hatte, sahen ihre Führer doch endlich ein, daß durch fortgesetzte 
Aufreizung der unteren Schichten des Volkes nicht nur eine gesetzliche Ordnung, 
sondern auch ihr eigener Einfluß gefährdet sei. Schon waren sie mit dem Hof in 
Unterhandlungen getreten und hatten dem König unter der Bedingung, daß er 
fernerhin nach ihrem Belieben regieren würde, ihre Unterstützung in Aussicht 
gestellt, als ein blutiger Aufstand der königlichen Gewalt ein Ende machte. 

Am 10. August 1792 stürmten unter geheimer Begünstigung des Pariser 
Bürgermeisters zahllose gekaufte Pöbelhaufen gegen die Tuilerien. Die 
Nationalgarden verweigerten die Verteidigung, die brave Schweizergarde wurde 
von den Berufsagitateuren größtenteils niedergemetzelt. Der König und seine 
Familie sahen keinen anderen Weg, als die Flucht zu ergreifen. Er begab sich in die 
Nationalversammlung, welche den Monarchen zum Dank suspendierte und ihn im 
Temple gefangensetzen ließ. Die ganze Aktion war von Anfang bis zum Ende von 
freimaurerischen Jakobinern und „Cordeliers“ 267 organisiert worden. Doch ging 
den Radikalen dieser Putsch noch nicht weit genug. Br. Marat, Br. Danton und 
andere Heißsporne verlangten nach einer „zweiten Revolution“, die mit Blut 
geschrieben werden sollte. 


Der Beginn des „Terreurs“ 

Am 2. September 1792 drangen Revolutionäre in die Gefängnisse von Paris ein 
und schlachteten drei Tage lang - bis zum 6. September - wahllos dort inhaftierte 


266 

~ Adler, Manfred, Die Antichristliche Revolution der Freimaurerei, Miriam Verlag, Jestetten 
1989, 4. Auflage, Seite 43f. 

“ Ein 1790 in Paris gegründeter Klub, in dem sich die Linke um Marat, Danton, Chaumette, 
Hebert und Roux sammelte. 



125 


„Konterrevolutionäre und Verdächtige“. Etwa 2.000 Menschen, darunter mehr als 
200 Priester und drei Bischöfe, blieben nach dem Abzug der Mörder tot in ihren 
Zellen zurück. Es war dies die erste größere Terrorwelle der Revolution, die die Zeit 
der sogenannten „Schreckensherrschaft“ einläutete, welche bis zum Oktober 1795 
dauerte. Unter dem Druck der Verfolgung verließen etwa 30.000 - 40.000 Priester 
das Land. 

Dieser Blutrausch hatte gezeigt, daß es in Frankreich zwei Regierungen gab: Die 
offizielle, welche von den Girondisten gestellt wurde, und die einen großen Teil des 
Volkes hinter sich wußte und die inoffizielle der Jakobiner, die sich auf den 
bewaffneten Pariser Untergrund stützte. Die Girondisten verurteilten die 
Ausschreitungen heftig. Wohl nicht zuletzt aus diesem Grund erhielten sie bei den 
Wahlen zu dem am 21. September 1792 zusammengetretenen Nationalkonvent noch 
einmal einen Stimmenzuwachs. 

Der Konvent (1792-1795) eröffnete seine Tätigkeit am 22. September 1792 mit der 
endgültigen Abschaffung des Königtums und der Verkündung der Republik. Damit 
hatte auch die Gironde eines ihrer vordringlichen Ziele erreicht und wenn es nach ihr 
gegangen wäre, so wäre die Revolution gestoppt und in ein pragmatischeres 
Fahrwasser übergeleitet worden. Nach den politischen Machtverhältnissen stand 
diesem Weg im Grunde nichts entgegen. Dennoch blieb die Lage gespannt, trotzdem 
sollten sich die Ereignisse weiter überschlagen, weil die gemäßigten Machthaber 
geradezu sträflich ihre staatliche Aufsichtspflicht über den Radikalismus ad acta 
legten. Wie vermeintlich „monarchistische“ (letztlich wohl aber freimaurerische) 
Kräfte am Vorabend der „demokratischen Revolution“ dieselbe tatkräftig gefordert 
hatten, so unterließen es die damaligen Profiteure jetzt, die linksradikalen Elemente 
um den kleinen Jakobinerklub an der Machtübernahme zu hindern. 

Die Zuordnung des Jakobinerklubs in das linke Parteienspektrum ist keinesfalls 
eine willkürliche. Sie entspricht sowohl dessen inhaltlicher Ausrichtung als auch 
äußerlichen Übereinstimmungen. So war der revolutionäre Pariser Gemeinderat 
auch unter dem Namen „Commune“ bekannt, eine Begrifflichkeit, die ca. 50 Jahre 
später in das Schlagwort „Kommunismus“ mündete. Marx und Co. waren also nie 
wirklich originär, sie griffen bloß jakobinische - also illuminatische - Ideen auf, 
denen sie einen „wissenschaftlichen“ Überbau verpaßten. Dabei war 1792 sogar 
schon die rote Fahne als Erkennungszeichen revolutionärer Gesinnung im Umlauf 
gewesen. 

Was noch mehr erstaunt: Alle Ereignisse der französischen „Befreiung“ liefen 
derart parallel zu den Vorkommnissen der russischen Oktoberrevolution, daß von 
Zufall kaum gesprochen werden kann. Der radikale Freimaurer Lenin, der durch 


268 

Vielleicht fußt diese Duplizität auf einem kabbalistischen Hintergrund. Die freimaurerische 
Erhebung in Frankreich datiert auf das (christliche) Jahr 1- 7-8-9. Das kaum weniger okkult 
geleitete Unternehmen in Rußland fand im (jüdischen) Jahre 5-Ö-7-8 statt. Die gleichermaßen 



126 


das höchstwahrscheinlich völlig freiwillige „Versagen“ seines girondistisch- 
sozialdemokratischen „Bruders“ Kerensky zur Machtergreifung geführt wurde 
empfand diese Synchronizität ebenso 269 wie die ihn begleitenden Bolschewiki. 
Alles schien sich zu überlappen, bis hin zur Ermordung der monarchischen 
Familien... 

Anders als ihre russischen Nachfolger empfanden es ihre Vorgänger allerdings 
noch für nötig, über das Schicksal des Königs eine Abstimmung abzuhalten. 
Schenkt man der brüderlichen Geschichtsschreibung Glauben, dann wurde der sich 
mit Würde verteidigende Ludwig XVI. am 17. Januar 1793 im freimaurerischen 
Konvent wegen Verschwörung gegen die Sicherheit der Nation mit exakt 361: 360 
Stimmen zum Tode verurteilt. Die vier Tage später unter kriegsrechtsähnlichen 
Sicherheitsvorkehrungen 270 durchgeführte Enthauptung ertrug er standhaft. Als 
Scharfrichter fungierte bezeichnenderweise ein Jude mit dem Namen Samson. 
Jeder Bibelkundige wird wissen, daß Samson (Simson) der Name eines israelischen 
Nationalhelden ist, der im Alten Testament als einer der sogenannten Richter 
Israels auftritt. 

Papst Pius VI., den die Elinrichtung Ludwigs XVI. tief erschüttert hatte, spielte 
vielleicht gerade auf diesen Zusammenhang an, als er im Juni 1793 im Zuge einer 
Rede klagte: „Noch einmal, o Frankreich, das du, wie du sagst, einen katholischen 
König haben mußtest, weil es so das Grundgesetz des Königreiches verlangt: Du 
hast diesen katholischen Monarchen gehabt, und nur deshalb, weil er katholisch 
war, hast du ihn gemordet. “ 271 


Die Vertreibung der Girondisten 

Die Girondisten hatten größtenteils für den Tod des Königs gestimmt. Viele fällten 
ihr Urteil dabei aber nicht aus ehrlicher Überzeugung. Es war vor allem der Druck 
des wieder einmal von radikaler Seite in Gang gesetzten Pariser Pöbels, dem man 
glaubte Rechnung tragen zu müssen. Doch zog die Regierungspartei aus der 
mißlichen Lage des ständigen Getriebenwerdens keinerlei Konsequenzen. Trotz 


ansteigenden Datenketten dürfte kaum einen chassidischer Zahlenmystiker dieser Epochen kalt 
gelassen haben. 

96Q 

Zu Lenins Bewunderung der Jakobiner siehe: Oelsner, Konrad Engelbert, Luzifer - oder 
Gereinigte Beiträge zur Geschichte der Französischen Revolution, Fischer Taschenbuch Verlag, 
Leipzig 1987, Seite 297 

270 

„Mit solchen Mitteln“, zitiert der Historiker Lenotre das Mitglied der ’lnsurrektionellen 
Kommission' Höre, „erreichte man die am 21. Januar erfolgte Hinrichtung des Königs, unter dem 
Schutz einer bis zu dem Tage noch nie gesehenen Zusammenziehung von Truppen -, in einer 
Stadt, in der von den 80. 000 ständigen Bewohnern sich kaum 2.000 gefunden hätten, die den 
Tod des Monarchen wünschten, in der es dagegen aber auch Menschen gab, die seit mehr als 30 
Jahren in den Logen die symbolische Hinrichtung Philipps des Schönen an einer Puppe 
vollzogen.“ (A. Schmakow, „Freiheit und Juden“, Seite 166) 

271 Jacques Pioncard d’Assac, Das Geheimnis der Freimaurer, Priesterbruderschaft St. Pius X., 
Stuttgart 1990, Seite 163 




127 


eindeutiger Majorität wagte sie nicht, die ständig im Dunkeln agitierenden 
Jakobiner mit einer klaren Politik ein für allemal in die Schranken zu weisen. 

Im Gegenteil: Die Girondisten ließen sich auch weiter das Heft des Handelns aus 
der Hand nehmen. Sie schauten weiter zu, wie die Radikalen Machtposition auf 
Machtposition anhäuften. Ja, sie halfen diesen sogar dabei. Am 11. März 1793 
wurde auf Robespierres Antrag in Paris unter dem Namen „Revolutionstribunal“ 
ein außerordentlicher Gerichtshof zur Erforschung und Aburteilung aller politischer 
Gegner eingerichtet. Dieser Vorgänger des Freislerschen Volksgerichtshofes fand - 
zumindest rein äußerlich - die Billigung der sogenannten Gemäßigten. Als wenige 
Tage später die für Befürworter des Ackergesetzes (d. h. für Leute, die die 
Einkommens Strukturen auf dem Lande verändern wollten) und des Königtums die 
Todesstrafe festgelegt wurde, geschah dies mit Zustimmung der Girondisten. 

Erst als am 6. April aus der Mitte des Konvents unter dem Namen 
„Wohlfahrtsausschuß“ um Robespierre und Danton eine revolutionäre Regierung 
eingerichtet wurde, schien bei einigen der Groschen zu fallen. Jetzt, erst jetzt, wurde 
erster Widerstand spürbar. Um die Macht der ihnen völlig entglittenen Pariser Straße 
zu brechen, dachten einige Girondisten nun halblaut über die Gründung einer 
Föderativrepublik nach. Aber schon das Gerücht davon reizte die hellwachen 
Jakobiner auf, so daß auf deren Betrieb die Kommune am 15. April 1793 die 
Ausschließung von 22 Girondisten beantragte. Als Robespierre auch noch den 
girondistischen Versuch ab wehren mußte, seinen ständig intrigierenden Bluthund 
Marat juristisch kaltzustellen 272 , hatte die Stunde der „zweiten“ Revolution endgültig 
geschlagen. 

Dabei ging der Putsch eindeutig vom Pariser Gemeinderat aus. Es waren Männer aus 
seinen Reihen, die am 29./30. Mai im Pariser Bischofspalais ein revolutionäres 
Zentralkomitee zur Leitung des Aufstandes einrichteten. Es war die Kommune, die 
am 31. Mai den ihr ergebenen Schwerverbrecher Henriot zum interimistischen 
Befehlshaber der hauptstädtischen Nationalgarde bestellte. Und es war ebenfalls die 
Kommune, die Henriot mit dem Auftrag versah, im Konvent für „Ordnung und klare 
Verhältnisse“ zu sorgen. Henriot begab sich noch am Tag seiner Ernennung zu der 
Tagungsstätte des Konvents und verlangte die Auslieferung von 32 Girondeführem. 
Um seiner Forderung Nachdruck zu verleihen, hatte er die Tuilerien von Truppen 
umstellen lassen. Nach zwei Tagen gab sich der von außen und - durch die Radikalen 
- von innen Parlament weichgeklopfte Konvent geschlagen. Am 2. Juni wurden die 
girondistischen Abgeordneten aus dem Konvent ausgeschlossen und geächtet. Sie 
wurden den Putschisten überstellt und von diesen direkt in die Gefangenschaft 
abgeführt. 

Von diesem Zeitpunkt an kontrollierten allein die radikalen Jakobiner die 
Regierungsgeschäfte. Nahezu ausnahmslos waren ihre Führer Brüder der „Amis 


979 

Der auf Antrag der Gironde angeklagte Marat wurde am 24. April vom Revolutionstribunal 
freigesprochen. 



128 


Reunis“. In kaum verhüllter Anspielung auf diesen Hintergrund schreibt der 
Zeitgenosse Lombard de Langres „von der höchst geheimen Versammlung die nach 
dem 31. Mai alle Fäden in der Hand hielt, eine okkulte und furchtbare Macht, der der 
andere Kongreß zum Skalen wurde, und die sich aus den führenden Eingeweihten des 
Illuminismus zusammensetzte. Diese Macht stand über Robespierre an den Komitees 
der Regierung... es war diese okkulte Macht, die sich die Schätze der Nation 
aneignete und diese an jene Brüder und Freunde weiterleitete, die ihnen bei dieser 

779 

großen Arbeit geholfen hatten.“ 


Der allgemeine Aufstand 

Die Mehrzahl der girondistischen Funktionäre hatte sich den Verhaftungswellen in 
Paris durch die Flucht in die Provinz entziehen können. Hier agitierten sie nun viel zu 
spät gegen die Versklavung der Heimat, die sie selbst mit bewerkstelligt hatten. Im 
Grunde bedurfte Frankreich aber nicht dieses Aufrufs zur Tat, da es im Land schon 
seit langem gärte. Den Beginn der Erhebung machte der Nordwesten Frankreichs, die 
sogenannte Vendee. 

Die Bevölkerung dieses Küstenstrichs, der den größeren Teil des alten Poitou und 
einen Teil von Anjou und der Bretagne ausmachte, hatte der Revolution von 1789 
von Anfang an nur geringe Sympathien entgegengebracht: anders als in Paris gab es 
hier kein städtisches „Proletariat“ und die ansässigen Bauern waren meist Pächter, 
denen die neuen Gesetze eher Rechte nahmen als neue Sicherheit gaben. Aufreizend 
wirkten bei diesen frommen Menschen vor allem die antikirchlichen Maßnahmen des 
neuen Regimes. Schon 1791 kam es zu vereinzelten Empörungen. Der Sturz des 
Königtums und die Hinrichtung Ludwigs XVI. steigerten die Erbitterung, und als am 
10. März 1793 eine große Rekrutenaushebung stattfinden sollte, brach am 11. März 
der allgemeine Aufstand aus. 

Bald wurden in allen Gegenden Befreiungskolonnen vereinigte, welche die 
vereinzelten Regierungskorps siegreich bekämpften. Die mangelnde Kriegsübung 
ersetzten die Bauern durch eine genaue Kenntnis des Landes. Als der Adel sich 
dem Aufstand anschloß, erlangten die Bauern in ihm, besonders in dem 
heldenmütigen Henri de Larochejacquelein, befähigte Führer. Larochejacquelein 
erfocht am 25. Mai 1793 einen glänzenden Sieg bei Fontenay-le-Compte und 
erobert am 10. Juni Saumur. Um sich mehr Hilfsquellen zu eröffnen, unternahm die 
Armee der Vendeer, zu deren Befehlshaber der ehemalige Fuhrmann Cathelineau 
erwählt wurde, am 29. Juni 1793 einen Angriff auf Nantes, der aber scheiterte und 
fast die Auflösung des Insurgentenheers zur Folge hatte. Bei diesen Kämpfen zeigte 
sich einmal mehr die Brutalität der Jakobiner. Denn es war auf deren Anweisung, 
daß Konventskommissar Carrier die Gefangenen der Gegenseite massenweise 
niederkartätschen oder ertränken ließ. 


273 


Douglas Reed, „The Controversy of Zion“, Veritas, Bullsbrook/Australien 1985, Seite 151 



129 


Unterdessen beschloß der Konvent, zwei große Armeen bei La Rochelle und bei 
Brest zusammenzuziehen und so die Küste zu umschlingen.. Gleichzeitig 
dekretierte er, daß die Wälder und die Weiler der Vendee durch Feuer zerstört, die 
Mobilien, das Vieh, die Frauen und Kinder ergriffen und ins innere von Frankreich 
verschleppt, die Güter der Freiheitskämpfer enteignet und in den benachbarten 
Provinzen die Landmilizen aufgeboten werden sollten... 

Seit Herbst 1793 schienen alle politischen Ziele in einem wilden Streben nach 
Zerstörung zu enden; die Szenen des Schreckens, die sich an allen Orten ereigneten 
schienen keinem geregelten Zweck zu folgen, sondern eher dem verwirrten Haupt eines 
Verrückten entsprungen zu sein. Trotzdem, wenn man die Bewegung sorgsam 
beobachtet, so findet man nichtsdestoweniger eine Methode im Wahnsinn; durch diese 
furchtbare Periode des Terrors bewegte sich ein System, das auf den gleichen politischen 
Doktrinen fußte, welche auch die Massaker des Septembers 1792 in Gang setzten. Die 
Massaker in den Gefängnissen bildeten einfach das Präludium eines größer angelegten 
Vemichtungsplans. Zu diesem früheren Zeitpunkt, war das Ziel der Führer, das 
gebrandete Glied, welches von der Aristokratie und der Kirche gestellt wurde, zu 
amputieren; nachdem diese beiden Kategorien praktisch zerstört waren, mußte dieselbe 
Operation an anderen Teilen des Körpers, die ebenfalls von Brand befallen waren, 
wiederholt werden. Als erstes auf dieser Liste tauchte die besitzende Bourgeoisie auf, 
das spezielle Objekt des Hasses von Marat - einem Haß den dieser an Robespierre und 
Hebert weitergegeben hatte, die nach dem Tode Marats die Kampagne gegen die 
verhaßte Klasse weitertrugen. So schrieb Robespierre: „Innere Gefahren stammen vom 
Bourgeois; um den Bourgeois zu überwinden, müssen wir die Volksmassen anstacheln, 
wir müssen ihnen Waffen beschaffen und sie wütend machen.“ Hebert ging weiter: 
„Die Wirksamkeit der heiligen Guillotine“, schrieb er, „wird schrittweise die Republik 
von den Reichen, den Bourgeoisen, den Spionen, den fetten Bauern und den 
vermögenden Kaufleuten wie von den Priestern und den Aristokraten befreien. Sie alle 

97S 

sind Zerstörer der Menschen.“ 

Diese Kampagne gegen den Handel war wieder eine direkte Anleihe bei den 
Illuminaten, denn es war Weishaupt, der als erster den „Kaufmannsstamm“ als 
befähigt beschrieben hatte, „die furchtbarste aller Gewaltherrschaften“ 276 
auszuüben. So wurde der Krieg jetzt mit besonderer Heftigkeit gegen die 
Industriestädte geführt. Im August umzingelten die Revolutionstruppen Lyon, das 
sich im Frühsommer gegen die Schreckensherrschaft aufgelehnt und die 
jakobinische Stadtobrigkeit vertrieben hatte. Hierauf wurde die Metropole am 12. 
Juli vom Konvent geächtet und am 7. August durch Revolutionstruppen umzingelt. 
Die Belagerung dauerte bis zum 9. Oktober 1793, als sich die durch Hungersnot 


974 

„Papiers trouves chez Robespierre“, Seite 15 nach Webster, Nesta H., The French Revolution, 
The Noontide Press, Costa Mesa/Cal. 1992, Seite 410. (Erstveröffentlichung 1919) 

275 Webster, Nesta FL, The French Revolution, The Noontide Press, Costa Mesa/Cal. 1992, Seite 
410f. 

Louis Blanc, „Histoire de la Revolution“, Seite 91 nach Webster, Nesta FL, The French 
Revolution, The Noontide Press, Costa Mesa/Cal. 1992, Seite 411 



130 


dezimierte Bevölkerung ergeben mußte. Der Konvent sprach über die Stadt die 
Vernichtung aus und übertrug deren Vollziehung Collot d‘Herbois, Fouche und 
„Scaevola“ Ronsin. Gegen 6,000 Menschen wurden mit Kartätschen erschossen und 
der größte Teil der Stadt demoliert. Die Güter der Reichen teilte sich der Pöbel; alle 
Kirchenschätze der Stadt wurden nach Paris geschafft. Es wurde ferner entschieden, 
daß diese großartige Stadt, einst der Stolz Frankreichs, dem Erdboden 
gleichzumachen sei. „Der Name Lyon“, schrie Barere auf einer Versammlung „darf 
nicht länger bestehen, wir werden es Ville-Affranchie nennen.“ Auf den Ruinen 
versprach er ein Denkmal zu errichten, „Lyon erklärte der Freiheit den Krieg; Lyon 
ist nicht mehr.“ Darauf verabschiedete die Versammlung ein Dekret: „Die Stadt Lyon 
ist zu zerstören; jeder Teil, der von Reichen bewohnt wird, soll gesprengt werden, nur 
die Bleiben der Armen sollen übrigbleiben.“ Boten wurden ausgesandt, um die 
Aufgabe durchzuführen; der paralytische Couthon, der auf einer Sänfte durch die 
Stadt getragen wurde, schlug mit einem silbernen Hammer gegen jene Gebäude, die 
dem Abriß geweiht waren, während er sagte: „Im Namen des Gesetzes reiße ich dich 

277 

nieder“ - woraufhin umgehend Maurer ihre Arbeit in diesem Sinne aufnahmen.“ 

Dieses Drama ereignete sich auch in Toulon, wo sich die Bevölkerung im Juli 1793 
gegen den Konvent erhoben hatte. Sie übergab - nachdem der Konvent die Stadt 
geächtet und ein republikanisches Heer sie eingeschlossen hatte - im Einverständnis 
mit der Besatzung die Stadt am 29. August an die vereinigte englisch-spanische 
Flotte unter Admiral Hood. Darauf wurde sie tapfer verteidigt, indes gelang es den 
Republikanern, die Engländer und Spanier am 19. Dezember 1793 zum Abzug zu 
zwingen. Hierauf rückten die Konventstruppen ein und die Konventskommissare 
riefen ein furchtbares Strafgericht aus. 3.000 Menschen wurde hingewürgt; die 
Einwohnerzahl der Stadt sank von 28.000 auf 7.000 herab. 

Am schlimmsten aber wüteten die Kommissare im Nordwesten, wo es Bauern und 
Adel so lange gelungen war, den Regierungstruppen Paroli zu bieten. Erst im 
Dezember gelang es Paris, den Gegner in zwei Schlachten an die Wand zu drücken. 
Anfang 1794 drangen die Konventstruppen in die Vendee ein, und suchten nach 
einem grausamen Vernichtungskrieg das Land zu veröden. Im Vorfeld der 
Zweihundertjahrfeier der Französischen Revolution löste die Arbeit Reynald Sechers 
über das Wüten des jakobinischen Terrors in der Vendee, dem mehr als 200.000 
Menschen zum Opfer fielen, eine heftige Kontroverse aus: Demzufolge ereignete 
sich zwischen 1793 und 1795 in den westlichen Departements ein 
„innerfranzösischer Genozid“, der in bezug auf die ideologische Rechtfertigung 
(Ausrottung eines „Verrätervolks“) und die Methoden (auf den Einsatz von giftigen 
Gasen wurde nur aus Gründen der Praktikabilität verzichtet) keinen qualitativen 
Unterschied zu den Massenmorden des 20. Jahrhunderts aufwies. 


277 Webster, Nesta H., The French Revolution, The Noontide Press, Costa Mesa/Cal. 1992, Seite 411 



131 


Die Entchristianisierung Frankreichs 

Jetzt erst unterwarfen sich zitternd die Provinzen, wo nun meist eine 
kommunistische Pöbelherrschaft mit systematischer Beraubung der Besitzenden 
hergestellt wurde. Das vornehmliche Opfer der Revolutionäre aber war - so kurios 
dies zunächst auch scheinen mag - die christliche Kirche. Bereits die geistigen Väter 
der staatlichen Verirrung hatten hierzu den Boden bereitet. 278 Unter denen, die das 
Signal zum Sturm auf die Kirche gaben und damit eine Art antichristlicher 
Weltrevolution einleiteten, befand sich der „Freigeist“ Voltaire. Sein fanatischer 
Haß gegen Kirche und Christentum ist in die Geschichte eingegangen unter der 
Parole „Ecrasez l'infame!“ - „Rottet sie aus, die Verruchte!“, womit er die Kirche 
meinte. Von Diderot (1713-1784), einem der Herausgeber der großen französischen 
Enzyklopädie, der den Unglauben als eine Station auf dem Weg zur Freiheit pries, 
stammt das Wort: „Die Welt wird nicht eher glücklich, bis der letzte König mit den 
Gedärmen des letzten Priesters erwürgt ist!“ Der Baron Holbach, welcher Gott nur 
für eine Hypothese hielt, bezeichnet in seinem „System der Natur“, dem Hauptwerk 
des französischen Materialismus, die Religion als Hauptursache des menschlichen 
Elends. Montesquieu (1689-1755) zeichnete in seinen sozialkritischen „Persischen 
Briefen“ (1721) ein Zerrbild der Kirche und spottete über den „Zauberer, der die 
Leute glauben machte, daß drei eins, und das Brot, das man verspeise dennoch kein 
Brot und Wein, den man trinke, dennoch kein Wein sei.“ Rousseau (1712-1778), 
der die Erbsünde leugnete, warf dem Christentum vor, es gebe den „Menschen zwei 
Gesetzgebungen, welche ihnen Pflichten auferlegen, die miteinander in 
Widerspruch stehen und es den Menschen unmöglich machen, zu gleicher Zeit 
fromm und gute Bürger zu sein.“ 279 

So hatte sich die Revolution bereits früh gegen den Katholizismus gewandt: In den 
Jahren 1789-1791 war die Verstaatlichung des Kirchenguts verfügt worden. Die 
Klöster wurden aufgehoben, dem Klerus eine Zivilverfassung aufgezwungen. Doch 
all dies waren formelle Kleinigkeiten gegen den Haß, der dem Christentum mit der 
Machtübernahme der illuminierten Jakobiner entgegenschlug. Die zweite 
Revolution kehrte dem Formalismus endgültig den Rücken und erklärte die Kirche 
praktisch für vogelfrei. 

Der Vordenker dieser Bewegung stammte aus Deutschland: Es war der preußisch¬ 
jüdische Baron Jean Baptiste von Cloots (Clotz), der sich den Illuminatennamen 
„Anacharsis“ zugelegt hatte, ein ebenso reicher wie enger Freund des 
Kommunisten Hebert. 1776 war er nach Paris gegangen, wo er an der 
Zusammenstellung von Diderot's Encyclopedie teilnahm. Er verließ Frankreich 
1784, bereiste Europa, und kehrte bei Ausbruch der Revolution als 
frischgebackener Jakobiner nach Paris zurück. Sein Ideal war die Vereinigung aller 


978 

Der folgende Absatz folgt den Ausführungen Manfred Adlers, Die Antichristliche Revolution 
der Freimaurerei, Miriam Verlag, Jestetten 1989, 4. Auflage, Seite 22f. Seppelt-Löffler, 

279 Papstgeschichte, München 1940, Seite 275 



132 


Völker einer Art Super-Sowjetunion, die er „Welt-Republik“ 280 nannte. An der Spitze 
einer Delegation von 36 Ausländern, die er als „Vertreter aller Völker der 
menschlichen Rasse“ bezeichnete, überreichte er am 17. Juni 1791 der 
Nationalversammlung eine Dankadresse für die Erhebung gegen die Tyrannen und 
bat um Aufnahme aller in Paris befindlichen Fremden in die französische 
Gemeinschaft. 

Clootz dürfte der erste Verfechter des „Internationalismus“ gewesen sein, der sein 
krudes Ideengebäude mit der Aussicht auf den Weltfrieden begründete. „Die 
'Republik der menschlichen Rasse'“, führte er vor dem Konvent aus, „kann niemals in 
einen Disput mit einer anderen Macht treten, da es zwischen den Planeten keine 
Kommunikation gebe.“ Was für ein frommes Ziel, mit dem dieser Apostel der 
Menschlichkeit genau den Geschmack seiner Zeit traf. Tatsächlich war der Wunsch 
der Menschen nach einem friedlichen Miteinander gerade damals groß. Kaum 
verwunderlich, lag doch Frankreich damals praktisch mit halb Europa im Krieg. Was 
der kleine Bürger auf der Straße jedoch nicht wußte (weil er es nicht gesagt bekam), 
ist die Tatsache, daß Clootz selbst an leitender Stelle dieses blutige Chaos 
mitgeschürt hatte - wohl nicht zuletzt aus dem Grund, um dann darauf sein Süppchen 
kochen zu können. „Europa muß an allen vier Ecken brennen“, hatte illuminatische 
Jakobinerführer Brissot bereits 1789 verkündet, „darin ruht unser Heil.“ 282 Nach 
diesem Motto und mit tätiger Hilfe der auswärtigen Freimaurerlogen reichte Clootz 
die Brandfackel der Revolution in die Nachbarlande weiter, die er in einem Kreuzzug 
zu „befreien“ trachtete. Doch wer fragt schon nach Verantwortung oder Einzelheiten, 
wenn er schlecht informiert ist? 

So zerbrach sich die breite Masse auch nie den Kopf darüber, was das für ein 
Staatswesen sein würde, das Clootz hier im Auftrag der Loge so in den Himmel hob. 
Angesichts der moralischen Verkommenheit des Protagonisten ist jedoch eine 
gehörige Portion kritischer Distanz angebracht. In diesen Zusammenhang fallt die 
interessante Tatsache, daß der Baron, der im September 1792 als naturalisierter 
Franzose in den Nationalkonvent gewählt wurde als Erfinder des blutigen Begriffs 
„septemberieren“ gilt. Er stellte nämlich angesichts des Anfang September 1792 
vollzogenen Massenmordes an inhaftierten Regimegegnern fest, man habe noch nicht 
genügend „septemberiert“. Als Plattform christlicher Nächstenliebe scheint sich 
Clootz seine Weltrepublik also kaum gedacht zu haben - womit sich der Kreis zu 
unserer theologischen Thematik wieder schließt. 


280 

~ Friedrich Hasselbacher, „Entlarvte Freimaurerei“, Band III, Archiv-Edition im Verlag für 
ganzheitliche Forschung und Kultur, Viöl 1992, Seite 74. Siehe zu Clootz Welt- 
Republiksgedanken dessen Buch „La Republique Universelle“ 

“ Ansprache von Clootz an den Konvent vom 26. April 1793. Zu Clootz siehe weiterhin die 
1795 erschienenen „Letters of Helen Maria Williams“, Seite 140. Angaben nach Webster, Seite 
432 

989 

Ludendorff, E., Kriegshetze und Völkermorden, 1937, Seite 78 
283 Webster, Nesta H., The French Revolution, The Noontide Press, Costa Mesa/Cal. 1992, Seite 
340 



133 


Es war nämlich ausgerechnet Clootz, der sich durch seinen Haß auf die Kirche aus 
der revolutionären Bewegung hervorhob. „Religion“, schrieb er in „La Republique 
Universelle“, „ist eine soziale Krankheit, die nicht schnell genug geheilt gehört. Ein 
religiöser Mensch ist ein sittenloses Tier; er erinnert an jene Bestien, die lediglich 
gehalten werden, um geschoren und zum Vorteil von Händlern und Fleischern 
gebraten zu werden.“ Vor allem das Christentum fällte den gebürtigen Juden Clootz 
mit einem geradezu unmenschlichen Haß. Im November 1792 offenbarte er sich vor 
dem Konvent als „der persönliche Feind Jesu Christi“ 284 , um fortzufahren: „Das Volk 
ist souveräner Herrscher und Gott der Welt... nur Narren glauben an einen anderen 
Gott, an ein höheres Wesen.“ 285 Der Diskurs ward beendet, indem „Anacharsis“ die 
Versammlung mit der schriftlichen Kopie einer Abhandlung zum Thema beehrte. Der 
Konvent verabschiedete daraufhin eine Erklärung, in der es hieß: „Anacharsis Clootz, 
Deputierter des Konvents, ist gehuldigt durch eines seiner Werke unter dem Titel 'Die 
unbestreitbaren Beweise des Mohammedanismus', eine Arbeit, die die Nichtigkeit 
aller Religionen ans Licht bringt. - Die Versammlung akzeptiert diese Huldigung, 

billigt ihr Ehrenhaftigkeit zu und ordnet ihre Veröffentlichung im Bulletin an, sowie 

286 

ihre Verschickung an alle französischen Departements.“ 

Nachdem die Jakobiner im Juni 1793 die Macht an sich an sich gerissen hatten, 
wurden derartige Hirngespinste gefährlich, weil die neue Riege ein offenes Ohr für 
sie hatte. Deshalb tauchten jetzt auch immer mehr verquere Geister auf, die bereit 
waren, ihre Marotten in die Öffentlichkeit zu tragen. Einer dieser Wirrköpfe war 
der bekannte Marquis de Sade, der von der Revolution aus der Bastille befreite 
Moral-Maniac, dem wir das Adjektiv „sadistisch“ verdanken. 287 Sade war ein 
Anhänger Marats und ein Mitglied der „Section des Piquets“ zu der auch 
Robespierre gehörte. Eine von de Sade selbst entworfene Eingabe dieser 
Organisation verlangte, daß in allen Kirchen die Anbetung des Jüdischen Sklaven“ 
und „der ehebrecherischen Frau, des Freudenmädchen Galiläas“ durch den Kult 


284 

~ Meyers Konversations-Lexikon, 5. Auflage, 4. Band, Bibliographisches Institut, Leipzig/Wien 
1895, Seite 228f. 

Der Konvent veröffentlichte ein Dekret, in welchem „die Nichtigkeit aller Religionen“ 
verkündet wurde. Dies und die Clootz-Auslassungen überliefert Richard Wurmbrand in Das andere 
Gesicht des Karl Marx, (Stephanus Edition, Seewis/Schweiz 1987, S. 82). Die o. g. Ausführungen 
hätten auch der Feder des jüdischen Freimaurers Karl Mordechai entstammen können, welcher 
später unter dem adoptierten Namen Marx zu Weltruhm gelangen sollte. Der sich als „größter 
Satanist aller Zeiten“ und „Antichrist“ bezeichnende britische Hochgradfreimaurer Aleister 
Crowley machte Clootz' Ausspruch Anfangs des 20 Jahrhunderts unter dem Slogan „Es gibt keinen 
Gott außer dem Menschen“ populär. 

286 Webster, Seite 430 ff. 

987 

Als erklärter Atheist sah de Sade die Werte von Gut und Böse als vom Menschen geschaffene 
Kriterien angesichts einer völlig gleichgültigen Natur an. Die Satanisten Baudelaire und Flaubert 
bewunderten ihn wegen seiner Konsequenz, der menschlichen Schlechtigkeit bis in die letzten 
Abgründe nachzuspüren. Von de Sade stammt das Wort: „Ich hasse die Natur. Ich möchte diesen 
Planeten zerteilen, seine Bahn unterbrechen, die Sternenkreise anhalten, die Weltkugeln im All 
Umstürzen, zerstören, was Natur ist, schützen, was sie verletzt - mit einem Wort, ich möchte sie in 
meinen Werken schmähen... Vielleicht können wir einmal die Sonne angreifen, sie dem Universum 
entreißen oder sie benutzen, um die Welt in Flammen zu setzen. Das wären echte Verbrechen.“ 



134 


von Vernunft und Tugend abgelöst werden sollte. Diese Petition wurde dem Konvent 
vorgelegt, von diesem als „ehrenwerte Erwähnung“ akzeptiert und an das 
„Committee of Public Instruction“ weitergeleitet." Dort gebilligt eröffnete die 
neugebildete Revolutionsregierung im Oktober 1793 eine „Entchristiani¬ 
sierungskampagne“, zu deren Beauftragten bezeichnenderweise der jüdischgläubige 
Fouche ernannt wurde. Die erste Maßnahme war die Annahme eines 
republikanischen Kalenders, der rückwirkend vom 22. September 1792 gültig sein 
sollte. 

Als nächstes begaben sich Hebert, Chaumette und Momoro in der Nacht vom 6. auf 
den 7. November 1793 zum konstitutionellen Bischof von Paris, Gobel, und befahlen 
diesem, öffentlich dem Katholizismus abzuschwören. „Sie werden dies tun - oder tot 
sein“, drohten sie ihm." Am nächsten Tag begab sich Gobel zum Konvent und 
erklärte, daß „der Wille des souveränen Volks“ jetzt „sein oberstes Gesetz“ geworden 
sei, und da es der Souverän so wolle, solle es keine Anbetung mehr geben, als die 
„der Freiheit und heiligen Gleichheit“. Mit diesen Worten ließ er sein Kreuz, seinen 
Ring und andere Insignien auf dem Tisch des Präsidenten und setzte sich die rote 
Mütze der Freiheit auf. Einige der Vikare folgten dem Beispiel des Bischofs. 290 Zwei 
Tage darauf wurde das Christentum per Dekret offiziell abgeschafft. Dieser groteske 
Beschluß gab das Signal für die Entweihung von Kirchen in Paris und der Provinz. 

Am 10. November 1793 wurde der ehrwürdige Dom von Notre Dame in höchstem 
Auftrag geschändet. Man hatte sich das weltbekannte Gotteshaus ausgesucht, um an 
diesem Ort den neuen staatlichen Feiertag, das „Fest der Freiheit und der Vernunft“ 
abzuhalten. Als Höhepunkt der Veranstaltung führten Revolutionäre die uneheliche 
Hure und Schmieren-Schauspielerin Madame Maillard in bewußt gotteslästerlicher 
Prozession zur altehrwürdigen Kirche und setzten sie mitten auf den Hochaltar, genau 
dorthin, wo früher der Tabernakel stand. Hier empfing sie - gekleidet in einen blauen 
Mantel, auf dem Kopf die rote Mütze der Freiheit - als „Göttin der Vernunft“ die 
Huldigung der Republik. Der Revolutionsfanatiker Chaumette betete sie sogar an. 
Das Bild der Heiligen Jungfrau Maria war vom Altar entfernt und durch die „Statue 

291 

der Freiheit“ ersetzt worden. 


288 Webster, Nesta H., „The French Revolution“, The Noontide Press, Costa Mesa/Cal. 1992, 
Seite 431 

" Webster, Nesta H., a.a.O., Seite 430 mit Bezug auf Paul d' Estree, „Le Pere Duchesne“, Seite 
345 

290 Webster, Seite 430 ff. 

291 Weiß, J. B., Weltgeschichte, Graz und Leipzig 1895, Bd. 18, Seite 99 sowie Webster, Seite 
431. Max. Doumic stellt in „Die Geheimnisse des Freimaurertums“ (Seite 98/111) eine 
Verbindung des Vernunftkultus zum Illuminatismus her. Demnach wurde der ganze revolutionäre 
Feiertag zu Ehren der Göttin der Vernunft nach dem Freimaurerritual gefeiert. Das Gewand des 
„Operpriesters“, den Robbespierre darstellte, soll die Kleidung eines „Priesters“ der Illuminaten 
gewesen sein.. Doumic weist am gleichen Ort ferner darauf hin, daß das Aufsetzen des roten 
Jakobiner-Käppchens ebenfalls der Weihe zum „Priester“ (Erorte) bei den Illuminaten 
entstamme. 



135 


In der Kirche von St. Sulpice bestieg, im Verlauf einer ähnlichen Zeremonie, der 
Organisator des September-Massakers im Convent des Cannes, Joachim Ceyrat, die 
Kirchenkanzel und rief aus: „Hier stehe ich auf dieser Kanzel, von der so lange Zeit 
Lügen an das souveräne Volk verbreitet worden sind, indem man ihnen glaubhaft 
machte, es existiere ein Gott, der alle ihre Taten sieht. Wenn dieser Gott existiert, 
dann laß ihn donnern, und soll einer seiner Donnerschläge mich treffen.“ Dann 
schloß er, indem er zum Himmel empor sah,: „Er donnert nicht, also ist seine 
Existenz ein Hirngespinst!“ 292 

Nun setzte in ganz Frankreich eine zentral gesteuerte Orgie der Blasphemie ein. An 
geweihten Orten wurden bacchische Feste gehalten, während Triumphwagen durch 
die Straßen fuhren, auf denen Straßendirnen in Meßgewändern standen. Allenthalben 
sah man Esel, die mit heiligen Reliquien beladen und mit kirchlicher Ornamentik 
geschmückt waren. Und an mehr als nur einem Ort wurden Kreuze und fromme 
Schriften öffentlich dem Feuer übergeben, begleitet von den Rufen „Vernichte für 
immer das Andenken an die Priester! Vernichte für immer den christlichen 
Aberglauben! Es lebe die Religion der Natur!“ 293 

Stefan Zweig beschreibt in seiner Biographie von Fouche eine schwarze Messe, die 
etwa zu dieser Zeit in Lyon abgehalten wurde. Die geschmacklose Feierlichkeit 
wurde zu Ehren eines getöteten Revolutionärs namens Chalier begangen. An jenem 
Tag wurden die Kruzifixe von allen Altären gerissen und Priestergewänder 
beschlagnahmt. Ein riesige Menge von Männern, welche eine Büste des 
Revolutionäres trugen, begab sich zum Marktplatz, wo drei Prokonsuln auf sie 
warteten, um Chalier, „den Heiland, der für das Volk starb“, zu ehren. Die Menge 
führte Kelche, Heiligenbilder und Meßgeräte mit sich. Ein Esel mit einer 
Bischofsmitra auf dem Kopf kam hinterher. An seinem Schwanz hatte man ein 
Kruzifix und eine Bibel gebunden. Zum Abschluß wurde das Evangelium zusammen 
mit den Meß- und Gebetsbüchern und den Ikonen ins Feuer geworfen, 
währenddessen der Esel aus dem Taufbecken getränkt wurde. Die Büste von Chalier 
wurde anstelle des zertrümmerten Bildes Christi auf einen Altar gestellt. Zum 
Andenken an dieses Ereignis wurde eine Medaille ausgegeben. 294 


Das Ende der Revolution 

Doch es war nicht das Volk, das diese üblen Schauspiele veranstaltete, sondern 
deren Diktatoren. Das Volk lehnte die Vorkommnisse vehement ab. Die 
Schließung der Stadtkirchen verursachte eine derartige Ablehnung, daß der 
Konvent eine Revolte befürchtete, während in Paris die Marktfrauen Sturm liefen 


292 Webster, Nesta H., The French Revolution, The Noontide Press, Costa Mesa/Cal. 1992, Seite 
431 mit Bezug auf „Journal des Lois“, du 14 Prairial, An III 

293 Kropotkin, „The Great French Revolution“, Seite 523, sowie Webster, Seite 430ff. 

294 Richard Wurmbrand, a.a.O.S. 99f. 

295 Buchez et Roux, XXX, S 42f. 



136 


und einen Verteidiger des neuen Götzentums - wie dieser der „Gesellschaft der 
Freunde der Revolution“ berichtete - gar mit Mist bewarfen und nahe daran waren, 
ihn zu erwürgen. 296 Als auf Anordnung Chaumettes der Reliquienschrein der Sainte- 
Genevieve auf dem Place de Greve dem Feuer übergeben wurde, war die Stimmung 
tatsächlich am Siedepunkt. 

Robespierre, welcher schließlich einsah, daß sich mit derart radikalen Bilderstürmern 
kaum regieren ließe, bewirkte im Frühjahr 1794 die Verhaftung und Hinrichtung 
dieser sogenannten Wütenden (Enrages). Als erstes betraten am 24. März die 
radikalen „Hebertisten“ das Schafott, gefolgt von den Dantonisten (5. April) sowie 
Chaumette und Gobel (13. April). Zum Abschluß wurde die Pariser Kommune einer 
Säuberung unterzogen (10. Mai). Damit wurde die Revolution rein äußerlich in ein 
ruhigeres Fahrwasser gebracht, an den Inhalten aber änderte sich nur wenig. Um die 
Schreckensherrschaft endlich zu beenden, den am Boden liegenden Staat auch 
wirtschaftlich wieder auf die Beine zu bringen und nicht zuletzt auch, weil er sich 
selbst bedroht fühlte, raffle sich der Nationalkonvent am 9. Thermidor (27. Juli) 
endlich zum Sturz Robespierres auf. Der Diktator und seine Spießgesellen wurden 
hingerichtet, die vertriebenen Oppositionellen rückberufen, das Revolutionstribunal 
aufgehoben. Der Spuk der so vielen Menschen das Leben zur Hölle gemacht hatte 
war endlich zu Ende, und bald schon legte sich Frankreich wieder eine Monarchie zu. 


Ein Resümee 

Bleibt die Frage: Warum wurde die Revolution durchgeführt, wenn man sie 
schließlich doch ihrem Schicksal überließ? Die Antwort ist einfach. Erstens, weil es 
die biblische Prophetie (oder „der göttliche Plan“) so verlangte. Zweitens waren ja 
nicht alle Errungenschaften“ der Erhebung mit dem Ende der Revolution wieder 
zunichte gemacht. Einige wenige Neuerungen überlebten auch das „Direktorium“ 
und die Regentschaft Napoleon Bonapartes, ja sie wurden durch den Imperialismus 
des letzteren sogar über ganz Europa verbreitet. Hier wäre die flächendeckende 
Emanzipation der europäischen Juden zu nennen, welche vermutlich das praktische 
Ziel des Geheimvatikans schlechthin während der Revolutionswirren war. 

Betrachtet man die geschilderten Zusammenhänge vor diesem Hintergrund, dann 
fällt sofort ins Auge, daß die französischen Hebräer als einzig nichtleidende sondern 
vielmehr begünstigte Volksgruppe oder Religion aus dem Rahmen fällt. Sie erlebten 
ihre soziale, rituelle, bürgerliche Gleichstellung. Nicht umsonst nannte Heinrich 
Heine, selbst Jude und Freimaurer, die Französische Revolution „das Eintrittsbillet 
für die Juden in die europäische Kultur.“ 

Allen voran der ständig verschuldete Graf Mirabeau war es, der sich an der Seite 
Gleichgesinnter gegen ein Verdrängen der jüdischen Belange von der 


296 


Buchez et Roux, XXX, Seite 182 



137 


Tagesordnung wehrte; ging es nach ihnen, sollte der Beschluß erwirkt und bekräftigt 
werden, daß die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte vom 26. August 1789 
auch für die Juden galt. Gegen diese Forderungen stand nicht nur das Volk, 
hinderlich waren auch die Privilegien einzelner Stände mit ihren geldlichen 
Forderungen an die Juden. Und die Gegner wünschten keinesfalls den Zugang der 
bisher nicht Gleichberechtigten zu allen Berufen. Die kirchlich gebundenen wollten 
den Gedanken an die Vorherrschaft des Neuen vor dem Alten Testament nicht 
missen. Diese Widerstände konnten - so Rudolf Hirsch und Rosemarie Schuder -„erst 
nach monatelangen Ringen in der Nationalversammlung und auf den Straße 
niedergekämpft werden.“ 297 

Am 3. August 1790 übergab die Nationalversammlung den Juden ganz Frankreichs 
die volle Staatsbürgerschaft und die daraus erwachsenden Rechte. 298 Vermutlich 
spielte der israelitische Historiker Heinrich Graetz auf diesen Triumph an, als er 
schrieb: „Die Revolution ist der Stern Judas, welcher das Dunkel über Israels 
Häuptern gelichtet hat - und noch mehr lichten wird.“ 

Der letzte Teil des Satzes stimmt indes nachdenklich, scheint er doch darauf 
hinzudeuten, daß mit der Emanzipation nicht das letzte Wort über den Weg 
Ahashvers gesprochen sein sollte. Hielt der Geheimvatikan für seine Schäfchen noch 
weitere Aufgaben parat? Die Orthodoxie jedenfalls war davon fest überzeugt und so 
kommentierte der französische Rabbi Isaac Bloch am hundertsten Jahrestag des 
Bastillesturms in Nancy zurückblickend: „Der Geist der Revolution und der Geist der 
jüdischen Religion sind ein und dasselbe und in letzter Betrachtung erwächst der eine 
aus dem anderen. Die Revolution hatte den von der Vorsehung beschlossenen Effekt, 
den Judaismus auf jenen Pfad zurückzubringen, den er durchschreiten muß, um seine 
Mission auszuführen... Israel ist gleich einem riesigen Sämann, der durch die ständig 
sich verbreiternde Allee der Jahrhunderte wandert indem er einen Widerschein des 
Sinai auf seiner strahlenbekränzten Stirn trägt. Der Sämann der Bibel ist noch weit 
vom Ende des ihm zugewiesenen Auftrags entfernt, doch mit jedem Schritt, den er 
nimmt, umgibt ihn mehr Licht, mehr Friede, ständig wachsende Harmonie und 
Einklang.“ 299 


9Q7 

Rudolf Hirsch/Rosemarie Schuder, „Der Gelbe Fleck. Wurzeln und Wirkungen des 
Judenhasses in der deutschen Geschichte“, Verlag Rütten und Loening, Berlin (Ost), 1987, Seite 

662 

298 

Der vom Judentum zum Katholizismus konvertierte Abbe Lemann schreibt, daß jene 
deputierten, die in der Nationalversammlung für die jüdische Emanzipation votierten, durchwegs 
Freimaurer waren. (Abbe Lemann, „L'Entree des Juifs dans la Societe Francaise“, Seite 356) 

299 „Predigten“, Paris 1898, Seite 136f. Angeführt von G. Goyau, „L’Idee de Patrie et 
l’Humanitarisme“. Zitiert nach Denis Fahey, „The Mystical Body of Christ and the Reorganization 
of Society“, Regine Publications LTD., Dublin/lrl. 1984, Reprint aus dem Jahre 



Nicht zitierte weiterführende Literatur 


Grundsätzliches 

Bohlinger, Roland, „Ist die Freimaurerei eine nach Art. 9 II GG verbotene Vereinigung?', Verlag für 
ganzheitliche Forschung, Viöl (Aktuelle Sicht gegen die Freimaurerei), 1996 Verein deutscher 
Freimaurer, „Die Vernichtung der Unwahrheiten über die Freimaurerei“ (Klassiker der 
Verteidigungsschriften) 

Über die Illuminaten (Zeitgenössisches, zeitliches geordnet) 

„Originalschriften des Ordens und Bundes 'der Erleuchteten’“ (Illuminaten), München 1781, A. 
Francois »Apologie der Illuminaten“, Adam Weishaupt, Frankfürt/Leipzig/Nümberg 1786 „Einige 
Originalschriften des Illuminaten-Ordens, welche bei Zwack durch vorgenommene Hausvisitation zu 
Landshut den 11. und 12. Oct. 1786 vorgefunden worden“. Auf höchsten Befehl seiner 
Churfürstlichen Durchlaucht zum Druck befördert, München 1786/1787 „Nachtrag von weitem 
Originalschriften, welche die Illuminatensekte überhaupt, sonderbar aber den Stifter Adam Weishaupt 
betreffen, und bey der auf dem Baron Bassusischen Schloß zu Sandersdorf, einem bekannten 
Illuminatenneste, vorgenommenen Visitation entdeckt, sofort auf Churfürstlichen höchsten Befehl 
gedruckt und zum geheimen Archiv genommen worden sind, um solche jedennann auf Verlangen zur 
Einsicht vorlegen zu lassen“, München 1787 „Der ächte Illuminat oder die wahren unverbesserten 
Rituale der Illuminaten“, Joh. Heinr. Faber (Hrsg.), Frankfürt/Main 1788 „Philo's endliche Erklärung 
und Antwort, auf verschiedene Anforderungen und Fragen, die an ihn ergangen, seine Verbindung mit 
dem Orden der Illuminaten betreffend“, Hannover 1788 .Abhandlung über den Bund der Illuminaten“, 
Marquis de Luchet, Paris 1789 „Pythagoras oder Betrachtungen über geheime Welt- und 
Regierungskunst“, Adam Weishaupt, Frankfürt/Leipzig 1790 „Die neuesten Arbeiten des Spartacus und 
Philo in dem Illuminatenorden“, Ludwig Adolf Christian von Grolmann (Hrsg.), Frankfürt/Main 
1793/1794 „Fragmente zur Biographie des verstorbenen Geheimen Raths Bode in Weimar“, A. 
Hoffinann, Wien 1795 

Über die Freimaurerarbeit von 1789 

Albancelli, Copin, „Die geheime, gegen Frankreich gerichtete Macht“ Barruel, Abbe Augustin, 
„Memoires pour servir ä l’histoire du Jacobinisme“, London und Paris 1797/98 Delassus, Mgr., „La 
conjuration antichretienne“ (Band 1 und 2) d'Estampes, Louis/Janet, Claudio, „La Franc-Maconnerie et 
la Revolution“ Lefranc, Abbe,„Die Lüftung des Schleiers für alle Neugierigen oder das mit Hilfe der 
Freimaurer offenbar gewordene Geheimnis der französischen Revolution“, Paris, Verlag Le Petit, 1791 
Lefranc, Abbe, „Die Verschwörung gegen die katholische Religion und die Fürsten“, 1792 Molleville, 
Bertrand de, „L'Histoire de la Revolution“ Poncins, Vicomte Leon de, „Secret Powers Behind 
Revolution: Freemasonry and Judaism“ * Robison, John, „Proofs of a Conspiracy“, 
Edinburg/London 1797/1798 * Sourdat, „Die wahren Anstifter der Revolution“, 1797 Webster, 
Nesta, „French Revolution“, 1919 * 


1945, Seite 285. Man beachte die von dem Rabbi aufgemachte Argumentationskette 
„Vorsehung-Mission-Zugewiesener Auftrag“ 




139 


Kapitel 4.5 


Von der mosaischen Hochgrad- 
Freimaurerei zur alljüdischen 
Sammlungsbewegung 


Der Alte und Angenommene Schottische Ritus 

Der llluminat Br. Freiherr von Knigge schrieb am Ende seiner Tage rückblickend: 
„Die Juden sahen sein, daß die K. K. (Königliche Kunst, also Maurerei, der Verf.) ein 
Mittel sei, ihr geheimes esoterisches Reich zu begründen.“ 300 Die Leistungsfähigkeit 
dieses Systems haben wir gesehen. Vor dem Hintergrund eines weltweiten Plans 
zeigten die Revolutionierungen der USA und Frankreichs aber auch Schwachstellen 
auf. Beide Entwicklungen konnten erst in Gang gesetzt werden, nachdem die 
jeweiligen Maurerbünde vom Ausland her (Frankreich resp. Bayern) „befruchtet“ 
bzw. infiziert worden waren. Dieser Schritt schien geboten, weil die Logen in allen 
Teilen der Erde nach gewisser Zeit dazu tendierten, einen gewissen „Lokalkolorit“ 
anzunehmen und somit, wenn auch nur marginal, übergeordnete Weisungen eigenen 
Belangen unterzuordnen. 

Da beide Faktoren der globalen Strategie des Geheimvatikans entgegenstanden, 
mußte diesem dringend an einer möglichst perfekten Durchdringung des gesamten 
Freimaurerwesens gelegen sein.„Kontrolle ohne kontrolliert (gesehen) zu werden“ 
wurde dabei - wie gesehen - zuerst durch das anonymisierte Hochgradwesen der 
„Schottischen Maurerei“ erreicht. Es fällt dabei auf, daß diese besonders effektive 
Richtung des Logentums von Anfang an unter jüdischer Leitung stand. In diesem 
Zusammenhang haben wir von dem französisch-mosaischen Kaufmann Etienne 
Stephan Morin gehört, der im Jahre 1761 beauftragt wurde die 
Hochgradfreimaurerei in Amerika einzuführen. Hier befreundete sich Morin 
rasch mit seinem Glaubensbruder Moses Michael Hayes, „der um 1768 zum 
Deputierten General-Inspektor der Maurerei von Nordamerika bestellt“ wurde. 
Beiden Männern blieb es Vorbehalten, in den USA das brüderliche „Schottentum“ 


300 Erich und Mathilde Ludendorff, „Die Judenmacht - Dir Wesen und Ende“, Ludendorffs Verlag 
GmbH, München 1939, Seite 61 Das Buch bezieht sich auf ein Zitat des Hochgradbruders Didier - 
Mitglied der Großen Landesloge von Deutschland. 

301 Br. J. G. Findel, Geschichte der Freimaurerei, S. 320 ff. sowie „Allgemeines Handbuch der 
Freimaurerei“, 3. Auflage, von Lennings Encyklopädie der Freimaurerei, Leipzig 1900/1901. 

302 Encyclopaedia Judaica, 17 Bände, Jerusalem 1972ff. Stichwort „Freemasons“. 



140 


zu einer wahren Weltmacht zu erheben, indem sie die Einheitlichkeit dieser Logen 
auf eine neue Stufe stellten. 

Solange es möglich war, daß in jedem Kleinststaat ein Hochgradsystem nach eigenen 
Regeln funktionierte, solange hier dieser und da jener Großmeister das Sagen hatte 
und solange die verschiedenen Organisationen untereinander gar konkurrierten, war 
das Schottentum für den Geheimvatikan lediglich national verwendbar. Da das 
Papstwesen Jahwes aber globalen Zielen zusteuert, mußte ihm daran gelegen sein, die 
Maurerei weltweit zu vereinheitlichen um sie schließlich von einem Punkt aus zentral 
beherrschen und damit steuern zu können. Zu diesem Zweck wurde unmittelbar nach 
dem Niedergang der Französischen Revolution in den USA eine weltweit operierende 
und von äußeren Grenzen völlig unabhängige Loge auf die Beine gestellt. 

Ausgangspunkt dieses ehrgeizigen Projekts war die Oberste Loge des Monnschen 
Perfektions-Ritus, deren Grundstein im Jahre 1783 von dem Hebräer Isaac da Costa 
gelegt wurde. Aus dieser Geheimgesellschaft hervorgehend und am gleichen Ort - in 
Charleston/South Carolina - wurde am 31. Mai 1801 die „Südliche Jurisdiktion“ des 
Schottischen Ritus aus dem Kindbett gehoben. Als Vater des Gebildes gilt gemeinhin 
der bereits gestreifte Zionsjünger Moses Michael Hayes , welcher bereits 
1797/1798 zu Philadelphia das Große Kapitel der “Royal Arch Maurerei“ errichtet 
hatte. Letzten Endes standen aber eine ganze Reihe weiterer Maurer Hayes bei dem 
Akt zur Seite, der erst begonnen wurde, nachdem man sich mit Br. Stephan Morin 
beraten hatte. 304 

Auch unter den restlichen Taufpaten - in erster Linie werden hier immer wieder die 
Namen von Abraham Alexander, T. B. Bowen, Frederick Dalcho, Israel De Lieben, 
Emanuel DeLaMotta und John Mitchell genannt - war der hebräische Anteil 
überragend. Die „American Historical Society“ berichtet in ihrem Band 19, daß die 
Volkszugehörigkeit von Mitchell, Dalcho und Alexander bisher nicht aufgeklärt 
werden konnte, setzt aber bedächtig hinzu, „obwohl der Verdacht oftmals 
ausgesprochen wurde, daß diese drei Juden gewesen wären.“ Im genannten Werk 
findet sich eine Liste von Persönlichkeiten, die dem „Grand Conseil“ angehörten 
und aus der zu ersehen ist, daß praktisch alle führenden Männer dieses neuen 
Großrates Hebräer waren. Abraham Alexander war der Großsekretär dieses Rates 
im 33. Grad, Isaac Cantor und Emanuel DeLaMotta im 33. Grad wurden 
Großschatzmeister, Jacob Deleon, Israel De Lieben wurden Generalinspekteure, 
Morris Goldsmith, Salomon Harby, Moses Michael Hayes (Großmeister von 
Massachusetts), David Labat, Moses C. Levy, Samuel Myers und Abraham 
Sasporte gehörten ebenfalls diesem „Sanhedrin“ an. Cantor, Deleon, Goldsmith, 
Levy, Labat und Sasporta gehörten alle zusammen der Beth Elohim-Synagoge an. 
Als weitere prominente Gründungsväter israelitischer Herkunft wären noch Moses 


303 Encyclopaedia Judaica, 17 Bände, Jerusalem 1972ff. Stichwort „Freemasons“. 

304 Publications of the American Jewish Historical Society, Bd. 19, published by the Society, 


1910. 



141 


Cohen, Dr. Isaac Held, Moses Levi, Moses Peixotto und - last but not least - 
„Perfektions“-Guru Isaac DaCostoa zu nennen. 305 

Da Morin „sein“ Hochgradsystem zuerst unter den Juden in der Südsee installiert 
hatte, kann es nicht überraschen, daß der Gründungskreis des A&A Schottischen 
Ritus immer wieder dorthin zurückgeführt wird. So schreiben amerikanischer 
Bürgerrechtler gar nicht zu Unrecht, daß dieser „Kabbalismus aus dem jüdischen 
Viertel von Curacao“ in die Staaten gelangt sei. Er erfuhr danach laufend durch 
mosaische Karibik-Abwanderer Verstärkung. Diese illuminierten Israeliten - erfahren 
wir weiter - waren zu einem hohen Anteil Sklavenhändler und -halter. 306 

Ebenfalls Sklavenhalter war der geadelte Kelte Alexandre de Grasse, der vor seiner 
Flucht in die USA auf Haiti die französischen Farmer in ihrem Unterdrückungskrieg 
gegen die aufbegehrenden Schwarzen angeführt hatte. 1801 setzte er sich nach 
Charleston ab, wo er an der Gründung der Schottischen Mutter-Weltloge teilhatte. 307 
Grasse war einer jener Pilgerväter, die durch Gründung ausländischer Tochterlogen 
das A&A-Virus in die Welt trugen. Auf jeden Fall zeichnete er für die Errichtung 
Oberster Räte in Jamaika (1803), Frankreich (1804) und Italien (1805) 
verantwortlich. In erster Finie aber sorgten esoterisch bzw. maurerisch interessierte 
Juden für die Verbreitung des Ordens. Und da bereits damals in praktisch allen Teilen 
der Erde israelitische Gemeinden bestanden, war bald der gesamte Globus mit einem 
engmaschigen Schottenmuster überzogen: Ein Netz, das die selbst von seinen 
Sekundanten nicht immer durchschaute Spinne Geheimvatikan nutzen konnte, um die 
Menschheit ihrer alttestamentarischen Bestimmung entgegenzuführen... 


Der freimaurerische B'nai B'rith 

Am 13. Oktober 1843 hatten sich im Sinsheimer Cafe, in der düsteren Essexstreet im 
Wallstreet viertel New Yorks, eine An z ahl Emigranten versammelt, um zu einer 
Ordensbegründung der ganz besonderen Art zu schreiten. Die Männer waren 
ausnahmslos deutsche Juden, darunter ein Femverwandter der Rothschilds, Morton 
Cohen. Ihr Ziel war es, eine Loge der Auslese zu gründen. So entstand der „United 
Order of B'nai B'rith“ (U.O.B.B.), zu deutsch der „B'nai B'rith - Orden“. Dem 
Vorbild des Alten und Angenommenen Schottischen Ritus folgend umspannte er 
bald den ganzen Erdball, den er der einfachen Verwaltung halber in 17 „Distrikte“ 
aufteilte hatte. 


305 

Executive Intelligence Review, „The Ugly Truth about the ADL“, Executive Intelligence 
Review, Washington D.C. 1992, Seite 11 

306 „The New Federalist“ (Hrsg.), „Bring Down The Pike Statue Now“, Leesburg/VA, April 1993, 
Seite 18 

307 „The New Federalist“ (Hrsg.), „Bring Down The Pike Statue Now“, Leesburg/VA, April 1993, 
Seite 18 



142 


Es würde hier zu weit führen, alle Prominenten namentlich aufzuzählen, die fortan 
Brüder dieses erhabenen Freimaurerzirkels waren. Im B'nai B'rith vereinigten sich 
staatenübergreifend führende Medienzaren, Bankiers, Politiker, Diplomaten, 
Verleger, Zeitungsmagnaten, einfach jedermann von Rang und Einfluß. 
Kommunisten wie millionenschwere „Kapitalisten“, Gewerkschaftsführer wie 
Arbeitgeber reichten sich hier die Hand zum Bunde. 

Nun ist die Maurerei bekanntlich ganz allgemein bestrebt, die Creme der Gesellschaft 
in ihren Reihen zu vereinen. Deshalb liegt die Besonderheit des B'nai B'rith auf 
einem anderen Gebiet: Dieser Ritus widersprach von Anbeginn seines Bestehens an 
eklatant gegen den freimaurerischen Grundsatz der Gleichheit von Völkern, 
Nationen, Konfessionen innerhalb der „einen Bruderkette“. All diese frommen 
Forderungen der Loge haben im U.O.B.B. keinerlei Geltung. In diesen heiligen 
Hallen wird nämlich einzig und allein Juden Zutritt gewährt. Die allgemeine 
Gleichstellung, die den Juden durch das Eintreten christlicher Maurer in Orden und 
Gesellschaft zuteil geworden war, verweigerten sie hier ihrerseits ihren Gönnern... 

Dieses religiös-ethnische Ausnahmegesetz schafft dem B'nai B'rith natürlich einen 
unschätzbaren Vorteil gegenüber der „normalen“ Freimaurerei. Durch 
Doppelmitgliedschaften seiner hebräischen Brüder erfährt er in jedem Grad, was sich 
in anderen Freimaurerlogen ereignet oder besprochen wird - der Informationsfluß 

TAO # 

bewegt sich aber nicht zurück. Und so ist über die Arbeiten des B'nai B'rith außer 
dem, was der Orden selbst in seinen offiziellen Kundgebungen darüber zu sagen 
beliebt, kaum etwas nach außen gedrungen. 

Da der Logenaufbau jedoch hier wie dort identisch ist und die gemeinsame 
Geschichte einander gewissermaßen verbindet, darf man dem Urteil manch 
unbeschnittenen Bruders wohl Glauben schenken. In der Freimaurer-Zeitung“ vom 
3. Juli 1897 sagte Br. Paul Richter: „Gerade wie in der Freimaurerei ist die 
praktische Wohltätigkeit nicht das Hauptziel des Ordens. Die wahren Ziele sind ganz 
anderer Natur.“ Und die freimaurerische Latomia berichtet in ihrer Ausgabe vom 
Mai 1929 auf Seite 60, daß der B.B. „rein jüdischen Zwecken dient.“ 309 Welche aber 
sind das? 

Ein deutlich auf die Absichten des Geheimvatikans hindeutendes Indiz liegt bereits 
im Namen der Gemeinschaft enthalten. B'nai B'rith, jiddisch „Bne Briss“, 
sephardisch „Beni Berith“ ist als „Söhne des Bundes“ zu übersetzten, wodurch sich 


308 

Nach dem gleichen Organisationsprinzip verfahrt die 1846 ebenfalls in New York gegründete 
mosaische Tochtergesellschaft „United Order of True Sisters“. Hier werden die hebräischen 
Ehefrauen prominenter und einflußreicher Persönlichkeiten beständig an ihre Verpflichtungen 
gegenüber dem Judentum erinnert. 

309 Friedrich Hasselbacher, „Entlarvte Freimaurerei“, Band I., Verlag Richard Geller, 1934, Archiv- 
Edition im Verlag für ganzheitliche Forschung und Kultur, Viöl 1992, Seite 84 



143 


der Orden direkt auf den althebräischen „Bund“ mit Gott Jahwe beruft. 310 Ganz in 
diesem Sinne referierte der U.O.B.B. selbst in der Festschrift zum 50jährigen 
Bestehen in Deutschland: „Das Wort B'nai B'rith erinnert an jenen erhabenen 
Moment, da unsere Ahnen am Fuße des Berges Horeb standen und die Botschaft 
vernahmen: Ihr sollt mir ein Reich von Priestern, ein heiliges Volk sein!“ Und nach 
dem „American Yewish Yearbook“ „besitzt der B'nai B'rith... eine lange Tradition 
der Verbundenheit und Förderung der Synagoge.“ 311 

Tatsächlich sitzen in dieser Organisation nicht wenige religiös-fundamentalistische 
Juden. Was indes interessant ist: Hier reichen orthodoxe Rabbiner ihre Bruderhand 
nationalgesinnten Zionisten, internationalen Weltbürgern, ja sogar „selbst¬ 
vergessenen“ Assimilierten. - In der profanen Welt wäre ein solcher Schritt undenk¬ 
bar. Die in der Öffentlichkeit auftretenden Gegensätze, ob echt oder nur gespielt, 
haben hingegen hinter den undurchschaubaren Tempelmauem des B'nai B'rith für 
leitende Funktionäre keine Bedeutung mehr. Einzig und allein die gemeinsame 
Besinnung auf ein vor Urzeiten überkommenes Erbe ist es, die hier zählt. Während 
der Geheim Vatikan in der übrigen Menschheit durch die Wehmaurerei nationale und 
kulturelle Gebundenheiten zu sprengen, religiöse und staatliche Autorität zu 
unterminieren und die Völker durch Mischung zu atomisieren sucht, führt er über die 
jüdischen Logen das Hebräertum wieder zur Bluts- und religiösen Geschlos-senheit 
zurück... 

Untersuchen wir vor diesem Hintergrund das unterirdische Wirken des B'nai B'rith 
von seiner Entstehung bis heute, dann tritt dessen Aufgabenstellungen recht klar 
zutage: Der Orden versteht sich als ebenso verdeckt wie international operierende 
Schaltzentrale des Judentums, welche die wichtigsten Unternehmungen des 
Geheimvatikans innerhalb der mosaischen Gemeinde koordiniert und nach außen 
rechtfertigt. Plastisch wird diese Zielsetzung in den Worten des Logenbruders 
Magnin, der frecherweise im halböffentlichen „B nai B'rith magazine“ schrieb: „Die 
B'nai B'rith sind nur ein Notbehelf. Überall dort, wo die Freimaurerei ohne Gefahr 
zugeben kann, daß sie der Natur wie dem Zweck nach jüdisch ist, reichen die 
gewöhnlichen Logen für die Arbeit aus.“ Die B'nai B'rith-Führung handelt dabei 
ganz konkret und sehr wahrscheinlich auch bewußt nach den Vorgaben des 
Geheimvatikans. 

Bald wurde ihr eine zweite mächtige Organisation an die Seite gestellt, die nicht 
ohne Zutun des U.O.B.B. ins Leben trat... 


310 

Nach der in den 20er Jahren in England erschienene Jewish Encyclopaedia, Artikel ’B’nai B rith. 
Zu Einzelheiten siehe den „Bund“ Jahwes mit Abraham und Isaac sowie Mose, unter anderem 1. 
Mose 17 bzw. 2. Mose 24. 312 Bernard Postal, American Yewish Yearbook, Nr. 45, 1943/44, Seite 

111 

311 

Die letztere Position wird dabei vor allem durch die dem U.O.B.B. angeschlossene „Anti- 
Defamation-League“ wahrgenommen, welche erst vor kurzem in den USA wegen Spionage für 
Israel in die Schlagzeilen geriet. 

312 

„B 'nai B’rith Magazine“, Bd. XLIII, Seite 8 . Zitiert nach Jacques Pioncard d’Assac, Rätsel und 
Geheimnisse: die B'nai B'rith, In: Kyrie eleison, Nr. 4/1987, Seit 63 



144 


Die Alliance Israelite Universelle 

Im Jahre 1860 wurde in Paris die erste öffentliche und weltumspannende politische 
Organisation des verstreut lebenden Judentums aus der Taufe gehoben: Die „Alliance 
Israelite Universelle“ (AIU). 

Am Taufbecken dieser Gemeinschaft befanden sich drei Gruppen von Männern. 
Zunächst einmal wären der Rabbi von Thorn (Russland) Hirsch Kalisher und Moses 
Hess, der ideologische Ziehvater von Karl Marx, zu nennen. Dieses sehr 
zurückgezogen agierende Zweigestim gilt als eigentlicher Inspirator und 
Strippenzieher der Alliance. Abgesetzt davon und im Rampenlicht stehend finden wir 
die offiziellen Funktionäre der ersten Stunde, deren Namen man getrost gleich wieder 
vergessen kann: Aristide Astruc, Isidor Cahen, Jules Carvalho, Narcisse Leven, 
Eugene Manuel und Charles Netter. Und dann gab es schließlich noch zwei Männer, 
die das weitere Schicksal der Alliance über Jahre prägen und bestimmen sollten: Zum 
einen Sir Moses Montefiore, seines Zeichens Hochgradfreimaurer der Londoner Loge 
„Mount Moriah“ (Tempelberg) 314 , Schwager des einflußreichen Bankiers Nathan 
Mayer Rothschild und Führer des britischen Judentums, zum anderen Isaac Adolphe 
Cremieux, französischer Justizminister des Revolutionsjahres 1848, 

TIC 

Höchstgradmaurer und von 1860 bis zu seinem Tod Großmeister des französischen 
Großorients - somit also Leiter des schottischen Freimaurertums der Grande 
Nation. 316 

Es war schon mit den Persönlichkeiten der Gründer der Alliance gegeben, daß 
diese alljüdische Weltorganisation in England, Frankreich, Belgien, Spanien, 
Portugal, Italien und Polen sowie in den Staaten Südamerikas in 
Organisationsgemeinschaft mit der Hochgradfreimaurerei des Großorients 
zusammengeschlossen wurde. Zwischen der obersten Leitung der Alliance und der 
des Großorients bestand fortan im weitestem Umfang Personalunion. Die 
Verbindung zwischen Freimaurertum und der „Israelischen Allianz“, die anfangs 
durch Cremieux hergestellt war, wurde mit der Zeit so eng, daß alle Freimaurer, die 
den 18. Grad des Großorients erreicht hatten, damit auch Mitglieder der Allianz 
werden konnten. Noch Jahrzehnte später konnte der christdemokratische deutsche 
Finanzminister und Vizekanzler Matthias Erzberger schreiben: „Wenn der 


314 Allan Oslo sowie Eugen Lennhoff/Oskar Posner (Hrsg.), „Internationales Freimaurer- 
Lexikon“, München/Zürich/Wien/Graz 1932. Bereits 1855 hatte sich Montefiore in Palästina 
einen umfangreichen Grundbesitz gesichert. 

315 

1832 wurde Cremieux durch den Großkommandeur des (Cagliostro'sehen) Misraim-Ritus, 
den Hebräer Marc Bedarride, in den 81. Grad, der höchsten kabbalistischen Stufe dieses Ordens 
aufgenommen. (Siehe De L'Ordre Maconnique de Misraim von Marc Bedarride, Band II, 1845, 
Paris, Imprimerie de Benard et Comp., Passage de Caire 2, S. 269 ff.) 

316 * 

Verein deutscher Freimaurer (Hrsg.), „Allgemeines Handbuch der Freimaurerei“, Max Hesse's 
Verlag, Leipzig 1900, Band I, Seite 164. Hier wird Cremieux' Titel in maurerischer Sprache wie 
folgt wiedergegeben: „Souveräner Großkommandeur des Obersten Rates (Supreme Conseil) des 
französischen Großorients“. Die „Encyclopaedia Judaica“ (17 Bände, Jerusalem 1972ff, Artikel 
„Freemasons“) behauptet, daß Cremieux erst seit 1869 über den Schottischen Ritus in Frankreich 
präsidiert habe, was zu spät angesetzt ist. 



145 


freimaurerische Großorient von Paris Zusammentritt, so ist das fast gleichbedeutend 

i*317 

mit einer Versammlung des Hauptvorstandes der 'Alliance Israelite'“. 

Offiziell stellte sich die AIU den Aufgaben, „1. allerwärts die Emanzipation und den 
moralischen Fortschritt der Juden zu fördern und 2. allen denen, die um deswillen, 
weil sie Juden sind, Verfolgungen erdulden, tatkräftigen Beistand zu leisten.“ 318 
Diese hehren Ziele entbehrten aber im Grunde keines speziellen Beistandes mehr, da 
zu dieser Zeit allerorten die noch verbliebene Judengesetzgebung fiel und sich vor 
allem das durch die Person D'Israeli jüdisch geleitete England in aller Welt 
erfolgreich zum Fürsprecher des Auserwählten Volkes machte. Es ist daher vielfach 
vermutet worden, die Gründung dieses israelischen Weltbundes habe anderen, 
weniger bescheidenen Zielen gedient. Tatsächlich gibt es Beweise dafür, daß die 
Ziele der AIU viel weiter gesteckt sind, daß sie getreu der messianischen Verheißung 
für die globalen Aspirationen des Geheimvatikans arbeitet und dafür die Kraft aller 
Juden der Welt mobilisieren will. 

Das Manifest, das als bestimmende Figur der nachmalige Präsident 319 Adolphe Isaac 
Cremieux zur Gründung der Weltallianz 1860 an die „Juden des Universums“ 
verschickte, ist in dieser Hinsicht aufschlußreich, da es erstmalig die Ziele der 
Gemeinschaft offenbart. In diesem Programm, das auf dem Kopf die Tafeln Mosis, 
etwas tiefer zwei sich berührende, ausgestreckte Hände und darunter den Globus 
zeigte schreibt Cremieux : 

„Die Union, die wir gründen wollen, soll keine französische, englische, irische oder 
deutsche, sondern eine jüdische Weltunion sein. Andere Völker und Rassen sind in 
Nationalitäten geteilt. Wir allein haben keine Staatsbürger, sondern nur 
Glaubensgenossen unter uns. Nicht eher wird ein Jude der Freund eines Christen 
oder Moslem sein, bevor nicht der Augenblick kommt, in dem das Ficht des 
Judenglaubens über die ganze Erde erstrahlen wird. Unsere Nationalität ist die 
Religion unserer Väter, und keine andere Nationalität erkennen wir an. Wir 
bewohnen fremde Fänder, und wir brauchen uns nicht um die wechselnden 
Interessen von Fändern zu kümmern, die uns völlig fremd gegenüberstehen. Die 
jüdische Fehre muß die ganze Erde überziehen. Israeliten! Egal wohin das 
Schicksal führt - obwohl über die ganze Welt zerstreut, müßt Ihr Euch doch immer 
vergegenwärtigen einer auserwählten Rasse anzugehören. Wenn ihr erkennt, daß 
der Glaube Eurer Ahnen eure einzige Vaterlandsliebe ist, wenn ihr erkennt, daß ihr 
unter Ausschaltung der Nationalitäten, die ihr bekennt, immer und überall eine 
einzige Nation bleiben und bilden werdet, wenn ihr daran glaubt, daß das Judentum 
allein die einzige religiöse und politische Wahrheit ist, dann, ihr Juden des Weltalls, 
kommt und hört unseren Ruf und gebt uns eure Zustimmung. Unsere Sache ist groß 


317 Friedrich Hasselbacher, „Entlarvte Freimaurerei“, Band I., Verlag Richard Geller, 1934, Archiv- 
Edition im Verlag für ganzheitliche Forschung und Kultur, Viöl 1992, Seite 159 

318 

Dubnow, „Die älteste Geschichte des jüdischen Volkes“, Band IX, Seite 458 

S 1 Q 

Von 1863 bis 1867 und nochmals von 1868 bis zu seinem Tod 1880. Vor Cremieux war 
Königswarter kurzzeitig das Haupt der Alliance. 

320 Nach „Moming Post“ vom 6. September 1920 



146 


und heilig, und ihr Erfolg ist garantiert. Das Christentum, unser Feind von jeher, 
von gestern und heute, liegt im Staube, tödlich aufs Haupt geschlagen. Das Netz, 
das Israel über den Erdball wirft, nimmt täglich an Ausdehnung und Größe zu, und 
die bedeutungsvollen Weissagungen unserer heiligen Bücher gehen ihrer Erfüllung 
entgegen. Die Zeit ist nahe, wo Jerusalem das Bethaus für alle Nationen und Völker 
wird und das Banner des jüdischen Monotheismus entrollt und an den fernsten 
Gestaden gehißt wird. 321 Nutzen wir die Gelegenheit! Laßt uns von allen 
Umständen Gebrauch machen. Unsere Macht ist unermeßlich, lernen wir, sie für 
unsere Sache einzusetzen. Wovor müßt Ihr Euch noch fürchten? Der Tag ist nicht 
mehr fern, wo alle Reichtümer, alle Schätze der Erde das Eigentum der Kinder 
Israels geworden sind.' 

Wenig später würdigte Cremieux in den von ihm selbst herausgegebenen Archives 
Israelites noch einmal die bedeutende Gründung, abermals den Hinweis auf das 
kommende Weltreich unter jüdischer Führung nicht ausklammernd: „Ein 
Messianismus der neuen Zeit(en) muß anbrechen und sich entwickeln/entfalten, ein 
Jerusalem einer neuen Ordnung, heilig gegründet zwischen dem Morgen- und 
Abendland, muß sich an die Stelle der Doppelreiche der Kaiser und Päpste setzen. 
Ich verberge es mir nicht, im Laufe einer langen Reihe von Jahren habe ich keinem 
anderen Gedanken als diesem Werk nachgehangen... Die Alliance Israelite 
Universelle hat ihre Wirksamkeit kaum begonnen, und schon läßt sich ihr Einfluß in 
der Feme spüren. Sie beschränkt sich nicht nur auf unseren Kultus, sie wendet sich 
an alle, sie will in alle Religionen eindringen, wie sie in alle Länder gedrungen ist. 
Die Nationen sollen verschwinden! Die Religionen sollen vergehen! Israel aber wird 
nicht aufhören! Denn dieses kleine Völkchen ist das auserwählte Gottes!“ 


321 

‘ Bezug auf Jesaja 56, 6-7: „Die Ausländer, die sich Jehova angeschlossen haben, um ihm zu 
dienen (... und) ihm zu Knechten zu werden... will ich zu meinem heiligen Berg bringen... Denn 
mein eigenes Haus wird ein Haus des Gebets für alle Völker genannt werden. 

~ Bezug auf Psalm 2, 8-9 „Erbitte von mir, so gebe ich dir die Nationen zum Erbe und die 
Enden der Erde zum Besitz. Du wirst sie mit eisernem Zepter zerbrechen, wie ein Töpfergefäß 
wirst du sie zerschmettern“ sowie Jesaja 60, 2: „Denn siehe, Finsternis, sie wird die Erde 
bedecken und dichtes Dunkel die Völker; aber über dir wird Jehova aufleuchten...“ 60, 3: „Und 
Nationen werden zu deinem Licht gehen und Könige zum Glanz deines Aufleuchtens“ 60, 5: „Zu 
jener Zeit (wird) der Reichtum des Meeres sich dir zuwenden; ja das Vennögen der Nationen 
wird zu dir kommen“ 60, 10: „Und Ausländer werden deine Mauern bauen, und ihre eigenen 
Könige werden dir dienen...“ 60, 11: „... das Vermögen der Nationen (bringt man) zu dir, und 
ihre Könige werden die Leitung übernehmen“ 60, 12: „Denn irgendeine Nation und irgendein 
Königreich, die dir nicht dienen werden, werden zugrunde gehen; und die Nationen selbst werden 
der Verwüstung anheimfallen“ 60, 14: „Und zu dir sollen, sich verbeugend, die Söhne derer 
gehen, die dich niederdrückten; und alle, die dich respektlos behandelten, sollen sich direkt zu 
deinen Fußsohlen niederbeugen, und sie werden dich die Stadt Jehovas, Zion des Heiligen 
Israels, nennen müssen.“ 60, 16: „Und du wirst die Milch der Nationen saugen, und an der Brust 
von Königen wirst du saugen...“ 60, 17: „...und ich will den Frieden zu deinen Aufsehern 
einsetzen und die Gerechtigkeit zu deinen Arbeitszuteilern.“ 

323 „Archives Israelites“, Heft/Band 25, Seite 514f, 15. Juni 1861 und gl. Dat. 1864 - u. a. nach 
„Revue Internationale des Societes secretes“ von 1922, Seite 213 sowie Huber, E., 
„Freimaurerei“, o.J. (1934?), Seite 160. Die „Revue internationale des Societes secretes“ erschien 
vom 1. Januar 1912 bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges. Als Herausgeber fungierte bis 
zu seinem Tod 1932 der Apostolische Protonotar Abbe Ernest Jouin. 



147 


Soweit eine Selbstbeschreibung der ersten international-öffentlichen Vertretung des 
Judentums, die auf viele Jahrzehnte hinaus den stärksten Einfluß auf das Schicksal 
der Israeliten ausüben sollte. Es ist kaum daran zu zweifeln, daß Cremieux jedes 
seiner Worte ernst meinte und daß wir hier den eigentlichen - talmudistischen -Zielen 
der Alliance Israelite Universelle gegenüberstehen. 

Die fundamentalistische Geistlichkeit jedenfalls scheint an dem eigentlichen Wesen 
der nur scheinbar weltlichen Alliance nie gezweifelt zu haben. Wie sonst soll man 
erklären, daß kein geringerer als der Oberrabbiner von Frankreich im Jahre 1868 
unwidersprochen dozieren durfte: „Der Messias, ob Mensch oder Idee, den der Jude 
erwartet, dieser gloriose Feind des Christenheilandes, ist noch nicht gekommen, aber 
sein Tag naht. Schon fangen die Völker an, geführt von den Gesellschaften der 
Regeneration, des Fortschritts und der Erleuchtung 324 , sich vor Israel zu neigen. 
Möge die ganze Menschheit, fügsam der Philosophie der Alliance Israelite 
Universelle, dem Juden Folge leisten, ihm, der die Intelligenz der vorgeschrittenen 
Völker beherrscht. Die Menschheit wende ihr Antlitz zur Hauptstadt der erneuerten 
Welt; dies ist nicht Fondon, nicht Paris, nicht Rom, sondern das aus den Ruinen 
entstandene Jerusalem, welches zugleich die Stadt der Vergangenheit und der 
Zukunft ist.“ 325 


324 d.i. die Freimaurerei 

325 Archives Israel, XI, S.495 




149 


Soziale Einrichtungen und Vorstellungen sind ebenso 
wie die Religion typische, ursprüngliche Schöpfungen 
der Rasse. Das Rassenproblem liegt hinter allen 
Problemen der Nationalität und Freiheit verborgen. 
Die ganze Vergangenheit war ein einziger Kampf 
unter den Klassen und Rassen. Der Rassenkampf ist 
erstrangig, der Klassenkampf zweitrangig. (Moses 
Hess, „Rome and Jerusalem 1862, Neuauflage New 
York 1958, Seite 10) 

Es war niemals Ziel des Zionismus, die Juden dort zu 
retten, wo sie lebten, oder vor Ort ihre 
Lebensbedingungen zu verbessern. Das Ziel der 
Staatsgründung und die Existenz eines eigenen 
Staates hatten Vorrang gegenüber allen anderen 
Überlegungen. Aus diesem Grund versuchte die 
zionistische Bewegung, Pläne zur Rettung von Juden 
innerhalb Europas zu vereiteln, oder vermied es, sich 
in den Ländern, in denen sie lebten, dem Kampf um 
demokratische Rechte anzuschließen. Allein das 
spricht dem Zionismus das Recht ab, sich als 
nationale Befreiungsbewegung zu bezeichnen - das 
heißt, als eine Bewegung, die gegen Unterdrückung 
kämpft. (Die jüdisch-israelische Soziologin Tikva 
Honig-Parnass) 

Kapitel 4.6 


Die Palästina-Verheissung und die 
ideologische Begründung des 
Zionismus 


Die erfolgreiche Emanzipation des hebräischen Volkes 

Mit ihrem mehr offiziellen Anliegen, das Judentum aus seiner mittelalterlichen 
Knechtschaft zu erlösen, kam die Alliance in der Tat ein wenig spät... Die 
politische, soziale wie wirtschaftliche Situation der Israeliten zeigte sich nämlich 
Mitte des 19. Jahrhunderts glänzend wie nie zuvor. Seit den Revolutionen in 
Amerika und Frankreich machte die Emanzipation des auserwählten Volkes in der 
ganzen Welt Fortschritte. Über die bloße Gleichberechtigung hinaus, nahmen 
Hebräer in den maßgeblichen Machtstaaten eine Stellung ein, die zu ihrem 

^96 

Verein „Gegentagung zum Herzl-Jubiläum“ (Hrsg.), „Hundert Jahre Zionismus - Befreiung 
oder Unterdrückung?“, ISP-Verlag, Köln 1998, Seite 121 



150 


Bevölkerangsanteil geradezu in krassem Widerspruch stand. Mochten mancherorts 
noch letzte Restbestände von maßregelnden Sonderbestimmungen für Juden 
bestehen, so waren diese im Ganzen gesehen dennoch in der Alten wie der Neuen 
Welt ein (mitbestimmender Machtfaktor. Hier wie dort kontrollierten sie den Handel, 
die Börsen und Banken, das Zeitungswesen. Bereits hatten sie ihre ersten Vertreter in 
die Parlamente entsandt, wo sie einen starken Einfluß auf die Parteienlandschaft und 
damit die Legislative gewinnen konnten. 

Ein anschauliches Beispiel für den parlamentarischen Aufstieg der einstmals 
Ausgestoßenen Europas bietet die politische Landschaft in Deutschland, die - von 
ganz links bis ganz rechts - durch hebräische Entscheidungsträger geprägt war. Der 
revolutionäre Sozialismus nebst der überstaatlich organisierten Arbeiter¬ 
internationale waren ureigene Schöpfungen des „Kommunistenrabbi“ Moses Hess 
und seines Schützlings Karl Mordechai-Marx. Die reformatorischen Sozialdemo¬ 
kraten waren von Ferdinand Lassalle gegründet worden, und wurden von dem-selben 
auch geleitet. Die Linksliberalen („Freisinnige“) wurden maßgeblich von Ludwig 
Bamberger, ehemals Leiter des großen Bankhauses von Bischoffsheim und 
Goldschmidt in Paris, gegründet. Die Rechts-(„National“)liberalen hob an führender 
Position Eduard Lasker aus der Taufe. Lasker entwickelte sich - neben Bennigsen - 
zum zweitwichtigsten Persönlichkeit der Partei, einen Rang, den ihm allenfalls 
Friedrich Julius Stahl streitig machen konnte. Stahl, der ebenfalls Gründungs¬ 
mitglied der Nationalliberalen gewesen war übte auf König Friedrich Wilhelm IV 
den größten Einfluß aus. Von diesem zum lebenslänglichen Mitglied der damaligen 
Ersten Kammer (des späteren Herrenhauses) ernannt, entwickelte sich Stahl hier bald 
zum Führer der auf der äußersten Rechten stehenden Hochkonservativen („Fraktion 
Stahl“). 

Den wichtigsten Schritt aber machte das Volk Jahwe, als es vermittels der Zuarbeit 
des mächtigen Bankhauses Rothschild im Jahre 1858 gelang, die letzten 
antijüdischen Gesetzeshürden in der damals führenden Weltmacht, in 
Großbritannien, niederzureißen. Praktisch nur Momente darauf meldete sich im 
Parlament die Stimme Israels deutlich zu Wort. Seit diesem Zeitpunkt war eine 
Symbiose israelitischer und englischer Interessen unübersehbar. Allen anderen 
Staaten voran nahm sich Britannien nunmehr der Juden in aller Welt an. So wurde 
das britische Außenamt durch seine Gesandten bereits in den Jahren 1860/1862 
erfolgreich wegen noch bestehender Gesetzeslücken zuungunsten des Judentums 
oder innenpolitischen Streitfällen bei den Regierungen der Wallachei, Korfu und 
Tripolis vorstellig. Unnötig zu erwähnen, daß diese Einmischungspolitik dem 
Ansehen Englands in den betreffenden Staaten nicht eben zuträglich war. Indes war 
die Position Londons viel zu stark, als daß es den solcherart brüskierten Ländern 
ratsam erschien, einfach die Ohren zu verschließen. 


297 

Charles Emanuel, „A Century and a Half of Jewish History“, 1910. Nach Peter Aldag, „Der 
Jahwismus beherrscht England“, 1940, Archiv-Edition im Verlag für ganzheitliche Forschung 
und Kultur, Struckum 1989, Seite 145-149 



151 


Die im Alten Testament dem Stammesgott Jahwe zugeschriebene Prophezeiung, den 
exilierten Kindern Israels werde eines Tages die Führerschaft der nichtjüdischen 
Staaten zufallen, schien langsam seiner Erfüllung entgegen-zustreben. Als Präsident 
der Alliance Israelite Universelle kommentierte Isaak Cremieux diese rosigen 
Aussichten 1864 mit den seherischen Worten: „Israel wird über die ganze Welt 
herrschen. Alle Völker und Nationen, die bestehen oder sich bilden werden, werden 
zerfallen und vergehen; so viel Religionen auch immer bestehen mögen oder aus 
anderen hervorgehen, sie werden alle verschwinden. Aber Israel wird niemals enden! 
Dieses kleine Volk ist die Größe Gottes! Die Religion Israels wird nicht untergehen! 
Diese Religion ist die Einigkeit Gottes! Wer Israel sagt, drückt die Universalität aus. 
Schreiten wir also fest und entschlossen auf dem Wege, der uns bereitet ist.“ 328 


Die Gefährdung des jüdischen Kultus 

Die zunehmende Öffnung der so lange in altem Kastendenken verharrten 
Gesellschaften kam nicht allein der ohnehin schon seit langer Zeit begüterten 
jüdischen Oberschicht zugute. Sie betraf jetzt endlich auch die Masse des Volkes an 
sich. Immer mehr Juden konnten heiraten, wen sie wollten, wohnen, wo es ihnen 
gefiel, Berufe ergreifen, die ihren persönlichen Anlagen und Wünschen entsprangen. 
Eine vollständiges Aufgehen der so lange abseits Gehaltenen unter den Gastländern 
schien von daher nur eine Frage der Zeit, und dieser Assimilierungsprozeß mußte auf 
kurz oder lang unausweichlich an den Grundfesten des jüdischen Volkes selbst 
rütteln. 

Es war nur zu klar, daß der einmal in Gang gesetzte ethnische wie kulturelle 
Angleichungsprozeß am Ende - wenn überhaupt - allein die Religion, nicht aber den 
anthropologischen Rahmen des Judentums übriglassen würde. Ein Auflösungs¬ 
prozeß völkerkundlicher Werte aber mußte, gerade vor dem Hintergrund des beide 
Begriffe gleichsetzenden Alten Testaments, zugleich die Überlieferung der Propheten 
in Frage stellen. Die Hebräer wären in diesem Falle als überreife Früchte jener 
Religion zugefallen, die am deutlichsten mit den Grundzügen einer 
emanzipatorischen Gesellschaft korrespondierte: dem Christentum. 

Deshalb - schlicht und ergreifend aber auch weil es ihnen die „Vorsehung“ so 
vorgeschrieben hatte - hatte der Geheimvatikan der bewußt geförderten 
Emanzipation zugleich einen Ausgleichprozeß attachiert. Demnach sollte ein 
eigenes jüdisches Staatswesen geschaffen werden, in dem - quasi wie in der Arche 
Noah - die Juden als Volk, als Religionsgemeinschaft sowie als Kulturträger 
erhalten und durch die Stürme der Zeit gesteuert werden konnte. Denn erst wenn 
die Kinder Mose nach Palästina zurückgekehrt und die Welt unter einer 


328 Zeitschrift für Politik, 1940, Seite 332 (Ballensiefen) 



152 


Zentralregierang geeinigt war, sollte sich der Thora zufolge die Bestimmung des 
Geheimvatikans erfüllt haben. 

So tauchte ausgerechnet jetzt auf dem Höhepunkt von Prosperität, 
Gleichberechtigung und Angleichung eine Bewegung unter den Juden auf, die sich 
die biblische Prophezeiung zum Ziel setzte, eine große An z ahl ihrer Genossen aus der 
gastfreundlich gewandelten Heimat zu entfernen, um diese nach fast 2000 Jahren in 
die längst vergessene, inzwischen türkisch regierte Wüste Sinai zurück zu 
verpflanzen. 


Die ideologische Begründung des Zionismus 

Daß dieser Gedanke Jahrtausende alten Endzeitvorgaben des religiösen Judentums 
entspricht, wurde bereits erwähnt. Das sieht auch Jacob Katz, wenn er schreibt: „Die 
ideologischen Erklärungen der frühen Zionisten, in denen sie ihrer Überzeugung 
Ausdruck gaben, ihr Kampf um eine gerechte jüdische Gesellschaft führe das Erbe 
der alten hebräischen Propheten fort, enthielten oft deutliche messianische 
Untertöne.“ 329 

„Rabbi Zvi Hirsch Kalischer und (der Sozialist) Moses Hess“, präzisiert Katz, 
„entwarfen eine proto-zionistische Vision, Hess eine von weltlicher, Kalischer eine 
von religiöser Färbung, und beide betrachteten sich als legitime Interpreten der 
messianischen Tradition. Als moderner Denker war Hess natürlich nicht von 
dogmatischen Rücksichtnahmen behindert und fühlte sich frei, aus der 
messianischen Tradition dasjenige auszuwählen, was mit seinen Vorstellungen 
übereinstimmte. Kalischer mußte sich mit den fundamentalistischen Auffassungen 
auseinandersetzen, und das Ergebnis war ein bemerkenswerter Kompromiß. Er hielt 
am Dogma eines Personenhaften Messias fest, verlegte jedoch das Datum seiner 
Ankunft auf einen späteren Zeitpunkt im Erlösungsprozeß, während die unmittelbar 
zu unternehmenden Schritte - nämlich die Sammlung des Volkes in seinem 
Heimatland - von ihm als eine menschliche Aufgabe verstanden wurden.“ 

Beschäftigen wir uns an dieser Stelle etwas näher mit Hess, der den Zionismus 
populärwissenschaftlich auf die breite - auch nichtjüdische - Masse ausrichtete: 
Bereits 1841 hatte dieses illuminierte Multitalent mit seinem Entwurf einer 
„Europäischen Tetrarchie“ den Gedanken der europäischen Staatenunion 
vorweggenommen. Auf der anderen Seite gilt er aber auch als maßgeblicher 
Schöpfer der sozialistischen Ideologie und war der Spiritus Rector, der Marx wie 


329 Jacob Katz, „ 
1993, Seite 31 f. 

330 Jacob Katz, „ 
1993, Seite 32 f. 


Zwischen Messianismus und Zionismus“, Jüdischer Verlag, Fra nk furt am Main 
Zwischen Messianismus und Zionismus“, Jüdischer Verlag, Fra nk furt am Main 



153 


Engels auf den Weg gebracht und sie das Verächtlichmachen aller Religionen 
gelehrt hatte. 

In seinem programmatischen Werk „Rom und Jerusalem. Die letzte 
Nationalitätenfrage“ forderte der „Kommunistenrabbi“ 1862 einen eigenen Staat für 
die Juden, womit er zum ideologischen Begründer des Zionismus wurde. 331 Ein 
Mann, der alle Völker zu Weltbürgern degradieren wollte, der alle nichtjüdische 
Nationalisten der Engstirnigkeit zieh - man darf nicht vergessen, daß der 
Nationalismus zu dieser Zeit demokratische Züge trug - predigte den Kindern Israels 
dagegen: „Wer immer den jüdischen Nationalismus ablehnt, ist nicht nur ein 
Verräter seines Volkes und seiner Angehörigen. Sollte es sich erweisen, daß die 
Emanzipation der Juden nicht mit dem jüdischen Nationalismus vereinbar ist, dann 
müssen die Juden die Emanzipation opfern ... Jeder Jude muß an erster Stelle 
jüdischer Patriot sein.“ 

Mit Recht sieht der Chasside Martin Buber in Heß den „Begründer des modernen 
zionistischen Gedankenbaus“ und betont, „daß es innerhalb dieses Baus nicht ein 
einziges Prin z ip gibt, das nicht bereits in Hessens 'Rom und Jerusalem' entworfen 
wäre.“ 333 Es darf daher nicht verwundern, daß dieser große „Visionär“ nicht im Land 
seiner Geburt und seines Wirkens, in Deutschland, sondern in Israel begraben liegt. 


Der biblische Hintergrund des Moses Hess 

Hess hatte als Vater des Kommunismus und der sozialistischen Internationale stets 
die Zerstörung aller „Vaterländer“ im Auge gehabt, was auch in seiner Anwaltschaft 
für den Europagedanken deutlich zum Ausdruck kommt. Gleichzeitig setzte er dem 
Zionismus das Ziel, die verstreut in der Welt lebenden Juden zu sammeln und ihnen 
eine Nation zu schenken. Hess hatte seine Schüler Marx und Engels auf die 
Vernichtung der Religionen eingeschworen. Gleichzeitig war er selbst ein gläubiger 
Jahwejünger. 

Tatsächlich lag in der Religion die eigentliche Antriebskraft dieses naiven Geistern 
vielleicht mysteriös anmutenden Mannes. Sein erstes Buch trug den Titel „Die 
heilige Geschichte der Menschheit“. Hess behauptete, daß es „ein Werk des Heiligen 
Geistes der Wahrheit“ 334 sei und sagte weiter: „Ich bin gerufen, für das Licht zu 
zeugen, wie Johannes der Täufer.“ 335 


331 

Auch das Philo „Lexikon, Handbuch des jüdischen Wissens“ (Philo-Verlag, Berlin 1937, 
Seite 291) weist daraufhin, daß Hess als Vordenker des Zionismus zu gelten habe. 

332 Moses Hess, Ausgewählte Schriften, Melzer Verlag, Köln 1962, S. 236f. 

333 M. Buber, Israel und Palästina, Zürich 1950, Seite 140 

334 Silberner, Edmund, Moses Hess, Brill, Leiden 1966, S. 31 

Silberner, Edmund, a.a.O., S. 32. Fragt sich, wer der von Hess ins Feld geführte „Heilige Geist 
der Wahrheit“ nun ist. „Das Licht“ bedeutet esoterisch und im Vokabular der Loge „Wissen“ und 
wurde der Gnostik zufolge von Luzifer zur Erleuchtung (Illumination) des Menschen gebracht. 



154 


Hess dachte gern in den Formen des Rassismus, so auch in religiösen Fragen. So 
spöttelte er, daß „die christliche Welt Jesus für einen jüdischen Heiligen hält, der 
Nichtjude wurde .“ 336 Hess, für den Jesus „ein Jude (war), den die Heiden als ihren 
Erlöser vergöttern“ 337 , meinte, es sei „indogermanisch“, wenn ein Mensch per¬ 
sönliche Heilung suche. Ihm zufolge sei aber dazu ein Heiland nicht nötig, wie es das 
jüdische Volk bewiesen habe. In diesem Sinne schrieb er: „Jeder Jude hat die 
Veranlagung zu einem Messias, jede Jüdin die zu einer Mater dolorosa .“ 338 Diese 
Überhöhung des Judentums, ob in religiöser, kultureller oder gar rassistischer 
Hinsicht findet sich bei Hess fortlaufend, wenn auch oft versteckt. Das Ziel der Juden 
muß, laut Heß, ein „messianischer Zustand“ sein, „der die Welt nach dem göttlichen 
Plan gestaltet .“ 339 „Wir sehnen uns heute nach einer viel umfassenderen Erlösung, als 
sie das Christentum uns bietet .“ 340 Während Hess alle Religionen in Grund und 
Boden verdammte, schrieb er in seinem Buch „Rom und Jerusalem“ über „unsere 
heiligen Schriften“, die „heilige Sprache unserer Väter“ und „unseren Kult “. 341 Und 
auch die folgenden Worte stammen aus der Feder von Hess: „Unsere (jüdische) 
Religion hat die Begeisterung einer Rasse zum Ausgangspunkt, die vom ersten 
Auftritt auf der Geschichtsbühne an das endgültige Ziel der Menschheit voraussah 
und die eine Vorahnung der messianischen Zeit hatte, in der der Geist der Humanität 
erfüllt wird, nicht nur in diesem oder jenem Individuum oder auch nur teilweise, 
sondern den sozialen Einrichtungen der ganzen Menschheit.“ Und für sich selbst 
bekennt der sonst so kirchenfeindliche „Kommunistenrabbi“, der vorgab, die 
Religion für das Opium des Volkes zu halten: „Ich wurde stets durch hebräische 
Gebete aufgerichtet .“ 343 

hi seinem theokratischen „Schlüssel zur Weltgeschichte“ schreibt er: „Wir Juden 
haben seit dem Anfänge der Geschichte den Glauben an die messianische 
Weltepoche stets mit uns herumgetragen. Er ist in unserem Geschichtscultus durch 
die Sabbathfeier ausgesprochen. In der Sabbathfeier ist der Gedanke verkörpert, 
der uns stets beseelte, der Gedanke, daß die Zukunft uns ebenso gewiß einen 
Geschichtssabbath bringen werde, wie die Vergangenheit uns den Natursabbath (d. i. 
die Ruhe nach der göttlichen Weltschöpfung) gebracht, daß die Geschichte wie die 
Natur ihre Epoche der harmonischen Vollendung haben werde. Die biblische 
Schöpfungsgeschichte ist nur wegen des Sabbaths gegeben worden. Sie sagt uns: 
Als die Schöpfung der natürlichen Welt mit jener des höchst organischen Wesens 
der Erde, mit dem Menschen vollendet war und der Schöpfer seinen Natursabbath 
feierte, da erst fingen die Werktage der Geschichte an, da erst begann die 
Schöpfungsgeschichte der sozialen Welt, welche ihren Sabbath nach der 


Der „Licht“-Begriff wird als Allegorie häufig von der Freimaurerei verwandt. Daß selbige Brüder 
Johannes den Täufer als einen der ihren feiern, ist bekannt. 

336 Moses Hess, Ausgewählte Schriften, Melzer Verlag, Köln 1962, S. 308 

337 Moses Hess, a.a.O., S. 229 

338 

Moses Hess, Rome and Jerusalem, Philosophical Library, New York 1958, S. 15 

339 Moses Hess, a.a.O., S. 18 

340 Moses Hess, Ausgewählte Schriften, Melzer Verlag, Köln 1962, S. 243 

341 Silberner, Edmund, Moses Hess, a.a.O., S. 421 

34 ? 

Moses Hess, Ausgewählte Schriften, Melzer Verlag, Köln 1962, S. 324 
343 Moses Hess, Rome and Jerusalem, Philosophical Library, New York 1958, S. 27 


155 


Vollendung der ganzen weltgeschichtlichen Arbeit, in der messianischen Weltepoche 
feiern wird. Hier haben Sie die hohe Bedeutung der mosaischen Genesis 344 , in 
welcher bornierte Supematuralisten Naturwissenschaft studieren. Wie Sie sehen... 
gibt uns schon das Sabbathgesetz die Gewißheit von dem in der Natur und 
Geschichte waltenden, einmüthigen und ewigen Gottesgesetz... 

Dieses Weltalter beginnt nach unserer Geschichtsreligion mit der Messiaszeit. Es ist 
die Zeit, in welcher die jüdische Nation und alle geschichtlichen Völker wieder zu 
neuem Leben auferstehen, die Zeit der 'Auferstehung der Toten', die 'Wiederkunft des 
Herrn', des 'neuen Jerusalems', und wie die verschiedenen symbolischen 
Bezeichnungen, deren Bedeutung nicht mehr mißverstanden werden kann, sonst noch 
heißen mögen. Die Messiaszeit ist das gegenwärtige Weltalter, welches mit Spinoza 
zu keimen begonnen hat und mit der großen französischen Revolution ins 
weltgeschichtliche Dasein getreten ist... 

Das jüdische Volk ist bis zur französischen Revolution das einzige Volk der Welt 
gewesen, welches zugleich einen nationalen und humanitären Cultus hatte. Durch das 
Judentum ist die Geschichte der Menschheit eine heilige Geschichte geworden, ich 
meine ein einheitlicher, organisierter Entwicklungsprozeß, der, mit der Familienliebe 
beginnend, nicht eher vollendet ist, bis die ganze Menschheit eine einzige Familie 
sein wird, deren Glieder ebenso solidarisch durch den heiligen Geist, den 
schöpferischen Genius der Geschichte, verbunden sein werden, wie die 
verschiedenen Organe eines lebendigen Körpers es mittels einer ebenso heiligen 
schöpferischen Naturkraft sind .“ 345 


Das imperiale Wesen des religiösen Zionismus 

Wie die Person des Mose Heß so ist auch der von diesem populär gemachte jüdische 
Reichsgedanke nur vor dem Hintergrund der jahwitischen Religion zu verstehen. 
Hierin hegt ein zentrales Unterscheidungsmerkmal zu den rein politischen 
Nationalbewegungen der anderen Völker. 

Der religiösisraelitische Zionismus ist die politische Bewegung, auf welcher das 
Gottesreich auf Erden seiner Verwirklichung entgegengetragen werden soll. Der 
Judenstaat Israel ist dabei nur ein bzw. das erste Teilstück der Verwirklichung der 
alttestamentarischen Prophezeiungen. Die Gesamtheit des Gottesreiches umfaßt das 
Land Kanaan, auf das die Juden Anspruch erheben. Kanaan ist aber nicht einfach die 
Heimstätte in Palästina; es ist ganz einfach das irdische Paradies, welches alles 
bebaute Land auf Erden umfaßt, wie es in wörtlicher Übersetzung in dem Bunde 
genannt wird, den Jahwe, der Gott der Juden, mit ihrem Stammvater Abraham 
abgeschlossen hat. 

344 Bereschit, 1. Buch Mose, von der Weltschöpfung bis Josefs Tod. 

345 Heß, M., Rom und Jerusalem, Seite 66 und 70 



156 


In diesem Sinne ist das staatliche Domizil, welches ein weltbeherrschendes Bankhaus 
inmitten der größten Finanznation der Welt erstreben mag, auch nichts anderes als 
was der Verkünder des sogenannten Kulturzionismus Achad Haam (Dr. Asher 
Ginzberg) später unter der öffentlich rechtlichen Heimstätte der Juden verstand, das 
Zentrum. Es handelt sich um die Mitte, an die sich die übrige Welt anlehnt und diese 
Mitte ist die Kraftquelle, welche ihre Lebensströme bis in die letzten Winkel des 
Landes Kanaan, also alle „bebauten“ Länder der Erde senden wird. Palästina soll als 
eine Art chassidischer „Vatikanstaat“ den Tempel beherbergen, der die 
gesetzgeberische Macht aufnimmt, aus der eine allgemein gültige Vernunft in alle 
Diaspora-Gemeinden des Judentums hinausfließt. Daß dieser Zivilisationszentrale 
alle Macht unterstellt ist, die in irgendeinem Lande der Erde von Juden beherrscht, 
gelenkt oder beeinflußt ist, gehört zur Konzeption des Reiches, welches wie kein 
zweites auf Erden, dem Gotte Jehova geweiht ist und die Erfüllung aller 
Versprechungen seiner Propheten darstellt. 

Es ist unbestritten, daß es in den Kindestagen des Zionismus verschiedene, einander 
zum Teil offen befehdende Strömungen gab. Eine sehr große Anzahl Juden sah in der 
Etablierung eines eigenen Staatswesens den idealen Fluchtpunkt für ein immer 
wieder bedrängtes und in Frage gestelltes Volk. In vielen Führern - darunter auch 
dem großen Theodor Herzl - mag ganz ehrlich der idealistische Wunsch eines 
Unerlösten lebendig geworden, auf eigener Scholle eine Lebenspyramide der 
Jüdischen Nation“ zu erbauen. Die Orthodoxen dagegen vertraten das wirkliche 
jüdische Wesen, wenn sie diese Seite des Zionismus als Nachahmung der 
Lebensauffassung des Abendlandes scharf ablehnten und eine „Wehmission“ in 
Anspruch nahmen, den Versuch aus „Israel“ eine Nation wie jede andere zu machen, 
bewußt als einen „Niedergang“ bekämpften. 

Auf dem Zionistenkongreß im August 1929 in Zürich begründete der Hess- 
Bewunderer Martin Buber die verschiedenen Ansichten. Es gebe drei 
Grundanschauungen von der jüdischen Nation: eine, die besage, Israel sei weniger 
als eine Nation. Eine zweite, die Israel an die Seite der modernen Nationen stelle. 
Und schließlich eine dritte, die auch die Ansicht Bubers sei, die Israel über den 
Nationen zeige. Dazu bemerkte das Frankfurter Zentralblatt der Orthodoxie, „Der 
Israelit“, Nr. 33 vom 15. August 1929: „Das ist es ja, was wir seit Jahr und Tag 
sagen und womit wir unsere ablehnende Stellung zum modernen Zionismus 
begründen, daß er nicht Israel über die Nationen stellt, sondern Israel mit und 
gleich den Nationen lehrt. Wäre die zionistische Ideologie von dem Gedanken der 
Auserwählten Israels, mit prophetischer Mission führend an der Spitze der Völker 
zu marschieren, befruchtet, würde Buber, der erfolgreiche Vermittler des biblischen 
Wortes und Gedankens, die übernationale Aufgabe Israels so verstehen, wie er sie 
von den Propheten gelernt haben müßte, und rückten dann diese Worte, so 
verstanden, als Programmpunkte ins Zentrum des zionistischen Denkens und 
Geschehens, wir hätten kaum noch einen Grund, im Zionismus eine gegensätzliche 



157 


Auffassung der jüdischen Nation, ihrer Welthoffnung und Weltaufgabe zu sehen und 
zu bekämpfen.“ 346 


Fatalerweise sollte sich der religiöse Nationalstaatsgedanke gegen seine weltlichen 

-iah 

Alternativen schließlich durchsetzen. 


Rußland zwischen biblischer Auserwähltheit und 
zaristischer Assimilierungspolitik 

Bald schon ging der Geheimvatikan daran, seine Schäfchen auf die Landnahme in 
Palästina vorzubereiten. Das zentrale Problem lag nun darin, daß das Judentum 
praktisch an keinem Punkt der Erde ausreichend mit handwerklicher oder bäuerlicher 
Arbeit - einer Vorbedingung zur Erschließung von Kolonialgrund -vertraut war. Und 
so mußte die Nationalstaatsbewegung auf das weltweit einzige Land zielen, in dem 
Glaubensgenossen lebten, die landwirtschaftliche Erfahrungen besaßen: Rußland. 

Dem zum Gegensatz aber war die russische Regierung eindringlich bemüht, durch 
Fortnahme der seit langem bestehenden Ausnahmegesetze aus den im Lande 
Geknechteten patriotische Bürger zu formen. Motor dieser Politik der ausgestreckten 
Hand war Alexander II. 348 Diesem Zaren wurde in der Geschichte der Beiname „der 
Befreier“ gegeben, denn er war es, der 1861 das Landvolk in weitgehendem Maße 
von den drückenden Fesseln des Großgrundbesitzes befreite und die Leibeigenschaft 
aufhob. 49 Noch im gleichen Jahr erlaubte der Monarch israelitischen 
Universitätsabgängern das Siedeln und die Übernahme von Regierungsämtem in 
ganz Rußland. Es ist heute völlig unstrittig, daß Alexander bemüht war, ganz 
allgemein die Lage seiner jüdischen Untertanen zu verbessern. 350 Konsequenterweise 
vereinigten sich dagegen in erbitterter Opposition jüdische Orthodoxie und Zionisten, 
die beide gleichermaßen auf ein ethno-anthropologisch „reines“, assimilierungs- 
unwilliges Volk pochten. 

Der aufgeklärte Zar aber ließ sich nicht beirren und ging seinen Weg 
der Liberalisierung beharrlich weiter. Als er 1864 die damals modernste 


346 Alfred Rosenberg, „Der Mythus des 20. Jahrhunderts“, Hoheneichen-Verlag, München 1943, 
Seite 464f. 

S47 

Als die UNO-Vollversammlung Ende 1975 vor dem Hintergrund israelischer Apart-heidgesetze 
mit 72 gegen 35 Staatenstimmen den Zionismus als „eine Form der Rassendiskriminierung“ 
verurteilte, erklärte der israelische UN-Botschafter Chaim Herzog, die Resolution sei ein 
eindeutiger Akt des Antisemitismus, „der erste organisierte Angriff auf die jüdische Religion (!) seit 
dem Mittelalter.“ („San Jose News“ vom 17. Oktober 1975) 

Meyers Konversations-Lexikon, 5. Auflage, 9. Band, Bibliographisches Institut, Leipzig/Wien 
96, Seite 648 

349 Die USA hoben übrigens die Sklaverei in ihrem Land erst Jahre später auf. 

" Meyers Konversations-Lexikon, 5. Auflage, 9. Band, Bibliographisches Institut, Leipzig/Wien 
1896, Seite 648 



158 


Gerichtsordnung der Welt schuf, mußte der Geheimvatikan gewahr geworden sein, 
daß seinem ewiggestrigen Gedankengut das letzte Stündlein geschlagen hatte, wenn 
es ihm nicht gelänge, der Werbung um das Judentum Einhalt zu gebieten. 

Diese Aufgabe übernahm seit 1866 - wie auf Bestellung - der in Rußland beheimatete 
Rabbi Jacob Brafmann, Professor für Hebräik am Seminar zu Minsk. Zum 
Christentum „bekehrt“ widmete der „Insider“ sein Schaffen fortan der Anprangerung 
des Judentums, wobei ihm eigenen Angaben zufolge einige „erleuchtete Juden“ zur 
Seiten standen. In seinen Büchern „Das Buch vom Kahal“ und „Die jüdischen 
Brüderschaften“ stellte Brafmann über tausend Akten des Minsker Kahal (Zivile 
Administration des Judentums) und der Beth-Dins (Talmudistische Gerichte) dar, aus 
denen er die Macht und Verworfenheit der Hebräer im Zarenreich abzuleiten suchte. 
Um seinen Feldzug zu krönen, hatte er die aufreizendsten Dokumente dem 
Generalgouverneur von Kaufmann zugespielt. Dieser schenkte dem studierten 
Absender aufgrund dessen exponierter Stellung Glauben und beauftragte eine 
Untersuchungskommission mit der Prüfung der Unterlagen, was dazu führte, daß der 
offizielle jüdische Kahal durch das Rundschreiben vom August 1867 unterdrückt 
wurde. 354 Eine Kooperation des weltlichen Judentums mit der russischen Regierung 
war damit unmöglich gemacht. Die „altehrwürdige“ Geistlichkeit und der im Keimen 
begriffene Zionismus konnten als einzig Begünstigte die Provokation als klaren 
Erfolg verbuchen. 

Möglicherweise ahnte Alexander II., daß an diesem plötzlichen Kesseltreiben etwas 
faul war. Vielleicht sah er tatsächlich die eigentlichen Nutznießer - sein Handeln 
jedenfalls läßt daraufschließen, denn er beharrte auf dem Standpunkt, daß Führung 
und Volk nicht ein und dasselbe seien. Nach wie vor zeigte er sich entschlossen, dem 
„kleinen“ Juden unter die Arme zu greifen, so wie er es mit dem russischen Bauern 
getan hatte. Diese Weisheit wurde dem Zaren schließlich zum Verhängnis. Denn es 
war allem Anschein nach der Geheimvatikan, der kurze Zeit später das Todesurteil 
über den „Herrscher aller Reußen“ sprach. 

Der russische Historiker Iwanow hat sich in den 20er Jahren das Verdienst 
erworben, die bislang fast unbekannten Hintergründe des Zarenmordes 
aufzuklären. Er schreibt in seinem Werk „Von Peter I. bis zu unserer Zeit“, Seite 
396ff:: „Die Ermordung Kaiser Alexanders II. wurde im Jahre 1876 von dem 
Revolutionskomitee in London, das sich aus Freimaurern und jüdischen 
Revolutionären zusammensetzte, beschlossen. Der Mordplan wurde von den 
Mitgliedern des Komitees Liebermann, Goldenberg und Zuckermann 


351 Vilna Gazette, 1866, 169, „Views of an individual Jew“ 

Erste Ausgabe Vilna 1869, unter genanntem Titel deutsche Übersetzung in zwei Bänden 
durch Siegfried Passarge (Hammer Verlag, Leipzig 1928), zweibändige Ausgabe in französisch 
durch Mgr. Jouin, „Les Sources de Timperialisme juif‘: Le Quahal, Paris 1925 

353 Vilna 1868 

354 Jacob Brafmann, „Das Buch vom Kahal“, Vilna 1869, Vorwort. Siehe auch Derselbe, „Das 
Buch vom Kahal“, Herausgegeben von Dr. S. Passarge, Zwei Bände, Hammer-Verlag, Leipzig 
1928 



159 


ausgearbeitet. Der Jude Goldenberg stellte sich dabei als erster zur Verfügung, um 
die Mordtat auszufiihren, was jedoch abgelehnt wurde unter dem Hinweis darauf, daß 
dies der Sache nur schaden würde, da ein von einem Juden vollbrachtes Attentat in 
den Augen des Volkes nicht die gebührende Wirkung haben würde.“ 

Zur gleichen Zeit trat eine geheimnisvolle „Volkspartei“ aus dem Untergrund an die 
Öffentlichkeit, der es einzig und allein um die Destabilisierung Rußlands zu gehen 
schien. Sie zeigte sich als Advokat eines rücksichtslosen Draufgängertums und wurde 
zwei Jahre nach dem ersten Todesspruch über den Monarchen 1878 zur Wiege der 
noch mehr gefürchteten „Schreckenspartei“, deren blutrünstiges Kampforgan 
sich„Der Volkswille“ betitelte. Aus diesem Umfeld wurde seither ein Terroranschlag 
nach dem nächsten gesteuert. 

Im Januar 1878 traf die Revolverkugel der kaum sechsundzwanzigjährigen Wera 
Sassulitsch auf offener Straße den Polizeigewaltigen und Stadthauptmann von 
Petersburg, General Trepow. Trepow selbst kam freilich bei diesem Attentat mit 
einer schweren Verwundung davon und wurde von dem entrüsteten Zaren wegen 
seiner unerschrockenen Pflichttreue besonders ausgezeichnet; die Attentäterin aber 
wurde von dem Geschworenengericht - freigesprochen! In Kiew wurde der 
Gendarmerieoberst Baron von Heyking, in Charkow der Fürst Alexej Krapotkin, 
dann der General von Drentelen von unbekannter Hand ermordet. Am 16. August 
1878 fiel der Leiter der „Abteilung III“, der kaiserliche General Mesenzew, unter den 
Schüssen zweier unbekannter entkommener Nihilisten. 

Der Zar tat im Gegenzug das einzig richtige, indem er weiter auf die breite Masse des 
Judentums zuging. Und so erlaubte er - nur Monate nach Ende der ersten 
Attentatsserie - jüdischen Apothekern, Krankenschwestern, Hebammen, Zahnärzten, 
Branntweinbrennern und ausgebildeten Handwerkern die Arbeits- und 
Wohnungsnahme im gesamten russischen Reich. 

Daß der mutige Monarch mit dieser Politik die Gefährdung seiner Person nicht 
minderte sondern im Gegenteil stark erhöhte, zeigte sich als das Vollzugsgericht des 
unsichtbaren Schreckensbundes zu Beginn des Jahres 1879 in feierlicher Sitzung das 
Todesurteil über Alexander II. aussprach. Es war dies nun schon das zweite 
„Verfahren“ gegen den Zaren, jetzt aber war die Höchststrafe „formal“ und in 
Rußland selbst ausgesprochen worden. Mit der unverzüglichen Vollstreckung des 
Beschlusses wurden gleichzeitig zwei Freiwillige, der russische Student A. K. 
Solowjew und der polnische Israelit Goldenberg betraut. 

2. April 1879 feuerte Solowjew fünf Revolverschüsse auf den ahnungslos 
spazierengehenden Kaiser ab, ohne ihn jedoch in seiner überreizten Nerven¬ 
anspannung zu treffen. Er wurde auf der Stelle überwältigt und festgenommen, um 
zwei Monate später am Galgen zu enden. Die Gefahr war damit aber nicht im 
mindesten gebannt. Als Alexander II. am 1. Dezember 1879 von seinem 
Sommeraufenthalt in Livadja nach Petersburg zurückkehrte, wäre er um 
Haaresbreite samt seinem ganzen kaiserlichen Hofzug durch unterirdische Minen 



160 


zwischen den Gleisen in die Luft gesprengt worden. Nur ein glücklicher Zufall lenkte 
das Unheil noch einmal auf den dem kaiserlichen Sonderzug folgenden Gepäckzug 
ab, der zum Teil völlig zertrümmert, zum Teil zum Entgleisen gebracht und 
umgestürzt wurde. Die feigen Attentäter selbst wurden niemals entdeckt. 

Im Januar 1880 ließen sie die Öffentlichkeit durch ein nächtens angeschlagenes 
Programm“ wissen, daß „der Zar sterben müsse“. Und bereits am 17. Februar 1880 
zeigte ein offenbar von langer Hand vorbereitetes Dynamitattentat auf den 
kaiserlichen Winterpalast in Petersburg, daß es den „Unsichtbaren“ mit ihren 
Drohungen bitterer Ernst war. 

Als im Frühjahr 1881 bekannt wurde, daß Alexander II. kurz vor der Verabschiedung 
einer großangelegten demokratischen Verfassungsreform stand, mobilisierte das 
unterirdische Terrorregiment noch einmal alle Kräfte, um sein Todesurteil am Ende 
doch noch rechtzeitig vollstrecken zu können. Zu seiner Durchführung wurden nicht 
weniger als 47 Freiwillige ausgehoben. Die Leitung der Aktion übernahm der 
Hebräer Scheljabow. Zwar konnte dieser von der Polizei dingfest gemacht werden, 
doch der Zugriff kam zu spät... 

Am 13. März 1881 fuhr Kaiser Alexander II. zu einer großen Truppenschau auf dem 
Marsfeld bei Petersburg. Bei seiner Rückkehr zum Winterpalast schleuderte zuerst 
der Nihilist Ryssakow eine Bombe auf den kaiserlichen Wagen, die jedoch ihr Ziel 
verfehlte und „nur“ einen kleinen Jungen aus dem Volk zu Boden streckte. Als der 
menschenfreundliche Zar halten ließ, um sich nach dem Ergehen des Opfers zu 
erkundigen, schlug eine Bombe aus der Hand des Mordbuben Grinewitzki mitten in 
den Wagen hinein und riß denselben in tausend Stücke. Unter den zahlreichen Toten 
und Verwundeten, die nach dieser Schreckenstat das Straßenpflaster ringsum 
säumten, befanden sich der blutige Mörder selbst und - der zu Tode getroffene Zar. 
Sämtliche an der aberwitzigen Mordtat Beteiligten, mit alleiniger Ausnahme der 
hochschwangeren Jüdin Jessy Helfmann, wurden gehenkt. 355 


Zionistische Frühbesiedelung 

An dieser Stelle wollen wir am Ort des Geschehens verbleiben, jedoch unseren 
Blickwinkel auf den Zionismus verstärken. Bekanntlich benötigte die 
Nationalstaatsbewegung zur Erschließung des kargen Palästina zuallererst Bauern. 
Wir haben ferner gehört, daß jüdische Landwirte - wenn überhaupt - nur in Rußland 
zu finden waren. Deshalb, auch dies ein Wort, das dem vorangegangenen 
Textabschnitt voransteht, konzentrierte sich der Zionismus auch von Anfang an auf 


355 

' Felix Franz Egon Lützeier, „Hinter den Kulissen der Weltgeschichte. Beiträge zur Geschichte der 
Geheimbünde aller Zehen und Völker“, 3. Band, Verlag für ganzheitliche Forschung und Kultur, 
Struckum 1986, Seite 1349f. 



161 


das Zarenreich. 356 Und so schlossen sich hier seit 1870 die Anhänger der 
frühzionistischen „Chowewe-Zion“ (Freunde Zions) - Bewegung zusammen, um jhre 
Umgebung auf eine „Rückkehr“ ins Gelobte Land einzustimmen. 357 Bereits 1878 

358 

wurde in der Nähe von Jaffa die erste zionistische Kolonie in Palästina errichtet. 

Es war indes alles andere als leicht, Freiwillige für die Besiedlung des heiligen 
Landes zu gewinnen. Die mühsam und mittelst finanzieller Hilfe zur Einwanderung 
überredeten Juden sahen eine trostlose Wüste vor sich, deren Kultivierung sie sich 
nicht vorzustellen vermochten. Viele von ihnen verließen die ihnen zugewiesenen 
Ländereien und mischten sich wieder unter die Völker. Das große Unternehmen 
schien sich zu einem einzigartigen Rohrkrepierer zu entwickeln. Es war in der Tat 
nicht einsehbar, wie es dem Zionismus doch noch gelingen sollte, die Israeliten in 
aller Welt in größerer Zahl davon zu überzeugen, ihre seit Generationen 
angestammten Heimatländer in der „1. Welt“ mit der Wüste von Palästina zu 
vertauschen. 

Erstaunlicherweise ließen sich die Drahtzieher der Rückwanderung von derartigen 
Problemen kaum beeindrucken. Bereits 1880 gründeten einflußreiche Häupter 
Jahwes in St. Petersburg den „Ort Reconstruction Fund“ der das prä-zionistischen 
Ziel verfolgte „die Juden Osteuropas in Zusammenarbeit mit den verschiedenen 
nationalen Regierungen“ auf Farmen anzusiedeln. ~ Unter den Präsidenten dieser 
Organisation findet sich später der B'nai B'rith Bruder Paul Felix Warburg 360 , 
Sprößling einer reichen Bankierdynastie, die man sich merken sollte, da sie die 
Geschicke des Judentums maßgeblich bestimmte. Ebenfalls seit 1880 ließ der Pariser 
Bankier Baron Edmond de Rothschild im Verein mit Menachem Ussischkin in 
weiser „Voraussicht“ späterer Entwicklungen in aller Heimlichkeit palästinensischen, 
also damals türkischen Boden aufkauferf 61 . Damit waren zwei wichtige 
Voraussetzungen zur Landnahme Israels getroffen: Zum einen der Besitz von Boden, 
zum anderen der Aufbau von Ausbildungsstätten für künftige Siedler. 


Selbstverständlich spielten auch andere Argumente eine Rolle, daß Rußland „erste Wahl“ war. 
Dazu gehört sicher die vorausschauende Berechnung, daß es weit leichter sei die stärker im 
mosaischen Glauben bewahrten osteuropäischen Juden einer biblischen Mission zuzuführen, als die 
vermögenden und großenteils kulturell wie religiös der Orthodoxie entfremdeten Juden des 
Westens. 

Die wichtige zeitliche Einordnung nach „Der Große Brockhaus“, 15. Auflage, Verlag F. A. 
Brockhaus, Leipzig 1928 - 1935, Stichwort „Zionismus“ 

Verein „Gegentagung zum Herzl-Jubiläum“ (Hrsg.), „Hundert Jahre Zionismus - Befreiung 
oder Unterdrückung?“, ISP-Verlag, Köln 1998, Klappenbild und Seite 4 

Trq 

Walter Freund, „B’nai B’rith Judentum und Weltpolitik“, Archiv-Edition im Verlag für 
fgnzheitliche Forschung und Kultur, Struckum 1990, Seite 96 

360 Nach E. Huber, „Freimaurerei“, o. J. (1934?), Seite 16lf. nennt der 1. Aufseher der 
Johannisloge „Schamhorst zum Deutschen Glauben“, Hensel, Paul Warburg in Robert F. Eskaus 
Buch „Die Freimaurerei am Scheidewege“ als Mitglied des U.O.B.B. 

361 

Walter Freund, „B’nai B’rith Judentum und Weltpolitik“, Archiv-Edition im Verlag für 
ganzheitliche Forschung und Kultur, Struckum 1990, Seite 167 mit Bezug auf „The Jewish 
Encyclopaedia“, New York 1901-1906 



162 


Bleibt die berechtigte Frage: Wie gedachten die hohen Herren, die selbst nicht im 
Traum erwogen, mit ihren manikürten Händen die Steppen des Sinai zu pflügen, ihre 
bereitgestellten Schulen zu füllen? Denn diese waren ja nichts anderes als 
Durchgangslager nach Palästina. Und da ließ sich bekanntlich niemand hinbewegen. 

Es hieße, die „diplomatischen“ Fähigkeiten bzw. Möglichkeiten des Geheimvatikans 
grob unterschätzen, wenn man ihm die Überwindung dieser Hürde nicht zutraute... 


Die Rothschilds 

Unter den frühesten Unterstützern des Zionismus befand sich eine Familie, deren 
Geschicke schon immer besonders eng an das Wirken des Geheimvatikans angelehnt 
waren: Es handelt sich um das Bankhaus Rothschild, das uns bereits im 
Zusammenhang mit den Illuminati begegnet ist. 

Der mehrfache sowjetische Sonderbotschafter und Minister Christian Rakowski 
enthüllte als hochrangiger Freimaurer in den 30er Jahren: „Was man nicht kennt, das 
ist die Verbindung von Weishaupt und seinen Anhängern zu dem ersten Rothschild. 
Das Geheimnis des ersten Ursprunges von dem Vermögen dieser berühmtesten 
Bankiers läßt sich damit erklären, daß sie die Schatzmeister der ersten Komintern 
waren. Es bestehen Anzeichen dafür, daß, als jene fünf Brüder sich in fünf Provinzen 
des Finanzreiches von Europa teilten, eine geheimnisvolle Macht ihnen half, dieses 
sagenhafte Vermögen anzusammeln. Es könnten jene ersten Kommunisten aus den 
Katakomben von Bayern gewesen sein, die über ganz Europa verstreut waren. 
Andere aber sagen, ich glaube mit größerem Recht, daß die Rothschild nicht die 
Schatzmeister, sondern die Führer jenes ersten geheimen Kommunisten waren.“ 362 
Ob Rakowskis Aussage hundertprozentig den Tatsachen entspricht, steht dahin. Auf 
jeden Fall waren die Häupter der verschiedenen Länderfilialen bereits zu Beginn des 
19. Jahrhunderts samt und sonders Freimaurer. 

Vielleicht durch brüderliche Hilfe der Logen, sicher aber mit Zuarbeit des 
Geheimvatikans, schwangen sich die Rothschilds über Staatsanleihen und die 
Finanzierung von Kriegen bald an die Spitze des Bankenwesens auf. Schließlich 
wurden sie als reichste Individuen des ganzen Erdballs angesehen. 

Der jüdische Literat Heinrich Heine alias Chaim Bückeberg - im übrigen ein enger 
Freund des Kommunisten Karl Marx - schrieb über James Rothschild in Paris: „Ich 
besuche ihn am liebsten in den Bureaus seines Kontors, wo ich als Philosoph 
beobachten kann, wie sich das Volk und nicht bloß das Volk Gottes, sondern auch 
alle anderen Völker vor ihm beugen und bücken. Das ist ein Krümmen und Winden 
des Rückgrats, wie es selbst dem besten Akrobaten schwer fiele. Ich sah Leute, die, 


362 

Josef Landowsky, „Rakowsky-Protokoll“, Faksimile-Verlag, Bremenl987 



163 


wenn sie dem Baron nahten, zusammenzuckten, als berührten sie eine voltaische 
Säule. Schon vor der Türe ergreift viele ein Schauer der Ehrfurcht, wie ihn einst 
Moses auf dem Horeb empfunden, als er merkte, daß er auf heiligem Boden stand. 
Ganz so, wie Moses einst seine Schuhe auszog, so würde gewiß mancher Mäkler oder 
Agent de Change, der das Privatkabinett des Herrn von Rothschild zu betreten wagt, 
vorher seine Stiefel ausziehen, wenn er nicht fürchtete, daß alsdann seine Füße noch 
übler riechen und den Herrn Baron dieser Mistduft inkommodieren dürfte. Jenes 
Privatkabinett ist in der Tat ein merkwürdiger Ort, welcher erhabene Gedanken und 
Gefühle erregt, wie der Anblick des Weltmeeres oder des gestirnten Himmels. Wir 
sehen, wie klein der Mensch und wie groß Gott ist! Denn das Geld ist der Gott 
unserer Zeit und Rothschild ist sein Prophet.“ 363 

Bald gab es kaum noch eine Regierung, die völlig ohne finanzielle Anleihen bei dem 
mächtigen Kreditunternehmen auskam. Glaubt man dem Wirtschaftsprofessor Stuart 
Crane, dann war die Rückzahlung der dabei zur Verfügung gestellten Summen 
immer sichergestellt. „Wenn sie“, doziert Crane, „auf die Kriege des 19. Jahrhunderts 
in Europa zurückblicken, werden sie feststellen, daß diese immerzu in einer 
Etablierung der Kräfte geendet haben. Nach jeder Umbildung gab es um das Haus 
Rothschild in England, Frankreich oder Österreich ausgeglichene Machtverhältnisse 
in neuer Gruppierung. Sie gruppierten die Nationen so, daß für jeden von der Linie 
abweichenden König ein Krieg ausbrach, der durch den Weg, den die Finanzierung 
nahm, entschieden wurde. Das Erforschen des Schuldenstandes der jeweiligen Nation 
indizierte gewöhnlich den, der zu bestrafen war.“ 364 

Vielleicht spielte die Mutter der fünf Brüder Rothschild auch auf dieses 
EintreibungsSystem an, als sie einmal durchaus zutreffend sagte: „Wenn meine 
Söhne es nicht wollen, so gibt es keinen Krieg!“ 365 Das heißt sie waren über 
Jahrzehnte Schiedsrichter und Herren über Krieg und Frieden, nicht die Kaiser. „Sie 
haben“, schreibt der Biograph Frederic Norton über die Rothschilds des 19. 
Jahrhunderts „die Welt vollständiger, listiger und viel, viel dauerhafter erobert, als 
alle Cäsaren vor und alle Hitler nach ihnen.“ 366 

Der Feldzug des Bankhauses hatte allerdings keine rein finanziellen oder 
geschäftlichen Hintergründe. Den Rothschilds ging es als folgsamen 
Erfüllungsgehilfen des Geheimvatikans stets auch um „übergeordnetere“ Interessen, 
die von übergeordneten - religiösen - Instanzen bestimmt wurden. Als mit dem 
angesammelten Vermögen der Einfluß der Familie stieg, nutzte sie diese 
Möglichkeiten ganz bewußt, indem sie bald dazu überging, Anleihen an politische 
Bedingungen zu knüpfen. 


363 „Jüdisches Manifest“, New York 1946, Seite 157 

364 Nach Gary Allen, Seite 50f. 

365 

Das Zitat von Gudula Rothschild, der Witwe Mayer Amschels, findet sich in dem Aufsatz „Der 
Aufstieg der Rothschilds“ von Dr. Bertha Badt-Strauß in der Monatsschrift „Menorah“, Wien, Nr. 
5, Mai 1928 

366 Frederic Norton, „The Rothschilds“, Seite 21 



164 


Besonders deutlich wird dieses Vorgehen in der Person des britischen Bankchefs, des 
Barons Lionel Rothschild. Am Anfang seines Wirkens widmete sich dieser noch ganz 
der jüdischen Emanzipation. Am besten dürften die dabei angewandten Methoden in 
dem Buch eines sehr judenfreundlichen Schriftstellers zusammengefaßt sein, wenn er 
ausführt, daß „Rothschild mehr für die Emanzipation der Juden getan hat als Mr. 
O'Connell für die Katholiken. Durch die magische Macht seines Reichtums hat er die 
hartnäckigsten Feinde zu seinen Hörigen gemacht, während er die Abneigung der 
Aristokraten durch die reizvolle Verführung gastronomischer und musikalischer 
Unterhaltung vollkommen besiegte. Und wenn die ganze Kirche von England den 
Besuchern des Herrenhauses dieses wohlhabenden Finanzmannes den Kirchenbann 
androhte, sie würden -ungeachtet dessen- die fleischlichen Genüsse sicherlich den 
geistigen vorziehen. Jene, die wissen, eine wie unwiderstehliche Anziehungskraft ein 
glänzendes Mahl auf den Adel besitzt, werden mir recht geben.“ 367 Doch überliefert 
derselbe Autor, daß Rotschild neben seinem Zuckerbrot auch die Peitsche auspacken 
konnte, hören wir doch an gleicher Stelle, daß er Gegner rücksichtslos zu ruinieren 
verstand oder sie beim Nachgeben unter sein Joch zwang. 368 Dieser mächtigen 
Kämpfernatur war es zu verdanken, daß bis 1858 in Großbritannien die letzten 
jüdischen Ausnahmegesetze zu Fall gebracht waren. 

Allerdings taktierte der Leiter des Londoner Bankhauses auch mit verdeckten 
Mitteln, die zweifelsohne eher in den Bereich der Schmutzarbeit staatlicher 
Geheimdiensten passen würden. Dieses zweite Gesicht des Baron Lionel Rothschild 
hinterließ uns der schriftstellemde englisch-jüdische Premierminister Disraeli in der 
Romangestalt des Sidonia, des Mannes, der als Multimillionär unzählige Spione, 
Carbonari, Freimaurer, Zigeuner, Revolutionäre usw. kannte und befehligte. Das 
erscheint alles phantastisch, aber es ist erwiesen, daß der Politiker den Finanzier sehr 
gut kannte und daß Sidonia das idealisierte Bild des Sohnes vom alten Nathan 
Rothschild darstellt... 

Als nächstes spielten die Rothschilds wiederum eine Schlüsselrolle in der 
Zionismuskampagne, die mit dem „Erwachen“ des Mose Hess eingesetzt hatte. Sehr 
wahrscheinlich schon vor diesem Hintergrund war es der umtriebige Lionel 
Rothschild, welcher im Jahre 1875 Disraeli die umfangreichen Mittel zum Kauf des 
Suezkanals auslegte. Ein ganz wichtiges Tor nach Palästina war damit der 
unmittelbaren arabischen Kontrolle entglitten. Etwa zur gleichen Zeit schlossen sich 
die ersten Besiedelungsversuche an, die in einem fürchterlichen Fiasko endeten. Die 
Lage schien aussichtslos, als Lionel Rothschild im Jahre 1879 starb. Trotz alledem 
wurde das zionistische Erbe weitergeführt. 1880 fiel auf, daß der französische 
Familienzweig in aller Stille für nicht vorhandene israelitische Siedler 
palästinensischen Boden aufkaufen ließ. Bar jeder jüdischen Migrationsbereitschaft 
waren die kolonialistischen Vorbereitungen in diesem Jahr auffallend rege. 


S67 

P. Anichini, „A few Remarks on the Expedience and Justice of Emancipating the Jews“, 
1829, Seite 9f. Fußnote 
368 P. Anichini, a.a.O., Seite 9 



165 


Wie erklärt sich nun dieser scheinbar sinnlos verpuffende Aufwand? Hatten die 
Rothschilds Trumpfkarten im Ärmel, von denen ihre Umgebung nichts ahnte? 
Wußten die Erbauer der Massenumsiedlungslager 1880 bereits, daß das seit mehreren 
Jahren still tröpfelnde Rinnsal landsuchender Emigranten in wenigen Monaten zu 
einem breiten Strom anschwellen würde? Und hatten die einflußreichen Zionisten 
Mittel an der Hand, mit denen sie die so lange erfolglos Umworbenen am Ende doch 
umstimmen konnten? 

Der intime Rothschild-Kenner Benjamin Disraeli sagte im Zuge einer Ansprache zu 
Aylesbury am 20. September 1879 vieldeutig: „Die Staatsmänner dieses Jahrhunderts 
haben es nicht allein mit Regierungen, Kammern, Kaisern, Königen und Ministem zu 
tun, sondern auch mit den geheimen Gesellschaften, Elementen, denen man 
Rechnung tragen muß. Diese Gesellschaften können schließlich alle politischen 
Arrangements zunichte machen. Sie haben überall Agenten, skrupellose Agenten, 
welche Morde schüren, und sie können ein Blutbad herbeiführen, wenn sie es für 
zweckmäßig halten. 369 

Was der Hochgradfreimaurer und Premierminister in einer Person mit diesen 
mahnenden Worten möglicherweise gemeint haben mag, offenbarte sich weniger als 
zwei Jahre später in Rußland... 


Pogrome als Steigbügelhalter des Zionismus 

1881 war, wir erinnern uns, das Jahr des tödlichen Attentats auf Zar Alexander II. 
Dieser maßgeblich und kaum verhüllt unter mosaischer Beteiligung abgelaufene 
Terrorangriff wurde von interessierten Elementen sofort genutzt, um gegen die im 
Lande lebenden Juden Stimmung zu machen. Es gab kaum eine Zeitung, die diese 
Kampagne nicht aufgegriffen hätte - obwohl das Verlags- und Pressewesen schon 
damals fest in hebräischer Hand lag. Kaum ein Landstrich des Zarenreiches wurde 
nicht von „antisemitischen“ Agitatoren durchzogen - obwohl manch verwirrter Russe 
sich gefragt haben mag, warum es oftmals ausgerechnet Israeliten waren, die diese 
Hetztiraden ins Volk trugen. Warum waren derart viele Juden so unvorsichtig, die 
gegen sie erhobenen Vorwürfe zu unterstreichen, indem sie in aller Öffentlichkeit 
den Mördern des Zaren Applaus spendeten? Nachdenklichen Zweiflern hätten schon 
damals die vor Glück strahlenden Gesichter zahlloser Zionisten zu denken geben 
müssen. Diesen ganz alleine kam nämlich die Hatz auf ihre eigenen Religions- und 
Volksgenossen zugute. Und sie waren es auch, die den Stamm der Aufrührer stellten, 
die allerorten mit gezielten Provokationen Ol ins Feuer gossen. 


369 Zeitschrift Mensch und Maß, 23. 6. 1964, S. 549 

Ein prominentes Beispiel religiös-zionistischen „Antisemitismus“ ist die Person von Ilja 
Gurland. Dieser jüdische Chefredakteur des russischen Regierungsorgans „Rossija“, der größten 
Zeitung des Zarenreiches, übte als bevorzugter Berater den stärksten Einfluß auf Alexander II. 
a us. Er spielte, wie der mosaische Geheimsekretär Rasputins Simanowitsch später schrieb, „eine 
merkwürdige Rolle. Seiner Geburt nach Jude, Sohn eines Rabbiners in Odessa, trat er erst als 



166 


Leider aber ging niemandem ein Licht auf und bald schon kam es in Russisch-Polen 
und Südrußland zu den ersten hintergründig organisierten Judenverfolgungen - 
sogenannten „Pogromen“. Damit hielt im Jahre 1881 der moderne Antisemitismus im 
Zarenreich Einzug. 371 Auch jetzt merkten nur wenige, daß sich der ganze Schwung 
der Aggression fast ausschließlich gegen den 3. Stand der Israeliten richtete. 
Während der reichen Oberschicht, den Fabrikanten, Ärzten, den „Hoijuden“ und 
Kaufleuten kein Haar gekrümmt wurde, mußten hunderttausende mosaischer 
Handwerker und Ackerbauern förmlich um ihr Leben laufen. Die bedauernswerten 
Opfer, deren Hab und Gut sich oft über Nacht in Feuer und Rauch auflöste, 
entsprachen exakt dem Profil jener Kolonisatoren, die der Zionismus zur Besiedelung 
Palästinas benötigte. 

Damit aber nicht genug. Wie um den Rückkehrern die Sinnlosigkeit eines 
Neuanfangs plastisch vor Augen zu führen, ging bald ein Hagelschauer der so lange 
vergessen geglaubten Sondergesetze hernieder. Sollte schon die Angst vor weiteren 
Pogromen kein überzeugendes Abwanderungsargument gewesen sein - die seit Mai 
1882 inszenierten Beschränkungen der Freizügigkeit, des Ackerbaubetriebes und des 
Studiums („Mai-Gesetze“) halfen entsprechend nach. Wer aufgrund dieser 
Ausnahmebestimmungen nicht zwangsweise abgeschoben wurde, sah sich bald 
aufgrund des aus ihnen resultierenden Ruins zum Kofferpacken gezwungen. Ein 
Exodus zehntausender Juden aus Rußland stand unmittelbar bevor. Wohin ihre Reise 
gehen würde, war den meisten Flüchtlingen aber völlig unklar. 

Dem religiös geprägten Zionismus freilich stellte sich die Frage nicht einen 
Augenblick lang. Seine Aufgabe war biblisch wie sein Ziel, das nur im Heiligen 
Land liegen konnte, in Israel. Angesichts der innenpolitischen Verhältnisse schien 
diese Mission jetzt in greifbare Nähe gerückt. Wie Pilze schossen Plattformen aus 
dem Boden, welche auf die Bildung eines jüdischen Nationalstaates hinwirkten. 
„Wir brauchen ein Land für uns!“, forderte der orthodox geschulte Autor Moshe 
Lilienblum. Gleiches vernahm man von dem kurz zuvor aus Odessa emigrierten 
Arzt Leo Pinsker, dessen in Berlin erschienenes Buch „Autoemanzipation - 


Erwachsener zum Christentum über. Er wurde zum schärfsten Judenhasser... Gerade zu jener Zeit 
war er Chefredakteur des Regierungsblattes Rossija'. Er unterstützte offen die Partei des alten 
Hofes und agitierte gegen den jungen Hof. Trotzdem hatte er in der Judenfrage großen Einfluß auf 
den Zaren. Ich habe sogar den Verdacht, daß Gurland der eigentliche Anstifter des 
(antisemitischen) Beilis-Prozesses gewesen ist. In jedem Falle war er der inoffizielle Leiter der aus 
diesem Anlaß ins Werk gesetzten antisemitischen Propaganda. Die Beratungen über die Frage, wie 
dieser Ritualmordprozeß gegen die Juden im allgemeinen auszuschlachten sei, fanden in seiner 
Wohnung statt. “(Aron Simanowitsch, „Der Zar, der Zauberer und die Juden“, Archiv-Edition im 
Verlag für ganzheitliche Forschung, Viöl 1994, 152/J) Nach Keller-Andersen spielte Gurland, der 
sich gar zum Leiter des russischen Presseamtes aufschwang, nach seiner „Bekehrung“ zum 
Christentum sogar die Rolle eines jüdischen Provokateurs innerhalb der judengegnerischen 
Regierungskreise und der öffentlichen Meinung. Welche Gefahren sich hier für das Judentum 
selber ergaben, ist zuweilen erkannt worden, vgl. den jüdisch-amerikanischen Roman von 
Richmond B. Barrett „Die Tore der Feinde“, Berlin 1930, herausgegeben von Thomas Mann 

371 

Der Große Brockhaus, 15. Auflage, 1. Band, Verlag Brockhaus, Leipzig 1928, Seite 531 



167 


Warnung eines russischen Juden an seine Rasse“ zum Frühprogramm der „Heim- 
Nach-Israel“- Bewegung wurde. 

Allerdings fiel es den Organisatoren der russischen Pogrome schwerer als gedacht, 
die reiche Ernte tatsächlich auch in die eigene Scheune einzufahren - obwohl sie für 
diesen Zweck lauthals die Trommeln rührten. Ein Beispiel: Zur Zeit des schlimmsten 
Terrors gründeten westrussische - also polnische - Juden sowie Studenten 
Vereinigungen mit dem Ziel, sich in kleinen Gruppen in Palästina anzusiedeln und 
dort das Land zu bebauen. „Bilu“, die aktivste unter ihnen, konnte sage und schreibe 
nicht mehr als einige Dutzend russische Juden für die Auswanderung nach Palästina 
gewinnen. Von den 20.000 Juden, die Rußland in den Jahren 1881 und 1882 
verließen, wanderten nur einige Hundert nach Palästina aus. Der große Rest 
schickte sich an, in allen Teilen der Welt eine neue Heimat zu finden. Es war diese 
Kräfteverzettelung und die Gefahr, daß sich die Bauern und Handwerker bald neuen 
Berufen zuwenden würden, die in den Hauptquartieren des Zionismus die 
Alarmglocken schrillen ließen. 

Umgehend wurde ein Notprogramm auf den Weg gebracht. Es sollte auf der einen 
Seite durch entsprechende Verschönerungsmaßnahmen jenes unwirtliche Gesicht 
Palästinas, das so viele Rußlandabwanderer schreckte, etwas „liften“. Bis zum 
Zeitpunkt entsprechender Besserungen sollte die bereits in Gang gesetzte 
Flüchtlingswelle, die sich aus wertvollstem Siedlermaterial zusammensetzte, durch 
entsprechende Unterbringung auch außerhalb des Heiligen Landes „über die Zeit 
gerettet“ werden. Wo bäuerliches Judentum nicht zu finden war, sollte es gebildet 
werden. Sponsoren waren schnell bei der Hand. 

Einer der freigiebigsten unter ihnen war der Münchner Baron Moritz von Hirsch 
(1831-1896). Als Eigentümer einer Privatbank waren seine Mittel kaum begrenzt. 
Nicht zuletzt die Alliance Israelite Universelle erhielt immer wieder Zuwendungen 
aus dieser Quelle. Große Beträge stellte der Baron auch für das jüdische 
Erziehungswesen in Europa und Amerika zur Verfügung. 1891 gründete er in 
Großbritannien die „Jewish Colonization Association“ (JCA), eine 10 Millionen 
britische Pfund Kapital fassende Aktiengesellschaft, die Landkäufe in Palästina 
durchführte, Religionsschulen und Landwirtschaftsschulen für die jüdischen 
Auswanderer errichtete und sie durch große Kredite unterstützte. Die JCA finanzierte 
große jüdische Bauernkolonien in Argentinien (30.000 Farmer), den Vereinigten 
Staaten (75.000 Farmer), Kanada, Südafrika, Rußland (über 500 Siedlungen mit mehr 
als 100.000 jüdischen Bauern). Hirsch organisierte eine regelrechte 
Massenauswanderung nach Argentinien, wo sich Tausende junger russischer Juden 
niederließen und in der Pampa der Viehzucht widmeten. 

Ein weiterer Freund des Zionismus war David Lubin (1849-1920), ein Hebräer aus 
dem polnischen Kresy, der bereits 1884 in den Vereinigten Staaten ein solches 
Vermögen angesammelt hatte, daß er sich fortan zur Ruhe setzen konnte, um sein 


379 

Verein „Gegentagung zum Herzl-Jubiläum“ (Hrsg.), „Hundert Jahre Zionismus - Befreiung 
oder Unterdrückung?“, ISP-Verlag, Köln 1998, Seite 29 



168 


Geld den radikalen jüdischen Anliegen zu widmen. Lubin, der im Russischen 
Kaiserreich geboren war, besuchte sowohl sein Herkunftsland wie das arabische 
Palästina. Im ersteren unterstützte er die jüdisch-terroristische Kramola-Kampagne 
gegen das Zarentum, im letzteren knüpfte er Beziehungen zu den türkischen 
Landesherren an und kaufte zur Unterstützung des Rothschild-Programms arabisches 
Land für die jüdische Besiedlung. Als 1893 die USA von einer neuen 
wirtschaftlichen Depression heimgesucht wurden, kaufte Lubin weite Flächen 
kalifornischen Farmlands zu niedrigsten Preisen auf, damit seine großstädtischen 
Glaubensbrüder in Landwirtschaft unterrichtet werden konnten - in weiser 
Vorahnung der Eroberung Palästinas. 373 


Zionistischer Antisemitismus in Europa 

Die genannten Vorhaben waren wie gesagt nachträgliche Makulaturen und 
notgedrungen von der Problematik abgeleitet, daß sich das russische Judentum nicht 
direkt nach Palästina kanalisieren ließ. 

Man darf davon ausgehen, daß die Notwendigkeit von Nachbesserungen die 
aktivistische Fraktion des Zionismus maßlos überrascht haben wird, hatte sie sich 
doch sehr sorgsam auf ihre Mission vorbereitet. Dabei waren die unterirdischen 
Ränke keineswegs allein auf Rußland beschränkt geblieben. Sie liefen im Gegenteil 
wohlkoordiniert in allen Ländern der Alten Welt ab. Auf diese Weise war früh gegen 
die Aussicht vorgebaut worden, daß die das Weite suchenden Israeliten der Idee 
verfielen, im erstbesten Transitland ihre Zelte aufzuschlagen. In den fortgeschrittenen 
Staaten Westeuropas war das Judentum zumeist schon seit längerer Zeit in großer 
Form bestaatsrechtet, akzeptiert und in die höchsten Spitzen von Gesellschaft, 
Wirtschaft und Politik eingebunden. Und doch fanden sich auch hier plötzlich, wie 
auf Bestellung, Argumentationsplattformen, auf denen der Zionismus Politik 
betreiben konnte. Auch hier tauchte jetzt das Schreckgespenst des, Antisemitismus“ 
auf. 374 


Zum Beispiel Deutschland 

In Deutschland kam der Antisemitismus als Name 1878 auf. Literarisch vorbereitet 
wurde er vor allem durch die Schriften von Wilhelm Marr , einem deutschen 
Juden. 1819 wurde dieser als Sohn des Schauspielers und Regisseurs Heinrich 


373 W. Rathenau, „Die neue Gesellschaft“, Berlin 1920, Seite lOOf. 

374 

Meyers Lexikon, 8. Auflage, 1. Band, Bibliographisches Institut, Leipzig 1936, Seite 436. 
Ältere Lexika sind sich ganz im Allgemeinen darin einig, daß der „Antisemitismus“ eine 
neuzeitliche Erscheinung ist, deren „Geburt“ meist mit dem Jahre 1881 (vgl. die russischen 
Pogrome des Jahres) angesetzt wird. 

375 

„Der Ausdruck Antisemitismus entstand im Herbst 1879 unter der Hand von Wilhelm Marr, 
schreibt Jacob Katz in seinem Buch „Zwischen Messnianismus und Zionismus“, Jüdischer 
Verlag, Fra nk furt am Main 1993, Seite 135 



169 


Marr 376 geboren. Er hatte eine herausragende Rolle in der Vorbereitung der 
Revolution von 1848 gespielt hatte, und war Mitglied verschiedener 
Geheimgesellschaften. Sein Haß gegen das Christentum übertraf sogar den 
Nietzsches. Er schrieb: „Wir müssen den Menschen zeigen, wie unwürdig jene Lage 
ist, die sie akzeptieren. Wir müssen ihnen zeigen, daß die Prin z ipien und 
Fundamente ihres gegenwärtigen sozialen Lebens falsch sind... du edler deutscher 
Jugendlicher, der du über den Lehren deiner Ammen und deiner Priester sinnst, der 
du deiner Kraft und Courage erlaubst, durch das Phantom einer göttlichen Vorsehung 
geschwächt zu werden ... glaube, daß du diese ganze gesellschaftliche Ordnung 
ändern kannst und daß du dieses erlogene Rüstzeug unserer modernen Gesellschaft 
zerstören kannst. Und Ihr, Ihr Armen und Leidenden, Ihr, die Proletarier, die Ihr im 
Unglück versinkt, warum Euer ewiges Zögern, Eure ewigen Klagen, Eure Gebete 
und Eure Hoffnungen? Wie kommt es, daß Euch noch nie der Gedanke gekommen 
ist, daß, sobald Ihr es begehrt, Ihr die Herrschenden sein könnt, Ihr, die Ihr die 
Mehrheit, die Masse des Volkes ausmacht? Die Zusammenfassung der menschlichen 
Degradierung, jene besondere Herabwürdigung der Menschlichkeit, ist die 

077 

sogenannte Religion, die uns als Christentum bekannt ist.“ 

Schließlich „reifte“ Wilhelm Marr zum vermutlich ersten Propagandisten des 
extremen Antisemitismus in Deutschland. In seinem Buch „Der Sieg des Judentums 
über das Germanentum“ schrieb er rückblickend auf die Revolution 1848: „Im Lande 
der Denker und Philosophen datiert die Judenemanzipation seit 1848... Von dem 
Augenblick der Emanzipation an ward für uns Germanen das Judentum als ein zu 
berühren verbotenes Objekt erklärt... Wir Deutschen haben mit dem Jahre 1848 
unsere offizielle Abdankung zu Gunsten des Judentums vollzogen. Fragt Euch selbst: 
in allen Branchen des Lebens geht der Weg zum Ziel durch die jüdische Vermittlung. 
Es ist überhaupt kein 'Kampf ums Dasein' mehr möglich, ohne daß das Judentum 
seine Provision davon zieht... Das ist das Resultat des dreißigjährigen Krieges, den 
das Judentum seit 1848 offiziell mit uns geführt hat.“ Nicht ein Wort, daß er selbst 
die 48er Revolution mitbestimmt hatte. Keine Silbe davon, daß er selbst Hebräer war. 
Nein im Gegenteil. Im Namen seiner Gegner polemisierte er gegen seine eigenen 
Leute. 

Früher und deutlicher als alle anderen hetzte Marr: „Die Judenfrage ist keine 
Religionsfrage, sondern eine Rassenfrage“. Die Juden, polterte der von Rabbinern 

-170 

Getaufte , seien im ganzen Morgenland ein verhaßter Semitenstamm gewesen; 
seit sie aus dem Boden Palästinas losgerissen, wollte sie Europa versklaven. Seit 


376 

Heinrich Marr wirkte lange Zeit am Wiener Burgtheater bevor er in den Jahren 1852-56 zum 
Direktor des Weimarer Hoftheaters avancierte. 

377 A. Netchvolodow, „L'Empereur Nicolas II et les Juifs“, Etienne Chiron Editeur, Paris 1924, 
Seite 382. Zitiert durch Denis Fahey, „The Mystical Body of Christ in the Modern World“, Reprint 
der dritten Edition (1939), Omni Publications, Hawthorne/Ca. 1987, Seite 179 

070 

Rudolf Hirsch/Rosemarie Schuder, „Der gelbe Fleck. Wurzeln und Wirkungen des Judenhasses 
in der deutschen Geschichte“, Verlag Rütten & Loening, Berlin (Ost) 1989, Seite 500f. 



170 


1880 gab Marr im Dienste seines Kreuzzuges „Zwanglose antisemitische Hefte“ 
heraus. In Berlin gründete er eine Antisemiten-Liga, deren Ziel darin bestand, das 
Vaterland „vor der vollständigen Verjudung“ zu retten. 

Auch der 1883 verstorbene Richard Wagner gab sich lange Zeit als überzeugter 
Antisemit. In einem Aufsatz über„Das Judentum in der Musik“, den er unter einem 
Pseudonym, Karl Freigedank veröffentlichte, hob er die Schwäche und Unfähigkeit 
der nachbeethovenschen Periode der deutschen Musikproduktion hervor. Die Schuld 
gab Wagner den Juden, hauptsächlich Meyerbeer und Mendelssohn-Bartholdy. Ihre, 
wie er es nannte, Einmischung in die deutsche Musik bezeichnete er als gestaltlose, 
seichte Erscheinung. Er behauptete, eine allgemein künstlerische Impotenz zeichne 
die Jüdische Rasse“ aus, und stellte fest: „Das ganze Judentum hat nur durch die 
Benutzung der Schwächen und Fehlerhaftigkeit unserer Zustände Wurzeln unter uns 

380 

fassen können.“ Doch der Schöpfer des Nordischen Mythos lag selbst im 
Hebräertum verankert. Dem Philosophen Nietzsche hatte er einst auf einem 
Spaziergang offenbart, daß er nicht der angenommene, sondern der leibliche Sohn 
seines „Stiefvaters“, des jüdischen Schauspielers Ludwig Geyer war. 381 Verständlich, 
daß er das vor dem Hintergrund einer zionistischen Mission nicht in aller 
Öffentlichkeit hinausposaunen konnte. Kaum einer hätte ihm in diesem Fall seine 
Hetztiraden abgekauft. Tatsächlich war Wagner nie in seinem Leben Antisemit 
gewesen. Bei der Uraufführung seines Bühnen-Weihspiels „Parsifal“, diesem letzten 
seiner großen Werke, wo er als Mitglied des Illuminatenordens seinem esoterischen 
Hintergrundwissen noch einmal richtig die Sporen gab, überließ Wagner die 
musikalische Leitung dem Münchner Generalmusikdirektor Hermann Levy, einem 
bedeutenden Musiker jüdischer Herkunft. Blut ist schließlich doch dicker als 
Wasser... 

Und schließlich war da noch der Nestor des deutschen Antisemitismus, der diese 
Bewegung bis in die Zeit des 3. Reiches hinein bestimmen sollte: Theodor Fritsch. 
1880 gründete er den Hammer-Verlag, der lange Zeit der Sammelpunkt aller 
teutonischen Judengegner war. Publikumswirksam wurde dieser Mann genau 33 
mal durch Israeliten angeklagt - um dann immer wieder unter dem Gejohle der 
Tagespresse freigesprochen zu werden. General Ludendorff, der sich nach dem 


Ebenda 

Rudolf Hirsch/Rosemarie Schuder, „Der gelbe Fleck. Wurzeln und Wirkungen des 
Judenhasses in der deutschen Geschichte“, Verlag Rütten & Loening, Berlin (Ost) 1989, Seite 
496f. 

381 Hennecke Kardel, ,Adolf Hitler - Begründer Israels“, Marva-Verlag, Genf 1974, Seite 32. 
Laut Kardel, Fußnote 11, Seite 260 wird Wagners jüdische Abstammung ferner durch Leon Stein 
in „The Racial Thinking of Richard Wagner“, New York 1950 sowie Arnold Zweig in „Bilanz 
der deutschen Judenheit“, Köln 1961 hervorgehoben. Wagner war mit Nietzsche von 1868-1878 
befreundet. Beide Männer wurden durch Hitler zu Vorbildern des Dritten Reichs. Obwohl 
Nietzsches heroische (Ideal des Übermenschen), antidemokratische wie antiliberalistische 
Philosophie starke Bezüge zum nationalsozialistischen Selbstverständnis zeigt und obwohl sein 
ganzes Werk einen direkten Angriff auf die christlich-jüdische Religions-, Lebens- und 
Staatsauffassung darstellt, lehnte Nietzsche im Gegensatz zu Wagner den Antisemitismus stets 
auch privat ab. 

382 

Siehe Magick, Liber Aleph und Book ofToth von Aleister Crowley. 



171 


ersten Weltkrieg wie kein zweiter gegen die Machtbestrebungen überstaatlicher 
Machtgruppen wandte, schreibt über Fritsch vielsagend: „Später hörte ich, daß er 
Großmeister eines Geheimordens war, den ich heute als neubuddhistisch bezeichnen 
würde. Als solcher kämpfte er gegen die Juden erfolgreich. Als ich aber 1927 das 
Wesen der Freimaurerei enthüllte, da erlebte ich, daß er völlig versagte.“ 383 

Max Liebennann „von Sonnenberg“, der aus dem deutsch-polnischen Grenz¬ 
städtchen Bielscastruga stammte, leitete die rechte, mehr konservative Richtung des 
deutschen Antisemitismus. Bis 1880 hatte der mosaischstämmige Liebermann als 
Offizier seinen Mann gestanden, als er sich plötzlich zum Volkstribunen berufen 
fühlte. Um seinem kruden Gedankengut größere Popularität zu verleihen, gründete er 
zunächst 1881 die von ihm herausgegebene und geleitete „Deutsche Volkszeitung“, 
Mitte der 80er Jahre folgten die „Deutschsozialen Blätter“ (zugleich antisemitische 
Korrespondenz). 1889 hob der umtriebige Liebermann in Bochum mit der 
„Deutschsozialen Partei“ die erste rein antisemitische Partei aus der Taufe. Das 
Parteiprogramm gipfelte in den Forderungen, die Judenemanzipation aufzuheben und 
statt dessen die im Reich lebenden Hebräer unter Fremdengesetze zu stellen. Durch 
entsprechende Öffentlichkeitsarbeit begünstigt schickte die „Deutsch Soziale Partei“ 
schließlich 16 Abgeordnete in den Reichstag. 


Zum Beispiel Österreich-Ungarn 

In der österreichischen K+K-Monarchie, welche wie das deutsche Reich unmittelbar 
an die russischen Pogromgebiete grenzte, lagen die Dinge kaum anders. Auch hier 
hatten Zionisten sehr früh leitende Positionen in der Judenfeindlichen Bewegung 
übernommen oder diese als stille Förderer - z. B. über Finanzierungen - überhaupt 
erst möglich gemacht. 

In dem Alpenstaat entwickelte sich der Antisemitismus seit 1880 sowohl aus der 
streng nationalen Bewegung (Schönerer) als auch aus der christlichsozialen 
Bewegung (Lueger), die sich heftig bekämpften. Aus jener entstand die alldeutsche, 
aus dieser die christlichsoziale Partei. 

Der Unterschied zwischen Schönerer mit seiner „Alldeutschen Vereinigung“ und 
dem vom Kaiser abgelehnten, von den Wienern jedoch gewählten Ober¬ 
bürgermeister Dr. Lueger mit seiner „Christlich-Sozialen Partei“ (heute ÖVP) war 
der, daß Schönerer im rassistischen Sinne behauptete: „Jud bleibt Jud“ und daß 
Lueger dem entgegenhielt: „Ein getaufter Jude ist Christ“. Kein Unterschied 
bestand darin, daß diese beiden österreichischen Häupter der Judengegnerschaft 
trotzdem engste Mitarbeiter aus dem bekämpften Kahal rekrutierten. Bei Schönerer 
standen in vorderster Linie der einflußreiche galizische Zeitungsverleger Karl Emil 


7 87 

General Ludendorff, „Auf dem Weg zur Feldherrnhalle“, Archiv-Edition im Verlag für 
ganzheitliche Forschung“, Viöl 1996, Seite 56 



172 


384 

Franzos , der spätere Sozialdemokrat Viktor Adler und der Mitverfasser der Linzer 
Großdeutschen Programms („Ein Volk, ein Reich!“) Heinrich Friedjung aus Mähren, 
ebenfalls Jude. Und Luegers Stellvertreter war Wiens zweiter Bürgermeister, der 
Halbjude Porzer. Das später oft wiederholte Wort: „Wer a Jud is, bestimm i“, stammt 
von Dr. Lueger. Aus beider Arbeit ging Jahre vor Gründung der NSDAP in München 
die sudetenländische „Deutsche National-Sozialistische Arbeiter-Partei“ hervor und 

IOC 

Parteigründer war Schönerers früherer mosaischer Parlamentarier Karl Wolff. 

Auch in dem etwas später entstandenen rassistischen „Orden vom Neuen Tempel“ 
(ONT), in dem sich auch der junge Hitler umgetan haben soll, war durchaus Platz für 
Mitglieder jüdischer Abstammung. Unter den bekanntesten Namen firmiert der 
Herausgeber der Wiener Zeitschrift 'Die Fackel', Karl Kraus, den der Vereinsgründer 
Lanz von Liebenfels als Arioheroiker einstufte. Der Ordenskonvent tagte jeweils auf 
der Burgruine Werfenstein im Strudengau an der Donau (wo 1907 erstmals eine 
Hakenkreuzfahne wehte). Kurioserweise feierte hier auch die Wiener jüdische 
Gemeinde ihr Laubhüttenfest. Die Verbindung zwischen Liebenfels und der 
jüdischen Gemeinde Wiens stellte der Rabbinatskandidat Moritz Altschüler her, ein 
Freund des Ordensmeisters und Mitarbeiter der „Monumenta judaica“, an denen 

to/: 

bemerkenswerterweise Lanz von Liebenfels selbst mitschuf. 

In Ungarn entstand der moderne Antisemitismus zur gleichen Zeit wie in 
Deutschland und Österreich. 1880 wurden die ersten judenfeindlichen Vereine von 
den Abgeordneten Istozy, Onony und Limony gegründet. Die Initiative lag dabei bei 
Limony, der selbst einer jüdischen Familie entstammte. Diesem Trio Infernale blieb 
es in den nächsten Jahren Vorbehalten, die parlamentarische Opposition gegen die im 
Lande befindlichen Israeliten zu führen. Daß die Volksstimmung entsprechend 
angeheizt wurde war dabei Sache der Zeitungen, die sich zu großen Teilen fest in 
jüdischen Händen befanden. 1882 kam es in Tisza Eszlar zu einem Mordprozeß 
gegen einen jüdischen Schlachtmeister, den der Zionismus an der Seite der 
Antisemiten zu einem Ritualmordprozeß stilisierte. Die Presse kochte den Vorfall 
hoch, und in der sich ständig erhitzenden Atmosphäre kam es Ende September in 
Preßburg zu einem Pogrom. Als die örtliche Polizei nicht einschritt, sah sich der 
Monarch Höchstselbst dazu gezwungen, zuverlässigere Truppen heranzuziehen. Der 
Prozeß war noch nicht über die Bühne gegangen, da erschien unter dem Titel „Der 
Judenspiegel oder hundert neue entdeckte noch geltende Gesetze über das Verhältnis 
der Juden zu den Christen“ eine antisemitische Hetzschrift, die alle Vorurteile des 
Gerichtsverfahrens bestätigte. Geschrieben hatte sie ein gelehrter Katholik. Er hieß 
Aaron Brimann, ein geborener Jude, der erst kurz zuvor als Rabbiner zum 
Katholizismus „gefunden“ hatte... 


384 ** 

Franzos, der in den Jahren 1872-77 ausgedehnte Reisen durch Europa, Kleinasien und Ägypten 
unternahm leitete 1882-86 in Wien die „Neue Illustrierte Zeitung“. 

385 Hennecke Kardel, „Adolf Hitler - Begründer Israels“, Verlag Marva, Genf 1974, Seite 39f. 

386 Daim, Seite 67f, Seite 80f; Bronder, Seite 235 



173 


Zum Beispiel Großbritannien 

Mehr als eine andere Macht in Europa hatte England sich stets der Interessen des 
israelitischen Volkes angenommen. 1865 intervenierten britische Botschaften oder 

-107 

Generalkonsulate in Serbien und Persien. Als man im Jahre 1867 die Juden in 
Rumänien als Vagabunden erklärte, wurde der britische Vertreter angewiesen, in 
einer Unterredung mit dem regierenden Prinzen die unverzügliche Bestrafung der in 
Frage kommenden Beamten zu verlangen. Mit Erfolg, denn im folgenden Jahr wurde 
von der Bukarester Regierung ein allgemeiner Schutz für die im Lande lebenden 

ioo 

Hebräer garantiert. . Als dann 1869 Serbien den Interessensvertretem des 
Judentums Kummer bereitete, ließ die britische Regierung - mittlerweile geführt von 
dem Mose-Jünger Benjamin D'Israeli - keinen Zweifel darüber, daß Belgrad nur die 
Unterstützung Englands gegenüber der verhaßten Türkei fände, wenn es nichts mehr 
gegen die Juden unternehmen würde . 189 

Diese eindeutig projüdische Fürsprachepolitik Londons im Ausland läßt sich bis ins 
Jahr 1881 weiterverfolgen. Dann aber trat plötzlich eine abrupte Wandlung ein. Als 
im Jahre 1884 jüdische Funktionäre der Ansicht waren, Rumänien habe die auf der 
Berliner Konferenz unter Druck Disraelis zustandegekommenen Gleich¬ 
stellungsgesetze zu ihrem Nachteil verletzt, intervenierten sie zum ersten Mal 
erfolglos bei der britischen Regierung. Dasselbe Schicksal erfuhren sie im nächsten 
Jahr. Lord Salisbury erklärte ihnen, daß dies eine innerpolitische Angelegenheit 
Rumäniens sei, in die man sich nicht einmischen könne. Dies entsprach in der Tat 
den Tatsachen, doch hatte sich London nachweislich seit Dekaden niemals um dieses 
Problem bekümmert, wenn jüdische Interessen bedroht waren. Hatte sich also ein 
neues „jüdisches“ Interesse ergeben? Diese Vermutung scheint nahezuliegen, denn 
Rumänien war kein Einzelfall. Als im Jahre 1890 die Rechte der Juden in Rußland 
erneut beschränkt wurden, hielt sich die britische Regierung erneut für außerstande, 
sich einzumischen, da es „eine innerpolitische Angelegenheit“ sei. 

London änderte seine zionistische Politik erst wieder, nachdem klar geworden war, 
daß die Pogromstrategie viel zu wenige Flüchtlinge in das fremdverwaltete Palästina 
bringen würde, um dort vermittels einer „wilden“ Israelisierung ein Fait Accompli zu 
schaffen. 


3R7 

Charles Emanuel, „A Century and a Half of Jewish History“, 1910. Nach Peter Aldag, „Der 
Jahwismus beherrscht England“, 1940, Archiv-Edition im Verlag für ganzheitliche Forschung und 
Kultur, Struckum 1989, Seite 145-149 

388 Charles Emanuel, a.a.O., Seite 145-149 

389 Charles Emanuel, a.a.O., Seite 145-149 



174 


Zum Beispiel Frankreich 

In Frankreich, wo die ansässigen Juden seit der „Großen Revolution“ gleichberechtigt 
mit den Franzosen zusammenlebten, wurde der Antisemitismus durch Edouard 
Drumont geweckt, der sich bei der Hauszeitung des hebräischen Bankiers Pereire „La 
Liberte“ als gern gelesener Chroniqueur und Theaterkritiker verdingte. Durch den 
antisemitischen Feldzug, zu dem er 1885/1886 mit seinem Buch „La France Juive“ 
den Anstoß gab, ward Drumont mit einem Schlag eine weltbekannte Persönlichkeit. 
Die Explosion dieser Bombe wäre vermutlich wirkungslos verpufft, hätte sich der 
jüdische Leiter des „Gaulois“, Arthur Mayer, nicht in dem Buche beleidigt gefühlt. Er 
forderte ein Duell und bekam es. Während die Zeitungen diesen Skandal groß 
aufmachten und somit für die entsprechende Popularität Drumonts sorgten, wurde das 
in erster Instanz zur Beschlagnahme verurteilte Werk von dem Appellhof 
publikumswirksam wieder freigegeben und fand riesenhafte Verbreitung. Bald darauf 
gründete Drumont die antisemitische Tageszeitung „La Libre Parole“, die Parlament 
und Demokratie scharf angriff und den Anstoß zur Aufrollung zweier wichtiger 
Politaffären gab, die Frankreich in diesen Tagen tief erschütterten. Den Anfang 
machte dabei der sogenannte „Panamaskandal“. Mit diesem Wort verbindet sich die 
vermutlich größte Bestechungsaffäre der französischen Republik. 

Anfang 1889 brach die von Ferdinand Lesseps geleitete Aktiengesellschaft zum Bau 
des Panamakanals mit einer ungeheuren Schuldenlast zusammen, wobei die Anleger 
1 Yz Milliarden Francs verloren. Aufgrund von Recherchen der „Libre Parole“ 
erhoben die Nationalisten (Boulangisten) Ende 1892 gegen eine große Zahl 
Republikanischer Abgeordneter Anklage, daß sie sich von Lesseps und dessen Sohn 
Karl mit Kanalaktien zur Genehmigung der letzten Panamaanleihen hätten bestechen 
lassen. Als die Leiter der Panamagesellschaft, die Lesseps, der Ingenieur Eiffel und 
andere, Anfang 1893 wegen Betrugs verurteilt waren, wurde bald gegen sie ein 
zweiter Prozeß wegen Bestechung geführt, in den über 500 Parlamentarier verwickelt 
wurden. Bei den Kammerwahlen im August 1893 wurde daher die Hälfte von diesen 
nicht wiedergewählt; führende Politiker wie Floquet, Röche, Freycinet, Rouvier, 
Clemenceau mußten sich für einige Zeit aus dem parlamentarischen Leben 
zurückziehen. 1894 wurde die weitere Verfolgung des Bestechungsprozesses auf 
Regierungsbefehl eingestellt. 

Etwa zum selben Zeitpunkt, da die ins Kreuzfeuer der Kritik geratenen Staatsführer 
bemüht waren, so viel wie nur irgend möglich unter den Teppich zu kehren, näherte 
sich neues Ungemach. Alles begann damit, daß dem französischen Spionagebüro 
von der Reinemachefrau der deutschen Botschaft ein zerrissenes Dokument 
übergeben wurde, das ein Angebot über eine Reihe militärischer Geheimnisse 
enthielt. Das Kriegsministerium glaubte nun endlich die frische Fährte eines seit 
längerer Zeit gesuchten Verräters entdeckt zu haben. Der Inhalt des Schreibens, 
deutete darauf hin, daß sein Verfasser im Generalstab sitzen müsse, um alle diese 
Geheimnisse zu kennen. Als man die Liste der Generalstabsoffiziere durchging, 
hielt man bei dem Namen des im deutschsprachigen Elsaß gebürtigen 



175 


Artilleriehauptmanns Alfred Dreyfus, den jedermann als ersten der Tat verdäch-tigte. 
Tatsächlich ergab ein Schriftvergleich durch den besten französischen Graphologen 
die völlige Übereinstimmung der Handschriften. Der Kriegsminister stellte den 
Verhaftungsbefehl aus. 390 

Im Grunde war nicht einzusehen, warum der unter Ausschluß der Öffentlichkeit 
abgehandelte Fall größere Beachtung verdient haben sollte. Vor und nach dieser 
Provinzposse, die lediglich einen einzigen Mann betraf, waren in verschiedenen 
„zivilisierten“ Plätzen der Welt tausende von Menschen ganz ohne Urteil aufs 
Schafott geführt worden, ohne daß sich eine Hand gerührt hätte. Unglücklicherweise 
aber war Dreyfus Jude und bedeutende Teile des Zionismus dringend daran 
interessiert, noch einmal die Wellen des Antisemitismus hochschlagen zu lassen. Und 
das änderte die ganze Situation von Grund auf. 

Forsch suchte der Großrabbiner von Frankreich, Zadock-Kahn, den Polizeipräfekten 
auf. Ohne die Sachlage näher zu kennen, stieß er die Drohung aus: „Sie wissen, was 
vorgeht. Man will einen von unseren Leuten vor den Kriegsrat stellen. Wenn Sie 
einen Einfluß auf die Regierung haben, so ist der Augenblick da, ihn zu zeigen. 
Käme es zu etwas Derartigem, so würden Sie die Verantwortung tragen für das, was 
ich Ihnen ankündige: Das Land wird in zwei Hälften zerrissen werden, alle meine 
Glaubensgenossen würden sich erheben und der Krieg würde losbrechen zwischen 
den beiden Lagern. Was die Mittel angeht, um den Krieg zu führen, so können Sie 
sich auf uns verlassen!“ 391 

Tatsächlich entstand im Generalstab der Eindruck, als wolle das Kriegsministerium 
den Fall ersticken. Um nicht um seinen vermeintlichen Ermittlungserfolg gebracht zu 
werden, gab man einige informatorische Hinweise der „Libre Parole“. Dort wurde 
die Dreyfus-Affäre sofort aufgegriffen und zugleich daraufhingewiesen, daß der um 
Dreyfus bemühte Parlamentarier Joseph Reinach, Nahverwandter des aus dem 
Panama-Skandal bekannten Juden Jaques Reinach, noch belastendes Material aus der 
Panama-Affäre besitze, mittels dessen er den Kriegsminister zum Schweigen bringen 
werde. Damit war die Regierung gezwungen, die Untersuchung öffentlich zu 
machen. Im Dezember 1894 sprach das Kriegsgericht Dreyfus des schweren 
Landesverrats schuldig und verurteilte ihn zu lebenslänglicher Deportation. 

Noch heute kann man in der Rückschau resümieren: Nicht der Prozeß an sich war 
beunruhigend, sondern die Begleitumstände, die sich mit ihm verbanden. Das 
ganze Verfahren fand in einer sich immer stärker aufheizenden Atmosphäre statt, 
bei der es bald nicht mehr um den Hintergrund der Tat sondern nur noch um die 
religiöse Herkunft des Angeklagten ging. Wieder einmal ward dem Zionismus das 
unheilige Feuer geliefert, auf dem er sein Süppchen kochen konnte. Daß dieses 


390 Heinz Ballensiefen, „Juden in Frankreich“, Archiv-Edition im Verlag für ganzheitliche 
Forschung 

') Q 1 

Louis Lepine, „Exprefet de Police. Mes Souvenirs“, Paris 1929 



176 


Geschenk nicht vom Himmel fiel und gottgegeben war, versteht sich von selbst. Wie 
in allen anderen Ländern und Fällen zuvor, legte sich die jüdische 
Nationalstaatsbewegung auch in Frankreich höchstselbst gehörig ins Zeug, damit 
Bindungen zerstört, Vorurteile bestätigt und letztlich ein ganzes Volk nicht ohne 
Erfolg kriminalisiert werden konnte. 

So schrieb der jüdische Schriftsteller Bernard Lazare, Mitglied des U.O.B.B. wie der 
Alliance Israelite Universelle, 1895 in seinem Buch „L'Antisemitisme“ über den 
angeblichen Einfluß des Talmud auf die Mentalität seines Volkes: „Ohne das Gesetz, 
ohne das es bewahrende Israel, würde die Welt zu bestehen aufhören, Gott würde 
aufhören, diese zu erhalten. Die Welt wird Glück nur kennen, wenn es diesem Gesetz 
unterworfen ist, das heißt, dem Gesetz der Juden. Konsequenterweise ist das jüdische 
Volk jenes Volk, das von Gott erwählt wurde, Treuhänder seiner Wünsche und 
Begehren zu sein. Das jüdische Volk ist das einzige, mit dem die Gottheit einen Pakt 
geschlossen hat. Der Jude ist der Auserwählte des Herrn. Als die Schlange Eva in 
Versuchung führte, sagt der Talmud, infizierte sie diese mit ihrem Gift. Als Israel am 
Sinai die Verkündung erhielt, wurde die jüdische Rasse von dieser Infizierung 
befreit: die anderen Nationen aber bleiben dieser erlegen... Israel ist der auserwählte 
geliebte Sohn des Allerhöchsten, das Volk, welches allein das Recht hat, an seiner 
Liebe, seiner Güte, seinem einzigartigen Schutz teilzuhaben. Die Menschen der 
anderen Nationen stehen in seinen Augen auf einer niedrigeren Stufe als die Hebräer. 
Es ist nur eine Konzession, daß die an der göttlichen Freigiebigkeit Anteil nehmen 
dürfen, da nur die Seelen der Juden vom ersten Menschen abstammen. Die 
Besitztümer, die den anderen Nationen unterstellt sind, gehören in Wahrheit Israel... 
Dieser Glaube an ihre Bestimmung, an das Faktum, daß sie Gegenstand einer 
speziellen Ausgenommenheit sind, führte zum Aufkommend eines gewaltigen 
Stolzes bei den Juden. Das Ergebnis davon war, daß sie auf Nichtjuden mit 
Verachtung herabsahen ... Die Juden mischten sich so als Eroberer und nicht als 
Gäste unter die modernen Nationen. Sie waren wie eine Herde oder ein Rudel, das 
seit langem eingepfercht war. Als mit einem Schlag die Hindernisse niedergebrochen 
wurden, enteilten sie in das Feld, das ihnen geöffnet war. Nun waren sie keine 
Krieger, und abgesehen davon war der Zeitpunkt zur Führung eines Feldzugs für eine 
relativ kleine Streitmacht nicht günstig, aber es gelang ihnen eine Unterwerfung, für 
die sie wirklich ausgerüstet waren, die wirtschaftliche Unterwerfung, für die sie sich 

TQ9 

seit Jahren vorbereitet hatten.“ 

Der ebenso breit wie gezielt lancierten Volksverhetzung blieb der Erfolg 
schließlich nicht versagt. Mit einem Mal brachen selbst in dem modernen, 
republikanischen Frankreich, Emotionen und Haßgefühle gegen die Juden auf. 
Plötzlich wurde ihnen auch hier die Gleichberechtigung und nationale 
Zugehörigkeit abgesprochen. 


392 

Bernard Lazare, „L'Antisemitisme“, Seite 9 und 223. Zitiert nach Denis Fahey, „The Mystical 
Body of Christ in the Modern World“, Reprint der dritten Editon (1939), Omni Publications, 
Hawthorne/Ca. 1987, Seite 281 f. 



177 


Nicht zitierte weiterführende Literatur 


Fry, L., „Achat! Cham (Ascher Ginzberg). Der geheime Führer der Juden“, Herausgegeben von Th. 
v. Winberg, München 1923 Zusätzlich (positiv bis kontrovers) wird der Frühzionismus in jenen 
speziell markierten (x) Büchern betrachtet, die dem folgenden Kapitel nachgestellt sind. 




179 


Am Abend des 29. August 1897 machte Herzl mir 
und einigen Freunden eine bemerkenswerte 
Erklärung. Die bulgarischen Juden, so sagte er, hätten 
lange geglaubt, der Messias werde am 1. Elul geboren 
werden. Sie hätten Recht gehabt, fuhr er fort, heute, 
auf dem Zionistenkongreß sei der Messias geboren 
worden. Und er führ fort: 'Dieser Messias wird 
heranwachsen!' Herzl war frei von Aberglauben, aber 
er hatte ein starkes religiöses Empfinden. (Nahum 

393 

Sokolow auf dem 16. Zionistenkongreß in Zürich) 

Die Antisemiten werden unsere verläßlichsten 
Freunde, die antisemitischen Länder unsere 
Verbündeten. (Theodor Herzl, „Tagebücher“, Berlin 
1934, Seite93/209f) 

Der Zionismus ist eine satanische Erfindung. (Rabbi 
Teitelbaum nach „National Journal“. Volkmar Kurz. 
Webfocus(a),usa. net) 

Kapitel 4.7 


Der exoterische Zionismus unter Theodor 
Herzl 


Auf dem Weg zum ersten Weltkongreß 

Die aufgewühlten Tage des Skandal-Prozesses prägten vor allem die assimilierten 
Juden - unter ihnen einen Österreicher, der sich trotz seiner hebräischen Abkunft 
stets als patriotischer Bürger seines Landes verstanden hatte. Es handelte sich um 
Dr. Theodor Herzl, der von der Wiener „Neuen Freien Presse“ zur Dreyfus- 
Berichterstattung in die französische Hauptstadt entsandt worden war. Hier fand er 
nun angesichts des nicht enden wollenden Kesseltreibens gegen die 
Glaubensgenossen zu seinen Wurzeln zurück. Resignierend erkannte er, daß der 
Antisemitismus durch die Emanzipation nicht zu beseitigen war. Davon ableitend 
trat er in seiner Schrift „Der Judenstaat“ (1896) für die Gründung eines jüdischen 
Staatswesens ein. Um der Idee die praktische Basis zu verschaffen rief Herzl im 
Jahre 1897 gemeinsam mit Max Nordau eine international beschickte 
Zionistentagung ins Leben. Auf diesem Wege sollte die erste offizielle 


393 


Lat „Jüdische Preßzentrale“, Zürich, 12. Jahrgang, Nr. 556, vom 2. August 1929 



180 


Dachorganisation der jüdischen Nationalbewegung aus der Taufe gehoben 
werden. 

Im März 1897 wurden Juden der ganzen Welt eingeladen, im August Vertreter zu 
einem „zionistischen Kongreß“ nach München zu senden. Um jedoch das Wirken der 
jüdischen Nationalbewegung von den europäischen Mächtekonstellationen 
unabhängig zu halten erhoben die Rabbis von Deutschland Protest und auch der 
vorausschauende B'nai B'rith beeilte sich, sein Veto einzulegen. So schreibt Dr. A. 
Goldschmidt in „Der Deutsche Distrikt des Ordens Bne Briß“, Verlag der Großloge 
Berlin auf Seite 66-68: „Es wurde ferner ein vermittelnder privater Weg gewählt, 
indem seitens der Loge Expräsident Br. Dr. Merzbacher nach Wien gesandt wurde, 
um auf Dr. Herzl persönlich einzuwirken. Dies hatte die Wirkung, daß München als 
Kongreßort aufgegeben und Basel gewählt wurde.“ 

Am 28. Juli 1897 wurde zu Karlsbad auf einer „Vorkonferenz“ die eigentliche 
Tagung in der Schweiz vorbereitet. Sicher nicht zu Unrecht betrachtete der 
Zionismus bestimmte Interna als derart explosiv, daß er hier die ersten 
Geheimhaltungsdekrete auszugeben glauben mußte. Beispielsweise sprach der Prager 
Vertreter Dr. A. Kaminka ausdrücklichst die Bitte aus, „Rücksicht auf die Interessen 
der Odessaer Gesellschaft und der russischen Judenheit zu nehmen“. Ferner solle der 
Wunsch des Barons Edmund de Rothschild dem Kongreßpräsidenten vorgetragen 
werden, „nach Möglichkeit den Namen Roth-schilds und Rußlands in den offiziellen 
Reden nicht zu nennen.“ 394 Es hat demnach den Anschein, daß man - bis heute nicht 
bekannte - Geheimvorträge ins Auge faßte. Im gleichen Sinne hatte Herzl schon 
Wochen vorher eingeräumt, daß neben dem öffentlichen ein vertraulicher Kongreß 
tagen werde, zu dem die Presse keinen Zutritt habe. 395 

Folgt man den offiziellen Verlautbarungen, dann stimmten sich die verschiedenen 
zionistischen Gruppen zu Basel zunächst auf eine tragfähige Plattform ab. Danach 
wurde eine „Zionistische Weltorganisation“ geschaffen, die Herzl zu ihrer Leitfigur 
wählte und eine sichere Heimat für das Judentum als ihr Ziel proklamierte. 
Angesichts der in seiner Organisation gebündelten Macht erklärte der 
frischgebackene Präsident forsch: „Der jüdische Staat existiert bereits“. Mit 
welchen Druckmitteln er die Erreichung seiner Träume bewerkstelligen wollte, ließ 
Herzl bereits in seiner Eröffnungsrede anklingen. „Die Vorteile, die ein ganzes 
Volk als Gegenleistung zu bieten vermag“, hören wir da, „sind so bedeutend, daß 
die Unterhandlungen von vornherein mit genügendem Ernst ausgestattet sind... In 
manchen Ländern ist der Judenstreit zur Kalamität für die Regierung geworden. 
Ergreift man für die Juden Partei, so hat man die aufgewühlten Massen gegen sich. 
Ergreift man gegen die Juden Partei, so hat dies bei dem eigentümlichen Einfluß 
der Juden auf den Weltverkehr oft schwere wirtschaftliche Folgen. Verhält sich die 


394 Walter Freund, B’nai B’rith Judentum und Weltpolitik, Archiv-Edition im Verlag für 
ganzheitliche Forschung und Kultur, Struckum 1990, Seite 141 f. und 536 
95 Theodor Herzl, „Tagebücher“, Berlin 1983, Bd. I, Seite 595, 10. März 1897 



181 


Regierung neutral, so sehen sich die Juden ohne Schutz in der bestehenden Ordnung 
und flüchten in den Umsturz.“ 396 

Die hier zutage tretende Taktik, den Mächten Europas wechselseitig Zuckerbrot oder 
Peitsche anzubieten, verfolgte der Zionistenpräsident bis zu seinem Tod. Schon vor 
Eröffnung des Kongresses hatte er mit diesen Mitteln gearbeitet. Sollten 
beispielsweise die Briten einen zionistischen Staat unterstützen, vertraute Herzl 
seinem Tagebuch an, so hätten sie „auf einen Schlag ... zehn Millionen geheime, aber 
loyale Untertanen, aktiv in allen Lebensbereichen, auf der ganzen Welt... Da sich 
diese alle auf ein Zeichen hin in den Dienst der hochherzigen Nation stellen werden, 
die ihre lange ersehnte Hilfe bringt,... wird England zehn Millionen Agenten für seine 
Größe und seinen Einfluß bekommen.“ Und in einem Brief an den Großherzog von 
Baden vom schrieb Herzl am 26. April 1896 in Bezug auf die zionistische 
Organisation: „Worauf ich die Aufmerksamkeit Eurer Königl. Hoheit besonders 
hinzulenken wage, sind zwei Wirkungen unserer Bewegung. Wir schwächten die 

OQO 

Umsturzparteien und brachen die internationale Finanzmacht... 


Die fehlgeschlagenen Verhandlungen der Jahre 1898-1902 

Während der Antisemitismus in Europa mit einem Schlag wie ein Spuk von der 
Bildfläche verschwand 1 ", bestimmte der zweite Weltkongreß der Zionistischen 
Internationalen 1898, daß mit der praktischen Arbeit erst zu beginnen sei, wenn 
man von der Türkei einen Freibrief (Charter) zur Besiedelung Palästinas erhalten 
habe. Doch stieß der Zionismus mit diesem Begehren auf ein scheinbar 
unüberwindliches Hindernis: Istanbul verweigerte den Charter, weil dieser nichts 
anderes bedeutete, als die freiwillige Abtretung eines Reichsgebietes. Bei der 
Ablehnung mag neben schlichten Souveränitätsgedanken auch die Befürchtung 
mitgespielt haben, eine jüdische Besiedelung Palästinas würde die arabisch 
besiedelten Besitzungen der Türkei in Aufruhr stürzen und die eigene 
Vorherrschaft in diesem Raum unterminieren, wenn nicht gar auf kurz oder lang 
völlig beseitigen. Die Weigerung mußte jedem klar denkenden Staatsmann 
einleuchten... 


Nach der deutschen Jüdische Rundschau, Nr. 66 vom 22. August 1922. Bericht unter dem Titel 
„vor 25 Jahren“. 

397 „Neue Solidarität“ vom 28. Januar 1998, Seite 7 

398 Theodor Herzl, „Tagebücher“, Berlin 1983, Bd. II., Seite 327. Diese und die im vorliegenden 
Abschnitt folgenden Angaben auch nach Douglas Reed, „The Controversy of Zion“, Seite 203 

399 Der erste Reichsjustizminister der Weimarer Republik Otto Landsberg (SPD) sagte später: „Ich 
habe solche antisemitischen Strömungen persönlich wiederholt kommen und gehen sehen. In den 
achtziger Jahren waren sie in meiner Heimatstadt Ostrowo stark und mein Bruder hatte im 
Gymnasium unter ihnen zu leiden. Als ich wenige Jahre später das gleiche Gymnasium besuchte, 
war davon nichts mehr zu spüren.“ (Hennecke Kardel, „Adolf Hitler - Begründer Israels“, Verlag 
Marva, Genf 1974, Seite 125) 



182 


Vielleicht lag hier ein Grund, warum Herzl und Co. jetzt einen zusätzlichen 
Geschäftsweg beschriften, indem sie dazu übergingen, ihre Verhandlungspartner „zu 
kaufen“. Sichtbar wird diese Strategie in den Statuten der 1898 durch den 
Logenbruder 400 Ferdinand Rothschild und die „Anglo-Jewish Association“ 
begründeten „Zionistenbank“ („Jewish Colonial Trust“). 401 Als deren näherer 
Arbeitszweck wurde nämlich unter Punkt 7 angegeben: „Entweder in bar oder an 
Werten an solche Personen oder Gesellschaften solche Schenkungen für solche 
Zwecke und in solchen Fällen zu machen, wie das dem Aufsichtsrat direkt oder 
indirekt zur Erreichung irgend eines Zweckes geeignet oder voraussichtlich für die 
Interessen des jüdischen Volkes an irgend einem Ort oder in irgend einem Lande 
förderlich erscheinen mag.“ Dieser Paragraph besagte im Grunde nichts weiter, als 
daß der Zionismus seine neugeschaffene Bank als Zentrale für politische 
Bestechungen verwenden wollte. Genauso sah es auch der orthodoxe Religionszionist 
Achaad Haam, der schärfsten Widerspruch dagegen erhob, daß dieser heikle Punkt 
öffentlich behandelt worden war. Der „Prophet Israels“ wetterte, man müsse „über 
die zionistischen 'Diplomaten' staunen, die gar nicht besorgt waren, in diesen 
Statuten, besonders im 7. Paragraphen, unsem Feinden jene Waffe in die Hand zu 
geben, die ihnen bis jetzt gefehlt hat...“ 402 

Herzl bekümmerte dies herzlich wenig. Wie seine Tagebücher ausweisen ging der 
Führer des Zionismus frohen Mutes daran, die höchsten Politiker zu schmieren, 
was das Zeug hält. 403 Bei einflußreichen und von Haus aus vermögenden 
Potentaten wurde selbstverständlich wieder nach anderen Prinzipien verfahren. Als 
Wilhelm II. am 31. Oktober 1898 das „Heilige Land“ besuchte, näherte sich ihm 
Herzl zunächst bücklings - ganz so, wie es sich für einen gehorsamen Untertanen 
gebührte. In der Tat wurde er an den Toren Jerusalems vom deutschen Kaiser 
empfangen. Der Monarch erklärte sich auch bereit, dem osmanischen Sultan Herzls 
Wunsch nach einer konzessionierten zionistischen Gesellschaft in Palästina unter 
deutschem Schutz zu übermitteln. Als aus diesem Versuch nichts heraussprang, 


400 Ferdinand de Rothschild war Mitbegründer der nach ihm benannten „Ferdinand Rothschild 
Lodge Nr. 2420“ in Wadesdon/Buckinghamshire. Siehe Br. Allan Oslo, „Freimaurer. 
Humanisten? Häretiker? Hochverräter?“, Umschau-Verlag, Fra nk furt am Main 1988, Seite 408. 
Nach Karl Heise gab es eine Loge „Ferdinand von Rothschild“ in Aylesburg (Buckshire) und im 
Distrikt Bedshire. Beide wurden bereits 1892 gegründet. Siehe Karl Heise, „Entente-Freimaurerei 
und Weltkrieg“, 1920 (3. Auflage), Archiv Edition im Verlag für ganzheitliche Forschung und 
Kultur, Struckum 1991, Seite 118 

401 Die Bank umfaßte ein Kapital von 50 Millionen Franken. Aus ihr ging „als Tochterbank die 
Anglo Palestine Company' hervor. Diese letztere wurde nach der Besetzung Palästinas durch 
Großbritannien von der englischen Regierung beauftragt, die finanziellen Operationen Englands 
und die der Militärbehörden in Palästina zu übernehmen.“ Laut „Times“ vom 4. Februar 1918 nach 
Dr. phil. Lazar Felix Pinkus, „Von der Gründung des Judenstaates“, Zürich 1918. Zitiert bei: Karl 
Heise, „Entente-Freimaurerei und Weltkrieg“, 1920 (3. Auflage), Archiv Edition im Verlag für 
ganzheitliche Forschung und Kultur, Struckum 1991, Seite 126 

402 Robert F. Eskau, „Die Freimaurerei am Scheidewege“, I., Seite 101 

403 Unter dem Datum 16. 2. 1903 lesen wir da: „Ich ging auf all dies leicht ein, weil ich die 
Verpflichtung erst nach Unterzeichnung des Charters habe. Auch finde ich D....S Ministerpreise 
im Verhältnis zu den Konstantinoplern billig. D... sprach sogar nur von 1.000 bis 1.500 L. per 
Minister, offenbar, weil er mir als Dichterkollegen kameradschaftliche Preise berechnen wollte.“ 
(Theodor Herzls Tagebücher, 1922, Jüdischer Verlag Berlin, Band 3, Seite 217) 



183 


zeigte Herzl sein zweites Gesicht, indem er mit der Revolution drohte: „Wenn unsere 
Arbeit fehlschlägt“, orakelte er dunkel, „werden hunderttausende unserer Anhänger 
auf einen Schlag den revolutionären Parteien beitreten.“ Ähnliche Argumente fand 
der Zionistenführer, als er im Jahr darauf durch den Zaren persönlich empfangen 
wurde. 404 

In den ersten Jahren dieses Jahrhunderts bemühte sich Herzl weiterhin darum, allen 
europäischen Regiemngen seine Aufwartung zu machen. 405 1901 traf er den Sultan 
Abdul Hamid, dem er im Gegenzug für die Überlassung eines Autonomen Gebietes in 
Palästina 1,6 Millionen Pfund anbot. Das einzige, was er erreichen konnte, war eine 
Zusage auf ein kleines Gebiet in Mesopotamien (Persien) - das den Bibel- 
Fundamentalisten im Zionismus nicht einmal näherer Verhandlungen wert erschien. 

Als Wilhelm II. im Jahre 1902 abermals Palästina besuchte (wieder einmal folgte ihm 
Herzl in das von ihm begehrte Land), schien es fast so, als habe die deutsche Politik 
endlich die Dringlichkeit einer aktiven Nahostpolitik begriffen. Ein Ergebnis der 
Reise bestand nämlich darin, daß 1903 der Baubeginn der Bahn in Angriff 
genommen wurde, die Berlin mit Bagdad verbinden sollte. Das vordringliche Ziel der 
Unternehmung bestand darin, den deutschen Einfluß in der Region zu stärken. Und 
der Pragmatiker Herzl war ganz offen bereit, dabei zu kooperieren. Der Vorschlag, 
beiderseits der Bahnlinie zionistische Siedlungen zu errichten, um diese vor 
Angriffen der einheimischen Bevölkerung zu schützen, mag dies zur Genüge 
illustrieren. Allerdings kam das deutsch-israelische Bündnis, welches die gesamte 
Weltgeschichte von Grund auf in ein anderes Fahrwasser gebracht hätte, nicht 
zustande. Der Grund hierfür lag in der russisch-fundamentalistischen Opposition 
innerhalb der Zionistischen Weltorganisation und in dem starken Wunsch Englands, 
das Reich noch auf der Ziellinie abzufangen. 


Die britische Uganda-Offerte 

Eigentlich schien England geradezu prädestiniert dafür, den Zionisten als 
Bündnispartner beizustehen. Schließlich verdankte die britische Krone einen Gutteil 
ihrer weltweiten Besitzungen jüdischer Zuarbeit, wobei die Namen Disraeli und 
Rothschild an prominentester Stelle prangen. Diesen Umstand mag Herzl auch im 
Hinterkopf gehabt haben, als er am 13. August 1900 auf dem 4. Zionistenkongreß 
prophezeite: „ England, das mächtige, freie England, das mit seinem Blick die Welt 
umspannt, wird uns und unsere Aspirationen verstehen. Mit England als 
Ausgangspunkt können wir sicher sein, daß die zionistische Idee mächtiger und 
höher steigen wird als jemals zuvor. “ 


404 Douglas Reed, „The Controversy of Zion“, Seite 203 

405 Dies und das folgende bei Douglas Reed, „The Controversy of Zion“, Seite 203 

406 Dr. phil. Lazar Felix Pinkus, „Von der Gründung des Judenstaates“, Zürich 1918 sowie Erich 
und Mathilde Ludendorff, „Die Judenmacht - Ihr Wesen und Ende“, Ludendorffs Verlag GmbH, 
München 1939, Seite 346 



184 


Die englische Regierung verstand sehr schnell und bot wenige Monate später den 
Zionisten als Ersatz für Palästina El Arish an, einen Teil des sogenannten ägyptischen 
Palästina, das auf dem Sinai lag. 407 Man sandte eine gemeinsame Kommission aus, 
um die Siedlungsmöglichkeiten zu prüfen. Der von ihr 1902 gefertigte Bericht wurde 
jedoch nicht veröffentlicht, und das Projekt vermutlich stillschweigend 
fallengelassen... 

Als nächstes sprang Kolonialminister Joseph Chamberlain, der seine Karriere 
israelitischer Unterstützung verdankte und wohl selbst mosaischer Abstammung 
war 408 , für die Juden der Welt in die Bresche. Chamberlain meinte auf einer Reise in 
die englischen Kolonien Afrikas in einem Teil von Uganda wertvolles Land und 
einen für das Judentum passenden Platz gefunden zu haben. Dieses gedachte er den 
Hebräern zu schenken, was großzügig war zu einer Zeit, da christlich-britische 
Siedler dort kein Freiland erhielten und eine Pfandsumme hinterlegen mußten, ehe 
sie überhaupt in das Gebiet einreisen konnten. Er teilte seine Entdeckung sofort 
Außenminister Lord Lansdowne und Unterstaatssekretär Lord Percy mit, die 
ebenfalls von diesem Plan begeistert waren. In einem Brief des Auswärtigen Amtes 
an Herzl verkündete Lord Lansdowne 1903, daß er „die Frage mit solchem Interesse 
studiert hätte, wie es die Regierung Seiner Majestät jedem wohlüberlegten Plan 
hinsichtlich Verbesserung der Lage der jüdischen Rasse gegenüber stets aufbringen 
müsse“. Man übermittelte dann im einzelnen die Vorschläge der Regierung. Den 
Juden war eine Selbstverwaltung eines Gebietes von der Größe des Libanon im 
Verbund der britischen Hoheitsrechte über Uganda als Gesamtstaat eingeräumt 
worden. Herzl behielt sich die Entscheidung über dieses Angebot nach Rücksprache 
mit führenden Zionisten in allen Teilen der Welt vor. Der Präsident selbst war indes 
als Pragmatiker geneigt, das Angebot zumindest als Übergangslösung anzunehmen. 

1903 besuchte Herzl Rußland, wo er von den dort lebenden Juden wie ein Messias 
gefeiert wurde. Bei dieser Gelegenheit suchte er die Zarenregierung noch einmal 
dahin zu bringen, Druck auf den Sultan auszuüben, damit dieser eine 
Einwanderungs-Gesellschaft in Palästina zulasse. Dem russischen Innenminister 
Plehve sagte er, er spreche im Sinne „aller Juden in Rußland“. Plehve versprach 
Herzl, sich beim Sultan für seine Anliegen einzusetzen und stellte ihm sogar die 
Möglichkeit in Aussicht, in Rußland eine Niederlassung der zionistischen 
Kolonialbank zu eröffnen. 409 Vermutlich, um seine Position gegenüber Plehve, 
dem gegenüber er sicher das „Zionismus-oder-Revolutions-Argument“ gebraucht 
haben dürfte, zu festigen, drängte er die oppositionellen Juden auf Zurückstellung 


407 Dies und das folgende bei Douglas Reed, „The Controversy of Zion“, Seite 203 

408 Zumindest Joseph Chamberlains Tante war israelitischer Herkunft (Andrade). Wesentlich 
weiter wird der Staatsmann durch den Mosaen Andre Spire für das Judentum eingenommen. Vgl- 
dessen Abhandlung „Quelques juifs“, Mercure de France, 1913. 

409 Dies und das folgende bei Douglas Reed, „The Controversy of Zion“, Seite 205-207 



185 


ihrer revolutionären Aktivitäten 410 und diskutierte die „Gleichstellung“ seines 
Volkes mit den russischen Autoritäten. 

Damit aber unterschrieb er sein eigenes Testament. Er hatte sich nämlich in den 
Augen der religiösen Talmudisten eindeutig der Häresie schuldig gemacht. Sie waren 
es gewesen, die in der Geschichte stets darauf geachtet hatten, daß sich die 
osteuropäischen Mosejünger abseits der jeweiligen Aufnahmevölker hielt. Gerade die 
orthodoxen Rabbiner in Rußland, die ihrem gläubigen Gefolge stets das Bild des 
verfolgten Judentums warnend vor Augen hielten, kämpften zur gleichen Zeit in 
erster Frontreihe gegen die Gleichstellung ihrer Schäfchen. 411 In deren erfolgreicher 
Emanzipation sahen sie nicht ohne Grund die Gefahr, die Gewalt über die Gemeinde 
zu verlieren. Hätten Herzls Unterhandlungen mit der russischen Regierung zu einem 
Ergebnis geführt, dann hätte sich das Judentum binnen kürzester Zeit verweltlicht 
und die linksrevolutionären Bestrebung im Zarenreich hätten einem demokratisch¬ 
evolutionären Weg Platz gemacht. Das aber widersprach - man lese dies noch einmal 
bei Nostradamus nach - den biblischen Voraussagen, also dem göttlichen Auftrag. 

Als Herzl nach Europa zurückkehrte, um sich an den 6. zionistischen Weltkongreß zu 
wenden, traten ihm die Abgesandten des russischen Judentums wie ein Mann 
entgegen - diesmal bejubelten sie ihn nicht, sondern Herzl war Gegenstand der 
übelsten Beschimpfungen. In diesem Moment äußersten Druckes spielte Herzl eine 
Karte aus, die er für einen Trumpf hielt: Das Uganda-Angebot der britischen 
Regierung. Um seine Verbundenheit zu dem honorigen Britannien unter Beweis zu 
stellen, ersuchte Herzl vom Kongreß die Annahme von Uganda. Um Kritikern von 
vornherein den Wind aus den Segeln zu nehmen war er dabei durchaus bereit, dieses 
Siedlungsgebiet als Zwischenlösung zu betrachten - bis sich hinsichtlich Palästinas 
eine evolutionäre Lösung finden ließe. 295 Delegierte stimmten dafür, das Angebot 
anzunehmen, 175 votierten dagegen. Vor aller Welt war damit klargestellt, daß Herzl 
nicht - wie er zu Plehve gesagt hatte - für alle Juden sprach. Ganz klar zeigte die 
Abstimmung, daß es zwischen den weltlichen West- und dem religiös-orthodoxen 
Ostjudentum einen Bruch gegeben hatte. Man konnte darüber hinaus sagen, daß die 
organisatorisch ungebundene Masse des Judentums klar auf Seiten Herzls stand, 
mochte sie nun in Amerika oder Rußland leben. 

410 Da die russische Linke fast eine alleinige Sache des Judentums war und Herzls Wort bei diesem 
Gewicht hatte, sollten die ersten Ergebnisse nicht lange auf sich warten lassen. So zerfiel durch die 
Fraktionsbildung hebräischer Genossen noch 1903 die im Ausland residierende russische 
Linkspartei (SDAPR) in vier ebenso geschwächte wie zerstrittene Lager: die Bolschewiki (unter 
Lenin), die Trotzkisten (unter Bronstein), die Menschewiki (unter Zederbaum und Axelrod) und die 
rein jüdischen Bundisten. 

411 Eindrucksvoll kam diese Doppelgesichtigkeit vor allem bei den konsequentesten Vertretern des 
Geheimvatikans, den Chassiden, zum Ausdruck. Sneur Zalrnan beispielsweise, der Begründer der 
kabbalistisch-messianischen Habad-Bewegung, kämpfte an der Seite des Zaren gegen das 
Evolutionäre Frankreich Bonapartes - allein, um die „drohende“ Demokratisierung des Landes und 
damit die Emanzipation des Judentums abzuwenden. In Galizien, wo der K+K-Herrscher Joseph n. 
durch Toleranzedikte das Judentum in den Staatsverband zu integrieren suchte, Regten etwa zur 
selben Zeit (1816) orthodoxe Rabbiner die den Ausgleich suchende Haskala-Bewegung mit einem 
Bannfluch. 



186 


Selbst die aktivistischsten aller Zionisten, die bereits im Heiligen Land befindlichen 
Siedler 412 , begrüßten das englische Angebot wärmstens. Später, viel später, am 
Vorabend der Staatswerdung Israels, war die Zionistische Organisation in Tel Aviv 
bereit, dies zuzugeben. „Es war“, so lautet das bedeutsame Statement, „eine 
entehrende und schmerzliche Aussicht, ah jene Menschen zu sehen, die... unter den 
ersten waren, die in diesen Tagen das Jüdische Palästina aufbauten, die öffentlich ihre 
eigene Vergangenheit verleugneten und verwarfen... Die Vorliebe für Uganda 
verband sich mit einem tödlichen Haß auf Palästina... In den Gemeinschaftszentren 
der ersten jüdischen Kolonien würdigten junge Männer, die in den Alliance Israelite- 
Schulen erzogen worden waren, Palästina als „ein Land von Leichen und Gräbern“ 
herab, ein Land von Malaria und Augenkrankheiten, ein Land, das seine Einwohner 
zerstört. Es war dies keine Meinung einiger weniger. Im Gegenteil gab es nur ein 
paar Individuen hier und da... die loyal blieben... Ganz Palästina befand sich im 
Zustand der Gärung... Ahe Opposition gegen Uganda kam von außerhalb Palästinas. 
In Zion selbst waren alle gegen Zion.“ 413 

Einzig und allein die Thora-Fundamentalisten wandten sich mit all der ihnen zur 
Verfügung stehenden Macht gegen Herzl, dem sie einen Verrat an den 
Prophezeiungen der Bibel vorwarfen. Den Emissären des Rabbinats, denen Herzl 
einen sicheren Platz verschaffen wollte, ging es gar nicht um einen Schutzplatz an 
sich für das Judentum. Sie nannten den Mann des Ausgleichs, den Weltlichen, einen 
„Betrüger“. Kein anderer Platz als das verheißene Palästina durfte akzeptiert werden. 
Die Annahme des Uganda-Plans hätte für das talmudische Judentum den Jüngsten 
Tag bedeutet. Einer der Hauptopponenten, Weizmann, beschreibt Herzls letzte 
Demütigung. Nach der Abstimmung begab sich der Präsident in das Sitzungszimmer 
der russischen Juden, die sich von ihm abgewandt hatten. „Er kam herein und sah 
übemächtigt und erschöpft aus. Er wurde in tödlicher Stille empfangen. Niemand 
erhob sich von seinem Platz um ihn zu begrüßen, niemand applaudierte ihm, als er 
geendet hatte... Es war vermutlich das erste Mal, daß Herzl so auf einer zionistischen 
Versammlung begegnet wurde: er, das Idol aller Zionisten.“ 


„Vision der Alten“: Krieg in Sicht 

Bleibt die Frage: Konnte sich der Zionismus diese „Alles-oder-Nichts Position“ 
überhaupt erlauben? Wie war es den Hardlinern möglich, derart kaltschnäuzig eine 
generöse und möglicherweise einmalige Gelegenheit vorbeiziehen zu lassen? Konnte 
man sich doch problemlos der Herzischen Variante anschließen, Uganda einfach als 
Sammelstation und Durchgangslager zu betrachten, bis daß bessere Zeiten einen 
Weiterzug nach Palästina ermöglichten. Diese Tage mochten in einigen Generationen 
da sein, im Moment aber waren sie es offensichtlich nicht. 


412 

Entgegen aller Schwierigkeiten und Widerstände hatte Leo Pinsker mit seinem Komitee des 
Chibbat Zion (Liebe zu Zion) von 1882 bis 1894 rund 25.000 Juden nach Palästina gebracht. 

413 Douglas Reed, „The Controversy of Zion“, etwa Seite 227 



187 


Die Türkei sperrte sich aus wohlbegründeten Motiven mit Händen und Füßen, auch 
nur einen Fußbreit ihres Territoriums freiwillig herauszugeben. Eine Änderung dieser 
Position war auf lange Zeit kaum abzusehen. 

Die einzige Möglichkeit, Istanbul doch noch in kurzer Frist zu „beerben“ war ein 
Krieg, in dem eine europäische Macht als Stellvertreter der jahwitischen 
Nationalstaatsbewegung die Türkei niederrang. Gedachten die religiösen Zionisten 
etwa auf diesem Wege, ihren Wünschen näherzukommen? Waren sie am Ende doch 
nicht von politischer Blindheit geschlagen? Sahen sie gar früher und besser in die 
Zukunft als ihre gesamte Umwelt? Angesichts der „himmlischen“ Verpflichtung des 
Geheimvatikans sollten uns eine entsprechende prophetische Begabung nicht weiter 
verwundern. Und in der Tat liegt der Verdacht, daß sich die jüdische 
Nationalbewegung einer wahrhaft diabolischen Taktik zur Erreichung ihrer Ziele 
bediente, näher als man glauben mag... 

Kehren wir also an dieser Stelle noch einmal zu den Protagonisten des Uganda- 
Streits zurück. Werfen wir noch einmal ein Schlaglicht auf die Positionen und 
Ergebnisse der Unterhandlungen. Gestatten wir uns einen kurzen Blick hinter die 
Kulissen. Es ist Samstag, der 29. August 1903, der Tag nach Schließung des 6. 
Zionistenkongresses in Basel. Der Reporter der American Jewish News, Litman 
Rosenthal, der Herzl in seinem Baseler Hotel besucht hatte befindet sich in Paris, wo 
er zionistische Freunde besuchen will. Er ist davon informiert worden, daß der 
Organisations-Vizepräsident Max Nordau 414 angekündigt sei, um in der 
französischen Hauptstadt über den abgelaufenen Kongreß zu sprechen. Ihn will 
Rosenthal hören. Auf der Versammlung hört er Nordau sagen: 

„Nach Kishneff 415 bot die große, fortschrittliche Macht England, in Sympathie für 
unser Volk, der jüdischen Nation durch den zionistischen Kongreß, eine autonome 
Kolonie in Uganda an. Uganda ist nicht Palästina, doch nichts ist so wertvoll wie 
freundschaftliche Beziehungen mit einer solchen Macht wie England. Deshalb 
akzeptiert dieses Angebot, um einen Präzedenzfall in unserem Sinne zu schaffen. 
Früher oder später wird die orientalische Frage, wo Englands Interessen liegen, 
gelöst werden müssen, und die orientalische Frage bedeutet, selbstverständlich, 
ebenso die Frage Palästinas... Herzl wußte, daß wir am Vorabend einer 
schrecklichen Krise stehen, welche die ganze Welt befallen würde. Bald vielleicht 
würde eine Art Weltkongreß zusammentreten und das große, freie, mächtige 
England würde dann das Werk fortsetzen, das es mit seinem edlen Angebot 
begonnen hat. Und wenn Sie mich jetzt fragen sollten, was Israel in Uganda tun 
sollte, so lassen Sie mich die folgenden Worte so sagen, als wenn ich Ihnen die 
Sprossen einer immer weiter aufwärts führenden Leiter beschriebe: Herzl, die 


414 Max Nordau wurde 1849 in Budapest unter dem Namen Simon Südfeld beschnitten. Auf dem 
ersten Zionistenkongreß, der 1897 in Basel stattfand, wurde Herzl zum Präsidenten und Nordau 
zum Vizepräsidenten gewählt. 

415 Kischinew, Hauptstadt des rumänischen Landesteils Bessarabien. Angespielt wird hier auf 
e men kurz zurückliegenden Pogrom an den jüdischen Einwohnern der Metropole, die damals etwa 
die Hälfte der Bewohner stellten. 



188 


zionistische Konferenz, der kommende Weltkrieg, die Friedenskonferenz, auf der mit 
Hilfe Englands ein neues freies Palästina geschaffen werden wird. 416 

Rosenthal fügt diesen Worten Nordaus hinzu: „Wie ein mächtiger Donner erreichten 
uns diese letzten Worte und wir alle waren erzittert und vor Schreck wie gelähmt, als 
ob wir eine Vision der Alten gesehen hätten.“ 


Nicht zitierte weiterführende Literatur 


Arendt, Hannah, „Israel, Palästina und der Antisemitismus“, Wagenbach, Berlin 1991 Bunzl, John, 
„Überlegungen zu Antisemitismus und Antizionismus“, Manuskript 1980 (zit. bei Taut) Schoenman, 
Ralph, „The hidden history of Zionism“, Veritas Press, Santa Barbara/Calif. 1988 Taut, Jakob, 
,Judenfrage und Zionismus“, isp-Verlag, Frankfurt/Main 1986 Taut, Jakob/Warshawski, Michel, 
,Aufstieg und Niedergang des Zionismus, isp-Verlag, Frankfurt/Main 1982 Weinstock, „Le Sionisme 
contre Israel, Paris 1969 Weinstock, Nathan/Mandel, Ernest, „Zur jüdischen Frage - Beiträge zu 
Abraham Leon“, isp-Verlag, Frankfurt/Main 1977 


416 Das Zitat entstammt der jüdischen Zeitung American Jewish News vom 19. September 1919. 
Der englische Originaltext lautet: „Herzl knew that we were on the eve of a terrible crisis, which 
would affect the whole world. Perhaps soon some kind of World Congress would meet, and the 
great, free, mighty England would then continue the work which she had started with her generous 
offer. And if you should now ask me what Israel should do in Uganda, so let me say the following 
words just if I were showing you the Steps of a higher and still higher ladder: Herzl, the Zionist 
Conference, the füture World War, the peace Conference at which a new free Palestine will be 
created with the help of England.“ 



189 


Die politische Verkörperung der Gemeinde Israels 
soll sich uns offenbaren wie die Leiter Jacobs, die auf 
der Erde steht während ihre Spitze in die Himmel 
ragt. (Israels Chefrabbi Kook nach Aviezer Ravitzky, 
„Messianism, Zionism and Jewish Religious 
Radicalism The University of Chicago Press, 
Chicago 1996, Seite 5) 

Die Geschichtsforschung wird lehren, welche Rohe 
das internationale Illuminatentum, die Freimaurer- 
Weltloge, unter Ausschluß der ahnungslosen 
Deutschen natürlich, bei der geistigen Vorbereitung 
und wirklichen Entfesselung des Weltkrieges, des 
Krieges der „Zivilisation“ gegen Deutschland, 
gespielt hat. (Thomas Mann, ,,Betrachtungen eines 
Unpolitischen“, 1918) 

Kapitel 4.8 


„Messiaswehen“: Der Plan zur Führung 
dreier Weltkriege 


Der Kampf des Sinai gegen die weltliche Macht des 
Rom-Papstes 

Wollen wir die Hintergründe des ersten Weltkrieges und die dabei zutage tretenden 
Machtkonstellationen halbwegs erschöpfend begreifen, so müssen wir das Rad der 
Zeit noch einmal um einige Dekaden zurückdrehen. Die späteren Gegner in diesem 
ersten globalen Gemetzel der Menschheitsgeschichte nahmen nämlich schon 
Jahrzehnte vorher die ihnen zugedachten Positionen ein - im Zuge der Zerstörung des 
italienischen Kirchenstaates. 

Mit diesem Ereignis gilt es anzusetzen, denn es spielt im Denken des 
Geheimvatikans eine sehr zentrale Rolle. Erst wenn Rom (das Papsttum) gefallen, 
der Katholizismus zerstört und in Jerusalem der salomonische Tempel neu erstanden 
sei, so lauteten die Verheißungen Jahwes, erst dann würde der ersehnte Messias 
kommen. Die ganze Zuarbeit seiner Jünger mußte also auf Italien zielen, um so den 
Beginn der messianischen Zeit einzuläuten. 



190 


Wie darf man sich nun die damalige Ausgangssituation auf der Landkarte vorstellen? 
Italien war in Fürstentümer geteilt, die großenteils durch die Familienpolitik des 
Hauses Habsburg unter der Kontrolle Wiens standen. Nach Richtlinien, die der Fürst 
Metternich einmal gab, und die man in Wien strikt befolgte, war Italien zu einem rein 
geographischen Begriff herabgedrückt worden. Österreich, das sich damals weit in 
die norditalienischen Provinzen hinein erstreckte, übernahm ferner den Schutz der 
absolutistischen Herrschaften in Italien. Dieser Zustand kam nicht zuletzt dem 
Vatikan zugute, weil jede nationale Einigung Italiens notwendigerweise die Grenzen 
und schließlich die Existenz des Kirchenstaates - der damals ganz Mittelitalien 
umfaßte - gefährden mußte. 


Frankreichs Schaukelpolitik 

Dagegen trat nun der aufgeklärte sardinische (piemontesische) König Viktor 
Emmanuel II. auf, der sich, verbunden mit eigenen Machtinteressen, als Vorkämpfer 
der italienischen Einigungsbewegung verstand. Um sein Ziel in die Tat umzusetzen, 
schmiedete er im Juli 1858 bei einer Zusammenkunft mit dem französischen König 
Napoleon III. ein Komplott. Dabei vereinbarten die Partner, gemeinsam Wien in 
einen Krieg zu verwickeln um sich anschließend dessen romanisches Erbe zu teilen. 
Oberitalien sollte an Sardinien fallen, Savoyen und Nizza an Frankreich. Am 1. 
Januar 1859 richtete Napoleon verschiedene Forderungen an Österreich, die klar auf 
einen Konflikt ausgerichtet waren. Die K+K Monarchie griff den Fehdehandschuh 
auf und marschierte wenig später in Sardinien ein, welches von frisch angelandeten 
französischen Truppen verteidigt wurde. Als sich die Österreicher schließlich auf 
breiter Front zurückziehen mußten und gar die Lombardei verloren gaben, schien 
alles wie geplant zu laufen. 

Da schloß Napoleon überraschend im Juli 1859 ohne Vorwissen seiner Alliierten den 
Waffenstillstand und Vorfrieden von Villafranca ab - im Hinblick auf seine großen 
Verluste, die Gefahr eines preußischen Angriffs am Rhein und die Abneigung der 
französischen Klerikalen gegen die Rompolitik der Nationalbewegten. Durch die 
Bestimmungen des Friedens, der endgültig am 10. November im Zürich 
abgeschlossen wurde, erhielt Piemont nur die Lombardei, während Venetien bei 
Österreich blieb. Italien war somit immer noch kein Nationalstaat geworden. Die 
Frage Mittelitaliens blieb offen, Rom von den Franzosen besetzt und der Papst 
mithin verteidigt. 


Die freimaurerische Einigung Italiens - ohne Frankreich 

Während sich die Franzosen aus dem aktiven Kriegsgeschehen zurückzogen, 
wurden die Herrscher der Toskana, Parma und Modena aus ihren Ländern 
vertrieben. Überall bildeten sich provisorische Regierungen, die für die 
Vereinigung mit Piemont eintraten. Durch den Frieden von Zürich an militärischen 



191 


Einverleibungsmöglichkeiten gehindert, setzte Piemont im März 1860 
Volksabstimmungen durch, die den staatlichen Zusammenschluß zum Ziel haben 
sollten. Auf diesem Weg - andere Gebiete wurden in der Tat mit Gewalt an die 
Leine gelegt - kam der italienische Einigungsprozeß in Gang. 

Die Freimaurerei unterstützte natürlich aus Leibeskräften diese nationale Erhebung, 
die sich sowohl gegen das reine Königtum, als auch gegen den Vatikan richtete. 
Praktisch alle „Freiheitshelden“ waren Mitglied einer brüderlichen Vereinigung. 
Als Primus inter pares kann man hierbei Giuseppe Garibaldi ansehen, der - bereits 
1844 der französischen Loge „Amis de la Patrie“ in Montevideo beigetreten - als 
gemeinsamer Großmeister den Großlogen von Neapel und Palermo Vorstand. 

Sehr hilfreich war auch die Unterstützung, die den italienischen Freimaurern aus 
dem Ausland zuteil wurde. Hierzu schreibt A. Cowan in „The X Rays in 
Freemasonry“: „Nach Demenico Margiotta, Sovereign Grand Inspector General des 
Alten und Angenommenen Schottischen Ritus hielt sich zu dieser Zeit ein 
Internationaler Freimaurerischer Kongreß in London bereit, darunter Mazzini, 
Kossuth, Felix Pyat, Lemmi und Lord Palmerston (damals britischer Außenminister 
und „Papst“ der Maurerei, der Verf.). Diese standen in enger Verbindung zu 
Cavour, Rattazzi, Crispi und Garibaldi in Italien. Ihr Hauptziel war die Einigung 
Italiens und die Vernichtung der weltlichen Herrschaft des Papstes. 1860 stürmte 
Garibaldi, der Grand Master General des Ritus von Memphis und Misraim mit 
Tausenden freimaurerischen Gefolgsleuten das Königreich Neapel, das sie 
besetzten. Ein englischer Gentleman, der damals als Protestant und Freimaurer in 
der Freiwilligenbrigade Dienst tat, war von einem Offizier seines Korps ersucht 
worden, sich zur Unterstützung Garibaldis bei der Englischen Legion 
einzuschreiben. Er wurde davon unterrichtet, daß die Legion von Freimaurern 
versorgt und unterstützt werde. Später eröffnete ihm ein Freimaurer, der den 
höchsten Posten in einer der Logen von Essex innehatte, daß die englische 
Freimaurerei in Verbindung zu Mazzini gestanden habe und diesen für seine 
Aufgaben mit Geld ausstatte. 417 

Palmerston (im Volksmund wegen seiner das Ausland destabilisierenden Politik 
auch „Lord Firebrand“ genannt) war - wie der hintergründige Historiker 
Deschamps überliefert - die Seele des freimaurerischen Verschwörung der Herren 
Cavour, Mazzini und Garibaldi, Sir James Hudson, der englische Botschafter in 
Turin, war einer der wichtigsten Mitarbeiter Palmerstons in diesem Spiel. Seine 
Residenz war Zufluchtsort, Versteck und Basis der Verschwörer. Einer der 
Botschaftssekretäre beschrieb den Alltag in der Gesandtschaft mit folgenden 
Worten: „Ich habe gerade mit Sir James zu Mittag gegessen. Insgesamt waren 
wir zu zwölft. Abgesehen von Sir James und meiner Person setzten sich die 


417 A. Cowan, „The X- Rays in Freemasonry“, Seite 81 f. nach Denis Fahey, „The Mystical Body 
°f Christ and the Reorganization of Society“, Regine Publications LTD., Dublin/Irl. 1984, Reprint 
aus dem Jahre 1945, Seite 227f. 



192 


Dinierenden ausschließlich aus Zuchthäuslern und Mördern zusammen. Sie waren 
genug, um mir das Blut in den Adern gefrieren zu lassen.“ 418 

Bei all dieser brüderlichen Hilfe konnte die erleuchtete Unternehmung gar nicht 
fehlgehen. Und so versammelte sich schließlich nach entsprechenden Vorarbeiten am 
18. 2. 1861 in Turin das erste italienische Parlament um die Einigung des Vaterlandes 
und die Krönung Viktor Emmanuels zum König zu proklamieren. 


Der preußische Stellvertreterkrieg gegen Österreich 

Trotz des Jubels dieser stolzen Tage blieben Fragen weiter offen. So hatte das 
Parlament Rom zur Hauptstadt erklärt, was ein Wunschtraum bleiben mußte, 
solange der Heilige Vater alles andere als geneigt war, seine Regentschaft über die 
Ewige Stadt niederzulegen. Außerdem hielt Österreich nach wie vor die nördlichen 
Provinzen Istrien und Venetien. Alle drei Zankäpfel wurden von den Nationalisten 
ebenso stürmisch eingefordert, wie sie die Kurie und das katholische Österreich 
verteidigten. Nur eine bewaffnete Auseinandersetzung konnte die Fronten klären... 

Da Italien für sich alleine genommen zu schwach war, um dem nördlichen 
Nachbarn alleine entgegenzutreten, verhandelte Viktor Emmanuel in aller Stille mit 
dem protestantischen Preußen und versprach Waffenhilfe, wenn Preußen binnen 
drei Monaten an Österreich den Krieg erkläre. Dafür sollte Italien mit Venetien 
belohnt werden. Am 8. April 1866 wurden sich beide Seiten handelseinig. Nach der 
eigenmächtigen Besetzung des österreichischen Holsteins durch preußische 
Truppen (7. Juni) beantragte Wien am 11. Juni in Frankfurt die Mobilmachung des 
Bundesheeres gegen Preußen; die Annahme dieses Antrages in der 
Bundestagssitzung vom 14. Juni bedeutete den Bruch. Am 17. Juni erließ der 
Kaiser von Österreich, am 18. Juni der König von Preußen ein Kriegsmanifest. Am 
20. Juni erklärte Italien den Krieg. Bereits am 3. Juli fiel in der Schlacht von 
Königgrätz die Entscheidung zugunsten der Preußen. Österreich mußte Venetien an 
Italien abtreten. 

Daß der deutsche Bruderkrieg entgegen allen Erwartungen von so extrem kurzer 
Dauer war, verdankte der Sieger nicht zuletzt seinem Geheimdienst - und dessen 
Beliebtheit im Feindesland. In dem Memoiren eines deutschen Armeeoffiziers 
findet sich folgende interessante Betrachtung über den preußischen Versuch, 
mittels Spionage Österreich im Krieg zu schwächen: „Im Krieg gegen Österreich 
1866... kamen die Juden in Scharen, um uns für wenig Geld Informationen über 
alle Bewegungen der kaiserlichen Armee zu geben. Diese Juden waren 


418 

Deschamps, „Les Societes Secretes et la Societe“, Band II, Seite 340 nach Denis Fahey, „The 
Mystical Body of Christ and the Reorganization of Society“, Regine Publications LTD., 
Dublin/Irl. 1984, Reprint aus dem Jahre 1945, Seite 299 



193 


Österreichische Staatsbürger und daher freiwillige Spione.“ 419 Wenn man nun weiß, daß 
das Israelitentum schon damals bis in höchste Staatspositionen der K+K-Monarchie 
vorgedrungen war, kann man vielleicht ermessen, wie wichtig diese geheime 
Unterstützung gewesen ist. 

Fehlt noch der Hinweis, warum sich derart viele Hebräer dem Gegner in die Arme 
warfen. Sie taten dies ja nicht einfach, weil sie als Juden zum Verrat prädestiniert 
gewesen wären. Im umgekehrten Fall - man mag da ganze Bibliotheken von 
zeitgenössischen Berichten vergebens durchforsten - „bedienten“ preußische Juden 
die Österreicher nicht. Des Rätsels Lösung für dieses Mißverhältnis liegt, wie sollte es 
anders sein, in der Religion. Mochte sich die Regierung in Wien noch so 
aufgeklärt geben - sie blieb dennoch ein katholisches Regime, das dem seit jeher 
verhaßten päpstlichen Vatikan zuarbeitete. Das war der kleine aber wichtige 
Unterschied, den die Stellvertreter Jahwes und ihre weltlichen Vertreter vor Ort bei 
vielen mosaisch erzogenen Österreichern instrumentalisieren konnten. Es gelang 
ihnen in diesem speziellen Fall wie auch wenig später, im Zuge des preußischen 
Stellvertreterkrieges gegen Frankreich. 


Das katholische Frankreich, die Loge und der 
Geheimvatikan 

Napoleon III. von Frankreich bestach gewiß durch mancherlei persönliche 
Eigenschaften. Nur wirklich Böswillige werden ihm ferner unterstellen, sein Volk 
nicht geliebt zu haben und nicht bemüht gewesen zu sein, dem Land ein guter 
Führer zu sein. Trotzdem wies der Monarch drei Nachteile auf, die ihm ein wirklich 
erfolgreiches Regieren erschwerten: 

Erstens war er nicht bereit, sich den Wünschen der Freimaurerei unterzuordnen. 
Als ehrgeiziger Mann hatte sich Napoleon nur darum in die Maurerei einweihen 
lassen, um sie gemäß der Tradition seines Onkels Napoleon I. für seine Zwecke 
auszunützen. In diesem Sinne nötigte er der Loge durch Dekret vom 11. Januar 
1862 seinen Mann, den Marschall Magnan, als Großmeister des Großorients von 
Frankreich auf. 

Zweitens begann der Regent bald stark im katholischen Fahrwasser zu schwimmen, 
Wobei er es sich mit den Freimaurern und Juden gleichermaßen vertat. Letztere 
nahmen Napoleon vor allem dessen Wunsch übel, das Volk Gottes möge sich doch 
eines Tages wieder zum Gottessohn Christus bekennen. 1865 trat der oberste 
Freimaurer Frankreichs, der uns bereits bekannte Jahwejünger Cremieux, gegen 
Napoleon III. auf, der in seinem Buch 'Das Leben Julius Cäsars' von Völkern 

419 Artikel der „Civilta Cattolica“, Rom, vom 4. Oktober 1890 mit Bezug auf die Berliner 
„Kreuzzeitung“ vom Juli des Jahres. Zitiert bei: Denis Fahey, „The Mystical Body of Christ and the 
Reorganization of Society“, Regine Publications LTD., Dublin/Irl. 1984, Reprint aus dem Jahre 
1945, Seite 180 



194 


sprach, die das Genie behinderten, und sie mit den Juden verglich, die ihren Retter 
kreuzigten. Cremieux setzte umgehend eine Pressekampagne in Gang und seine 
Entgegnungen wurden von den Zeitungen der ganzen Welt abgedruckt; angesichts 
der offenkundigen Machtstrukturen sah sich Napoleon genötigt, diesen Ausspruch 
zurückzunehmen. Cremieux hingegen wurde 1869 in die gesetzgebende Körperschaft 
von Paris gewählt, wo er seinen Platz in einer Gruppe von Republikanern einnahm 
und einen energischen Kampf gegen die kaiserliche Regierung führte. 

Der dritte Punkt, der den Herrscher aller Franzosen den Stellvertretern Jahwes auf 
Erden unbeliebt machte, war vielleicht der entscheidende. Es war des Monarchen 
Einstehen für den Heiligen Stuhl in Rom. Zugegeben: Bereits 1864 hatten die 
französischen Schutztruppen den Kirchenstaat verlassen, während sofort 
carbonaristische Freischaren 420 auf ihren Spuren nachrückten und sich Stück für 
Stück des ihnen preisgegebenen Landes bemächtigten. Nur die Stadt Rom und die 
lebenswichtigen Plätze Comarca und Civitavecchia blieben vorläufig noch der 
weltlichen Herrschaft des Papstes Vorbehalten. Diese Plätze aber sollten Napoleons 
Wunsch gemäß sakrosankt sein. Die Italiener gestanden ihm dies auch zu. Als sich 
dann Garibaldi 1867 über die vertraglichen Bindungen hinweg durch einen 
Handstreich auch Roms zu bemächtigen versuchte, waren deshalb sofort wieder 
französische Landungstruppen bei der Hand, die jetzt den allzu ungestümen 
Condottieri Halt geboten und ihnen in der Schlacht bei Mentana eine empfindliche 
Schlappe beibrachten. Um den Heiligen Vater fernerhin vor ähnlichen unliebsamen 
Überraschungen zu schützen, richtete sich der französische General Failly mit seinen 
Mannen in Rom häuslich ein. Er befolgte dabei eine Weisung seines obersten 
Feldherm, den diese Entscheidung die Krone kosten sollte. 

Wie anders - und aus Sicht des Geheimvatikans, erfreulich - lagen doch die Dinge 
zur gleichen Zeit im benachbarten Preußen. 1867, nur Monate, nachdem sich der 
französische Kaiser von Adolphe Cremieux in die Schranken hatte weisen lassen 
müssen, Monate nachdem Preußen mit israelitischer Hilfe den Krieg gegen 
Österreich gewonnen hatte, wurde auf der anderen Seite des Rheins der getaufte Jude 
Eduard von Simson nominell zum ersten Politiker des Landes ausgerufen. Sowohl 
der konstituierende als auch der erste ordentliche Reichstag des Norddeutschen 
Bundes und das Zollparlament wählten jenen Mann, der bereits 1848 als Präsident 
der Frankfurter Nationalversammlung König Wilhelm IV von Preußen die 
Kaiserkrone angeboten hatte, zu ihrem Präsidenten. Und als ob es darum ging, den 
Staat der Dichter und Denker zum gelobten Land zu entwickeln, verkündete der 
Norddeutsche Bund am 3. Juli 1869 die Aufhebung “aller noch bestehenden 
Beschränkungen der bürgerlichen und staatsbürgerlichen Rechte“ der Juden. 


420 Die Carbonari waren ein von französischen und italienischen Freimaurern ins Leben gerufener 
Geheimbund, der republikanisch-revolutionäre Ziele verfolgte. 



195 


Sollte jemals in Frage gestanden haben, welche Macht sich als Festlandsdegen zur 
Unterdrückung des Katholizismus in Frankreich und Italien am Besten eigne, so tat 
die Protestantische Vormacht Preußen alles, um darüber jeden Zweifel zu 
zerstreuen... 


Der deutsch-französische Krieg und der Sturz 
Napoleons III. 

1869 - zur gleichen Zeit also - wurde in Rom die „Associazone democratica romana“ 
gegründet. Ihr offizieller Stempel war ein Totenkopf mit zwei gekreuzten Knochen. 
Abt.l ihrer Sitzung bestimmte als Programm: „Sturz der Gewalt der Päpste und 
Einigung Italiens.“ Abt. 7 bedrohte Verräter und Denunzianten mit dem Tod. Als 
Papst Pius IX wenig später für den 8. Dezember 1869 das ökumenische Konzil 
einberufen hatte, wurde in Neapel ein „ökumenisches Antikonzil“ veranstaltet. 
Riboli, das Oberhaupt der Turiner Freimaurerei, entsandte als seinen Vertreter G. 
Valeriani, und verfaßte eine Botschaft, in der zu lesen stand: „Die römisch- 
katholische Religion ist eine Lüge. Ihre Herrschaft ist ein Verbrechen.“ All dies 
waren Vorwehen einer Entscheidung, die jetzt langsam aber sicher heranreifte. Das 
einzige Problem, das der Lösung im Wege stand, war die Bereitschaft des 
französischen Königs, Rom unter allen Umständen zu verteidigen. Diesen 
Stolperstein aus dem Weg zu Räumen blieb dem evangelischen Preußen 
Vorbehalten... 

Daß es überhaupt zu einem Waffengang zwischen Berlin und Paris kam, war dabei 
aber eher die Schuld Napoleons III., der schon seit längerem auf eine Gelegenheit 
wartete, den entstehenden deutschen Einheitsstaat zu zerschlagen. Den äußeren 
Anlaß bot ihm der Umstand, daß anstelle eines Franzosen dem Erbprinzen Leopold 
von Hohenzollern der spanische Thron angeboten wurde und der preußische König 
Wilhelm es ablehnte, ihn zum Verzicht zu zwingen. Obwohl der Erbprinz am 12. Juli 

1870 freiwillig der Krone entsagte, sah sich Napoleon III. durch die preußische 
Regierung beleidigt und erklärte am 19. Juli den Krieg. 

Dem Nachbarn kam die vermeintliche Bedrohung indes alles andere als ungelegen; 
im Gegenteil hatte Bismarck auf nichts anderes als diese Entscheidung gehofft. Dem 
eisernen Kanzler war nämlich bekannt, daß sich der für ihn nur diffus wahrnehmbare 
Geheimvatikan mitsamt der wesentlich absehbarer agierenden Freimaurerei auf eine 
Niederlage Frankreichs verständigt hatte. Und so mußte Napoleon neben den offenen 
Gegnern auf dem Schlachtfeld noch einen geheimen Feind in den eigenen Reihen 
bekämpfen, den er vermutlich überhaupt nicht Wahmahm und dessen Hiebe damit 
um so gefährlicher waren. 

Hierzu überliefert der russische Geschichtsforscher Boris Brasol in seinem Buch 
Die Welt auf dem Kreuzweg“ folgendes höchst aufschlußreiche Erlebnis des 
ehemaligen russischen Außenministers Nikolai Karwowitsch Girs, das der Politiker 



196 


1872 wie folgt referierte: „Ich war in dieser Zeit (1870) Botschafter in Bern. In dieser 
Stadt befand sich eine vortrefflich organisierte Agentur, die Nachrichten über 
französische Truppen, ihre Verteilung, Bewegungen, Reserven, Proviant usw. 
sammelte. Diese Nachrichten kamen aus französischen Freimaurerlogen, die sie von 
freimaurerischen französischen Offizieren erhielten und mit ungewöhnlicher 
Schnelligkeit in chiffrierten Depeschen an die preußische freimaurerische Agentur in 
Bern übermittelten. Damals studierte ich diese freimaurerischen Organisationen 
gründlich und machte darüber einen Rechenschaftsbericht. Wie sich herausstellte, 
war Frankreich von vornherein von der internationalen Hochgradfreimaurerei 
verurteilt und keine militärische Strategie und keine Tapferkeit der Truppen konnte es 
vor der Niederlage retten. Es war ein Krieg der Blinden gegen die Sehenden.“ 421 

So addierte sich in diesem Krieg eine französische Niederlage zur nächsten. Und 
selbstverständlich versäumte es die gallische Loge dabei nicht, die vermeintliche 
„Katastrophe“ in einen Gewinn umzumünzen. Die erste anstehende Entscheidung 
betraf die Absetzung des verhaßten Monarchen. Schon als die Kunde der Niederlagen 
von Weißenburg (4. August), Wörth (6. August) und Spichern (6. August) nach Paris 
drang, hatte man das zur Schürung von Unruhen (9. August) genutzt. Aber noch 
einmal gelang es dem Hof, die Revoluzzer zu bändigen. Als dann aber am 2. 
September Mac Mahon in Sedan kapitulierte und der französische Kaiser an der Seite 
von 83.000 Landsleuten Gefangener der Deutschen wurde, rissen alle Bande. Am 4. 
September, nachmittags, stürmte ein von gekauften Agitatoren angeführter 
Volkshaufen den Sitzungssaal der gesetzgebenden Körperschaft. Die Kaiserin 
flüchtete nach England, der Senat löste sich auf und der freimaurerische 422 Israelit 
Leon Gambetta proklamierte die „Volksregierung“. 

Diese, nunmehr dritte französische Republik war wie die neue Regierung eine rein 
freimaurerische Institution. Das Außenininisterium übernahm der Freimaurer Jules 
Favre 423 , Innenminister wurde der freimaurerische Jude Leon Gambetta 424 , zum 
Unterrichtsminister bestimmte man den erleuchteten Hebräer Jules Francois 
Simon. 425 Alle Brüder überstrahlte jedoch der Glanz eines alten Bekannten: Issak 
Adolphe Cremieux, Gründer der „Alliance Israelite Universelle“, Großmeister des 
A+A Schottischen Ritus von Frankreich 426 und schärfster Gegenspieler Napoleons 


421 •• 

‘ Überliefert durch Friedrich Hasselbacher in „Entlarvte Freimaurerei“, Band III, Archiv- 
Edition im Verlag für ganzheitliche Forschung und Kultur, Viöl 1992, Seite 98 

422 Leon Gambetta (1838-1882) war seit 1869 Mitglied der Loge „La Reforme“ in Marseille und 
trat später zudem der „Clemente Amite“ in Paris bei. (Allan Oslo) 

423 

■ Nach Friedrich Hasselbacher, „Entlarvte Freimaurerei“, Band III, Archiv-Edition im Verlag 
für ganzheitliche Forschung und Kultur, Viöl 1992, Seite 105 

424 Nach Friedrich Hasselbacher, a.a.O., Seite 105, war Gambetta seit 1869 Mitglied der Loge 
„La Refonne“ in Marseille und dann auch der Loge „Clemente Amitie“ in Paris. Gambetta stieg 
1881 zum Ministerpräsidenten auf. 

425 

' Nach Friedrich Hasselbacher, a.a.O., Seite 105, war Simon Mitglied der Loge „Le Reveil 
Maconnique“ in Boulogne. 

426 

‘ Nach Friedrich Hasselbacher, a.a.O., Seite 105 war Cremieux' Matrikelnummer im 
Schottischen Ritus die 18.340. 



197 


III. in Personalunion wurde Mitglied der Provisorischen Regierung und erhielt das 
Amt des Justizministers. 


Die Verurteilung Preußens durch die Loge 

Jetzt, nach dem Sturz des Kaisers Napoleon, der Proklamation der Republik und 
der Entblößung des Vatikan (die französischen Schutztruppen waren stückweise 
seit August zur Verteidigung des eigenen Vaterlandes abgezogen worden) nahm 
die „französische“ Freimaurerei plötzlich einen völligen Kurswechsel vor. Der 
Zweck des Krieges war für sie erfüllt. Jetzt hätte Preußen Frieden schließen 
müssen, damit die Foge die Früchte ihrer verräterischen Arbeit in Ruhe einheimsen 
konnte. Die deutschen Heere aber zogen weiter und erschienen am 16. September 
vor dem mittlerweile republikanischen Paris. Da traten die Freimaurer zusammen 
und erließen ein großes Manifest. 

Das illuminierte Bayreuther Bundesblatt schreibt: „Einen Tag nach dem Eintreffen 
der deutschen Heere vor Paris traten in Paris zehn Freimaurerlogen zusammen, um 
einen, in erster Finie an die deutschen Freimaurer, weiter aber auch an alle 
Freimaurer der Erde gerichteten Aufruf zu beschließen. Dieser Aufruf wurde 
dann... an alle Großlogen der Erde versandt. Ein Exemplar, mit der Adresse 
versehen: A Sa Majeste, Guilleaume Iier, Roi de Prasse, wurde der Post in Paris 
zur Beförderung übergeben. Auch an den Kronprinzen Friedrich Wilhelm soll ein 
Exemplar abgesandt worden sein... Der Aufruf trägt die Überschrift „Manifest des 
Foges“ und das Datum Paris, 16. September 1870... Er lautet in deutscher 
Übersetzung wie folgt: 

Brüder! Der brudermörderische Kampf ist entbrannt... Der König Wilhelm (I. von 
Preußen, der Verf.) und sein Sohn sind unsere Brüder... Der Kronprinz (späterer 
Kaiser Friedrich III., der Verf), Großmeister der preußischen Freimaurerei, nennt 
sich Protektor der gesamten Freimaurerei... Sie sind es, welche drohen, Paris in 
Brand zu stecken, diese Hauptstadt der Zivilisation; sie sind es, welche ohne 
Rücksicht auf die Jahrhunderte alten Archive der Geschichte und des Fortschritts, 
repräsentiert durch ihre Denkmäler, ihre Bibliotheken, ihre Museen - drohen, alles 
zu zerstören, um ihren unsinnigen und unersättlichen Ehrgeiz zu befriedigen. Diese 
Ehrgeizigen haben ihre Eide gebrochen, sie sind unwürdig und meineidig, sie 
haben ihre Ehre verwirkt. Wir schließen sie für immer aus und weisen jede 
Gemeinschaft mit diesen Ungeheuern in Menschengestalt zurück... Die beiden 
Brüder, welche wir ausstoßen, sind nicht unbekannt mit unsern Prinzipien, mit 
unsern Bestrebungen, mit unserm Endziel. Sie haben die Freimaurer Deutschlands 


A r )l 

‘ Was „Bayreuther Bundesblatt“ weist im gleichen Bericht daraufhin, daß jene Logen dem 
Groß-Orient von Frankreich unterstanden. 



198 


davon abgewandt und lassen sie der Erfüllung ihrer ehrgeizigen Pläne 

.. 428 

dienen. 

Die „Geschichte der Großen National-Mutterloge gen. 'zu den drei Weltkugeln'“, die 
hervorhob, daß der Bannfluch der zehn Pariser Logen von pro-semitischen 
Auslassungen gegen die Berliner Großloge verbunden waren 429 setzt in ihrer Auflage 
1875, Seite 251 ff. fort: „Gleichzeitig erließ die Loge 'de St. Genies' zu Rouen unter 
ausdrücklicher Genehmigung des interimistischen Großmeisters des Groß-Orients 
Baband Laribiere ... die Einladung zu einer freimaurerischen Generalversammlung 
sämtlicher Logen des Groß-Orients von Frankreich auf den 27. November 1870 nach 
Bordeaux zu dem Zwecke: 'Eine Kommission zu wählen und abzuordnen, welche 
dem Br. Wilhelm und dessen Sohn, die unvergänglichen Grundsätze der 
Freimaurerei und die feierliche Verpflichtung in das Gedächtnis zurückrufen sollte, 
welche dieselben beim Eintritte in den Orden übernommen haben und ferner für den 
Fall, daß dieselben von dem unverantwortlichen Menschenmorden nicht abstehen 
sollten, denselben im Namen der französischen Freimaurerei zu eröffnen, daß sie 
gänzlich aus dem Orden der Freimaurerei ausgestoßen und dem unwiderruflichen 
Fluche sämtlicher Brr. preisgegeben seien. 


Der Sturz des Papsttums 

Als die „französischen“ Verrats-Logen zu geifern begannen, hatte auch den Papst das 
ihm vom „Schicksal“ bzw. vom Geheimvatikan zugedachte Schicksal eingeholt. Im 
Grunde hatte seine letzte Stunde bereits geschlagen, als klar wurde, mit welcher 
Überlegenheit die Preußen in Frankreich vormarschierten. Nur einen kurzen Moment 
lang stand die ganze jahwitisch-masonische Unternehmung in Frage, als Viktor 
Emanuel II. des alten Verbündeten gedenkend Napoleon III militärisch zu Hilfe 
kommen wollte. Doch die Gefahr ward sehr schnell gebannt, indem die Freimaurerei 
dem italienischen König für diesen Fall mit einem Umsturz drohte. 430 

Der preußische Vormarsch band dann die Kraft des französischen Heeres 
dergestalt, daß noch unter dem König die ersten Truppenkontingente aus Mittel- 
Italien zurückgezogen wurden. Dem illuminiert-republikanischen Frankreich fiel 
es um so leichter, nach dem Putsch vom 4. September nunmehr sämtliche Reserven 
aus Rom abzuziehen und Garibaldi und Co. grünes Licht zum Sturm auf den 


428 

~ „Bayreuther Bundesblatt“, Freimaurerische Zeitschrift der Großloge „Zur Sonne“, Nr. 8, XV. 
Jahrgang, Bayreuth, Mai 1915, Seite 271 ff. Ein Abdruck des Wortlauts findet sich ferner in dem 
(bei Hasselbacher, Band L, Seite 175 angeführten) „Allgemeinen Handbuch der Freimaurerei“, 
Verlag Max Hesse, 1. Band, Seite 312 sowie in der freimaurerischen Zeitschrift „Die Bauhütte“ 
vom 26. Juni 1915 

429 Siehe Hasselbacher, Band I., Seite 176 

430 Hasselbacher, Band III, Seite 225 



199 


Vatikan zu geben. 431 Am 8. September 1870 rückten die italienischen Truppen in den 
entblößten Kirchenstaat und am 20. September in das auf Befehl des Papstes 
verteidigte Rom ein. Die ewige Stadt wurde fortan die königliche Hauptstadt des 
„Jungen Italiens“. Die weltliche Macht des Papstes war damit am Ende. 

Einen Tag vor der Eroberung Roms beendeten deutsche Truppen die Einschließung 
von Paris. Während die Metropole zwar belagert aber unangetastet blieb, 
„befriedeten“ die siegreichen Invasoren in aller Ruhe den Rest des Landes. Der letzte 
Widerstand war gebrochen, als sich am 28. 1. 1871 die Hauptstadt ergab und die 
letzte französische Armee auf Schweizer Gebiet übertrat. Zeit für ein Resümee. Was 
hatte der von den Logen ferngesteuerte Waffengang gebracht? 


Der Kulturkampf 

An ganz vorderer Stelle wäre festzuhalten, daß der Krieg vor allem ein 
wohlgesteuerter Angriff auf die Macht des Katholizismus dargestellt hatte. In diesen 
Bereich gehört die Eliminierung des päpstlichen Kirchenstaates in Italien ebenso wie 
die Absetzung des unbeliebten - weil katholisierenden - Königs in Frankreich durch 
eine jüdisch wie freimaurerisch bestimmte Regierung. 

Mit Ende des Krieges war dieser Kreuzzug noch lange nicht abgeschlossen. Im 
Gegenteil: Als ob er seinen einflußreichen Gönnern einen weiteren Schuldendienst zu 
leisten hätte, nahm Bismarck den Kampf gegen die römisch-katholische Kirche jetzt 
erst richtig auf. 

Am 16. November 1871 schrieb der Kanzler dem damaligen deutschen Botschafter in 
Paris, Graf von Arnim: „Ich stehe im Begriff eine Kampagne gegen die katholische 
Kirche zu führen, die lang und vielleicht furchtbar sein wird... Es ist dies notwendig, 
um die Unterwerfung Frankreichs zu komplettieren und unsere religiöse wie 
diplomatische Überlegenheit zu etablieren, so wie wir das bislang mit der 
militärischen Überlegenheit vermocht haben. Nun, ich wiederhole es, bei dieser 
Aufgabe werden uns die französischen Republikaner unterstützen: diese spielen unser 
Spiel. Was ich angreife um meine politischen Pläne zu fördern, das werden sie ob 
ihres antireligiösen Fanatismus angreifen. Wir können auf ihre Hilfe zählen.“ 


431 Mit diesem Moment war auch in den Logen Italiens ein Meinungsumschwung zugunsten 

Fra nkr eichs zu verzeichnen. Freimaurer stellten selbst fest: Nach Sedan „änderte sich (auch) die 

Haltung der italienischen Freimaurerei, sie ward günstig für das republikanische Frankreich, und 

man begann die glorreichen Waffentaten der deutschen Armeen zu verkleinern und zu 

211 

verunglimpfen. Garibaldi organisierte eine Freiwilligenlegion, um Frankreichs Dienste von 1859 
belohnen.“ (Br. Leopold Wolfgang in der freimaurerischen Zeitschrift „Der unsichtbare Tempel“, 
Jahrg. 1,1916, Heft 7, Seite 311, Artikel „Regierung und Freimaurerei in Italien“) 

432 Fahey II, Seite 418 



200 


Angesichts der immer weiter fortschreitenden Verweltlichung der Kirchen war 
Bismarcks Argumentation („religiöse Überlegenheit“ etc.) natürlich an den Haaren 
herbeigezogen. Auf die Mithilfe der französischen Putschregierang rechnete er - 
keinen Leser wird dies verwundern - nichtsdestotrotz völlig zu recht. Als einer der 
eifrigsten Komplizen des deutschen Reichsgründers entpuppte sich dabei der 
halbjüdische Freimaurer Gambetta. In Übereinstimmung mit Bismarck organisierte 
Gambetta den furchtbarsten aller Bürgerkriege, den Religionskrieg, der alle 
Bestrebungen der französischen Nation um Wiederaufstieg paralysierte. Während der 
„große Freiheitskämpfer“ den französischen Patriotismus durch seine hitzigen Reden 
anfeuerte, dinierte er jede Woche in der Residenz der Mosain Paiva mit Bismarcks 
Emissär Henckel, mit dem er die Termina einer „Entente Cordiale“ mit Deutschland 
auf der Basis einer Allianz gegen die katholische Kirche besprach. 

Selbstverständlich verabsäumte es der deutsche Kanzler nicht, auch seine eigene 
Heimat mit den Vorzügen dieser hehren Politik bekanntzumachen. Im Juli 1871 
wurde die Katholische Abteilung im preußischen Kultusministerium aufgehoben und 
im Dezember als Zusatz zum § 130 des Strafgesetzbuches der sogenannte 
„Kanzelparagraph“ erlassen, der die Forderung stellte, daß die Kanzel oder die 
Predigt nicht für die Behandlung von politischen Dingen in einer die Ruhe des 
Staates störenden Weise mißbraucht werden dürfen. Das 1872 veranlaßte 
Schulaufsichtsgesetz, stellte die Schulaufsicht, die bisher von Geistlichen ausgeübt 
wurde, unter die Behörden des Staates. Das Jahr 1873 brachte die ersten vier 
sogenannten „Mai-Gesetze“, nach denen der Besuch staatlicher höherer Schulen für 
Geistliche festgeschrieben wurde. Ferner wurde die Kirchen-Gerichtsbarkeit des 
Papstes aufgehoben und Kirchenaustritte dem bürgerlichen Recht untergeordnet. Die 
Gesetze über die Zivilehe und das Verbot des Jesuitenordens schlossen 1874 den 
sogenannten „Kulturkampf 4j3 erfolgreich ab. 


Die territoriale Umgestaltung Deutschlands 

Das zweite große Ergebnis des Krieges von 1870/71 betraf die Ablösung der 
teutonischen Kleinstaaterei durch einen größeren Organismus - das deutsche Reich. 
Schon die großen Triumphe der unterschiedlichen deutschen Heere hatten als 
unmittelbarstes Erlebnis von Einheit und Verbundenheit viele Widerstände des 
Partikularismus in Süddeutschland zurückgedrängt. Immer entschiedener wurde 
neben der Rückgabe Elsaß-Lothringens die Einigung des ganzen Vaterlandes im 
deutschen Volk als Preis für so viel vergossenes Blut gefordert. Obwohl König 
Wilhelm und Bismarck jede Pression auf die süddeutschen Staaten ablehnten, 
nachdem dieselben so loyal ihren Vertragspflichten nachgekommen waren, konnten 
doch Bayern und Württemberg dem Einfluß der Stimmung in Heer und Volk sich 
nicht entziehen und gaben den Wunsch nach Verhandlungen über eine festere 
Einigung mit dem Norddeutschen Bund zu erkennen, während Baden und Hessen 


Der Ausdruck stammte von Virchow, der 1873 in einer Wahlrede in liberalem Sinne von 
einem „Kampf für die Kultur“ gegen den Dogmatismus der Kirche sprach. 



201 


sich zu sofortigem Eintritt bereit erklärten. Indes stellte Bayern anfangs, bei einem 
Besuch Delbrücks, des Präsidenten des Bundeskanzleramtes, in München, solche 
Forderungen, daß eine Verständigung unmöglich schien. Erst in Versailles kamen 
die Dinge in besseren Fluß, und nachdem Baden und Hessen durch Vertrag vom 
15. November in den Norddeutschen Bund eingetreten waren, schlossen auch 
Bayern (23. November) und Württemberg (25. November) hierüber Verträge. 
Beiden Königreichen wurden allerdings erhebliche Sonderrechte zugestanden. Der 
Reichstag nahm am 9. Dezember die Verträge an und änderte den Namen des 
neuen Bundes in „Deutsches Reich“ um. 

Daraufhin begab sich eine von dem jüdischen Täufling Eduard von Simson 
geführte Deputation des Reichstages in das deutsche Kriegshauptquartier nach 
Versailles und bat dort König Wilhelm von Preußen am 18. Dezember „vereint mit 
den Fürsten Deutschlands“, durch Annahme der deutschen Kaiserkrone das 
Einigungswerk zu weihen. Der Monarch nahm die Krone an. Nachdem die 
formelle Zustimmung der Fürsten und Städte erfolgt war, erließ er am 17. Januar 
1871 eine Proklamation an das deutsche Volk, die diese Annahme verkündete und 
mit den schönen Worten schloß: „Uns aber und Unsern Nachfolgern an der 
Kaiserkrone wolle Gott verleihen allezeit Mehrer des Reiches zu sein, nicht an 
kriegerischen Eroberungen, sondern an den Gütern und Gaben des Friedens auf 
dem Gebiet nationaler Wohlfahrt, Freiheit und Gesittung.“ Am 18. Januar 1871 
schließlich geschah im Spiegelsaal zu Versailles, in Gegenwart einer glänzenden 
Versammlung von Fürsten, Prinzen und Kriegshelden die öffentliche 
Verkündigung des deutschen Kaiserreiches. Die Krone erhielt Wilhelm I aus den 
Händen Eduard von Simsons. 

Der Kaiserproklamation folgte unmittelbar die Kapitulation von Paris und damit 
das Ende des ungleichen Krieges. Die Versailler Friedenspräliminarien gaben 
Deutschland das Elsaß sowie Deutsch-Eothringen mit Metz zurück und 
verschafften ihm eine Kriegsentschädigung von 5 Milliarden Franc. Gerade der 
Territorialverlust geriet in Frankreich zu einem traumatischen Erlebnis. Völlig 
ungerechtfertigterweise 434 diente er seither gewissenlosen Chauvinisten als 
Grundlage zur Aufstachelung gegen das siegreiche Nachbarland. 


434 Deutschland konnte aus verschiedenen Gründen berechtigte Forderungen auf Elsaß-Lothringen 
erheben. Zum einen handelte es sich um alte Reichslande. Die Daily News schrieb zutreffend am 
20. August 1870: „Vor beinahe 200 Jahren hat Ludwig XIV. das Elsaß den deutschen gestohlen. 
Verjährung mag den Diebstahl decken, aber er deckt nicht die Berechtigung der Wieder¬ 
eroberung...“. Die Zeitung fahrt mit dem zweiten deutschen Hauptargument fort „... Die 
Bevölkerung des Elsaß ist deutsch!“ Tatsächlich sprach die Bevölkerung im Gesamtgebiet Elsaß- 
Lothringen 1910 zu 87,2% deutsch und nur zu 10,9 % französisch. Nach der Schweizer Zeitung 
„Der Bieler“ vom Januar 1963 setzte sich die Bevölkerung von Elsaß-Lothringen vor dem 1. 
Weltkrieg wie folgt zusammen: Elsaß 95% deutsche gegenüber 5% Franzosen, Lothringen 75% 
Deutsche gegenüber 25% Franzosen. 



202 


Die Hochgradfreimaurerei plant drei Weltkriege 

Wir haben bereits gesehen, daß die „französische“ Freimaurerei, die so lange so 
erfolgreich mit den deutschen Invasoren kooperiert hatte, letzten Endes den 
Bannfluch über ihren Komplizen aussprach. Folgt man dem Wortlaut der verspäteten 
Verwünschungen, dann liegt die Annahme nahe, daß sich die preußischen 
Vertragspartei in ihrem Siegestaumel schließlich nicht an bestimmte Abmachungen 
gebunden fühlte. Daher - nehmen wir an - das Zerwürfnis. In welchem Punkt Berlin 
über das Ziel hinausschoß steht dahin und ist hier nicht weiter von Belang. Auf jeden 
Fall wurde - wie gesehen - kräftig geflucht. 

Indes scheint es die brüderliche Vereinigung keinesfalls bei den genannten Flüchen 
belassen zu haben. Im November 1870 nämlich erließ die Loge Henri IV. in Paris ein 
feierliches Rundschreiben an die gesamte Freimaurerwelt, in dem sie auf den 15. 
März 1871 einen allgemeinen Freimaurerkongreß nach Lausanne zur brüderlich- 
öffentlichen Aburteilung der „abtrünnigen Brüder“, König Wilhelm und Kronprin z 
Friedrich Wilhelm von Preußen einberief. 435 

Die Delegierten der Logen R.R.C. und R. R. I. (im Grand Orient) aber verkündeten, 
wie Moritz Busch in seinem Buch „Bismarck und seine Leute“ nachweist, schon in 
ihrer Gerichtssitzung vom 26. November 1870 folgendes „in contumaciam“, also in 
Abwesenheit der Angeklagten, gefälltes Urteil: „Wilhelm, König von Preußen, und 
seine beiden Genossen Bismarck und Moltke, Geißeln der Menschheit, und durch 
ihren unersättlichen Ehrgeiz Ursache so vieler Mordtaten, Brandstiftungen und 
Plünderungen, stehen außerhalb des Gesetzes, wie drei tolle Hunde. Allen unseren 
Brüdern in Deutschland und in der Welt ist die Vollstreckung des gegenwärtigen 
Urteils zur Pflicht gemacht. Für jede dieser drei Bestien ist eine Million Franken 
bewilligt, zahlbar an die Urteilsvollstrecker oder an ihre Erben durch die sieben 
Zentrallogen.“ 436 

Tatsächlich wurden in den folgenden sieben Jahren drei Attentate auf Bismarck und 
Wilhelm I. unternommen. Da die Täter in allen Fällen völlig ungedeckt vorgingen 
ist davon auszugehen, daß sie die hohe Dotierung ihrer erleuchteten Brüder gelockt 
hatte. Um so interessanter wäre es zu erfahren, was nun im März 1871 in der 


435 Siehe das „Allgemeine Handbuch der Freimaurerei“, Verlag Max Hesse, 1. Band, S. 312 nach 
Friedrich Hasselbacher, „Entlarvte Freimaurerei“, Band I, Hochmuth, Berlin 1941, S. 175 

436 Busch, M., Graf Bismarck und seine Leute, Volksausgabe, 1. Auflage, S. 462. Das „Urteil 
wurde seinerzeit im „Courrier de Lyon“ veröffentlicht. E. Huber schreibt auf Seite 223 seines 
Buches Freimaurerei (ca. 1934) unter Berufung auf die 1875 erschienene Geschichte der 
Großen National-Mutterloge zu den 3 Weltkugeln, daß Cremieux hinter der Aussetzung des 
Kopfgeldes gesteckt habe und daß das Todesurteil zuvor im Grand Orient des Paris gefällt 
worden sei. Das Urteil vom 26. November überliefert ferner Friedrich Hasselbacher („Entlarvte 
Freimaurerei“, Band I, Seite 175f.), der an gleicher Stelle anführt, daß der damalige Großmeister 
des Großorients von Frankreich, Issac Cremieux, über das Urteil hinaus „seinerseits eine weitere 
Million Franken auf den Kopf König Wilhelms aus(setzte). Seine Genossen waren die 
Großmeister Bankier Allegri und Bernard Wellhof.“ 



203 


Freimaurermetropole Lausanne 4 “ 7 beschlossen wurde. Leider machten die Logen 
gerade aus diesem Kongreß eine Art Staatsgeheimnis, weshalb bis heute nichts über 
die entsprechenden Interna an die Öffentlichkeit gedrungen ist. 

Bekanntlich gilt als ehernes Grundprinzip der Maurerei, nichts über die Vorgänge in 
ihren Tempeln an die Öffentlichkeit dringen zu lassen. Andererseits ist kaum ein Fall 
bekannt, in dem es nicht in der einen oder anderen Form gelungen wäre, ein wenig 
Licht in das Dunkel einer brüderlichen Verschwörung zu bringen. Der allgemeine 
Freimaurerkongreß zu Lausanne fällt da aus dem Rahmen. Warum? Wurden hier 
Beschlüsse gefaßt, die besonders geheimhaltungsbedürftig waren? Und wenn ja - 
welche waren das? 

Nun, wir wissen es nicht. Allerdings tauchte ein freimaurerisches Dokument aus 
derselben Zeit auf, das - ohne einen direkten Bezug zu der Schweizer Versammlung - 
viel, wenn nicht alles erklären könnte. Es handelt sich um den erst spät bekannt 
gewordenen Briefwechsel zwischen den Führern der italienischen und der 

438 

amerikanischen Hochgradfreimaurerei: Giuseppe Mazzini und Albert Pike. Beide 
Männer waren höchstrangige Eingeweihte des „Schottischen Ritus“, den sie 
gemeinsam in Lateinamerika verbreiteten. 439 Beide waren politisch ebenso 
einflußreich wie aktiv, beide wußten wohl sehr genau, daß ihr Wirken zugunsten des 
Freimaurertums ganz anderen Zielen diente, als es selbst ihre nächste Umgebung zu 
glauben bereit war. 440 

Am 15. August 1871 nun schrieb der souveräne Großmeister des Altertümlichen 
und Anerkannten Schottischen Ritus der Freimaurerei in Amerika Albert Pike 
einen Brief an seinen Logenbruder, den italienischen Freiheitskämpfer Giuseppe 
Mazzini, in welchem er einen Plan zur Welteroberung durch die Loge niederlegte. 
Das Schreiben 441 enthielt einen Stufenplan, welcher über drei Weltkriege führte. 
Der erste Weltkrieg sollte zur Zerstörung des zaristischen Rußland führen und das 
Land der unmittelbaren Kontrolle der Illuminaten ausliefern. Der zweite Weltkrieg 
sollte durch geschürte Interessensgegensätze zwischen den deutschen Nationalisten 
und dem Zionismus lanciert werden. Als Ergebnisse wurde die Ausdehnung des 


Der Schweizer Ort Lausanne war vielleicht die wichtigste Zentrale der europäischen 
Freimaurerei. Siehe seine Erwähnung auf einer der folgenden Seiten. 

438 

Mazzini wurde 1861 Freimaurer und schuf die Propaganda Loge (PI), die - wie die P2 heute - 
Italien über mehrere Jahrzehnte beherrschte. Nach dem deutschen Bruder Dr. Leopold Wolfgang 
besaß er das Patent des 33. Grades des „schottischen Ritus“. („Der unsichtbare Tempel“, 1916, 
Seite 308) 

439 „The New Federalist“ (Hrsg.), „Bring Down The Pike Statue Now“, Leesburg/VA, April 1993, 
Seite 20 

440 In einem Brief an Pike schrieb Mazzini: „Die Einheit Italiens wurde von uns niemals als ein 
Ziel, sondern immer bloß als ein Mittel betrachtet.“ 

441 Es war bis in die 70er Jahre hinein in der Bibliothek des Britischen Museums in London 
ausgestellt und gilt heute als „verschollen“. Der US-amerikanische Schriftsteller Des Griffin, der 
das Papier noch selbst zu Gesicht bekommen hatte, veröffentlichte den folgenden Textauszug. 
Griffin, Die Absteiger - Planet der Sklaven?, Verlag für Außergewöhnliche Publikationen, 
Wiesbaden 1981, Seite 56f. „The New Federalist“, „Bring Down The Pike Staue Now“, 
Leesburg/VA, April 1993 referiert dieses Schreiben in seinem Grundgehalt auf Seite 17. 



204 


russischen Einflußbereiches und die Gründung des Staates Israel anvisiert. Der dritte 
Weltkrieg sollte durch produzierte Meinungsverschiedenheiten zwischen den 
Zionisten und den Arabern hervorgerufen werden. Wie der Brief weiter sagt, planten 
die Illuminati im Schlußszenario, „die Nihilisten und Atheisten los(zu)lassen; wir 
werden einen gewaltigen gesellschaftlichen Zusammenbruch provozieren, der in 
seinem ganzen Schrecken den Nationen die Auswirkung von absolutem Atheismus, 
dem Ursprung der Grausamkeit und der blutigsten Unruhen, deutlich vor Augen 
führen wird. Dann werden die Bürger - gezwungen, sich gegen die Minderheit der 
Revolutionäre zu verteidigen - jene Zerstörer der Zivilisation ausrotten, und die 
Mehrheit der Menschen wird, gottgläubig wie sie sind, nach der Enttäuschung durch 
das Christentum und daher ohne Führung, besorgt nach einem neuen Ideal Ausschau 
halten, ohne jedoch zu wissen, wen oder was sie anbeten sollen. Dann sind sie reif, 
das reine Licht durch die weltweite Verkündung der wahren Lehre Luzifers zu 
empfangen, die endlich ins Licht der Öffentlichkeit gebracht werden kann. Eine 
Manifestation, die ein Ergebnis der allgemeinen reaktionären Bewegung sein wird, 
die auf die Vernichtung des Christentums und Atheismus folgen wird.“ 

Birgt dieses seherische Dokument die Essenz des Lausanner Freimaurerkongresses, 
der knapp ein halbes Jahr zuvor stattgefunden hatte? Oder handelt es sich um einen 
eigenständigen Plan des Geheimvatikans, der in der Schweiz gar nicht oder nur am 
Rande zur Sprache kam? 

Erinnern wir uns gerade vor dem Hintergrund der Erwähnung Rußlands, daß nur 
wenig später im Land des Zaren die aktivistische Phase des Zionismus ansetzte. 
Erinnern wir uns, daß der Brief in jenen Tagen verfaßt wurde, da Alexander II. 
geradezu verzweifelt bemüht war, durch eine Assimilierungspolitik seine jüdischen 
Untertanen als patriotische Bürger einzubinden. Erinnern wir uns, daß Jacob 
Brafmann, Professor für Hebraistik am Seminar zu Minsk, an der Seite einiger 
hebräischer Spießgesellen dieses Unternehmen unterlief, daß bald Anschläge und 
der Terror der Volkspartei das ganze Land in Aufruhr brachten. Das schlußendliche 
Schicksal Rußlands ist bekannt. Es liegt ganz auf der Linie des Pike'schen Planes. 

Wen würde es angesichts der Vorkommnisse des Bismarck'schen Frankreich¬ 
feldzuges überraschen, wenn damals - quasi im „gleichen Aufwasch“ -auch 
Deutschland als Hauptgegner festgelegt wurde. Diese Annahme gewinnt eine 
zusätzliche Bedeutung, als bereits hinlänglich bekannt ist, daß der Schottische Ritus 
von Anbeginn seines Bestehens an israelitische Züge trug, ja gar als ganz bewußt 
eingesetzter Stellvertreter des B'nai B'rith außerhalb des Judentums gelten kann. Und 
damit wären wir wieder beim Wirken des Geheimvatikans angelangt, welcher 
Deutschland möglicherweise aus Gründen der Bibeldogmatik schon immer als 
Antipoden betrachtete. 



205 


Deutschland aus jahwitischer Sicht 

Der bedeutende Thoragelehrte Rabbi David Kimschi jedenfalls befand bereits vor 
Hunderten von Jahren mit Blick auf das biblisch-judengegnerische Volk der 
Kanaaniter: „Es wird durch die Tradition (also die Esoterik/Kabbala, der Verf.) oder 
mündliche Lehre gesagt/ daß die Einwohner von Teutschland/ Canaaniter seyen: 
dann als die Canaaniter vor dem Josua (aus Furcht getödtet zu werden) sich weg 
begaben/ wie wir über das Buch Josua geschrieben haben/ gingen sie in das Land 
Alemannia, welches Teutschland genennet wird: und werden dieselben (nemlich die 
Teutschen) noch heutigen Tages Canaaniter geheißen.“ 442 Zugegeben, dies ist 
lediglich eine Bibelauslegung. Aber sie findet bis heute Akzeptanz. 443 

Und sie steht in einer Chronologie weiterer Erklärungen, die für sich gemein haben, 
daß Deutschland stets als Antipode des auserwählten Volkes begriffen wird. Dies gilt 
für die Kanaaniter, die Amalekiter 444 und auch für Esau/Edom, über die der Prophet 
Maleachi in Kapitel 1, Vers 2-4 schreibt: „Ich habe euch (die Juden, der Verf.) lieb, 
spricht der Herr... und hasse Esau und habe sein Gebirge öde gemacht und sein Erbe 
den Schakalen zur Wüste. Und wenn Edom sprechen würde: Wir sind verderbt, aber 
wir wollen das Wüste wieder erbauen', so entgegnete der Herr Zebaoth: 'Werden sie 
bauen, so will ich abbrechen' - was heißen soll... ein Volk über das der Herr zürnet 
ewiglich.“ 

Der kabbalakundige Autor des Buches „Die verborgene Botschaft der Bibel“ Jeffrey 
Satinover identifiziert Esau/Edom noch in diesen Tagen mit Deutschland. Warum 
sonst sollte er ausgerechnet jenes Kapitel seines Bibel-Code-Werkes, das sich dem 
biblischen Hintergrund der Feinde des Judentums und dem Naziregime widmet, mit 
folgenden beiden Talmudstellen überschreiben? 445 


442 Rabbi David Kimschi, Auslegung Obad 1 V. 20, zitiert nach Eisenmenger, „Entdecktes 
Judentum“ (1711), Band 2, Seite 202. Siehe Harm Menkens, „Wer will den dritten Weltkrieg?“, 
Lühe-Verlag, Süderbrarup 1987, Seite 43 

443 Wer den weithin bekannten Film „Holocaust“ aufmerksam verfolgt, wird feststellen, daß die 
Juden, die im Warschauer Ghetto von oben auf die deutschen Soldaten in der Straße schossen, 
dabei riefen: „Tod den Kanaanitem!“ 

444 Auch die Amalekiter werden heutzutage mit dem deutschen Volk gleichgesetzt, wie eine 
neuere Aussage eines orthodoxen Geistlichen in Israel beweist. Die „Jerusalem Post“ vom 6. Mai 
1986 berichtete darüber wie folgt: „Der Geistliche meinte Vernichtung von Deutschen, nicht 
Arabern’. - Maßgebliche militärische Quellen schienen gestern geneigt zu sein, nichts gegen 
einen Geistlichen zu unternehmen, der ein Papier an Truppen auf der West Bank austeilte, das zur 
völligen Ausrottung von ’Amalek' aufrief. Die nachsichtige Haltung erfolgte gegenüber dem 
Geistlichen Rav Seren Rabbi Shmuel Derlich, weil dieser darauf bestand, daß er den biblischen 
Namen ’Amalek' für das deutsche Volk und nicht für die Araber verwendete. Derlich verteilte 
sein Flugblatt im vergangenen März... Derlich schrieb, es sei die Pflicht 'eines Königs in Israel... 
Amalek auszurotten, ohne irgendwelche Spuren bestehen zu lassen.’ Er nahm Bezug auf den 
Propheten Samuel, als er sagte, daß man kein Mitlied für irgendein Geschöpf aus dem Volke von 
Amalek - Mann, Frau, Kind oder sogar Kuh - zeigen dürfe.“ (Vgl. Harm Menkens, „Wer will den 
A Weltkrieg?“, Lühe-Verlag, Süderbrarup 1987, Seite 72f.) 

445 Siehe Jeffrey Satinover „Die verborgene Botschaft der Bibel - Der Code der Bibel 
entschlüsselt“, Goldmann Verlag, München 1997, Seite 269 



206 


Jakob, unser Vorvater, sagte zu Gott: „Gewähre diesem bösen Menschen seine 
Wünsche nicht. “ Dies bezieht sich auf Esau. „ Und lasse ihn nicht seine Bosheit 
ausleben. “ Dies bezieht sich auf Germamia von Edom, denn würden sie damit 
fortfahren, zerstörten sie die ganze Welt. 

Rabbi Yitzhak bar Acha - ca 1. Jahrhundert - Babylonischer Talmud, Megilla 6b 

Germamia: der Name eines Alleinherrschers aus dem Königreich Edom (Esau). 

Rabbi Schlomo Yitzhaki - Rashi-1040-1105 

Edom wurde in der chassidisch-kabbalistischen Bibelauslegung bis in die Neuzeit 
hinein immer wieder mit real existierenden Mächten identifiziert. Sein Untergang ist 
Teil fundamentalistischer Endzeiterwartung und eine der letzten Vorbedingung-en 
für das Erscheinen des Messias... 446 

Auf diese Weise mögen die rätselhaften Ausführungen des nachmaligen deutschen 
Außenministers Walter Rathenau verständlich werden, der als Jude im Anschluß an 
den ersten Weltkrieg schrieb: 

„Prometheus Deutschland! Auch wenn du niemals von deinem Felsen dich entkettest, 
wenn dein dem Gotte verschuldetes Blut in Schmach und Schmerzen über die Erde 
strömt, leide, leide den großen Segen, der den Wenigen, den Starken erteilt wird. 
Ringe nicht mehr um Glück, denn dir ist anderes beschieden. Nicht Rache, nicht 
Einrichtungen, nicht Macht und nicht Wohlstand kaufen dich los. Sei, was du warst, 
was du sein sollst, was zu sein du niemals vergessen durftest. Sei gehaßt und hasse 
nicht, sei verhöhnt und verteidige dich nicht. 

Simson Deutschland! Dein Auge ist blind, deine Stirn ist kahl. Wende deinen Blick in 
dich, wende deine titanische Kraft gegen dich selbst. Du wirst die Säulen der Erde 
nicht zerbrechen. Das Gericht ist nicht dein. Drehe die Mühle der Philister und singe 
das Lied Gottes. 

Ahasver Deutschland! Du hast nicht Macht zu sterben. Deutsche Füße werden über 
die Erde ziehen und Heimat suchen. Du wirst ein bitteres Brot essen, und deine 
Heimat wird nicht deine Heimat sein. Von fremden Türen werden sie dich jagen 
wegen des Abglanzes in deinen müden Augen. 

O du Deutschland! Geliebt in deinem törichten Wahn, zehnfach geliebt in deinem 
gottvergessenen Irren und Laster, zehntausendfach geliebt in deinem schmachvollen 
Leiden, was weißt du von deinem Schicksal?... 

Du bist verhaftet und verfallen, und wenn die Hände der Menschen dich loslassen, so 
fällst du in die Hände Gottes.“ 447 


446 „Wissenswertes über das Judentum. Kabbala, Messianismus, Chassidismus, Talmud“, Verlag 
Sinai, Tel Aviv 1982, Seite 41 

447 Walter Rathenau, „Kritik der dreifachen Revolution“, Seite 67 und 77. Nach Harm Menkens, 
„Wer will den 3. Weltkrieg?“, Lühe-Verlag, Süderbrarup 1987, Seite 296f. 



207 


Nicht zitierte weiterführende Literatur 


„C.M.W. , BA, DIP ED, MA, „Assyrians in the Modem World: Rewriting World History History 
Projects“, 1990 * „C. M. W. , BA, DIP ED, MA, „True Origins of the Peoples of Easter Europa”, 
1990 * Davidy, Yair, „The Tribes: The Israelite Origins of Western Peoples“ * Stern, Fritz, Gold and 
Iron: Bismarck, Bleichröder, and the Building of the Gennan Empire“, Knopf, New York 1977 White, 
Craig, „Who Are the Gennans?: Their Ancient Roots and Future Might“, 1993 * 




209 


Kapitel 4.9 


Die Gleichschaltung der 
Hochgradfreimaurerei 


Mazzinis Vorschlag an Pike 

Der „schottisch-jüdische“ Plan zur Führung von Weltkriegen wurde von sichtbaren 
Versuchen selbiger Kreise begleitet, weltweit das Logentum nach Nazimanier 
gleichzuschalten. Dabei sollten die seit dem Bestehen der Hochgradmaurerei und des 
B'nai B'rith sowieso schon unterwanderten Geheimgesellschaften endgültig unter das 
feste Zepter des Geheimvatikans gestellt werden. 

Natürlich arbeiteten auch hier die Top-llluminaten Pike und Mazzini eng zusammen. 
Dabei präsentierte der Italiener seinem Freund einen Plan, der ebenso genial wie 
einfach war. Er verdeckte die Arbeit der Maurerei noch mehr und legte die Grundlage 
zu einer zentralen Koordinierungsstelle der Maurerei, ohne daß diese selbst 
zwangsweise davon erfuhr. In einem Brief an Pike schrieb er am 22. Januar 1870: 
„Wir müssen allen Verbänden gestatten, wie bisher weiter zu existieren, mit ihren 
Systemen, ihren zentralen Organisationen und den verschiedenen Arten der 
Korrespondenz zwischen hohen Graden derselben Riten, in ihren gegenwärtigen 
Organisationsformen. Aber wir müssen einen Super-Ritus schaffen, der geheim 
gehalten werden soll, und in den jene Hochgradmaurer gerufen werden sollen, die wir 
aussuchen. Gegenüber den anderen Brüdern der Freimaurerei müssen wir 
vollständige Geheimhaltung anmahnen. Durch diesen höchsten Ritus werden wir die 
Freimaurerei beherrschen und damit ein internationales Zentrum schaffen, welches 
um so mächtiger ist, da seine Führung unbekannt sein wird.“ 

Der Freimaurer-Kritiker Domenico Margiotta schrieb, daß diese Über-Freimaurerei 
ntit Direktorien in Nordamerika, Uruguay, Neapel und Calcutta tatsächlich 
installiert wurde. 448 Nach anderer Quelle formte Pike diese ultrageheime 
Freimaurerloge unter dem Namen, „Der neue und reformierte palladische Ritus“ mit 
drei obersten Räten in Charleston/South Carolina, Rom und Berlin. Der Historiker 
D. Bataille schreibt: „Dieser Super-Ritus freimaurerisch-luziferischen Spiritismus' 


448 „The New Federalist“ (Hrsg.), „Bring Down The Pike Staue Now“, Leesburg/VA, April 1993, 
Seite 17 



210 


darf nicht mit dem Räderwerk des Hochmaurertums verwechselt werden. Palladismus 
ist der Kult des Satans in den inneren Schreinen eines Ritus, der allen anderen Riten 
übergeordnet ist. Er ist ein Kult, eine Religion.“ 


Der B ’nai B 'rith, „heiratet“ das Schottentum 

Wo und unter welchem Namen nun der rührige Pike seine Netze auslegte ist nicht 
weiter von Belang. Festzuhalten bleibt aber, daß es dem Alten und Angenommenen 
Schotten-Ritus innerhalb kurzer Zeit gelang, zum stärksten Glied der 
freimaurerischen Kette aufzusteigen. Früher oder später - das war absehbar - würde er 
das ganze Fogensystem überlagert haben. 

In diesem Sinne waren die „Schotten“ dem rein jüdischen B'nai B'rith nicht unähnlich 
und es gibt nicht wenige Forscher, die mutmaßen, daß beide Organisationen von 
jeher ihr Vorgehen aufeinander abstimmten. In welcher Form das geschah ist aber 
unbekannt, da wie im Falle der Fausanner Maurerkonferenz des Jahres 1871 kaum 
aussagekräftige Dokumente vorliegen. 

Eine Ausnahme bildet hier das am 12. September 1874 zwischen dem B'nai B'rith 
und dem Schottischen Ritus geschlossenen „Konkordat“, das die zukünftige 
Zusammenarbeit der bis dahin mächtigsten Freimaurerteile sichern sollte. Der 
Vertrag wurde für die jeweilige Seite unterzeichnet von Albert Pike und Armand 
Fevy, letzterer lebenslanges Mitglied des B'nai B'rith - Bundeskonsistorium für 
Deutschland, Vertreter der deutschen, amerikanischen und britischen B. B.-Fogen. 449 

Das Papier, welches dem B'nai B'rith zur Bestätigung des „Staatsaktes“ übergeben 
wurde hat folgenden Wortlaut: 

„ Wir, der Großmeister, der Konservator des heiligen Palladiums, der Oberste 
Patriarch des Allgemeinen Freimaurertums - Mit Begutachtung durch das 
Erlauchte Hohe Kollegium der verdienstvollen Freimaurer - In Erfüllung des 
Aktes des Konkordats, das zwischen uns und den drei Obersten Föderalen 
Konsistorien des B'nai B'rith von Amerika, England und Deutschland 
abgeschlossen wurde und heute von uns unterzeichnet wurde - haben festgelegt 
und verfügen: 


449 Folgende Autoren behandeln den Vertrag: Aldag, P., in: Die Judenfrage vom 10. Dezember 
1941, Seite 228 (Laut Arnold Cronberg, Weltpolitik vom Sinai im 20. Jahrhundert, Verlag Hohe 
Warte/Franz von Bebenburg KG, Pähl 1991, Seite 45 Fußnote) sowie Markow, Nikolaus 
(ehemaliger Abgeordneter der russischen Reichsduma), Der Kampf der dunklen Mächte, Welt- 
Dienst-Verlag, Frankfurt a.M., S. 50f. sowie Dominico Margiotta (Hochgradfreimaurer) in 
seinem Buch „Adriano Lemini, Chef Supreme des Franc-Macons“ (nach Norbert Homuth, 
„Dokumente der Unterwanderung. Christen unter falscher Flagge“, Selbstverlag, Nürnberg o.J. - 
1985 oder später -, Seite 46) 



211 


Einziger Abschnitt - die Generalkonföderation der Geheimen Israelitischen Logen 
ist vom heutigen Tage an auf den Grundlagen eingerichtet, wie sie in der Akte des 
Konkordats festgelegt wurden. 

Gegeben in den geheiligten Räumen, im Höchsten Orient zu Charlestown, im 
lieblichen Teil des göttlichen Meisters am 1. Tage des Mondes Tischri 450 , am 12. 
Tage des 7. Monats des Jahres 00847 des wahrhaften Lichts. “ 

Unterschrift: LimmudEnsof (Freimaurername von Albert Pike) 451 


Im eigentlichen „Konkordat“ dieser Elefantenhochzeit lesen wir: „Das Oberste 
Dogmatische Direktorat der Universellen Freimaurerei anerkennt die Jüdischen 
Logen, so wie sie derzeit in den wichtigsten Ländern bestehen. Das zentrale 
Hauptquartier des B nai B rith wird sich in Hamburg befinden und die souveräne 
Körperschaft wird den Titel einer Obersten Patriarchalischen Versammlung 
führen. Das Geheimnis des bestehenden Bündnisses wird strengstens von jenen 
Mitgliedern der Hochgradfreimaurerei, denen gegenüber das Oberste 
Dogmatische Direktorium es für angebracht hält, es zu eröffnen, gewahrt werden... 
Weder die Oberste Patriarchalische Versammlung zu Hamburg noch irgendeine 
Loge, die ihm untersteht, wird in den jährlichen Berichten des Souveränen 
Verwaltungsdirektorium aufgeführt werden; jedoch wird die Oberste 
Patriarchalische Versammlung direkt an das Oberste Dogmatische Direktorat 
einen Beitrag senden, der 10 % der persönlichen Beiträge der Mitglieder der 
Jüdischen Logen umfaßt... Kein Bruder Freimaurer der offizielle Riten, der kein 
Jude ist, hat Anspruch auf Mitgliedschaft in einer Jüdische Loge, gleichwelchen 
Ranges er auch ist. “ 

Zu deutsch heißt das: Gegenseitige Anerkennung und Zusammenarbeit bei 
gleichzeitiger maximaler Verschleierung. Zu welchen Zielen und Zwecken? 
Darüber sagen die an die Öffentlichkeit gedrungenen Aufzeichnungen verdächtig 
wenig. 


Die Gründung einer freimaurerischen UNO 

Ein Jahr später, am 26. September 1875 fand in Lausanne ein Kongreß statt, auf 
welchem sich die Obersten Räte des internationalen Schottentums zu der 
Lausanner Konföderation zusammenschlossen. Hatte es bis dahin zwischen den 
Brüdern der Länder nur Absprachen in mündlicher Form gegeben, so verkehrten 
die Hochgradlogen Englands, Frankreichs und Italiens von nun an auf vertraglicher 


450 Der 1 .Tischri (Oktober) ist der Beginn des bürgerlich-jüdischen Jahres. 

451 Die pseudonyme Unterschrift Pikes bürgt für dessen hohen Einweihungsgrad. Ensof ist 
nämlich nichts anderes als die Lautschrift des hebräischen Begriffs EnSoph, der wiederum den 
Äther, das Urgeheimnis des Judentums und der Freimaurerei bezeichnet. 



212 


Basis auch organisatorisch miteinander. Neben internationalen Fragen wurde auch 
eine Straffung der nationalen Organisationen verwirklicht. So durfte jeder 
selbständige Staat künftig nur noch einen Obersten Rat haben. Der Alte und 
Angenommene schottische Ritus wurde durch die in der Lausanner Konföderation 
zusammengeschlossene Vereinigung der Obersten Räte zu einem universalen 
Weltritus. 452 

Der Freimaurer Dr. Lerich schreibt über dieses Ereignis: „Im Jahre 1875 
begründeten sämtliche damals bestehenden 'Obersten Räte', die maurerischen 
Großmächte der Hochgrade, eine Gesamtvereinigung in der Schweiz, die 
sogenannte Lausanner Konföderation. In der Verfassung dieses Weltverbandes 
sind alle jene Grundsätze niedergelegt, die eine straffe administrative Organisation, 
einen einheitlichen geistigen Zusammenhalt, ein konkretes Zusammengehen in 
allen wichtigen Belangen und Aktionen gewährleisteten: Mit der Lausanner 
Konföderation wurde wirklich jene Weltfreimaurerei ins Leben gerufen, die von 
den Gegnern der Loge immer wieder behauptet, von den Brüdern selbst jedoch 
stets, entweder wissentlich oder unwissentlich, abgeleugnet wird.“ 453 

Damit war der Fusionierungsprozeß auf die Spitze getrieben: Die nationalen 
Freimaurerverbände aber konnten endlich mit Hilfe der ihnen angeschlossenen 
Würdenträger beginnen, die Weltpolitik auf die Ziele des Geheimvatikans 
auszurichten. 454 Am spürbarsten wurde das in dem Land, das traditionell am 
stärksten dem Einfluß von Judentum und Loge ergeben war: In England. 


452 

Als Hitler in Deutschland die Macht ergriff, waren mittlerweile sämtliche Obersten Räte des 
schottischen Ritus in der Lausanner Konföderation vereinigt. Diese ist damit die am straffsten 
organisierte internationale Bruderkette der Freimaurerei. 

453 Lerich, Br. Dr. Konrad, Der Tempel der Freimaurer, U. Bodung-Verlag, Erfurt 1937, S. 29 

454 Diese werden nach wie vor tief den Geist des französischen Revanchegedankens geatmet 
haben. H. J. Evert schreibt in „Verschwiegene Zeitgeschichte“, Seite 39, der „Grand Orient de 
France“ habe noch 1875 die Vernichtung des deutschen Volkes als eines seiner Hauptziele für 
die Zukunft bezeichnet. 



213 


Ich behaupte, daß wir die erste Rasse in der Welt sind 
und daß es um so besser für die menschliche Rasse ist, 
je mehr von der Welt wir bewohnen. (Der englische 
Kolonial-Pionier C. F. Rhodes 1877) 455 


Kapitel 4.10 


Britannia: Alttestamentarischer 
Pfeiler in der außer jüdischen Welt 


Die Symbiose 

England hatte sich seit Cromwell den Anliegen der jüdischen Führung geöffnet. 
Dieser Schritt basierte auf praktischen Überlegungen. 

Blicken wir zurück auf jene Tage, da sich das puritanische Sendungsbewußtsein in 
einem aggressiven kolonialen Imperialismus äußerte, da sich Großbritannien 
begann nach außen zu wenden. Am 9. Oktober 1651 wurde die Navigationsakte 
verkündet. Diese bestimmte, daß die Einfuhr nach England von Übersee nur auf 
englischen Schiffen und die Einfuhr aus Europa bei den wichtigsten Waren, sowie 
bei allen Gütern aus der Türkei und Rußland nur auf englischen oder auf Schiffen 
des Ursprungslandes erfolgen dürfe. Der Hauptzweck war, für die nächsten Jahre 
den holländischen Handel dadurch zu zerstören und somit die englische Schiffahrt zu 
heben. Die Navigationsakte versetzte vor allem dem holländischen Seehandel einen 
vernichtenden Schlag und begründete das englische Kolonialsystem. 

Bei all dem war ein überraschend hoher Prozentsatz des damals aus England 
verbannten und in Holland zur Blüte gelangten Judentums behilflich - zunächst 
Wohl noch allein um seine Möglichkeiten bei einer Wiedereingliederung unter 
Beweis zu stellen. Die Zusammenarbeit lief so hervorragend, daß Cromwell sich 
öffentlich immer wieder für seine heimlichen Koalitionäre in die Bresche warf. Der 
eglische Parlamentarier Thomas Burton berichtet in seinem 1828 erschienenem 
„Parliamentary Diary“ gar: „Cromwell gewährte den Juden, jenen tüchtigen und 
allgemein verwandten Spionen, deren Verbindungen mit dem Kontinent er sich 
außerordentlich gut zunutze gemacht hatte, eine angemessene Gnade zu Händen 


455 Mach Edwin Hennig, „Zeitgeschichtliche Aufdeckung“, München 1964, Seite 121 



214 


ihres Hauptagenten in England.“ Welcher Art von Gnade den Juden erwiesen wurde, 
läßt sich nicht mehr feststellen. Nicht wenige Autoren vertreten die Ansicht, diese 
„Gnade“ habe darin bestanden, daß ihnen Cromwell vor versammeltem Parlament die 
Zusicherung für eine Ansiedlung in England gab. 

Sicher ist, daß das Hebräertum bereits wenig später wieder auf der britischen Insel 
ansässig wurde, und daß die Symbiose seitdem unter maßgeblicher Mithilfe der 
Freimaurerei durch alle Regierungs Systeme fortgetragen wurde. Nun mögen Gründe 
maßgeblich gewesen sein, die sich direkt aus Voraussagen der Bibel ableiten. Wir 
haben hierzu bereits gelesen, daß der jüdische Fundamentalismus mehr als mit 
nahezu jedem anderen Fleck der Erde mit der britischen Insel prophetische 
Hoffnungen verband. Wir haben gehört, daß eine zentrale biblische 
Zukunftserwartung jene war, daß Israels Name geändert, daß seine Söhne im Norden 
wohnen, daß sie den göttlichen Namen 'in the isles of the sea' (Isaiah) preisen würden 
- womit England gemeint war. 456 Wir wissen, daß diese Theorie in den Tagen 
Cromwells als „Anglo-Israelismus“ in die bis heute fortdauernde Gedankenwelt 
vieler Puritaner Einzug hielt. 

Die Zuarbeit des Geheimvatikans zugunsten Londons wurde über sehr sehr lange 
Zeit aufrechterhalten. Über den uns aktuell interessierenden Zeitbereich schreibt der 
bekannte Chronist Hillaire Belloc: „Die jüdischen Nachrichten-Agenturen im 19. 
Jahrhundert haben England überall in politischer wie in wirtschaftlicher Hinsicht 
begünstigt. Die Juden haben sich immer den Rivalen und Feinden Englands 
entgegengestellt. Im Femen Osten stellten sie ihre Erfahrungen ganz besonders zur 
Verfügung der Engländer. Auch bei der internationalen Durchdringung der übrigen 
europäischen Regiemngen fungierten die Juden als ihre Informationsquelle. Man 
muß sie fast als die englischen Agenten auf dem europäischen Kontinent 
bezeichnen.“ 457 

Nun ist Belloc ein philosemitischer Historiker und deshalb beißt er sich auch auf 
die Zunge, wenn er von manchen Hintergründen dieser einmaligen Freundschaft 
sprechen sollte. Natürlich sahen die hilfreichen Hebräer ihre Taten nicht als reinen 
Selbstzweck. Selbstverständlich forderten auch sie hier und da ihren Preis. So wird 
ein einigermaßen kritischer Student der Geschichte recht schnell eruieren können, 
welcher Art die jüdischen Erfahrungen“ Mitte des 19. Jahrhunderts im Fernen 
Osten wirklich waren. Ganz ohne Zweifel wird hier nämlich auf die einflußreiche 
israelitische Familie Sassoon angespielt, die durch skrupellose Ausbeutung in Asien 
reich geworden war. Unter Lord Palmerston betrieb sie den Opiumhandel im 
großen Stil. David Sassoon, Stammvater der „asiatischen Rothschilds“ hatte für 
dieses schmutzige Geschäft ein Monopol bis nach Japan. Als sich China wegen der 
schädlichen Folgen des Drogenmißbrauchs gegen eine fortgesetzte Einfuhr des 


456 Siehe das offizielle Organ des US-amerikanischen Höchsten Rates des Alten und 
Angenommenen Schottischen Ritus der Freimaurerei „The New Age“, Washington D.C., 
Ausgabe Oktober 1952, Artikel des Freimaurers vom 32 Grad H. Sol. Clark, „The Ten Lost tribes 
- Facts and Fiction“ 

457 Hillaire Belloc, „The Jews“, 1922, Seite 222 



215 


Suchtmittels wehrte, veranlaßte Sassoon die englische Regierung zum Opiumkrieg. 
Das Kaiserreich wurde dadurch zur Aufhebung seines Einfuhrverbots gezwungen. 
Und während die Nachkommen des Drogenbosses in Großbritannien Karriere 
machten , verstärkte der britische Imperialismus im Fernen Osten seinen Einfluß. 
Ähnlich lagen die Dinge, als sich weite Teilen des jüdischen Establishments 1871 wie 
ein Mann hinter London zu stellen schienen, da sich dieses zur Eroberung Südafrikas 
anschickte. Die Erklärung für die Englandbegeisterung lag hier in dem Billionen-$- 
Geschäft des Diamantenhandels, der nach Besetzung der einträglichen Felder von 
Kimberley an die Kinder Mose 459 übertragen wurde... 

Selbstverständlich konnte es vor dem Hintergrund der zionistischen Interessen nicht 
ausbleiben, daß sich die britische Politik auch für die weitere Umgebung Palästinas 
interessieren würde. Traditionell hatten hier jedoch - sieht man einmal von den 
Türken ab - seit den Tagen der Kreuzzüge die großen kolonialen Konkurrenten 
Englands, die Franzosen, ihren Fuß in der Türe. Und von diesen, genauer gesagt von 
dem geheimnisvollen „Pere E.“, kam auch der erste Anstoß zu europäischen 
Aktivitäten im Nahen Osten. 


D'Israeli und der Kauf des Suezkanals 

Barthelemy Prosper Enfantin wurde 1796 als Sohn eines Bankiers in Paris geboren. 
Nach Studien an der angesehenen Ecole Polytechnique unternahm er weite Reisen, 
um sich schließlich dem Beruf seines Vaters zuzuwenden. Enfantins Leben erhielt 
eine neue Wendung, als er durch Geheimgesellschaften in der französischen 
Hauptstadt mit den Lehren des Freimaurers Saint-Simon in Kontakt kam. 

Claude Henri de Saint-Simon (1760-1825) hatte bereits im amerikanischen 
Unabhängigkeitskrieg gekämpft und erwarb zu Beginn der französischen 
Revolution ein Vermögen durch Spekulation mit Nationalgütern. Der von der 
offiziellen Geschichtsschreibung wiederholt zum „Vater des Sozialismus“ 460 
gekürte Philosoph war gleichsam der offizielle Begründer der Idee eines 
vereinigten Europas. Auch andere freimaurerische Ziele hatte er formuliert: Als 
eigentliche Voraussetzung für eine Gesundung der Gesellschaft sah er den 
allgemeinen Frieden an: Nur wenn die Zwiste der Völker durch Schiedsgerichte 
gemäß allgemein anerkanntem Völkerrecht im Rahmen eines Völkerbundes 
geschlichtet würden, könne der neue Typus des Zeitalters, der Industrielle, seine 


458 

Sir Albert Abdullah David Sassoon wurde als Opiumhändler 1872 zum englischen Ritter, 1890 
zum Baronet befördert. Sir Edward Sassoon verheiratete sich mit einer Rothschild, wurde 
Busenfreund des ewig abgebrannten Königs Eduard VII. und verdingte sich als Parlamentarier. 
Beide „Herren“ war nach Karl Heise (Seite 118) Freimaurer. 

459 Vergleiche an diesem Ort die Familiengeschichten der Lewis, Beith und Lewisohn 

460 Tatsächlich sind die meisten der späteren Sozialisten von Saint-Simon stark beeinflußt worden. 
Der französische Graf hatte nach dem Urteil von Friedrich Engels „eine geniale Weite des Blicks, 
vermöge deren fast alle nicht streng ökonomischen Gedanken der späteren Sozialisten bei ihm im 
Keime enthalten sind.“ 



216 


große Arbeit verrichten. Und hier gilt es aufhorchen. Ähnlich wie vor ihm Weishaupt 
richtete sich Saint-Simon gegen die Herrscherhäuser und das monarchische 
Staatsgefüge, ließ aber - unverständlich für einen „Sozialisten“ - die kapitalistische 
Ausbeuterschicht schlechthin, darunter die Hochfinanz, ungeschoren. Mehr noch: 
Dieser „arbeitenden Elite“ („les grand industriels“), besonders den Bankiers, sollte 
nach Saint-Simon die Führung der Gesellschaft übertragen werden. 

Mit dem seltsamen Grafen bekannt gemacht, warf sich Enfantin mit Begeisterung 
auf Studium, Weiterbildung und Propaganda seiner Lehren. Nach und nach bildete 
sich um ihn und St. Armand Bazard ein Kreis von Anhängern, der nach dem Tod 
des Meisters die Gestalt eines maurerisch-marxistischen Geheimbundes 
anzunehmen begann. Hochziel des Simonistenbundes war dabei eine allgemeine 
Verbrüderung der Menschheit, über Farbe und Religion hinweg und die 
grundsätzliche Beseitigung jeglichen Erbrechts, was allmählich allen Besitz in 
Staatseigentum umwandeln sollte. Der „Simonistenorden“ kannte in seiner 
organischen Stufung drei Wissensgrade, deren dritter Vollgrad die eigentliche 
„Familie“ der Wissenden bildete und von den „Priestern“ eines vierten Hochgrades 
beschattet wurde. 461 In dem College, der Vereinigung der Eingeweihten, wurden die 
Führer Enfantin und Bazard schließlich zu „hohen Vätern“ (peres supremes) 
geweiht. 

Während Bazard die philosophisch-politische Seite des Saint-Simonismus 
ausbildete, verfolgte Enfantin die philosophisch-soziale Richtung, indem er 
dieselbe in ein phantastisch-religiöses Gewand hüllte. Beide Richtungen brachen 
1831 an inhaltlichen und organisatorischen Fragen auseinander. Der politische Teil 
der Sekte mit Bazard trennte sich von dem „Mann des Fleisches“, während 
Enfantin, der von nun an „Le Pere“ hieß und sich von seinen Predigern für das 
„lebendige Gesetz“, eine Art Messias, erklären ließ, sich mit einigen 40 ihm treu 
gebliebenen Anhängern auf seine Besitzungen zurückzog und dort eine 
patriarchalisch-sozialistische Gesellschaft nach seinen Lehren organisierte. 

Die Staatsgewalt sah in der Verbindung eine Verletzung des Vereinsgesetzes, 
zugleich auch der guten Sitten und stellte Enfantin mit seinen Genossen vor 
Gericht. Enfantin wurde im August 1832 zu Gefängnis und Geldstrafe verurteilt. 
Als er nach einigen Monaten entlassen wurde ging Enfantin an der Seite einiger 
Anhänger nach Ägypten. Angeblich bestand der Sinn der Reise darin, in Afrika die 
„hohe Mutter“ (mere supreme) zu finden. Tatsächlich aber ließ sich der 
selbsternannte Messias als Ingenieur des Paschas an den Nildämmen beschäftigten, 
wo er und seine Gruppe sich umgehend an die Ausarbeitung eines epochalen 
Bauwerkes begaben: Sie planten das Mittelmeer und das Rote Meer durch einen 
Kanal zu verbinden. Da das Projekt scheiterte kamen indes 1837 wieder nach Paris 


461 Felix Franz Egon Lützeier, „Hinter den Kulissen der Weltgeschichte. Beiträge zur Geschichte der 
Geheimbünde aller Zehen und Völker“, 3. Band, Verlag für ganzheitliche Forschung und Kultur, 
Struckum 1986, Sehe 1100 



217 


zurück, wo Enfantin an Hand von Entwürfen weiter für den Bau seines - vielleicht 
wurde er auch von anderer Seite „inspiriert“ - Suezkanals wirkte. 

Der Gedanke des Durchstichs der Meerenge von Sues wurde jetzt vom Vicomte 
Ferdinand de Lesseps aufgegriffen, der als 20jähriger dem Kreis der Saint- 
Simonisten angehört hatte. Der Graf - im Zivilberuf Diplomat - erhielt auch 
tatsächlich am 5. Januar 1856 vom ägyptischen Vizekönig Sa'id Pascha die Bau-und 
Nutzungsgenehmigung auf 99 Jahre. Im Gegenzug stellte Lesseps eine 
französische Aktiengesellschaft auf, die die anfallenden Konstruktionskosten zu 
übernehmen hatte. Alles ging glatt. Am 25. April 1859 wurden die Arbeiten 
aufgenommen, begleitet vom Applaus des uns bereits bekannten Zionisten Moses 
Hess. 

Der gehörte einst wie sein Ziehkind Karl Marx den gleichen linksfreimaurerischen 
Geheimgesellschaften an, die Enfantin und Bazard einst auf den Weg gebracht 
hatten; ein Grund mehr, die Hintermänner des Suezprojektes woanders zu suchen. 
Gut, Moses Hess pries nun 1862 in seinem Buch „Rom und Jerusalem. Die letzte 
Nationalitätenfrage“ die Vorboten einer imperialistischen Durchdringung des 
Nahen Ostens, wie den Bau des Suez-Kanals durch Frankreich. Damit, begeisterte 
sich der „Kommunistenrabbi“, werde der „Zivilisation der Weg gebahnt“. 
Angesichts solch salbungsvoller Franzosenfreundlichkeit fragt man sich 
unwillkürlich, ob hier nicht mehr im Spiel war. Tatsächlich ging es dem Vater des 
Zionismus um weit mehr als das Wohl der „Grande Nation“. Angesichts der Nähe 
des Suezkanals zu Palästina sah er das Land seiner Begehrlichkeit in geradezu 
greifbare Nähe gerückt. Und so zeigte sich Hess ganz offiziell überzeugt davon, 
daß Frankreich als eines der wichtigsten kolonialistischen Länder die Bemühungen 
um die „Wiederherstellung“ des jüdischen Staates unterstützen würde. Ein solcher 
Staat, meinte er vielsagend, müsse vom politischen Standpunkt her völlig im 
Interesse Frankreichs liegen. 462 

Es ist dies eine der wenigen Gelegenheiten, bei denen sich Moses Hess wirklich 
irrte. Denn als die Kanalarbeiten im März 1869 abgeschlossen wurden und am 17. 
November 1869 die feierliche Eröffnung stattfand, waren die französischen Tage in 
Ägypten bereits mehr oder weniger gezählt. In Großbritannien schritt nämlich das 
jüdisch-englische Begünstigungsverhältnis seinem Höhepunkt entgegen, als der 
Israelit Benjamin D’Israeli im Jahre 1874 zum Premierminister ernannt wurde. 
Gestützt auf eine große konservative Mehrheit im Parlament wandte sich der neue 
Mann, der bereits häufig als Vater des englischen Imperialismus betitelt worden ist, 
schnell der Außenpolitik zu. 

Hess wird auch D’Israeli mitsamt seiner näheren Umgebung klar erkannt haben, 
daß dem Suezprojekt neben einer wirtschaftlichen eine große politische 
Bedeutung zukam, die auch die Fragen des Zionismus tangierte. Es kann daher 


462 

Nach Arthur Hertzberg (Hg.), „The Zionist Idea: a Historical Analysis and Reader“, New York 
1959, Seite 133 



218 


nicht verwundern, daß jenes Manöver, das den Kanal in britischen Besitz brachte, 
eine rein jüdische Angelegenheit war. 

Das Vorgehen war dabei denkbar einfach. Die Kosten der Bauarbeiten entlang der 
Sinaihalbinsel hatten sich auf 640 Mill. Fr. belaufen, von denen nur ein Teil durch 
Aktionäre aufgebracht wurde. Sicher hielt die französische Gesellschaft ein so großes 
Paket, daß ihr Einfluß den aller anderen Europäer bei weitem überwog. Aber: Die 
Mehrheit der Papiere lag immer noch bei dem türkisch-ägyptischen Regenten Ismail. 
Ganz sicher gab es Absprachen, die eine Massenübertragung an Dritte unmöglich 
machen sollte - möglich, daß der Quai d'Orsay seine Finger auf diesen Anteilen hielt. 
Selbst einsteigen konnte Paris jedoch auf längere Sicht nicht, da sich der Staat durch 
den unglücklichen Ausgang des deutsch-französischen Krieges übernommen und an 
das Bankhaus Rothschild verschuldet hatte. Zur gleichen Zeit war der wegen 
Anleihen selbst verschuldete Khedive von Ägypten nur zu gern bereit ein Maximum 
seiner Aktien zu veräußern. 

Vor diesem Hintergrund nutzte die Regierung D'Israeli nach dem deutsch¬ 
französischen Krieg den Schock und die Verschüchterung des französischen 
Parlaments aus, um durch einen geschickten Finanz-Coup die Mehrheit der Suez- 
Kanal-Aktien in englischen Besitz zu bringen. Im Herbst 1875 übergab Lionel 
Rothschild, der Londoner Chef der zionistischen Bankdynastie, dem britischen 
Premierminister Disraeli jene 4 Millionen Pfund, die es der Regierung ermöglichten, 
Hauptaktionär und damit Eigner der Suezkanalcompany zu werden. 

Wie die Stricke im Einzelnen liefen, überliefert der deutsche Historiker Aldag wie 
folgt: „Der Gedanke des Ankaufs der Aktien stammte nun nicht, wie allgemein 
angenommen wird, von Disraeli, sondern von einem gewissen Mr. F. Greenwood, 
dem Herausgeber der 'Pall Mall Gazette'. Dieser hatte darüber anläßlich eines 
Dinners mit Mr. Oppenheim, einem Juden, gesprochen, der diesen Vorschlag 
unverzüglich Disraeli unterbreitete. Letzterer hatte sofort zugestimmt und sich 
zwecks Vermittlung des Ankaufs mit Rothschild in Verbindung gesetzt. Auch 
letzterer soll bereits Disraeli auf die Möglichkeit des Erwerbs aufmerksam gemacht 
haben. Man einigte sich dahin, daß Rothschild die obengenannte (4 Millionen Pfund, 
der Verf) Summe an den Verkäufer, den Khediven von Ägypten, entrichtete.“ 463 

England war damit der entscheidende Einfluß auf diese wirtschaftlich wie politisch 
bedeutsame Region gesichert. Doch Disraeli hatte noch einen Schachzug im Auge: 
Auf dem Berliner Kongreß setzte er sich 1878 nicht nur für die Emanzipationspolitik 
der Juden in Rumänien ein, sondern erreichte auch die türkische Abtretung Zyperns 
an England, womit London abermals ein wichtiges Tor zum Nahen Osten gesichert 
war. 


463 Peter Aldag, „Der Jahwismus beherrscht England“, 1940, Archiv-Edition im Verlag für 
ganzheitliche Forschung und Kultur, Struckum 1989, Seite 124 



219 


Durch D'Israeli wurde der Imperialismus, der sich über Großbritannien hinaus 
zielbewußt auf das Britische Weltreich einstellte, zum Leitgedanken der englischen 
Politik. Die Eroberung großer afrikanischer Gebiete und Pakistans sowie die 
proklamierung Victorias zur Kaiserin von Indien sind allesamt auf das persönlich 
Konto des Premierministers zu buchen. Doch wurden die kolonialen Kriege bald 
allzusehr als finanzielle Bürde empfunden. Die Finanzlage des Staates war nicht 
gut, und die Kosten der Rüstungen hatten 1878 nur durch Aufnahme einer 
schwebenden Schuld gedeckt werden können. Unter den Folgen der allgemeinen 
Geschäftskrisis litten Ackerbau, Handel und Industrie, welche auch durch große 
Arbeitseinstellungen geschädigt wurden. Im Volke machte sich eine starke 
Unterströmung bemerkbar, welche vor allem Ruhe für die bessere Entwicklung von 
Landwirtschaft, Industrie und Handel wünschte. So verschafften die im Jahre 1880 
abgehaltenen Neuwahlen den Liberalen über 350 Sitze und ließen den 
Konservativen nur etwa 230. D'Israeli trat am 19. April zurück, und Gladstone 
wurde zum Premierminister ernannt. 


Gladstone und die Eroberung Ägyptens 

Der neue Mann war mit einem Programm der entschiedenen Opposition gegen den 
Imperialismus D'Israelis zur Macht gekommen. In der Tat war der Liberalenführer 
William Ewart Gladstone aus zutiefst empfundenen religiösen Gründen ein Gegner 
rücksichtsloser Machtpolitik, militärischer Maßnahmen und Rüstungen. Er verfaßte 
in diesem Sinne eine ganze Reihe humanistischer Schriften. 

Das Gladstonesche Ministerium zeigte in der Außenpolitik wieder einen 
friedfertigen und passiven Geist. Es hatte zunächst als Erbschaft der vorigen 
Regierung mehrere auswärtige Verwicklungen zu lösen, wobei es stets bemüht 
schien, die eingegangenen Verbindlichkeiten los zu werden. So beeilte es sich, 
einen bisherigen Schützling Rußlands als Emir von Afghanistan anzuerkennen und 
das Land zu räumen. Im gleichen Sinne gab London nach einem siegreichen 
Aufstand der Transvaalburen diesen 1881 die Unabhängigkeit zurück. Irland wollte 
der Premier eine größere Unabhängigkeit zugestehen. Im Gespräch war ein eigenes 
Parlament, außerdem sollte durch ein Landkaufgesetz der englische Grundbesitz auf 
der Insel enteignet werden. Der Plan führte schließlich zur Spaltung des 
Liberalismus und dem Sturz Gladstones. 

In jeder Form ausnehmend zeigte sich die britische Außenpolitik dagegen in 
Ägypten, wo sie das Erbe des konservativen Imperialismus antrat. Auf eine 
nationalistische Parlamentsbewegung antwortete England hier 1882 mit der 
Beschießung der Stadt Alexandria und der militärischen Besetzung des Landes. Der 
britische Historiker Brailsford schreibt hierzu: „Mr. Gladstone war nach der 
Midlothian-Kampagne mit einem Programm der entschiedenen Opposition gegen 
den Imperialismus zur Macht gekommen. Die Haupttat seiner Regierung auf dem 
Gebiet der Außenpolitik war die Okkupation Ägyptens. Von da an barg der 



220 


Liberalismus eine Lüge in seiner Brust.“ 464 Im Grunde ist an dieser Aussage kein 
unwahres Wort. Trotzdem kam der Gewaltstreich gegen die Absicht des 
Ministerpräsidenten zustande. Daß sich der mächtigste Politiker Britanniens 
trotzdem beugen mußte, lag an der Stärke des Haupt-Interventionisten, gegen den 
selbst er nichts auszurichten vermochte. Klipp und klar sagt nämlich Brailsford: „Es 
war der Rothschildsche Einfluß, der zur Okkupation Ägyptens führte.“ 465 Zum Dank 
erhoben parteiübergreifend sämtliche Imperialisten Englands Nathaniel Meyer 
Rothschild zum Peer, wodurch dieser fortan höchstpersönlich seine Stimme im 
House of Lords vernehmen lassen durfte. 


Rhodes, der „Round Table“ und Rothschild 

Im Grunde hieße es den persönlichen Einsatz Nathaniel Meyer Rothschilds gering 
schätzen, wenn man ihm allein die Eroberung Ägyptens mitsamt des 
palästinensischen Sinais zurechnen würde. Der nationaljüdische Bankier bildete in 
persona die Nahtstelle der israelitisch-britischen Kooperation. Sein Partner in 
diesem Unternehmen war Cecil John Rhodes, den man am Ende seiner Tage als 
„Erbauer des britischen Weltreiches“ feierte. 

Als einer der ersten unter den britischen Kolonialpolitikern hatte Rhodes, der im 
Diamantengeschäft Südafrikas reich geworden war und 1884 zum Finanzminister, 
1890 gar zum Präsidenten der Kapkolonie aufstieg, ganz bewußt auf die Macht des 
Judentums gesetzt. Schon bei seinen Afrikaeroberungen (1884 Beschuanaland, 
1888-1895 Rhodesien) arbeitete er mit Unterstützung der Rothschilds. 466 

Wirklich weltweiten und bis heute fortdauernden Einfluß sicherte Rhodes seiner 
Heimat aber durch die Taufhebung einer Geheimgesellschaft: Der im Jahre 1891 
von ihm im Londoner Chatham-House (anfangs noch unter anderem Namen) 
gegründeten „Round-Table-Gesellschaft“. Die Ziele dieses freimaurerähnlichen 
Konstrukts 467 waren erstens die Erweiterung des britischen Empire, zweitens dessen 
Konstituierung als „Commonwealth“ und drittens eine starke Einbindung der 
Vereinigten Staaten zugunsten britischer Interessen. 468 Auf diese Weise sollte 


464 Henry Noel Brailsford, „The War of Steel and Gold“, London 1914, Seite 103 f. 

465 Henry Noel Brailsford, a.a.O., Seite 105 

466 E.C. Knuth, „The Empire of the City. The Jekyll/Hyde Nature of the British Government“, 
The Noontide Press, USA 1983, Seite 79 

467 Der international und überparteilich organisierte „Round Table“ kannte kaum Transparenz 
nach außen, wohl aber einen dubiosen „Kreis von Eingeweihten“. Rhodes war übrigens selbst 
Logenbruder. Er wurde 1877 in Oxford (England) in die Apollo University Lodge No. 357 
aufgenommen. Nachfolger Rhodes' wurde 1902 Lord Alfred Milner, der ebenfalls Freimaurer 
war. 

468 

Als sich die Londoner Round-Table-Gruppe nach dem ersten Weltkrieg in „The Royal 
Institute of International Affairs“ umbenannte, wurde auch die amerikanische 
Tochterorganisation „National Civic Federation“ (NCF) neuformiert und nannte sich seitdem 
„Council on Foreign Relations“ (CFR). Dieser „Rat für auswärtige Beziehungen“ machte es sich 
zur Aufgabe, die US-Regierung von ihrer seit Präsident Washington festgelegten Politik der 



221 


schließlich eine zentralisierte Welt gebildet werden, nach Dr. Quigley beherrscht 
von den „English-Speaking Peoples“, die Ideologen wie H. W. Armstrong mit den 
elf verlorenen Stämmen Israels“ identifizieren. 469 

Angesichts dieser biblischen Zukunftsvision kann es nicht überraschen, daß der 
Chef des Londoner Bankhauses Nathaniel Rothschild dem Round Table persönlich 
angehörte. 470 Der „Ägyptenveteran“ warf sich dort dermaßen ins Zeug, daß ihn 
Rhodes am Ende seiner Tage zum Allein Vollstrecker seines hochdotierten 
Testaments bestimmte. Noch auf dem Höhepunkt des ersten Weltkrieges gedachte 
die britische Regierung ihrem teuren Komplizen, als sie die vielbeachtete Israel- 
Erklärung an Nathaniel Rothschild richtete. 

Unbesehen der bis zu diesem Punkt bereits abgehandelten Imperialismustrophäen 
des Hauses Rothschild waren es Rothschildsche Gelder und Beziehungen, die das 
ihre dazu beitrugen, daß unter der konservativen Regierung Salisbury der 
Imperialismus immer tiefer in das englische Nationalbewußtsein eindrang. Es waren 
Rothschildsche Familienbande, die dafür sorgten, daß unter der Regierung Lord 
Roseberys der säbelrasselnde Weltherrschaftswahn auch in der liberalen 


„Nichteinmischung in ausländische Händel“ auf eine „positive“ Außenpolitik zugunsten „einer 
Weltgemeinschaft“ zu bringen. Heute ist die ganze Welt mit CFR-Ablegern überzogen, seine 
Hauptrolle spielt er aber in den Vereinigten Staaten, wo er einen überragenden Einfluß genießt. Fast 
jeder amerikanische Präsident seit Gründung des CFR war dessen Mitglied...“ Der Council on 
Foreign Relations“, schreibt Robert Carnman, „ stellt sich als eine amerikanische Studiengruppe 
dar, die in sich Spezialisten in der Diplomatie, der Finanz, der Industrie, der Wissenschaft, der 
Information vereint, die fähig sind, in der amerikanischen Öffentlichkeit eine internationale 
Mentalität zu erzeugen und die Initiativen in diese Richtung zu koordinieren. Gegenwärtig gehören 
dem CFR 1.400 Mitglieder an, die die wichtigsten Posten in der US-Regierung, der Politik, der 
Wirtschaft, den Massenmedien, im CIA, ja sogar in der Religion innehaben. Mit großzügiger 
Unterstützung der Ford-. Carnegie- und Rockefeller-Stiftungen ebenso wie der großen, 
international maßgebenden Konzerne wie IBM, ITT, Standard Oil in New Yersey übt der CFR einen 
übermächtigen Einfluß auf die Regierung der Vereinigten Staaten, auf den Kongreß und auf die 
beiden bestimmenden politischen Parteien, die Demokraten und die Republikaner, aus. Die 
Mitglieder des 'Council on Foreign Relations' sind Amerikaner, denen ihre internationalen 
Beziehungen die Ausübung einer engen Kontrolle über die Staaten der westlichen Welt erlauben, 
sei es direkt, sei es mittelbar durch gleichartige oder an gegliederte Gesellschaften oder durch 
internationale Organisationen wie die Weltbank, in denen sie den Vorsitz führen. “ (Robert 
Carnman, „Les veritables maitres du monde“, Villefranche-deLauragais, Selbstverlag, 1985, Seite 3 
f.) Peter Blackwood stimmt dieser Beurteilung mit folgenden Worten zu: „Offizielles Organ (des 
CFR) ist die Vierteljahreszeitschrift 'Foreign Affairs', die die Strategie der US-Außenpolitik 
vorschreibt. Lmrch die Mitgliedschaft der größten Verleger und Leitartikler überregionaler 
Zeitschriften und Leitungen sowie von Vorstandsmitgliedern der Fernsehketten hat der CFR 
entscheidend Anteil an der Meinungsbildung in den USA. (Peter Blackwood, „Die Netzwerke der 
Insider“, Leonberg 1986, Seite 54) 

469 Der ehemalige Führer der sephardischen Gemeinschaft der USA, Henry Pereira Mendes 
enthüllte diesen Plan in seinem 1898 erschienenen Buch „England and America, the Dream of 
Peace“. 

470 Peter Blackwood, „Die Netzwerke der Insider“, Leonberg 1986, Seite 279 sowie Gary Allen, 
„Die Insider“, Verlag für Angewandte Philosophie, Wiesbaden 1974, Seite 98 



222 


47 1 

Partei Einzug hielt. Und es waren nicht zuletzt Rothschildsche Kanäle, durch die 
der britische Imperialismus seit 1895 seinem Höhepunkt entgegenbrandete - die 
Rede ist von jener „glorreichen“ Epoche, in der der Zionist Joseph Chamberlain als 
Kolonialminister den Ausspruch tat: „Die Vorsehung hat uns zu einer großen 

479 

regierenden Macht bestimmt - zum Erobern, ja zum Erobern.“ 

Im Jahre 1896 hatte sich England bereits weltweit 28 Millionen Quadratkilometer 
Kolonialbesitz gesichert - ein Gebiet, in das das Mutterland achtundachtzig Mal 
hineinpaßte - mit einer Bevölkerung von 378 Millionen Menschen. Die 
zweitplazierte Imperialmacht Frankreich brachte es gerade einmal auf 4 Millionen 
Quadratkilometer mit 40 Millionen Menschen. Im Zusammenhang mit den 
erwähnten jüdischen Hilfsdiensten wird Theodor Herzl gerade diese Zahlen im 
Kopf gehabt haben, als er um die gleiche Zeit auf einem Zionistenkongreß 
prophezeite: England, das mächtige, freie England, das mit seinem Blick die Welt 
umspannt, wird uns und unsere Aspirationen verstehen. Mit England als 
Ausgangspunkt können wir sicher sein, daß die zionistische Idee mächtiger und 
höher steigen wird als jemals zuvor. “ 474 

Tatsächlich war London bereit, seinem Kompagnon im Spiel der Macht jede nur 
erdenkliche Hilfe angedeihen zu lassen. Das schloß die Teilabtretung Ugandas ein, 
eines Staates, der übrigens von einem Mitglied der Familie Rothschild (Lord 
Rosebery) erobert worden war. Trotzdem verhielt sich die Nationalbewegung des 
Judentums ablehnend, was laut Nordau darauf zurückzuführen war, daß der 
Geheimvatikan auf einen Weltkrieg spekulierte. Diese Erwartungshaltung schlug 
sich bald auch auf die England-Politik des zionistischen Bankhauses Rothschild 
nieder. Und so stellte um die Jahrhundertwende Großbritannien seine Weltpolitik 
abrupt ein, um sich der „Vorsehung“ gemäß in Europa gegen Deutschland zu 
stellen. 


471 Archibald Philip Primrose (Earl of Rosebery) bekam durch die Heirat mit der Erbtochter des 
Barons Meyer Rothschild, Hannah, 1878 ein großes Vermögen. Seitdem datiert sein geradezu 
kometenhafter Aufstieg am politischen Firmament Englands. Rosebery zeichnete im Winter 
1879/1880 für die erfolgreiche Wahlkampagne des liberalen Gladstone verantwortlich, in dessen 
Regierungszeit wenig später die Annexion Ägyptens fiel. Da sich der mehrfache Premierminister 
in Rüstungsfragen zu zurückhaltend zeigte löste ihn Rosebery im Jahre 1894 ab. 

472 

Nach Edwin Hennig, „Zeitgeschichtliche Aufdeckung“, München 1964, Seite 121 

473 „Meyers Konversations-Lexikon, 5.Auflage, 10. Band, Stichwort „Kolonie“, Biblio¬ 
graphisches Institut, Leipzig/Wien 1896, 

474 Dr. phil. Lazar Felix Pinkus, „Von der Gründung des Judenstaates“, Zürich 1918 sowie Erich 
und Mathilde Ludendorff, „Die Judenmacht - Ihr Wesen und Ende“, Ludendorffs Verlag GmbH, 
München 1939, Seite 346 



223 


Kapitel 4.11 


Von der Kolonialpolitik 
zum europäischen Konfliktkurs 


Die Haltung Englands zum deutsch-französischen Krieg 
und zur Reichsgründung 

Der preußische Stellvertreterkrieg gegen Napoleon III., in dessen Verlauf die 
französische Monarchie wie der italienische Kirchenstaat gestürzt wurden, wurde in 
England ganz allgemein mit prodeutschen Gefühlen begleitet. 

Am 20. August 1870 schrieb die „Daily News“: „Vor beinahe 200 Jahren hat Ludwig 
XIV. das Elsaß gestohlen. Verjährung mag den Diebstahl decken, aber er deckt nicht 
die Berechtigung der Wiedereroberung. Die Bevölkerung des Elsaß ist deutsch durch 
ihre Abstammung, Sprache und Lebensweise. Von den Bewohnern der übrigen Pro¬ 
vinzen Frankreichs werden sie kaum als Franzosen angesehen.“ Nachdem der 
deutsche Sieg durch die Schlacht von Sedan und die Gefangennahme des französisch¬ 
en Königs Napoleon III. absehbar war, schrieb das gleiche Blatt am 5. September: 
„Frankreich begann diesen Krieg mit der ausgesprochenen Absicht, zwei weitere 
deutsche Provinzen (nach den bereits annektierten Elsaß und Lothringen nun das 
Saar- und das Rheinland) als Siegespreis zu nehmen. Jetzt, wo es unterliegt, kann es 
nicht mit Folgerichtigkeit gegen die natürlichen Ergebnisse der Niederlage pro¬ 
testieren. Und Deutschland kann mit Recht eine Grenzregulierung fordern, die bei¬ 
tragen würde, für die Folge neue Angriffe abzuwehren.“ Drei Tage darauf, am 8. Sep¬ 
tember, stand in der „Daily Mail“ zu lesen: „Die Deutschen haben das Recht, ihre 
eigenen Bedingungen zu stellen. Sie wollen nur im Frieden leben und von den 
neidischen Nachbarn weder belästigt noch geteilt werden. Frankreich hat sich ständig 
in die Angelegenheiten Deutschlands gemischt. Diese Einmischung war nicht etwa 
die Tat dieser oder jener Regierung, sondern die des ganzen französischen Volkes ... 
Das deutsche Volk fühlt natürlich und notwendig, daß jetzt, wo der Feind bei einem 
Angriffskrieg geschlagen worden ist, der Moment gekommen ist, sichere Garantien 
für die Folgezeit zu nehmen. Es hat das Recht auf solche Garantien erworben.“ Und 
noch am 10. September textete die „Saturday Review“: „Wir glauben, daß die 
unzweifelhaft von der englischen Regierung gehegte Ansicht, daß nämlich, soweit 
wir in Betracht kommen, die Deutschen volle Freiheit haben, so viel französisches 



224 


Gebiet zu nehmen, als sie eben verlangen können und als ihre Ratgeber zu ihrer 
militärischen Sicherheit zuträglich halten, die einzig richtige Ansicht ist.“ 475 

Diese Worte gaben die vorherrschende Meinung der englischen Presse recht genau 
wieder. Und wie in Britannien üblich demonstrierten sie damit zugleich - inoffiziell 
versteht sich - die Sichtweise des Parlaments bzw. der Regierung. 

Indes zeigte sich London alles andere als begeistert, als wenig später die bislang 
selbständig regierten deutschen Staaten zu einer zentral geführten Reichseinheit 
verschmolzen. Durch diesen Einigungsprozeß, der 1848 versäumt worden war, 
entstand im Herzen Europas eine neue Macht von der Größe Frankreichs, deren 
Aufstieg dem ständig zu eigenen Gunsten die Konflikte auf dem Kontinent 
schürenden England nicht gleichgültig sein konnte. 

Sehr früh erkannte das Benjamin Disraeli, der britische Führer der Konservativen 
Partei und spätere Premierminister. Bereits am 9. Februar 1871 verkündete er im 
Unterhaus: „Dieser Krieg bedeutet die deutsche Revolution, ein größeres 
politisches Ereignis als die französische Revolution des vergangenen 
Jahrhunderts... Nicht ein einziger der Grundsätze in der Handhabung unserer 
auswärtigen Angelegenheiten, welche noch vor einem halben Jahr von allen 
Politikern als selbstverständliche Richtlinien anerkannt wurden, steht heute noch in 
Geltung. Es gibt keine überkommene Auffassung der Diplomatie, welche nicht 
fortgeschwemmt wäre. Wir stehen vor einer neuen Welt... das Gleichgewicht der 
Macht ist völlig zerstört. “ 476 

Nun muß man wissen, daß es sich die englische Politik seit langem zum Prinzip 
gemacht hatte, die Machtverhältnisse auf dem Kontinent in der Waage zu halten. 
Diese „Balance of Power“ sollte das Heranwachsen eines potentiellen Gegners von 
Anfang an unmöglich machen. Immer dann, wenn sich ein europäischer Staat zu 
wahrer Größe emporschwang, war aus dieser Sicht zugleich die Stärke Britanniens 
bedroht und der unglückliche Nebenbuhler mußte gewahr sein, daß sich England 
gerade mit seinen Nachbarn verständigte, um ihm in einem Koalitionskrieg die 
Federn zu stutzen. Fälle dieser Art hatte es in der jüngeren Geschichte zu Häuf 
gegeben. 477 Disraelis Worte waren demgemäß mehr als eine reine Bestands¬ 
aufnahme der machtpolitischen Gegebenheiten. Sie waren eine kaum verhüllte 
Kriegsankündigung. 


475 Pressezitate nach Friedrich Hasselbacher, „Entlarvte Freimaurerei“, Band III, Verlag Paul 
Hochmuth, 1941, Archiv-Edition im Verlag für ganzheitliche Forschung und Kultur, Viöl 1992, 
Seite 272f. sowie Oncken, Hermann, Nation und Geschichte, S. 160) 

476 Demmler, Georg, Der Kampf um die Weltherrschaft im XX. Jahrhundert, Hamburg 1970, S. 7 

477 Ein Fall, der dabei besonders heraussticht, weil England sich diesmal ganz allein die Finger 
schmutzig machte, datiert auf das Jahr 1807. Damals störte Dänemark den „Britischen Frieden“, 
indem es sich anmaßte, in seinem eigenen Hoheitsgebiet Hoheitsrechte auszuüben, nämlich die 
Einfahrt in die Ostsee zu beherrschen und eine starke Flotte zu unterhalten. Im September 1807 
erschien daraufhin die englische Flotte plötzlich vor Kopenhagen, schoß - ohne jede 
Kriegserklärung - Stadt und Hafen zusammen und führte 18 dänische Linienschiffe, 15 Fregatten 
usw., also die ganze dänische Kriegsflotte, als Beute nach England. 



225 


Es ist nicht auszuschließen, daß eine derartige „Flurbereinigung“ damals von 
bestimmten britischen Politikern erwogen wurde. Möglich auch, daß derartige 
Planungen (falls sie denn bestanden) mit adäquaten Logen-Vorhaben verquickt 
wurden. Man erinnere sich jenes allgemeinen Freimaurerkongresses, den eine 
französische Loge nach Lausanne einberufen hatte, um dort die „abtrünnigen 
Brüder“ König Wilhelm und Kronprinz Friedrich Wilhelm von Preußen 
abzuurteilen. Die Versammlung sollte am 15. März 1871 stattfinden - gerade 
einmal fünf Wochen nach D 'Israelis vernichtender Bestandsaufnahme - und nur 
wenige Monate vor Bekanntwerden des Pike'sehen Kriegsplans. 


Die Konkurrenz zwischen Deutschland und England 

Wie dem auch sei. Mochte geplant werden, was wollte. Nach außen hin wurde - 
zunächst noch - nichts spürbar. Dem Deutschen Reich waren 30 friedvolle Jahre 
beschieden, in denen es die Proklamation Wilhelms von Preußen in die Tat 
umsetzen konnte, die dieser am Vorabend der Kaiserkrönung zu Versailles an sein 
Volk gerichtet hatte. Sie hatte mit den Worten geendet: „Uns aber und Unsem 
Nachfolgern an der Kaiserkrone wolle Gott verleihen allezeit Mehrer des Reiches 
zu sein, nicht an kriegerischen Eroberungen, sondern an den Gütern und Gaben des 
Friedens auf dem Gebiet nationaler Wohlfahrt, Freiheit und Gesittung.“ 

Tatsächlich wurde in Deutschland das Staatsinteresse künftig von der Außen- auf 
die Innenpolitik verlegt. Und als ob es allein darum gegangen wäre, die Ineffizienz 
des britischen Blut-und-Boden-Imperialismus unter Beweis zu stellen, schickte sich 
das neue Reich bar jeden Kolonialbesitzes wirtschaftlich an, die Weltmacht 

478 

Nummer eins links zu überholen. 

Geblendet von seinem wachsenden Empire legte England nach 1873 keinen 
besonderen Wert auf den technologischen Fortschritt. Dagegen zielte die deutsche 
Wirtschaftspolitik genau in diese Richtung. Beispielsweise bestand eine tragende 
Säule des ersten deutschen Wirtschaftswunders im Ausbau eines flächendeckenden 
Eisenbahnnetzes. Mit staatlichen Geldern wurde die Länge des Streckennetzes 
zwischen 1870 bis 1913 verdoppelt. Auf diese Weise konnte der Transport der 
rasch wachsenden Menge industrieller Güter leicht und kostengünstig bewältigt 
werden. 

Außerdem entstanden in Deutschland nach dem Vorbild der französischen Ecole 
Polytechnique zahlreiche technische Hochschulen und Lehranstalten zur 
Ausbildung qualifizierter Wissenschaftler und Ingenieure für die Industrie. Die 


478 . .. 

Folgende Angaben nach F. William Engdahl, „Mit der Olwaffe zur Weltmacht“, Dr. Böttiger 
Verlags-GmbH, Wiesbaden 1993, Seite 28ff. Engdahl benennt als Quellen Karl Erich Bom, 
„Wirtschafts- und Sozialgeschichte des Deutschen Kaiserreiches“, Steiner, Stuttgart 1985 sowie 
Knut Borchardt, „German Economy, 1870 to the Present“, Weidenfeld & Nicholson, London 1967 



226 


Industrie- und Handelskammern regten zudem die Einrichtung von 
Handelshochschulen an, in denen qualifizierte Unternehmer herangebildet werden 
sollten. An den deutschen Universitäten fand der naturwissenschaftliche Unterricht 
immer mehr das Interesse neuer Studentengenerationen. Das deutsche 
Ingenieurwesen und die Naturwissenschaften blühten auf. 

Die Beiträge vieler großer Forscher sorgten für einen Aufschwung der deutschen 
chemischen Industrie, die ihre französische und englische Konkurrenz bald 
überrundete. Nachdem Justus Liebig und andere die wissenschaftliche Grundlage 
für die Agrochemie gelegt hatten, stieg in der deutschen Landwirtschaft die 
Produktivität steil an. Parallel dazu leistete die Mechanisierung der bäuerlichen 
Betriebe ihren Beitrag zum Boom der Branche. So lag die Anzahl der eingesetzten 
Erntemaschinen im Jahre 1882 bei 20.000 - im Jahre 1907 aber waren es bereits 
etwa 300.000. 

Bald schon sprachen klare Ergebnisse für den Erfolg des deutschen Weges. Zum 
Beispiel: Während die deutsche Elektroindustrie noch 1895 nur 26.000 Personen 
beschäftigt hatte, stammte 1913 bereits die Hälfte aller auf dem Weltmarkt 
gehandelten Elektroerzeugnisse aus Deutschland. Oder: Von 1850 bis zum 
Vorabend des Ersten Weltkrieges 1913 hatte sich das deutsche Inlandsprodukt 
verfünffacht. Die Produktionsleistung pro Kopf wuchs in der gleichen Zeit um 250 
Prozent. Dazu kam der Aufschwung des deutschen Lebensstandards, nicht zuletzt 
der des deutschen Arbeiters, der vor dem Ersten Weltkrieg den höchsten Stand in 
Europa erreicht hatte. Das Realeinkommen der Industriearbeiter verdoppelte sich in 
der Zeit von 1871 bis 1913. 

Hier lag ein weiterer für das Ausland schier unbegreiflicher Baustein des deutschen 
Wirtschaftswunders. Der sprunghafte Aufstieg war nicht auf dem Rücken der 
Arbeiterschaft erzielt worden. Anders als z. B. in England profitierte der deutsche 
Durchschnittsbürger von den Errungenschaften seiner Produktivität - und das nicht 
nur finanziell. Eine revolutionäre Neuerung im Rahmen der kaiserlichen Politik 
bestand ferner in der Schaffung eines sozialen Netzes für die Arbeiterklasse. 479 So 
wurden die Arbeiter in den 80er Jahren durch eine Arbeitsunfähigkeits- und 
Krankenversicherung, eine Renten(Alters)versicherung und eine vom Arbeitgeber 
finanzierte Unfallversicherung sozial abgesichert. Damit aber nicht genug. Anfang 
der 90er Jahre entwickelte sich unter Wilhelm II. die deutschen 
Arbeiterschutzgesetze zu einem von keinem anderen Lande der Erde erreichten 


479 Es wäre ein Trugschluß anzunehmen, daß die soziale Abfederung der Marktwirtschaft in 
Deutschland ein Verdienst der Demokratie oder gar der Arbeiterparteien gewesen sei. Das 
Gegenteil ist der Fall. Die SPD stimmte in Deutschland 1880 gegen das erste Wuchergesetz; 
1881 gegen die Einführung der Börsensteuer; 1883 gegen die Krankenversicherung; 1884 gegen 
die Unfallversicherung; 1889 gegen die Invaliden- und Altersversicherung; 1890 gegen das 
Gesetz betreffend die Einführung der Gewerbegerichte; 1891 gegen das Arbeiterschutzgesetz, 
welches enthielt den Schutz der Jugendlichen, der Arbeiterinnen, der Sonntagsruhe, des 
Arbeitsvertrages, Einschränkung der Arbeitszeit und andere die Lage des Arbeiters verbessernde 
Bestimmungen; 1897 gegen das Handwerkerschutzgesetz; 1902 gegen die Novelle zum 
Krankenkassengesetz etc. 



227 


Niveau. Sie regelten den Schutz der Jugendlichen, der Arbeiterinnen, der 
Sonntagsruhe, des Arbeitsvertrages, die Einschränkung der Arbeitszeit und andere 
die Lage des Arbeiters verbessernde Bestimmungen. Ähnliche Gesetze wurden 
bald darauf auch für das Handwerk erlassen. Über die Einhaltung der 
Errungenschaften wachten Gewerbegerichte, die zur Entscheidung von 
Rechtsstreitigkeiten zwischen Arbeitgebern und ihren Arbeitern herangezogen 
werden konnten. 

Daß die kaiserliche Sozialpolitik kaum hoch genug bewertet werden kann, zeigt der 
Vergleich. Während Deutschland allein für die Versicherung gegen Krankheit im 
Jahre 1912 463 Millionen Mark aufbrachte, kannte beispielsweise England zur 
gleichen Zeit ein Werk der sozialen Fürsorge (Kranken-, Invaliden- und 
Altersversicherung) - überhaupt nicht. 

Als England am Ende das deutsche Modell kopierte, war die britische Wirtschaft 
bereits auf vielen Gebieten gegenüber dem boomenden Reich ins Hintertreffen 
geraten. Hören wir, wie der berühmte schwedische Historiker und Geopolitiker 
Rudolf Kjellen die deutsche Vorkriegs-Situation charakterisierte: „Hier entwickelte 
sich jene großartige Massenerzeugung, die schon lange die Diagnose 'schlecht 
und billig' (Philadelphia-Ausstellung 1876) überwunden hatte und statt dessen das 
Siegeszeichen 'Made in Germany' (Williams 1896) trug. Ihre rasche Entwicklung 
wird am besten durch Vergleich mit England beleuchtet. Bei der Reichsgründung 
war Englands Eisenerzeugung viermal und noch 1888 seine Stahlerzeugung 
dreimal größer; 1893 überholte Deutschland es in der Erzeugung von Stahl 4S0 , 
zehn Jahre später in der von Eisen, weiter zehn Jahre danach in der 
Maschinenerzeugung überhaupt ; 1913 lieferte es zweimal soviel Roheisen und 
zweieinhalb soviel Stahl als sein Hauptgegner. Auch in den chemisch-technischen 
Industrien hatte Deutschland allmählich den ersten Platz erobert. “ Gleichzeitig 
verminderte sich Jahr für Jahr Englands Vorsprung auf seinen ureigenen 
Gebieten, in Schiffahrt und Handel... Auf diese Weise... stand Deutschland beim 
Ausbruch der Weltkrise als die größte Kapitalmacht Europas da. “ 


480 Zwischen 1880 und 1900 stieg die deutsche Stahlproduktion um 1.000 Prozent! Zugleich sanken 
die Herstellungskosten für Stahl in Deutschland auf 10 Prozent der Kosten von 1860. 

481 

Auf der Brüsseler Weltausstellung 1910 hatte Deutschland bereits 4 Mal so viel Maschinen 
verkauft wie England 

482 

In der Versorgung des Weltmarktes mit elektrotechnischen Artikeln, ferner im Bergbau und 
Hüttenbau, in der Glasindustrie und Spielwarenindustrie war das Reich ebenfalls das erste 
Ausfuhrland. 

483 Kjellen-Haushofer, „Die Großmächte vor und nach dem Weltkriege“, Leipzig und Berlin 19 33, 

Seite 14f. .. 



228 


„Der größte Kriegsfall den die Welt je gesehen 44 : 
Deutschland im Visier der Londoner Kampfpresse 

Erfolg auf der einen schürt bekanntlich Neid und Mißgunst auf der anderen Seite. Da 
der deutsche Aufstieg maßgeblich auf Kosten des englischen Handels ging lagen 
die Dinge hier kaum anders. Es waren britische Parlamentarier, die als erste 
versuchten, dem preußischen Erfolgsschritt Steine in den Weg zu legen. Um die 
anfänglich minderwertige Ware aus dem Reich zu brandmarken, hatten sie am 23. 
August 1887 den „Merchandise Marks Act“ erlassen, der für importierte Waren die 
Kennzeichnung des Herkunftslandes vorschrieb. Der Schuß ging bekanntlich nach 
hinten los. Während die deutschen Hersteller ihre Kampfpreise halten konnten, 
wurden die Produkte zugleich immer besser. „Made in Germany“ war schließlich 
ein international hoch geachteten Qualitätszeichen. Der deutsche Aufstieg schien 
nicht zu bremsen. Eigentlich gut für die hart arbeitenden Teutonen, eigentlich... 

Denn jedes Mal, wenn es ihnen aufs Neue gelang ihre angelsächsischen Vettern in 
den Schatten zu stellen, bekamen auf der Insel radikale Elemente Auftrieb. Die 
Rede ist von Männern, die die machiavellistische Politik der „Balance of Power“ 
vom territorial-militärischen Komplex auf die Wirtschaft verlagert sehen wollten. 
Nun hatte es einen Präventivkrieg gegen einen sich außenpolitisch bescheidenden 
ökonomischen Mitbewerber in dieser Form noch nicht gegeben. Was nicht ist - sagt 
man aber - kann noch werden. Und daß in England über gewaltsame Wege 
nachgedacht wurde konnten die Deutschen mehr als nur einmal in der britischen 
Presse nachlesen. 

So stand in der einflußreichen englischen Wochenzeitung „Saturday Review“ am 
24. August 18 9 5 484 zu lesen: „ Wir Engländer haben bisher immer gegen unsere 
Rivalen im Handel und Verkehr Krieg geführt, und unser Hauptrivale ist heute 
nicht Frankreich, sondern Deutschland. Im Falle eines Krieges mit Deutschland 
wären wir in der Lage, viel zu gewinnen und nichts zu verlieren. “ 

Ein Jahr später begann das gleiche meinungsbildende Londoner Blatt eine 
Artikelserie, die stereotyp mit dem Satz „Germaniam Esse Delendam“ 
(Deutschland muß vernichtet werden) endete. Unter dem 1. September 1896 wurde 
das Ziel der Kampagne auf den Punkt gebracht: Schwache Rassen werden eine 
nach der anderen vertilgt und die wenigen großen beginnenden Arten wqffnen sich 
gegeneinander. England ist die größte unter ihnen, was geographische Verteilung 
angeht, die größte an Ausdehnungskraft, die größte an Rassenstolz, England hat 
Jahrhunderte hindurch den letzten, den einen wirklich gefährlichen Krieg 
vermieden... Die Deutschen sind ein wachsendes Volk, ihre Wohnsitze liegen über 
ihre Reichsgrenzen hinaus, Deutschland muß neuen Raum gewinnen oder bei dem 
Versuche untergehen... Wäre morgen jeder Deutsche beseitigt, es gäbe kein 
englisches Unternehmen, das nicht wüchse... Amerika wäre vor Deutschland unser 


484 Verschiedentlich wird auch der 1. Februar 1896 als Ausgabenummer genannt. 



229 


Feind, wenn nicht die Amerikaner als Nation zufällig noch Platz fänden innerhalb 
ihrer Grenzen... Einer von beiden muß das Feld räumen, einer von beiden wird 
jjlas Feld räumen. Macht Euch fertig, zum Kampf mit Deutschland; denn 
Deutschland muß zerstört werden. “ 

Ein Jahr darauf, am 11. September 1897, führte wiederum die „Saturday Review“ 
aus: „Englands Gedeihen kann nur gesichert werden, wenn Deutschland vernichtet 
würde. England mit seiner langen Geschichte erfolgreicher Angriffe, mit seiner 
wunderbaren Überzeugung, daß es zugleich mit seiner Fürsorge für sich selbst 
Licht unter die im Dunkeln lebenden Völker verbreitet , und Deutschland, 
demselben Fleisch und Blut entsprossen, mit geringerer Willensstärke, aber mit 
vielleicht noch kühnerem Geiste, wetteifern miteinander in jedem Winkel des 
Erdballs. Überall hat der deutsche Handlungsreisende mit dem englischen 
Hausierer gestritten. Eine Million kleiner Zänkereien schaffen den größten 
Kriegsfall, den die Welt je gesehen hat. Wenn Deutschland morgen aus der Welt 
vertilgt würde, so gäbe es übermorgen keinen Engländer in der Welt, der nicht 
reicher wäre als heute. Völker haben jahrelang um eine Stadt oder um ein 
Erbfolgerecht gekämpft; müssen sie nicht um einen jährlichen Handel von 250 
Millionen Pfund Sterling Krieg führen? England ist die einzige Macht, die ohne 
enormes Risiko und ohne Zweifel am Erfolg Deutschland besiegen kann. Eine 
Vergrößerung der deutschen Flotte würde nur dazu beitragen, den Schlag, den 
Deutschland von England erhielte, um so schwerer fühlbar zu machen. Seine 
Schiffe würden bald auf dem Grunde des Meeres liegen. Hamburg und Bremen, der 
Kieler Hafen und die Ostseehäfen würden unter den Kanonen Englands liegen, die 
warten würden, bis die Entschädigung vereinbart wäre. Nach getaner Arbeit 
könnten wir ohne Bedenken zu Frankreich und Rußland sagen: Sucht 
Kompensationen! Nehmt in Deutschland, was Ihr wollt! Ihr könnt es haben .“ 486 

Nur wenige Monate vor seinem Tod erklärte der alte Bismarck 1897: „Die einzige 
Möglichkeit, die deutsch-englischen Beziehungen zu verbessern, wäre, unsere 
wirtschaftliche Entwicklung zurückzuschrauben. Und dies ist nicht möglich.“ Lag 
er mit dieser Erkenntnis wirklich an der Quelle allen Übels? Oder ließ sich der Pfad 
des Hasses noch weiter verfolgen? Wer genau dachte hier ebenso anonym wie laut 
über einen Krieg nach bzw. ließ über diesen nachdenken? Wer suchte den ohne jeden 
Zweifel vorhandenen Gegensatz zu instrumentalisieren, und sei es zunächst „nur“ zur 
Volksverhetzung? 


Die Diktion ist dem Freimaurer-Vokabular entlehnt. 

Überliefert durch Berliner Monatshefte für internationale Aufklärung, Februar 1931, S. 112 
(hrsg. von der Zentralstelle für Erforschung der Kriegsursachen). Interessant ist an dem Artikel u. 
a., daß der Autor die später tatsächlich zustande gekommene Weltkriegsallianz England-Frankreich- 
Rußland gegen Deutschland vorwegnimmt. Bis zu diesem Zeitpunkt konnte von einer 
Bündnissituation zwischen diesen Staaten keine Rede sein. 

407 

Karl Helfferich, „Der Weltkrieg: Vorgeschichte des Weltkrieges“, Elllstein, Berlin 1919, Seite 
165 f. 



230 


Der Zionismus als treibende Kraft 

Zeitlich berührt sich der Beginn der Hetze mit dem Regierangsende des 
Premierministers Rosebery, der 1895 ganz offen verkündete: „Die Störung des 
Verhältnisses zwischen Deutschland und England ist darauf zurückzuführen, daß 
Deutschland England auf wirtschaftlichem Gebiete überflügelt .“ Das sprach 
derselbe Rosebery, der den Imperialismus in die bis dahin friedvolle Liberalpartei 
trag. Derselbe Rosebery, der sich im gleichen Moment vom englischen Grundsatz der 
Erhaltung der Türkei lossagte und der britischen Außenpolitik somit eine 
grundsätzlich neue - zionistische - Wendung gab. Derselbe Rosebery, der in die 
Familie Rothschild geheiratet hatte. Diese Bankdynastie fungierte - auch das ist uns 
inzwischen bekannt - als heimlicher Führer der jüdischen Nationalbewegung. 
Reiner Zufall, daß sich die weltweiten Geschäfts-Operationen des Hauses 
Rothschild und der von ihr beeinflußten Londoner „City“ seit 1895 direkt gegen 
Deutschland richteten? 489 

Wohl kaum. Und damit wären wir wieder beim Zionismus angelangt, bei Herzl und 
Nordau mit all ihren frühen, mysteriösen Weltkriegsprophezeiungen. Schon am 10. 
Juni 1895 notierte Herzl in sein 1922 veröffentlichtes Tagebuch, „daß der nächste 
europäische Krieg nicht schädigen, sondern nur fördern kann, weil alle Juden ihr 
Hab und Gut drüben (in den USA, der Verf.) in Sicherheit bringen werden; 
übrigens werden wir beim Friedensschluß schon als Geldgeber dreinreden und 
Vorteile der Anerkennung auf diplomatischem Wege erzielen. “ 490 In einem 
ähnlichen Sinne orakelte Herzl vier Jahre später... 

1899 kam es mit der Haager Friedenskonferenz zur ersten weltweit beschickten 
Rüstungsbegrenzungskonferenz. Pate dieser nur dem Namen nach honorigen 
Veranstaltung war der aus Polen stammende Wirtschafter Ivan Bloch, der im 
Russischen Kaiserreich ein riesiges Vermögen durch die Beschaffung 
internationaler Anleihen für den Eisenbahnbau angehäuft hatte. Bloch war es 
gewesen, der den Zaren davon überzeugte, daß Rußland während des Ausbaues 
seines enormen Eisenbahnnetzes nicht mehr mit Deutschland und Österreich- 
Ungarn auf dem Sektor der schweren Artillerie Schritt halten könnte - außer es gab 
etwas von der Art eines zeitweisen, internationalen Rüstungs- 
Stillhalteabkommens. 491 Was dieser nicht anzuzweifelnden diplomatischen 
Leistung Blochs eine eigene Note gibt, ist die Tatsache, daß Bloch nicht allein ein 
Pole mit russischem Paß war. Bloch verstand sich in erster Linie als Jude 492 und 


488 

Adam Buckreis, „33 Jahre Weltgeschehen 1901 bis 1933“, Buch- und Zeitschriften- Verlag 
Dr. Hans Riegler, Stuttgart 1955, S. 65 

489 E. C. Knuth, „The Empire of the City. The Jekyll/Hyde Nature of the British Government“, 
The Noontide Press, USA 1983, Seite 69 

490 Theodor Herzls Tagebücher, 1922, Jüdischer Verlag Berlin, Band 2, Datum 

491 W. Rathenau, „Die neue Gesellschaft“, Berlin 1920, Seite 122f, nach David L. Hoggan, „Das 
blinde Jahrhundert. Erster Teil: Amerika“, Grabert-Verlag, Tübingen 1979, Seite 380. 

492 Bloch konvertierte zwar aus Geschäftsgründen zum Schein zum Kalvinismus, erklärte jedoch 
in seinem Testament stolz: „Ich war mein ganzes Leben lang ein Jude und sterbe als ein Jude.“ 



231 


Zionist. So konnte es nicht ausbleiben, daß er auf der Haager Konferenz sogleich 
Kontakt zu dem gleichfalls anwesenden Theodor Herzl fand, der für die Wiener 
Jsfeue Freie Presse“ von der Konferenz berichtete. 

Im Haag war es, wo Herzl Bloch in die geheimen jüdische Planung einweihte, mit 
der man sich für jene Art von weltweitem Krieg rüsten wollte, der dann 1914 
tatsächlich entfesselt wurde. Herzl sagte zu Bloch: „Die Völker werden hinterher in 
zwei verfeindete Gruppen geteilt sein: in die Schiedsrichter-Staaten (die siegreichen 
Alliierten und Begründer des Völkerbundes, der Verf.) und die geächteten Staaten 
(die besiegten Mittelmächte, der Verf.).“ 493 

Diese aufschlußreiche Information erklärt zum einen, warum Bloch, der bislang 
seinen enormen Reichtum für die Gründung russisch-jüdischer Kolonien in 
Argentinien bereitgehalten hatte von nun an seine unerschöpflichen Mittel zur 
jüdischen Ansiedlung in Palästina umlenkte und damit zum wichtigsten finanziellen 
Verbündeten der Rothschilds wurde. 494 Sie erklärt aber vielleicht auch ein damals 
unerklärliches Verhalten ebendieser Zionistenfamilie. Als in Frankfurt am Main 
1901 die Stammfirma der Rothschilds mit dem Tode Wilhelm Carl Rothschilds 
erlosch, waren die Rothschilds trotz der Befürwortung durch Kaiser Wilhelm II. 
nicht gewillt ein neues Geschäftshaus in Deutschland zu eröffnen. Dies war um so 
unerklärlicher, als Deutschland zum damaligen Zeitpunkt zu den drei 
prosperierendsten Staaten der Welt gehörte, und es war noch nie vorgekommen, 
daß sich die Rothschilds ein gutes Geschäft hatten entgehen lassen. 

Schlauer war man indes siebzehn Jahre später, als mit Ende des ersten Weltkrieges 
die Rothschild-Bankhäuser von London und Paris auf der Siegerseite standen - 
ohne daß wie sonst üblich am Ort der Niederlage (in diesem Fall Frankfurt) 
Verluste verbucht werden mußten. Dieser Krieg hatte sich übrigens für die 
Rothschilds nicht allein finanziell bezahlt gemacht. Auf dem Höhepunkt der 
Kämpfe richtete die britische Regierung an den Chef des Londoner Bankhauses 
Nathaniel Rothschild die berühmte Balfour-Erklärung, in der dem Judentum die 
Einrichtung einer Heimat in Palästina versprochen wurde. Ganz wie das Nordau in 
seiner bemerkenswerten Leiter-Rede vorausgesehen hatte. Nathaniel Rothschild 
war aktiver Zionist und höchstrangiger Funktionär der Round Table- 
Gesellschaft. 495 Der Round Table plante wie gesagt eine zentralisierte Welt, nach 
Dr. Quigley beherrscht von den „English-Speaking Peoples“, die Ideologen wie H. 
W. Armstrong mit den „elf verlorenen Stämme Israels“ identifizieren. Der 
ehemalige Führer der sephardischen Gemeinschaft der Vereinigten Staaten, Henry 
Pereira Mendes enthüllte diesen Plan in seinem Buch „England and America, the 


W. Rathenau, „Die neue Gesellschaft“, Berlin 1920, Seite 126, nach David L. Hoggan, „Das Blinde 
Jahrhundert. Erster Teil: Amerika“, Grabert-Verlag, Tübingen 1979, Seite 381. 

493 W. Rathenau, „Die neue Gesellschaft“, Berlin 1920, Seite 125, nach David L. Hoggan, „Das 
Blinde Jahrhundert. Erster Teil: Amerika“, Grabert-Verlag, Tübingen 1979, Seite 381. 

494 W. Rathenau, a.a.O., Seite 124f., nach David L. Hoggan, a.a.O., Seite 380f. 

495 Peter Blackwood, „Die Netzwerke der Insider“, Leonberg 1986, Seite 279 sowie Gary Allen, 
„Die Insider“, Verlag für Angewandte Philosophie“, Wiesbaden 1974, Seite 98 



232 


Dream of Peace“ (1898), ebenso wie er - das ist jetzt neu - in „Looking Ahead“ 
(1899) den Ersten Weltkrieg und seine Folgen, unter ihnen die Schaffung einer 
jüdischen Heimat, ankündigte.“ 496 Hosiannah, möchte man hinzufiigen, wenn die 
Sache nicht so ernst wäre. 

Jetzt dürfte auch dem Letzten klar werden, warum alle Zionisten so fest auf ein 
englisches Mitgehen setzten. Die Rothschilds hatten in den vergangenen 
Jahrzehnten ihre Geschäftstätigkeit vom europäischen Kontinent ganz nach 
Großbritannien verlagert. Dort forderten sie den Imperialismus bis London 
geradezu an der Schwelle zur Weltherrschaft stand. Deshalb befand sich England 
auf dem Höhepunkt seiner Eroberungen noch im direktem Einfluß der 
Rothschilds. 497 Deshalb wußte man in der Downing Street wie in keinem zweiten 
Regierungssitz um den Wert des Geheim Vatikans und ahnte vielleicht auch schon, 
daß die fruchtbare Zuarbeit jederzeit mit bösen Folgen in ihr Gegenteil verkehrt 
werden konnte. 498 Deshalb ist es kaum verwunderlich, daß die Briten als erste die 
ihnen von Herzl & Co. zugedachte biblische Kriegsherrenrolle einnahmen. 


Die Einbindung der Freimaurerei 

Dem als Hilfstruppe des Geheimvatikan bekannten Logentum 499 fiel dabei die 
Aufgabe zu, den jahwitischen Plan in England populär zu machen und 
anschließend seine Ausführung international zu koordinieren. Die Umsetzung 
wurde scheinbar umgehend in Angriff genommen. Daß die britische Freimaurerei 
nämlich bereits in den 90er Jahren auf einen Weltkrieg zuarbeitete und dabei 
Deutschland als Gegner ins Visier nahm belegt ein Eingeweihter, dessen Name bis 
heute in hohem Ansehen steht: Rudolf Steiner. 

Dieser bedeutende Goetheforscher ist allgemein für seine erziehungs¬ 
wissenschaftlichen Arbeiten (Steiner-Schulen) und ganzheitlichen Theorien 
(Eurythmie) bekannt. Manch einer weiß noch, daß Steiner als erster die 
landwirtschaftliche Bedeutung biologischen Anbauweise (biodynamischer 


496 Bis hierlang insgesamt Peter Blackwood, „Die Netzwerke der Insider“, Leonberg 1986, Seite 
279ff. 

497 Ehrenberg, ein sehr vorsichtiger Schriftsteller, berichtete um die Jahrhundertwende: „In 
London ist die Stellung des Lord Nathanael Rothschild noch immer eine außerordentlich starke. 
Außereuropäische Staaten, wie Brasilien und Chile, hängen finanziell von ihm ab und ihre 
Regierungen hören auf ihn auch in anderen Fragen.“ (Ehrenberg, „Große Vermögen“, Jena 1902, 
Bd. I., Seite 161) 

498 Die Rede ist hier von dem „schicksalhaften“ Abstieg Großbritanniens nach 1919. Er kam 
zustande, nachdem London in maßloser Selbstüberschätzung seine Zusammenarbeit mit dem 
Zionismus verwarf und bereits gegebene Versprechungen einseitig aufkündigte. 

499 Zu den Verhältnissen in Großbritannien schrieb ein ungenannter Verfasser in der englischen 
Zeitung 'The Eye Wittness' in einem profunden Serienbericht im Jahre 1911: „Die Lage der Juden 
in England ist dadurch gekennzeichnet, daß sie die Vorherrschaft in den geheimen Gesellschaften 
errungen habe, namentlich in der Freimaurerei.“ (The Eye Wittness, 'The jewish question’, 
September 1911) 



233 


Landbau) lehrte. Kaum bekannt dagegen ist die mystische Lebensgeschichte des 
großen Denkers, die ihn längere Zeit zu einem hochrangigen Adepten des 
Freimaurertums werden ließ. 

Zu den weiteren Hintergründen: Gegen Ende des 19. Jahrhunderts trat Steiner in 
Wien der Theosophischen Gesellschaft bei, einem tiefgründigen Okkultistenzirkel, 
der sich an der archaischen Überlieferung menschlichen Weistums inspirierte). Als 
das Londoner Hauptquartier im Jahre 1902 mit der „Deutschen Theosophischen 
Gesellschaft“ einen Ableger in Berlin errichtete, wählte man den vielseitigen 
Österreicher zum Generalsekretär. Steiner, der über seine Funktionärsaufgaben 
hinaus von 1903-1908 das Vereins-Periodikum Luzifer herausgab, fand schließlich zu 
einem eigenen (mehr abendländisch-christlichen) Lehrgebäude, das er wenige 
Monate vor Ausbruch des Krieges nach Streitigkeiten mit der Organisationszentrale 
unter dem Namen ^Anthroposophie“ verselbständigte. 

Daß sich Steiner nun so gut in Logenkreisen auskannte ist hauptsächlich auf zwei 
Gründe zurückzuführen. Zum einen hatten die Theosophen schon immer inhaltlich 
starke Bezüge zum Freimaurertum, da die offensten Teile ihrer „Geheimlehre“ den 
letzten Weihungen - dem großen Arkanum - der Maurer entsprechen. Aber auch 
rein äußerlich begann die Theosophische Gesellschaft seit der Machtübernahme 
der Engländerin Annie Besant 1891 stark im freimaurerischen Fahrwasser zu 
schwimmen. 500 Wenn es hier eine gemeinsame Plattform gegeben haben sollte, dann 
dürfte Steiner diese sehr gut gekannt haben, da er der Esoterischen Sektion der T. 
G. angehörte - einer Art Orden innerhalb der Gesellschaft. 

Damit aber nicht genug. Steiner wurde zudem lange Zeit im dunklen Umfeld des 
„Ordo Templi Orientis“ (O.T.O.) gesichtet. Für die Taufhebung dieses 
hochverschwörerischen Freimaurerordens im Jahre 1895 zu Wien zeichneten der 
österreichische Industrielle Karl Kellner und der deutsche Okkultist Franz 
Hartmann verantwortlich. Beide Gründer waren Steiner persönlich bekannt und es 
liegt nahe, daß er von Hartmann - der damals gemeinhin als der Theosophie-Papst 
in Deutschland galt - auf den O.T.O. aufmerksam gemacht wurde. So wurde der 
bekannte Anthroposoph zumindest in der Zeitspanne von 1905 bis 1914 Mitglied, 
zeitweilig amtierte er gar als Ordens-Großmeister. 501 Wie kaum eine andere Loge 


500 Besant, die 1902 in Paris Mitglied der Freimaurer-Loge „Droit Humain“ wurde, gründete in 
London dessen ersten Ableger. Der der Theosophie nahe stehende Schweizer Autor Karl Heise 
bezeichnet sie als „Logenschwester vom Schottengrad und Protektorin und Leiterin der Adyarloge, 
des Sterns vom Osten und Universal Co-Freemasonry“. (Heise, Seite 158) Weiter lesen wir: „Leider 
sind Großmeister Besants Imaginationen so trügerisch wie ihr britisch-nationalistisch- 
welthegemonistischer Schlachtruf: 'Wir kämpfen mit den höheren Geistern, mit Lord Buddha, mit 
Lord Christus, die an der Westfront (für England) streiten, wider die schwarzen Mächte (auf 
Deutschlands Seite).'“ (Heise, Seite 348) 

501 Friedrich Hasselbacher, „Entlarvte Freimaurerei“, Band II, Archiv-Edition im Verlag für 
ganzheitliche Forschung und Kultur, Viöl 1993, Seite 186 



234 


verfügte der Ordo Templi Orientis über hervorragende Verbindungen zur Creme der 
geheimen Gesellschaften. 

Diesen Zusammenhang muß man kennen, wenn man den Kampf verstehen will, 
den der überaus gut informierte Steiner im Sommer 1917 für einen gerechten 
Friedensschluß der kriegführenden Mächte führte. In den Jahren 1916- 1918 hielt er 
vor Mitgliedern der Anthroposophischen Gesellschaft eine Reihe von Vorträgen, 
wobei er unter anderem auf das Wirken der nichtstaatlichen Mächte zu sprechen 
kam: „Ich habe Sie darauf aufmerksam gemacht, daß in gewissen okkulten 
Brüderschaften des Westens, für mich nachweisbar in den neunziger Jahren, von 
dem gegenwärtigen Weltkrieg die Rede war, und daß die Schüler dieser okkulten 
Brüderschaften unterrichtet wurden durch Landkarten, auf denen verzeichnet war, 
wie Europa durch diesen Weltkrieg verändert werden sollte. Insbesondere wurde in 
englischen okkulten Brüderschaften auf einen Krieg hingewiesen, der kommen 
muß, den man förmlich heranlotste, den man vorbereitete.“ 504 


502 

In dem Manifest der Mysteria Mystika Maxima lesen wir, der O.T.O. sei eine Körperschaft 
von Eingeweihten, in deren Händen sich die Weisheit und Erkenntnis folgender freimaurerischer 
Organisationen befinde: Die gnostische katholische Kirche, der Templerorden (Tempelritter), der 
Johanniterorden, der Orden der Ritter vom heiligen Grabe, die geheime Kirche vom heiligen 
Gral, der Orden vom heiligen Gewölbe von Enoch, der Swedenborgritus der Maurerei, der 
Martinistenorden, der Sat Bhaiorden. (Erich und Mathilde Ludendorff, „Die Judenmacht - Ihr 
Wesen und Ende“, Ludendorffs Verlag GmbH, München 1939, Seite 131) 

Es ist schwer, zweifelsfrei herauszufinden, auf welche britischen Okkultbrüderschaften 
Steiner konkret anspielt. Richtung England spannte der O.T.O. seine Fäden über Theodor Reuss, 
der 1902 die jüdischen Hochgradriten von Memphis und Misraim nach Deutschland gebracht 
hatte. Die besten Kontakte wurden wohl zu der einflußreichen „Societas Rosicruciana in Anglia“ 
und dem „Order of the Golden Dawn“ unterhalten. Das Oberhaupt des Golden Dawn, Aleister 
Crowley, übernahm 1913 die Führerschaft des englischen O.T.O. Mit Beginn des Krieges begab 
sich Crowley in die USA, um deren Kriegseintritt vorzubereiten. In seinen „Confessions“ gibt 
Crowley zu, während seines Aufenthalts in New York (1914-1919) für die Zeitschrift 
„International“ des registrierten deutschen Agenten George Sylvester Viereck geschrieben zu 
haben, ergänzt aber, gleichzeitig ein Doppelagent für den britischen Geheimdienst gewesen zu 
sein, was historisch belegt ist. Sein Verbindungsmann im englischen Geheimdienst war ein 
gewisser Commander Mars(d)en. Seinem 1929 in London verlegten Buch „Moonchild“, ein 
Schlüsselroman in dem er das hintergründige Treiben von Geheimgesellschaften zur Zeit des 
Kriegsausbruchs behandelt (bei Peyn und Schulze, Bergen/Damme 1989), stellt Crowley als 
Anmerkung folgenden Satz voran: „Dieses Buch wurde im Jahre 1917 in den Mußestunden 
geschrieben, die mir während der Bemühungen, Amerika auf unserer Seite in den Krieg zu 
ziehen, blieben.“ 

504 Steiner, Rudolf, Zeitgeschichtliche Betrachtungen, Bd.l, Dörnach 1966, S.22. Das Ziel, das 
„die Führer der westlichen Geheimzirkel“ mit dieser „Politik“ verfolgen, nennt Steiner in seinem 
Werk „Die soziale Grundforderung unserer Zeit“, Dörnach 1963, S 79 fi: Die „Ausbreitung der 
o kk ulten Weltherrschaft“ 



235 


Kapitel 4.12 


Der bibelfreimaurerische Einfluß 
auf die alliierte Politik 


Die Übernahme des parlamentarischen Lebens 

Vermutlich war das Schicksal des neuentstandenen Reiches bereits um die 
Jahrhundertwende entschieden. Das Problem lag darin, daß Bismarck und seine 
Nachfolger in konventionellen, also geopolitischen Maßstäben dachten. Sie 
rechneten mit französischen Revanchegelüsten oder mit britischem Neid und 
dachten beide Gefahren mit einer Politik des Good-Will bzw. außenpolitischer 
Selbstbescheidung in den Griff zu bekommen. Daß sich aber zur gleichen Zeit am 
Horizont eine weit gefährlichere - weil staatenübergreifende - Front aus Zionismus 
und Freimaurerei zusammenfand, wurde schlicht übersehen. Dieser Gegner war 
unbezwingbar. Er hatte Amerika geschaffen, Rußland in Agonie getrieben, halb 
Europa revolutioniert, Kriege entschieden. Seine unsichtbaren Soldaten saßen 
praktisch in jedem Land der Welt, während sich die scheinbar so verzettelten Kräfte 
durch erfolgreiche Kartellierungen bündelten. 

„Es ist unerläßlich, daß die an der Regierung der Staaten befindlichen Männer 
entweder unsere Brüder sind oder gestürzt werden“, hatte der Generalsekretär des 
Großorients von Italien Ulisse Bacci einmal gesagt. 505 Die Loge hielt sich an diesen 
Sinnspruch und so sah man wenige Jahre vor Beginn des Weltkrieges rund um den 
Globus erleuchtete Brüder an der Spitze der alliierten Staatswesen. Als „englische“ 
Freimaurer überlieferte uns beispielsweise der norwegische Jurist Dr. Hermann 
Harris Aall die Premierminister Asquith (1908-1916) und David Lloyd George 
(19 1 6-1922) 506 den Außenminister Sir Edward Grey (19 0 5-19 1 6) 507 , die 


505 Nach Dr. Friedrich Wichtl, „Weltfreimaurerei, Weltrevolution, Weltrepublik“, S. 155 ff. Bacci 
War Freimaurer vom 33. Grad und Herausgeber der „Rivista Massonica Italiana“. 

506 Nach dem Vorwärts vom 7. Mai 1927 Großmeister einer Londoner Loge. 

507 

Mitglied der Apollo University Lodge Nr. 357 in Oxford. Schloß 1907 das Abkommen mit 
Rußland. Durch seinen Briefwechsel mit Br. Cambon ließ er sich noch fester auf die Entente gegen 
Deutschland festlegen, ohne das Gesamtkabinett zu unterrichten. Durch die Einkreisung 
Deutschlands und die Spaltung Europas in zwei rivalisierende Mächtegruppen trug er entscheidend 
zum Weltkrieg bei. 



236 


Kriegsminister Richard Burdon Haidane (1905-1912) 508 , Asquith (1914), Lord 
Herbert Kitchener of Khartoum (1914-1916) 509 , David Lloyd George (1916-1918) 
und Churchill (1918). 

Kaum anders lagen die Machtverhältnisse in Frankreich, wo wir etwas länger 
verharren wollen... Als der von der Freimaurerei in Gang gesetzte Erste Weltkrieg 
unter Hinmetzelung von Millionen junger Menschen vorüber war, spürte die bis 
dahin oftmals noch in idealistischer Gesinnung verhaftete deutsche Maurerei 
schmerzlich, zu welcher Destruktion das Logentums befähigt war. Wohl deshalb - 
als Abrechnung mit dem eigenen Stand - schrieb das „Mecklenburgische 
Logenblatt“ kurz nach Ende der Feindseligkeiten über „Die internationale 
Freimaurerei als politischer Machtfaktor“ im Abschnitt „Frankreich“: 

„Die französische Regierung steht vollständig unter der Herrschaft der Loge. Seit 
vielen Jahren gehören dort die leitenden Männer den Logenkreisen an. Seit 
MacMahon (1879) sind alle Präsidenten der Republik der Loge nicht bloß 
angegliedert, sondern tätige Agitatoren, die in den Logen eine mehr oder minder 
hervorragende Stellung eingenommen hatten. Desgleichen gehören alle die 
Männer, die in den wechselnden Ministerien oder in wichtigen Staatsämtern eine 
Rolle spielten, der Freimaurerei an .“ 510 

Die Behauptung der deutschen Brüder entspricht zweifelsohne den Tatsachen. Daß 
sich die Maurerei der „Grande Nation“ seit Ausgang des deutsch-französischen 
Krieges als Körperschaft auf die Politik verlegte, gaben Jahre später sogar die 
französischen Freimaurer offen zu. So schrieb ein Br. Hiram (Limousin) in der 
„Acacia“ heuchlerisch: „Das widersprach ihrer Verfassung, ihren Regeln, ihren 
Interessen, aber das Interesse Frankreichs und der Republik erforderte es 
gebieterisch.“ 511 Eine ganze Reihe prominentester Namen des Quai Dorset sind als 
aktive Logenbrüder verbürgt. 512 


Präsident der Republik 
1887-1894 Carnot 


508 

Traf mit dem französischen Generalstab die Abmachungen für das militärische 
Zusammenwirken der beiderseitigen Streitkräfte. Im Februar 1912 wurde er unter maßgebender 
Vermittlung der Juden Ballin und Cassel nach Deutschland geschickt zu Verhandlungen über 
eine Beschränkung des deutschen Flottenbaus und über die Bagdadbahn. Die Motive für diese 
Mission sind noch nicht völlig geklärt, eine Verständigung kam nicht zustande, und Haidane 
brachte das englische Kabinett zu der Überzeugung, daß in Deutschland eine Kriegspartei 
herrsche. 

509 Großaufseher der Großloge von England, Mitbegründer der Drury Lane Lodge 2127 in 
London und Distriktgroßmeister für Ägypten und den Sudan. 

510 Die bis hierher reichenden Sätze finden sich ohne Quellenangabe, also als eigene Meinung, in 
der freimaurerischen Zeitschrift „Auf der Warte“, Leipzig, 1. März 1925, Seite 54, in der Rubrik 
„Ausland“ wieder. 

511 Acacia, Juni 1908, Nr. 66, S. 406 

512 ' 

Die meisten überliefert durch Rechtsanwalt Dr. Aall. 



237 


1895-1899 

1913-1920 

Ministerpräsidenten 

1892-1893 

1893 

1894- 1895 
1895 

1895- 1896 

1896- 1898 
1898-1899 
1906-1909 
1909-1911 

1912- 1913 

1913 

1913- 1914 

1914 

1914- 1915 

1915- 1917 
1917 
1917 

1917-1920 

Außenminister 

1890-1893 

1898-1905 

1913 

1913- 1914 

1914 

1914- 1915 

1915- 1917 
1917 


Felix Faure 513 
Raymond Poincare 514 

Alexandre Ribot 
Charles Dupuy 
Charles Dupuy 
Alexandre Ribot 
Bourgeois 515 
Felix Jules Meine 516 
Charles Dupuy 
Georges Clemenceau 517 
Aristide Briand 518 
Raymond Poincare 
Aristide Briand 
Gaston Doumergue 
Alexandre Ribot, 

Rene Viviani 519 
Aristide Briand 
Alexandre Ribot 
Paul Painleve 
Georges Clemenceau 

Alexandre Ribot, 
Theophile Delcasse 520 
Charles Jonnart 
Gaston Doumergue 
Rene Viviani 
Theophile Delcasse 
Aristide Briand 
Alexandre Ribot 


513 

Mitglied der Loge Amenite 

514 Mitglied des Grand Orient de France. Die Freimaurerschaft Poincares belegt unter anderem das 
Jahrbuch 1913/14 des Vereins deutscher Freimaurer. 

515 Freimaurer laut Lennhoff/Posner, „Internationales Freimaurerlexikon“, Zürich-Leipzig-Wien 
1932 

516 Mitglied der Loge Le Travail 

517 

Mitglied des Grand Orient de France nach Deutsche Politik, 2. Jahrg., S. 594 

518 

Logenbruder laut Br. Pinkow, Macht und Einfluß der Freimaurerei, Berliner Tageblatt vom 3. 
Juni 1927 und Karl Heise (a.a.O.). Verschiedene Quellen bringen Briand mit dem Grand Orient de 
France in Verbindung. Nach Arnold Cronberg, a.a.O., Seite 93, war er Mitglied der Loge „Le Phare 
Soisonnais“ in Soisson. 

519 Vivianis Mitgliedschaft bei der Freimaurerei belegen Karl Heise (a.a.O.) und 
Lennhoff/Posner, „Internationales Freimaurerlexikon“, Zürich-Leipzig-Wien 1932 

520 Freimaurer nach Angaben des Schweizer Autors Karl Heise (a.a.O.). 



238 


Als Kriegsminister gaben sich Alexandre Millerand (1912-15), Paul Painleve 
(1917) und Georges Clemenceau (1917-20) mit Brudergruß die Klinke in die 
Hand. Die militärischen Vorbereitungen zum Weltkrieg wurden durch Br. 
Marineminister Theophile Delcasse (1911 - 1913) und Br. Generalstabschef 
Marschall Joseph Joffre (1911-1917) geleitet. 

Soweit die wichtigsten Ämter, die für die vorliegende Untersuchung als 
ausschlaggebend betrachtet werden. Aber auch die weniger „berühmte“ Positionen 
reservierte die Loge gerne für die Ihren. Seit dem Waddington-Ministerium 1879 
(6 von 9 Minister waren Logenmitglieder) stellten Freimaurer in allen Kabinetten 
die Mehrzahl. Im Ministerium Freycinet (1890) waren von 10 Ministern 6 Maurer, 
im Ministerium Loubet (1892) 7 von 10, im Ministerium Ribot (1892) 7 von 10. 
etc. pp. 

Das „Mecklenburgische Logenblatt“ fährt daher völlig zu recht fort: „Der 
unheilvolle Einfluß, den die Loge auf die französische Regierung ausübt, macht 
demnach die Freimaurerei in Frankreich nicht bloß zum 'Staat im Staate', sondern 
rechtfertigt vollkommen das stolze Wort des offiziellen Redners aus einer 
Generalversammlung des französischen Großorients: 'La republique, c'est la 
Franc-Maconnerie ä decouvert, de meme que depuis longtemps la Franc- 
Maconnerie n'est autre chose que la republique.' Unter diesen Verhältnissen 
dürfen wir nichts absonderliches daran finden, wenn wir in den 
Rechenschaftsberichten der Logentagungen lesen, daß höhere Beamte, die mit 
Hilfe und Unterstützung in hohe staatliche Ämter gekommen sind, vor wichtigen 
entscheidenden Sitzungen in der Loge erscheinen und sich Instruktionen für ihre 
Stellungnahme zu irgendeiner die Loge interessierenden Frage holen... Diese 
Machenschaften haben den Erfolg erzielt, daß das französische Parlament noch 
ausgesprochener als das italienische als Freimaurer-Parlament bezeichnet werden 
kann... “ 

Obzwar dies eine maurerische Quelle ist, mag die Prüfung auf dem Fuße folgen. 
Ergebnis: Jedes Wort stimmt. Hier nur ein Beleg von vielen: Der französische 
Großorient hatte auf seinem Konvent für das Maurerjahr 1898/99 laut offiziellem 
Kongreßbericht folgenden - nicht für die Öffentlichkeit bestimmten - Beschluß 
gefaßt:„Die aktiven Maurer, Senatoren wie Deputierte, vereinigen sich wenigstens 
einmal vierteljährlich im (Gebäude des) Großorients, um sich untereinander über 
die allgemeinen Interessen der Maurerei und der Republik ins Einvernehmen zu 
setzen.“ Das im gleichen Jahr erschienene Bulletin des Grand Orient 
kommentiert: „Der tiefere Grund für das alles ist, daß ein Freimaurer sich 
unablässig von seinen maurerischen Gefühlen erleuchten lassen soll, und daß, je 
höher seine öffentlichen Funktionen sind, er desto mehr die Pflicht hat, seine 


521 

~ Zitat laut offiziellem Kongreßbericht im „Compte Rendu du Convent de Grand Orient de 
France, 1899“, Seite 44 nach: Friedrich Hasselbacher, „Entlarvte Freimaurerei“, Band III, Verlag 
Paul Hochmuth, 1941, Archiv-Edition im Verlag für ganzheitliche Forschung und Kultur, Viöl 
1992, Seite 334f. 



239 


522 

Anregungen im Bruderkreise zu schöpfen.“ “ Diese mafiosen Strukturen führten 
dazu, daß sich der idealistische Vorsitzende der belgischen Sozialdemokraten und 
spätere Finanzminister Hendrik de Man in seinen Erinnerungen darüber wunderte, 
daß vor dem ersten Weltkrieg „die Politik der sozialistischen Parteien von den 
gleichen Logen gelenkt wurde, wie die Politik ihrer scheinbaren Gegner, der 
bürgerlichen Liberalen. Die intellektuellen Führer beider 'feindlicher Lager, die 
einander auf der Straße bekämpften, seien im Grunde von den gleichen 
Hochgradmaurern dirigiert worden.“ 523 


Die Eroberung des Militärs 

Straßenschlachten und internationale Kriege sind zwei verschiedene Paar Schuhe? 
Mag sein. Trotzdem ist die Kontrolle durch die Freimaurerei die gleiche. 
Zugegebenerweise gab es diese Orwellsche Allgegenwart nicht zu jeder Zeit in 
jedem Land der Welt - aber schließlich fängt jeder einmal klein an. Nach der 
Eroberung der Ministerien war die gröbste Arbeit im Grunde schon erledigt. 
Trotzdem reichte das den verschworenen Brüdern nicht. Vielleicht schon im 
Angesicht des bevorstehenden Megakonflikts wollten sie eine totale Kontrolle - bis 
ins letzte Glied. Hören wir, was das „Mecklenburgische Logenblatt“ zu den 
französischen Verhältnissen schreibt: 

„Bis vor wenigen Jahren war die Armee und das Offizierskorps noch dem Einfluß 
der Loge entzogen. Aber seit der Dreyfuß-Affäre sind die Verhältnisse auch hier 
vollständig geändert. Die maurische Kammermehrheit hat seitdem den 
antimaurischen Geist aus der Armee vollständig zu vertreiben verstanden. Durch 
alle Mittel des gemeinsten Denunzianten- und Spitzeltums wurden die 
nichtmaurischen Elemente des Offizierskorps überwacht, schwarze Listen durch 
maurische Vertrauensmänner der Loge eingereicht und von hier an den 
maurischen Kriegsminister geleitet, der für die Entfernung der von der Loge 
geforderten Opfer aus der Armee sorgen mußte. Mit dem Namen des 
Kriegs mini sters Andre sind die Skandale verbunden, welche die Loge am 
schwersten kompromittieren. Allein in der Zeit vom 1. September 1901 bis 30. 
Oktober 1903 hatte der französische Großorient nicht weniger als 18.818 
Angabezettel (Fiches) über Offiziere dem Kriegsministerium zur Verfügung 
gestellt. Was da die Freimaurer-Denunzianten: Lehrer und Ärzte, Notare und 
Ingenieure, was die Schneidermeister und Maurermeister über die Offiziere ihrer 
Garnison ermittelt hatten und an den ,Grand Orient de France', die Zentralleitung 
der französischen Logen, nach Paris sandten, wurde fein säuberlich geordnet und 


522 

‘ Zitat laut „Bulletin Maconnique du Grand Orient de France“, 1899, Seite 267 nach: Friedrich 
Hasselbacher, „Entlarvte Freimaurerei“, Band HI, Verlag Paul Hochmuth, 1941, Archiv-Edition im 
Verlag für ganzheitliche Forschung und Kultur, Viöl 1992, Seite 334f 

523 

' Franzei, E., Groß-Loge im Angriff, Augsburg o.J., Seite 5 

‘ Hier sieht das Logenblatt die Lage nicht völlig richtig. Einen gewissen Einfluß der Freimaurerei 
auf die Armee der Grande Nation’ hatte es immer schon gegeben, wie der Verrat von 1870/71 zur 
Genüge unter Beweis stellt. 



240 


gesammelt und dann dem Kriegsministerium zur Verfügung gestellt. Im 
Kriegsministerium wurde dieses Material wiederum sorgsam geordnet; es bildete 
dann die Grundlage für die endgültige Beurteilung der Offiziere. Auf Grund dieser 
Zettel erhielten die Offiziere ihre Note und Zensur. Bei Beförderungen, 
Versetzungen und vor allem bei Übergehungen der Offiziere waren sie... 
ausschlaggebend. “ 525 

Als die ganze Bespitzelungsaffäre aufflog, gab der antifreimaurerische Abgeordnete 
Syveton Kriegsminister Br. Andre vor versammelter Kammer eine schallende 
Backpfeife. So was muß sich die erhabene Gesellschaft natürlich nicht bieten lassen 
und der schlagfertige Volksvertreter starb „plötzlich und unerwartet“ durch 
„Selbstmord“. Ein Polizeibeamter gestand später unter Eid, man habe ihn 
beauftragt, diesen „Selbstmord“ zu inszenieren. 526 


Die Unterordnung der Presselandschaft 

Ein geradezu alptraumhaftes Weltgefuge, nicht wahr? „Nein, ich glaube das nicht“, 
wird mancher um seine bequemen Anschauungen fürchtende Leser einwenden. So 
viele Quellen man mir auch nennen mag, mögen sie sogar von den Freimaurern 
selber stammen - ich glaube ihnen nicht. Meine ganz persönliche Wahrheit ist die 
Tagespresse, die Zeitungen, das Fernsehen. Warum habe ich dort noch nichts von 
alledem gehört? Wenn die „Bild-Zeitung“ oder ein politisches Nachrichtenmagazin 
darüber berichten sollten - am besten alle miteinander - ja, dann bin ich bereit, mir 
Gedanken zu machen. „Lieber Vogel Strauß“, lautet die Antwort des Autors, 
„darauf kannst Du lange warten!“ 

Grund: Die Eroberung der Presse war von Anfang an der erste Zielpunkt der 
freimaurerischen Unterwanderung. Schon Adam Weishaupt hatte den Wert 
erkannt, den das geschriebene Wort einer Verschwörerorganisation bieten konnte, 
als er in seinen Instruktionen schrieb: „Wir müssen darauf achten, daß unsere 
Schriftsteller schlagfertig sind und daß sie von unseren Herausgebern geschätzt 
werden; wir müssen deshalb all unsere Kräfte dafür einsetzen, die Journalisten und 
Herausgeber zu gewinnen... Wenn ein Schriftsteller irgend etwas publiziert, was 


525 „Mecklenburgisches Logenblatt“, Nr. 23, 47. Jhrg., 29. Juni 1919, Seite 185ff. Kapitel 1: 
„Die internationale Freimaurerei als politischer Machtfaktor“. Abschnitt „Frankreich“. Teil der 
Artikelserie „Auf den Pfaden der internationalen Freimaurerei“. (Das Mecklenburgische 
Logenblatt war eine offizielle Zeitschrift der Großen Landesloge der Freimaurer von Deutschland 
und erschien in Rostock. Die Artikel schildern den Stand der Dinge bis 1917/18.) Das Logenblatt 
verweist in Bezug den für die Offizierskarriere „ausschlaggebenden“ Charakter des Fiche- 
Skandals auf die „Deutsche Zeitung“, die 1904 in ihrer Nummer 258 hierzu exemplarisch einen 
Briefwechsel zwischen dem französischen Hauptmann Mollin und dem Sekretär des Grand 
Orient, Vadecard, wiedergegeben hatte 

~ Friedrich Hasselbacher, „Entlarvte Freimaurerei“, Band III, Verlag Paul Hochmuth, 1941, 
Archiv-Edition im Verlag für ganzheitliche Forschung und Kultur, Viöl 1992, Seite 131 



241 


beachtet wird und an sich richtig ist, aber nicht mit unseren Ideen übereinstimmt, 

S97 

müssen wir ihn entweder für uns gewinnen oder aber ihn fertigmachen.“ 

Da die Illuminaten und ihre Helfershelfer gut arbeiteten, hatte sich Weishaupts 
Schlußsatz zu Beginn der französischen Revolution erledigt; zumindest was die 
„Grande Nation“ anbelangt, denn hier war es mittels freimaurerischer Ränke 
gelungen, praktisch das gesamte Pressewesen vor den Karren des neuen Regimes zu 
stellen. Das Herz dieser Gehirnwäsche-Maschinerie wurde 1780 unter dem Namen 
„Propaganda-Club“ in Paris geschaffen; seine Leiter waren die Br. de 
LaRochefoucaulC 28 sowie die „Les Amis Reunis“-Logisten Condorcet und Sieyes. 
Nach Le Forestier, „Les Illumines de Baviere et la Franc-Maconnerie Allemande“ 
(1915) zählte der Club bald 50.000 Mitglieder. Sein Ziel bestand darin, die 
Umwälzung zu radikalisieren und vor den Völkern populär zu machen. 

Bereits 1784 befand der französische Finanzminister Necker nach Tocqueville: 
„Die meisten Fremden können sich nur schwer einen Begriff von der Autorität 
machen, die heute in Frankreich die öffentliche Meinung ausübt. Sie verstehen 
kaum, was das für eine unsichtbare Macht ist, die bis in den Palast des Königs 
hineinregiert.“ Was Necker beschrieb war nichts anderes als das Wirken der 
Logenmacht. Diese gibt das gelegentlich übrigens selbst zu. So schrieb der 
Hochgradfreimaurer Br. Hofprediger Stark über den Propagandisten-Club: „Die 
Propaganda war als der innere Orden des Jakobinismus oder der illuminierten 
Freimaurerei der Franzosen zu betrachten. Es ist unglaublich, welche 
Abscheulichkeiten der Logen aus der Propaganda, sobald sie nur eingerichtet war, 
hervorgegangen sind, und wie vieles sie dazu beigetragen, um die Grundsätze der 
Revolution, den Sturz der Throne und Altäre, und mit demselben den Triumph der 
Freimaurer-Philosophie allgemein zu machen. Aus diesen Logen und von ihren 
Emissarien schrieben sich die mordbrennerisehen Zeit- und Flugschriften her, in 
welchen beinahe alle Fürsten und Regierungen von Europa verhöhnt wurden, wie 
der Minister Montmorin am 31. Oktober 1791 öffentlich in der 
Nationalversammlung erklärte... Es ist unglaublich, wie sehr unablässig die 
Propaganda bemüht ist, durch die ausgesendeten Emissäre allenthalben Aufruhr 

Cif) 

unter den Völkern allgemein zu machen.“ 

Tatsächlich verwunderte die „für den oberflächlichen Beobachter zutagetretende 
einmütige Begeisterung, mit der die französische Revolution vielfach begrüßt 
wurde, die bereitwillige Aufnahme, die die von ihr vertretenen Ideen fanden, das 


527 

Reed, Douglas, Der große Plan der Anonymen, Thomas Verlag Zürich, Reprint im Faksimile 
Verlag, Bremen 1982, Seite 329ff. Reed war vor dem Zweiten Weltkrieg Hauptkorrespondent der 
„Times“ für Zentraleuropa. 

528 

Mitglied bei den „Les Neuf Soeurs“ sowie Großmeister der Loge in der rue Heron. Siehe 
Friedrich Hasselbacher, „Entlarvte Freimaurerei“, Band L, Verlag Richard Geller, 1934, Archiv- 
Edition im Verlag für ganzheitliche Forschung und Kultur, Viöl 1992, Seite 137 

529 

Jacques Pioncard d'Assac, Das Geheimnis der Freimaurer, Priesterbruderschaft St. Pius X., 
gegart 1990, Seite 25f. 

530 

Friedrich Hasselbacher, „Entlarvte Freimaurerei“, Band I., Verlag Richard Geller, 1934, 
Archiv-Edition im Verlag für ganzheitliche Forschung und Kultur, Viöl 1992, Seite 140f. 



242 


überraschende Tempo, in welchem die Umgestaltung der Verhältnisse im Sinne 
dieser Ideen sich überall vollzogen“. Diese Worte entstammen dem 
„Mecklenburgischen Logenblatt“, das auch sogleich das Rätsel wie folgt löst: „Die 
Revolutions-Propaganda des ausgehenden 18. Jahrhunderte war das Werk der 

531 

Freimaurer-Propaganda “. 

Was das ganze noch schlimmer machte, war die Tatsache, daß sich die 
Meinungsmache nicht allein auf den Hort ihrer Entstehung beschränkte; im 
Gegenteil schwappte sie sofort über die Schlagbäume in das angrenzende Ausland. 
„Die Freimaurerei“, bestätigte der Zeitzeuge Jourde im Jahre 1797, „brachte die 
Propaganda auf und diese griff auf alle Nationen Europas über und schlug alle in 
ihren Bann.“ Damit war die Krankheit zu einer unkontrollierbaren Seuche 
geworden. Zugleich gelang es den Demokratiefeinden allerorten, die Kontrolle der 
„öffentlichen Meinung“ immer erfolgreicher zu monopolisieren, bis schließlich 
kaum noch eine Lücke in dem geradezu genialen Informationssystem des 
Geheimvatikans übrig war. 

Zugegeben: Trotz „guten“ Willens sahen sich die freimaurerischen Behörden auch 
weiterhin immer wieder einmal genötigt, der fortschreitenden Entwicklung auf dem 
Pressemarkt hinterherzuhinken. So faßte der offensichtlich noch nicht voll 
ausgelastete Oberste Rat in Paris noch im Jahre 1828 den (abgefangenen) 
Geheimbeschluß, die „große Tagespresse, die Werkstätten der öffentlichen 

ei') 

Weltmeinung unter die Kontrolle der maurerischen Behörden zu stellen.“ 
Insgesamt aber machte die Zentral-Steuerung der Zeitungslandschaft riesige 
Fortschritte. Dies lag nicht zuletzt an der Etablierung einer übergeordneten 
Zuliefererinstanz, welche der Geheimvatikan praktisch für sich reserviert hielt. 

Die Hintergründe: Nach Erfindung des Telegrafen wurde 1835 in Frankreich mit 
der „Agence Havas“ das erste Nachrichtenbüro der Welt gegründet, das über 100 
Jahre seine kontinentaleuropäische Konkurrenz fest im Griff haben sollte. Gründer 
und Betreiber war der sephardische Hebräer Charles Louis Havas, vordem Bankier. 
Dieser entfaltete rasch ein weites Betätigungsfeld. Über dessen Arbeit Balzac schon 
1840: „Herr Havas hat eine Agentur, an deren Verbreitung niemand ein Interesse 
hat, weder die Ministerien, noch die Zeitungen der Opposition. Deshalb unterhält 
Herr Havas in der ganzen Welt seine Korrespondenten; er erhält als erster alle 
Zeitungen aus sämtlichen Ländern des Erdballs. Auch wohnt er ’rue Jean-Jaques 
Rousseau', gegenüber dem Postamt, um auch nicht eine Minute zu verlieren. - Alle 
Zeitungen von Paris haben aus Sparsamkeitsgründen auf Ausgaben verzichtet, 
welche Herr Havas um so mehr im großen Stil tätigen kann, als er nun ein 
Monopol besitzt. Alle Zeitungen, die nun der Mühe enthoben sind, wie früher, 
ausländische Zeitungen zu übersetzen und Agenturen zu unterhalten, unterstützen 
Herrn Havas mit einem monatlichen Beitrag, um von ihm zum bestimmten Termin 


531 „Mecklenburgisches Logenblatt“, Nr. 5/6, 48. Jahrgang, 19. Oktober 1919, Seite 47f. 

532 

Jourde, Les rentables auteurs de la revolution de France en 1789, Neufchatel 1797, Seite 
452 

533 Bulletin du Grand Orient, 1886, S. 223 



243 


die Nachrichten aus dem Ausland zu erhalten. Ohne ihr Wissen und aus sicherer 
Quelle erhalten die Zeitungen nur das, was der erste Minister sie veröffentlichen 
lassen will... Wenn es sich um 20 Zeitungen handelt und der Durchschnitt ihres 
Abonnements mit Herrn Havas 200 Franken betragen würde, so erhält Herr Havas 
4.000 Franken im Monat. 6.000 erhält er vom Minister. Verstehen Sie jetzt die 
trostlose Gleichförmigkeit der ausländischen Nachrichten in allen Zeitungen? Jede 
färbt weiß, grün, rot oder blau die Nachricht, welche Herr Havas, der ’Maitre 
Jaques', der Presse sendet. In dieser Hinsicht gibt es nur eine Zeitung, die von ihm 
verfaßt wird und aus deren Quelle alle Zeitungen schöpfen. “ 534 

Gab es denn gar keine Konkurrenz? Aber klar! Unter den früheren Mitarbeitern der 
Havas befand sich unter anderem der Israelit Bernhard Wolff, der 1849 in Berlin 
eine eigene Agentur, das Wolffsche Telegraphenbüro (W.T.B.) gründete. Im 
gleichen Jahr wurde die dritte jüdisch geleitete Weltagentur aus der Taufe gehoben: 
In Aachen gründete der Rabbinersohn Beer Josephat die Reuters Telegram 
Company, die er 1851 nach London verlegte. Es waren diese großen drei 
Informationsbörsen, die es bis Ausbruch des ersten Weltkrieges verstanden, den 
Nachrichtenmarkt zu beherrschen - allesamt unter mosaischer Leitung. Der aus 
jüdischer Familie stammende französische Volkswirtschaftler Du Mesnil-Marigny 
konnte also 1878 durchaus zu recht konstatieren: „Man kennt die Bestechlichkeit 
der Presse. Wer sind diejenigen, welche diese furchtbare Maschine, deren Macht 
gleichzeitig als zerstörender und aufbauender Faktor bekannt ist, in Bewegung 
setzen? Diejenigen, die das Gold besitzen: die Juden.“ 535 

Damit soll nicht gesagt sein, daß die angeführten Israeliten nicht von einander 
verschiedene Menschen waren, daß sie nicht unterschiedliche Leben lebten, nicht 
eigene Interessen verfolgten, daß sie sich nicht gegenseitig Konkurrenz - ernsthafte 
Konkurrenz - machten. Es wäre lächerlich, dies in Abrede stellen zu wollen. 
Trotzdem blieben sie alle Kinder der jahwitischen Gemeinschaft und es sollte sich 
noch erweisen, daß der Geheimvatikan in den Stunden der Bewährung auf fast alle 
seiner Schäfchen zählen konnte - und sei es auf dem Weg des Drucks. 

Doch zurück zu den ersten Dienern des auserwählten Volkes, den Freimaurern. 
Diese hatten selbstverständlich mit der Zeit auch ihre Erfolge zu verzeichnen, so 
daß man kurz vor der Jahrhundertwende in dem angesehenen britischen Logenblatt 
„Free Mason Chronicle“ lesen konnte: 


534 Heinz Ballensiefen, „Juden in Fran kr eich - Die französische Judenfrage in Geschichte und 
Gegenwart“, Archiv-Edition im Verlag für ganzheitliche Forschung und Kultur, Struckum 1990, 
Seite 99 

535 

Du Mesnil-Marigny in: Histoire de l’Economie des peuples andern, Paris 1878, 2. Band, S. 
278. Ein Jahr später - 1879 - wurde die Agentur Havas in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, 
deren Hauptaktionär mit Baron Erlanger wieder ein Jahwejünger war. Sieht man von den 
Nachrichtenagenturen ab, so lagen die Verhältnisse auf dem eigentlichen Zeitungssektor auch nicht 
viel anderes. Der Pariser Logenherold „Matin“ wurde 1883 vom naturalisierten Israeliten Edwards 
begründet, das zweite wichtige Blatt, der „Temps“, gehörte dem italienischen Mosaen Claudio 
Trewes. 



244 


„Es gibt eine Geschichte von Gedanken und Handlungen, welche sich der 
Beobachtung des Historikers entzieht. Es gibt unkontrollierbare Einflüsse, welche 
jeder Zeit wirksam waren und noch sind und welche das Geschick sowohl 
einzelner Personen als ganzer Nationen bestimmen, Einwirkungen, die sich auf 
alle Verzweigungen der menschlichen Gesellschaft erstrecken, die aber, so 
gewaltig auch ihr schließliches Ergebnis sein mag, nicht klar und präzis 
aufzeigbar sind. Die Wirkung, welche die stille Propaganda im Dienste der 
freimaurerischen Grundsätze auf die Geister ausübt, führt oft lange Zeit hindurch 
zu keinen augenfälligen Ergebnissen. Ist aber der günstige Zeitpunkt gekommen, 
der notwendige äußere Anstoß gegeben, dann treten die Wirkungen dieser 
Propaganda im Leben der Völker und der Nationen als weltgeschichtliche 
Ereignisse, weithin sichtbar, in die äußere Erscheinung. Dies ist die Art und 
Weise, wie die Freimaurerei auf die Außenwelt einwirkt. Ihre Wirksamkeit 
erstreckt sich auf alle Schichten der Gesellschaft in allen ihren Verzweigungen 
und Beziehungen“ 536 

Kann sich ein illuminierter Rechenschaftsbericht 100 Jahre nach der französischen 
Revolution eindrucksvoller lesen? 

Zur Jahrhundertwende, da die Freimaurerei den Weltkrieg bereits vor Augen hatte, 
begannen die 'Brüder' Journalisten dann die Völker auf das geplante Ringen geistig 
einzustimmen, indem sie das „Feindbild Deutschland“ zimmerten. „Unter den 
Mitteln, die der Isolierung Deutschlands dienen sollen, ist eines der meist 
verwendeten und eines der wirksamsten der Feldzug der Presse“, schrieb der 
belgische Gesandte in Berlin am 16. Mai 1906 an seine Regierung. Da der 
Diplomat die französische Sprache gut beherrschte hatte er möglicherweise vor 
allem die zähnefletschende Presse seines Nachbarlandes vor Augen. 

Fast überflüssig zu erwähnen, wer dort in mannigfaltiger Verkleidung - mal links, 
mal rechts, mal kirchlich - die Streitaxt schwang. Wie weit die Freimaurerei „ihre“ 
Pressefreiheit in Frankreich zum damaligen Zeitpunkt verwirklicht hatte, beschreibt 
das deutsche „Mecklenburgische Logenblatt“ mit Liebe zum Detail: „In keinem 
anderen Lande“, heißt es da, „sind die großen einflußreichen Blätter derartig von 
den einseitigsten Interessensgruppen freimaurerischer Kapitalisten abhängig wie 
in Frankreich, wenigstens liegen nirgendwo anders diese Verhältnisse so klar 
erkennbar zutage. Vier große Blätter, - „Matin“, „ Temps“, „ Journal“ und „Petit 
Journal“ - mit einer Auflage von vier Millionen stehen im Dienste dieses Kapitals 
und vertreten in feinerer oder gröberer Form die Kultur- und 
Weltanschauungsideale und die politischen, finanziellen und ethischen Interessen 
der französischen Loge. Nahezu die Hälfte der französischen Wählerschaß 
empfängt die politische, moralische und ethische Tageskost von der Logenpresse. 
Ähnlich liegen die Verhältnisse bei der periodischen Literatur. Die bedeutendsten 


536 

Freemason Chronicle, London, vom 25. 12. 1887, in: „Mecklenburgisches Logenblatt“, Nr. 
5/6, 48. Jahrgang, 19. Oktober 1919, Seite 47f. Zitat auch nach Hermann Gruber. Verschiedene 
Autoren geben als Erscheinungsdatum des „Free Mason Chronicle“ den 25. 12. 1897 an, was 
falsch ist. 



245 


Zeitschriften stehen mittelbar oder unmittelbar im Dienst der Loge. Rechnet man 
dazu die kleineren Blätter in der Provinz die der Logensache dienen, manche 
andere Blätter, die durch die zahlreichen Mittel der Beeinflussung durch die 
Regierung mit dem Strome zu schwimmen lernen und der herrschenden Richtung 
Zugeständnisse machen, so bleiben nur noch wenige Organe der öffentlichen 
Meinung übrig, die sich der Loge und ihrem Einfluß entziehen, und diese wenigen 

537 

sind zur Bedeutungslosigkeit verurteilt.' 

Daß es auch anderenorts kaum besser um die Pressefreiheit bestellt war, hatte der 

CIO 

Großmeister des italienischen Großorients, der jüdische Bankier Adriano Lemmi 
, zur Genüge demonstriert, als er zur Jahrhundertwende die Presse „die 
freimaurerische Weltmacht“ und die Journalisten „die freimaurerische Elitetruppe“ 
nannte. Wörtlich erklärte er ferner: „Die Freimaurerei muß die Macht haben, und 
sie hat sie: die öffentliche Meinung zu erzeugen und zu lenken. Entweder sind wir 
die Erzeuger und Lenker der öffentlichen Meinung, oder wir haben überhaupt keine 

539 

ernsthafte Existenzberechtigung.“ 

Zu den englischen Verhältnissen schrieb der deutsche Hochgradbruder Ernst 
Freymann in seinem Aufsatz, „Auf den Pfaden der internationalen Freimaurerei“: 
„Lord Ampthill, der Großmeister der englischen Großloge, stellte in einer 
feierlichen Sitzung des Internationalen „masonic club“ vom L/2. November 1910 
in einer Rede, in welcher er den Einfluß kennzeichnen wollte, den die 
Freimaurerei in der Welt ausüben könne, fest: 'Der Freimaurerei gehören 
zahlreiche Journalisten an, deren Macht praktisch unbegrenzt ist.' Der 
Freimaurer-Lord dachte wohl in erster Linie an die Northcliffepresse, die im 
Verein mit der internationalen maurerischen Presse des europäischen Kontinents 
und der ganzen Welt einen so überwältigenden, für die meisten von uns zum ersten 
Male in diesem Kriege in Erscheinung tretenden Einfluß nicht nur in England und 
in den Ländern der Entente, sondern auch bei allen Neutralen ausübte, daß man 
lange Zeit vor einem Rätsel zu stehen glaubte. “ 540 


537 „Mecklenburgisches Logenblatt“, Nr. 23, 47. Jhrg., 29. Juni 1919, Seite 185ff., Kapitel 1: „Die 
internationale Freimaurerei als politischer Machtfaktor“. Abschnitt „Frankreich“. Teil der 
Artikelserie „Auf den Pfaden der internationalen Freimaurerei“. Das Mecklenburgische Logenblatt 
war eine offizielle Zeitschrift der Großen Landesloge der Freimaurer von Deutschland und erschien 
in Rostock. Die Artikel schildern den Stand der Dinge bis 1917/18. Die Artikelserie erschien als 
Vorabdruck in der von der „Großen Landesloge der Freimaurer von Deutschland“ 1917 im Verlag 
des Bruders Gustav Boldt, Rostock, herausgegebenen Schrift „Auf den Pfaden der internationalen 
Freimaurerei, Beiträge zur Geschichte der Gegenwart“ von Bruder Ernst Freymann (Ps. für Prof. 
Dr. Köthner) 

De la Rive schreibt in „Die Juden im Freimaurertum“ Seite 120, daß Lemmi, ehe der der 
Oberste Patriarch des Allgemeinen Freimaurertums wurde, zum jüdischen Glauben übertreten 
mußte 

539 Rivista Massonica 1889-02. Zitiert in „Mecklenburgisches Logenblatt“, Nr. 5/6, 48. Jahrgang, 
10.Oktober 1919, Seite 47. 

540 Mecklenburgisches Logenblatt, hrsg. von der Provinzialloge von Mecklenburg, Handschrift für 
Brüder, 48 Jahrg., Nr.5/6, 19. Oktober 1919, Seite 47f. Der spät erwachte Hochgradbruder Ernst 
Freymann (Dr. Paul Köthner) schreibt weiter an gleichem Ort: „Das Werk der Freimaurer- 



246 


Was meint Freymann mit Northcliffepresse? Schlagen wir in einem Lexikon nach, 
dann lesen wir: Lord Alfred Charles William Northcliffe, ursprünglich Stern, dann 
Harmsworth. Enkel eines Issak Stern aus Frankfurt am Main. 541 Britischer 
Medienmogul. War am Ende des ersten Weltkrieges Besitzer von 3 A der ganzen 
englischen Presse.^ 42 Nachdem er 1896 die „Daily Mail“ gegründet hatte, erweiterte 
er Zug um Zug sein Imperium um die wichtigsten britischen Blätter. Schließlich 
gehörten ihm die „Times“, der „Daily Mirror“, der „Observer“, der „Daily Expreß“ 
und eine ganze Reihe anderer Massenblätter. 

Über Northcliffe urteilte der leitende Redakteur der „Daily News“, der seinerzeit 
sehr bekannte englische Publizist Gardiner in einem offenen Brief: „Sie 
(Northcliffe) waren durch zwanzig Jahre der journalistische Brandstifter..., ein 
Mann, stets bereit, die Welt in Flammen zu setzen, um daraus ein Zeitungsplakat zu 
machen.“ 543 Was diesen Vorwurf vor dem Hintergrund der Kriegsplanungen des 
Geheimvatikans so pikant macht, ist die Tatsache, daß Northcliffe diesem als 
Hebräer religiös nahe stand. ?44 

Dabei bildete er keineswegs eine Ausnahme. Denn auch der schmale Rest der 
englischen Zeitungen befand sich fest in israelitischer Hand. Der „Daily Telegraph“ 
wurde 1855 gegründet und fernerhin besessen von Levy sen. (Lord Burnhams 
Vater). 1888 ging er in die Hände seines Sohnes Br. Edward Levy Lawson, Ist. 
Baron Burnham über, der 1916 zum Präsidenten der Empire Press Union „gekrönt“ 
wurde. Die „Daily News“ war Organ der Firma „Cocoa, Cohen & Co“, die 
„Westminster Gazette“ gehörte Sir Alfred Mond, der als aktiver Zionist im 
Vorstand der nationaljüdischen Weltanleihe Keren Hajessod tätig war. 

Fast noch eindeutiger waren die Verhältnisse in Rußland: Selbst eine zaristisch¬ 
konservative Zeitung wie die „Nowoje Wremja“ („Neue Zeit“) ging schließlich in 
die Hände der jüdischen Journalistenvereinigung über. Der Hauptberichterstatter 
der Zeitung amtierte als Vorsitzender der jüdischen Vereinigung der 
Dumajournalisten. Die verbreiteteste Moskauer Zeitung, die „Russkoje Slowo“ 
(„Russische Stimme“), hatte in der Duma - mit einer Ausnahme - nur jüdische 
Korrespondenten. Die Petersburger Zeitungen gehörten fast zur Gänze dem 


Propaganda (war) die Hetzkampagne gegen die Mittelmächte zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Jetzt 
und damals ging dem Ausbruch der Massensuggestion eine langjährige stille Propagandatätigkeit 
voraus... Diese stille Bearbeitung der Presse durch die Loge und ihre Sendlinge trat bei Ausbruch 
des Krieges für die Mittelmächte in wahrhaft erschreckender Weise in Erscheinung. Durch die 
Weltpresse, die seit vielen Jahren im Sinne der allgemeinen Richtlinien des Northcliffschen 
Programms unter Mitwirkung der Internationalen Maurerei und Aufwendung riesenhafter 
Bestechungsgelder für die Interessen der Entente gewonnen war, wurde die öffentliche Meinung 
der ganzen Welt nicht bloß im Sinne der Entente einseitig bearbeitet, sondern geradezu vergiftet. “ 
Die Großmeisterschaft Lord Ampthills über die United Grand Lodge belegt ferner die „Neue 
Solidarität“ vom 3.4.1996 

541 „Kyffhäuser-Taschenbuch“ 1913, Seite 289f. und 366ff. 

54 " Sil-Vara, „Männer und Völker“ (Englische Staatsmänner), 1917, Ullstein-Verlag, S. 238ff 

543 Sil-Vara, a.a.O., Seite 243 mit Bezug auf: Carl Bücher, „Unsere Sache und die Tagespresse“, 
Tübingen 1915 

544 Siehe unter anderem Karl Heises Entente-Freimaurerei (a.a.O., S. 19) 



247 


auserwählten Volk: „Retsch“ („Die Rede) - Hessen und Winawer. „Birschewyja 
Wjedemosti“ („Börsennachrichten“) - Propper. „Djen“ („Der Tag“) - Kogan und 
Bickermann. „Kopejka“ („Die Kopeke“) - Gorodetzky. Alle illustrierten Zeitschriften 
gehörten Kornfeld. Israeliten gaben das „Satirikon“ und alle humoristischen Blätter 
heraus. Hebräer führten die Herrschaft in der „Wetschemeje Wremja“ („Abendzeit“) 
des Boris Suworin. Mosessöhne dirigierten die Kioske, Verkaufsstände und 
Zeitungsgenossenschaften, leiteten den Anzeigenmarkt der Zeitungen, die Reklame 
und die Telegraphenagenturen. 

Es ist keineswegs übertrieben, wenn man feststellt, daß die maßgeblichen 
Massenmedien der alten Welt komplett in den Händen zweier Gruppierungen lagen, 
die zahlenmäßig in allen Ländern eine verschwindende Minderheit darstellten. So als 
ob sich heute Muslime und Scientologen den europäischen Zeitungsmarkt teilen 
würden, so war das bei den Juden und Freimaurern (seit) Anfang des 20. 
Jahrhunderts tatsächlich der Fall. Ausgerechnet jene beiden Gemeinschaften, in deren 
Reihen einflußreiche Fraktionen einen Weltkrieg planten, kauften und mauschelten, 
um anschließend zu hetzen, was das Zeug hielt! Wer mag da noch an einen Zufall 
glauben... Als es dann schließlich gelungen war die europäischen Völker zu vergiften 
und gegeneinander auf die Schlachtfelder zu hetzen, resümierte Northcliffe, der als 
Leiter der antideutschen Propaganda in England fungiert hatte, selbstgefällig: „52 
englische, russische, französische und italienische Zeitungen haben den Krieg 
zustande gebracht.“ 545 


Ein gekaufter König und die „Einkreisung“ 

Die zweifelhafte Ehre, die Welt in den Abgrund gestürzt zu haben, kann allerdings 
nicht allein dem alliierten Zeitungswesen zugeschrieben werden. Ganz ohne Zweifel 
schuf dieses die entsprechende Stimmung. Unleugbar bereitete die Journaille die 
Völker durch ihren Pressefeldzug auf den heißen Krieg vor. Und viele, viel zu viele 
Medienleute taten das ganz bewußt. Trotzdem aber hatte der zionistisch¬ 
freimaurerische Blätterwald auf die völlig gleichgestimmte Politik nur indirekten 
Einfluß; die Anti-Deutschland-Kampagne spiegelte nur Entscheidungsprozesse 
wieder, die auf einer anderen Ebene abliefen und die nicht nünder tödlich waren. Die 
Rede ist von der militärstrategischen Kriegsvorbereitung, die - wie bei einer 
Bärenjagd - mit der Einkreisung des Opfers begann. 

Daß dieser wichtige Schritt auf dem Weg in die Katastrophe erfolgreich war, konnte 
sich mit dem 1901 zur Macht gelangten englischen König Edward VII. ein Mann 
zugute halten, der vermutlich wie kein zweiter den Einfluß von Judentum und Loge 
in sich vereinte. 


545 


Das Zentrums-Blatt Germania vom 23. 2. 1915 



248 


Allein des Monarchen Mitgliedschaften in verschiedensten freimaurerischen 
Organisationen sind kaum zu zählen. Seine Aufnahme in die Freimaurerei erfolgte 
1868 zu Stockholm, als der Prince of Wales 27 Jahre alt war. König Karl XV. von 
Schweden war sein „Hierophant“. Schon im zweiten Jahre seiner „Bruderschaft“ 
bekleidete Edward 1869 den Platz des ,Alt-Großmeisters“ (Past Grand Master), am 
18. April 1875 wurde er wirklicher Großmeister der „Vereinigten Großloge von 
England“. Ebensolange war er Patron der irischen Großloge und „Grand Zerubabel“ 
(Groß-Prinzipal) des Großkapitels der Royal-Arch-Maurer. Im weiteren amtierte der 
König noch als Großmeister der „Königlichen Archenschiffer“ („Royal Ark 
Mariner“), die sich mit dem Mysterium der Errettung Noahs befassen. Damit war 
Edward VII. Großmeister von 33 freimaurerischen Weltorganisationen. Zum 
Großmeister machten ihn 1886 auch die „Mark Master Masons“. Endlich stand 
seine Majestät als lebenslänglicher Meister der „Household-Brigade und der 
Navyloge“ in London vor, war Präsident der drei großen maurerischen 
Wohltätigkeitsanstalten in England und noch Großpatron der „Königlichen 
Freimaurer-Mädchenschule“ und der „Königlichen Freimaurer-Knabenschule“ in 
London. Fürwahr, das Londoner Logenblatt „The Freemason“ konnte auf der Höhe 
des ersten Weltkrieges mit Recht sagen: „König Edward war der größte Freimaurer 
der modernen Zeiten.“ 546 

Ebenso wohlbegründet hätte man den englischem Monarchen aber auch als den 
größten blaublütigen Judennassauer aller Zeiten bezeichnen können. Seine Majestät 
war nämlich dem süßen Leben zugetan, weshalb er ständig bei großzügig 
einspringenden Kapitalisten hebräischer Herkunft in der Schuld stand. Alle 
jüdischen Freunde des Königs gehörten den einflußreichsten Kreisen von Finanz 
und Wirtschaft an. Zu nennen wäre hier die Bankenfamilie der Sassoon, die man 
heute nur schwer in Nachschlagewerken findet, da diese Dynastie ihr 
Familienvermögen mit Opiumhandel in Fernost gemacht hatte. Der englischen 
Krone waren die Großdealer indes sehr willkommen, da sie sich bemühten ihr 
schmutziges Geschäft mit den imperialistischen Bestrebungen Englands 
abzustimmen. So wurde der in Bombay „wirkende“ Sir Albert Abdallah David 
Sasson - ein Freimaurer 547 - 18 72 zum „englischen Ritter“ geschlagen. Seine Söhne 
gab er König Eduard als Vertraute und den Rothschild-Töchtern - als Gatten - an 
die Hand; womit sich ein illustrer Kreis schloß. Denn schon auf dem Trinity 
College in Cambridge hatte sich der Monarch mit Nathaniel Meyer Rothschilds 
angefreundet. Seine größten Vertrauten waren die drei Gebrüder Rothschild, von 
denen Alfred sogar als sein Busenfreund bezeichnet wurde. 548 

Der allzumenschliche Hintergrund dieser ungleichen Partnerschaft zeigt sich in 
einem Brief Wilhelm II. an den Fürsten von Bülow, in dem er wie folgt schreibt: 


546 Vgl. Hermann Gruber, S.J., in der „Theologisch-praktischen Quartalsschrift“, 1916, Seite 671. 

Die vorherigen Angaben zu den verschiedenen Mitgliedschaften des Königs bei Karl Heise, 
„Entente-Freimaurerei und Weltkrieg“, 1920 (3. Auflage), Archiv Edition im Verlag für 

ganzheitliche Forschung und Kultur, Struckum 1991, Seite 116f. 

547 Vgl. Heise, Seite 118 
54 *Jewish YearBook, 1937, Seite 368 



249 


„Ballin erzählte mir: Kürzlich sei Werner Beit bei ihm gewesen. Er ist der größte 
Spekulant und Börsenjobber in der City, einer der Veranstalter des Burenkrieges 
und afrikanischen Minenschwindels. Er besorgt alle Spekulationen of ’His 
Majesty', der fast Teilhaber in seinen Transaktionen ist, und muß ihm, ’His 
Majesty', immerzu Haufen Geldes besorgen, da er immer mehr braucht. Man kann 
sagen 'he runs the King'.“ 549 Werner Beit war Anhänger des Jahwismus und der 
letzte Satz bedeutet zu deutsch: Erhält den König (finanziell) aus. 

Dann gab es da noch Herzls Hauptfinanzier Baron de Hirsch. Von diesem 
überliefert Count Carl Lonyay, indem er aus den Geheimarchiven des Hofes zu 
Wien zitiert, folgende Begebenheit: Der Kronprin z Rudolf von Österreich, der vor 
seinem Selbstmord zu Mayerling (1889) eine Vorsorge für eine Freundin treffen 
wollte erhielt 100.000 Gulden „von dem Bankier Baron Hirsch im Austausch für 
einen Akt der Gefälligkeit, den er im Dezember gezeigt hatte, als er den Bankier 
eingeladen hatte, um den Prince of Wales (und künftigen König Edward VII) zu 
treffen.“ Baron de Hirsch wurde von dieser Vorstellung ausgehend ein intimer 
Freund des Prince of Wales. Als Privatbankier und Finanzberater soll er ihm künftig 
wertvolle Dienste erwiesen haben. 

Hirsch war zudem ein Schwager eines Mr. Bischoffsheim, der in Fondon dem 
Finanzhaus Bischoffsheim & Goldschmidt Vorstand, einem Unternehmen, das unter 
seinen Mitgliedern wiederum einen Sir Emest Cassel führte. Sir Ernest, 1870 als 
Ernst Josef Cassel aus Köln am Rhein nach England eingewandert 550 , war vielleicht 
neben Rotschild der einflußreichste Bankier seiner Zeit und nannte ein sehr großes 
Vermögen sein eigen. Er beerbte - wie Brian Connell in einer biographischen Studie 
sagt - Hirschens Freundschaft zu dem künftigen König: „ Während (der 1896 
gestorbene) Hirsch ein guter Freund war, sollte Cassell Edwards VII's engster 
persönlicher Freund werden“. Er war in der Tat der letzte im Freundeskreis des 
Königs, der diesen am Tag seines Todes lebend sah, wobei er auf die Erhaltung 
eines königlichen Versprechens an Cassell drängte und sich zu diesem Zweck selbst 
in die entsprechende Position setzte. Mr. Connell sagt hierzu: „Die kleine 
internationale Bruderschaft in der er (Sir Ernest Cassell) vielleicht die führende 
Position übernahm, setzte sich aus Männern zusammen, die einen ihm ähnlichen 
Hintergrund hatten. Es waren Menschen, an die Cassell im Zuge seiner 
ausgedehnten Reisen selbst herangetreten war. Da war Max Warburg, Kopf eines 
großen und privaten Bankhauses in Hamburg; Edouard Noetzlin, Ehrenpräsident 
der Bank von „Paris und Holland“ in Paris; Franz Philippson in Brüssel; 
Wertheim und Gompertz in Amsterdam und - über allen - Jacob Schiff der Firma 
Kuhn, Loeb und Co. in New York. Bindungen der Rasse und des Interesses ketteten 
diese Männer aneinander. Das Netz ihrer Verbindungen zitterte bei der leisesten 


549 The Spectator, Seite 193 nach: Aldag, Peter, Der Jahwismus beherrscht England, Verlag für 
ganzheitliche Forschung und Kultur, Struckum 1989, Seite 153 

Albert Ballin, jüdischer Generaldirektor der Hamburg-Amerika-Linie war ein enger Berater 
Wilhelms II.. Der 1. Aufseher der Johannisloge „Scharnhorst zum Deutschen Glauben“, Hensel, 
nennt in dem Buch „Die Freimaurerei am Scheidewege“ Ballin als Mitglied des B’nai B’rith. 

550 „Kyffhäuser-Taschenbuch“ 1913, München, Zechner-Verlag, Seite 247ff. 



250 


Berührung. Sie hielten zwischen sich ein unglaublich akkurates Netzwerk 
ökonomischer, politischer und finanzieller Spionage der höchsten Stufe aufrecht. 
Sie konnten Unterstützung hier abziehen, zusätzlich Mittel an anderer Stelle 
anhäufen, mit Lichtgeschwindigkeit und geheim immense Summen Geldes von 
einer Ecke ihres Finanzreiches an eine andere verlagern, und die politischen 
Entscheidungen einer ganzen Menge von Staaten beeinflussen. “ 

Ob es sich nun um den B'nai B'rith-Orden oder die Alliance Israelite Universelle 
handelte... Diese jüdisch-internationale Bruderschaft, dieses Netzwerk 
ökonomischer, politischer und finanzieller Spionage unter der Präsidentschaft 
Cassels dürfte die Quintessenz der jüdischen Hilfsbereitschaft zugunsten des 
englischen Königs dargestellt haben. Oder würde man im Ernst in Erwägung 
ziehen, daß sich der Regent völlig ohne Gegenleistung aushalten lassen durfte, daß 
all die erwiesenen Großzügigkeiten ohne jede Berechnung“ zustande gekommen 
waren? 

Im Gegenteil, Edward VII. stand in der Schuld von Gönnern, die sehr wohl und 
genau wußten, was sie mit dem ganzen Segen erreichen wollten. Alle umschloß ein 
einigendes Band des Interesses, das sich eng an die jüdische Heimatbewegung 
anlehnte. Jeder der genannten Namen nimmt einen Ehrenplatz in der Ahnengalerie 
des Zionismus ein. Möglicherweise führten die Fäden aber noch weiter direkt ins 
Nervenzentrum des Geheimvatikans, denn der Monarch wurde bereits zwanzig 
Jahre vor Entstehen des Hess-Zionismus auf Israel festgelegt. Oder handelt es sich 
nur um eine beiläufige Anekdote, wenn Phineas J. Biron in der „Youngstown 
Jewish Times“ „streng vertraulich“ mitteilt, die biblische Vorsehung habe „König 
Edward mit Palästina identifiziert, als man ihn schon mit Jordan-Wasser bei der 
Taufe besprengt hatte.“ 551 Wie dem auch sei, der Regent war stets ein verläßlicher 
Bündnispartner der Jünger Mose, und Theodor Herzl konnte bei ihm immer auf ein 
offenes Ohr hoffen. 

Die historische Bedeutung Ewards VII. liegt indes darin, daß er den von Herzl bzw. 
Nordau 1903 „vorausgesehenen“ Weltkrieg vorbereiten half. Das hob seine 
Stellung von einem bloßen Begünstigten und Begünstiger des Judentums zu einer 
Trumpfkarte des Geheimvatikans. Das „Mecklenburgische Logenblatt“ schrieb 
hierzu 1919: „Die Bekenntnisse des englischen amtlichen Freimaurer-Organs: 'Die 
Größe Britanniens ist das Werk der Freimaurerei' und 'Br. König Edward VII. ist 
unser größter Freimaurer der modernen Zeiten', lassen für jeden, der die Vorgänge 
der letzten zehn Jahre verfolgt hat, die Tätigkeit der englischen Freimaurerei 
erkennen, die mit ihrem königlichen Großmeister die Vorbereitungen zum heutigen 
Weltkrieg schuf, das Netz ausspannte, in dem sich die Mittelmächte im Interesse 
Englands und der von ihm geschaffenen und geleiteten Freimaurerei fangen 
mußten... Br. Edward VII., der größte Maurer der modernen Zeiten (wob) im 
Verein mit den im politischen Leben Frankreichs maßgebenden Freimaurern 
Poincare, Delcasse, Millerand und mit gleichgesinnten Staatsmännern und 



251 


Journalisten Englands, Frankreichs und Rußlands das Einkreisungsnetz um die 
Mittelmächte und (steuerte) damit indirekt auf den Weltkrieg los... Bei den bekannt 
guten Beziehungen des Großmeisters von Frankreich zur Regierung der Republik 
und bei der geschichtlich bekannten Identität der Politik der englischen Logen mit der 
des britischen Imperiums ist die Möglichkeit gar nicht ausdenkbar, daß die leitenden 
Persönlichkeiten der verschiedenen Entente-Großoriente diese (kriegstreibenden) 
Maßnahmen ihrer Brüder nicht gekannt oder nicht gebilligt hätten, noch dazu, wo 
der Großmeister der englischen Freimaurerei die Pfähle dieser Einkreisungspolitik 
höchst persönlich in seiner königlichen Hand hielt.“ 


552 „Mecklenburgisches Logenblatt“, Nr. 24, 47. Jahrgang, 20. Juli 1919, Seite 199f. und Nr. 2, 48. 
Jahrgang, 7. September 1919, Seite 17 




253 


Es liegt ein gutes Stück Wahrheit in den Vorwürfen in 
Bezug auf die gegen die Mittelmächte gerichtete 
Einkreisung. Es ist gegenwärtig nicht mehr nötig, die 
Wahrheit zu verbergen. (Churchill am 21. 6. 1939 
gegenüber der Paris Soir) 


Alle um das deutsche Kaiserreich gelagerten Mächte 
fassen sich gegenseitig an der Hand, sie führen im 
Reigen einen ganz und gar neu-artigen Tanz auf, eine 
bisher noch nicht erlebte Tanzfigur, die Einkreisung. 
(Der Historiker und zeitweilige französische Außen¬ 
minister Gabriel Hanotaux im Jahre 1908 nach 
Herda, Seite 177) 


Kapitel 4.13 


Die Einkreisung 


Der Anfang allen Übels war selbstverschuldet. Als die Erneuerung des deutsch- 
russischen Rückversicherangsvertrags 1890 von Berlin abgelehnt wurde, wurde der 
Zar den Sirenenrufen Frankreichs gefügig. Nach einem französischen 
Flottenbesuch in Kronstadt am 23. Juli 1891 kam eine „Entente“ der beiden 
Mächte zustande, ein allgemein gehaltenes Einvernehmen über eine gemeinsame 
Außenpolitik; ferner wurde am 17. 8. 1892 eine russisch-französische 

Militärkonvention abgeschlossen und am 4. Januar 1894 von beiden Regierungen 
genehmigt. 

Einen möglichen Hintergrund dieser Annäherung von Knute und Jakobinermütze 
beschrieb der belgische Botschafter in Berlin am 25. Oktober 1893 wie folgt: „Gibt 
es einen einzigen Franzosen, der nicht die Revanche ersehnt?... Es gibt nichts 
Gemeinsames (zwischen Rußland und Frankreich) als den Haß gegen 
Deutschland.“ Über Deutschland fand der Gesandte zur gleichen Zeit nur gute 
Worte: „Deutschland muß nach innen und außen stark sein im Interesse der 
Erhaltung des Friedens, dessen hauptsächliche, wenn nicht einzige Stütze es ist.“ 553 

Trotzdem schien zunächst alles weit weniger bedrohlich, als man das aus der 
heutigen Sicht vermuten kann. Schließlich war zwischen Petersburg und Paris ein 
förmlicher Bündnisvertrag eben nicht zustande gekommen, ja der Abschluß von 
russischen Handelsverträgen mit Österreich und Deutschland milderte die 
Spannung mit diesen Reichen und beseitigte das gegenseitige Mißtrauen. Man 
überzeugte sich, daß der Zar in der Tat aufrichtig den Frieden wolle und 


553 

Hellmut Herda, „Die Schuld der Anderen“, Archiv-Edition im Verlag für ganzheitliche 
Forschung, Viöl 1995, Seite 123f. 



254 


Frankreichs Revanchegelüste eher zügele als ermutige. Alle Seiten betonten den 
friedlichen Charakter der de-facto-Allianz. 

Die Zeit der Sorglosigkeit hatte allerdings ein Ende, als mit der Inthronisierang 
Edward VII. die Stunde der „Einkreisung“ geschlagen hatte. Jetzt wurden bald 
schon die diplomatischen Bemühungen spürbar, Deutschland politisch und 
militärisch zu isolieren. Berlin war diesem Kesseltreiben hilflos ergeben. 


Italien verabschiedet sich aus dem Dreibund 

So schloß Italien mit dem französischen Außenminister Delcasse den 
Geheimvertrag vom 26. Juli 1902 ab, der Italien das Anrecht auf Tripolis zusicherte 
und es für den Fall eines deutschen Angriffskrieges gegen Frankreich zur strengsten 
Neutralität verpflichtete; dieses Abkommen wurde im November 1902 durch einen 
Briefwechsel zwischen Außenminister Prinetti und dem französischen Botschafter 
in Rom, Barrere, ergänzt. Das offiziell mit Deutschland paktierende Italien hatte 
sich damit inoffiziell aus dem Dreibund verabschiedet. 


„Herzliches Einvernehmen“ zwischen England und 
Frankreich 

Der nächste Schuß vor den Bug der deutschen Außenpolitik galt als abgefeuert, als 
Anfang April 1904 zwischen England und Frankreich die „Entente cordiale“ 
(herzliches Einvernehmen) gegründet wurde. Daß die Verständigung zustande 
gekommen war, lag vor allem an dem persönlichen Einsatz der Brüder Delcasse 
und Edward VII.. 554 

Ein beträchtlicher Teil der Absprachen wurde nicht ohne Grund lange Zeit 
geheimgehalten. So wußte bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges im angeblich 
demokratischen England niemand, daß zwischen England und Frankreich ein 
Flottenabkommen geschlossen wurde, welches eine mögliche Verpflichtung aus 
dem russisch-französischen Militärbündnis in sich schloß. Um es seinem 
Botschafter in Paris etwas leichter zu machen, schrieb der britische Außenminister 
Grey vertraulich am Vorabend der Feindseligkeiten: „Im Parlament hier würde es 
einen heftigen Streit geben, wenn ich Worte gebraucht hätte, die die Möglichkeit 
einer dem Parlament in allen diesen Jahren unbekannten Übereinkunft in sich 
schlossen, die uns zu einem europäischen Krieg verpflichtet. Aber ich übersende 
eine Abschrift der Frage und Antwort. Ich formulieren die Antwort absichtlich so, 
um nicht den Eindruck entstehen zu lassen, daß die Übereinkunft von 1904 nicht 


554 Letzterer begab sich zu Verhandlungen mit dem französischen Außenminister sogar 
persönlich nach Paris begab. 



255 


unter bestimmten Umständen so ausgelegt werden könnte, weitergehende 
Konsequenzen zu haben als ihr strenger Wortlaut.“ 555 

Die Geheimhaltung des herzlichen Einvernehmens erstreckte sich aber noch auf 
andere Gebiete. So war bis zum November 1911 in England ebensowenig bekannt, 
daß die britische Regierung für die Anerkennung ihrer Herrschaft in Ägypten 
Frankreich die Vormachtstellung in Marokko zuerkannt hatte. Dies geschah in 
Verletzung eines Abkommens über den Status Marokkos, das von allen 
interessierten Nationen unterzeichnet worden war. So kam es zur ersten 
Marokkokrise. 


Die erste Marokkokrise 

Gestützt auf die englische Rückendeckung begann die „Grande Nation“ sofort mit 
einer friedlichen Durchdringung („penetration pacifique) des Landes, durch dessen 
Besitznahme es sein großes nordafrikanisches Kolonialreich abrunden wollte. 
Gegen die damit gegebene Ausschaltung Deutschlands, das über die Mannesmann- 
Werke starke wirtschaftliche Interessen in Marokko hatte, erhob nun Berlin 
(gestützt auf die Madrider Konvention von 1880) Einspruch; als Gegenschlag 
erfolgte im Frühjahr 1905 der demonstrative Besuch Kaiser Wilhelm II. in Tanger, 
wo der Monarch in einer öffentlichen Rede die Unabhängigkeit des Sultans, die 
Souveränität des Landes und wirtschaftlich eine „offene Tür für alle“ forderte. 

Für einen Augenblick stand Europa am Rande eines Krieges, denn der französische 
Außenminister war nur zu gerne bereit, den Interessenskonflikt mit Waffengewalt 
auszutragen. Noch einmal aber wich Paris zurück. Delcasse wurde vom Kabinett 
Rouvier fallengelassen und mußte zurücktreten. Zur Lösung des Streits kam es auf 
deutsches Drängen hin von Januar bis April 1906 zur Konferenz von Algeciras. Sie 
sollte dem Reich mit Macht vor Augen führen, wie weit die Einkreisung seiner 
Gegner bereits gediehen war: Deutschland wurde bei den Unterhandlungen nur von 
Österreich-Ungarn unterstützt, während das fahnenflüchtige Italien offen die 
Ansprüche Frankreichs gegen den Dreibundgenossen vertrat. Nur mit Mühe gelang 
es Berlin, wenigstens seine grundsätzlichsten Forderungen hinsichtlich der 
Souveränität des Sultans von Marokko und der Handelsfreiheit durchzusetzen. 


Deutsche Friedens- gegen englische Kriegspolitik 

Daß es Delcasse bereits 1905 auf einen Krieg ankommen lassen wollte, lag vor 
allem an der immer antigermanischeren Haltung Englands, über deren 
Hintergründe der belgische Gesandte in Berlin, Baron von Greindl, am 18. Februar 


555 Hellmut Herda, „Die Schuld der Anderen“, Archiv-Edition im Verlag für ganzheitliche 
Forschung, Viöl 1995, Seite 135f. Bezug auf T. P. Convell-Evans, „Foreign Policy from a 
Backbench“ 



256 


1905 wie folgt berichtete: Die wahre Ursache des Hasses der Engländer gegen 
Deutschland ist die Eifersucht, hervorgerufen durch die außergewöhnlich rasche 
Entwicklung der Handelsflotte, des deutschen Handels und der deutschen Industrie. 
Dieser Haß wird fortbestehen, bis die Engländer sich mit dem Gedanken vertraut 
gemacht haben, daß der Welthandel kein Monopol ist, welches England von Rechts 
wegen zukommt. Es war klar, daß die Neuorganisierung der englischen Flotte 
gegen Deutschland gerichtet war. “ 

Der Schlußsatz des Botschafters zeigt, daß die wirtschaftliche Konkurrenz zwischen 
London und Berlin bereits militärischen Charakter anzunehmen begann. Was der 
Baron hier meint ist die Tatsache, daß Großbritannien sofort nach Abschluß der 
Entente Cordiale den Schwerpunkt seiner Flotte aus dem Mittelmeer in die Nordsee 
verlagerte. Gleichzeitig schuf es den ersten sogenannten „Dreadnought“, einen 
vergrößerten Linienschiffstyp. Diese Maßnahmen sind auf keinen Fall als leere 
Gesten, als bloßes Muskelspiel zu deuten. Sie waren ein erster Schritt in Richtung 
auf einen Entscheidungskampf, auf den sich die Downing Street - sicher nicht ohne 
Wissen des kriegsentschlossenen französischen Außenministers - mental eingestellt 
hatte. 

Sicher, nach außen hin trug England ein friedliches Gesicht zur Schau. Rüstung, 
hieß es immer wieder, sei nicht mit böser Absicht gleichzusetzen. Erfolgreich 
wurde der Öffentlichkeit immer wieder suggeriert, daß das Land weiter vom Krieg 
entfernt sei, als je zuvor. Planungen in eine derartige Richtung gebe es nicht. Viele 
Seiten schenkten dem Glauben, so auch der amerikanische Diplomat Elenry White, 
der in diesen scheinbar friedvollen Tagen des Jahres 1905 eine Sondermission 
auszuführen hatte. Mit Blick auf die anstehende 2. Haager Friedenskonferenz hatte 
ihn US-Präsident Roosevelt von Brüssel nach London beordert, um den englischen 
Premierminister Lord Balfour zu treffen und mit diesem sicherzustellen, daß die 
anstehende Konferenz ein Erfolg werde. Dabei entspann sich unter anderem 
folgendes Gespräch: 

Balfour: Wir sind wahrscheinlich töricht, daß wir keinen Grund finden, 
Deutschland den Krieg zu erklären, ehe es zu viele Schiffe baut und uns unseren 
Handel nimmt. 

White: Sie sind im privaten Leben ein hochherziger Mensch. Wie ist es möglich, 
daß Sie etwas politisch so Unmoralisches erwägen können, wie einen Krieg gegen 
eine harmlose Nation zu provozieren, die ein ebenso gutes Recht auf eine Flotte 
hat, wie Sie ? Wenn Sie mit dem deutschen Handel konkurrieren wollen, so arbeiten 
Sie härter! 

Balfour: Das würde bedeuten, daß wir unseren Lebensstandard senken müßten. 
Vielleicht wäre ein Krieg einfacher für uns. 

White: Ich bin erschrocken, daß gerade Sie solche Prinzipien auf stellen können. 



257 


Balfour: Ist das eine Frage von Recht und Unrecht? Vielleicht ist das nur eine 
Frage der Erhaltung unserer Vorherrschaft! 556 

Um dies zu wiederholen. Hier sprach kein subalterner Beamter für sein Land, 
sondern mit dem Premierminister der mächtigste Mann, der erste Politiker 
Englands. 

Hören wir zu diesem Zusammenhang noch einmal den belgischen Gesandten Baron 
Greindl, der am 27. Oktober 1905 nach Brüssel berichtete: „Deutschland ist 
gegenüber jedem Angriff ebenso verwundbar, wie England sicher davor ist, und 
wenn England Deutschland angreifen sollte, bloß um einen Rivalen auszuschalten, 
würde dies durchaus mit alten Präzedenzfällen in Einklang stehen. Nacheinander 
vernichtete England die holländische Flotte mit Unterstützung Ludwigs XIV., dann 
die französische Flotte, und die dänische Flotte zerstörte es sogar in Friedenszeiten 
ohne irgend eine Herausforderung, einfach deshalb, weil sie eine See Streitkraft und 
bestimmten Umfang verkörperte. Es gibt keine echten Gründe für einen Krieg 
zwischen Deutschland und England. Der englische Haß gegen Deutschland entsteht 
allein aus dem Neid über Deutschlands Fortschritt in der Schiffahrt, im Handel und 
in der Fabrikation.“ Daß ein britischer Marineschlag erfolgreich gewesen wäre, 
darüber gab es kaum einen Zweifel. John Fisher, Chef der britischen Admiralität, 
versicherte jedenfalls im Dezember 1905 seinen Vorgesetzten, daß die Kanalflotte 
allein stark genug sei, die gesamte deutsche Flotte zu zerschlagen. 557 

Glücklicherweise sah sich das konservative Balfour-Kabinett zur gleichen Zeit aus 
innenpolitischen Gründen zum Rücktritt gezwungen. Andererseits setzte die neue 
liberale Regierung unter ihrem Außenminister Sir Edward Grey die alte 
Außenpolitik fort. Das war nicht zuletzt dem britischen König zu danken, der 
höchstpersönlich dafür sorgte, daß das englische Staatsschiff weiter auf 
Konfliktkurs blieb. Als Edward VII. im März 1906 Paris besuchte, lud er den 
diskreditierten Ex-Minister Delcasse, einen Befürworter eines Krieges mit 
Deutschland, demonstrativ zum Frühstück. Über dieses Geschehen schrieb der 
belgische Botschafter in Paris: „Die Franzosen fühlen, daß sie gegen ihren Willen in 
den Wirkungsbereich der englischen Politik hineingezogen werden, eine Politik, 
deren Folge sie fürchten und... die sie durch die Absetzung M. Delcassees 
verworfen hatten... Kurzum, das Volk fürchtet, daß dies ein Zeichen dafür ist, daß 
England die Situation derart vergiften will, daß ein Krieg unausweichlich wird.“ 558 

Während sich die in Bezug auf den deutschen Nachbarn Niederlage-erfahrenen 
Franzosen noch fürchteten, sah die Lage in Großbritannien derweil schon anders 
aus. Der belgische Gesandte in London, Graf Lalaing, drahtete am 23. Juni 1906 in 
seine Heimat: „Deutschland ist der große kommerzielle, militärische und in der 


556 Wedemeyer, Albert (US-General), Der verwaltete Krieg, Gütersloh 1958, S.25. sowie Nevins, 
Allan, „Henry White, Thirty Years of American Diplomacy“, Seite 257 

557 

Hellmut Herda, „Die Schuld der Anderen“, Archiv-Edition im Verlag für ganzheitliche 
Forschung, Viöl 1995, Seite 138 

558 Nock, Albert Jay, „The Myth of A Guilty Nation“, Seite 69 



258 


Zukunft vielleicht auch maritime Nebenbuhler; daraufhin glaubt jeder gute 
(englische - der Verf.) Bürger verpflichtet zu sein, dieses Land zu hassen. Er sagt 
sich, daß es für den Augenblick das einzige Land ist, von dem er seit der 
Schwächung Rußlands und der Entente mit Frankreich etwas zu fürchten hat.“ 559 

Wie der britische Durchschnittsbürger zu diesem Schluß kommt kann man sich mit 
Rückbesinnung auf die Machtlage in der britischen Presse leicht denken. Völlig in 
diesem Sinne hatte der belgische Gesandte in Berlin auch wenige Wochen zuvor, 
am 16. Mai 1906, seiner Regierung berichtet: „Unter den Mitteln, die der Isolierung 
Deutschlands dienen sollen, ist eines der meist verwendeten und eines der 
wirksamsten der Feldzug der Presse.“ Zum Wahrheitsgehalt der halbamtlichen 
Volksverhetzung fährt er dann fort: „Seit Jahren unterstellt man Deutschland 
systematisch machiavellistische Machenschaften, die es niemals unternommen hat 
und ehrgeizige Pläne, an die es niemals gedacht hat. Durch die Wiederholung dieser 
Falschheiten hat man es fertig gebracht, die deutsche Politik als eine Bedrohung der 
europäischen Ruhe anzusehen und vergißt, daß sie uns 35 Jahre des Friedens 
geschaffen hat, und daß die Gefahr nicht von Deutschland kommt, das mit seinem 
Besitz zufrieden ist, sondern von den Mächten, die bestrebt sind, die europäische 
Karte zu ändern.“ 560 

In der Tat ließ Berlin von 1904 bis 1907 die verlockende Möglichkeit eines 
Blitzeinfalls in Frankreich vorübergehen, obwohl Rußland damals von inneren 
Unruhen und der Niederlage gegen Japan bedrängt war. Ganz im Gegenteil war das 
Reich sogar noch auf dem Höhepunkt der russischen Schwächung um Annäherung 
und friedlichen Ausgleich bemüht. Als Frucht dieser Politik hatten Kaiser Wilhelm 
II. und Zar Nikolaus II. im Juli 1905 auf der finnischen Insel Björkö eine 
Zusammenkunft, die zum Abschluß eines Beistands- und Schutzbündnis führte. 
Deutschland beabsichtigte, auch Frankreich in das Bündnis miteinzubeziehen, was 
nicht gelang. 


Die Entente Cordiale zwischen Großbritannien und 
Rußland 

Daß die zur Vernunft mahnenden Schritte Berlins nicht zum Ziel führten, lag vor 
allem an einem ständigen Störfeuer, das den Kontinent von der britischen Insel 
erreichte. Am 24. Mai 1907 meldete der belgische Botschafter in London seiner 
Regierung: „Es ist klar, daß das amtliche England im stillen eine deutschfeindliche 
Politik befolgt, die auf eine Isolierung Deutschlands abzielt, und daß der König 
Edward es nicht verschmäht hat, seinen persönlichen Einfluß in den Dienst dieser 


559 Neumann-Frohnau,Dr., Die Zerschmetterung Deutschlands, 1915, S.l f. 

560 Hellmut Herda, „Die Schuld der Anderen“, Archiv-Edition im Verlag für ganzheitliche 
Forschung, Viöl 1995, Seite 38 



259 


Idee zu stellen; aber es ist sicher sehr gefährlich, die öffentliche Meinung in so 
offenkundiger Weise zu vergiften.“ 561 

Nur Wochen nach diesen Worten vereinbarten die ehemaligen Kriegsgegner 
Rußland und Japan auf englische Vermittlung hin eine Konvention, die alle 
staatlichen Differenzen aus dem Weg räumte. Solcherart aus der 
Zweifrontenbedrohung entlassen, erklärte Petersburg daraufhin umgehend den Pakt 
von Björkö 1907 als gegenstandslos und bereits im August des Jahres ergriff das 
Zarenreich die ausgestreckte Hand Englands. Im Vertrag von Petersburg teilten 
beide Mächte das unabhängige Persien in eine englische und eine russische 
Interessensphäre auf und beseitigten ihre Reibungsflächen in Zentralasien. Beim 
Besuch des englischen Königs Edward VII. beim russischen Zaren Nikolaus II. in 
Reval im Juni 1908 wurde dieses Abkommen zur „Tripel-Entente“. 

Deutschland war damit im Kriegsfälle von drei Mächten bedroht, die aus 
wirtschaftlichen (Großbritannien) und territorialen Gründen (Frankreich und 
Rußland) nur eines wünschten: Die Vernichtung des Deutschen Reichs. 

Der nachmalige englische Premierminister Lloyd George schilderte wenige 
Wochen später, am 28. Juli 1908, die militärische Ohnmachtslage des Reiches 
vortrefflich mit folgenden Worten: „Hier sehen Sie Deutschland in der Mitte 
Europas, auf den Flanken Frankreich und Rußland mit Armeen, die größer sind 
als seine eigenen. Ich möchte unsere Freunde, die da meinen, daß Deutschland, 
weil es Furcht vor uns hat, auch wirklich Unheil gegen uns brütet, daran erinnern, 
daß dieses Land ängstlich ist aus Gründen, die unter gleichen Verhältnissen auch 
uns Furcht einjagen müßten.“ 562 Und weiter: „Die deutsche Armee ist eine 
Lebensnotwendigkeit nicht nur für das Reich, sondern auch für die Existenz und 
Unabhängigkeit der Nation, da Deutschland von zwei Staaten flankiert wird, 
deren jede fast ebenso starke Armeen unterhält. Das Land wurde so oft von seinen 
Feinden besetzt, überrannt und zerstört, daß es sich keinen neuen, ähnlichen 
Gefahren aussetzen darf. Wir dürfen auch nicht vergessen, daß während wir eine 
Überlegenheit von 60% über die Streitkräfte Deutschlands fordern, Deutschland 
selbst in militärischer Hinsicht nicht einmal Frankreich gegenüber eine solche 
Überlegenheit besitzt, und außerdem hat es auch mit Rußland zu rechnen. 
Deutschland aber macht keinen Anspruch auf einen Zweimächte-Status. “ 563 


Lord Fisher's Kriegsplan 

Wie real und akut die Gefahr seitens der Alliierten wirklich war, zeigt ein weiterer 
Kriegsplan Englands, der über Jahrzehnte geheimgehalten wurde. Admiral John A. 

561 Hellmut Herda, a.a.O., Seite 124 

562 

Berliner Monatshefte für internationale Aufklärung, (a.a.O.), Februar 1931, S. 111. Das Zitat 
Lloyd Georges stammt vom 28. August 1908. 

Alfred Bornhardt, „Das Janusgesicht der deutschen Sozialdemokratie“, Stuttgart 1953, Seite 34 



260 


Fisher, Oberbefehlshaber der englischen Flotte unter König Eduard VII, enthüllte 
ihn lange nach dem Krieg in seinen Memoiren. Danach plante der erste Seelord 
Britanniens, die deutsche Flotte ohne Kriegserklärung plötzlich zu überfallen und in 
Pommern zu landen. Im März 1908 vertrat Fisher dem König gegenüber die 
Ansicht;“... daß wir mit absoluter Sicherheit Deutschland bekämpfen müssen und 
daher die deutsche Flotte in Kiel ä la Nelson Kopenhagen 564 sollten. Es schien mir 
als kluger Akt von Englands Seite, die deutsche Flotte zu beschlagnahmen, wie 
dies so leicht ohne Blutvergießen in der von mir Seiner Majestät vorgeschlagenen 
Weise zu bewerkstelligen war. “ 565 

Daß derartige Vorhaben nicht zur Ausführung gelangten, hatte vor allen Dingen 
drei Gründe. Erstens hatten die Haager Friedenskonferenzen dieser Jahre dem 
Krieg eine juristische Gesetzgebung gegeben, die - von allen maßgeblichen 
Mächten akzeptiert - über Recht und Unrecht des Schlachtengetümmels bestimmte. 
Gerade die sogenannten „demokratischen“ Nationen mußten sich an solche 
„Spielregeln“ gebunden fühlen, zumal wenn sie - wie das der Fall war - zweitens 
nach dem zu erwartenden Sieg mit dem Unterlegenen abzurechnen trachteten. Wie 
später nach dem Zweiten Weltkrieg planten die Alliierten dem Kaiser und der 
Generalität ein Militärtribunal zu bereiten, um nach deren Schuldspruch die 
streitenden Nationen „gerecht“ auf Kosten Deutschlands zu entschädigen. 566 
Drittens und letztens war es durch die zunehmende Liberalisierung des politischen 
Lebens mehr als früher nötig geworden, die Völker über die Parlamente bei dem 
Entscheid über Krieg und Frieden einzubinden - bevor man sie auf den 
Schlachtfeldern hinmetzeln ließ. 

Deshalb gab es entgegen aller Bereitwilligkeit am Ende doch keinen 
Überraschungsfeldzug. Deshalb suchten die Alliierten und - wie wir im Folgenden 
sehen werden - an ihrer Seite leitende Freimaurerkreise nach einem geeigneten 
Kriegsvorwand, der Deutschland bzw. dessen Bündnis ins Unrecht setzen sollte. 
Ein idealer „Aufhänger“ hierfür wurde sehr rasch gefunden - auf dem Balkan. 


564 Die Rede ist von einem Konflikt, vor dem Dänemark sich aus britischer Sicht „erdreistet“ 
hatte eine starke Marine aufzubauen und mit dieser im eigenen Hoheitsgebiet Hoheitsrechte 
auszuüben. Im September 1807 erschien darauf die englische Flotte plötzlich vor Kopenhagen, 
schoß - ohne jede Kriegserklärung - Stadt und Hafen zusammen und führte 18 dänische 
Linienschiffe, 15 Fregatten usw., also die ganze dänische Kriegsflotte, als Beute nach England. 

565 Schmitthenner, Paul, Weltgeschichte vom Frankfurter Frieden bis zur Gegenwart, 1933, S. 
439 sowie Hellmut Herda, „Die Schuld der Anderen“, Archiv-Edition im Verlag für ganzheitliche 
Forschung, Viöl 1995, Seite 38 

566 Als Untersuchungskomitee hatte man dafür bezeichnenderweise ein von B’nai B’rith Brüdern 
geleitetes Unternehmen um die zionistischen Reichstagsabgeordneten Oscar Cohn, Sinzheimer 
und Gotheim vorgesehen. Entschieden werden sollte hier über Verbrechen der deutschen 
Kriegsführung, die im Laufe des Krieges die alliierte Presse füllten. So berichteten britische 
Medien, Deutschland habe Serben unter Gas setzen lassen und auch abgehackte Kinderhände 
wurden geglaubt. Nach dem Krieg stellten sich diese Vorwürfe, die sogar in geschickt 
gefälschten Bildern dokumentiert wurden, als Propagandakonstrukte heraus. 



261 


Nicht zitierte weiterführende Literatur 


Becker, Willy, „Fürst Bülow und England 1897-1909“, 1929 Kantorowicz, HL, „Der Geist der 
englischen Politik und das Gespenst der Einkreisung Deutschlands“, 1929 (Einkreisungskritisch) 




263 


Kapitel 4.14 


Der Anlaß 


Österreich annektiert Bosnien-Herzegowina 

Nach der Befreiung von der türkischen Oberhoheit im Jahre 1882 hatte die 
Auseinandersetzung darüber, ob Serbien an der Seite Österreich-Ungarns oder 
Rußlands seine Sicherheitsinteressen und Expansionswünsche wahren sollte, zum 
Wechsel der serbischen Dynastien geführt. Als Oberst Dragutin Dimitrijevic am 10. 
Juni 1903 mit einer Verschwörergruppe König Alexander I. Obrenovic und dessen 
gesamte Familie im Belgrader Königspalast ermordete 567 , war damit zugleich der 
Weg für die „russische Lösung“ freigemacht. Seitdem bestimmte eine 
konstitutionelle Monarchie unter König Peter I. Karadordevic mit der russophilen 
„Radikalen Volkspartei“ unter Nicola Pasic die Geschicke des Landes. 

Dem unter dem Schutz des Zaren stehenden serbischen Großmachtsgelüsten stellte 
sich nun auf dem Balkan die Ausbreitung des deutschen Bundesgenossen Österreich 
entgegen. Es war eine Frage der Zeit, wann diese Konkurrenten an einem Ort in 
Konflikt geraten würden. Tatsächlich passierte das schneller als erwartet, als die 
K+K Monarchie am 5. Oktober 1908 das seit 1878 besetzte Bosnien-Herzegowina 
in seinen Staatsverband eingliederte. Dieser eigentlich „nurmehr“ protokollarische 
Handstreich, der von Rosebery-Rothschild eifrig beklatscht wurde, rief in den 
imperialen Kreisen Serbiens tiefste Verbitterung hervor. Belgrad, das den Balkan 
samt seiner Randstaaten von jeher als seine Domäne betrachtet hatte, drohte mit 
Krieg. Indes zu früh, denn der russische Verbündete war infolge der Verluste im 
russisch-japanischen Krieg 1904/1905 und des darauffolgenden Umsturzversuchs 
1905 noch nicht kriegsbereit. 


Die Reaktion Rußlands 

Das heißt jedoch nicht, daß Rußland nicht schon damals gerne in den Krieg 
gezogen wäre - im Gegenteil waren die Mahner zum Frieden geradezu in der 
Minderheit. Wie General Alexander Gerassimoff, Chef des russischen 


567 

Paul Chartess, „Strategie und Technik der geheimen Kriegführung. Teil II“, Docupress, Berlin 
(West) 1987, Seite 48 



264 


Geheimdienstes Ochrana von 1905 bis 1915, später überlieferte, gab es zur Zeit der 
Annexion Bosniens und der Herzegowina in Petersburg eine sehr starke 
Kriegspartei, die den Zaren bereits zu einer Mobilmachung gegen die 
Donaumonarchie überredet hatte. Der auf Ausgleich und inneren wie äußeren 
Frieden bedachte Ministerpräsident Petr A. Stolypin konnte mit Hinweis auf die 
labile Lage im Inneren und den vorgeblich schlechten Ausrüstungszustand der 
russischen Streitkräfte Zar Nikolaus jedoch dazu bewegen, seinen Entschluß wieder 
rückgängig zu machen. 568 

Aber Stolypin, der wenig später einem jüdischen Attentäter zum Opfer fiel, war 
ein Rufer in der Wüste. Das Zarenreich - Serbien durch gemeinsame Religion und 
Kultur verbunden - sah ganz allgemein den schwelenden Konflikt als willkommene 
Gelegenheit, seine imperialistische Politik mit Serbien als Statthalter auf den 
Balkan zu tragen. Dies belegt unter anderem ein Telegramm, das der serbische 
Gesandte in St. Petersburg, Kosutitsch, am 18. Februar 1909 an das serbische 
Außenministerium sandte. In Bezug auf die Krise nach der Annexion Bosniens und 
der Herzegowina durch Österreich schrieb er, das der russische Botschafter in 
Belgrad, Gutschkow, ihm das Nichteingreifen Rußlands erklärt habe. Vordringlich 
sei in diesem Fall gewesen, daß der Bestand Rußlands nicht berührt worden sei. 
Und der serbische Diplomat fahrt fort, Gutschkow wörtlich zitierend: „Ist unsere 
Rüstung einmal vollkommen durchgeführt, dann werden wir uns mit Österreich- 
Ungarn auseinandersetzen. Beginnt jetzt keinen Krieg, denn dies wäre Euer 
Selbstmord, verschweigt Eure Absichten und bereitet Euch vor, es werden die Tage 
Eurer Freuden kommen. “ 570 


Die Reaktion der Freimaurerei 

Für dieses Lichte Ziel arbeitete auch die serbische Freimaurerei, deren Tätigkeit 
immer politisch orientiert war. So erließ 1908 der damalige serbische 
Ministerpräsident, Br. Swetomir (Swatomir) Nikolajewitsch, in seiner Eigenschaft 
als Großmeister der Belgrader Loge, an sämtliche Freimaurerlogen in Europa einen 
Aufruf, worin er diese aufforderte „den Serben in ihrem Kampf gegen Österreich 
die werktätige Unterstützung aller maurerischen Brüder zuteil werden zu lassen.“ 


568 

Alexander Gerassimoff, „Der Kampf gegen die erste russische Revolution. Erinnerungen“, 
Frauenfeld 1934, Seite 268 

569 Am 14. September 1911 wurde Stolypin im Stadttheater zu Kiew in Anwesenheit des Zaren 
von dem Hebräer Mordka Bogrow tödlich verwundet. Die Hintergründe des Mordanschlags 
dürften durchaus auf den Umstand zurückzuführen sein, daß der Ministerpräsident als 
Haupthindernis für einen russischen Feldzug gegen das Reich angesehen wurde. 

570 

Deutschland schuldig? Deutsches Weißbuch über die Verantwortlichkeit der Urheber des 
Krieges, Herausgegeben mit Genehmigung des Auswärtigen Amtes, Berlin 1919, S.l 12 
In der Zwischenzeit betrieb Petersburg Basisarbeit. Bis zum Weltkrieg unterhielt das russische 
Außenministerium aus eigenen Finanzmitteln auf österreichischem Boden - und damit auch in 
Bosnien - eine eigene Organisation, die ausschließlich den Zwecken der Spionage und der 
slawischen Propaganda diente. Siehe: Cartagena, Graf, Erinnerungen an meine Botschaftszeit in 
Rußland 1914, S.98 ff. (Cartagena war Botschafter Spaniens) 



265 


Da die Belgrader Loge eine Tochterloge der Budapester Großloge war, wandte sich 
Nikolajewitsch zunächst an die K+K-Ungarn, um die leitenden freimaurerischen 
Persönlichkeiten dort für Serbien zu gewinnen. Danach begab er sich in gleicher 

S71 

Mission nach Rom und Paris. 

In unmittelbarer Folge des ministerpräsidentiellen Aufrufs gründeten sich in Serbien 
verschiedene politische Geheimbünde. Sie erstrebten Österreich-Ungarn zu 
schwächen, Bosnien und die Herzegowina zurückzugewinnen und alle Serben in 
einem Großserbien zu vereinigen. Die Beziehung dieser Gruppen zur Freimaurerei 
war teilweise so eng, daß es schwer fällt beide Parteien exakt voneinander zu 
trennen. Ein anschauliches Beispiel hierfür bieten gerade jene beiden 
Organisationen, die Jahre später in den wohl folgenschwersten Mord der Geschichte 
- jenen an dem österreichischen Thronfolger - verwickelt waren. 

Beginnen wir mit der Schwarzen Hand“ 572 , die am 9. Mai 1909 von Voja Tankosic 
gegründet und maßgeblich von dessen attentatserfahrenen serbischen Offiziers¬ 
kollegen Oberst Dragutin „Apis“ Dimitrijewic geleitet wurde. Es handelte sich um 
eine quasi-freimaurerische Verbindung, was schon die der Maurerei entlehnten 
Aufnahmeritualien verdeutlichten. Doch die Freimaurerbezüge zeigen sich nicht 
nur im äußeren Erscheinungsbild - sie bestanden auch im organisatorischen 
Rahmen. Als Österreich im Herbst 1915 durch das Generalkommando in Belgrad 
Nachforschungen über das Wesen der „Schwarzen Hand“ anstellen ließ, wurden 
Schriften beschlagnahmt, aus denen zweifelsfrei hervorging „daß die örtlichen 
Ausschüsse der Schwarzen Hand Geheimabteilungen hatten, von denen mehrere, 
insbesondere aber deren Abteilungen für Äußeres, mit der Belgrader Freimaurer¬ 
loge 'Probratim' in enger Fühlung standen und von dieser sowie ihrem Obmann, 
dem Minister a. D. und Universitätsprofessor Swetomir Nikolaijewitsch Aufträge 
erhielten. “ 574 Und der ehemalige Minister Nikolaijewitsch war nun wieder 
derselbe Hochgradbruder, der alle Freimaurer Europas aufgefordert hatte, die 
Serben in ihrem Kampf gegen Österreich zu unterstützen. 

Die „Schwarze Hand“ unterhielt seit 1911 eine immer enger werdende 
Arbeitsgemeinschaft mit einer zweiten wichtigen Gruppe zur Bekämpfung 
Österreichs, der „Narodna Odbrana“. 575 Dieser Geheimbund wurde unmittelbar 
nach dem Nikolajewitsch-Aufruf noch im Herbst 1908 gegründet. Zu seinem 
Führungskader gehörten die beiden Freimaurer Ciganovic und - einmal mehr - 
Tancosic. Beide Männer gehörten 1914 zum engsten Attentäterkreis beim 
Anschlag auf Franz Ferdinand von Österreich. Was darüber hinaus ins Auge 


571 Vaterland, Wien, 29. Oktober 1908 

51 ~ Serbisch erna Ruka, auch Vereinigung oder Tod (Ujedinjenje Ui smrt) genannt 

572 

Dieser wird behandelt von Br. Eugen Lennhoff, Politische Geheimbünde, S. 476. Ferner 
ausführlich Gilbert, Jugoslawien einst und jetzt, 1936, S. 119 ff. 

574 Berliner Monatshefte für internationale Aufklärung, (a.a.O.), April 1928 

575 Fränkischer Kurier, 28. Juni 1928. Narodna Odbrana läßt sich etwa mit Volkswehr bzw. 
Volksverteidigung übersetzen. 



266 


springt ist die Tatsache, daß die Belgrader Loge ihre maurerischen „Arbeiten“ in ein 
und demselben Haus abhielt, in dem die Narodna Odbrana ihren Sitz hatte. 576 
Großmeister der Belgrader Loge: Der umtriebige Minister Swatomir Nikolajewic. 


576 


Latomia, 24. Oktober 1914 



267 


Kapitel 4.15 


Das freimaurerische Todesurteil 


Es wäre vermessen davon auszugehen, daß dieser ganze Belgrader Aktivismus in 
luftleerem Raum vonstatten ging, daß er ohne die Begünstigung der 
deutschfeindlichen Mächte ausgekommen sei. Wenn sich z. B. der 
kriegsentschlossene Nikolajewitsch in maurerischen Angelegenheiten extra 
persönlich nach Paris bemühte, dann dürfte er dafür auch handfeste Gründe - z. B. 
in Form einer Einladung - gehabt haben. 

Ganz offensichtlich überschauten die Brüder in Frankreich mit als erste die 
Nutzbarkeit des serbisch-österreichischen Gegensatzes. Denn 1910 war es 
ausgerechnet der vehement deutschfeindliche Groß-Orient zu Paris, der in 
Serbien eine Loge unter dem Namen „Ujedinjenje“ 577 gründete und sich damit ein 
Bindeglied zur damaligen Krisenregion Nummer Eins schuf.' Wie sehr dem 
Vorgehen dieser Loge politische Absichten zugrunde lagen zeigte sich ein Jahr 
später -1911 - als der österreichische Thronfolger Franz Ferdinand von demselben 
Grand Orient zum Tode verurteilt wurde! 579 Es war klar: Gelang es, dieses 
Attentat auf dem Pulverfaß des Balkan auszuführen, dann würde sich angesichts der 

577 

Zur Erinnerung: Die wenige Monate zuvor gegründete Schwarze Hand wurde serbisch auch 
Ujedinjenje ili smrt genannt. 

578 Am 23. Mai 1912 wurde in Belgrad der Oberste Rat von Serbien gegründet. Der Großmeister 
Br. Georg Weifert und neun andere serbische Hochgradfreimaurer erhielten vom Obersten Rat für 
Griechenland den 33. (schottischen) Grad. Weifert, einer der Gründer der serbischen Nationalbank 
war, welcher er unter anderem als Gouverneur Vorstand, war lange Zeit Großmeister der Großloge 
von Jugoslawien und Großkommandeur des Obersten Rates des Alten und Angenommenen 
Schottischen Ritus. 

Wenige Monate später (immer noch 1912), der Balkankrieg hatte bereits begonnen, fand mit dem 
Weltkongreß der Lausanner Konföderation in Washington zum ersten Mal außerhalb Europas ein 
Hochgrad-Freimaurer-Treffen statt. Die versammelten und nach dem Schottenritus orientierten 
Obersten Räte beschlossen die Aufnahme des Obersten Rates von Serbien in die Lausanner 
Konföderation. Die serbische Freimaurerei war damit als selbständige „Großmacht“ in den 
Weltbund aufgenommen. 

579 Paris Midi, 1. Januar 1914. Zitiert vom „Berner Tagblatt“ vom 28. Mai 1915. Bedeutsam ist 
diese Zeitungsmeldung insbesondere dadurch, daß sie vor den Schüssen von Sarajewo 
veröffentlicht wurde. Das Bündner Tagblatt nannte am 25. August 1923 als Jahr des Orient-Urteils 
1912. „Urteile“ dieser Art sind nicht ohne Beispiel in der Tradition der Freimaurerei und Wurden in 
der Vergangenheit auch tatsächlich vollstreckt. So war auch die Ermordung des spanischen 
Ministerpräsidenten Canalejas 1912 ein Werk der Loge, wie der deutsche Freimaurer Br. Emst 
Freymann in seinem lesenswerten Buch Auf den Pfaden der internationalen Freimaurerei 
(Ausgabe von Dr. Burman, S. 69) geschrieben hat. 



268 


damaligen Bündnislage der lokale Konflikt geradezu zwangsläufig zum Weltbrand 
ausbreiten. 

Trotzdem plante die Freimaurerei den Mord an dem Prinzregenten. Eine ganze 
Reihe von Zeitzeugen - Freunde und Gegner der Loge - belegen dies. In 
eingeweihten Kreisen sprach man über die Bluttat, Jahre bevor diese durchgeführt 
wurde. Ein sich sicher nicht grundlos hinter einem Pseudonym (Athanasius) 
verbergender Autor schrieb 1912: „Vielleicht erklärt man sich eines Tages den 
Ausspruch eines hohen Freimaurers der Schweiz in Sachen des Thronfolgers (Franz 
Ferdinand): 'Er ist ungewöhnlich hervorragend; schade, daß er verurteilt ist. Er wird 

CO A 

auf dem Wege zum Throne sterben!'“ Dasselbe berichtet eine französische 
Zeitung im September 1912 581 , demselben Monat als die Gemahlin des 
Thronfolgers, die Herzogin von Hohenberg, gewarnt wurde, daß Franz Ferdinand 
„verurteilt“ sei und auf dem Wege zum Thron sterben müsse. 582 

Ein weiterer Zeuge für ein freimaurerisches Mordkomplott ist der deutsche 
Hochgradfreimaurer Dr. Paul Köthner. Dieser machte öffentlich, daß er in den 
Jahren 1911-13 in deutschen Logen gehört hatte, daß der Erzherzog Franz 
Ferdinand beseitigt, ein Weltkrieg entfesselt und in dessen Verlauf die Throne 
gestürzt werden sollten. Es seien die ausländischen Logen, die auf dieses Ziel 
hinarbeiteten. Köthner schrieb 1925 in der Zeitschrift 'Fernstem': „Ich hatte in den 
Jahren 1911-13 - anfänglich noch gutgläubig und arglos - in den Logen anderer 
Städte und Länder Entdeckungen gemacht, die mich aufs heftigste erschütterten und 
meine ganze bisherige Auffassung von Freimaurerei über den Haufen warfen. Denn 
ich sah und hörte und erlebte, daß es neben der mir bekannten noch eine andere 
dieser todfeindlichen Freimaurerei gibt, und erhielt zufällig Beweise dafür, daß 
diese etwas Furchtbares gegen Deutschland plante. Aus unvorsichtigen verlorenen 
Bemerkungen und durch merkwürdige Umstände hatte ich den Plan der Ermordung 
des Erzherzogs Franz Ferdinand, zum Weltkrieg, zum Sturz der Throne und Altäre 
und manches, was dann bis ins Kleinste eingetroffen ist, erlauscht.“ 584 


580 Athanasius, Das Geheimnis der Bosheit, 1912, S. 14. 

Revue internationale des Societes secretes, 12./15. September 1912, S. 787f. Diese 
aufklärerische Zeitung wurde seit dem 1. Januar 1912 von dem französischen Prälaten Abbe 
Ernest Jouin herausgegeben. Ihre letzte Ausgabe erschien bei Ausbruch des Zweiten Weltkrieges. 

582 

Karl Heise, „Die Entente-Freimaurerei und der Weltkrieg“, Ernst Finckh Verlag, Basel 1919, 
Seite 75ff. 

583 

Dr. phil. Paul Köthner, Privatdozent an der Universität Berlin, war Mitglied der Großen 
Landesloge der Freimaurer von Deutschland. 

584 „Der Fernstem“, Monatsschrift des Bundes der Guten, Nr. 8, 21.Nebelung, 1925, Seite 6 (100) 
bis Seite 7 (101), zitiert bei Friedrich Hasselbacher, „Entlavte Freimaurerei“, Hochmuth, Berlin 
1938, Band II, Seite 39f. Der gleichen Zeitschrift zufolge wandte sich Köthner daraufhin bereits 
am 28. Oktober 1911 an den Großmeister der Großen Landesloge von Deutschland, Graf Dohna. 
Köthner über dieses Gespräch: „(Ich) enthüllte ihm unter vier Augen, was ich mit eigenen Ohren 
gehört, mit eigenen Augen gesehen hatte, aber er schien kein Organ dafür zu haben. Diese 
Unterredung, die einen entschiedenen Bruch mit allen Großlogen des Auslandes hätte einleiten 
müssen, endete mit der kategorischen Erklärung des Landesgroßmeisters, es gibt nur eine 
Freimaurerei. 



269 


Daß der Thronfolger spätestens 1913 gar selbst von diesem, ihm zugedachten 
Schicksal wußte, überliefert der österreichische Außenminister a.D., Graf Czernin, 
in seinen Erinnerungen: „Eine hübsche Eigenschaft des Erzherzogs“, lesen wir „war 
seine Furchtlosigkeit. Er war sich vollständig im klaren darüber, daß die Gefahr 
eines Attentats für ihn immer bestehe, und er sprach oft und vollständig ohne Pose 
über diese Eventualitäten. Von ihm erhielt ich ein Jahr vor Kriegsausbruch die 
Nachricht, daß die Freimaurer seinen Tod beschlossen hätten. Er nannte auch die 
Stadt, wo dieser Beschluß angeblich gefaßt worden sei - dies ist mir entfallen - und 
nannte die Namen verschiedener österreichischer und ungarischer Politiker, welche 
davon wissen müßten.“ 585 

Daß die „Brüder des Lichts“ nicht umgehend zur Tat schritten, dürfte darauf 
zurückgeführt werden, daß es geboten schien, zuerst die Reihen der Profanen - also 
der alliierten Staaten - lückenlos zu schließen. Der Prozeß gegen die späteren 
Attentäter sollte darüber hinaus ergeben, daß man die Ausführung des 
Meuchelmordes zunächst ausgesetzt hatte, um die Auswahl geeigneter 
Ausführender zu gewährleisten. 

Bleibt nachzutragen, daß der beschlußfassende Grand Orient in engster 
Arbeitsgemeinschaft mit der uns schon bekannten alljüdischen Weltorganisation 
„Alliance Israelite Universelle“ stand. Zwischen der obersten Leitung beider 
Organisationen bestand im weitestem Umfang Personalunion. Die Verbindung 
datiert, seitdem Isaac Adolphe Cremieux hier wie dort die Präsidentschaft innehatte 
- jener Cremieux übrigens, der am Rande des deutsch-französischen Krieges für das 
Logenurteil gegen die deutsche Führung verantwortlich zeichnete. Seit diesen 
Tagen wurde die Kooperation so eng, daß alle Freimaurer, die den 18. Grad des 
Großorients erreicht hatten, damit auch Mitglieder der Allianz werden konnten. 
Noch Jahrzehnte später konnte der christdemokratische deutsche Finanzminister 
und Vizekanzler Matthias Erzberger schreiben: „Wenn der freimaurerische 
Großorient von Paris Zusammentritt, so ist das fast gleichbedeutend mit einer 
Versammlung des Hauptvorstandes der 'Alliance Israelite'“. 586 All dies sind 
Wiederholungen, gewiß. So wie es auch nur der Erinnerung des Lesern dienen soll, 
daß die Alliance Israelite eine Kampfgemeinschaft war, die als zutiefst bibeltreu zu 
gelten hat. 


Czernin, Graf, Im Weltkriege, 2. Auflage, Ullstein & Co., Berlin und Wien 1919, S. 58 

586 

Friedrich Hasselbacher, „Entlarvte Freimaurerei“, Band I., Verlag Richard Geller, 1934, Archiv- 
Edition im Verlag für ganzheitliche Forschung und Kultur, Viöl 1992, Seite 159 




271 


Kapitel 4.16 


Die Allii erten in den Startlöchern 


Frankreich kriegssicher 

Bei aller zionistischen Unterwanderung war und blieb der Grand Orient aber 
nominell eine französische Angelegenheit. Es kommt daher nicht von ungefähr, daß 
sich der Quai d'Orsay von allen Regierungssitzen als erster merkbar auf den 
geplanten Katastrophenfahrplan der Loge einrichtete. 

Bereits am 8. September 1911 berichtete der serbische Geschäftsträger in London 
an den serbischen Ministerpräsidenten Milanowitsch: „Herr Cambon (Jules C., der 
französische Botschafter in England, der Verf.) meint, daß die jetzigen 
Verhandlungen 587 zum Abschluß gelangen werden und daß irgendeine Verstän¬ 
digung mit Deutschland erzielt werden wird... Das Resultat dieser Verständigung 
wird nur ein Aufschub des Krieges um drei bis vier Jahre sein... Sowohl Erankreich 
als auch seine Verbündeten sind der Ansicht, daß selbst um den Preis größerer 
Opfer der Krieg (mit Deutschland) auf einen entfernteren Zeitpunkt verschoben 
werden müsse, das heißt auf 1914 bis 1915. Die Notwendigkeit dieses Aufschubs 
diktiert nicht so sehr die materielle militärische Vorbereitung Frankreichs - die 
vorzüglich ist - als die Reorganisation des Oberkommandos, welche noch nicht 
durchgeführt ist.“ 588 

Dieser Kriegsdrohung inmitten eines friedlichen Europa fand ihre Unterstreichung 
als am 14. Januar 1912 Raymond Poincare Ministerpräsident und Außenminister 
der französischen Republik wurde. Poincare soll aus einer naturalisierten 

589 

polnischen Judenfamilie stammen - das mag stimmen - sicher ist, daß er Mitglied 


587 Sie betrafen die zwischen Deutschland und Frankreich strittige Frage der Stellung Marokkos. 

588 

Deutschland schuldig? Deutsches Weißbuch über die Verantwortlichkeit der Urheber des 
Krieges, Herausgegeben mit Genehmigung des Auswärtigen Amtes, Berlin 1919, S. 119 f. 

589 Evert, Hans Jürgen, Verschwiegene Zeitgeschichte, Evert-Verlag, Fischbachau, Seite 39 sowie 
Gerhard Müller, Überstaatliche Machtpolitik im 20. Jahrhundert, Verlag Hohe Warte, Pähl 1982, S. 
84. Müller beruft sich auf eine Fußnote Ludendorffs, nach der die Vorfahren Poincares aus 
Galizien stammten, der Urgroßvater unter dem Namen „Viereggl“ nach Frankreich einwanderte 
und dessen Umtaufe in den Kirchenbüchern von Dom Remy eingetragen ist. 



272 


des Grand Orient war 590 und landesweit als eingefleischter Revanchist bekannt war. 
Das hatte natürlich seine Auswirkungen auf die Außenpolitik der „Grande Nation“. 

Am 15. Februar 1912 berichtete der russische Hochgradbruder Botschafter 
Alexander Iswolski in Paris über die Stimmung in den französischen Hauptstadt: 
“Ich weiß aus ganz sicheren Quellen, daß man trotz der glücklichen Beendigung der 
Marokkokrise 591 in hiesigen militärischen Kreisen neue internationale Ver¬ 
wicklungen zum Frühling erwartet, und daß das Kriegsministerium seine 
Vorbereitungen für militärische Operationen in nächster Zukunft eifrig fortsetzt.“ 
Möglich, daß Hochgradbruder Iswolski - seines Zeichens ein fanatischer Panslawist 
- den Drahtbericht noch mit aufschlußgebenden Geheimdepeschen aus 
Logenkreisen „gewürzt“ hat. Auf jeden Fall gewann die Kriegszuversicht in seinem 
Heimatland so sehr an Boden, daß der Zar dem serbischen Kronprinzen gegenüber 
schon im März 1912 äußern konnte, „daß nunmehr die Aspirationen Serbiens 
gegenüber Österreich-Ungarn bald in Erfüllung gehen werden.“ 593 

Währenddessen begann im gleichen Frühjahr Poincare Frankreichs Gesellschaft 
von oben zu militarisieren. Der vor Jahren abgeschaffte Zapfenstreich am 
Samstagabend wurde wieder eingeführt. Auch die Pariser Frühjahrsparade stellte 
das Kriegsministerium wieder her. Seit langer Zeit wieder sah man die Truppen in 
Feldausrüstung statt in Paradeuniform, von brummenden Flugzeugen und 
lenkbaren Luftschiffen überschwebt. Wenige Wochen später, beim Nationalfest des 
14. Juli, trug ein Teil der Infanterie bereits statt des altvertrauten roten Käppis den 


590 Die Freimaurerschaft Poincares belegt unter anderem das Jahrbuch 1913/14 des Vereins 
deutscher Freimaurer. 

591 Deutschland setzte sich unter Wilhelm II. besonders stark für die Selbständigkeit der 
arabischen Länder ein und beanspruchte hinsichtlich des imperial umstrittenen Marokko ein 
Mitspracherecht im Falle einer ausländischen Interventionen. Fran kr eich und Spanien, welche 
bereits seit längerem planten, Marokko anzugreifen und sich als Kolonie unterzuordnen, setzten 
sich 1904 an einen Tisch. In dem Geheimvertrag zu Paris wurde die Teilnahme Spaniens bei 
einer „eventuellen Aufteilung“ Marokkos für den Fall vereinbart, wenn es bei einem Vorpreschen 
Fran kr eichs keine dritte Macht (gemeint war Deutschland) zu Hilfe rufe. Wenig später kam es 
zur ersten Marokkokrise, als Wilhelm II., demonstrativ die Unabhängigkeit des Landes 
unterstreichend, den marokkanischen Sultan in Tangar besuchte und sich der französische 
Außenminister Delcasse selbst auf die Gefahr eines Krieges hin gegen den deutschen Anspruch, 
über Marokko mitzuentscheiden, wandte. Die hier von Iswolski angesprochene (zweite) 
Marokkokrise entwickelte sich, als Frankreich entgegen den Bestimmungen von Algeciras im 
Mai 1911 in einem Handstreich die maro kk anische Hauptstadt Fez und Rabat militärisch 
besetzte. Deutschland entsandte daraufhin Anfang Juni demonstrativ das Kanonenboot „Panther“ 
nach Agadir {Panthersprung). Im November 1911 beendete der Marokkovertrag zwischen 
Deutschland und Frankreich die schwelende Krise zuungunsten des Reichs, das seine militärische 
Ohnmacht bereits zu diesem Zeitpunkt eingestehen mußte: Marokko fiel als „Protektorat“ an 
Frankreich, Spanien erhielt analog dem mit Paris 1904 geschlossenen Geheimabkommen einen 
schmalen Küstenstreifen und Deutschland erhielt für die Preisgabe aller Mitsprache über das 
vergewaltigte Land einen wirtschaftlich und strategisch unbedeutenden Teil französischen 
Kolonialgebiets (Neukamerun). 

592 

Stieve, Friedrich, Der diplomatische Schriftwechsel Iswolskis 1911-1914, Berlin 1926, II, 
S.42 

593 

Hellmut Herda, „Die Schuld der Anderen“, Archiv-Edition im Verlag für ganzheitliche 
Forschung, Viöl 1995, Seite 35. 



273 


Stahlhelm. Diese Maßnahmen sollten die Franzosen psychologisch auf einen neuen 
Krieg gegen Deutschland vorbereiten. 594 


Die Aufhetzung Rußlands 

Mitte August stattete Poincare seinen Antrittsbesuch in Petersburg ab. Sein 
Empfang unterschied sich in nichts von dem eines regierenden Souveräns. Der 
neue russische Außenminister Sassanow informierte Poincare, daß die 
Balkanstaaten unter russischem Patronat ein Bündnis gegen die Türkei geschlossen 
hätten. Hinter der Türkei aber stand die österreichisch-deutsche Koalition, die die 
Jungtürken mit Kruppkanonen und Offiziersmissionen versorgte... 595 Der 
eigentliche Grund dieses Besuches aber war ein Flottenabkommen zwischen 
Frankreich und Rußland, welches geheim war und das erst 1918 von der 
Sowjetregierung enthüllt wurde. 

Seitdem wurde der Westen nicht müde, Petersburg seine Geschlossenheit und 
Kriegsbereitschaft unter die Nase zu reiben. Der britische Außenminister Sir 
Edward Grey beispielsweise gab in einer Besprechung am 24. September 1912 in 
Baimoral dem russischen Außenminister Sasonow nachdrücklich zu verstehen, 
England würde nicht Zusehen, wenn Deutschland den Versuch unternehmen sollte, 
Frankreich anzugreifen, sondern alles tun, um dieses Land zu schützen. Er fügte 
noch hinzu, daß dies bereits die Ansicht Englands bei der Algeciraskonferenz von 
1906, sowie auch 1911 während der Agadir-Krise gewesen sei. 596 Auch Rußland 
könne sich auf Großbritannien verlassen. Falls Deutschland Österreich zu Hilfe 
käme, werde Großbritannien „alles“ einsetzen, um der deutschen Macht den 

597 i i i*ii 

gefährlichsten Schlag zuzufügen. Und Poincare legte noch im gleichen Monat 
nach, indem er dem russischen Außenminister die Zusicherung gab, daß Frankreich 
nicht einen Augenblick zögern werde, seine Verpflichtung gegenüber Rußland zu 


594 Entsprechende Schützenhilfe gab zur gleichen Zeit ein prominenter Logenbruder Poincares aus 
England. Der belgische Botschafter in Berlin notierte diesbezüglich am 25. Juli 1912: „Indem 
Churchill, wie er es getan hat, Deutschland als den einzigen Feind Englands bezeichnete, steigerte 
er den Revanchewunsch der Franzosen auf den Siedepunkt und zum Paroxysmus.“ Hellmut Herda, 
„Die Schuld der Anderen“, Archiv-Edition im Verlag für ganzheitliche Forschung, Viöl 1995, Seite 
124 

595 In der Zeit vom März bis Mai 1912 hatten Bulgarien und Serbien einen Pakt geschlossen, dem 
un August auch Montenegro beitrat (später auch Griechenland), in welchem die Signatarmächte 
einander ihre staatliche Unabhängigkeit und den Bestand ihrer Gebiete garantierten. In geheimen 
Zusatzprotokollen wurde Makedonien aufgeteilt und Rußland für den Fall eines türkischen oder 
österreichischen Angriffs als „Schiedsrichter“ bestellt. Im Oktober des Jahres begann der erste 
Balkankrieg durch den Angriff des Balkanbundes auf die Türkei. Frankreich konnte mit 
Genugtuung feststellen, daß es nicht nur sämtliche Siegerstaaten mit Anleihen ausgestattet hatte. 
Man entsann sich zudem, daß der serbische König den Rock der Offiziersschüler von Saint-Cyr 
getragen hatte. 

596 Hellmut Herda, „Die Schuld der Anderen“, Archiv-Edition im Verlag für ganzheitliche 
Forschung, Viöl 1995, Seite 15 

597 Ders., Seite 31 



274 


erfüllen, wenn Deutschland bei einem Streitfall auf dem Balkan Österreich helfen 
werde. 598 

Als Tage darauf der russische Großfürst Nikolai Nikolajewitsch auf den 
französischen Herbstmanöver erschien, begleitete ihn der Kriegsminister Millerand 
demonstrativ an die lothringische Grenzet" Die den Besuch abschließende 
Truppenparade in Nancy wuchs sich zu einer einzigen riesigen Demonstration 
gegen den Frankfurter Frieden aus, der den deutsch-französischen Krieg beendet 
hatte. Weit bedeutsamer aber waren gemeinsame englisch-französische Kriegs¬ 
vorbereitungen, die kein Mißverständnis mehr zuließen: die ganze französische 
Kanalflotte wurde ins Mittelmeer verlegt, die englische Mittelmeerflotte hingegen 
in die Nordsee - womit die Verteidigung der französischen Atlantikküste eindeutig 
der britischen Admiralität anvertraut war. 

Die Militärs werden sich einiges zu sagen gehabt haben - auch Dinge die noch heute 
nicht in den Geschichtsbüchern stehen. Nikolai Nikolaijewitsch, der Vertreter des 
Zarenreiches, jedenfalls hob beim Abschiedsdiner sein Glas und rief unter dem 
begeisterten Beifall französischer Offiziere: „Ich trinke auf unseren gemeinsamen 
Sieg in der Zukunft, auf Wiedersehen in Berlin, Messieurs!“ 600 Sprachs, fuhr nach 
Hause und schnitt dort als Oberbefehlshaber des Militärbezirks St. Petersburg die 
russische Militärtaktik offensiver denn je auf den künftigen Kriegsgegner zu. Eine 
während des Krieges in deutsche Hände gefallene russische Mobilmachungsorder, 
datiert auf den 12. Oktober (30. September russischen Kalenders) 1912 spricht da 
eine kaum mißzuverstehende Sprache. So heißt es in diesem amtlichen Dokument, 
das der deutsche Reichskanzler von Bethmann-Hollweg am 15. November 1916 im 
Reichstag verlas: „Allerhöchst ist befohlen, daß die Verkündung der Mobilisation 
zugleich auch die Verkündung des Krieges gegen Deutschland ist.“ 601 

Am 6. Dezember 1912 schrieb der belgische Gesandte in Petersburg an seine 
Regierung: „Die russische Armee wünscht den Krieg. Die feindliche Gesinnung 
gegen Österreich einigt alle Klassen der Nationen.“ 602 Wer sich über den 
Hintergrund dieser krankhaft-psychotischen Volksstimmung klar werden möchte, 
dem sei an dieser Stelle noch einmal anempfohlen im Kapitel „Pressefeldzug“ unter 
der Rubrik „Machtverhältnisse im russischen Medienbereich“ nachzuschlagen - 
womit wir schon beim nächsten Thema wären. 


Ders., Seite 12 

599 Poincare stammte selbst aus Lothringen. Seine Wahl zum französischen Staatsoberhaupt 
nannte Jules Duheme in der Revue de Paris am 1. November 1916 rückblickend „das Bekenntnis 
der Auferweckung der nationalen Politik Frankreichs“ und zugleich „das Bekenntnis zur 
Zurückgewinnung Elsaß-Lothringens von Deutschland durch Frankreich“. 

600 Hellmut Herda, „Die Schuld der Anderen“, Archiv-Edition im Verlag für ganzheitliche 
Forschung, Viöl 1995, Seite 23 

601 Als die Mobilisation dann 1914 tatsächlich durchgeführt wurde, ernannte der Zar den 

Großfürsten Nikolai Nikolajewitsch zum Oberbefehlshaber der russischen Streitkräfte. 

602 

Hellmut Herda, „Die Schuld der Anderen“, Archiv-Edition im Verlag für ganzheitliche 
Forschung, Viöl 1995, Seite 124 



275 


Der Kauf der französischen Oppositionspresse 

Wie dargestellt beherrschten Zionisten und Freimaurer weite Teile des 
französischen Nachrichtenwesens. Das demokratische Staatswesen erschwerte indes 
die Kontrolle des gesamten Presseapparats. Dafür gab es zu viele abzudeckende 
Parteien und Interessengruppen, unter denen sich sogar solche befanden, die sich 
einer Einvernahme offen verschlossen. Es gab klerikale Blätter, in denen 
eingeschworene Gegner der Jahwe-Freimaurerei das Wort führten. Es gab 
angesehene pazifistische Blätter, die ihr Anliegen sehr ernst nahmen und um jeden 
Preis einen europäischen Krieg abzuwenden trachteten. 

All diese Meinungsmultiplikatoren fanden sich zu einem sich ständig erweiternden 
Oppositionsbündnis zusammen, als Ministerpräsident Raymond Poincare seine 
Absicht bekanntgab, Präsident der Republik zu werden. Wie der deutsche 
Botschafter in Paris, Freiherr von Schoen, überliefert kamen, auf diese Bewerbung 
im französischen Volk „vor der Wahl des Präsidenten ernste Besorgnisse zum 
Vorschein, die sich in dem geflüsterten knappen Wort ausdrückten: ,Lui President - 
ce sera la guerre!' (Er als Präsident - das gibt den Krieg)“ 603 Deshalb bäumten sich 
noch einmal alle um den Frieden besorgten Journalisten auf. Möglicherweise wäre 
es den Tauben auch wirklich gelungen, die Nation von der Tragweite der 
anstehenden Entscheidung zu überzeugen, wenn nicht die Falken gerade noch 
rechtzeitig gegengesteuert hätten. Die Kriegsbefürworter machten dabei die 
Zeitungen, die gegen die alliierte Interventionspolitik schrieben, mundtot, indem sie 
ihr Schweigen schlicht und einfach erkauften. 604 

Wie man heute weiß, arbeiten bei diesem Putsch von oben Freimaurer und 
Zionisten Hand in Hand mit den Regierungen in Paris und Petersburg. 

Am 23. Oktober 1912 schrieb Bruder Botschafter Iswolski aus Paris dem russischen 
Außenminister, es bestehe „ absolute Notwendigkeit, weitere Geldmittel zur 
Beeinflussung der französischen Presse bereitzustellen. Da ich persönlich sehr 
wenig Erfahrung in solchen Dingen habe, besprach ich mich mit (dem 
zionistischen, der Verf) Geheimrat Raffalowitsch, der seit Jahren damit vertraut 
ist, und der folgenden Aktionsplan vorschlägt: Sofort für diesen Zweck 300.000 
Fr. bereitzustellen, und mit der Verteilung derselben Lenoir zu betrauen, der die 
früheren Verteilungen geleitet hat. Es ist von Wichtigkeit, nichts zu unternehmen, 
ohne Poincare zu befragen. Die französischen Staatsmänner haben in solchen 
Dingen eine unglaubliche Erfahrung und Gewandtheit. “ 


603 Rudolph Stratz, „Der Weltkrieg“, Verlag Scherl, Berlin 1933, Seite 18 

604 Die folgenden Ausführungen folgen den Auszügen aus dem russischen Staatsarchiv. In dem in 
Frankreich totgeschwiegenen Prozeß des „Matin“ gegen die „Humanite“, welche einen Teil der 
Briefe aus dem russischen Staatsarchiv im Januar 1924 veröffentlichte, erschien als Zeuge der 
1906-1914 in Rußland amtierende russische Ministerpräsident Kokowzev, der unter Eid die 
Echtheit der Schriftstücke bekräftigte. Charles Hartmann machte sie daraufhin noch im gleichen 
Jahr in der Berliner „Deutschen Rundschau“ publik. 



276 


Der Freimaurer Sasonow 605 beantwortete diesen Brief im günstigen Sinne (Streng 
geheim. St. Petersburg, 30. Oktober 1912) und teilte mit, daß der zionistische 
Abteilungschef Davidov beauftragt wurde, zu diesem Zweck brüderlich nach Paris 
zu reisen und persönlich alle weiteren Maßregeln zu besprechen. Davidow traf 
bereits am 29. Oktober in Paris ein, wo er nach umgehender Besprechung mit 
Poincare und Iswolski an der Seite Raffalowitsch und unter Einbindung des als 
Finanzminister amtierenden illuminierten Jahwejüngers 606 Lucien Louis Klotz zur 
Verteilung der Gelder schritt. RafFalowitsch schrieb am 12. Dezember 1912 an 
Iswolski, daß man sich der französische Verteilungsleiter Lenoir hinsichtlich der 
von St. Petersburg bereitgestellten sechsstelligen Summen „ auf Veranlassung von 
Klotz, der hierin der Wortträger Poincares ist, gegenüber den Zeitungen ,Aurore', 
,Lanterne', ,Radical‘ usw. - sowie gegenüber gewissen Direktoren von Zeitungen, 
deren Auflage zwar klein, aber von politischen Einflüsse ist, fest verpflichtet hat. “ 

Noch einmal für die etwas langsamen das kleine Einmaleins der Erfolgstory „Wie 
man eine freimaurerische Wahl gewinnt“. Es geht um die Präsidentschaft. Da gibt 
es einen Kandidaten, der aufgrund seiner kriegerischen Haltung möglicherweise 
eine Bedrohung für sein Land darstellt. Deshalb - das betreffende Land ist eine 
sogenannte Demokratie - schreibt ein großer Teil der Presse gegen diesen Mann und 
trifft damit durchaus eine Grundstimmung in der Wählerschaft. Dummerweise aber 
sind die überstaatlichen Mächte Zionismus und Freimaurerei für den Verrückten 
eingenommen, weil sie den Krieg wünschen. Damit tritt von jetzt auf gerade ein 
großer Teil der „Schreibenden Zunft“ auf die Seite des schon zum 
Ministerpräsidenten Aufgestiegenen, der seinen Steigbügelhaltern nichts anderes als 
den Krieg versprechen muß. Bleibt ein Restbestand „unverbesserlicher“ 
Journalisten, die zufälligerweise nicht für den Zionismus oder die Loge zu 
begeistern sind, bzw. die den Frieden am Ende doch zu sehr lieben. Diese 
Aufrechten könnten die Wahl des kriegerischen Schützlings doch noch gefährden. 
Also müssen sie gekauft werden. Da der Kandidat selbst nicht genügend Geld auf 
der Hand hat wendet er sich an seine „Brüder“, die die Sammelbüchse kreisen 
lassen und sogar im ebenfalls kriegsbegeisterten Ausland entsprechende Mittel 
auftreiben. Als Mittler fungieren einzig und allein die Anstifter und späteren 
Profiteure des Krieges: Zionisten und Freimaurer. Das Projekt gelingt und die 
Öffentlichkeit, die gar keinen Krieg will, sieht sich der Lichtgestalt eines 
allgegenwärtigen Mannes gegenüber, der vor Geld kaum laufen kann und dessen 
eigentlichen Hintergründe und Absichten von keiner Seite angezweifelt werden. 
Wie gut, meint der Leser, sind die Aussichten dieses Politikers? 

Festzuhalten ist, daß sich der Autor in diesem speziellen Fall in der Tat die Karriere 
Raymond Poincares zum Vorbild genommen hat. Trotzdem - und das macht die 


605 Sasonows Logenmitgliedschaft nach Generalleutnant A. Netchvolodow„L'Empereur Nicholas 
II et les Juifs“, Etienne Chiron Editeur, Paris 1924, S. 41 f. mit Bezug auf die frz.„La Franc- 
Maconnierue Demasquee, Ausgaben vom 10. und 25. Dezember 1919 

606 „Meyers Lexikon“, 8. Auflage, Bibliographisches Institut, Leipzig 1939, 6. Band, Seite 1210 
Klotz mußte im Dezember 1928 wegen Wechselfalschung seinen Senatssitz niederlegen und 
wurde dann zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. 



277 


Sache nicht gerade erträglicher - ist er bei weitem nicht der einzige „Bauer“ im 
Schachspiel des Geheimvatikans, der auf diese Art und Weise zu Ruhm und Ehre 
gelangte. Es ließe sich eine lange Liste von Namen aufmachen, bei der auch so 
schillernde Persönlichkeiten wie Leo Trotzki, Adolf Hitler und Benito Mussolini 
nicht fehlten... 607 


Poincare Präsident 

Die Präsidentschaftswahl gewann Poincare am 17. Januar. Bereits wenige Stunden 
später ersetzte er den zum Ausgleich neigenden französischen Botschafter in 
Petersburg Georges Louis durch den seinerzeit von Deutschland aus dem Amt 
gezwungenen Draufgänger Delcasse - was der belgische Gesandte in Paris mit der 
Explosion einer Bombe verglich. 608 Es war eine ebenso klare wie bewußte 
Entscheidung zum Konfliktkurs, was durch den ehemaligen französischen 
Außenminister Pichon unterstrichen wird, der am 14. Januar 1915 zu Louis sagte: 
„Wären Sie Botschafter in Petersburg geblieben, so hätten wir keinen Krieg 
bekommen. Delcasse ist am Ausbruch des Krieges mitschuldig, weil er die Russen 
unaufhörlich gegen Deutschland aufgehetzt hat.“ Wie sehr sich Iswolski über die 
Umbesetzung auf dem Botschafterposten in Petersburg freute, zeigt sein Telegramm 
an Außenamtschef Sasonow: „Ich meinerseits erlaube mir zu äußern, daß Herr 
Delcasse, dessen politische Vergangenheit Ihnen gut bekannt ist, dem Gedanken 
einer allerengsten Vereinigung zwischen Rußland und Frankreich tatsächlich ganz 
und gar ergeben ist, und als einer der einflußreichsten hiesigen Parlamentarier, falls 
die kritische Stunde kommt, eine entscheidende Rolle im Sinn der Beseitigung 
irgendwelchen Schwankens bei der Regierung spielen kann.“ 609 

Am 30. Januar 1913 meldete Iswolski nach Petersburg, und zwar, wie er 
ausdrücklich betonte, mit photographischer Treue“ über Unterredungen mit 
Poincare und anderen Männern unter anderem:„Die französische Regierung ist fest 
entschlossen, ihre Bündnisverpflichtungen uns gegenüber in vollem Umfange zu 
erfüllen und gibt vollkommen bewußt und kaltblütig die Möglichkeit zu, es könne 
sich für sie als Endergebnis der gegenwärtigen Entwicklung die Notwendigkeit 
erweisen, an einem allgemeinen Kriege teilzunehmen. Der Zeitpunkt, an dem 


f\01 

Vergleiche „Israels Geheimvatikan“, Band 3, in dem sehr ausführlich auf die überstaatliche 

Rolle von Kommunismus, Faschismus und Nationalsozialismus eingegangen wird. 

608 

Poincare hat später bestritten, an der Ernennung Delcasses beteiligt gewesen zu sein, da er zu 
dieser Zeit noch nicht offiziell in sein Amt eingeführt war. Im Gegensatz dazu steht ein Bericht 
Iswolskis vom 30. Januar 1913, in dem es heißt: „Poincare wird die Präsidentschaft endgültig erst 
m drei Wochen übernehmen. Er hält sich aber bereits täglich im Ministerium auf. Der 
Außenminister Jonnart trifft ohne sein Wissen und Einverständnis keinerlei Anordnung.“ Diese 
aufschlußreiche Ausführung finden wir bei Friedrich Hasselbacher, „Entlarvte Freimaurerei“, öand 
II, 1938 (3. Auflage), Archiv-Edition im Verlag für ganzheitliche Forschung und Kultur, Viöl 
1993, Seite 154 

609 Beide Zitate zum Botschafterwechsel bei Friedrich Hasselbacher, „Entlarvte Freimaurerei“, 
Band n, 1938 (3. Auflage), Archiv-Edition im Verlag für ganzheitliche Forschung und Kultur, Viöl 
1993, Seite 108 



278 


Frankreich genötigt sein wird, das Schwert zu ziehen, ist durch das französisch- 
russische Militärabkommen genau festgesetzt, und in dieser Beziehung sind auf 
Seiten der französischen Minister keinerlei Zweifel und Schwankungen vorhanden. 
Die Tatkraft, Entschlossenheit und Geschlossenheit des Charakters von Poincare 
bürgen dafür, daß er in seiner Eigenschaft als Präsident der Republik mit allen 
Mitteln und stündlich die französische Politik, hauptsächlich die auswärtige, 
beeinflussen wird.“ 610 

Die Präsidentschaft des charakterlich geschlossenen Großbetrügers Poincare wurde 
vom russischen Botschafter in London, Graf Benckendorff am 25. Februar 1913 
wie folgt gesehen: „Wenn ich mir die Worte des französischen Botschafters 
wiederhole und dabei die Haltung Poincares vor Augen halte, so kommt mir der 
Gedanke, der einer Überzeugung gleicht: Von allen Mächten ist Frankreich die 
einzige, die, um nicht zu sagen, daß sie den Krieg wünscht, ihn doch ohne großes 
Bedauern sehen würde.“ 611 

Die Freimaurerei war darüber natürlich beglückt. Das Organ der holländischen 
Brüder äußerte sich „in äußerst anerkennender Weise“ über den frischgebackenen 
Präsidenten der französischen Republik, „den Br. Poincare“ und rühmte „in ihm 
gerade den Freimaurer, der nun zur Freude seiner Gesinnungsgenossen auf dem 
Thron sitzt, mit ihm der freimaurerische Gedanke, mit dem sein ganzes Leben bis 
dahin in Übereinstimmung gewesen“ sei. 612 Man sollte sich als Demokrat diese 
Worte langsam auf der Zunge zergehen lassen... 


Br. Churchill datiert den Krieg 

Daß Frankreich Krieg führen würde, daß gar der Beginn der Konfrontation bereits 
zu diesem Zeitpunkt feststand, überliefert eine Aussage des britischen 
Marineministers Winston Churchill. Im Februar 1913 ließ er den Vorstand der 
traditionsreichen Cunard-Reederei wissen, daß die Stunde der Bewährung 
herannahe. Der Krieg gegen Deutschland sei sicher, spätestens im September 1914 
werde er ausbrechen. 613 Churchills überaus genaue Voraussage darf angesichts 
seiner Vita kaum überraschen: Er war einer der eifrigsten Freimaurer seiner Zeit 
und galt - obwohl selbst kein Jude von Geburt - als verläßlicher Partner des 
Zionismus. Hatte Churchill seine prophetische Gabe jenen jüdischen Kabbalisten 


610 Hasselbacher, a.a.O., Seite 113 

611 Zitate aus dem Pariser Linksblatt „Lanteme“ vom 8. Oktober 1921 

612 

Bezug der „Zwanglosen Mitteilungen des Vereins deutscher Freimaurer“ (nur für Brr. 
Freimaurer), Leipzig 1913, Nr. 19, Seite 48 auf die Maconiek Tijdsschrift, Februamummer 1913. 
Unter der Überschrift „Auch ein Br.“ bezieht sich die Freimaurerzeitschrift „Zirkel“, Jahrgang 
45, Seite 72 ebenfalls auf die Maconiek Tijdsschrift. Alle vorgenannten Ausschnitte in Friedrich 
Hasselbacher, „Entlarvte Freimaurerei“, Band II, 1938 (3. Auflage), Archiv-Edition im Verlag für 
ganzheitliche Forschung und Kultur, Viöl 1993, Seite 150f. 

613 Der Spiegel Nr. 45, 1972, S. 143 f. 



279 


zu verdanken, die bestrebt waren, die Geschichte der Menschheit an den 
Weissagungen der Bibel zu messen? 

Sollte dies so sein, dann wüßten wir auch, warum der spätere Präsident der 
zionistischen Weltorganisation Nahum Goldmann damals so euphorisch das öde 
Palästina bereiste. Im Nachwort zu seinen ersten Israel-Reiseeindrücken vom 
März/Juli 1913 empfahl der im russischen Wischnewo gebürtige und in 
Deutschland lebende Funktionär jedenfalls - trotz aller gescheiterter 
Besiedelungsprojekte und rückläufiger Einwanderungszahlen - allen Zionisten nach 
dorthin zu fahren um für eine kurze Weile lebendiger Zeuge der 

Wiederverjüngung unseres Volkes in seinem Erez-Israel zu sein.“ 


Rußland instruiert Serbien 

Während eine sanft vor sich hin schlummernde Welt den wissenden Goldmann 
belächelt haben mag schrieb am 23. 4. 1913, also nur wenige Wochen, nachdem 
Churchill das Datum des Kriegsausbruchs festgelegt hatte, der russische 
Außenminister Sasonow an den russischen Gesandten in Belgrad, v. Hartwig 
folgende interessante Zeilen: „ Serbien aber hat erst das erste Stadium seines 
historischen Weges durchlaufen, und zur Erreichung seines Zieles muß es noch 
einen furchtbaren Kampf aushalten, bei dem seine ganze Existenz in Frage gestellt 
werden kann. Serbiens verheißenes Land liegt im Gebiet des heutigen Österreich- 
Ungarn und nicht dort, wohin es jetzt strebt, und wo auf seinem Wege die 
Bulgaren stehen. Unter diesen Umständen ist es ein Lebensinteresse Serbiens, (...) 
sich in zäher und geduldiger Arbeit in den erforderlichen Grad der Bereitschaft 
für den in der Zukunft unausweichlichen Kampf zu versetzen. Die Zeit arbeitet für 
Serbien und zum Verderben seiner Feinde ... 614 

Dieser Brief führte offensichtlich umgehend zu direkten serbisch-russischen 
Gesprächen in der russischen Hauptstadt, denn nur sechs Tage später, am 29. 4. 
1913 schreibt der serbischen Gesandten in Petersburg, Popowitsch, in einem 
Telegramm an das serbische Außenministerium wörtlich: „ Wiederum sagte er 
(Außenminister Sasonow, der Verf.) mir, daß wir für die künftige Zeit arbeiten 
müssen, wenn wir viel Land von Österreich-Ungarn bekommen werden. Ich 


614 Deutschland schuldig ? Deutsches Weißbuch über die Verantwortlichkeit der Urheber des 
Krieges, Berlin 1919, S.99, Hrsg, mit Genehmigung des Auswärtigen Amtes 



280 


entgegnete ihm 615 , daß wir Bitolia den Bulgaren schenken werden 616 , wenn wir 
Bosnien und andere Länder bekommen werden 611 

Die blutige Breitenwirkung dieser Geopolitik dürfte dabei allen Beteiligten klar vor 
Augen gestanden sein. Nikola Pasic, seit der Thronbesteigung der russen¬ 
freundlichen Dynastie Karadjordjevic unbestritten der leitende Staatsmann 
Serbiens, wies daraufhin, als er im August 1913 nach Beendigung des serbisch¬ 
bulgarischen Krieges in Marienbad erklärte: „Ich hätte schon im ersten Balkankrieg, 
um auch Bosnien und Herzegowina zu erwerben, es auf den europäischen Krieg 
ankommen lassen können.“ Und im gleichen Jahre überraschte der serbische 
Dauerpremier auf der Bukarester Friedenskonferenz seinen griechischen Intimus 
Politis mit den Worten: „Die erste Partie ist gewonnen, jetzt fehlt nur noch die 
Vorbereitung für die zweite Partie gegen Österreich!“... 618 


Frankreichs dreijährige Kriegszeit 

Unter Poincare war die 'Grande Nation' derweil auf dem besten Weg, alle 
Brücken zum Frieden hinter sich abzubrechen. Dies bestätigt der belgische 
Gesandte in Paris, Baron Guillaume, der uns im Sommer 1913 einen Einblick in 
die Hochrüstung Frankreichs gibt. Als dort am 19. Juli auf Betreiben des 
talmudgebildeten Kriegsministers Alexandre Millerand 619 die dreijährige 


615 Wobei er sich offensichtlich auf den o. g. Brief bezog 

616 Popowitsch spielt hier auf Unstimmigkeiten innerhalb des zu dieser Zeit gegen die Türkei 
kriegführenden Balkanbundes an. Zwar kam es im Mai 1913 in London zu einem 
Präliminarfrieden, in dem die Türkei auf weite europäische Gebietsteile verzichten mußte. Doch 
kam es schon wenige Wochen darauf, im Juni/Juli, durch den Streit der Sieger über die 
Verteilung der makedonischen Kriegsbeute zum zweiten Balkankrieg. 

617 

Als österreichische Truppen im Dezember 1914 in Belgrad einrückten, fand Hauptmann Bela 
Illes als provisorischer Polizeichef von Belgrad im Schreibtisch des geflüchteten serbischen 
Außenministers Pasitsch eine Europakarte, die die Grenzen der Staaten folgendermaßen 
verschoben zeigte: Frankreich bis zum Rhein, die Tschechoslowakei, Großserbien in den 
Jugoslawischen Grenzen (um Albanien erweitert), Italien bis zum Brenner, Rumpfüngam, 
Großrumänien, einen Korridor zwischen Österreich und Ungarn. Auf der Pariser „Friedens“- 
Konferenz versuchte der tschechische Grand Orient - Bruder Benesch tatsächlich diese 
Verbindung mit Jugoslawien durchzusetzen. (Pauler, Ludwig, Geheimschlüssel zur Weltpolitik..., 
S. 32) 

Die Russen verteilten das Fell des noch nicht erlegten Bären jedoch nicht nur in der „Alten Welt“. 
Bereits vor den angeführten Versprechungen an Serbien war am 8. Juli 1912 ein russisch¬ 
japanischer Geheimvertrag zustande gekommen, der im Falle eines europäischen Krieges Rußland 
Rückendeckung in Asien gewährte und den Japanern den deutschen Besitz Kiautschau in China 
zusicherte. Nachdem Japan Ende August 1914 verabredungsgemäß auf alliierter Seite in den ersten 
Weltkrieg eingestiegen war, wurde ihm Kiautschau in Versailles auch prompt überschrieben. 

618 Dieter Rüggeberg, „Geheimpolitik 2“, Rüggeberg-Verlag, Wuppertal 1997, Seite 213 f. Schon 
1912 hatte Pasic öffentlich verkündet, daß das Schicksal Serbiens unzertrennlich mit dem 
Schicksal der Entente verknüpft sei. (Ebenda) 

619 Nach den „Archives Israelites“ vom 30. September 1920 war Millerands Großvater, Cahen, 
Angestellter in des Synagoge in der Straße Notre Dame de Nazareth. Das Blatt ergänzt, daß die 
Erziehung des jungen Alexandre dessen talmudtreuer Onkel Ephraim Cahen übernahm. 



281 


Militärdienstzeit angenommen wurde, schreibt der Diplomat: „Es steht nunmehr 
fest, daß in die französische Gesetzgebung Bestimmungen aufgenommen werden 
sollen, die das Land wahrscheinlich nicht lange ertragen kann. Die Lasten des neuen 
Gesetzes werden für die Bevölkerung so schwer, die Aufgaben, die es mit sich 
bringt, werden so ungeheuer sein, daß das Land bald protestieren wird, und 
Lrankreich wird sich dann vor die Lrage gestellt sehen: entweder dem zu entsagen, 
was es nicht wird ertragen können, oder in kürzester Zeit Krieg führen. Lür die, die 
das Volk in diese Lage gebracht haben, wird es eine schwere Verantwortung 


Zwei Tage nach Verabschiedung der Vorlage erfuhren die Russen aus der Leder 
ihres Lrankreichbotschafters, daß Poincare gar nichts anderes bezweckte als eben 
Krieg zu führen. Am 21. Juli 1913 schrieb Iswolski „streng geheim“ nach 
Petersburg: „Nach Einsicht des Exposes des Kriegsministers und meinem 
erläuternden Vortrage gab Herr Poincare zu, daß zu keiner Zeit die 
außergewöhnliche internationale Lage und die politischen Konstellationen den 
alliierten Zielen so günstig gewesen, wie gegenwärtig. Von dieser Unterredung 
gewann ich die Überzeugung, daß Herr Poincare in jeder Beziehung mit uns einig 
geht und den Zeitpunkt endlich für gekommen erachtet, die hundertjährigen Ziele 
unserer traditionellen Politik zu verwirklichen und damit das europäische 
Gleichgewicht durch die Rückkehr der entrissenen Provinzen Elsaß-Lothringen 
wiederherzustellen.“ Deutliche Worte, möchte man meinen. 

Poincare wäre aber nicht Poincare, wenn er nicht gleich wieder die Situation 
genutzt hätte, seinen panslawistischen Lreund um weitere Spenden zur Nieder- 
bügelung der Pazifistischen Opposition anzugehen. Und so setzt sich der Bericht 
Iswolskis nahtlos wie folgt fort: „Die größte Schwierigkeit sieht Poincare von 
seiten der Sozial-Radikalen voraus, die einem jeden Kriege, aber ganz besonders 
einem Kriege, der seinen Ursprung auf dem Balkan nimmt, abgeneigt sind. Diese 
Partei hat sehr fähige Köpfe und verfügt über eine beträchtliche Anzahl Abge¬ 
ordneter und Zeitungen. Herr Poincare glaubt mit mir, daß zur Beschwichtigung 
dieser Opposition ein sehr großes Opfer unsererseits notwendig ist. Ich wage 
kaum, den Betrag anzugeben: drei Millionen Pranken, wovon 250.000 Pranken 
allein für den 'Radicaf, Organ des Senators Perchot. Ich schlage vor, diese 
Subsidien wie früher auf Monatsraten zu verteilen, um der Willigkeit der 
Zeitungen in jedem Augenblick sicher zu sein. - Iswolski.“ Am 28. Juli antwortete 
Sasonow „strengstens geheim“ , daß die geforderte Summe durch den russischen 


620 Draeger, Hans, Anklage und Widerlegung, Taschenbuch zur Kriegsschuldfrage, Berlin etwa 
1928, S. 42. Im Juli 1914 erklärte General Pedoya, der Vorsitzende des Heeresausschusses der 
französischen Kammer: „So hatte am 1. Januar des Jahres eine Nation von weniger als 40 
Millionen (Frankreich) mehr Soldaten unter Waffen als eine Nation von 68 Millionen 
(Deutschland).“ Nicht zuletzt angesichts dieser Tatsachen erscheint es mehr als befremdlich, daß 
gerade der zionistische Kriegsankündiger Max Nordau am 1. November 1914 in der „Vossischen 
Zeitung“ des mosaischen Verlegers Georg Bernhard schreiben sollte: „Der Ausbruch des Krieges 
war für Frankreich eine furchtbare Überraschung, für die Regierung nicht minder, wie für das 
Volk; dieses hatte ihn ebenso wenig gewollt, wie jene; das muß vor den Deutschen veröffentlicht 
und vor der Geschichte feierlich bezeugt werden.“ 



282 


Ministerpräsidenten im Kabinettsrat und den Zaren genehmigt worden sei. „Herr 
Staatsrat Davidov wird zu diesem Zweck sofort nach Paris mit weitest gehenden 
Instruktionen abreisen.“ 621 


Rußland schärft die Klingen 

Dieser geballten Kriegswut stand der durch und durch um den Frieden bemühte 
deutsche Monarch hilflos gegenüber. Noch am 8. Juni 1913 hatten hochstehende 
Amerikaner wie William Howard Taft, von 1909 bis 1913 Präsident der USA, und 
dessen Vorgänger Theodore Roosevelt des deutsches Kaisers in der „New York 
Times“ gedacht und ihm verschwenderisches Lob gespendet. Für Taft war Wilhelm 
II der Welt stärkster Friedenshort, und der republikanische Vize¬ 
präsidentschaftskandidat von 1912 N. M. Butler schloß seine begeisterten Aus¬ 
führungen mit den Worten: Wenn der deutsche Kaiser nicht als Monarch geboren 
wäre, so hätte ihn jedes moderne Volk durch Volksabstimmung zum Monarchen 
oder Regierungschef gewählt.“ 622 

Doch alle Aufrichtigkeit mag einem Land nichts helfen, wenn seine Nachbarn sein 
Verderben planen. Ganz in diesem Sinne sagte im November 1913 der russische 
Außenminister Sasonow: „Die Friedensliebe des deutschen Kaisers bürgt uns dafür, 
daß wir den Zeitpunkt des Krieges selbst zu bestimmen haben werden.“ 623 Daß 
dieser Zeitpunkt immer näher rückte, dafür waren die Militärs das beste 
Stimmungsbarometer. Nahezu wöchentlich wuchs im russischen 
Verteidigungsministerium die selbstgeschürte Euphorie und das wurde gar nicht 
einmal sonderlich vor der Außenwelt geheimgehalten. Zu Neujahr 1914 
beispielsweise konnte jedermann in der führenden Militärzeitung 'Rasejedschik' 
lesen: „ Uns ist sehr wohl bekannt, daß wir uns auf einen Krieg an der Westfront, 
vornehmlich gegen die Deutschen vorbereiten. Deshalb müssen wir allen unseren 
Truppenbewegungen die Annahme zugrunde legen, daß wir gegen die Deutschen 
Krieg führen; z. B. muß immer die eine der manövrierenden Parteien die 
Deutsche' heißen. Nicht nur die Truppe, das ganze russische Volk muß an den 
Gedanken gewöhnt werden, daß wir uns zum Vernichtungskampf gegen die 
Deutschen rüsten und daß die Deutschen Staaten zerschlagen werden müssen, 
auch wenn wir dabei hunderttausende von Menschen verlieren. “ 624 


621 

Der Briefwechsel entstammt dem russischen Staatsarchiv. Zuerst veröffentlicht wurde er im 
Januar 1924 in der Pariser „Humanite“, daraufhin noch im gleichen Jahr in der Berliner 
„Deutschen Rundschau“ durch Charles Hartmann. 

622 Harry Eimer Bames, „The Genesis of the World War“, New York 1926, Seite 593ff. 

623 

Hellmut Herda, „Die Schuld der Anderen“, Archiv-Edition im Verlag für ganzheitliche 
Forschung, Viöl 1995, Seite 35 

624 

Der Weltkrieg 1914-1918. Bearbeitet im Reichsarchiv. Die militärischen Operationen zu 
Lande, 2. Bd.: Die Befreiung Ostpreußens, Berlin 1925, S. 17 sowie G. Ottmer, „Rußland und 
der Kriegsausbruch“, Berlin 1936, zitiert in H. Höhne, „Der Krieg im Dunkeln. Macht und 
Einfluß des deutschen und russischen Geheimdienstes“, München 1985, Seite 118 



283 


Die antideutsche Stimmung in Rußland erreichte im Jahre 1914 ihren Höhepunkt. 
Die Panslawisten bejubelten einen Entschluß der Regierung, das Landheer zu 
vervierfachen. Graf Babrinskij, einer ihrer Sprecher, erklärte: „Rußland bereitet sich 
zur letzten Abrechnung mit dem Germanentum vor...“ 625 Eine japanische 
Militärdelegation, die Anfang 1914 Rußland bereiste, vermerkte mit Betroffenheit 
die feindlichen Gefühle, von denen die russischen Offiziere gegen Deutschland 
erfüllt waren. 626 


Rüstungsstände 

Die Siegeszuversicht der Franzosen und Russen war nicht unbegründet. Die 
Vorbereitungen der Kriegstreiber hatten sich nämlich nicht in den geschilderten 
Einkreisungsmanövern erschöpft. Darüber hinaus hatten die späteren Alliierten 
gerüstet, was das Zeug hielt - während sie zur gleichen Zeit immer wieder mit dem 
Finger auf den angeblichen Militärstaat Preußen zeigten. Diese Propaganda, die 
heute noch nachwirkt, geht an den Tatsachen völlig vorbei. 

Weder das deutsche noch das österreichisch-ungarische Militärbudget war 
unangemessen groß. Pro Kopf gab Deutschland noch 1913 für die Verteidigung 28 
Mark aus, verglichen mit 31 Mark in Frankreich und 32 Mark in Großbritannien. 
Auch gemessen an den Gesamtausgaben der öffentlichen Hand lag Deutschland 
hinter den zukünftigen Gegnern. Gemessen am Nettosozialprodukt schließlich 
lagen Frankreich mit 4,8 Prozent und Rußland mit 5,1 Prozent weit vor 
Deutschland (3,9 Prozent), Großbritannien (3,2 Prozent) und Österreich (2 
Prozent). 627 

Aus diesen Gründen hatte die alliierten Hochrüstung bereits im Winter 1913/14 ihr 
Vorkriegsziel erreicht und Berlin rein rechnerisch an die Wand gedrückt. Als 
Landmacht konnte das Deutsche Reich lediglich qualitative Vorteile gegenüber 
seinen potentiellen Kriegsgegnern ins Feld führen. Allein an der Ostgrenze standen 
1.5 Millionen Russen bereit, um die Grenzen zu überrennen, im Westen hatten die 
Franzosen 850.000 Soldaten (bei 40 Millionen Einwohnern) aufgeboten. 
Deutschland saß mit 725.000 Soldaten (bei 66 Millionen Einwohnern) in der 
Zwickmühle, alleingelassen mit Österreich-Ungarn, das nur 450.000 Mann 
'mitbrachteh Frankreich und Rußland verfügten demnach gemeinsam über eine 
doppelt so hohe Friedensstärke ihrer stehenden Heere wie die Donaumonarchie und 


B . Harenberg/F. L. Hinz, „Chronik des 20. Jahrhunderts“, Braunschweig 1982, Seite 168 

626 E. Hölzle, „Die Selbstentmachtung Europas“, Göttingen 1975, Seite 299 

627 Angaben nach „Junge Freiheit“, Berlin, 30. April 1999, Seite 15 mit Bezug auf das Buch des 
britischen Historikers Niall Ferguson, „Der Falsche Krieg“, Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 

1999 

628 

‘ Angaben im wesentlichen nach Hellmut Herda, „Die Schuld der Anderen“, Archiv-Edition im 
Verlag für ganzheitliche Forschung, Viöl 1995, Seite 120. Paul Chartess, „Strategie und Technik 
der geheimen Kriegführung. Teil II“, Docupress, Berlin (West) 1987, Seite 42, bestätigt die Zahlen, 
beziffert aber die französischen mit 618.000 als leicht niedriger als die deutschen. 



284 


Deutschland zusammen. Soviel zum bis heute nachwirkenden Propagandabild des 
preußischen Militarismus. 


Kaum anders sah es bei den Seestreitkräften aus. Der englische 
Regierungspolitiker E. D. Morell wies in diesem Zusammenhang auf Zahlen hin, 
die das britische Kriegsministerium 1913 dem Unterhaus zur Verfügung stellte 
und die in Pfund Sterling-Beträgen die nationalen Aufwendungen für den Neubau 
von Kriegsschiffen für die Jahre 1909 bis 1914 auswiesen. Der direkte Vergleich 
zwischen England und Deutschland zeigte, daß Großbritannien ausnahmslos die 
Nase vorn hatte. 629 


England Deutschland 


1909 11.076.551 10.177.062 

1910 14.755.289 11.392.856 

1911 15.148.171 11.710.859 

1912 16.132.558 11.491.187 

1913 16.883.875 11.010.883 

1914 18.676.080 10.316.284 


Die von Großadmiral von Tirpitz gegen viele innere Widerstände aufgebaute 
Schlachtflotte hatte schließlich bei Kriegsausbruch 1914 nur die halbe Stärke der 
britischen... 630 

Da konnten auch die 1914 gemeldeten Vorkriegszahlen für den Heereshaushalt das 
Bild nicht zugunsten der Mittelmächte verschieben. Deutschland, Österreich und 
Ungarn hatten zusammen eines Heereshaushalt von 92 Millionen Pfund, dagegen 
verfügten Großbritannien, Frankreich und Rußland zusammen über einen solchen 
von 142 Millionen Pfund. 61 Ja, nicht einmal die Munitionsfrage war 1914 in 
Deutschland geregelt. Im Eisner-Prozeß wurde ein bis dahin unbekanntes 
Schriftstück des preußischen Kriegsministers von Falkenhayn vom 18. Juni 1914 
vorgelegt. Falkenhayn schreibt hier an den Reichskanzler, daß er zum 
Reichshaushalt 1915, 1916 und 1917 eine Forderung auf Erhöhung der 
Munitionsreserven einbringen werde. Es wurden für jedes Geschütz 1.200 Schuß 
gefordert und dafür 20 Millionen verlangt. Diese Summe wurde auf drei Jahre 
verteilt. Graf Montgelas sagte hierzu wörtlich: „Also im Jahre 1915-1917 stellt man 
die Munition für den seit 25 Jahren für 1914 geplanten Angriffskrieg bereit. Wir 
hatten tatsächlich weniger Munition für beide Fronten, als Frankreich für seine 


629 1 9 1 3 und 1914 wurde Deutschland sogar noch von Rußland (12.082.516) bzw. Frankreich 
(11.882.862) eingeholt. 

530 P. Chartess, „Strategie und Technik...“, Seite 42 

631 . 

Legt man dieser Betrachtung die Bevölkerungsstärke der einzelnen Staaten zugrunde, dann 
wurde im Jahre 1910 pro Kopf für Heer und Flotte ausgegeben: In England 30.99 Mark, in 
Frankreich 25.25 Mark, in Deutschland 10.17 Mark. (Alfred Bornhardt, „Das Janusgesicht der 
deutschen Sozialdemokratie“, Stuttgart 1953, Seite 34) 



285 


Front allein. So sieht die kriegslüsterne Militärverschwörung im Juli 1914 in Berlin 


Schließen wir dieses Kapitel mit folgender Feststellung ab: Selbst wenn 
Deutschland angesichts der offenkundigen Aggressionsabsichten seiner Nachbarn 
und der bündnispolitischen Isoliertheit seit 1905 ,Auf-Teufel-Komm-Raus“ gerüstet 
hätte, dürfte das niemand verwundern. Trotzdem war das nicht der Fall. Im 
Gegenteil sind die militärischen Anstrengungen der Alliierten auf den meisten 
Gebieten höher zu beziffern, was insoferne bemerkenswert ist, da diese Mächte seit 
spätestens 1908 von dem in der Falle sitzenden und umzingelten Deutschland nichts 
zu befürchten hatten. Deshalb ist der gegebene Vergleich der Aufwendungen für 
militärische Zwecke in der Tat ein guter Maßstab für die offensiven Absichten der 
Entente. 


England geht mit 

Während sich die Militärs in Manövern und die Strategen in Sandkastenspielen 
übten zerbrachen sich in London die Wirtschaftskapitäne den Kopf, wie das 
Abenteuer gegen Deutschland zu finanzieren sei. Deshalb erhielt im Januar 1914 
der leitende Beamte im britischen Schatzamt, Sir George Paish, von seinem 
Schatzkanzler David Lloyd George den Auftrag, eine Studie über die Situation der 
britischen Goldreserven zu erarbeiten. Sir George Paishs streng vertrauliches 
Memorandum (das erst 70 Jahre nach seiner Abfassung zur Veröffentlichung 
freigegeben wurde) enthüllt die Ängste, die das Denken der Finanzelite in London 
bewegten: „Ein anderer Grund, um zur Reform des Banksystems zu schreiten, liegt 
in der wachsenden wirtschaftlichen und finanziellen Kraft Deutschlands. Denn mit 
ihr wächst die Unruhe, die Goldreserven könnten vor oder mit dem Beginn eines 
größeren Konflikts zwischen den beiden Ländern geplündert werden. “ Im weiteren 
Verlauf des Memorandums warnte Paish Lloyd George davor, daß ein möglicher 
„ran“ auf die Bank von London unter den derzeitigen Umständen „ die Nation 
ernstlich daran hindern würde, Gelder aufzunehmen, um einen größeren Krieg zu 
führen. 633 

Möglich, daß aufgrund dieser Unsicherheiten England doch noch einmal bange 
wurde, daß es noch ein letztes Mal zögerte, endgültig in das kalte Wasser eines 
Weltkrieges zu springen. Sicher, man war mit der weltweit stärksten Flotte in der 
Hinterhand als Inselstaat gerüstet. Trotzdem hatten die Briten so ihre eigenen 
Vorstellungen, wie ein Feldzug zu gestalten sei. Es war bislang stets eines ihrer 
wichtigsten Anliegen gewesen, eigene Interessen durch Stellvertreter ausfechten zu 


632 

Angabe nach Hellmut Herda, „Die Schuld der Anderen“, Archiv-Edition im Verlag für 
ganzheitliche Forschung, Viöl 1995, Seite 120f. 

Paish, Sir George: Memorandum on British Gold Reserves sent to Chancellor. Januar 1914. 
Treasury, Files of British Public Record Office, T 171 53. Veröffentlicht bei F. William Engdahl, 
»Mit der Ölwaffe zur Weltmacht“, Dr. Böttiger Verlags GmbH, Wiesbaden 1993, Seite 61 f. 



286 


lassen. Das schonte die eigenen Streitmächte, hielt die Heimat aus den Wirren 
heraus und schwächte die kontinentalen Konkurrenten bis zur gegenseitigen 
Ausblutung. So war man stets gut „gefahren“. Dieser Gedanke wird der 
Hintergrund gewesen sein, den der russische Außenminister Sasanow präventiv im 
Auge hatte, als er Mitte Februar dem russischen Botschafter in England 
Benckendorff schrieb: „Ob England will oder nicht, es wird auch marschieren 
müssen.“ 634 

Freilich, rein äußerlich ließ London an seiner kriegerischen Haltung keinen Zweifel 
aufkommen. So reisten die britisch-jüdischen Brüder Buxton 634 im Februar 1914 
im Auftrag des Londoner Secret Service auf den Balkan und erklärten dort 
einzelnen Politikern und Parteien frank und frei, daß es in Kürze zu einem 
Weltkrieg kommen werde, in welchem die ganze Welt gegen Deutschland gehe. 
England werde trotz möglicher Anfangserfolge Deutschlands den Krieg gewinnen. 
Als die beiden Parlamentarier mit ihrer Propaganda auch in dem eng an das Reich 
angelehnten Bulgarien Fuß zu fassen suchten, ließ die bulgarische Regierung beide 
verhaften. Es gelang den englischen Emissären jedoch zu flüchten. Auch 
gegenüber den damals noch zur österreichischen Monarchie gehörenden Tschechen 
ließ London entsprechende Verhandlungen führen, wohl in der Absicht, um im 
künftigen Feindesland eine „Fünfte Kolonne“ zu begünstigen. 


Russland entschieden 


Kommen wir noch einmal zurück auf das zaristische Rußland, wo bekanntlich 
zum Jahreswechsel 1913/14 die Militärs in Erwartung des Krieges geradezu 
verrückt spielten. Die kaum zu bremsende Vorfreude auf das lang ersehnte 
Kräftemessen äußerte sich hier nicht nur in klar interpretierbaren Aussagen bzw. 
mehr oder weniger offenen Rüstungsanstrengungen. 

Der Chef des deutschen militärischen Nachrichtendienstes von 1912 bis 1918, 
Oberst Walter Nicolai, schrieb in seinen 1930 erschienen Erinnerungen, daß 
Rußland im Jahre 1913 den Betrag von 13 Millionen Rubel für seine 
Spionagedienste ausgab, in den ersten drei Monaten des Jahres 1914 aber allein 26 
Millionen Rubel Welch erstaunliche Beträge dies damals waren, wird klar, wenn 
man erfährt, daß die deutschen Ausgaben für Spionage und Gegenspionage im 
Jahre 1913 bei 400.000 Mark lagen, d. h. es wurden 450.000 Mark bewilligt, aber 
nur 400.000 Mark verbraucht. 636 Das dramatische Ansteigen des russischen 


634 Brief vom 19. 2. 1914 in: Russische Dokumente I, 1, Seite 274 

635 

Charles Roden Buxton: 1910-1918 liberaler Abgeordneter im Unterhaus. Gründete als 
Balkanexperte mit anderen das Balkan-Komitee. 1924 und 1929/30 Landwirtschaftsminister. 
Noel Buxton: 1905-06 und 1910-1918 liberales Mitglied des Unterhauses. Wurde als 
Balkankenner 1913 Vorsitzender der Camegiekommission zur Untersuchung der Greuel des 
Balkankrieges. 1924 Landwirtschaftsminister. 

636 Nicolai, Walter, „Forces Secretes“ (Geheime Mächte), Paris 1932, Seite 43. Der 
Umtauschkurs der Währungen war 1894 mit 1000 Mark - 308 Rubel festgesetzt worden. 



287 


Geheimdienstbudgets in den Jahren 1913/14 läßt laut Nicolai rückblickende nur den 
Schluß, daß sich Petersburg auf die ersten Offensiven vorbereitete. 

Ganz auf dieser Linie lag der Umstand, daß am 21. Februar unter dem Vorsitz des 
russischen Außenministers Sasanow eine Konferenz in Odessa stattfand, bei der die 
gewaltsame Besitzergreifung der türkischen Meerengen im Falle eines europäischen 
Krieges vorbereitet wurde. 637 

Dann rief ein Artikel der „Kölnischen Zeitung“ eine deutsch-russische Pressefehde 
hervor; er wies auf die ungeheuren russischen Rüstungen hin, die spätestens in drei 
Jahren zu einem Krieg zwischen dem Deutschen Reich und Rußland führen würden. 
Quasi als Antwort stand am 12. März 1914 in der Petersburger „Birschewija 
Wjedomosti“ („Börsennachrichten“) zu lesen: „ Wir stellen hier im Vollbewußtsein 
der Macht unseres von der ausländischen Presse beleidigten Vaterlandes fest, daß 
das Hauptziel der Landesverteidigung erreicht ist. Bisher hatte der russische 
militärische Operationsplan defensiven Charakter; heute weiß man, daß die 
russische Armee im Gegenteil eine aktive Rolle spielen wird. “ Die Hintergründe 
dieser drohenden Worte erschließen sich aus einem Bericht des deutschen 
Botschafters in St. Petersburg Friedrich von Pourtales an den Reichskanzler v. 
Bethmann-Hollweg vom 16. März 1914: „Ich halte es für richtig“, so Pourtales, 
„den Russen gegenüber den Artikel nicht Ernst zu nehmen und sich auf den 
Standpunkt zu stellen, daß er nicht vom Kriegsminister herrühren könne. In 
Wirklichkeit besteht hierüber nicht der geringste Zweifel. Von sehr gut 
unterrichteter journalistischer Seite erfahre ich, daß General Suchomlinow den 
Artikel, und zwar angeblich in einer noch schärferen Form, in dem in ganz Rußland 
viel gelesenen Blatt Rußkoje Slowo habe veröffentlichen wollen. Dieses Blatt habe 
jedoch den Artikel abgelehnt, weil er ihm zu scharf gewesen sei. Hierauf sei der 
Artikel in einer etwas abgeschwächten Form der Birschewija Wjedomosti gegeben 
worden.“ Der deutschen Armeeführung und ihren Aufklärungseinheiten kann die 
Bedeutung dieser Worte überhaupt nicht entgangen sein, denn der Kriegsminister 
ließ seiner Geste Taten folgen. Unmittelbar nach Erscheinen des Artikels rollten seit 
April bereits Truppentransporte aus Sibirien an die russische Westgrenze zum 
Aufmarsch gegen die Mittelmächte. 6 ’ 9 

Die kalten Krieger im Zarenreich müssen ihrer Sache sehr sicher gewesen sein. Das 
meint auch der russisch-demokratische Politiker W. W. Antonow. Kurz vor 
Kriegsausbruch, erinnert sich Antonow, habe er den späteren Ministerpräsidenten 
Boris Wladimirowitsch Stürmer gesprochen und dieser habe ihm bei dieser 
Gelegenheit gesagt: „Alles deutet darauf hin, daß gewisse Kreise mit dem 
Großfürsten Nikolai Nikolajewitsch (Oberbefehlshaber der russischen Streitkräfte, 
der Verf.) an der Spitze auf einen Krieg gegen Deutschland hinarbeiten. Der Ring 


637 

„Der Große Brockhaus“, Handbuch des Wissens in 20 Bänden, Verlag Brockhaus, Leipzig 
1935, 15. Auflage, 20. Band. S.165 

638 Deutschland schuldig ? Deutsches Weißbuch..., S. 182, 185 

639 Skandinavische Diplomaten haben diese Vorgänge seit April 1914 auf ihrem diplomatischen 
Dienstweg gemeldet. 



288 


ist schon fast geschlossen, es fehlt nur noch der äußere Anlaß, den man schon 
finden wird. Der Kaiser (der Zar, der Verf.) ist zu schwach, um diese Katastrophe 
zu verhindern.“ 640 


Der Mordplan 

Was Stürmer ahnte, jedoch offensichtlich nicht wußte: Der „äußere Anlaß“ war 
schon längst gefunden. Wir wissen, daß die Russen wiederholt an Belgrad 
herangetreten waren und darauf hingewiesen hatten, der Verbündete dürfe sich 
schon einmal auf eine österreichische Konkursmasse vorbereiten. Bekanntlich hatte 
Außenminister Sasonow im April 1913 dem serbischen Botschafter gegenüber von 
einem „furchtbaren Kampf gesprochen, in dem es ganz konkret um Bosnien gehe. 
Wenige Wochen zuvor hatte Winston Churchill das Datum des geplanten 
Kriegsausbruch völlig korrekt vorausgesagt. Der Marinechef mag seine Weisheit 
weniger den Sternen als seinen guten Verbindungen zur Freimaurerei verdankt 
haben, die - auch davon haben wir gehört - zuvor den österreichischen Thronfolger 
zum Tode verurteilt hatte. Ein klar denkende Mensch wird aus diesen 
Zusammenhängen kritische Schlüsse ziehen. 

Wer dazu noch nicht bereit ist, dem mag folgender Zwischenfall ein Licht aufgehen 
lassen: Am 15. März 1914 veröffentlichte das „Neue politische Volksblatt“ in 
Budapest ein Telegramm, das ihm am gleichen Tag aus London zuging und 
meldete: „...daß der serbische Kronprinz in London, wohin er eben von Petersburg 
gekommen war, in der Trunkenheit in Gesellschaft anderer Nachtschwärmer sich 
gerühmt habe, daß er eben mit Sasanow die Ermordung des österreichischen 
Erzherzogs Franz Ferdinand, wenn dieser seine beabsichtigte Reise nach Bosnien 
und der Herzegowina mache, arrangiert habe, und daß sie beide überzeugt wären, 
daß dieser Mord den Krieg zwischen Serbien und Österreich-Ungarn herbeiführen 
werde. Das Dazwischentreten Rußlands würde automatisch folgen und die 
unausbleibliche Folge würde sein, daß Deutschland seinen Verbündeten Österreich 
unterstützen werde, wie Frankreich seinen Verbündeten Rußland.“ 641 

Zwei Wochen später, am 28. März 1914, konnte der Führer der panslawistischen 
Bewegung Brancaninow (Brantschaninow) bereits in der „Nowoja Zweno“ 
triumphieren, „der britische Außenminister Sir Edward Grey habe ihm gesagt, daß 
England an dem großen Kriege teilnehmen werde. In ein paar Wochen werde der 
Weltkrieg ausbrechen. Für England bedeutet er einen erwünschten Ausweg aus den 
inneren Schwierigkeiten.“ 642 


640 W. W. Antonow, „Das Sowjetparadies. Querschnitt durch die russische Revolution“, Berlin 
(Hendriock) 1931, Seite 56. Antonow war seit 1906 Mitglied der „Konstitutionellen 
Demokraten“ 

641 G. W. Surya, „Das Übersinnliche und der Weltkrieg“, Freiburg 1921, Nachtrag Seite 65. 
Surya war Rosenkreuzer. 

642 

Heise, Karl, Die Entente-Freimaurerei und der Weltkrieg, a.a.O., S. 201 sowie Hellmut 
Herda, „Die Schuld der Anderen“, Archiv-Edition im Verlag für ganzheitliche Forschung, Viöl 



289 


Noch einmal wenige Tage darauf, im April 1914, stattete derselbe Grey an der Seite 
seines Königs Georg V. dem französischen Präsidenten Poincare in Paris einen 
offiziellen Besuch ab, um im Angesicht der geplanten Provokation die allerletzten 
Lücken in der antideutschen Einheitsfront zu schließen. Es war das erste Mal seit er 
Staatssekretär war, daß Grey die britischen Inseln verließ. Der russische Botschafter 
in Frankreich, Iswolski, wurde zu einigen Treffen des Besuchs hinzugezogen. Ziel 
der Besprechungen war es, Rußland in ein ähnliches Verhältnis 211 England zu 
bringen, wie es durch die Novemberbriefe von 1912 zwischen England und 
Frankreich festgelegt war. 643 Die Verhandlungen, die sich auch auf die englisch¬ 
russische Marinekonvention erstreckten 644 führten zu einem geheimen englisch- 
französisch-russischen Militärabkommen, das sich gegen Deutschland und 
Österreich-Ungarn richtete. 645 Berlin und Wien wurden bewußt nicht gewarnt, daß 
England sich verpflichtet hatte, in den Krieg einzutreten, sobald einer seiner 
Bündnispartner darin verwickelt würde. Vielmehr ließ die britische Regierung die 
deutsche Führung bis zuletzt im Glauben an eine mögliche britische Neutralität. 646 


In den Startlöchem 

Mit der Pariser Dreimächte-Konferenz hatte die Politik ihr letztes Wort 
gesprochen. Von nun an taten die alliierten Verschwörer nichts anderes mehr, als 
zu warten und die Waffen zu ölen. Der Hauptberater des amerikanischen 
Präsidenten Wilson, Colonel House, der in diesen Tagen Europa bereiste, faßte bei 
seiner Heimkehr im Mai 1914 seine Eindrücke in die knappen Worte zusammen: 
„Wann immer es England zuläßt, werden Frankreich und Rußland über 
Deutschland herfallen.“ 

Daß London zu diesem Schritt bereit war, zeigte sich ebenfalls im Mai. Während 
Lloyd George aus offenkundigen Gründen als einer der ganz wenigen noch 
gebremst haben mag 647 , ließ Bruder Marineminister Churchill bereits in Erwartung 


1995, Seite 36. Brancaninow war der nächste Freund des tschechischen Entente-Agenten Dr. 
Kramarz, dem Vorsitzenden des tschechischen Nationalrates, der 1918/19 zum ersten 
Ministerpräsidenten der Tschecho-Slowakei gewählt wurde. 

643 Im November 1912 hatte Grey mit dem französischen Botschafter Cambon Briefe ausge¬ 
tauscht, die ein gemeinsames Handeln für den Fall der Gefährdung des europäischen Friedens 
vorsahen. („Der Große Brockhaus“, Handbuch des Wissens in 20 Bänden, Verlag Brockhaus, 
Leipzig 1935, 15. Auflage, 20. Band, Seite 165) 

644 „Der Große Brockhaus“, Handbuch des Wissens in 20 Bänden, Verlag Brockhaus, Leipzig 
1935, 15. Auflage, 20. Band, Seite 165 

645 F. William Engdahl, „Mit der Ölwaffe zur Weltmacht“, Dr. Böttiger Verlags-GmbH, Wies¬ 
baden 1992, Seite 355 

646 F. William Engdahl, a.a.O., Seite 49f. 

647 Wohl auf eine entsprechende Anfrage hin, hatte bereits am 22. Mai 1914 der höhere 
Finanz-beamte Basil Blackett in einem streng vertraulichen Memorandum an Lloyd George zu 
den „Auswirkungen des Krieges auf unsere Goldreserven“ geschrieben, es sei natürlich 
unmöglich, klar vorauszusehen, welche Auswirkungen ein allgemeiner europäischer Krieg, an 
dem die Länder des Kontinents wie auch Großbritannien beteiligt sind, mit sich bringt.“ (F. 
William Engdahl, „Mit der Ölwaffe zur Weltmacht“, Dr. Böttiger Verlags GmbH, Wiesbaden 




290 


der kommenden Ereignisse große Teile der britischen Royal Navy probe¬ 
mobilisieren. Im Juni vermeldete er voll Stolz: „Während der letzten drei Jahre 
waren wir niemals bereiter gewesen, als augenblicklich. Niemals war die Flotte 
stärker als jetzt und niemals hat sie sich in besserer Verfassung befunden.“ 

Anders sah es auch nicht in Rußland aus, wo seit April unaufhörlich 
Truppentransporte nach Westen rollten. Das Zarenreich hatte es mittlerweile nach 
eigenen Angaben zu einer Friedensstärke gebracht, „wie sie noch nie ein Staat 
aufgewiesen hat“. Der dies aussprechende Artikel der „Birschewija Wjedomosti“, 
des Organs des Kriegsministers Suchomlinow, vom 13. Juni 1914 berechnete die 
russische Friedensstärke mit 2,32 Millionen Mann auf das 3fache der deutschen. Er 
verwies auch ganz offen auf die Anlage von strategischen Bahnen, die den 
Aufmarsch nach Deutschland erleichterten. Als Kopf führte der Bericht den 
bezeichnenden Titel: „Rußland ist bereit, Frankreich muß es auch sein.“ 648 

Das war selbstverständlich der Fall. Mit Ausnahme der eingekesselten 
Mittelmächte waren alle soweit. Das Opfer konnte zur Schlachtbank geführt 
werden... 


1993, Seite 62). Er gab jedoch gleichsam zu bedenken, daß ein solcher Konflikt England zugunsten 
der Vereinigten Staaten ausbluten könne. Diese Aussicht dürfte Lloyd George auch zu seiner 
friedensgeneigten Haltung gebracht haben, denn Großbritannien hatte von allen Mächten am 
meisten zu verlieren. Churchill hat dies damals und auch später nie eingesehen, und kann daher aus 
der Rückschau als wahrer Totengräber des britischen Empire gesehen werden. 

648 

Friedrich Hasselbacher, „Entlarvte Freimaurerei“, Band II, 1938 (3. Auflage), Archiv-Edition 
im Verlag für ganzheitliche Forschung und Kultur, Viöl 1993, Seite 154 




291 


Kapitel 4.17 


Der Vollzug des blutigen Logenurteils 


Serbiens Militär-Geheimdienstchef übernimmt die 
Ausführung 

Die freimaurerisch-alliierte Mordkonspiration gegen Franz Ferdinand von 
Österreich gewann einen wichtigen Verbündeten, als der Gründer und Leiter der 
masonisch-terroristischen „Schwarzen Hand“ Dragutin Dimitrijevic („Apis“) im 
Jahre 1913 zum Chef des serbischen Militärgeheimdienst ernannt wurde. 
Allerspätestens zu diesem Zeitpunkt dürfte der „Grand Orient“ auch festgelegt 
haben, an welchem Ort die folgenschwere Hinrichtung des Thronfolgers 
durchzuführen sei. Als es dann tatsächlich soweit war, deuteten die Spuren der Tat 
auch klar auf Dimitrijewitsch, der - schließlich selbst in der Bredouille - am 28. 
März 1917 einem serbischen Untersuchungsgericht über das Attentat von Sarajewo 
zu Protokoll gab:„Die Hauptteilnehmer an dem Attentat waren alle meine Agenten 
und erhielten kleine Honorare, die ich ihnen durch Vermittlung des Rade (R. 
Malobabic) sandte. Einige von ihren Quittungen befinden sich in russischen 
Händen, da ich das Geld für diese Arbeit im Auslande in erster Zeit vom General 
Artamanow erhielt.“ 649 

„Apis“ machte diese Aussage im Zuge eines Verfahrens, dem er sich wegen eines 
weniger opportunen Attentats auf den Prinzregenten von Serbien, Alexander, 
unterwerfen mußte. Da der Gerichtshof Dimitrijewic und seine Mitangeklagten 
durch einen Appell an ihre Vaterlandsliebe aufforderte, nicht über den Mord von 
Sarajewo zu sprechen 650 , bleibt die Spur zum russischen Militärattache in Belgrad, 
Artamanow, weiter etwas nebulös. Sicher ist, daß dieser sehr wohl gewußt haben 
muß, was im österreichisch-ungarischen Nachrichtennetz seines Bundesgenossen 
Apis geplant war. Es fiel in Artamanows unmittelbaren Aufgabenbereich, 
panslawistische Aktionen, die sich gegen Österreich richteten, zu leiten und zu 
finanzieren. Er traf sich auch nachweislich persönlich mit Rade Malobabic, 
Dimitrijewitschs Verbindungsmann zu den Attentätern. Nicht zuletzt angesichts 
dieser engen Zusammenarbeit kann es kaum überraschen, daß Petersburg die 


649 Friedrich Würthle, „Dokumente zum Sarajewoprozeß“, Wien 1978, Seite 112 

650 Boghitschewitsch, Dr. M. in: Le Proces de Salonique Juin 1911, 1927 



292 

Nachricht über den Mord an Erzherzog Franz Ferdinand bereits mehrere Tage - 
vorher erwartete. 651 

Sehr wahrscheinlich gab das Zarenreich auch das letztlich entscheidende „grüne 
Ficht“ zum Fosschlagen. „Apis“ gibt nämlich selbst zu, noch im Mai 1914 dem 
russischen Militärattache gegenübergesessen zu haben. Artamanow - so der 
serbische Geheimdienstchef - habe nach Konsultierung Vorgesetzter Stellen in 
Rußland wörtlich gesagt: „Macht weiter! Wenn ihr angegriffen werdet, werdet ihr 
nicht allein gelassen.“ 652 Während panslawistische Kreise das Petersburger 
Außenministerium auf ihre Kriegsziele einschworen 653 , habe Dimitrijevic darauf die 
Mörder nach Sarajewo gelassen. 

Genau das suchte der serbische Ministerpräsident Nikola Pasic noch in letzter 
Minute zu verhindern. Er hatte als Regierungschef im Mai selbstverständlich 
ebenfalls von dem Attentatsplan Kenntnis. Sicherlich wird er alle Vorbereitungen 
auch lange Zeit gedeckt haben - zumal das Ausland gedrängt haben mag. Da aber 
auf der Hand lag, daß das Königreich durch den Coup in eine gefährliche Tage 
kommen würde, die seinen Untergang zur Folge haben konnte, wurde der Premier 
zunehmend unsicher. Schwankend wie er war, unternahm er schließlich den 
unzulänglichen Versuch, den Grenzübertritt der Attentäter zu verhindern, unterließ 
es aber, die österreichische Regierung davon offiziell in Kenntnis zu setzen. Ebenso 
lavierend ging Pasic in Österreich vor. Der serbische Gesandte in Wien versuchte 
den Erzherzog von der Reise abzubringen, ohne das Attentat auf Franz Ferdinand 
zu verhindern oder den verantwortlichen österreichischen Stellen eine 
entsprechende Warnung zugehen zu lassen. 654 

So begab sich der Erbe der K+K Monarchie letzten Endes ungebremst auf seine 
Balkanfahrt. Ironie des Schicksals, daß der Todgeweihte wie kein zweiter 
Habsburger des Jahrhunderts großes Verständnis gerade für die slawischen Völker 
der Monarchie hatte. Weit mehr als sie waren die stets nach Vorzugsrechten 
begierigen, vom Hochmutsteufel besessenen Ungarn für ihn die Feinde. Und soweit 
man über seine Zukunftspläne überhaupt unterrichtet ist, dachte er daran, dem 


651 Neue Freie Presse, 4. August 1916. 

652 

Cowles, Virginia, „The Russia Dagger“, Seite 302 sowie das „Neue Wiener 8 Uhr Blatt“ vom 
27728.Juni 1924 

653 

Im Mai 1914 wurde der Freimaurer Klofatsch mit einer von dem aus der Tschechei 
stammenden österreichischen Offizier Bruder Hanusch Kuffner angefertigten Kriegszielkarte bei 
diplomatischen Vertretungen vorstellig. Er händigte das Dokument dem russischen Gesandten in 
Wien aus, eine Kopie ließ er dem russischen Konsul in Prag zukommen, der es sofort dem 
Außenminister Sasanow nach Petersburg sandte. Bedeutsam ist diese Karte nicht zuletzt 
deswegen, weil sie Serbien sehr genau in den Grenzen des späteren Jugoslawien zeigt. Dies ist 
ein Indiz, daß mit Belgrad bereits zu diesem Zeitpunkt über das geplante Attentat verhandelt 
worden war. Dieselbe Karte wurde im Juni 1917 während des großen Freimaurerkongresses, der 
auch die Statuten des zu gründenden Völkerbundes beriet, den kriegführenden Hochgradbrüdern 
und Bruder Wilson übermittelt. (Pauler, Ludwig, Geheimschlüssel zur Weltpolitik..., S. 30f.) 

654 Der Große Brockhaus. Handbuch des Wissens in 20 Bänden. 15. Auflage, 20. Band, Verlag 
Brockhaus, Leipzig 1935, Seite 166 sowie Hellmut Herda, „Die Schuld der Anderen“, Archiv- 
Edition im Verlag für ganzheitliche Forschung, Viöl 1995, Seite 18 



293 


deutsch-ungarischen Ausgleich“ von 1867 ein Ende zu machen und Österreich- 
Ungarn in eine Föderation gleichberechtigter Nationalstaaten mit einem 
Zentralparlament umzuwandeln. 655 Vielleicht spürten das die Menschen, die dem 
Monarchensohn einen jubelnden Empfang bereiteten. 

Am 28. Juni machte der Troß des künftigen Königs in der bosnischen Hauptstadt 
Sarajewo Station. Dort standen unter den zahlreichen Schaulustigen die 
Meuchelmörder. Damit auch wirklich nichts schiefgehen konnte, hatte man die 
Attentäter in verschiedene Gruppen aufgeteilt, die an geteilten Stellen postiert 
waren. Man ließ Franz Ferdinand „Spießrutenlaufen“. Als der Thronfolger in 
seinem offenen Auto langsam durch die Straßen fuhr, warf ein Attentäter eine 
Bombe gegen den Wagen. Der Zündsatz verfehlte jedoch den Erzherzog und 
landete unter den Rädern des Begleitfahrzeugs, wobei er den Adjutanten und einige 
Eeute aus dem Publikum verletzte. Es gelang, den Erzherzog ins Rathaus zu retten, 
wo die Deputationen ihn erwartete. Noch einmal gönnte Jahwe der Welt eine kurze 
Atempause. Es war genau 9.00 Uhr. 


Grand Orient 

Zwischenfälle am Sonntag den 28. Juni 1914 in London 

Am gleichen Vormittag wunderte sich der englische Schriftsteller C. H. Norman in 
London über das seltsame Betragen eines guten Freundes. 

Er schrieb später 656 : „Die folgende Schilderung einiger Geschehnisse, die sich am 
Tage der Ermordung des Erzherzogs Franz Ferdinand und seiner Gemahlin der 
Herzogin Hohenburg, zutrugen, dürften dazu beitragen, den Widerstand zu 
erklären, der von gewisser Seite gegen eine Untersuchung der Anklage erhoben 
wurde: Österreich und Deutschland seien einzig und allein für den Weltkrieg 
verantwortlich. 

Um die Geschichte verständlich zu machen, muß der Verfasser ein oder zwei 
Dinge erklären, die ihn persönlich angehen. Einige Jahre vor dem Krieg stand ich 
in enger Beziehung zu prominenten Mitgliedern der englischen 
sozialdemokratischen Federation, deren Führer der verstorbene Mr. H. M. 
Hyndman 657 war. Einer seiner Freunde war ein gewisser Adolph Smith, der unter 
dem Namen A. S. Headlingey für Zeitschriften schrieb. Dieser Herr Smith war 


655 Robert W. Seton-Watson, „Serajewo“, London 1926, Seite 84 

656 „Berliner Monatshefte für internationale Aufklärung“, Hrsg. Dr. h. c. Alfred von Wegerer, 
Februarheft 1931, Aufsatz von C. H. Nonnan, London: „Grand Orient - Zwischen lalle am Sonntag 
dem 28. Juni 1914 in London“, Seite 177 ff. Über Norman's weiteres Schaffen findet sich die 
Angabe: „Verfasser von ’A Searchlight on the European War'. The Labour Publishing Company 
Limited, London 1924.“ 

657 Henry Mayers Hyndman, der erste Marxist Englands, offenbarte sich bei Ausbruch des Sieges 
als extremer Chauvinist, weshalb er wenig später aus seiner Partei ausgeschlossen wurde. Er 
gründete daraufhin die National Socialist Party. 



294 


bewandert in der auswärtigen Politik und war ebenfalls amtlicher Übersetzer des 
Internationalen Sozialisten-Kongresses, besser bekannt nach dem Krieg als zweite 
Internationale, um sie von der dritten Internationale oder kommunistischen 
Internationale zu unterscheiden. Als gemeinsame Besucher der Versammlungen 
des Zweigvereins der S. D. I. wurden A. Smith und der Verfasser miteinander 
bekannt. 

Eines Tages im Jahre 1907 oder 1908 lud mich A. Smith ein, an einer in seinem 
Hause in Crookham Road, Fulham, stattfindenden Versammlung teilzunehmen. 
Zweck der Versammlung war, einen Londoner Zweigverein der berühmten 
französischen Freimaurer-Gesellschaft 'Grand Orient de France' zu gründen... 
Smith versuchte mich dadurch zu überreden, dem Projekt beizutreten, daß er mir 
mitteilte, die Mehrzahl der führenden Sozialisten und nicht-sozialistischen Politiker 
Frankreichs, Belgiens, Italiens und Spaniens seien Mitglieder des 'Grand Orient'. 
Die einzige bemerkenswerte Ausnahme im Fall Frankreichs sei Jean Jaures, dessen 
Ermordung als zweites Verbrechen dem Kriege vorausging. Einige Namen von 
Mitgliedern des 'Grand Orient' waren nach Smith: Delcasse, Poincare, Briand und 
Millerand. Weitere Mitglieder waren Vandervelde, Miljukoff, Venizelos, Bissolatti 
und Mussolini, der sich nunmehr gegen die Freimaurerei wendet. Nachdem ich 
über die politischen Ziele des 'Grand Orient' Erkundigungen eingezogen hatte, war 
ich der Gesellschaft gegenüber von tiefem Mißtrauen erfüllt, da ihr Ziel darin zu 
bestehen schien, den damaligen 'status quo' in Europa zu stürzen. Dies sollte 
dadurch erreicht werden, daß ein Krieg angeregt wurde, in dessen Verlauf 
Frankreich sich den Rhein, Elsaß-Lothringen, Marokko usw., usw. aneignen sollte. 
Die Jahre vergingen und der Verfasser mußte Zusehen, wie die Spannung zwischen 
England und Deutschland wuchs, was der Kriegspolitik des 'Grand Orient' sehr 
zugute kam... 

Dies waren die Vorgänge zu den eigenartigen Geschehnissen, die sich am Sonntag, 
dem 28. Juni, in London zutrugen und auf mich tiefen Eindruck machten, 
besonders im Lichte der späteren fürchterlichen Entwicklung, und die mich in 
meiner Haltung, als unerbittlicher Kriegsgegner, bekräftigten. Zu jener Zeit war 
Adolph Smith Mitglied des 'National Liberal Club', in dem ich wohnte. Daß ich im 
Klub wohnte, war A. Smith bekannt. An jenem Sonntag verließ ich den Klub, um 
mich in mein Büro zu begeben, wo ich noch einige Arbeiten zu erledigen hatte. Als 
ich den Strand herunter ging, traf ich gerade vor dem Justizgebäude A. Smith, der 
etwas aufgeregt zu sein schien. Er kam auf mich zu und fragte mich, ob ich die 
Telegramm-Anschläge im Klub gelesen hätte, was ich bejahte. Darauf fragte er 
mich, ob aus Sarajewo Nachrichten eingetroffen seien. Nun muß ich gestehen, daß 
ich damals nicht viel von der Existenz dieser Stadt wußte, so daß ich ihn ziemlich 
erstaunt ansah und sagte: 'Welche Stadt?' Er antwortete: 'Sarajewo, eine Stadt in 
Bosnien.' Ich erwiderte, daß zur Zeit noch keine Nachrichten eingetroffen seien (es 
war ungefähr 11. 30 Uhr), worauf Smith sehr ärgerlich wurde und irgend etwas 
murmelte, was ähnlich klang wie 'Ist es möglich, daß sie einen Fehler gemacht 
haben?' Durch seine Art aufmerksam geworden, fragte ich ihn, was er denn 



295 


erwarte, er überhörte aber die Frage und ging weiter, während ich, etwas erstaunt 
über sein Benehmen, in mein Büro ging. 

Der Leser wird sich vielleicht daran erinnern, daß das erste Attentat auf den 
Erzherzog ungefähr um 9.00 Uhr verübt wurde und fehlschlug. Das wichtigste an 
diesem Zwischenfall ist, daß Herr Smith scheinbar um 11.30 Uhr Nachrichten über 
die Ermordung, die noch nicht stattgefunden hatte, die aber zu der Zeit hätte 
geschehen sein können, erwartete. Die Nachricht traf tatsächlich im Laufe des 
Nachmittags in London ein und zwar über Athen und Paris, da die österreichische 
Zensur den üblichen Weg über Wien, Berlin und Amsterdam gesperrt hatte.“ 658 


Das Konto E 

Der vorstehende Bericht ist in zweifacher Hinsicht aufschlußreich. Erstens scheint 
er unsere Beweisführung zu stützen, daß der französische „Grand Orient“ in das 
Attentat auf Franz Ferdinand von Österreich verwickelt war. Zweitens erweitert er 
den Kreis der Eingeweihten über den Kanal hinweg nach England. Indem er sich 
auf britische Presseberichte bezieht schreibt Norman wörtlich an anderer Stelle: „Es 
besteht Grund zu der Annahme, daß Princip, der Mann, der nach dem mißglückten 
Bombenangriff die Pistole abfeuerte, sich einige Wochen vor dem Mord in London 
aufhielt, da er zweifellos in Paris gewesen ist.“ 659 

Gibt es im Mordfall des Thronfolgers eine „Britannia-Connection“, so würde das 
erklären, warum Logenbruder Churchill nach dem Pariser Todesurteil und mehr als 
ein Jahr vor dem Attentat dermaßen konkret den Beginn des Krieges Voraussagen 
konnte. Und dann wäre auch klar, wie Bruder Außenminister Grey dasselbe 
Kunststück vier Monate vor Sarajewo wiederholen konnte. Dann wäre es nämlich 
überhaupt kein Zufall gewesen, daß der serbische Thronfolger zur gleichen Zeit 
ausgerechnet in London von seinem mit Sasonow geplanten Attentat schwadro¬ 
nierte. Dann wäre nämlich alles zwischen der Loge und ihren hebräischen Hinter¬ 
männern einerseits und dem Einkreiser-Dreieck Petersburg-Paris-London 
abgesprochen gewesen - und zwar bis ins Detail. 


658 

Bleibt festzuhalten, daß der Verfasser diese mysteriöse Begebenheit erstmals im Jahre 1916 in 
einer Rede zu Leicester kundtat. Eine schriftliche Publizierung unter dem Titel „Some Secret 
Influences behind the European War“ verhinderte die Polizei auf Order des Kriegsministeriums. 
Norman wurde in ein Gefängnis verbracht, wo er bis nach dem Waffenstillstand verblieb. 

659 „Berliner Monatshefte für internationale Aufklärung“, Hrsg. Dr. h. c. Alfred von Wegerer, 
Februarheft 1931, Aufsatz von C. H. Norman, London: „Grand Orient - Zwischenfälle am Sonntag 
dem 28. Juni 1914 in London“, Seite 177 ff. Auch der freimaurerische Attentäter Ziganovic, der 
Princip seine Mordwaffe aushändigte, hielt sich vor dem Attentat in Paris auf. (Juri Lina, „Under 
the Sign of the Scorpion. The Rise and Fall of the Soviet Empire“, Referent Publishing, Stockholm 
1998, Seite 150) 



296 


Vor dem Hintergrund der bekanntermaßen aggressiven britischen Außenpolitik 
jener Tage 660 , kann kaum in Zweifel gezogen werden, daß auch London sich an dem 
Mordanschlag von Sarajewo beteiligt hatte. Allein schon deshalb, weil derartige 
James-Bond-Untemehmungen schon immer fester Bestandteil englischer 
Außenpolitik gewesen waren. Lange Zeit bestand im englischen Budget ganz offen 
ein Ausgabeposten, über welchen nie ein Finanzminister von einem 
Parlamentsmitglied um Aufklärung ersucht wurde. Das ist das berühmte Konto E, 
für das alljährlich 5 Millionen Pfund Sterling ausgeworfen wurden. 661 Wem diese 
Summen zuflossen, ist ebenfalls bekannt: Dem „Agitationsamt für die 
Verwirklichung politischer Ziele“; dazu gehörte die Unterstützung revolutionärer 
Bewegungen im Ausland ebenso wie die Planung und Durchführung politischer 
Attentate. Es ist ferner kein Geheimnis, wo dieses seltsame Amt seinen Sitz hatte: in 
London, Southend, Hamptoncourtstreet 112. Von hier aus wurden - nach einem sehr 
glaubwürdigen Bericht, den die „Hessische Landeszeitung“ seinerzeit über 
Kopenhagen erhalten hat, die finanziellen Mittel bereitgestellt, welche bei der 
Ermordung des französischen Sozialistenführers Jaures nötig waren. Das Zentrums- 
Blatt „Germania“ listete daneben in ihrer Beilage vom 28. Juli 1915 noch eine 
ganze Reihe weiterer prominenter Opfer dieser britischen Agentur mit der „Lizenz 
zum Töten“ auf: Der russische Ministerpräsident Graf Witte, der Irenführer Sir 
Roger Casement, der König von Bulgarien und Griechenland. An der Spitze dieses 
Zweiges des Agitationsamtes stand Major Susley. Und der unterhielt ausgerechnet 
zu den in das Sarajewo-Attentat verwickelten serbischen Militärs Major Tankosic 
und Dimitrijewitsch-Apis fortgesetzte Beziehungen. 662 

Leider hat Susley niemals seine Memoiren geschrieben. Und auch sein 
Vorgesetzter R. Nathan, Chef des britischen Geheimdienstes während des Ersten 
Weltkrieges, übte sich bis an sein Lebensende in Schweigen. Einzig der damalige 
Leiter des englischen Militärgeheimdienstes in Rußland Sir Samuel Hoare - wie 
Nathan ein bekennender Israelit - ließ sich eine ebenso knappe und wahre 
Bestandsaufnahme entlocken. In seinem unter dem sinnigen Titel „Das vierte 
Siegel“ erschienenen Erinnerungsbuch schrieb er zu dem Sarajewo-Komplex: 
„Wenn eine politische Krisis droht, ist nichts gefährlicher, als ein 
aufsehenerregendes Verbrechen oder ein Skandal, der alle Gemüter in Aufregung 
versetzt.“ 663 


660 Siehe das britische Weltmachtstreben, die „Balance of Power“ und die fragwürdigen 
Destabilisierungs-Unternehmungen von Außenamtschef Palmerston, den ganz Europa unter der 
Bezeichnung „Lord Firebrand“ kannte und fürchtete. 

661 Vgl. auch Ludendorff, „Kriegshetze und Völkermorden in den letzten 150 Jahren, 81 bis 85 

Tausend, S. 121 f., ferner Freymann, a.a.O. Seite 68 

662 

Beilage der „Germania“ vom 28. Juli 1915 sowie Karl Heise, „Die Entente-Freimaurerei und 
der Weltkrieg“, Ernst Finckh Verlag, Basel 1919, Seite 75 ff 

663 Über den Glaubenshintergrund Hoares siehe Boris Baschanow, „Ich war Stalins Sekretär“, 
Ullstein, Frankfurt/Main 1977, Seite 237 



297 


Die Schüsse, die den Weltkrieg brachten 

Viele Jäger sind des Hasen Tod... Franz Ferdinand sollte dem ihm zugedachten 
Schicksal nicht entgehen, wobei dem Monarchen ausgerechnet seine Menschenliebe 
zum Verhängnis wurde. Anstatt sich nämlich auf länger im sicheren Rathaus 
einzurichten, äußerte der Verurteilte gleich im Anschluß an das ihm zugedachte 
Zeremoniell den Wunsch, seinen verwundeten Adjutanten im Krankenhaus 
aufsuchen zu können. Dort sollte er jedoch nie ankommen. Kurz nachdem das Auto 
das Rathaus verlassen hatte, wurden der Thronfolger und seine Frau von einem 
zweiten auf sie wartenden Attentäter durch vier Pistolenschüsse ermordet. Dadurch 
daß der Fahrer des Erzherzogs an einer Kreuzung die falsche Abzweigung wählte - 
schreibt der Autor des „Bibel Code“ Michael Drosnin -brachte er den Erben des 
österreichischen Throns direkt an seinen israelitischen Mörder Gavrilo Princip 
heran. 664 


Freimaurerische Vollstrecker 

Es ist heute unter Historikern unstrittig, daß die tödlichen Schüsse auf Franz 
Ferdinand den ersten Weltkrieg auslösten. Die Pakt- und Rückversicherungspolitik 
dieser Tage mußte bei einem politischen Attentat dieser Größenordnung 
zwangsweise in einen militärischen Konflikt münden. 

Um so mehr Gewicht kommt dem Prozeß zu, in dem die Attentäter nach ihrer Tat 
abgeurteilt wurden. In der bisherigen Geschichte der Völker gibt es wohl kein 
zweites Gerichtsverfahren, das, die eine weltgeschichtlich so bedeutende 
Begebenheit zum Gegenstand hatte, wie die Verhandlung gegen die Mörder von 
Sarajewo. Bei der Bewertung des tatsächlichen Tathintergrunds bilden die 
Gerichtsakten und Vernehmungsprotokolle der Hauptverhandlung folglich eine 
unerläßliche Quelle. 665 Bezeichnenderweise aber hat man über den Verlauf 
derselben sowie seine Ergebnisse bis auf den heutigen Tag so gut wie nichts gehört 
und die Prozeßprotokolle sind selbst in historischen Staatsarchiven kaum noch zu 
finden. Der Grund für dieses ins Auge springende Mißverhältnis ist einfach: 
Hartnäckige Zweifler werden in diesem Zeitdokument die letzte Bestätigung für die 
Verwicklung des Logentums in die Schüsse von Sarajewo finden. 

Die Aussagen der Attentäter sprechen dabei für sich selbst. Als das Gericht die 
Angeklagten nach ihrem Umfeld und ideologischen Hintergrund ausforschte, 
wurden diese auch darüber befragt ob sie Mitglied in einer Freimaurerloge seien. 

664 Michael Drosnin, „Der Bibel Code“, Wilhelm Heyne Verlag, München 1997, Seite 170 

665 Die Veröffentlichung der Gerichtsakten erfolgte 1917 durch den Juristen Prof. Dr. Josef Köhler 
im Goltdammers Archiv für Strafrecht und Strafprozeß. Ein Jahr später erschienen sie im Berliner 
R. v. Deckers Verlag in Buchfonn unter dem Titel Der Prozeß gegen die Attentäter von Sarajewo - 
Aktenmäßig dargestellt von Prof. Pharos, mit Einleitung von Geh. Justizrat Prof. Dr. Josef Köhler. 
Aus letzterem Werk, einer Veröffentlichung der stenographisch erfaßten Gerichtsakten, wird im 
folgenden zitiert. 



298 


Die Angesprochenen verweigerten bei dieser Nachfrage bezeichnenderweise 
zumeist die Aussage, belasteten sich aber in der Folge gegenseitig. So bemerkte 
Princip, Cabrinovic habe geplant, in die Loge einzutreten. 666 Cabrinovic, der sich 
als Atheist bezeichnete, gab zu, Bücher freimaurerischen Inhalts als Schriftsetzer 
gelesen wie gesetzt zu haben, verweigerte aber eine Antwort auf die Frage einer 
Logenmitgliedschaft. 667 Die Logenzugehörigkeit des Voja Tankosic und des 
Ciganovic hingegen gab er zu. 668 Cabrinovic ergänzte auf Anfrage des 
Gerichtspräsidenten, die Freimaurerei habe, vertreten durch die beiden 
letztgenannten, „insofern Beziehung zum Attentat, als sie mich in meiner Absicht 
(den österreichischen Thronfolger zu ermorden) bestärkten. Im Freimaurertum ist es 
erlaubt zu töten. Ciganovic sagte mir, daß die Freimaurer den Erzherzog Franz 
Ferdinand schon vor einem Jahr zum Tode verurteilt hätten.“ 669 

Gavrilo Princip bestätigte diese Aussage mit den Worten „Ciganovic sagte mir, er 
sei ein Freimaurer. Als ich mich bezüglich der Mittel zur Ausführung des Attentats 
an ihn wandte, sagte er mir und betonte es, er werde mit einem gewissen „Mann“ 
sprechen. Er werde von diesem die Mittel zur Ausführung des Attentats bekommen. 
Bei einer anderen Gelegenheit erzählte er mir, der österreichische Thronfolger sei in 
der Loge von den Freimaurern zum Tode verurteilt worden.“ 670 Selbst auf eine 
mögliche Logenzugehörigkeit angesprochen verweigerte Princip zunächst die 
Aussage, um diese dann späterhin zu bestreiten. 671 


666 Der Prozeß gegen die..., Seite 33 

Die Stimmen aus Bosnien vom Juli 1915 (S. 11 f.) gibt die Reaktion Cabrinovic's auf die 
Frage des Verteidigers Dr. K. v. Premusic „Bist du ein Freimaurer?“ wie folgt wieder: Wird 
verwirrt und schweigt. Das Schweigen dauert eine Zeit. Er wendet sich zu Premusic und schaut 
ihn an: „ Was fragen Sie mich darum? Ich kann darauf nicht antworten... Bitte mich das nicht zu 
fragen. Ich werde darauf nicht antworten. “ Br. von Stradonitz, der sich auf die Aktenversion des 
Franzosen Mousset bezieht, gibt obige Textpassage in seiner Logenstreitschrift „Das Attentat von 
Serajewo“ (erschienen 1932 im Verlag des „Vereins Deutscher Freimaurer) auf Seite 9f. wie folgt 
wieder: Verteidiger Premuzic: „Bist du Freimaurer?“ Cabrinovic: „Warum fragen Sie mich 
dies? Ich kann es Ihnen nicht sagen...Ich bitte, daß man über diese Frage hinweggehe; ich kann 
darauf nicht antworten. “ Der ebenfalls angeklagte Grabez weist etwas später direkt daraufhin, 

daß Cabrinovic Mitglied der Loge sei. (von Stradonitz, Seite 17) 

668 

Der Prozeß gegen die..., S. 14. sowie Stimmen aus Bosnien, Juli 1915, S. 11 f. sowie von 
Stradonitz, Seite 9f. 

669 Diese Textstelle liest sich bei der Freimaurerschrift des von Stradonitz, Seite 12f. wie folgt: 
Präsident: „Verherrlicht die Freimaurerei das Begehen von Attentaten gegen die Inhaber der 
Macht? Zum mindesten, wissen Sie etwas über diesen Gegenstand?“ Cabrinovic: „Sie 
verherrlicht es. Ciganovic hat mir selbst gesagt, daß der verstorbene Ferdinand von den 
Freimaurern zum Tode verurteilt worden war...“ Darauf fragte der Gerichtspräsident - bei Pharos 
und von Stradonitz gleichlautend: „Ist da nicht etwas Phantasie dabei? Wo wurde er verurteilt?“, 
worauf er von Verteidiger Premusic die Antwort erhielt: „Ich werde hierfür die Beweise 
erbringen“. Da aber diese äußerst interessanten Beweise fortan nicht mehr im Protokoll zur 
Sprache kommen, drängt sich der Verdacht auf, daß die Gerichtsmitschriften „gereinigt“ wurden, 
bevor man sie zur Veröffentlichung freigab. 

670 Der Prozeß gegen die..., S. 33 

671 Der Prozeß gegen die..., S. 33 



299 


Freimaurerische Hintermänner 

Über die Logenverbindungen der Mörder zum Ausland gibt das Verhör des 
Bombenwerfers Cabrinovic Aufschluß 672 : 

Cabrinovic: „Er (Dr. Radoslav Kasimirowitsch) ist Freimaurer, im gewissen Sinne 
eines ihrer Häupter. Er fuhr sofort danach (nachdem sie sich für das Attentat 
angeboten hatten) ins Ausland. Er bereiste den ganzen Kontinent. Er war in 
Budapest, in Rußland und in Frankreich. Jedesmal wenn ich Ciganovic fragte, wie 
es mit unserer Angelegenheit (dem Attentat) stehe, antwortete er mir immer: 'Erst 
dann, wenn er (Kasimirowitsch) zurückkommt/ Damals sagte mir auch Ciganovic, 
daß die Freimaurer bereits vor zwei Jahren den Thronfolger zum Tode verurteilt 
haben, doch hätten sie keine Leute gehabt, die dieses Urteil vollstreckten.“ 

Jetzt aber - gilt es einzufügen - lagen die Dinge anders, und als Kasimirowitsch von 
seiner Auslandsreise zurückkehrt, wurde den Attentätern umgehend grünes Licht 
gegeben. Es kann daher kaum überraschen daß der Bombenwerfer Cabrinovic an 
diesem Punkt des Verhörs einen direkten Zusammenhang herstellt. 

Cabrinovic: „(Br. Ciganovic) sagte mir, als er mir einen Browning und Patronen 
übergab: 'Der Mann (Br. Kasimirowitsch) ist gestern abend aus Budapest 673 
zurückgekehrt'. Ich wußte, daß er diese Reise im Zusammenhang mit unserer 
Angelegenheit unternahm und mit bestimmten Kreisen im Ausland Besprechungen 
hatte.“ 

Gerichtspräsident: „Sind das auch keine Märchen, die du uns da erzählst?“ 

Cabrinovic: „Das ist die reinste Wahrheit und hundertmal wahrer als Ihre ganzen 
Dokumente über die Narodna Odbrana.“ 

Die Ausführenden erhalten nun umgehend - und zwar bereits am nächsten Tag - 
durch Br. Ciganovic Browningrevolver, Bomben und Geld ausgefertigt. Br. 
Ciganovic wiederum hatte all dies von Br. Major (später Oberst) Tankosic 
übergeben bekommen. Tankosic, der die Waffen selbst eingekauft hatte, veranlaßte, 
daß die späteren Mörder in deren Gebrauch unterrichtet wurden... 


67 ' Kohler/Pharos, Der Prozess..., Seite 162 

Wie eng die Verbindung der Attentäter mit ungarischen Behörden gewesen sein mag, geht 
daraus hervor, daß bei Princip in Sarajewo, im Rahmen eines Bildes, die gleiche An z ahl 
Goldstücke gefunden wurden, die kurz vorher in Agram auf Weisung eines jüdischen Bruders aus 
dem Budapester Finanzministerium an einen „Konfidenten“ aus Belgrad ausbezahlt worden waren. 
Dieser Fund wurde durch den leitenden Untersuchungsrichter, wie für besondere 
Untersuchungsergebnisse vorgesehen, der Kabinettskanzlei des Kaisers Franz Joseph gemeldet. 
Der Untersuchungsrichter bekam darauf eine vom Oberhofmeister Br. Fürst Montenuovo 
mitunterzeichnete Weisung, der Weg sei irrig und nicht weiter zu verfolgen. (Überliefert durch 
Erich Ludendorff in: Kriegshetze und Völkermorden, Ludendorffs Volkswarte-Verlag, München 
1931, S. 115 f.) 



300 


Fassen wir noch einmal die Erkenntnisse der Gerichtsuntersuchung (so weit sie uns 
überliefert wurde) zusammen. 1.) Die Freimaurerei verurteilte den österreichischen 
Thronfolger Franz Ferdinand etwa 2 Jahre vor den tödlichen Schüssen von Sarajewo 
zum Tode. 2.) Die Attentäter waren zumindest zum Teil Mitglied der Freimaurerei. 
Diese wiederum ermutigte die Angeklagten zu Ihrem Entschluß, den 
österreichischen Thronfolger zu ermorden. 3.) Die endgültige Freigabe des Attentats 
erfolgte erst, nachdem der Hochgradfreimaurer Dr. Kasimirowitsch in dieser 
Angelegenheit in Frankreich, Rußland und Ungarn Rücksprache genommen hatte. 
Schon am Tag nach seiner Rückkehr nach Serbien erhielten die späteren 
Vollstrecker ihre Waffen. 4.) Diese sowie ein nicht näher bezeichneter Geldbetrag 
wurden den Attentätern durch Freimaurer besorgt (Tankosic) und übergeben 
(Ciganovic). Die Ausbildung der Täter an den Waffen wurde ebenfalls durch einen 
Freimaurer, wiederum Tankosic, veranlaßt. 

Das alles sind Einzelheiten, die sich zu einem interessanten Täterbild fügen mögen. 
Was an dieser Stelle aber wichtiger ist: Die Verschwörer im Hintergrund wußten, 
daß Franz Ferdinand alles verkörperte, was in Österreich-Ungarn an politischen 
Zukunftshoffnungen noch lebendig war und daß auch sie alle im gleichen 
Augenblick getroffen waren, in dem der Erzherzog in sich zusammensank und die 
Brust des hellgrauen Uniformrocks sich mit dunklem Blut vollsog. Man wußte, daß 
Wien den serbischen Anschlag nicht anders auffassen konnte, als einen Anschlag 
auf die österreichische Zukunft, und daß demzufolge nun für Österreich nichts übrig 
blieb als die Vernichtung dieses Gegners. Und man war sich vollkommen im 
Klaren, daß eine Vernichtung Serbiens das Patronat Rußlands unter den 
Balkanslawen unmittelbar tangierte und daß daher Rußland einer Beseitigung 
Serbiens durch Österreich niemals passiv Zusehen würde. Jeder Schritt Rußlands 
gegen Österreich wiederum mußte Deutschland mobilisieren, das nicht seinen 
letzten Bundesgenossen in den Untergang gehen lassen konnte - und damit wäre für 
Frankreich der Bündnisfall eingetreten. Kühle und umsichtige Schachspieler 
mußten immer weniger dazutun, daß sich die Figuren bald fast automatisch 
aufeinander zuschoben. 



301 


Kapitel 4.18 


Die letzten Schritte in den Krieg 


St. Petersburg: 19. - 22. Juli 

Während Wilhelm II. am 6. Juli in Berlin seelenrahig seine Koffer packte, um sich 
auf seine alljährliche Nordlandfahrt zu begeben, unternahmen Paris und Petersburg 
bereits die ersten Schritte in eine wohlvorbereitete Kriegsdiplomatie. Am 15. Juli 
trat Poincare mit seinen wichtigsten Leuten, darunter Ministerpräsident Viviani eine 
Reise nach Petersburg an. Die Franzosen erreichten die russische Hauptstadt am 19. 
Juli. Umgehend wurden politische Gespräche am Hof des Zaren sowie mit 
Diplomaten aller in Betracht kommender Staaten aufgenommen. Über diesen 
Besuch hat der englische Gesandte Bruder 674 Buchanan in seinem Telegramm vom 
24. Juli 1914 berichtet, und der Bericht ist so ausgefallen, daß man geglaubt hat, ihn 
aus dem Blaubuch streichen zu sollen. Nur in der Inhaltsangabe des Telegramms 
sind - wohl aus Versehen - die Worte stehen geblieben: „Resultate des Besuchs von 
Poincare“. 675 

Was wurde nun eigentlich besprochen? Der damals ob seines Kampfes um die 
Völkerverständigung recht bekannte britische Labourabgeordnete E. D. Morel 
mutmaßt: „Der britische Botschafter in Wien hatte schon am 15. Juli erfahren, 
welchen Charakter die österreichisch-ungarische Note an Serbien haben werde; er 
berichtete am 16. Juli an das Auswärtige Amt in London. Man muß (...) annehmen, 
daß dieses dem englischen Botschafter in Petersburg die Note mitteilte. Am 21. Juli 
war Präsident Poincare in Begleitung des französischen Ministerpräsidenten und 
des Ministers für auswärtige Angelegenheiten in Petersburg und zweifellos wurde 
damals die Entscheidung der französisch-russischen Kombination getroffen.“ 676 Mit 
„Kombination“ umschreibt Morel den zwischen den Verbündeten abgesteckten 
Weg in den Krieg. 

Die Erwartung eines in Bälde anstehenden Feldzuges scheint in der Tat als sicher 
gegolten zu haben. So resümiert der französische Botschafter in St. Petersburg, Br. 


674 Sir George Buchanan, 1910-17 Botschafter in Rußland, wird von dem norwegischen Juristen 
Dr. Hermann Harris Aall als Freimaurer überliefert. 

Friedrich Hasselbacher, „Entlarvte Freimaurerei“, Band II, 1938 (3. Auflage), Archiv-Edition 
im Verlag für ganzheitliche Forschung und Kultur, Viöl 1993, Seite 154f. 

676 Morel, E. D., Truth and War“ und Internationale Rundschau, Morel Heft 15, S. 695/96 



302 


Maurice Paleologue, in seinem Tagebuch am 22. Juli ein Festessen vom gleichen 
Tage wie folgt: Frohlockend sagten die Großfürstinnen Anastasia und Militza zu 
Paleologue, „daß wir vor Monatsende Krieg haben werden... Von Österreich wird 
nichts übrig bleiben... Ihr werdet Elsaß-Lothringen Wiedersehen... Unsere Heere 
werden sich in Berlin treffen... Deutschland wird vernichtet werden!“ 677 Diese 
Äußerung fiel am 22. Juli und der Ausdruck „vor Monatsende“ bedeutet vor 
Monatsende des damals gültigen russischen Kalenders, also noch vor dem 13. 
August neuen Stils. Und das stimmte dann wirklich, denn der Krieg brach Anfang 
August aus. 

Offenbar wurde in Petersburg leichtfertig über das Schicksal von Millionen 
entschieden. Der zum Ausgleich mit Deutschland neigende Altministerpräsident 
Joseph Caillaux, Führer der einflußreichen Radikalen Partei, berichtete später, daß 
der ehemalige französische Botschafter in Petersburg, Georges Louis, im Mai 1914 
auf ihn zugetreten sei, um ihn zu bitten, die damals geplante Reise Poincares nach 
Petersburg zu verhindern: „Herr Louis sprach von den Kriegsgefahren, die Europa 
bedrohten, und versicherte mir, daß die Reise nach St. Petersburg, die Poincare 
beabsichtige, folgenschwer sein müsse. Er bat mich, ich möchte mich ihr 
widersetzen. Ich nahm an, der Gesandte übertreibe. Die Ereignisse haben mich 
indes eines anderen belehrt.“ Noch deutlicher schreibt der spanische Botschafter 
in Petersburg, Graf Cartagena, in seinen Erinnerungen: „Poincare war gekommen, 
um den Krieg vorzubereiten.“ 679 


Donnerstag, 23. Juli 

In der Zwischenzeit hatte Wien seine Diplomatie gegen Serbien aktiviert. Daß die 
Österreicher dabei noch von mindestens einem späteren Alliierten, nämlich 
Großbritannien, in einer harten Haltung bestärkt wurden, ist ein weiteres taktisches 
Detail. Der britische Botschafter in Wien, Sir Maurice de Bunsen sagte jedenfalls 
zu dem Chefredakteur des , Jremdenblattes“, Dr. Szeps: „Seien Sie überzeugt, daß 
das ganze englische Volk das fluchwürdige Verbrechen von Sarajewo verdammt, 
und daß auch nicht bei einem einzigen Engländer die geringste Sympathie für 


677 Gerhard Müller, „Überstaatliche Machtpolitik im XX. Jahrhundert“, Verlag Hohe Warte, Pähl 
1982/84, Seite 84 sowie Cowles, Virginia. „The Russia Dagger“, Seite 311 Die beiden russischen 
Großfürstinnen waren Töchter des Königs von Montenegro. Nach dem Buch „33 Jahre 
Weltgeschehen, 1901-1933“ (Seite 80) hatte ihr Vater, der König von Montenegro, ihnen in 
einem Chiffretelegramm jene Mitteilung gemacht, die sie dem französischen Botschafter 
Paleologue gegenüber äußerten. 

678 Caillaux, Joseph, „Meine Gefangenschaft“, Rhein-Verlag, Basel/Leipzig 1921, Seite 88. Da 
Caillaux vor und während des Krieges eine Verständigung mit Deutschland befürwortete, hetzte 
die Kriegspartei gegen ihn als einen Landesverräter, und Clemenceau ließ ihn im Januar 1918 
verhaften. 1920 wurde er wegen Mangels an Beweisen freigesprochen, trotzdem aber aus Paris 
verbannt und erst 1924 durch Herriot begnadigt. 

67Q 

Hellmut Herda, „Die Schuld der Anderen“, Archiv-Edition im Verlag für ganzheitliche 
Forschung, Viöl 1995, Seite 26 



303 


Serbien herrscht. Man ist müde, sich durch dieses kleine Land immer in Unruhe und 
Besorgnis stürzen zu lassen.“ 680 

Ähnlich sah man das in Wien. Zu tief saß der Schock, daß das seit Jahren gegen die 
K+K Monarchie zündelnde Serbien, so offen zu terroristischen Maßnahmen 
gegriffen hatte. Am 23. Juli, also fast vier Wochen nach dem Mord am Thronfolger 
übergab der österreichische Gesandte in Belgrad, Baron Giesl, gegen 18 Uhr ein auf 
zwei Tage befristetes Ultimatum an die serbische Regierung. Die Hauptforderungen 
waren: Serbien hat seine aggressive Haltung gegenüber Österreich-Ungarn 
einzustellen. Es muß seine Armee auf den Stand vom Frühjahr 1908 abrüsten. 
Belgrad soll die Attentäter vor Gericht stellen. 

Zu dieser Zeit weilte die französische Delegation noch auf russischem Territorium. 
Erst zweieinhalb Stunden nach Aushändigung des Ultimatums verließen Poincare 
und Viviani Kronstadt, um in die Heimat zurückzukehren. 


Freitag, 24. Juli 

Am Vormittag des 24. Juli fand in der französischen Botschaft in Petersburg eine 
Besprechung zwischen Sasanow, dem englischen Botschafter Buchanan und dem 
französischen Botschafter Paleologue statt. Sasanow erklärt, daß Österreichs 
Vorgehen den Krieg bedeute. Die russische Mobilisierung müsse auf jeden Fall 
durchgeführt werden. Paleologue erklärt, daß Frankreich zum Krieg bereit sei und 
alle Verpflichtungen erfüllen werde, die sich aus dem Bündnisfall mit Rußland 
ergaben. 681 

Damit korrespondierend traf am Nachmittag des gleichen Tages der russische 
Ministerrat die Feststellung, daß die innere Lage Rußlands einen Krieg zulasse und 
Rußland zum Krieg bereit sei. Über den österreichisch-serbischen Konflikt wollte 

ZOO 

man militärischen Druck auf Österreich ausüben. 

So drängte in Rußland alles zum Kampf, denn die am 24. Juli quasi gebilligte 
Gesamtmobilmachung war vorher als Auftakt zum Krieg gegen Deutschland 
vereinbart worden. Bei den russisch-französischen Abmachungen hatte General de 
Boisdeffre den Satz aufgestellt: „La mobilisation c'etait la declaration de guerre“, 

ZOO 

und Zar Nikolaus II. hatte zugestimmt. 


680 Hellmut Herda, a.a.O., Seite 28 

681 

Friedrich Hasselbacher, „Entlarvte Freimaurerei“, Band II, 1938 (3. Auflage), Archiv-Edition 

im Verlag für ganzheitliche Forschung und Kultur, Viöl 1993, Seite 65 f. 

682 

Friedrich Hasselbacher, a.a.O., Seite 66 

zoo 

Friedrich Hasselbacher, a.a.O., Seite 155 



304 


Samstag/Sonntag, 25726. Juli 

Die russische Haltung zur Frage des überreichten Ultimatums war in Belgrad 
entscheidend. Bereits am 24. Juli nachmittags hatte der Zar Serbien die Zusage 
gegeben, daß Rußland einen Angriff auf den Balkanstaat nicht zulassen werde. 684 
Derart rückengedeckt waren die militärischen Kreise gegen ein Nachgeben, 
während Pasic immer noch zur Annahme des Ultimatums neigte und auch den 
Prinzregenten Alexander dafür gewann. Am 25. mittags ließ er bereits den fremden 
Gesandten mitteilen, daß Serbien die Note akzeptieren würde. 

Als jedoch gleichzeitig Nachrichten aus Petersburg eintrafen, die russische Hilfe in 
Aussicht stellten, schlug die Stimmung endgültig um. Um 15 Uhr ordnete Serbien 
seine allgemeine Mobilmachung gegen Österreich an und beschloß bestimmte 
Forderungen des Ultimatums abzulehnen. Um 18 Uhr wurde dem österreichischen 
Gesandten v. Giesl die serbische Antwortnote ausgehändigt. Belgrad teilte darin 
mit, es werde die Punkte erfüllen, bis auf jene, die „die Verfassung und 
Souveränität des Landes betreffen.“ Der österreichische Gesandte, der die Weisung 
erhalten hatte, die diplomatischen Beziehungen abzubrechen, wenn nicht alle 
Forderungen ohne Vorbehalt angenommen würden, erklärte daraufhin die serbische 
Antwortnote für ungenügend und reiste ab. 685 Zwischen 21 Uhr und 21.30 Uhr 
ordnete Österreich-Ungarn die Teilmobilmachung gegen Serbien an. Sie umfaßte 8 
Armeekorps zu insgesamt 22 Divisionen. Wien hatte darauf geachtet, daß kein 
Bezirk der mobilisierten Armeekorps an russisches Gebiet grenzte. 686 

Am gleichen Tage hatte in Petersburg ein Ministerrat unter Vorsitz des Zaren 
beschlossen, die allgemeine Mobilmachung anzuordnen, falls Österreich in Serbien 
einmarschiere Tatsächlich aber ordneten die Militärs hinter dem Rücken des Zaren 
binnen Stundenfrist die ersten Mobilmachungsvorbereitungen für das ganze 

ZOO 

russische Reich einschließlich der Flotte an. Rußland mobilisierte - 


684 

Karl Heise (a.a.O.) schreibt über diese russische Rückendeckung: „Unter den in Nisch 
gefundenen Schriftstücken des serbischen Kronprinzen fanden sich eine Depesche und zwei 
Briefe des Zaren Nikolaus. Darin bedeutete der Herrscher aller Reußen dem Kronprinzen 
Alexander, daß Serbien, wenn es seine - angeblich nach dem Nationalitäten-Prinzip aufgebauten 
- Ideale erreichen wolle, allen Befehlen Rußlands gehorchen müsse. Der Aufrichtung Groß- 
Serbiens dienten folgende russische Zurechtweisungen: 1. Serbien darf unter keinen Umständen 
die serbische Geheimloge 'Narodna Odbrana' auflösen. 2. Serbien muß das Ultimatum 
Österreich-Ungarns abweisen. Dafür hält 3. Rußland seine bewaffnete Macht bereit zur 
Unterstützung Serbiens und fordert Serbien zum Kampf bis aufs äußerste auf.“ (Gerhard Müller, 
Überstaatliche Machtpolitik im 20. Jahrhundert, S. 85) 

685 

„Der Große Brockhaus“, Handbuch des Wissens in 20 Bänden, Verlag Brockhaus, Leipzig 
1935, 15. Auflage, 20. Band, Seite 166 und 168 

686 „Der Große Brockhaus“, a.a.O., Seite 166 und 168 

687 „Der Große Brockhaus“, a.a.O., Seite 168 

688 

„Der Große Brockhaus“, a.a.O., Seite 168. Siehe auch eine Meldung der offiziellen 
französischen Agentur ’Havas’ vom 25. August 1914. Daß Rußland vor Deutschland seine 
Truppen mobilisierte, ist nicht ohne Bedeutung. Am 15. November 1916 gab der damalige 
deutsche Reichskanzler von Bethmann-Hollweg im Reichstag eine russische 
Mobilmachungsorder bekannt, die in deutsche Hände gefallen war und auf den 30. September 



305 


ausschließlich gegen Österreich-Ungarn - 13 Armeekorps. Dies zu einer Zeit, als 
der damalige russische Kriegsminister Suchomlinow und der Chef des russischen 
Generalstabes ehrenwörtlich jede Kriegsvorbereitung bestritten. Am Sonntag den 
26. Juli war zwischen 3.20 Uhr und 3.30 Uhr für das gesamte europäische Rußland 
die Kriegsvorbereitungsperiode, nunmehr offiziell, in Kraft getreten. 689 Es erfolgte 
daraufhin eine deutsche Warnung an die russische Regierung, daß russische 
Mobilmachungsmaßnahmen mit einer Spitze gegen das Reich die deutsche 
Mobilmachung zur Folge hätten. 690 


Montag, 27. Juli 

Der kriegsfeindliche Zarenberater Rasputin war bereits am gleichen Tag, als Franz 
Ferdinand ermordet wurde, einem Giftanschlag nur knapp entronnen. Rasputins 
jüdischer Privatsekretär Aron Simanowitsch schilderte in seinem Buch „Der Zar, 
der Zauberer und die Juden“ Rasputins Gedanken und das nur wenige Wochen 
später auf ihn verübte zweite Attentat wie folgt 691 : 

„Rasputin erzählte mir öfter, er habe nach dem Mord von Sarajewo dem Zaren 
unausgesetzt dargelegt, daß es nicht lohne, Serbiens wegen einen Krieg mit 
Österreich zu beginnen. Deswegen sei er sogar mit dem Zaren in Streit geraten. 'Du 
bist als unglücklicher Zar geboren', erklärte er ihm erregt. 'Das Volk hat die 
Katastrophe von Chodynka 692 bei der Krönungsfeier und den unseligen Krieg mit 
Japan noch nicht vergessen. Wir können keinen neuen Krieg beginnen. Zahle ihnen, 
soviel du willst. Gib Österreich 400 Millionen, nur keinen Krieg! Der Krieg wird 
uns alle zugrunde richten.“ 

Einen solchen Friedensapostel konnten Zionismus und Revolutionsfreimaurerei am 
Zarenhof natürlich nicht brauchen. Rußland mußte in den Krieg. Es folgte daher im 
rechten Augenblick Rasputins Unschädlichmachung. Im Juli 1914 führ Rasputin, 
wie üblich, in seine Heimat, diesmal in Begleitung des jüdischen Journalisten 
Davidsohn. Davidsohn wußte als Abgesandter des Geheimvatikans um das 
geplante Attentat auf Rasputin und wollte sein Zeuge sein. Eine Frau namens 


bzw. 12. Oktober 1912 datiert war. Darin hieß es: „Allerhöchst ist befohlen, daß die Verkündigung 
der Mobilisation zugleich auch die Verkündung des Krieges gegen Deutschland ist.“ 

689 „Der Große Brockhaus“, Handbuch des Wissens in 20 Bänden, Verlag Brockhaus, Leipzig 
1935, 15. Auflage, 20. Band, Seite 166 und 168 sowie Friedrich Hasselbacher, Band II, Seite 67 

690 „Der Große Brockhaus“, a.a.O., Seite 166 und 168 sowie F. Hasselbacher, Band II, Seite 67 

691 Aron Simanowitsch, „Der Zar, der Zauberer und die Juden“, Archiv-Edition im Verlag für 
ganzheitliche Forschung, Viöl 1994, Seite 203ff. Das vorliegende Buch, herausgegeben von Werner 
Gruehn, fußt auf der 1. russischen Originalausgabe. Die zweite - deutsche - Ausgabe der 
Simanowitsch-Memoiren erschien 1928 unter dem Titel „Rasputin der allmächtige Bauer“ im 
Berliner Verlag Hensel. Die französische Ausgabe erschien 1930 in Paris unter dem Titel 
„Raspoutine par son secretaire Aron Simanowitsch“. 

692 

Auf dem Chodynkafeld bei Moskau fanden am 13. Mai 1896 während der 
Krönungsfeierlichkeiten infolge einer ausgebrochenen Panik 5.000 Menschen den Tod. 



306 


Gussewa stieß Rasputin unvermutet in Pokrowskoje ein Messer in den Leib und 
verwundete ihn schwer. Nur seiner besonderen Natur hatte er es zu verdanken, daß 
er am Leben blieb. Aber hören wir Simanowitsch zu den Hintergründen. 

„Das zweite Attentat auf Rasputin“, schreibt dessen Sekretär, „wurde kurz vor 
Ausbruch des Weltkrieges ausgeführt. Rasputin befand sich damals in seinem 
Heimatdorf Pokrowskoje. Rasputin pflegte jeden Sommer in seine Heimat zu reisen 
und wurde diesmal vom Journalisten Davidsohn begleitet. Späterhin hörte ich, daß 
dieser Journalist um das geplante Attentat gewußt und beabsichtigt habe, über die 
Ermordung Rasputins sensationelle Berichte zu veröffentlichen...“ (Simanowitsch 
tischt dem Leser im folgenden das unbelegte Märchen auf, der mit Rasputin 
zerstrittene Mönch lliodor habe hinter dem Attentat gestanden)... „In diesem 
Augenblick stieß die Gussewa ihm ein Messer in den Leib, das sie unter ihrem 
Tuch verborgen hatte... Schwer verwundet, mit aufgeschlitztem Leib, lief Rasputin 
nach Hause. Die Därme traten durch die Wunde heraus und er hielt sie mit den 
Händen fest... Die Verwundung stellte sich als sehr gefährlich heraus. Die Ärzte 
hielten es für ein Wunder, daß er am Leben blieb... Durch seine Verwundung in 
Pokrowskoje aufgehalten, telegraphierte er dem Zaren, er möge unter allen 
Umständen auf einen Krieg verzichten. Doch ein Telegramm konnte nicht auf den 
Zaren dieselbe Wirkung ausüben wie seine persönliche Anwesenheit. Die 
Kriegserklärung versetzte Rasputin in eine solche Aufregung, daß seine Wunde 
sich wieder öffnete. Er sandte an den Zaren ein zweites Telegramm, in dem er ihn 
nochmals anflehte, den Krieg abzuwenden, doch es war schon zu spät.“ „In 
Petersburg waren viele der Ansicht, daß Rasputin den Krieg hätte verhindern 
können, wenn er zur Zeit der Kriegserklärung dort gewesen wäre. Auf Grund 
meiner Kenntnis Rasputins und der Verhältnisse muß ich dieser Ansicht durchaus 
beipflichten.“ 693 

Am 27. Juli kehrte der um Entspannung bemühte deutsche Kaiser Wilhelm II. von 
seiner Nordlandreise vorzeitig zurück 694 und erklärte nach Kenntnisnahme der 
serbischen Antwortnote: „Eine brillante Leistung für eine Frist von 48 Stunden! 
Das ist mehr, als man erwarten konnte. Ein großer moralischer Erfolg für Wien. 
Damit fällt jeder Kriegsgrund fort. Giesl 695 hätte ruhig in Belgrad bleiben sollen. 
Daraufhin hätte ich niemals Mobilmachung befohlen!“ Doch zu diesem Zeitpunkt 
standen sich Serbien und Österreich bereits bewaffnet an der gemeinsamen Grenze 


6Q3 

Werner Gruehn (Hrsg.), „Der Zar, der Zauberer und die Juden - Die Memoiren von Aron 
Simanowitsch, dem Geheimsekretär Grigorij Rasputins“, Archiv-Edition im Verlag für 
ganzheitliche Forschung, Viöl 1994, Seite 203f. 

694 Über die Friedensschritte des deutschen Kaisers kann in ihrer Gesamtheit nicht näher 
eingegangen werden. Auf jeden Fall befand der US-Senator Owen im März 1926 in einer Rede 
über die Kriegsschuldfrage: „Wilhelm II. war der einzige dieser nationalen Führer, der, als er 
entdeckte, daß ein europäischer Krieg drohte, die größten Anstrengungen machte, den Krieg zu 
unterdrücken.“ („Nation Europa“, Monatsschrift, Coburg, 5/1959, Seite 4 sowie Hellmut Herda, 
„Die Schuld der Anderen“, Archiv-Edition im Verlag für ganzheitliche Forschung, Viöl 1995, 
Seite 27) 

695 Freiherr von Giesl, der österreichisch-ungarische Gesandte in Belgrad 



307 


gegenüber. Schon beschossen serbische Truppen bei Temis-Kubin ihre 
österreichisch-ungarischen Gegenüber. 


Dienstag, 28. Juli 

Am 28. Juli 1914 nachmittags 4 Uhr erklärte Österreich-Ungarn an Serbien den 
Krieg, betonte aber nachdrücklich, daß es keinerlei Gebietserweiterungen auf 
Kosten des Gegners beabsichtige. Noch in derselben Nacht beschossen 
österreichische Batterien die Feste Belgrad. 696 

Frankreich, das die Tragweite des Geschehens voll überblickte, teilte der russischen 
Regierung durch die Feder des Grand-Orient Bruders Philippe Berthelot ermutigend 
mit, daß es im Falle eines Krieges zwischen Rußland und Österreich seine 
Bündnisverpflichtungen gegenüber Petersburg erfüllen würde. 697 Die „Antwort“ aus 
Rußland war ebenso niederschmetternd wie unmißverständlich: Noch am gleichen 
Tag wurden nämlich damit begonnen, alle sich in Petersburg aufhaltenden 
Deutschen zwangsweise zu internieren. 698 Daß sein Außenamt künftig einen Weg 
jenseits der diplomatischen Gepflogenheiten und Chancen einschlagen würde, 
machte Minister Sasonow klar, indem er den russischen Gesandten in Berlin 
Swerbejew und seinen Amtskollegen Schebeko in Wien gemeinschaftlich abzog 
und die so entscheidenden Botschafterposten unterbesetzt ließ. 


Mittwoch, 29. Juli 

Angesichts dieser Hiobsbotschaften schlug die deutsche Regierung ihrem 
österreichischen Verbündeten eine Viermächtekonferenz vor. Weiterhin drängt sie 
darauf, den Meinungsaustausch mit Rußland nicht abzulehnen, sowie in der Frage 
der Kompensationen an Italien Entgegenkommen zu zeigen. Verbunden damit war 
die Warnung: „Wir sind zwar bereit, unsere Bündnispflicht zu erfüllen, müssen es 
aber ablehnen, uns von Wien leichtfertig und ohne Beachtung unserer Ratschläge in 
einen Weltbrand hineinziehen zu lassen.“ 699 Doch dieser war ohnehin zum 
damaligen Zeitpunkt kaum mehr zu verhindern, da an diesem 29. Juli zu allem 
Überfluß auch noch das russische Militär in die Offensive ging. 


696 Hellmut Herda, „Die Schuld der Anderen“, Archiv-Edition im Verlag für ganzheitliche 
Forschung, Viöl 1995, Seite 27 

6Q7 

„Der Große Brockhaus“, Handbuch des Wissens in 20 Bänden, Verlag Brockhaus, Leipzig 
!935, 15. Auflage, 20. Band, Seite 168. Berthelot, seit 1904 in der politischen Abteilung des 
Außenministeriums tätig, war in den Julitagen der Verfasser sämtlicher diplomatischer Noten der 
französischen Regierung. Zur Zeit des Kriegsausbruchs führte er auf dem Balkan politische 
Verhandlungen und diente im Verlauf des Krieges als interalliierter Verbindungsmann. Das 
„Berliner Tageblatt“ bezeichnete ihn gelegentlich als „Großmeister des Grand Orient“. 

698 Nach dem Zürcher Tagesanzeiger vom 4. September 1914, der sich bei dieser Meldung auf 
russische Zeitungen beruft. 

699 Friedrich Hasselbacher, „Entlarvte Freimaurerei“, Band II., Hochmuth, Berlin 1938, Seite 69 



308 


Als am 29. Juli in Petersburg die Nachricht eintraf, daß österreichische Batterien in 
der vorhergehenden Nacht Belgrad beschossen hatten, erteilte der Zar am 
Nachmittag auf Drängen seiner Generale die Genehmigung zur Mobilmachung von 
Streitkräften. 

Auf ausdrückliche Anordnung Nikolaus II. sollte die Mobilmachung aber nur an der 
österreichischen Seite erfolgen, was sich durchaus mit den Gesetzen des russischen 
Kaiserreichs vereinbaren ließ. Bezüglich der deutschen Grenze erging dagegen kein 
Befehl des Kaisers. 700 Das war aber den „Falken“ im Hintergrund ziemlich egal. Da 
es ihnen daran gelegen war, die Situation künstlich anzuheizen, konstruierten sie 
einfach selbst den Befehl zur allgemeinen Mobilmachung. Erster Umsetzungstag 
sollte der 30. sein. 

Anschließend meldeten die gleichen Kräfte telegrafisch an die französische 
Regierung den Vollzug des Husarenstücks, verbunden mit der Frage, wie sich 
Frankreichs im Kriegsfall verhalte. Poincare antwortete umgehend daß Frankreich 
marschieren werde. In den Aufzeichnungen des russischen Botschafters in Paris, 
Iswolsky finden darüber hinaus die beiden aufschlußreichen Bemerkungen: 
„Viviani - Ministerpräsident unter Poincare bestätigt mir soeben den festen 
Entschluß der französischen Regierung, in Übereinstimmung mit uns zu handeln.“ 
„Viviani hat heute abend eine Versammlung gegen den Krieg verboten.“ 702 

Natürlich konnte all das nicht völlig vor dem Zaren geheimgehalten werden. 
Während der Herrscher aller Reußen ein Friedenstelegramm nach dem nächsten 
von Wilhelm II. in Empfang nahm erfuhr er am Abend so ganz nebenbei, daß 
entgegen seinen Weisungen nicht nur eine Teilmobilisierung gegen Österreich, 
sondern die allgemeine Mobilmachung im Gange war. 704 

Folgen wir weiter den Ausführungen der russischen Zeitung „Nowoje Slowo“ 
(„Neues Wort“) vom 15. August 1934: 

„Der Kaiser befahl sofort den General Suchomlinow, den damaligen 
Kriegsminister, zu sich und fragte ihn: 'Sagen Sie, aus welchem Grunde wird die 
Mobilmachung auch an der deutschen Grenze betrieben?' General Suchomlinow 
antwortete, daß das auf den Befehl Sr. Majestät geschähe, auf den Befehl, der 
durch den Außenminister Sasonow an den Generalstabschef Januschkewitsch 
übermittelt worden sei. Der Kaiser widersprach darauf und betonte, sein Befehl 
an Sasonow habe nur die Teilmobilmachung angeordnet. Er schlug dabei mit der 
Faust auf den Tisch und rief 'Wladimir Alexandrowitsch, es ist notwendig, daß die 
Mobilmachung sofort eingestellt wird. Fahren Sie los! Tun Sie das!' 


700 „Nowoje Slowo“ („Neues Wort“), Berlin, Nr. 5 vom 15. August 1934 mit Bezug auf den im 
Juli 1917 stattgefundenen Suchomlinow-Prozeß. Zitiert bei Hasselbacher, II., Seite 122f. 

701 Aus dem Pariser Linksblatt „Lanterne“ vom 8. Oktober 1921 

702 

Aus dem Pariser Linksblatt „Lanterne“ vom 8. Oktober 1921 

703 

„Der Große Brockhaus“, Handbuch des Wissens in 20 Bänden, Verlag Brockhaus, Leipzig 
1935, 15. Auflage, 20. Band, Seite 166 und 168 

704 „Nowoje Slowo“ („Neues Wort“), Berlin, Nr. 5 vom 15. August 1934 mit Bezug auf den im 
Juli 1917 stattgefundenen Suchomlinow-Prozeß. Zitiert bei Hasselbacher, II., Seite 122f. 



309 


Nach langem Suchen traf Suchomlinow Sasonow in Gesellschaft des englischen 
Botschafters, Sir George Buchanan, und einiger russischer Parteipolitiker, die 
nachweislich Beziehungen zur Loge hatten. Sasonow antwortete dem 
Kriegsminister Suchomlinow, er habe den Befehl Sr. Majestät im Sinne einer 
allgemeinen Mobilmachung „verstanden “ und ihn so dem Chef des Generalstabes, 
General Januschkewitsch, übermittelt. Wenn aber jetzt die allgemeine 
Mobilmachung eingestellt werde, so bedeute dies, daß Rußland Deutschland auf 
Gnade und Ungnade ausgeliefert sei, da „Deutschland schon die Mobilmachung 
verkündet habe “. Der Mobilmachungsapparat sei zur Zeit schon in vollem Betrieb. 
Im Falle einer Demobilisierung würde eine neue Mobilmachung nur nach langer 
Zeit durchzuführen sein, da die Mobilisierungsanordnungen bereits ausgegeben 
und Kopien nicht vorhanden seien. 

Dies wurde dem Zaren vorgetragen. Daraufhin telegraphierte Zar Nikolaus an 
Kaiser Wilhelm: 'Aus technischen Gründen kann ich die Mobilmachung nicht 
abstellen, aber, wenn die Verhandlungen mit Österreich-Ungarn nicht 
unterbrochen werden, werde ich meine Truppen von jeder Offensive zurückhalten. 

705 

Dies versichere ich auf Ehrenwort'. “ 

Es ist sicher, daß der Zar am späteren Abend des 29. Juli sowohl dem 
Kriegsministerium wie dem Generalstabschef persönlich den telephonischen Befehl 
erteilte, die Gesamtmobilmachung rückgängig zu machen. Statt dessen wurde ein 
Befehl für eine rez7mobilmachung der südlichen Militärbezirke (1, 1 Million 
Mann) aus gesandt. 706 

Fraglich bleibt indes der Schluß des „Nowoje Slowo“-Berichtes, der bei anderen 
Chronisten völlig fehlt. Glaubt man ihnen, dann gab es lediglich ein Verbot 
Nikolaus II. zur Generalmobilmachung, das schlichtweg ignoriert wurde. Dafür 
verlegten sich die Verschwörer nunmehr auf ein größeres Maß an Leisetreterei. 

Nach den Memoiren des französischen Botschafters in Petersburg, Paleologue, kam 
„um 23 Uhr... Nikolai Alexandrowitsch Basily , der Vize-Direktor der Kanzlei des 
Auswärtigen, zur französischen Botschaft gefahren und teilte mir mit, die russische 
Regierung habe wegen des scharfen Tones des deutschen Botschafters beschlossen: 
1. Heute nacht die Mobilmachung von 13 Armeekorps in Wirkung auf Österreich- 
Ungarn anzuordnen. 2. Heimlich die allgemeine Mobilmachung zu befehlen.“ 
Daraufhin beauftragte die französische Botschaft einen Sekretär mit der Weitergabe 
der Meldung nach Paris. 


705 „Nowoje Slowo“ („Neues Wort“), a.a.O., mit Bezug a.a.O. Zitiert bei a.a.O., Seite 122f. 

706 

„Der Große Brockhaus“, Handbuch des Wissens in 20 Bänden, Verlag Brockhaus, Leipzig 
1935, 15. Auflage, 20. Band, Seite 166 und 168 

707 Basily war Freimaurer. Man findet ihn in der Broschüre von N. Switkow, „Die Freimaurerei 
m der russischen Emigration“ (russisch), aufgestellt bis 1. Januar 1932, zitiert durch Friedrich 
Hasselbacher, „Entlavte Freimaurerei“, Band II., Hochmuth, Berlin 1938, Seite 121 

708 

Memoiren von Maurice Paleologue in der „Revue des deux Mondes“ vom 15. Januar 1922 
nach Friedrich Hasselbacher, „Entlarvte Freimaurerei“, Band II, 1938 (3. Auflage), Archiv- 
Edition im Verlag für ganzheitliche Forschung und Kultur, Viöl 1993, Seite 155 



310 


Dies zu einer Zeit, da der Zar den Befehl Nr. 2 ausdrücklich untersagt hatte! 
„Hochverrat“ ist die einzige zulässige Bezeichnung für ein solches Treiben, dem ein 
Vorsatz durchaus unterstellt werden darf. Der damalige Chef des Generalstabes, 
Nikolaj Nikolajewitsch Januschkewitsch, gab jedenfalls im Suchomlinowprozeß zu, 
daß er damals zusammen mit Sassanow die vom Zaren befohlene Rückgängig¬ 
machung der russischen Gesamtmobilmachung hintertrieben habe. 709 Und was tat 
die Regierung angesichts der zaristischen Ordres? „Die Minister“, schreibt 
Raymond Recouly in der„Revue de France“: „haben trotzdem ihre Arbeit 
fortgesetzt, um am anderen Morgen, wenn die Zurücknahme wieder zurück¬ 
genommen sein würde, den Mechanismus ohne Verzögerung in Gang zu 
bringen.“ 710 

Das liegt ganz auf der Linie des ehemaligen Dumapräsidenten Br. Alexander 
Gutschkow, der - nach einem Artikel Werner Graf von Alvenslebens - Anfang 1914 
einem Freund mitgeteilt hatte: „In diesem Sommer wird der Krieg bestimmt 
beginnen. Wir haben dies vorgesehen und werden es so machen, daß die beiden 

711 

Kaiser vor ein fait accompli gestellt werden.“ 


Donnerstag, 30. Juli St. 

Petersburg 

Im russischen Generalstab war man über die Rücknahme der Generalmobilmachung 
aufs äußerste erregt. Auf Veranlassung des Kriegsministers Suchomlinow und des 
Generalstabschefs Januschkewitsch wurde einmal mehr Außenminister Sasonow in 
Marsch gesetzt, um den Zaren doch noch einmal „umzudrehen“. Über die 
Vorgänge, die zur neuerlichen und nunmehr endgültigen Bestätigung der 
Generalmobilmachung führten gibt es nun zwei verschiedene Versionen. Sie 
stimmen darin überein, daß Nikolaus die allgemeine Mobilisierung zwischen 13 
und 18 Uhr des 30. Juli anordnete. 

General Dobrorolski, der Chef der russischen Mobilmachungsabteilung 
schreibt, der Zar sei am Morgen des 30. Juli aus seiner Umgebung neuerlich auf die 


709 „Meyers Lexikon“, Bibliographisches Institut, Leipzig 1938, 8. Auflage, 5. Band, Seite 1638 

710 „Revue de France“, Nr. 17, 1921 

711 „B.Z. am Mittag“, Berlin, März 1920. Alvensleben, enger Verwandter des Friedrich Jahann 
Graf von Alvensleben, welcher von 1900 bis 1905 als Botschafter in Petersburg gelebt hatte, war 
enger Mitarbeiter des späteren Reichskanzler Schleicher und Vorsitzender der 
„Mittwochsgesellschaft“. Er wurde 1934 im Zusammenhang mit der Rohm-Affäre verhaftet und 
später in das Konzentrationslager Buchenwald überstellt. Der Alvensleben-Artikel wurde am 15. 
August 1934 durch die Ausgabe-Nr. 5 der in Berlin erscheinenden russischen Zeitung „Nowoje 
Slowo“ bestätigt. Die „Nowoje Slowo“ verweist nicht auf die „B.Z.“ als Quelle und macht 
weitergehende Angaben, so zum Beispiel, daß Gutschkows Ausführung aus dem März 1914 
stammten und daß er ferner gesagt habe: „Ich rate Ihnen, nicht nach Deutschland zu reisen... 
Deutschland kann sich drehen, wie es will, es wird den Krieg nicht vermeiden können!“ Beide 
Zeitungsmeldungen überliefert Friedrich Hasselbacher in „Entlarvte Freimaurerei’VII, Seite 126. 



311 


militärtechnischen Bedenken gegen eine Nur-Teilmobilisierang und auf die 
Bündnispfhcht gegenüber Frankreich hingewiesen worden, worauf der Regent um 
13 Uhr den Befehl zu der öffentlich bekanntzugebenden Gesamtmobilmachung 
erteilte. 712 

Der französische Botschafter Paleologue dagegen setzt den Mobilmachungsbefehl 
des russischen Kaisers einige Stunden später an, auf 16 Uhr 713 , womit die 
Geschichte einen leicht geänderten Hintergrund bekommt. Denn in diesem Fall 
ereignete sich noch vor dem Entschluß des Zaren ein weiteres Bühnenstück der 
Jahwe-Freimaurerei: Während der Zar wankte und gegen die russische Kriegspartei 
stritt, veröffentlichte der Hochgradbruder von Kupfer , im profanen Beruf 
Chefredakteur des „Berliner Lokal-Anzeigers“, ein Extrablatt mit der Lüge, daß der 
deutsche Kaiser die allgemeine Mobilmachung von Heer und Flotte angeordnet 
habe. Die Zeitung erschien mittags gegen 13 Uhr. Der Kaiser aber hatte gar nichts 
angeordnet! Trotzdem kabelte jetzt die russische Botschaft in Berlin nach 
Petersburg: Mobilmachung in Deutschland. Br. Sassanow, Minister des 
Auswärtigen in Petersburg, „erfuhr“ diese Presseente gerade „rechtzeitig“ und 
benutzte sie, um beim Zaren das Aufkommen eines Friedenswillens zu verhindern 
und bei ihm - wie Paleologue behauptet am Nachmittag - die allgemeine 
Mobilmachung des Heeres gegen Deutschland zu erwirken. Konkret zum „Fall 
Kupfer“ ergänzt die russische Zeitung „Nowoje Slowo“:„Das Telegramm von der 
Mobilmachung Deutschlands gelangte nach Petersburg, wo es wie eine explo¬ 
dierende Bombe einschlug. Zur selben Zeit veröffentlichte die deutsche Regierung 
ein Dementi. Der russische Botschafter in Deutschland, Swerbjeew, sandte diese 
Richtigstellung sofort nach Petersburg. Sonderbarerweise aber wurde dieses 
Telegramm irgendwo aufgehalten und kam erst einen ganzen Tag später an, als es 
längst zu spät war.“ 716 

Paleologue erzählt in seinem Tagebuch, er habe Außenminister Sasonow, der den 
Zaren zur erneuten Generalmobilmachung überreden wollte, selbst in seinem 
Wagen zum Monarchen gefahren. Nach einer längeren Unterredung gelang es dem 
Kriegstreiber demzufolge „genau um 16 Uhr“, beim Zaren erneut die Anordnung 
der allgemeinen Mobilmachung durchzudrücken. Sasanow begründete seine 
Haltung, die Politik der nächsten Tage würde die allgemeine Mobilmachung doch 
notwendig machen und dann würde der Übergang von der Teilmobilmachung zur 
allgemeinen Mobilmachung infolge technischer Schwierigkeiten schwer möglich 
sein. Außerdem hatte der russische Außenminister, so der Kriegsforscher Dr. 
Alfred von Wegerer „gegenüber dem Zaren falsche Gründe vorgebracht und 


712 

Dobrorolski in der Belgrader Militärzeitschrift „Wojeny Sbornik“, Ausgabe Juli-August 1921 

713 Memoiren Paleologues in der „Revue des deux Mondes“ vom 15. Januar 1922 

714 Hugo von Kupfer war nach Hasselbacher II, Seite 127 Mitglied im Rat der „Höchsten Inneren 
Bundesoberen, die zugleich das Altschottische und das Bundesdirektorium bilden“, Leiter des 
Logenbezirks IV der Großen National-Mutterloge „Zu den drei Weltkugeln“ in Berlin 

715 Friedrich Hasselbacher, „Entlarvte Freimaurerei“, Band II, Seite 71 und 120 

716 „Nowoje Slowo“ („Neues Wort“), Berlin, Nr. 5 vom 15. August 1934, a.a.O. 

717 „Der Große Brockhaus“, Handbuch des Wissens in 20 Bänden, Verlag Brockhaus, Leipzig 
1935, 15. Auflage, 20. Band, Seite 166 und 168 



312 


behauptet, daß Österreich auch bereits gegen Rußland mobilisiert habe und die 
deutsche Mobilmachung infolge geheimer Rüstungen schon sehr weit 
vorgeschritten sei, was den Tatsachen nicht entsprach.“ 718 Gegen 18 Uhr wurde der 
Befehl an das Heer und die Flotte ausgegeben; der erste Mobilmachungstag war der 
31. Juli 719 

Wieder einmal sollte der Suchomlinowprozeß 720 den Beweis liefern, daß der Zar 
hinsichtlich der seit langem im Stillen betriebenen Mobilmachungsmaßnahmen 
arglistig von der russischen Kriegspartei getäuscht wurde. So bekundete 
Suchomlinow, daß bereits seit mindestens 1912 systematisch verdeckt vor allem 
sibirische Korps nach Westen verschoben worden seien, ohne daß der russische 
Monarch davon informiert wurde. Bezüglich dieses 30. Juli erklärte der ebenfalls 
vorgeladene General Nikolaj Nikolajewitsch Januschkewitsch, der seit März 1914 
Chef des Generalstabes war, er habe dem Zaren „bewußt lügend“ dargelegt, es seien 
höchstens nur 400.000 Reservisten einberufen worden und es sei im Augenblick 
technisch nicht möglich, sie zu entlassen. Diese Truppen aber - sibirische Korps - 
waren tatsächlich seit mehr als einer Woche vor dem Attentat auf Franz Ferdinand 
mobil und wurden mit Hochdruck nach Westen gebracht. 


Donnerstag, 30. Juli Paris 

Während sich der Konflikt zunächst logischerweise auf Serbien und Österreich 
konzentriert hatte und dann auf die mehr oder weniger offiziellen Garantiemächte 
Deutschland und Rußland übergegriffen hatte, ließ nun auch Frankreich die Maske 
fallen, und zeigte militärische Stärke. Als die Russen am 30. Juli allgemein mobil 
machten (jedoch bevor die Österreicher diesem Schritt nachkamen) gab Paris 
augenblicklich den Befehl zur Aufstellung des Grenzschutzes, wodurch 11 
Infanterie- und 3 Kavalleriedivisionen mobil wurden. Der französische General 
Joffre ließ noch am 30. Juli fünf Armeekorps im Fußmarsch in die Grenzbezirke 
verlegen, verbunden mit dem Befehl, zehn Kilometer Abstand zur deutschen 
Grenze zu halten. 


718 

Dr. h.c. Alfred von Wegerer, „Wie es zum Großen Kriege kam“, Reclams Universal- 
Bibliothek, Seite 74 

719 „Der Große Brockhaus“, Handbuch des Wissens in 20 Bänden, Verlag Brockhaus, Leipzig 
1935, 15. Auflage, 20. Band, Seite 166 und 168 

' Wladimir Alexandrowitsch Suchomlinow, einer der Hauptschuldigen am Ausbruch des 
Krieges, war seit 1908/09 Chef des Generalstabes und Kriegsminister und wurde Mitte 1917 in 
einem Prozeß zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt, wenige Monate später jedoch von der 
Sowjetregierung wieder freigelassen, woraufhin er sich ausgerechnet nach Deutschland ins Exil 
begab. Der Suchomlinowprozeß wurde seinerzeit von der gesamten Weltpresse aufmerksam 
beleuchtet. 



313 


Freitag, 31. Juli 

Am 31. Juli war der endgültige russische Gesamtmobilisierungs-Befehl bereits um 8 
Uhr morgens in Petersburg öffentlich angeschlagen. Stunden später schrieb das 
SPD-Parteiorgan „Vorwärts“ in einer unentgeldlichen Sonderausgabe „Gegen die 
Kriegshetzer“. Aus dem augenblicklichen Erleben stand dort zu lesen: „Durch die 
Mobilmachung Rußlands ist die Gefahr eines Weltkrieges in größere Nähe gerückt. 
Die Zarenregierung treibt ein frevelhaftes und verbrecherisches Spiel mit dem 
Frieden und dem Schicksal der europäischen Kultur.“ 

Die Anordnung der russischen Gesamtmobilmachung gegen Wien und Berlin hatte 
zur Folge, daß Kaiser Franz Joseph am 31. Juli um 11. 30 Uhr den Befehl für die 
allgemeine Mobilmachung Österreich-Ungarns Unterzeichnete. Um 13 Uhr ordnete 
Wilhelm II. den „Zustand drohender Kriegsgefahr“ an, der jedoch noch nicht die 
Mobilmachung bedeutete. Gleichzeitig wurde der Botschafter Graf Pourtales 
beauftragt, die russische Regierung zu ersuchen, binnen zwölf Stunden jede 
Kriegsmaßnahme gegen das deutsche Reich und Österreich einzustellen, 
widrigenfalls das Reich selbst mobil machen würde. Gegen 14 Uhr richtete sich 
der deutsche Kaiser mit der dringenden Aufforderung zur Einstellung der 
militärischen Maßnahmen einmal mehr direkt an den Zaren. Doch Rußland 
antwortet nicht mehr. 

Dafür bereiteten sich jetzt auch noch die Franzosen auf die ersten Schlachten vor. 
In einer Nachmittags Sitzung des Kabinetts wurde gegen 16.40 Uhr die 
Mobilmachung der französischen Ostkorps beschlossen. Um 19 Uhr ersuchte die 
deutsche Regierung daher Frankreich binnen achtzehn Stunden ultimativ um eine 
Erklärung „ob Frankreich in einen russisch-deutschen Kriege neutral bleiben will.“ 

Diese Hoffnung war nun gar nicht so weit hergeholt, wie es zunächst scheinen mag. 
Noch immer gab es in Frankreich Stimmen, die zum Frieden mahnten. Aus der 
Masse ragte dabei jene des Sozialistenführers Jean Jaures heraus. Als die 
internationale Fage sich mehr und mehr zuspitzte, wollte der Führer der 
französischen Finken Kundgebungen gegen den Krieg veranlassen, die aber sofort 
von Br. Viviani, dem Minister des Innern, verboten wurden. Daraufhin trat Jaures 
auf einer bewilligten Anti-Kriegsdemonstrationen in Berlin auf und wandte sich 
beschwerdeführend an den Vorsitzenden des Internationalen Bureaus der II. 
Arbeiter-Internationale, Br. Vanderfelde, vor dem er ausführte, 'es läge in der 
Macht der französischen Regierung, Rußland am Kriege zu verhindern, aber man 
suche den Krieg, den man schon lange schüre.' 722 Noch am Abend des 30. Juli 


721 

„Der Große Brockhaus“, Handbuch des Wissens in 20 Bänden, Verlag Brockhaus, Leipzig 
1935, 15. Auflage, 20. Band, Seite 166 und 168 

722 

Müller, Gerhard, Überstaatliche Machtpolitik im 20. Jahrhundert, Seite 88. Emil(e) 
Vandervelde, eigentlicher Name Epstein, der Führer der belgischen Sozialdemokraten, war nach 
Friedrich Hasselbacher, „Entlarvte Freimaurerei“ (Band I, Seite 163) und Arnold Cronberg, 
„Weltpolitik vom Sinai im 20. Jahrhundert“ (Seite 93) Br. der 1798 gegründeten Brüsseler Loge 
„Les Amis Philantropes“. Seine Mitgliedschaft bei der Freimaurerei bestätigen Lennhof/Posner in 



314 


forderte er in seiner Zeitung „Humanite“, Kaltblütigkeit zu bewahren und sprach 
sich für sofortige Friedensgespräche aus. 

Was den populären Gründer und Führer der französischen Sozialdemokratie aus 
Sicht des zum Krieg entschlossenen Establishments so gefährlich machte war die 
Tatsache, daß dieser wie sie Freimaurer war. Nur gehörte Jaures zu jenen Männern, 
die lange Zeit glaubten, die Freimaurerei erstrebe tatsächlich den 
Weltfriedensgedanken und die Weltverbrüderung. Jetzt aber wurde dem großen 
Pazifisten mit einem Schlag bewußt, daß es neben der humanitären eine 
verschwörerische Freimaurerei gab. Entsetzt sah er das wahre Spiel der Kräfte, 
hinter dem vor allem der Großorient von Frankreich stand. An dieser Stelle lohnt es 
sich, noch einmal an den Artikel des britischen Sozialdemokraten C. H. Norman 
über die freimaurerischen Hintergründe des Attentats von Sarajewo zu erinnern. 

Über die Einrichtung der Londoner Tochtergesellschaft des Grand Orient schreibt 
er: „Smith versuchte mich dadurch zu überreden, dem Projekt beizutreten, daß er 
mir mitteilte, die Mehrzahl der führenden Sozialisten und nicht sozialistischen 
Politiker Frankreichs... seien Mitglieder des 'Grand Orient'. Die einzige 
bemerkenswerte Ausnahme im Fall Frankreichs sei Jean Jaures, dessen 
Ermordung als zweites Verbrechen dem Kriege vorausging... Es ist... auffallend, 
daß Jaures ermordet wurde, ehe er in der französischen Kammer die Rede halten 
konnte, in der er beabsichtigte, sich gegen die Kriegskredite auszusprechen und 

723 

den 'Grand Orient' mit dem Mord von Sarajewo in Verbindung zu bringen. “ 

Tatsächlich kündigte Jaures an, im Parlament Aufklärung über die wahren 
Hintermänner der Kriegshetze gegen Deutschland zu geben. Einen Drahtzieher sah 
der prominente Sozialist auf jeden Fall in der Hochfinanz. In seinem letzten Brief 
vom 30. Juli jedenfalls schrieb er: „Hier in Frankreich arbeiten wir mit allen 
Gewaltmitteln für einen Krieg, der ausgefochten werden muß, um ekelhafte 
Begierden zu befriedigen, und weil die Pariser und Londoner Börsen in Petersburg 
spekuliert haben...“ 724 Wenige Stunden bevor die Öffentlichkeit aus dem Mund des 
großen Volkstribunen die ganze Wahrheit erfahren konnte schlug das „Schicksal“ 
gerade noch rechtzeitig zu. Am Abend des 31. Juli wurde Jaures in aller 
Öffentlichkeit in Paris erschossen. Sein Redemanuskript verschwand auf 

725 

Nimmerwiedersehen. Der vermutlich gekaufte Auftragsmörder Villain “ wurde 


„Internationales Freimaurerlexikon“. Vandervelde verkündete am 25. Mai 1917, ohne den Sturz 
Kaiser Wilhelm II. und Karl I. „ist ein Friede nicht möglich“. Der Sozialdemokrat amtierte von 
1918 bis 1937 als Präsident der „Zweiten Internationale“. 

723 

Berliner Monatshefte für internationale Aufklärung, Hrsg. Dr. h. c. Alfred von Wegerer, 
Februarheft 1931, Aufsatz von C. H. Nonnan, London: “Grand Orient“, Seite 177 ff. 

724 

Die Entente-Freimaurerei und der Weltkrieg, S. 59 

725 Villain, damals Student, ging nach dem Krieg auf die spanische Insel Ibiza. 1936 wurde er 
dort von Unbekannten erschossen, die seine Leiche ins Meer stürzten. Gerüchten zufolge sollen 
die Mörder Kommunisten gewesen sein. Dieser zunächst schwer faßbare Täter-Opfer- 
Zusammenhang erhellt sich erst, wenn man bedenkt, daß Stalin zu dieser Zeit reihenweise im 
Ausland befindliche Trotzkisten liquidieren ließ. Eine andere Quelle bringt Villain mit der 
regierungsamtlichen Terrororganisation „Agitationsamt für die Verwirklichung politischer Ziele“ 



315 


verhaftet, während des Krieges mit allen erdenklichen Vorzügen in Haft gehalten 
und 1919 - freigelassen! Dem Frieden war auch in Frankreich abgesagt. 

Doch zurück zu den diplomatischen Grabenkämpfen, die während des feigen 
Mordes über Wohl und Wehe der Menschheit zu entscheiden hatten. Da der 
deutsche Appell an den Zaren keine Wirkung gezeigt hatte und in Petersburg die 
Vorbereitungen zum Krieg munter ihren Fortgang nahmen, sandte Deutschland 
mitten in der Nacht zum 1. August, um Mitternacht nunmehr ein Ultimatum an 
Rußland, sofort alle Kriegsmaßnahmen gegen Österreich-Ungarn und Deutschland 
innerhalb von 12 Stunden einzustellen. „Eine Fortsetzung der russischen 
Mobilmachungsmaßnahmen wird uns zwingen, ebenfalls zu mobilisieren, und in 
diesem Fall ist ein europäischer Krieg kaum noch zu vermeiden“, lautete die 
offizielle Note, die der deutsche Gesandte Pourtales der russischen Regierung in St. 
Petersburg überreichte. " Die Antwort: Sasonow lehnte ab. " 

Westlich des Rheins beschloß das französische Kabinett derweil in einer 
Nachtsitzung, am nächsten Tage den Befehl für die allgemeine Mobilmachung zu 
erlassen. Gegen 1 Uhr nachts schickte daraufhin der russische Botschafter in Paris 
Iswolski folgendes Telegramm nach Petersburg: „An den Kriegsminister. Der 
französische Kriegsminister (Messimy) eröffnete mir in gehobenem herzlichem 
Tone, daß die Regierung zum Kriege fest entschlossen sei. Er bat mich, die 
Hoffnung des französischen Generalstabes zu bestätigen, daß alle unsere 
(russischen) Anstrengungen gegen Deutschland gerichtet seien und Österreich als 
eine quantite negligeable behandelt werden würde.“ 728 

Auch England war involviert - und zwar weit stärker, als sich dies die britische 
Öffentlichkeit damals träumen ließ. Später, viel später erklärte der englische 
Blockademinister Br. Lord Robert Cecil im britischen Unterhaus, daß ein vor der 
Öffentlichkeit geheimgehaltenes Militärabkommen zwischen England und 
Frankreich schon seit 1912 bestand. Dieses Militärabkommen war vordem von 
englischer Seite ständig geleugnet worden. Es war in solcher Form abgeschlossen 
worden, daß es ohne Austausch von Ratifikationen wirksam wurde. 729 Nicht zuletzt 


in London in Verbindung. Von diesem Amt wurden nach einem Bericht, den die „Hessische 
Landeszeitung“ seinerzeit über Kopenhagen erhielt, die finanziellen Mittel bereitgestellt, welche 
bei der Ermordung des französischen Sozialistenführers Jaures nötig waren. (Siehe die Beilage des 
Zentrumsblattes „Germania“ vom 28. Juli 1915 sowie Karl Heise, „Die Entente-Freimaurerei und 
der Weltkrieg“, Ernst Finckh Verlag, Basel 1919, Seite 75ff. sowie Freymann, Seite 68 sowie 
Ludendorff, „Kriegshetze und Völkermorden in den letzten 150 Jahren, 81 bis 85 Tausend, S. 
12 lf.) 

‘ Friedrich Hasselbacher, „Entlarvte Freimaurerei“, Band II, Seite 72 

727 „Der Große Brockhaus“, Handbuch des Wissens in 20 Bänden, Verlag Brockhaus, Leipzig 
1935, 15. Auflage, 20. Band, Seite 168 

728 

Das Pariser Linksblatt „Lanteme“ vom 8. Oktober 1921 sowie „Der Große Brockhaus“, 
Handbuch des Wissens in 20 Bänden, Verlag Brockhaus, Leipzig 1935, 15. Auflage, 20. Band, 
Seite 166 und 168 

79Q 

' Vgl. den Leitartikel in Nr. 193 des „Zürcher Tagesanzeiger“ vom 19. August 1918, welcher 
sich auf Enthüllungen des englischen Blockadeministers Br. Lord Robert Cecil am 24. Juli 1918 im 
britischen Unterhaus bezieht. 



316 


aus diesem Grund hatte sich die englische Flotte seit dem 16. Juni 1914 - zwei Tage 
nach dem Mord von Sarajewo - in mobilem Zustand zu Manövern um Portland 
versammelt. Trotzdem war das in weite Teile der britischen Geheimpolitik 
uneingeweihte englische Kabinett noch am 31. Juli unentschieden, ob es sich für 
einen Marschbefehl zugunsten Frankreichs und Rußlands entscheiden sollte. Selbst 
die Vorstellung des französischen Botschafters Cambon, der England an seine in 
der Marinekonvention von 1912 begründete Verpflichtung zum Schutz der 
französischen Nordküste erinnerte, führten zu keinem abschließenden Ergebnis. 

Erst als auf eine Anregung des Generals Sir Flenry Wilson die Konservativen, die 
zur Regierung in Opposition standen, im Sinne einer Intervention einwirken 
wollten, legte sich Außenminister Grey am Abend des 31. Juli auf den 1. August - 
während Paris und Petersburg mobilisierten - auf eine Kriegskoalition gegen 
Deutschland fest. Der hebräische Zeitungsbesitzer Leo Maxse bekannte in seiner 
englischen „National Review“, daß er selbst in Gemeinschaft des späteren 
Kriegsministers Br. Lord Milner, des Ex-Außenministers und konservativen 
Oppositionsführers Br. Lord Lansdowne, des ehemaligen konservativen Schatz¬ 
kanzlers Sir Austen Chamberlain, des Führers der Unionistischen Partei und 
späteren Schatzkanzlers Br. Bonar Law, des konservativen Vizeparteichef und 
künftigen Außenminister Br. Balfour und dem englischen Generalstabschef General 
Wilson an diesem 31. Juli 1914 die kriegerische Unterstützung Rußlands und 

7T0 

Frankreichs auf den Weg gebracht hatte. 

Auf jeden Fall gab Grey an diesem Abend dem französischen Botschafter Cambon 
die Zusicherung, England würde in Übereinstimmung mit der gemeinsamen 
Marinekonvention von 1912 ein Eindringen der deutschen Flotte in den Ärmelkanal 
nicht dulden. Als dann am nächsten Tag die Konservativen durch ein Schreiben an 
den Ministerpräsidenten Asquith sich für eine Intervention Englands zur Verfügung 
stellten, wurde Grey auch in der Kabinetts Sitzung am Nachmittag zu der Erklärung 
an Cambon ermächtigt, die er schon abgegeben hatte; um 2. 30 Uhr erhielt Cambon 
diese offizielle Mitteilung von Grey. England trat damit zur See de facto in den 
Krieg gegen das Deutsche Reich ein. 


Samstag, 1. August 


Der „point of no retum“, der Tag, an dem es keine Umkehr mehr gab, war in 
Rußland spätestens am 30. Juli gekommen; seitdem konnte der Zar seine Truppen 
aus wirtschaftlichen und organisatorischen Gründen - selbst wenn er gewollt hätte - 
gar nicht mehr zum Stillstand bringen geschweige denn zurückziehen. Der Krieg 
war damit für Rußland unvermeidlich geworden, unabhängig davon, wie 
Deutschland oder Österreich auch immer gehandelt haben konnten. 


730 


Vgl. die Berliner „Vossische Zeitung“ vom 9. August 1918 



317 


Trotzdem wartete das Reich immer noch zu. Als aber am Vormittag des 1. August 
in Berlin noch immer keine Nachricht aus Petersburg eingegangen war - Rußland 
beantwortet deutsche Anfragen nicht mehr - wurde Pourtales gegen Mittag durch 
ein neues Telegramm angewiesen, um 17 Uhr die Kriegserklärung zu überreichen - 
falls bis dahin Rußland keine befriedigende Antwort erteilt habe. Noch bevor es 
dazu kam wurde in Paris gegen 16.30 Uhr der allgemeine Mobilmachungsbefehl für 
die französische Armee vom Kriegsminister gegengezeichnet und daraufhin 
ausgegeben. 731 Deutschland stand vor einem Zweifrontenkrieg. 

Tatsächlich war der Frieden nicht mehr zu retten, seit in Rußland die roten 
Mobilmachungsplakate an den Wänden hingen. Deutschland, von zwei Seiten 
bedroht, konnte unmöglich noch zuwarten, bis die russische Dampfwalze zu rollen 
begann. In diesen schicksalsschweren Tagen wurde die deutsche Politik daher in 
weit stärkerem Maß durch militärische Notwendigkeiten als durch die aktuelle 
Tagespolitik beeinflußt, mehr durch den toten Grafen Schlieffen bestimmt als durch 
den Kaiser oder Reichskanzler Bethmann-Hollweg. Da Schlieffens Plan davon 
ausging, daß Frankreich entscheidend geschlagen werden mußte, ehe noch die 
Russen ihren Aufmarsch abgeschlossen hatten, durfte man es nicht zulassen, daß 
diese noch im Frieden mobilisieren konnten. Und selbst wenn Frankreich erklären 
sollte, es werde seinen Verbündeten im Stich lassen und Rußland den Strauß mit 
Deutschland allein ausfechten lassen - konnte man denn dann damit rechnen, daß 
Frankreich der Versuchung widerstehen würde, seinen alten Gegner anzugreifen, 
wenn die deutschen Armeen erst einmal in Rußland festlagen? General von Moltkes 
Nachrichtenchef meldete, daß sowohl die russische als auch die französische 
Mobilmachung in vollem Gange sei. Die Lage war nicht nur bedrohlich - es gab 
ganz einfach keinen Rückweg mehr. Wenn Deutschland nicht gemäß Plan 
mobilisierte und unmittelbar zum Angriff überging, war der Krieg verloren, noch 
ehe er begonnen hatte. Deutschland mußte marschieren - und zwar umgehend. 

Um 17 Uhr ordnete der Kaiser die Gesamtmobilmachung des Heeres und der Flotte 
an. Der deutsche Botschafter in Petersburg Graf Pourtales kam kurz nach 18 Uhr 
seinem undankbaren Auftrag nach. Vor Außenminister Sasonow stehend erklärte 
er: da Rußland sich weiterhin weigere, die deutsche Forderung nach Einstellung 
seiner Mobilmachung zu erfüllen, nehme der deutsche Kaiser die Herausforderung 
an und betrachte sich als im Kriegszustand mit Rußland befindlich. 

Über diese historische Szene schreibt Eugen Fischer, Sachverständiger in dem 
Untersuchungsausschuß des Deutschen Reichstages über die Kriegsschuldfrage: 

„Dreimal zu fragen hatte sich der Graf vorgenommen. 

Wollen Sie ihre Mobilmachung zurücknehmen?'Nein! 

Technisch unmöglich!' 


731 

„Der Große Brockhaus“, Handbuch des Wissens in 20 Bänden, Verlag Brockhaus, Leipzig 
1935, 15. Auflage, 20. Band, Seite 166 und 168 



318 


'Wollen Sie Ihre Mobilmachung zurücknehmen?' 

'Nein, unmöglich!' 

'Wollen Sie Ihre Mobilmachung zurücknehmen?' 

’Nein!' 

'So bin ich beauftragt, zu erklären: Seine Majestät der Kaiser, mein erhabener 

732 

Herrscher, nimmt im Namen des Reichs die Herausforderung an!'“ 

Bezeichnend ist die Äußerung des bekannten amerikanischen Historikers William 
L. Langer, daß ein deutscher Staatsmann, der im Jahre 1914 eine russische 
Mobilmachung nicht mit der Eröffnung der Feindseligkeiten beantwortet hätte, sich 
einer verbrecherischen Unterlassungssünde schuldig gemacht haben würde. 73 . 

Die Mobilisierung der russischen Armee war von einem Angriff nicht zu trennen 
und nach dem russisch-französischen Bündnisvertrag bedeutete daher diese 
Mobilisierung die Erklärung des Krieges. Der frühere russische Generalstabschef 
und Oberbefehlshaber der russischen Westarmee, General Gurko, erklärte deshalb 
auch 1919: „Die russische Mobilisierung bedeutete für Deutschland die Notwen¬ 
digkeit, den Krieg zu erklären, ohne einen Tag zu versäumen.“ 734 


Sonntag, 2. August 

Ein weiter ungelöstes Problem blieb Frankreich. Noch am 1. August, kurz nach 18 
Uhr abends, war in Berlin die Antwort auf jene ultimative Anfrage nach Paris 
eingegangen; sie lautete: „Frankreich werde das tun, was seine Interessen geböten“. 
Wer die revanchistische französische Führung kannte, wußte, das das früher oder 
später Angriff bedeutete. 

Der vom Großen Generalstab im Frieden ausgearbeitete Schlieffenplan sah bei 
einem Krieg mit Frankreich eine Offensive durch Belgien vor, weil ein Kampf 
gegen die französischen Sperrbefestigungen zu zeitraubend gewesen wäre, um 
rechtzeitig die für die Niederwerfung Rußlands notwendigen Truppen verfügbar zu 
machen. Da nun auch Nachrichten Vorlagen, daß französische Reiterei an der 
belgischen Grenze versammelt war und mit ihrem Vormarsch durch Belgien 

H'l C 

gerechnet werden konnte , erging am 2. August 20 Uhr abends die Aufforderung 


131 Rudolph Stratz, „Der Weltkrieg“, Verlag Scherl, Berlin 1933, Seite 12 

733 

Hellmut Herda, „Die Schuld der Anderen“, Archiv-Edition im Verlag für ganzheitliche 
Forschung, Viöl 1995, Seite 36 

734 Hellmut Herda, a.a.O., Seite 133 

~ Bald nach Beginn des Krieges warf der englische Arbeiterführer und spätere britische 
Premierminister, Ramsey Macdonald, im „Labour Leader“ Sir Edward Grey vor, dieser habe seit 
1906 auf den Krieg mit Deutschland hingearbeitet unter der Voraussetzung, daß Belgiens 
Neutralität von der Tripelentente nicht beachtet werde, und Deutschland habe diese Pläne 
durch einen russischen Großwürdenträger übermittelt erhalten. Kein Wunder kann es dann sein, 
wenn das Wolfbureau am 9. August 1914 mitteilte, daß der deutschen kaiserlichen Regierung 
zuverlässige Nachrichten darüber Vorgelegen haben, daß Tripelentente-Armeen französischer 
Nationalität an der Maas auf der Strecke Givet-Namur durch belgisches Gebiet gegen 



319 


an Belgien, den ungehinderten Durchmarsch der deutschen Truppen zu gestatten; 
es wurde voller Schadensersatz und die Unversehrtheit des territorialen 
Besitzstandes nach dem Krieg zugesichert. Aber Belgien wies die Forderung 
zurück. 

Montag, 3. August 

Der deutsche Generalstab wollte den Vormarsch durch Belgien spätestens am 4. 
August antreten; nach Ansicht des Reichskanzlers war aber, um das Notstandsrecht 
zur Begründung dieser Neutralitätsverletzung heranzuziehen, ein Kriegszustand 
zwischen dem Deutschen Reich und Frankreich notwendig. So händigte am 3. 


Deutschland Vorgehen sollten. (Gerhard Müller, Überstaatliche Machtpolitik im 20. Jahrhundert, 
Verlag Hohe Warte GmbH, Pähl 1982/1994, Seite 111) Diese Planungen scheinen indes nicht 
ganz ohne ein Entgegenkommen Brüssels vonstatten gegangen zu sein. Im Januar des von 
Macdonald genannten Jahres 1906, inmitten der berüchtigten „Einkreisungspolitik“ fanden unter 
Einschluß Belgiens geheime englisch-französisch Verhandlungen statt, die unter anderen mit der 
Vereinbarung endeten, daß im Falle eines englisch-deutschen Krieges Antwerpen als 
Verpflegungsbasis für die britische Truppen dienen sollte. Analog hierzu arbeitete der belgische 
Generalstab Studien aus, die die Eisenbahnfahrt englischer Truppen auf vier Linien durch 
Belgien für zwei Aufmarschpläne innerhalb des Landes gegen Deutschland vorsahen. Sie waren 
berechnet auf Tag und Stunde des 6. bis 17. Mobilmachungstages. (Vgl. die „Norddeutsche 
Allgemeine Zeitung“ in ihren „Enthüllungen“ vom Februar 1917) In diesen Aufmarschplan der 
„verbündeten Armeen“ (der belgische Generalstabschef am 10. April 1906) eingeschlossen war 
die vollständige Verpflegung der englischen Truppen (von 100.000 Mann) wie auch der 
vorauszusehenden Verwundeten, sowie die Bereitstellung eines Dolmetscher- und 
Gendarmenstabs seitens Belgien. (Vgl. „Neue Züricher Nachrichten“, Nr. 67 vom 9. März 1918) 
Daraufhin fanden bereits vor 1909 zwischen britischen, belgischen, französischen und 
russischen Militärdelegierten geheime Kriegsberatungen statt, die die Zertrümmerung des 
Deutschen Reiches zum Ziel hatten. Dabei übernahm London die Verpflichtung, innerhalb der 
ersten Kriegswoche 150.000 Mann in Belgien zu landen, um im Verein mit den belgischen 
Truppen in die Rheinprovinz einzumarschieren, während die Franzosen durch die Vogesen und 
die Russen durch Ostpreußen einbrechen würden. (Nach den Äußerungen des englischen 
Generals Townshend, der von 1909-1912 die britischen Besatzungstruppen in Südafrika 
befehligte und angab, selbst bei diesen Kriegsberatungen anwesend gewesen zu sein. Der 
„Berliner Lokalanzeiger“ berichtete über diese - später bestätigte - Indiskretion im Frühjahr 
1916. Nach: Gerhard Müller, Überstaatliche Machtpolitik im 20. Jahrhundert, Verlag Hohe 
Warte GmbH, Pähl 1982/1994, Seite 111) Belgien war zum Ausbruch des Krieges also alles 
andere als neutral. Auf die britische Scheinheiligkeit wies unter anderem der englisch-irische 
Schriftsteller Bernard Shaw hin. So schrieb er im August 1916 in der New York Times: „Grey 
spricht von Deutschlands Verletzung der belgischen Neutralität... Aber Belgien war 
ebensowenig unabhängig wie Wand. „Für Frankreich und England war Belgien das Vorwerk 
gegen Deutschland; das weiß jetzt jeder Mensch, ausgenommen die Leser der... Londoner 
Halbpennyblätter... Wenn Grey noch immer behauptet, daß England (von Deutschland) 
überfallen worden sei, trotzdem das englische Kriegsministerium buchstäblich anerkannt hat, 
daß schon fünf Jahre vor diesem Kriege die (englischen) Pläne in Flandern sorgfältig vorbereitet 
worden seien, und daß der englische Oberbefehlshaber schon damals das (belgische) Gelände 
studiert habe, ferner daß die englische Flotte mit Munition für fünf Jahre versehen worden sei, 
was übrigens in dem Abkommen (mit Belgien-Frankreich) zur Bedingung gemacht worden war, 
so ist es klar, daß Greys Politik dem oft gebrandmarkten Machiavellismus entspricht.“ (Gerhard 
Müller, Überstaatliche Machtpolitik im 20. Jahrhundert, Verlag Hohe Warte GmbH, Pähl 
1982/1994, Seite 109 sowie Heise, Karl, „Die Entente-Freimaurerei und der Weltkrieg“, a.a.O., 
S. 30 ff.) 




320 


August 18 Uhr abends der deutsche Botschafter in Paris Freiherr von Schoen dem 
französischen Ministerpräsidenten Viviani die Kriegserklärung aus. „Viviani“, 
schreibt von Schoen, „nahm sie ohne jedes Zeichen innerlicher Erregung entgegen, 
gewissermaßen als etwas Selbstverständliches, und ich nehme gern davon Abstand, 
Herrn Viviani um diese eiskalte Ruhe, die er bewahrte, zu beneiden.“ 736 Sehr 
wahrscheinlich kam das Reich mit seinem Schritt Poincare lediglich knapp zuvor, 
der schon am 1. August die Kriegserklärung aussprechen wollte und im Ministerrat 

'70 n 

sagte: „Frankreich läßt sich nicht den Krieg erklären.“ Rückblickend vermerkt 
der englische Schriftsteller E. D. Model in seinem Buch „Truth and War“: 
Deutschland (hat) Frankreich angegriffen, weil, wenn Deutschland nicht 
angegriffen hätte, wäre es von Frankreich angegriffen worden. Das ist die 
Wahrheit.“ 738 

In der Nacht vom 3. auf den 4. zogen bereits die ersten deutschen Truppen durch 
Belgien „nach Paris“. Das rief - offiziell jedenfalls - Britannia als den Beschützer 
der Entrechteten auf den Plan. Natürlich war die englische Kriegsbeteiligung längst 
unter der Hand beschlossen worden. Bereits am 29. Juli hatte Grey dem deutschen 
Botschafter in London die Aufgabe der englischen Neutralität bei einem deutsch- 
französischen Krieg angekündigt. 739 Am 2. August um 2.25 Uhr morgens war der 
offizielle Mobilmachungsbefehl an die englische Flotte ergangen. Stunden später 
gab der britische Marineminister Winston Churchill - ohne Erlaubnis seiner 
Regierung und in der offenkundigen Absicht dieselbe vor vollendete Tatsachen zu 
stellen - dem englischen Mittelmeergeschwader den Befehl, das deutsche 
Kriegsschiff „Goeben“ anzugreifen. Es war nur ein Glücksfall, daß die „Goeben“ 
nicht vor die Breitseite englischer Kreuzer kam. Nun wurde am 3. August gegen 11 
Uhr die Mobilmachung des englischen Landheeres angeordnet. In einer 
Unterhaussitzung am Nachmittag des gleichen Tages führte Grey aus, daß England 
wegen des Schutzes der französischen Nordküste und wegen der eigenen Interessen 
an Belgien nicht neutral bleiben könne. 

Wiederum bietet der britische Schriftsteller E. D. Morel in seinem Buch „Truth 
and War“ Hintergründiges zum Thema: „Am 3. August hielt der englische Minister 
des Auswärtigen eine leidenschaftliche Rede zugunsten der Teilnahme Englands 
am Kriege Frankreichs gegen Deutschland. Angeblich war das Parlament völlig 
frei in seinen Entschlüssen. Zweimal im Jahre 1913, zweimal wieder 1914 war 
dem englischen Volke versichert worden, daß es in keiner Weise gebunden sei, an 
einem kontinentalen Kriege teilzunehmen. An jenem 3. August nun enthüllte Sir 
Edward Grey, daß mit Ermächtigung der englischen Regierung, richtiger unter 
Mitwissen der drei entscheidenden Mitglieder des Ministeriums, schon seit der 
(Marokko-) Krise von 1906 und seither wiederholt Konversationen der englischen 
Heeres- und Flottenleitung mit den Generalstäben der französischen Armee und 


736 Rudolph Stratz, „Der Weltkrieg“, Verlag Scherl, Berlin 1933, Seite 12 

737 Hellmut Herda, „Die Schuld der Anderen“, Archiv-Edition im Verlag für ganzheitliche 
Forschung, Viöl 1995, Seite 37 

738 

Morel, E. D., Truth and War“ und Internationale Rundschau, Morel Heft 15, S. 695/96 

73Q 

Friedrich Hasselbacher, „Entlarvte Freimaurerei“, Band II., Seite 68 



321 


Marine stattgefunden hatten, in welchen ein gemeinsamer Kriegsplan ausgearbeitet 
worden war... (Sir Edward Grey) teilte mit, daß er... an Frankreich bereits englische 
Hilfe versprochen habe und schloß mit der Erklärung, daß... die Ehre Englands in 
dieser Sache bereits engagiert sei, wie es auch tatsächlich der Fall war. Im ganzen 
Lande hatte die Kriegspresse, die Times' voran, schon tagelang alle Leidenschaften 
aufgepeitscht... Jene seit 1906 fortgesetzten geheimen... Konversationen hatten eine 
moralische Verpflichtung zur Teilnahme an einem deutsch-französischen Kriege 
begründet.“ 

Selbstverständlich war London auch nicht zum Eingreifen zugunsten Belgiens 
verpflichtet. Als zehn Jahre vor der Jahrhundertwende ein deutsch-französischer 
Krieg für möglich gehalten wurde, prüfte damals bereits England eingehend die 
Frage einer englischen Teilnahme. Es wurde überzeugend nachgewiesen, daß 
England nicht verpflichtet war, auf Grund bestehender Verträge einzugreifen. In der 
„Pall Mall Gazette“ vom 4. und 5. Februar 1887 faßt W. P. Stead das Ergebnis 
seiner Untersuchungen in folgender Feststellung zusammen: „Es besteht daher 
keine englische Garantie gegenüber Belgien. Es ist vielleicht möglich, eine solche 
Garantie zu konstruieren; jede Garantie ist überhaupt nicht spezifisch auf die 
Neutralität Belgiens gerichtet; sie ist nicht gegenüber Belgien, sondern gegenüber 
den Niederlanden abgegeben.“ 

Nichtsdestotrotz fielen Greys Argumente auf fruchtbaren Boden und so wurde in 
einem Ministerrat am Abend beschlossen, vom Reich die Zurücknahme jener 
Forderungen an Belgien und die Achtung der belgischen Neutralität zu verlangen. 
Am 4. August gegen 19 Uhr forderte London von Berlin durch seinen Botschafter 
ultimativ auf fünf Stunden begrenzt den deutschen Abzug. Da das Reich von dem 
Einmarsch in Belgien nicht Abstand nahm, war um Mitternacht auch der 
Kriegszustand mit England eingetreten. Der europäische Konflikt war damit zum 
Weltkrieg geworden. 740 


740 England begründete seinen Kriegseintritt mit der deutschen Verletzung der belgischen 
„Neutralität“ - was, wie angeführt, ein unaufrichtiges Argument war. Zudem ist erwähnt worden, 
daß England weit vor den Schüssen von Sarajewo auf den Krieg hinarbeitete. Es sollte ferner 
angemerkt werden daß sich die englische Flotte seit dem 16. Juni 1914 (zwei Tage nach dem Mord 
von Sarajewo) in mobilem Zustand zu Manövern um Portland versammelt hatte, daß am 2. August 
um 2.25 Uhr der offizielle Mobilmachungsbefehl an die englische Flotte erging (wobei diese still' 
seit dem 25. Juli mobilisiert wurde) und daß am Nachmittag desselben Tages der englische 
Kabinettsrat den Krieg gegen Deutschland beschloß, wohlweislich bevor Deutschland die belgische 
Neutralität auch nur diplomatisch mit seiner Note vom gleichen Tag/20Uhr angetastet hatte. Am 3. 
August um 12 Uhr wurde das englische Landheer mobilisiert. 



322 


Grundlegende Literatur zum Thema Geheimvatikan 


Kritisch 

Blau, Amram, „Über das Götzenbild des Nationalismus“ (hebr.) in: „An ani homah“, Jerusalem 1949 
(Satmar-chassidische Sicht. Beschränkt auf den Zionismus) Bondarew, Gennadij, „Anthroposophie auf der 
Kreuzung der okkult-politischen Bewegungen der Gegenwart“, Lochmann-Verlag, Basel 1996 (Aus Sicht 
der Anthroposophie) Kuenheim, Dietrich von (Hg.), „Sowjetagenten überall - Ein Bericht des 
Nachrichtendienstes der russischen Emigranten“, Widar-Verlag Guido Röder, Oberreute/Allgäu 1955 (Aus 
russisch-monarchistischer Sicht) Landowsky, Josef, „Rakowskij-Protokoll“, Dürer-Verlag, Buenos Aires 
1987 sowie Faksimile-Verlag, Bremen (orig. NOS, Madrid 1950) (Trotzkistisch-freimaurerische Sicht) 
Lincoln/Baigent/Leigh, „Das Vermächtnis des Messias. Auftrag und geheimes Wirken der Bruderschaft 
vom Heiligen Gral“, Gustav Lübbe Verlag, Bergisch Gladbach 1987 Menkens, Harm, „Werwill den Dritten 
Weltkrieg?“, Lühe-Verlag, Süderbrarup 1987 (LudendorfFsche Schule) Monus, Aron, „Verschwörung: Das 
Reich von Nietzsche“, Interseas Edition, Santon/Isle of Man 1994 (Jüdisch-freimaurerische Sicht) Reed, 
Douglas, „Der große Plan der Anonymen“, Thomas Verlag Zürich, Reprint im Faksimile Verlag, Bremen 
1982 (Englisch-liberale Sicht) Reinhard, Severin (eigentl.:Rene Sonderegger), „Spanischer Sommer“, 1948, 
Aehren Verlag, Affoltem/SUT (Strasser'scher Denkansatz) Trimondi, Victor/Victoria,,, Der Schatten des 
Dalai Lama. Sexualität, Magie und Politik im tibetischen Buddhismus“, Patmos-Verlag, Düsseldorf 1999 
(Linkslibertäre Sicht auf nichtjüdische Drahtzieher neben bzw. hinter dem Geheimvatikan) Weintraub, Ben, 
„The Holocaust Dogma of Judaism“, Seif Determination Committee, Washington, D.C., 1995 (Jüdisch- 
renegatische Sicht) Wright, Esmond (Hrsg.), „History of the World: The Last Five Hundred Years“, 
Bonanza Books/Crown Publishers, New York 1984/1986 

Mehr in Schutz nehmend und daher versteckter behandelnd 

(Trotzdem häufig punktgenauer als die kritische Literatur) 

Almog, Shmue!, „Messianismus als Herausforderung des Zionismus“ (hebr.) in: Baras, Z., „Meshihiyut 
ve-eskhatologiah“ (Messianismus und Eschatologie), Jerusalem 1984 Aronoff, Myron J,, „The 
Institutionalization and Cooperation of Charismatic, Messianic, Religious-Political Revitalization 
Movement“. In: David Newman (ed.) „The Impact of Gush Emunim“, New York: St. Martin's Press 
1985 Avineri, Shlomo, „The Making of Modem Zionism: The Intellectual Origins of the Jewish State“, 
New York 1981 Bartal, Jisrael, „Messianische Erwartungen“ + „Messianismus und 
Geschichtsschreibung“ (hebr.) in: „Zion“ 52 (1982) 117-30 Dantor, „Fortfahren, das Ende zu 
erzwingen“ (hebr.) in: „Nekudah“ 96 (1986) Brierre Narbonne, Jean Joseph, „Exegese Zoharique des 
propheties Messianiques.“ Herausgegeben und übersetzt durch J.-J. Brierre-Narbonne. Paris 1938 ders., 
,JLe Messie souffrant dans la litterature rabbinique“ (Talmud, Midrash und Zohar), Paris 1940 Don- 
Yehiya, Eliezer, „Jewish Messianism, Religious Zionism and Israeli Politics: The Impact and Origin 
of Gush Emunim“ in: „Middle East Studies“ 23, 2 (April 1987) 226 Goldmann, Eliezer, „Messianic 
lnterpretations of Current Events“ in: „Forum“ 26 (1976) Heller, Yoseph, „Between Messianism and 
Political Realism“ in Contemporary Judaism“, (Vol.2), Jerusalem, The Hebrew University 1985 
Kolat (Colat), Israel „Zionismus und Messianismus“ (hebr.) in: Baras, Zvi (Hrsg.), „Meshihiyut ve- 
eskhatologiah“ (Messianismus und Eschatologie), Zalman Shazar Center, Jerusalem 1983/1984 
Liver, Jacob, „The Doctrine of the Two Messiahs“ in: „Harvard Theological Review“ 52 



323 


(1959), 149-85 Luz, Ehud, Parallels Meet. Religion and nationalism in the zionist movement, Jewish 
A blication Society, Philadelphia, 1985/1988 Ravitzky, Aviezer, „Das Anticipierte und die Erlaubnis 
’{jazu*' (hebr.) in: Hareven, A (Hrsg.) „Jisrael likrat ha-me'ah ha-esrim ve-ahat“, Jerusalem 1984 
Ravitzky, Aviezer, „To the Utmost of Human Capacity': Maimonides on the Days of the Messiah“ in: 
•Jbel L. Kraemer (Hrsg.), „Perspectives on Maimonides: Philosophical and Historical Studies“, 
Oxford *University Press, Oxfort 1991, S. 221-256 Ravitzky, Aviezer (Übers: Michael 
Swirsky/Jonathan Chipman), „Messianism, Zionism and Jewish Religious Radicalism“, University of 
Chicago Press, 'Chicago 1996 Rosmarin, Aaron, „Der Satmaer Rebbe“, New York 1967 Schindler, 
Pesach, „Hasidic Responses to the Holocaust in the Light of Hasidic Thought“ Hoboken, N.Y.: Ktav 
Publ. House, 1990 Shapira, Anita, „Zionismus und Politischer Messianismus“ (hebr.) in: „Temnrot 
ba-historya ha-yenudit he-hadashan“, Jerusalem 1988/89 Shapira, Anita/Almog,Shmuel, „Zionism 
and religion“, University Press of New England, Hanover 1998 Spero, Shubert „Religious Zionism“, 
Jerusalem 1989 Urbach, Symeha Bunem,, Religiöser Zionismus aus messianistischer Perspektive“ 
(hebr.) in: Tirosh, Y. (Hrsg.), „Ha-Tzionut ha-datit: Kovetz ma'amarim“, Jerusalem 1974 


Zusätzliche Anmerkungen 


Im speziellen sei an dieser Stelle dem geneigten Leser das Studium zweier Bücher aus der Literaturliste 
näher ans Herz gelegt. 

Beginnen wir mit dem Underground-Bestseller des US-Amerikaners Ben Weintraub, „The Holocaust 
Dogma of Judaism“. Der Autor räumt ein, dieses Werk weder gelesen noch überhaupt gesehen zu haben. 
Nichtsdestoweniger weisen die raren Ausschnitte, die von ihm im Internet kursieren ganz einwandfrei darauf 
hin, daß wir es hier mit einem sehr wichtigen Beitrag zum vorliegenden Thema zu tun haben. Dies zumal die 
Lebensgeschichte des gebürtigen Juden Weintraub engstens mit dem Chassidismus - und so dem 
Geheimvatikan - verbunden ist. Damit liegt die Abhandlung eines echten Insiders vor, der aus ethischen 
Gründen einen Schlußstrich unter seinen spirituellen Weg gezogen hat und zum Christentum konvertierte, 
wo er heute aufklärerisch wirkt. 

Dann ist es unumgänglich, auf das Verleger-Paar Herbert und Mariana Röttgen hinzuweisen, das unter 
dem Pseudonym „Victor und Victoria Trimondi“ eine wahrhaft explosive Untersuchung zum tibetischen 
Buddhismus verfaßt hat. Der Titel lautet, J)er Schatten des Dalai Lama“. Auf mehr als 800 Seiten findet 
sich hier die dunkle Seite einer fernen Machtelite beschrieben, die für den Lrieden steht, aber, - so die 
Autoren - die Gewalt mythologisch verinnerlicht hat. Die grundlegende Bedeutung dieses Lamaismus- 
Verrisses besteht darin, daß er uns die Wirkkräfte hinter(!!) dem Geheimvatikan vor Augen führt: Es sind 
dies tantrisch-sexualmagische Geheimorden innerhalb der tibetischen Kurie, welche sich als Vollstrecker 
einer unterirdischen Zentrale sehen, die der Legende zufolge seit Jahrtausenden von einer 
..übermenschlichen“ Elite bewohnt ist - Shambhala. Aus diesem okkulten Zentrum heraus werden, heißt 
es. die Läden zu den stets aufeinander folgenden Aufstiegs- und Niedergangsphasen der irdischen 
Entwicklung gezogen. An den Nahtstellen der Zeitenwenden stehen apokalyptische Reinigungsbäder“, 
TO denen sich Sintfluten und Sintbrände ablösen. Letztere Katastrophe befindet sich derzeit als globaler 
Atomkrieg in Vorbereitung. Er wird geschürt von Vertretern des okkulten Buddhismus und - was die 



324 


Trimondis nicht thematisieren - von Streitern des Geheimvatikans, die auf dem Höhepunkt der 
Kämpfe ihren Messias aus Shambhala erwarten. 

Soweit zu den vielleicht wichtigsten Geschichts- und Religionsbetrachtungen der letzten Dekaden. 
Unter diesen „Sahnehäubchen“ verbergen sich nun noch eine ganze Reihe attraktiver 
Kuchenstücke, die ebenfalls einer näheren Betrachtung für wert befunden werden sollten: Recht 
gute Einblicke in die aktuelle Politik des Geheimvatikans gaben in diesem Sinne immer wieder aus 
anarchistischer Sicht der US-Literat Noam Chomsky, das in Jerusalem herausgegebene 
Trotzkistenblatt, „News from within“, die in Wiesbaden verlegte „Neue Solidarität“ sowie die 
Satmar-chassidische Wochenzeitung, JDer Jid“ (New York). Unter den Verlagen, die sich des 
Themas angenommen haben, stehen jene an erster Stelle, die sich dem Erbe des Autoren-Ehepaars 
Ludendorff verpflichtet fühlen, also „Lühe“, der „Verlag für ganzheitliche Forschung und Kultur“ 
sowie „Hohe Warte“. Das Haus Rüggeberg nähert sich den überstaatlichen Machinationen aus 
okkult-rosenkreuzlerischer Perspektive, was an und für sich eine Nähe zum Shambhala-Pfad 
anzeigt. 

Für eine freiere Recherche sollte der Leser seine Aufmerksamkeit folgenden Begriffen zuwenden, 
die sich mitunter auch in allgemein-religiöser Literatur findet: „Neturei Karta“ und „Satmar“ (die 
hebräische Gegenbewegungen zum Geheimvatikan), „Messias ben Joseph“ und - in verschiedenen 
Schreibweisen -„Zaddik“ (das den vorapokalyptischen Erfüllungsprozeß leitende Kollektiv), 
„Tikkun“ (der Erfüllungsprozeß als solcher), „Alef-Beit’Vhebr. und „Hidden Hebrew“/engl. (als 
Träger der verschlüsselten Vollzugsanweisungen der Propheten) sowie „Uradam“. 

Abschließend sei erwähnt, daß zum Themenkreis unter dem Titel „beimpropheten.com“ ein 
Internet-Informationsforum existiert, welches ständige Erweiterung erfahren soll. Jedem 
Interessierten steht es frei, Wissen dort abzurufen oder zu plazieren, Fragen zu stellen, Anregungen 
zu geben oder zu empfangen bzw. ganz einfach in Diskussion zu treten. Selbstverständlich freut 
sich der Autor über Reaktionen. Ob Online oder über die Adresse 


Wolfgang Eggert 
Beim Propheten Verlag 
Postf. 450108.80901 München 



Anhang 


325 


Anhang 1 
Anhang 2 
Anhang 3 
Anhang 4 
Anhang 5 
Anhang 6 


Das Alte Testament über die politische Sendung des Judentums 
Kabbalistische Weltpolitik und das Mysterium Zaddik Tikkun: 
Der Imperativ des historischen Aktivismus Kabbalistischer 
Satanismus: Verderbnis als Weg zur Erlösung Großbritannien: 
„Reich des Bösen“? 

Endzeitprojekt Aufklärung: Der Einfluß des okkulten 
Chassidentums 




327 


Um 40 Jahrhunderte auf der Erde zu existieren...; um 
so viele Male seine Gebiete zu verlieren, seine 
politische Unabhängigkeit, Gesetze, fast sogar den 
Glauben - zu verlieren und sich jedes Mal wieder 
zusammenzufmden, wieder zu erstehen in der alten 
Idee... ein Volk von einer derartigen Beispiellosigkeit 
in der Welt konnte nicht ohne einen 'Staat im Staate' 
existieren, den es sich immer und überall bewahrte, in 
der Zeit seiner tausendjährigen Schrecklichesten 
Zerstreuungen und Verfolgungen... Äußere Anzeichen 
dieses 'Staates im Staate'... sind die Absonderung und 
Entfernung auf Grund eines religiösen Dogmas, die 
Reinhaltung der Rasse, der Glaube daran, daß es auf 
der Welt nur eine menschliche Persönlichkeit gibt - 
den Juden, daß die anderen zwar da sind, aber 
gleichsam als nicht vorhanden anzusehen sind. 

(Th. M. Dostojewski, „ Tagebuch eines Schriftstellers “ 
- 1877 März, Kapitel 2, S. 93-95) 

Anhang 1 

Das Alte Testament über die politische 
Sendung des Judentums 


Der Gegensatz von jüdischer und christlicher 
Überlieferung 

Zu dem stark ausgeprägten Gegensatz zwischen Juden- und Christentum lassen sich 
in religiöser Hinsicht kaum Parallelen finden. Während der Christ an ein 
Weiterleben nach dem Tode glaubt, liegt das Paradies des gläubigen Juden im Hier 
und Jetzt. Während Katholiken wie Protestanten ihren Erlöser in der Person Jesu 
bereits „erlebt“ haben, predigt der Rabbiner die zukünftige Ankunft des „Messias“ 
und betrachtet den „abtrünnigen“ Religionsstifter schlichtweg als Betrüger. 
Erwarteten Christen in der Vergangenheit die Ankunft des Antichristen, so fanden 
sich häufig nicht wenige Mosaen, die für den gleichen Zeitpunkt die Ankunft des 
hebräischen Befreiers ankündigten. 741 Diese Polarität erscheint auf den ersten Blick 
unbegreiflich, schöpfen doch Juden wie Christen aus derselben Quelle, der Bibel. 


741 Vergleiche insbesondere die bipolaren Endzeiterwartungen im Juden- und Christentum im 
Jahre 1666 n. Chr. Während die Christen mit der baldigen Ankunft des Antichristen rechneten, 
meinten Juden aus Rußland, der Ukraine, Persien, vom Osmanischen Reich bis hin nach Holland 
und der Atlantikküste, den Messias in dem selbsternannten Propheten Sabbatai Zwi (auch 



328 


Indes ergibt schon eine recht oberflächliche Prüfung, daß das vermeintlicherweise 
so durchgängige „Wort Gottes“ Gegensätzlichkeiten aufweist: Obwohl an ein und 
demselben Ort, in Judäa, entstanden, wird im Buch der Bücher mit zwei doch recht 
verschiedenen „Sprachen“ gesprochen. Folgerichtig kennt die Bibel auch zwei 
Überlieferungen, die voneinander inhaltlich streng zu scheiden sind: Das Alte 
Testament, welches die Religion des Judaismus wiedergibt sowie das zeitlich weit 
später entstandene Neue Testament, das die 742 Lehren Jesu Christi behandelt. 

Ebenso wie in der iranischen (Ahura-Mazda) und indischen (Brahma) Religion der 
Fall, ist der christliche Gott wie auch sein „Sohn“ oder „Verkünder“ Jesus Christus 
eine Wesenheit, die sich in ihrer Liebe allen Menschen unterschiedslos zuwendet. 
Demgegenüber unterstreichen die Überlieferer des Alten Testaments immer wieder, 
daß ihr Gott nicht der Vater der Menschheit schlechthin oder das Ideal universeller 
Barmherzigkeit ist. Im Gegenteil zeigt er sich als strenger, mitunter gar 
furchteinflößender Richter, dessen Werk allein dem auserwählten Stamm der Juden 
zugewandt ist. Alle anderen Nationen bzw. Religionen bedenkt Jahwe mit 
Gleichgültigkeit bis hin zur offenen Ablehnung. Am Ende der Tage soll es ihr 
Schicksal sein, in die Dienerschaft Israels überführt zu werden. 

Dieses göttliche Ausleseprinzip offenbarte der alttestamentarische Schöpfer mit 

HAT. - . 

Abraham schon dem Stammvater aller Hebräer. Und auch Mose durfte sich mehr 
als nur einmal durch den „Herrn“ die Auserwähltheit seiner Gefolgschaft versichern 
lassen. Er nennt diese „ein Volk, das besonders ist und nicht unter die Völker 
gerechnet wird“ 744 und sagt im direkten Dialog: „Du bist ein heiliges Volk, und 
Jahwe hat dich auserwählt aus allen Völkern“ 745 ... „Darum sollt ihr mir heilig sein, 
denn ich Jahwe, bin heilig, der euch abgesondert hat von den Völkern.“ 746 ... 
„Gesegnet wirst du sein vor allen Völkern.“ 747 ... „Dich hat der Herr, dein Gott, 
erwählt, daß du sein eigentümlich Volk seiest von allen Völkern, die auf Erden 
sind.“ 748 Soweit nur eine kleine Auswahl von göttlichen Ergebenheitsadressen, die 
sich beliebig erweitern ließe. 

Die dem Neuen Testament fremde Sonderbeziehung gilt aber nur, solange die 
Gemeinde in Ehrfurcht und Demut verharrt. Für die Abtrünnigen hat Jahwe - der 


Sabbataj Zbi) zu sehen. Die Bewegung, die von ihm angeführt unter dem Einfluß der Kabbalah 
1666 entstand, nannte sich Sabbatianer. Interessant ist in diesem Zusammenhang, daß das von dem 
neutestamentarischen Apostel Johannes als Manifestation des Anti-Christen angekündigte „Tier 
666“ in der Esoterik für den Löwen steht (s. Aleister Crowley, „Liber CDXVIII. Die Vision und die 
Stimme“, Peyn & Schulze Verlag, Bergen/Damme 1990, S. 24), dem Stammeszeichen des 
jüdischen Volkes. Johannes spielte mit diesem zahlenmystischen Teil seiner Offenbarung 
vermutlich sehr bewußt auf die jüdisch-babylonische Geheimlehre an, die er gekannt haben dürfte. 

742 

... damals schon von der jüdischen Orthodoxie als abweichlerisch verdammten... 

743 1. Mose 12, 1-3 

744 4. Mose 23,9 

745 5. Mose 14,2 

746 3 Mose 20,26 

747 5. Mose 7,14 

748 5. Mose 7,6 



329 


sich selbst als „eifersüchtiger“ Gott bezeichnet - ein Sammelsurium einschneidender 
Strafen parat. So lesen wir bei Mose: „Wenn dich dein Bruder, deiner Mutter Sohn, 
oder dein Sohn oder deine Tochter oder das Weib in deinen Armen oder dein 
Freund, der dir ist wie dein Herz, heimlich überreden würde und sagen: Laß uns 
gehen und andern Göttern dienen! - die du nicht kennst noch deine Väter, von den 
Göttern der Völker, die um euch her sind, sie seien dir nahe oder ferne, von einem 
Ende der Erde bis an das andere - so willige nicht darein und gehorche ihm nicht. 
Auch soll dein Auge seiner nicht schonen, und sollst dich seiner nicht erbarmen 
noch ihn verbergen, sondern sollst ihn erwürgen. Deine Hand soll die erste über ihm 
sein, daß man ihn töte, und darnach die Hand des ganzen Volkes. Man soll ihn zu 
Tode steinigen.“ 749 

Wer nun glaubt, derartig befremdliche Auslassungen stünden für sich allein, wird 
sich beim näheren Studium des Alten Testaments enttäuscht sehen. Natürlich soll 
hier die mitunter hohe Moralität des religiösen Gesamtwerks nicht in Zweifel 
gezogen werden. Trotzdem muß jedem im Prinzip der Bergpredigt erzogenen 
Menschen das radikale Eifertum auffallen, das gerade den Kern der jahwitischen 
Überlieferung - die Bücher Mose („Thora“) - durchzieht. 750 

Gott, sein auserwähltes Volk und dessen Sendung 

Mehr als nur zehn Gebote 

Ein recht anschauliches Beispiel für den Dualismus der Thora bietet der 
Bündnisschluß zwischen Jahwe und dem aus Ägypten fliehenden Volk Israel am 
Berge Sinai. Vielen wird diese Begebenheit noch aus dem Religionsunterricht oder 
der Kirchenpredigt in warmer Erinnerung sein, erhielt doch Mose bei dieser 
Begebenheit die auch dem Christen heiligen 10 Gebote ausgehändigt. Weithin 
unbekannt ist indes die Tatsache, daß Gott seinen Schäfchen bei dieser Gelegenheit 
eine ganze Reihe weiterer Anordnungen mit auf den Weg gab, welche im 
Gegensatz zu dem landläufigen Bibelverständnis des Lesers stehen dürften. 

So lesen wir: „Einen Altar aus Erde sollst du mir machen, und du sollst darauf deine 
Brandopfer und deine Gemeinschafts schlachtopfer, dein Kleinvieh und dein 
Großvieh opfern.“ (2. Mose 20, 24) „Falls ein Mann seinen Sklaven oder seine 
Sklavin mit einem Stock schlägt und dieser unter seiner Hand tatsächlich stirbt, so 
soll er unbedingt gerächt werden. Wenn er jedoch einen Tag oder zwei Tage am 
Leben bleibt, so werde er nicht gerächt, denn er ist sein Eigentum.“ (2. Mose 21, 
20-21) „Auge für Auge, Zahn für Zahn, Hand für Hand, Fuß für Fuß. Brandmal für 
Brandmal, Wunde für Wunde, Hieb für Hieb.“ (2. Mose 21, 24-25) „Du sollst eine 


,3U 5. Mose 13,7-11 

751 Vergleiche im Einzelnen bei Rainer Schepper, „Gott beim Wort genommen. Das alte 
Testament auf dem ethischen Prüfstand. Das Buch der Bücher als Manifest des Hasses und der 
Rachsucht“ sowie Israel Shahak, „Jüdische Geschichte, Jüdische Religion“, Lühe-Verlag, 
Süderbrarup 1988. 



330 


Zauberin nicht am Leben lassen.“ (2. Mose 22,18) „Wer irgendwelchen Göttern 
opfert außer Jahwe allein, soll der Vernichtung geweiht sein.“ (2. Mose 22, 20) 
„Deinen vollen Ertrag und den Überfluß deiner Presse sollst du nicht zögernd 
geben. Den Erstgeborenen deiner Söhne sollst du mir geben. So sollst du mit 
deinem Stier und mit deinem Schaf verfahren. Sieben Tage wird es bei seiner 
Mutter bleiben. Am achten Tag sollst du es mir geben.“ (2. Mose 22,29-30) 


Die Landnahme Israels 

Im gleichen Geist martialisch zeigte sich der jüdische Gott, als er die Israeliten in 
das gelobte Land, nach Palästina, schickte. (2. Mose, 23, 23ff.) Die Anweisungen 
„des Elerrn“ zum Umgang mit der dort angestammten Bevölkerung lassen sich 
anfänglich noch unter dem Prinzip „Ausgrenzung“ zusammenfassen. Je näher aber 
die Israeliten gen Kanaan vorrückten, desto drakonischer gestalteten sich gleichsam 
die Maßgaben Jahwes. 

Am Berge Sinai, also zu Beginn der staats stiftenden Mission, befahl Gott den 
Seinen bezüglich des religiösen Umgangs mit den zur Eroberung freigegebenen 
Kulturkreisen: „Du sollst dich nicht vor ihren Göttern niederbeugen..., sondern du 
wirst sie unbedingt niederwerfen, und du wirst ihre heiligen Säulen unweigerlich 
abbrechen.“ (2. Mose, 23, 24) „Ihre Altäre sollt ihr niederreißen, und ihre heiligen 
Säulen sollt ihr zerschlagen, und ihre heiligen Pfähle sollt ihr umhauen. Denn du 
sollst dich nicht vor einem anderen Gott niederwerfen.“ (2. Mose 34,13) 

Den gleichen Geist atmen die Anweisungen zum sozialen Kontakt: „Sei auf der 
Hut“, heißt es in 2. Mose 34, 12, „daß du nicht einen Bund mit den Bewohnern des 
Landes schließt, in das du gehst, damit es sich in deiner Mitte nicht als Schlinge 
erweist.“ 

Nun war wohl schon damals klar, daß sich ein derart auf kämpferische 
Absonderung gründender Gottesstaat nicht auf ewig würde halten können. 
Konsequenterweise empfiehlt die Thora daher für die zweite Phase der Besatzung 
den Israeliten ganz eindeutig die Vertreibung der ansässigen Bevölkerung. Über 
diese vielleicht erste Form einer „ethnischen Säuberung“ lesen wir in 2. Mose 23, 
30-33: „Und ich will deine Grenze festlegen vom Roten Meer bis zum Meer der 
Philister und von der Wildnis bis zum Strom; denn ich werde die Bewohner des 
Landes in eure Hand geben, und du wirst sie gewiß vor dir vertreiben. Du sollst 
keinen Bund mit ihnen und ihren Göttern schließen. Sie sollten nicht in deinem 
Land wohnen, damit sie dich nicht veranlassen, gegen mich zu sündigen.“ 

Als die Hebräer bereits in Sichtweite des gelobten Landes vorgerückt waren, 
betonte Jahwe in den Wüstenebenen Moabs am Jordan bei Jericho Mose noch 
einmal in aller Eindringlichkeit seine weitgehenden Maßnahmen. „Rede zu den 
Söhnen Israels“, lesen wir in der Bibel, „und du sollst zu ihnen sagen: Ihr zieht 
über den Jordan ins Land Kanaan hinein. Und ihr sollt alle Bewohner des Landes 



331 


vor euch vertreiben und alle ihre Steinfiguren vernichten, und alle ihre Bilder von 
gegossenem Metall solltet ihr vernichten, und alle ihre heiligen Höhen solltet ihr 
vertilgen. Und ihr sollt das Land in Besitz nehmen und darin wohnen, denn euch 
werde ich bestimmt das Land geben, damit ihr es in Besitz nehmt... Wenn ihr jedoch 
die Bewohner des Landes nicht vor euch vertreiben werdet, dann werden die, die ihr 
von ihnen übrig laßt, wie Stacheln in euren Augen und wie Dornen in euren Seiten 
werden, und sie werden euch in dem Land, in dem ihr wohnen werdet, tatsächlich 
befehden.'“ (4. Mose 33, 50-53+55) 

In Konsequenz folgte auf die Anordnung zur Massenvertreibung schließlich der 
Befehl zur Ausrottung der angestammten Völker. In 5. Mose 7 lesen wir dazu : 
„Wenn Jahwe, dein Gott, dich schließlich in das Land bringt, in das du ziehst, um es 
in Besitz zu nehmen, wird er dann gewiß volkreiche Nationen vor dir vertreiben, die 
Hethiter und die Girgaschiter und die Amoriter und die Kanaaniter und die Perisiter 
und die Hiwiter und die Jebusiter, sieben Nationen, die volkreicher und mächtiger 
sind als du. Und Jahwe, dein Gott, wird sie dir bestimmt überlassen, und du sollst 
sie besiegen. Du sollst sie unweigerlich der Vernichtung weihen. (Vers 1+2) Ihre 
Altäre solltet ihr niederreißen, und ihre heiligen Säulen solltet ihr abbrechen, und 
ihre heiligen Pfähle solltet ihr umhauen, und ihre geschnitzten Bilder solltet ihr mit 
Feuer verbrennen. (Vers 5) Und du sollst alle Völker vernichten, die Jahwe, dein 
Gott, dir gibt.. Es soll deinem Auge nicht leid sein um sie, und du sollst ihren 
Göttern nicht dienen, denn das wird dir zur Schlinge sein. (Vers 16) Und Jahwe, 
dein Gott, wird auch das Gefühl der Niedergeschlagenheit über sie senden, bis die 
umkommen, die übriggelassen wurden und die sich vor dir verbargen (Vers 20) Und 
Jahwe, dein Gott, wird diese Völker vor dir nach und nach austreiben. Du wirst 
ihnen nicht ein rasches Ende bereiten dürfen, damit sich die wilden Tiere des Feldes 
nicht gegen dich mehren. Und Jahwe, dein Gott, wird sie dir tatsächlich überlassen 
und sie mit einer großen Verwirrung verwirren, bis sie vertilgt sind. Und er wird 
ihre Könige in deine Hand geben und du sollst ihre Namen unter dem Himmel 
hinweg vernichten. Kein Mensch wird vor dir standhalten, bis du sie ausgerottet 
hast.“ (Vers 22-24) 

Diese blutigste aller Aufforderungen findet sich wenige Seiten darauf in einer 
speziellen Anweisung zur „Befriedung“ der Grenzregionen noch einmal. In 5. Mose 
20, 10-17 lesen wir: „Falls du dich einer Stadt näherst, um gegen sie zu kämpfen, so 
sollst du ihr Friedensbedingungen antragen. Und es soll geschehen, daß, wenn sie 
dir eine friedliche Antwort gibt und sich dir geöffnet hat, ja es soll geschehen, daß 
alles Volk, das sich darin vorfindet, dein werden sollte zur Zwangsarbeit, und sie 
sollen dir dienen. Wenn sie aber nicht Frieden mit dir macht, und sie führt 
tatsächlich Krieg mit dir, und du mußt sie belagern, dann wird Jahwe, dein Gott, sie 
bestimmt in deine Hand geben, und du sollst jede männliche Person darin mit der 
Schärfe des Schwertes schlagen. Nur die Frauen und die Kleinkinder und die 
Haustiere und alles, was sich gerade in der Stadt befindet, ihre ganze Beute, wirst 
du für dich plündern, und du sollst die Beute deiner Feinde essen, die Jahwe, dein 
Gott, dir gegeben hat. Auf diese Weise wirst du mit allen Städten tun, die von dir 
weit entfernt sind, welche nicht zu den Städten dieser Nationen gehören. Jedoch 



332 


von den Städten dieser Völker, die Jahwe, dein Gott, dir als Erbe gibt, sollst du 
nichts Atmendes am Leben erhalten, denn du solltest sie unbedingt der Vernichtung 
weihen, die Hethiter und die Amoriter, die Kanaaniter und die Perisiter, die Hiwiter 
und die Jebusiter, so wie es Jahwe, dein Gott, dir geboten hat.“ 751 

Glücklicherweise wurden die Vernichtungsordres den Mosaen erst Jahrhunderte 
nach Abschluß der Eroberung Kanaans bekannt. Die genannten Auslassungen 
finden sich nämlich zusammen mit einer ganzen Reihe weiterer Entgleisungen 
allesamt in jenem „5. Buch Mose“, das - auch Deuteronomium genannt - erst im 
Jahre 621 vor Christi Geburt bei der Wiedererrichtung des Salomonischen Tempels 
gefunden wurde. Die Entwicklung war damit dieses eine Mal an der Vorsehung 
vorbeigegangen und hatte die Urbevölkerung Palästina möglicherweise vor einem 
schlimmeren Schicksal bewahrt. Für die Nachwelt erhielt das bei weitem 
chauvinistischste Mose-Buch indes seinen ganz besonderen Stellenwert zugeteilt. 
Noch im Jahr seiner Entdeckung erklärte der junge König Josia die wichtigsten 
Passagen, das sogenannte „Gesetz“, als das Kernstück einer großen religiösen 
Reform staatrechtlich verbindlich. Die hier zusammengestellten Gesetzes¬ 
vorschriften enthalten den Kern aller späteren „Gesetze“ des jüdischen Priester¬ 
staates, wie er sich allerdings erst im 5. Jhd. entwickeln konnte... 


Der prophezeite Exodus 

Etwas mehr als 1000 Jahre lebten die Hebräer Seit an Seite mit anderen Völkern 
unter wechselvollem Schicksal in Palästina. Selten hatte das „Volk Gottes“ wie 
unter David oder dem sagenhaften König Salomo die alleinige Herrschaft inne. 
Zumeist wurde das Land durch seine mächtigen Nachbarn fremdbestimmt. So 
lösten sich Assyrien, Babylonien, Persien und Griechenland nacheinander als 
Besatzungsmächte ab. Wiederholt wurden dabei Tausende von Israeliten von den 
Siegern als Kriegsbeute aus ihrer Heimat entführt. Das Los dieser Verschleppten 
war jedoch weit weniger schwer, als man sich das heute denken mag. Im 
entwickelten Babylonien beispielsweise kamen so viele Juden zu Wohlstand, daß 
sich nach der Befreiung durch die Perser nur eine kleine Minderheit zur Rückkehr 
in das rückständige Israel entschließen konnte. Auch war keines dieser 
erzwungenen Exile von nennenswert langer Dauer. Nach ein paar Jahren war der 
Spuk wieder vorbei. So wurde scheinbar immer wieder aufs Neue eine 
Entscheidung „vertagt“, die Jahwe den Seinen zugedacht hatte: die vollständige 
Austreibung aus dem Heiligen Land - der Exodus. 

Tatsächlich kündigt schon das Alte Testament ganz deutlich die Verwüstung und 
Inbesitznahme des Landes durch die Feinde an. Es spricht wörtlich von der 
„Zerstreuung des Volkes unter alle Völker“. In 3. Mose 26. 33 lesen wir: „Euch 
aber will ich unter die Heiden streuen und das Schwert ausziehen hinter euch her, 


751 Die Anhäufung derartiger Textstellen fuhrt den jüdischen Schriftsteller Noam Chomsky zu dem 
Urteil: „Unter allen klassischen Büchern steht wohl die Bibel am meisten für Völkermord.“ 



333 


daß euer Land soll wüst sein und eure Städte zerstört. Und ihr sollt umkommen 
unter den Heiden, und eurer Feinde Land soll euch fressen.“ Gleiches findet sich in 
5. Mose 4, 27+28: „Und Jahwe wird euch bestimmt unter die Völker zerstreuen, und 
ihr werdet in der Tat als eine geringe Zahl übriggelassen werden unter den 
Nationen, wohin Jahwe euch vertreiben wird. Und dort werdet ihr Göttern dienen 
müssen, dem Erzeugnis von Menschenhände, Holz und Stein, die nicht sehen oder 
hören oder essen oder riechen können.“ Am unmißverständlichsten ist die Mahnung 
in 5. Mose 28, 64-66: „Und Jahwe wird dich bestimmt unter alle Völker zerstreuen, 
von einem Ende der Erde bis zum anderen Ende der Erde, und du wirst dort anderen 
Göttern dienen müssen, die du nicht gekannt hast, weder du noch deine Vorväter, 
Holz und Stein. Und unter jenen Nationen wirst du keine Rast halten, noch wird 
sich dort irgendein Ruheort für deine Fußsohle finden; und Jahwe wird dir dort 
gewiß ein zitterndes Herz geben und Versagen der Augen und Verzweiflung der 
Seele. Und du wirst bestimmt in größter Lebensgefahr und bei Nacht und Tag in 
Schrecken sein, und du wirst deines Lebens nicht sicher sein.“ Eine passendere 
Beschreibung für Ahasver, den ruhelos wandernden Juden, dürfte sich in der 
antiken Literatur wohl kaum finden. 


Die Umsetzung des Gotteswortes 

Der Grundstein zu dieser Vorausschau wurde schließlich unter der Römerherrschaft 
von den Juden selbst - oder korrekter gesagt: ihrem Geheimvatikan - gelegt. Dieser 
bediente sich zur Erreichung seines unheiligen Zieles eines ebenso probaten wie 
einfachen Mittels: Er schürte zwischen seinen Schäfchen und der Besatzungsmacht 
Zwietracht. Angetrieben durch den eigenen Klerus, der die baldige Ankunft des 
Messias verkündete, begannen sich die Juden bald immer offener zu radikalisieren. 
Namentlich in Alexandrien und in Cäsarea gab es wiederholt blutige Auseinander¬ 
setzungen. 

Es waren dies die Wirkungstage Jesu, der sich mit seiner Lehre praktisch zwischen 
alle Stühle stellte. Indem er Liebe gegenüber dem Feind predigte, distanzierte er 
sich von den nationalistischen Idealisten, die gegen die römische Okkupation 
kämpften, indem er die jüdischen Geldwechsler - das frühe Bankensystem - 
attackierte, zog er den Haß der reichen Kapitalisten auf sich, indem er den 
jüdischen Auserwähltheitsgedanken verwarf, rührte er an den Grundfesten des 
Religionsgebäudes und vertat es sich mit religiösen Dogmatikern wie mit 
weltlichen Chauvinisten, durch seine Botschaft von der den Sünder suchenden 
Liebe Gottes, brachte er schließlich noch den letzten Kirchenfunktionär in 
Harnisch, erlöste er doch mit diesem Gedanken die Menschen von aller 
Gewissensnot und Priesterherrschaft, indem er sie als Kinder Gottes in ein 
unmittelbares Verhältnis zu Gott führte. Es war nur eine Frage der Zeit, wann er das 
Schicksal seines gemordeten Taufpaten Johannes teilen würde. Tatsächlich wetzten 
seine Feinde bereits seit langem die Messer, nur nach einem Weg suchend, den 
Aufruhrer zu fassen und vor Gericht zu stellen. Den finalen Hinweis zur Ergreifung 
des „Verkünders“ lieferte letzten Endes ausgerechnet ein Jünger Jesu: Judas 



334 


Ischarioth. Dessen Beiname Sikarier („Dolchträger“) enthüllt zugleich den Grund 
des Verrats, denn Judas gehörte in Galiläa zelotischen Kreisen an, einer radikalen 
Bewegung, die das baldige Herannahen des Messias und die Beseitigung der 
verhaßten Römerherrschaft nicht nur erwartete, sondern auch aus dem Untergrund 
heraus aktiv den Kampf gegen das Besatzungsregime betrieb. Es liegt nahe, daß 
Judas enttäuscht über Jesu unpolitisch-religiöse Haltung diesen in der Absicht 
seinen Gegnern auslieferte, um den Lehrer letztlich mit Gewalt auf den Weg der 
politischen Messianität zu zwingen. Dadurch, daß er außerdem den bis dahin von 
den Jüngern geheimgehaltenen Anspruch auf Jesu Gottessohnschaft preisgab, 
ermöglichte er das Hauptmotiv zur Verurteilung wegen angeblicher 
Gotteslästerung. Die Passionsgeschichte zeigt, daß die Juden, um seine Verur¬ 
teilung zu erreichen, ihn als Messiasprätendenten dem Pontius Pilatus überlieferten, 
der aber keine Schuld an ihm fand. Erst auf nachhaltiges Drängen der Pharisäer, die 
das von ihnen völlig beherrschte politische und soziale Gefüge des damaligen 
Judentums durch die Lehre Jesus bedroht sahen, wurde der christliche Heiland 
durch den widerstrebenden römischen Prokurator zum Tod am Kreuz verurteilt. 

Zur gleichen Zeit schäumte selbst in Rom und überall im römischen Reich, wo 
jüdische Kolonien bestanden, der gegenseitige Haß auf. Der verstärkt betriebene 
Werbefeldzug in der Proselytenmission, durch die nach einer erfolgten 
Beschneidung jeder Mann, gleich welcher religiösen oder ethnischen Herkunft zum 
Judentum übertreten konnte, verbunden mit der Ausschließlichkeit und Verachtung 
aller anderen Kulte, forcierten den „Antisemitismus“ der gesamten griechisch- 
römischen Welt ebenso wie die wirtschaftliche Expansion der Jahwiten in allen 
Handelsstädten des Imperiums. Möglicherweise bereits aus diesem finanziellen 
Grund begünstigten manche Kaiser, so Claudius (41-54), ganz offen die 
ungeliebten Neureichen. Allein, später entschloß sich selbst dieser milde Fürst zu 
einer Ausweisung aller Juden aus Rom. Nach Claudius Vergiftung übernahm Nero 
die Herrschaft. 

Währenddessen hatten sich die Verhältnisse in Palästina keineswegs entspannt. 
Immer wieder kam es hier zu Unruhen. Ein blutiger Streit in Cäsarea zwischen 
Juden und Griechen, von Nero zugunsten der Griechen entschieden, bildete 
schließlich das Fanal zur allgemeinen Erhebung, die sich durch die Unterstützung 
der Orthodoxie wie ein Flächenbrand ausbreitete. So schlug 66 n. Chr. auch in der 
Metropole Jerusalem die Flamme des Aufstandes empor, nachdem Fanatiker unter 
den Pharisäern, besonders die Zeloten, das Übergewicht über die Gemäßigten 
gewonnen hatten. Als diese Radikalen die römische Besatzung Jerusalems nach 
deren Kapitulation niedermetzelten war das lediglich der Auftakt einer langen 
Gewaltorgie, welche stellenweise an die Herrschaft der Jakobiner in den Zeiten des 
Konvents erinnert. Rom sah sich gezwungen, Truppen zu entsenden. Nach zähen 
Kämpfen beendete erst im August 70 die Eroberung Jerusalems durch Titus den 
jüdischen Krieg. Die Römer machten die Stadt dem Erdboden gleich, zerstörten 
und plünderten den Tempel. 



335 


In Jerusalem fiel gleichfalls mit den nationalen Träumen die nach außen hin 
wichtigste religiöse Zentrale des Judentums. Der Hohepriesterstaat war damit am 
Ende. Der erstmals unter der griechischen Fremdherrschaft im 3. Jahrhundert 
erwähnte jüdische Sanhedrin, der „Hohe Rat“, welcher unter dem Vorsitz eines 
Hohenpriesters die oberste jüdische Staatsbehörde in Staats-, Rechts- und 
Religionssachen bildete, wurde umgebildet. Nunmehr stand dieser thoratreuen 
Körperschaft ein selbstgewählter Präsident (Nassi) vor, dessen Zuständigkeit auf 
Druck der Römer auf zivilrechtliche und religiöse Gebiete beschränkt war. Der 
bisherige Sitz - eine Halle des Jerusalemer Tempels - mußte aufgegeben werden. 752 
Palästina wurde kaiserliche Provinz mit dem Zentrum Cäsarea. Der erste größere 
jüdische Exodus schloß sich an. 

Doch immer noch gab es einen hohen Anteil heimatverbundener Juden, die das 
Land ihrer Väter auch um den Preis eines mühseligen Aufbaues nicht verlassen 
wollten. Und so schloß sich - wohl um endgültig Flurbereinigung zu schaffen - 
dem ersten bald ein zweiter Aufstand an. Ohne jede realistische Erfolgschance zog 
er sich von 132 bis 135 hin. Führer des Aufstandes war Simon Bar Kochba 
(„Sternensohn“), dessen Messiasanspruch von dem berühmten Mischnalehrer 
Rabbi Akiba unterstützt wurde. Erst durch schärfste Maßnahmen bekam Rom 
Palästina wieder in den Griff, um daraufhin zur endgültigen Befriedung der 
unruhigen Provinz zur drakonischsten aller Maßnahmen zu greifen: Alle Juden 
wurden offiziell aus Judäa vertrieben, das Betreten Jerusalems bei Todesstrafe 
verboten. 

Der Geheimvatikan konnte jubilieren, denn wie von den Propheten vorhergesagt, 
verteilte sich das Volk Jahwes nun über alle Länder der Welt, um fern der Heimat 
in zahllosen Gastkolonien weiterzubestehen. Damit war gleichsam das eigentliche 
Fundament zur Weiterführung des göttlichen Plans in weltweitem Maßstab gelegt. 

Da aber an eine kompakte Umsetzung des Bibelplans vor einer globalen 
Machtfestigung nicht zu denken war, stand die Orthodoxie jetzt vor der wohl 
schwersten Bewährungsprobe ihrer Geschichte. Sie mußte es nämlich sprich¬ 
wörtlich bis zu den in der Bibel prognostizierten letzten Tagen gewährleisten, daß 
das in alle Winde zersplitterte Volk der Israeliten anthropologisch, kulturell und 
vor allem religiös erhalten blieb... 


752 

Nach dem Fall Jerusalems verlegte der Sanhedrin, welcher in Palästina blieb, mehrmals seinen 
Sitz. Zuerst bildete er sich in Jabneel (Jamnia/Jebna) bei Jaffa. Dort wurde auch eine Akademie zur 
Ausbildung von Rabbinern eröffnet und bald darauf ein Partriarch ernannt. Anschließend wanderte 
der Mittelpunkt des Judentums nach Uscha, Sepphoris (Saforie/Saffurije) bei Nazareth und dem im 
gleichen Kreis befindlichen Tiberias. Als 429 der byzantinische Kaiser Theodosius II. den 
jüdischen Patriarchen Gamaliel IV. absetzte, siedelte die Geheimregierung nach Babylon über. 
1005 war dann auch hier ein Ende gekommen: Kalif Kader-Billach jagte den Synedrion 
auseinander und ließ den „Fürsten des Exils“ (Nasi) aufhängen. Mit diesem Ereignis ging der 
Geheimvatikan auf der spanischen Halbinsel (erst Granada, dann Gerona) in den Untergrund. Seit 
dem 15. Jahrhundert war Safed im Norden Israels, eine der vier heiligen Stätten der Religiös- 
Orthodoxen, Zentrum des Judentums im Orient. Hier wurde auch vor allem im 16./17. Jahrhundert 
die jüdische Mystik (Kabbala) gepflegt. 



336 


Überlebensstrategien fiir das Exil 

Die einzige Lösung dieses Problems konnte darin bestehen, innerhalb der 
Aufhahmeländer die jüdische Minderheit auf Dauer streng abzusondem. Jede 
Tendenz von Eingewöhnung, Angleichung, Verweltlichung mußte vermieden 
werden, da sie zugleich die Gefahr einer Entfremdung gegenüber dem eigenen 
Kultus in sich barg. Eine künstliche Isolierung konnte aber nur durch Druck erzielt 
werden. Und so darf das von Alters her über so viele Sprach-, Glaubens- und 
Kulturkreise hinweg periodisch wiederkehrende Phänomen des Anti-Semitismus 

H ca 

nicht zuletzt auch auf diese fundamentalistische Abwehrtaktik zurückgeführt 
werden. Ohne beständige Pressionen von außen hätte sich das jüdische Volk ohne 
Zweifel binnen weniger Generationen assimiliert und wäre heute ethnographisch 
komplett verschwunden. Hier braucht man nur eins und eins zusammenzuzählen, 
um die eigentlichen Profiteure des blutigen Treibens in der Führung des Judentums 
selbst ausfindig zu machen. 754 Dies zumal sich die heftigsten Übergriffe stets 
ausgerechnet dann einstellten, wenn sich die Israeliten ihrer Religion zu entledigen 
„drohten“ und den christlichen Lockungen, als Gleiche unter Gleichen zu leben, 
folgten. 

„Durch den Gewaltmechanismus aber rückten die eingeschüchterten Hebräer immer 
wieder hinter ihrer Führung zusammen und waren angesichts einer scheinbar 
dauerhaft feindlichen Umwelt schließlich sogar bereit, die ihnen von den Rabbinern 
ab verlangte Ghetto-Isolierung in Kauf zu nehmen. Nahum Goldmann, 1938 bis 
1977 Leiter des global operierenden israelitischen Dachverbands „Jüdischer 
Weltkongreß“, schreibt selbst ausdrücklich, es sei „zu unterstreichen, daß das 
Ghetto historisch gesehen eine jüdische Erfindung ist. Es ist falsch zu behaupten, 
daß die Gojim die Juden gezwungen haben, sich von der übrigen Gesellschaft zu 
trennen.“ 755 

Mit dem innerhalb der jüdischen Religionsgemeinschaft so verächtlich gebrauchten 
Begriff „Gojim“ (etwa: Heide) nähern wir uns noch einmal dem dritten Pfeiler, auf 
dem der die Jahrtausende überdauernde Fortbestand der jahwitischen Gemeinde bis 
auf unsere Tage ruhte: Es ist dies das, die Abneigung gegen alles Fremde und 
Andersgläubige begünstigende, mosaische Gesetz. Die bis zum Haß gesteigerte 
Gefühlskalte nach außen könnte dabei zusätzlich instrumentalisiert worden sein, um 
der nach innen errungenen Liebe und Eintracht als ausgleichendes Ventil zu dienen. 
Genau so wie die Sippe der primitiven Jäger sich gegen die Außenwelt, dem Igel 
vergleichbar, feindlich abschließt, bauten die fundamentalistischen Schriftgelehrten 


753 

Selbstverständlich keineswegs ausschließlich, ja in vielen Einzelfällen nicht einmal 
überwiegend. 

754 Daß hier zwischen Führung und Gefolgschaft streng zu scheiden ist versteht sich ebenso von 
selbst wie die Tatsache, daß nicht alle Profiteuere in der Führung notwendigerweise zugleich 
Akteure im Untergrundkampf (oder auch nur Mitwisser) waren. Die Rede ist hier von einem sehr 
eng umgrenzten Kreis religiöser Eiferer, dem analog zu den frühen Jesuiten der Zweck jedes 
Mittel heiligte. 

755 Nahum Goldmann, „Das jüdische Paradox“, Köln/Frankfürt 1978, Seite 96 



337 

auf diese Weise um ihre Gemeinde eine uneinnehmbare Mauer, die sich aus 
Chauvinismus und Verachtung gründete. 


Die Problematik des Talmud 

Daß das jüdische Volk trotz Verlust seines Staatswesens nicht zerfiel kann in der 
Tat in stärkstem Maße darauf zurückgeführt werden, daß unter Leitung der 
Rabbiner „das Gesetz“ des Alten Testaments und die Synagoge als erhaltende Kraft 
zum neuen Mittelpunkt wurden. Nach dem Exodus kam dabei der Ausgestaltung 
des sogenannten „Talmud“ eine besondere Bedeutung zu. Was dürfen wir uns unter 
diesem für rabbinische Texte vergleichsweise neuen Werk vorstellen? 

Die erste Ausgabe der „The Jewish Library“, die von der „Union of Orthodox 
Jewish Congregations of America“ herausgegeben wurde, erklärt unter dem Titel 
„Hauptwesenszüge des Judaismus“ („Essentials of Judaism“): „Das jüdische Gesetz 
besteht aus dem mündlichen Gesetz und dem geschriebenen. Das letztere ist im 
Pentateuch (dem Alten Testament, der Verf.), genauer der Thora enthalten. Das 
erste wurde für lange Zeit ungeschrieben gehalten und über die Generationen nur 
von Mund zu Mund weitergegeben. 'Moses gab es Joshua, und Joshua den 
Ältesten, die Ältesten an die Propheten, die Propheten an die Männer der Großen 
Synode und diese an die Rabbiner' (Mischna, Aboth I, i) bis mit dem Auszug aus 
Israel die Gefahr erwuchs, daß es vergessen werden könnte. Rabbi Judah der 
Prinz (200 n.Chr.) sammelte es und gab es schließlich in der Mischna heraus. Die 
Mischna enthält also den Körper des jüdischen Gesetzes. Wie alle anderen 
Gesetze, wurden auch diese kommentiert, um ihre genaue Wirksamkeit 
festzusetzen. Sie wurden in den jüdischen Akademien von Palästina und 
Babylonien diskutiert, und wir besitzen authentische Überlieferungen dieser 
Diskussionen, die Gemara (Gömörra) genannt werden. Um 400 n. Chr. wurden 
diese Diskussionen in Palästina, um 500 n. Chr. in Babylonien gesammelt und 
anschließend zusammen mit der Mischnah in einem großen Band, dem Talmud, 
zusammengefaßt. Der Talmud ist eine Encyclopädie von jüdischer Lehre und 
Leben, da er - über die Gesetze hinausgehend - die Grundsätze, Gleichnisse und 
Leitsätze, die im Laufe der Jahrhunderte gebräuchlich waren, beinhaltet. Jedes 
dieser beiden Länder entwarf seinen eigenen Talmud, so daß wir heute den 
Palästinensischen und den Babylonischen Talmud haben, wobei der letztere, weit 
mehr erhalten gebliebene, der maßgebliche für das Judentum ist. “ 756 

Diese Maßgeblichkeit bestand wie gesagt vor allem darin, daß der Talmud Israel 
den Wegfall der politischen Autorität ersetzte. Da die Rabbiner - in ihrer Akribie 
den modernen „Zeugen Jehovas“ nicht unähnlich - sprichwörtlich jeden 
Bibelspruch des Alten Testaments für den Alltag auslegten, bestimmte dieses 
achtzehn große Bände umfassende Mammutwerk fortan in jeder Hinsicht das 


756 

Zitiert nach Denis Fahey, „The Mystical Body of Christ in the Modern World“, Reprint der 
dritten Editon (1939), Omni Publications, Hawthorne/Ca. 1987, Seite 283f. 



338 


Leben des Juden - ob auf religiösem oder sozialem Gebiet. Die mosaische Lehre 
wurde so durch eine „amtliche Glaubensinterpretation“ endgültig zum Dogma. 
Deshalb ist der Talmud mehr als die zweite Bibel bzw. das zweite Gesetzbuch des 
Judentums. Deshalb veranschlagen die Rabbiner, daß die Gesetze des Talmud den 
Vorschriften des Alten Testaments in Bedeutung voranstehen, weshalb die „Jewish 
Encyclopaedia“ auch ganz folgerichtig schreibt: „Für die Mehrzahl der Juden ist er 
immer noch die oberste Autorität der Religion.“ 

Nun gibt es jedoch in diesem gewaltigen und in so vielen Dingen durchaus 
begrüßenswerten Werk eine grundsätzliche Problematik, die den Rabbinern von 
alters her überkommen war. Die mosaischen Gesetze enthielten nämlich, wie wir 
bereits gesehen haben, eine Fülle Ausländer- und außerreligionsfeindlicher 
Grundsätze, die dem Judentum schon vor Christi Geburt das Leben außerhalb der 
Grenzen Palästinas erschwert hatten. Die Führer der israelitischen Gemeinde hatten 
bei der späten Abfassung des Talmud also die einmalige Chance, alte Fehler zu 
korrigieren, indem sie unmoralische Forderungen des Mose, die unzweifelhaft aus 
der Bedrückung der Kampfzeit heraus formuliert waren, relativierten. 
Unglücklicherweise wurde jedoch der Talmud ebenfalls in einer Zeit niedergelegt, 
als das Judentum mit dem Rücken zur Wand stand, und so darf es nicht 
überraschen, daß die Rabbiner jede Möglichkeit ergriffen, die Worte Mose so 
fundamentalistisch wie irgend möglich auszulegen. Gerade weil sie das Überleben 
des verstreut lebenden Judentums sicherten, mußten die Gesetze des Alten 
Testaments erhalten werden. So überdauerte der heute sprichwörtlich gewordene 
„alttestamentarische Haß“ auch die Schriftlegung des Talmuds, der die im 
Judaismus inhärenten Prinzipien der Isolation und des Mißtrauens im Gegenteil 
weiter befestigte. Mitunter bis hin zum aktiven Übelwollen. 


Die Klassen- und Kastenlehre der Schöpfung 

In der Tat strotzen die rabbinischen Lehren derart von Beschimpfungen auf alles 
Nichtjüdische, daß der jüdisch-hellenistischen Philosophen Philo Judaeus knapp 
befand: „Die heiligen Schriften schreiben vor, was wir tun sollten, indem sie uns 
Haß gegen die Heiden und ihre Gesetze und Einrichtungen vorschreiben.“ 

Den einschneidendsten, weil grundlegendsten Fehlgriff stellt dabei die wieder¬ 
kehrende Behauptung dar, die Dienerschaft Jahwes sei nicht allein geistig, sondern 
auch als Volk von höherwertigem Wesen. 

In diesem Sinne referiert Bodenschatz in seinem Werk über die „Kirchliche 
Verfassung der heutigen Juden“ (Erlangen 1748), daß nach rabbinischer Auslegung 
„die Juden bis in das 13 Jahr viehische Seelen haben, denn so liest man im Jalkut 
chadasch, fall54. col.2 num. 7 unter dem Titel: Nefchamoth. Die Seele des Lebens 


757 H. P. Blavatsky, „Die Geheimlehre“, Verlag J.J. Couvreur, Den Haag/Holland, Band II, Seite 
494 



339 


ist diejenige Seele, welche unter dem Thron der Herrlichkeit herausgehauen (oder 
formiert) ist; die lebendige Seele aber ist diejenige Kraft, welche dem Vieh und 
Tieren gegeben; und haben die Völker keine Seele, als diejenige Kraft des Viehes 
und der Tiere. Ein Israelit hat auch bis zu seinem 13 Jahr allein selbige Kraft: Vom 
13. Jahr aber und darüber hinaus wird er der Seele des Lebens würdig, wann der es 
durch das Gesetz verdienet.“ Bodenschatz zeigt den Auserwähltheitswahn im 
Talmud auch in einem Zusammenhang, der eindeutig belegt, daß die Lehre von der 
Seelenwanderung Eingang in die Orthodoxie des Jahwekultus gefunden hat. Hier 
heißt es: „Gleich sind ein Mörder, der einen Israeliten umgebracht hat, und ein 
abgefallener Jude, welcher das Hauptwerk der jüdischen Religion verleugnet, wie 
auch ein Verräter, welcher einen Juden, oder die ganze Judenschaft beim König und 
seinen Eürsten verrät, und ihm Schaden zufügt. Alle diese Haufen sind unwürdig, in 
das Eirmament des Himmels aufzusteigen, und den Vorhof und Palast des Königs 
zu betreten, sondern die Engel fällen droben (einem jeden) sein Urteil, und schicken 
alsbald ein Gericht von Teufeln herunter, um ihn zu richten. (Diese Verdammten) 
laufen in der Luft der Welt flüchtig herum, bis daß die über sie bestimmte Zeit 
vorbei ist, und fahren in leblose Dinge in Erdgewächse, in Tiere und Menschen, wie 
auch in die sieben Erden, bis daß sie die Hölle annehme, in welcher sie zwölf 
Monate gerichtet werden. Danach schreien sie und steigen herauf, und werden zum 
zweiten mal erschaffen, damit sie verbessert, geläutert und gereinigt werden. Der 
heilige gebenedeite Gott (läßt sie) von einer Staffel zur anderen steigen. Zuerst 
versetzt er ihre Seelen in ein stummes oder lebloses Ding, und von den Leblosen 
steigen sie zu den Erdgewächsen, und von dem Erdgewächs steigen sie zu den 
vernünftigen Tieren, und nach diesen zu den Menschen, und fahren in Heiden oder 
Knechte, danach aber in Israeliten.“ 

Hemmungslose Ausfälle dieser Art finden sich überall in den talmudischen 
Überlieferungen. Einige Beispiele aus vielen mögen das veranschaulichen: „Es 
wird gelehrt: R. Simon b. Johaj sagte: Die Gräber der Nichtjuden sind nicht 
(levitisch) verunreinigend, denn es heißt: ihr aber seid meine Schafe, die Schafe 
meiner Weide, Menschen seid ihr, ihr heißt Menschen, nicht aber heißen die 
weltlichen Völker Menschen (sondern Vieh).“ „Der Hof eines Nichtjuden gleicht 
einem Viehstalle.“ 759 „(Rabbi) Sila geißelte einen Mann, der eine Nichtjüdin 
beschlafen hatte; da ging dieser Mann und verleumdete ihn beim König, indem er 
sprach: Es gibt unter den Juden einen Mann, der ohne Genehmigung des Königs 
richtet. Da schickte er nach ihm einen Beamten, und als er kam, sprachen sie zu 
ihm: Warum hast du diesen gegeißelt? Er erwiderte: Er hat eine Eselin beschlafen. 
Jene sprachen: Hast du Zeugen? Er erwiderte: Ja. Da kam Elijahu, der ihnen wie 
ein Mensch erschien, und bezeugte dies... Da übergaben sie ihm (Anm.: Rabbi Sila) 
einen Stab und sprachen zu ihm: Sprich Recht. Nachdem er fortgegangen war, 


758 Der Babylonische Talmud, Traktat Baba Mecia IX, xiii/13 fol. 114b. In der deutschen 
Übersetzung des vollständigen Babylonischen Talmud durch Lazarus Goldschmidt, 3. Auflage, 
Königstein/Taunus 1980, Band VII, Seite 845 

759 Der Babylonische Talmud, Traktat Erubin VI, ii/2, fol. 62a/b. In der deutschen Übersetzung 
des vollständigen Babylonischen Talmud durch Lazarus Goldschmidt, 3. Auflage, 
Königstein/Taunus 1980, Band II, Seite 186f. 



340 


sprach ein Mann zu ihm: Der Allbarmherzige läßt also den Lügnern Wunder 
geschehen! Er erwiderte: Ruchloser, werden sie denn nicht Esel genannt!? Es heißt 
ja: deren Fleisch dem Fleische der Esel gleicht.“ 760 „Gott schuf die Nichtjuden in 
Menschengestalt, denn zu keinem anderen Zwecke wurden sie geschaffen, als um 
Tag und Nacht den Juden zu dienen und nicht abzulassen von ihrem Dienst. Nun ist 
es aber nicht geziemend für einen Königssohn (d. h. für einen Hebräer, der Verf.), 
daß ihm diene ein Tier in Tiergestalt, sondern ein Tier in Menschengestalt.“ 761 

Zusammenfassend darf mit den Worten des Bischofs von Dijon, Mgr. Landrieux, 
gesagt werden: „Hier wird der Rassestolz zur Spitze des Wahnsinns getrieben... Im 
Auge des Talmudisten, bildet allein die jüdische Rasse das Menschengeschlecht; 
die Nichtjuden sind keine menschlichen Geschöpfe. Sie sind allein tierischer 
Natur.“ 762 Was diesen an sich schon bedenklichen Chauvinismus wirklich 
gefährlich macht, sind die von den Schriftgelehrten für die „Gojim“ aufgestellten 
juristischen Bestimmungen. Denn Landrieux fährt fort: „Sie haben keine Rechte. 
Die Moralgesetze, die die wechselseitigen Beziehungen unter den Menschen regeln, 
die Zehn Gebote, finden auf diese keine Anwendung. Sie gelten allein unter den 
Juden. Hinsichtlich der Gojim (Nichtjuden) ist alles erlaubt: Raub, Betrug, Meineid, 
Mord.“ 763 


Erlaubte Rechtsverstöße 

Tatsächlich finden sich vor dem Hintergrund scheinbar grenzenloser 
Selbstüberhöhung im Talmud eine ganze Reihe von befremdlichen 
Gesetzesauslegungen, durch welche der fromme Jude zu Ungerechtigkeit gegen¬ 
über seiner „ungläubigen“ Umwelt geradezu angehalten wird. 

Zu den harmlosesten Vergehen zählt dabei noch die Segnung der Lüge. „Wenn ein 
Israelit mit einem Nichtjuden vor dir zu Gericht kommt“, lesen wir „so sollst du 
ihm nach jüdischem Gesetz nach Möglichkeit recht geben und zu jenem sagen: So 
sei es nach unserem Gesetz. Und wenn nach dem Gesetz der weltlichen 
(nichtjüdischen) Völker, dann sollst du ihm recht geben und jenem (dem 
Nichtjuden) sagen, so sei es nach eurem Gesetz. Wenn aber dies auch nicht, so 
komme jenem (dem Nichtjuden) mit einer Hinterlist.“ 764 An anderer Stelle heißt es: 
„Wenn ein Nichtjude vor Gericht einen Juden als Zeugen gegen einen Juden laden 


760 • ** 

Der Babylonische Talmud, Traktat Berakhot IX, 1-5, fol. 58a. In der deutschen Übersetzung 
des vollständigen Babylonischen Talmud durch Lazarus Goldschmidt, 3. Auflage, 
Königstein/Taunus 1980, Band I., Seite 259 

761 

Talmud, Nidr. Tolp., nach Friedrich Hasselbacher, „Entlarvte Freimaurerei“, Band I., Verlag 
Richard Geller, 1934, Archiv-Edition im Verlag für ganzheitliche Forschung und Kultur, Viöl 
1992, Seite 128 

762 

Mgr. Landrieux, „L'Histoire et les Histoires dans la Bible“, zitiert nach Denis Fahey, „The 
Mystical Body of Christ in the Modern World“, Reprint der dritten Edition (1939), Omni 
Publications, Hawthorne/Ca. 1987, Seite 281 

763 

Mgr. Landrieux, a.a.O., zitiert nach Denis Fahey, a.a.O., Seite 281 

764 Babakamma 113 



341 


will, und dieser Jude eine ehrliche (belastende) Aussage machen könnte, so ist ihm 
dies dennoch untersagt; wenn aber ein Jude in einem ähnlichen Fall einen Juden als 
Zeuge gegen einen Nichtjuden begehrt, darf er dies tun.“ 765 

Einen deutlichen Schritt weiter als die Erlaubnis zur Falschaussage gehen jene 
rabbinischen Textpassagen, in denen der Gemeinde Raub und Betrug gegenüber 
ihrer Umwelt gestattet wird. Auch dieses offenkundige Verbrechen wird von nicht 
wenigen Schriftgelehrten durchaus gebilligt, wie folgende ausgewählte Beispiele 
belegen: 

„Dem Juden ist es erlaubt zum Nichtjuden zu gehen, diesen zu täuschen, mit ihm 
Handel zu treiben, ihn zu hintergehen und sein Geld zu nehmen. Denn das 
Vermögen des Nichtjuden ist als Gemeineigentum anzusehen und es gehört dem 
ersten (Juden), der es sich sichern kann.“ 766 „Wenn ein Mensch (Jude) einen 
Nichtjuden zum Kunden hat, so gibt es Orte, an denen man bestimmt, daß es einem 
anderen Juden verboten ist, ihm (dem Juden) Konkurrenz zu machen und mit jenem 
(Nichtjuden) Geschäfte zu machen. An anderen Orten wird dies erlaubt - denn Hab 
und Gut des Nichtjuden ist wie herrenloses Gut, und jeder, der zuerst zugreift, ist im 
Recht.“ 767 „Die Landgüter der Nichtjuden sind wie Wildnis; wer sich zuerst auf 
ihnen niederläßt, erwirbt das Recht auf sie.“ 768 „Wenn ein Jude seinen Spaten in das 
Land eines Nichtjuden gestoßen hat, ist er der Eigentümer des ganzen geworden.“ 769 
„Der Besitz der Nichtjuden ist wie eine Sache ohne Eigentümer.“ 770 „Ein Jude darf 
alle Fundstücke, die einem Nichtjuden gehören, behalten. Denn der, welcher 
verlorenen Besitz an Nichtjuden zurückgibt, sündigt gegen das Gesetz, indem er die 
Macht der Gesetzesbrecher vergrößert. Es ist indessen lobenswert, verlorenen Besitz 
zurückzugeben, wenn man dies zur Ehre des Namens Gottes tut; indem man dies 
nämlich tut, werden Christen die Juden preisen und sie als ehrenhafte Menschen 
betrachten.“ 771 „Woher wissen wir, daß das Verlorene eines Nichtjuden erlaubt ist (d. 
h. das diebische Einbehalten verlorenen Gutes, wenn es einem Nichtjuden gehörte, 
der Verf.). Es heißt (Deuteronomium 22,3): Mit allem Verlorenen deines Bruders. 
Also deinem Bruder mußt du es zurückbringen, nicht aber einem Nichtjuden. Bringt 
er es ihm aber zurück, so begeht er eine große Gesetzesübertretung. - Schemoel 
sagte: Das Irreführen des Akum beim Zurück-geben oder ihn betrügen beim 
Zurückzahlen ist erlaubt.“ 772 „Die Beraubung eines Bruders ist nicht erlaubt, die 
Beraubung eines Nichtjuden ist erlaubt, denn es stehet geschrieben (Lev. 19,13): Du 
sollst deinen Bruder kein Unrecht tun. Aber diese Worte - sagte Jehud - haben auf 
den Goj keinen Bezug, indem er nicht dein Bruder ist.“ 773 „Nach Rabbi Jehuda ist 
die Beraubung eines Bruders nicht erlaubt, die Beraubung eines Nichtjuden ist 


765 

Schulchan Aruch, Choszen Hamiszpat, 28 art, 3 and 4 

766 Choschen Ham 156,5 Hagah 

767 Schulchan Aruch, Choschen hammischpat, Seite 136, 3, (Haga=Anmerkung) 

768 Baba(Bava) batra(bathra), 14 b 

769 Baba Batra, 55 a 

770 

Schulchan Aruch: Choszen Hamiszpat, 116,5 

771 Choschen Ham 266, 1 

772 Baba kamina 113b 

773 Baba(Bava) mezia 61a 



342 


774 

erlaubt.“ „Wie man den Begriff 'Raub' interpretieren sollte. Einem Nichtjuden ist 
es verboten einen Nichtjuden oder Juden zu bestehlen, zu berauben, dessen Frau als 
Sklaven zu nehmen etc., aber ihm (dem Juden) ist es nicht untersagt, auf diese 
Weise mit einem Nichtjuden zu verfahren.“ 775 „Ist dann den Gerechten erlaubt, (mit 
den Gottlosen) betrügerisch umzugehen? Ja freilich: denn es steht in 2. Sam. 
XXII.27 geschrieben: Gegen den Reinen erzeigest du dich rein, und gegen die 
Verkehrten erzeigest du dich verkehrt.“ 776 

Die letzte Stufe auf der langen Leiter fundamentalistischer Haßpredigten sind 
rabbinische Auslassungen, die soweit gehen, den Wert des nichtjüdischen Lebens 
grundsätzlich in Frage zu stellen. Wie nahezu alle Ausuferungen des Talmud, 
begründen sich diese Textstellen hauptsächlich auf das extremistische 5. Buch 
Mose. 

So lesen wir: „Bei der Lebensrettung richte man sich nicht nach der Mehrheit. 
Wenn aber die Mehrheit aus Nichtjuden ist, so ist man zur Lebensrettung nicht 
verpflichtet.“ „Habe kein Mitleid mit ihnen, da es geschrieben steht: Habe kein 
Erbarmen mit ihnen (5. Mose 7,2). Daher, wenn du einen Akum (Heide, der Verf.) 
in Schwierigkeit des Ertrinkens siehst, dann gehe ihm nicht zu Hilfe. Und wenn er 
in Todesgefahr schwebt, dann rette ihn nicht.“ 778 „Wenn du einen Ketzer, der nicht 
an die Thora glaubt, in einen Brunnen, wo es eine Leiter gibt, fallen siehst, dann 
beeile dich und nimm die Leiter weg und sage ihm: 'Ich muß gehen und meinen 
Sohn vom Dach heruntersteigen lassen' oder sonst etwas.“ 779 „Ketzer, Verräter und 
Apostaten sind in einen Brunnen zu werfen und nicht zu retten. Sogar die besten der 
Gojim müssen getötet werden.“ 780 „Der beste Arzt gehört in die Hölle und der beste 

70 1 

Metzger ist ein Genosse Amaleks und den Besten der Gojim sollst du töten.“ 
„Einen Gojim zu ermorden ist wie ein wildes Tier zu töten.“ 782 „Wenn ein Goy 
einen Goy oder einen Juden tötet, dann ist er schuldig, wenn aber ein Jude einen 
Goy tötet, dann ist er nicht schuldig.“ 783 


Der Talmud als Geheimlehre 


774 Baba(Bava) mezia 111 

775 Tosefta, Aboda Zara, VIII, 5 

776 Tr. Bava bathra, fol. 123, col.l nach Zohar 1, 160a 

777 Joma 85a 

778 Hilkkoth Akum 10,1 

779 Schulchan Aruch, Choschen(Choszen) Hamiszpat 425,5 

780 Babylonischer Talmud, Traktat Abhoda(auch Abodah) Zara(h) (26b) 

781 Kiddischin 82a. Amalek steht in der Bibel für ein feindliches Volk. Der Begriff wurde später 
von Rabbinern auf zahlreiche andere Völker angewandt - heute insbesondere auf Deutsche und 
Palästinenser. (Siehe Israel Shahak, „Jüdische Geschichte, Jüdische Religion“, Lühe-Verlag, 
Süderbrarup 1998, Seite 142, 155, 167f, 204/Anm. 10 

782 Sanhedrin 59a 

783 Tosefta, Aboda Zara, VIII, 5 



343 


Die vorgestellten und jeglicher religiöser Ethik hohnsprechenden „Glaubens“- 
Auslegungen mögen mit erklären, warum die Schriftgelehrten die jüdische 
Gemeinde immer wieder darauf verpflichteten, ihre Lehre vor der Außenwelt streng 
geheimzuhalten. 

Nach dem Babylonischen Talmud, Tr. Chagiga Fol. 13a wies Rabbi Aman (3. Jhrd. 
n.Chr.) seine Schäfchen an: „Überliefert einem Nichtjuden nicht die Worte der 
(jüdischen) Lehre.“ Gleiches findet sich bei Jalkut Chadasch unter dem Stichwort 
Thora Nr. 721/Jaktu Chadasz, 171,2: „Es ist verboten, irgendeinem Nichtjuden die 
Geheimnisse der Lehre (Sitre tora) zu entdecken. Wer das aber tut, der tut so viel, 
als wenn er die ganze Welt vernichtet und den heiligen Namen Gottes verleugnet.“ 
Babylonischer Talmud, Sanhedrin 59 a. Aboda Zora 8-6: Szagiga 13/Talmud 
Sanhedrin 59a (Babylonischer Talmud) führt aus: „Rabbi Jo(c)hanan (gest. 279 
n.Chr.) hat gesagt: 'Ein Goy (Nichtjude), der sich mit dem Gesetz beschäftigt (der 
im Talmud liest) und jeder Jude, der ihm dabei hilft, ist des Todes schuldig.' Denn 
es heißt (5. Moses 33,4): 'Die Thora hat Mose uns befohlen zum Erbteil, nicht für 
sie (die Nichtjuden).'“ Und im Libbre David 37 lesen wir: „Das Entschlüsseln 
unserer Religion an einen Goy ist gleichbedeutend mit dem Hinmorden aller Juden, 
denn wenn die Gojim wüßten, was wir über sie lehren, dann würden sie uns offen 
töten.“ 


Der Talmud und das Christentum 

Natürlich konnte es den Hütern der Gesetze Mose nicht auf ewig gelingen, ihre 
Lehren vor der Außenwelt abzuschotten. Die ersten Nichtgemeindemitglieder, die 
mit ihnen schon sehr früh Bekanntschaft machten, waren Christen, welche von 
jüdischen Konvertierten in die dunklen Seiten des Talmud eingeweiht wurden. 
Mehr als alle anderen müssen gerade diese Frommen über die ihnen dargebotenen 
Auswüchse erschüttert gewesen sein: 

Denn was im Talmud besonders ins Auge springt und sich an kaum einer Stelle 
relativiert findet, das ist der abgrundtiefe Haß auf Christus und seine 
Anhängerschaft. Dieser Haß hat etwas Unheimliches, denn wohl nie sind einem 
Manne, dem selbst die fremdesten Völker ihre Achtung nicht versagten, durch 
Jahrtausende hindurch soviel Schimpfnamen gegeben und erhalten worden, wie 
Bastard, Hurensohn, Sohn des Unzuchttieres, der Gehenkte, Sohn der Ehebrecherin 
und Menstruierenden und, um dem allen die Krone aufzusetzen, der „auf dem 
Dunghaufen begrabene tote Hund.“ 784 


784 Sohar Przemysl, Verlagsjahr 1880, III, 282a 

In Sanhedrin 105ab steht: „Jesus trieb Unzucht mit seinem Esel.“ In Gittin 57a heißt es „Jesus ist 
in der Hölle und wird bestraft, indem er in heißem Samen gekocht wird. Christen werden in Dung 
gekocht.“ Neben dem Talmud besitzt das Judentum noch ein anderes, aus ihm entwickeltes und 
Christus gewidmetes Werk: das Toldoth Jeschu (Leben Jesu), welches in leicht voneinander 
abweichenden Abwandlungen in einer großen An z ahl von Lesungen das Leben Christi erzählt. 
Gemein ist allen Büchern eine Behauptung, Maria sei während ihrer Verlobung mit einem 



344 


Der später ermordete römisch - katholische Priester I. B. Pranaitis, welcher die 
antichristlichen Ausfälle des Talmud sammelte, präsentiert uns dabei 
Bezeichnungen für Christus wie Narr, Zauberer und Verführer. Er benennt 
Textstellen, nach denen Jesus gekreuzigt und in der Hölle begraben wurde; wir 
erfahren, daß er von dieser Zeit an als Götze von seinen Anhängern aufgestellt 
wurde. Über die Aussagen führender Rabbiner im Hinblick auf die Christen schreibt 
Pranaitis: „Sie sagen, die Christen wären Götzendiener, viel schlimmer als Türken, 
Mörder, unzüchtige Menschen, unreine Tiere, nicht würdig, Menschen genannt zu 
werden, Bestien in menschlicher Gestalt..., daß sie teuflischen Ursprungs sind... und 
nach dem Tod zum Teufel in die Hölle zurückkehren.“ 785 

Vor diesem Hintergrund kann die harsche Reaktion der katholischen Kirche nicht 
überraschen, als ihr die entsprechenden Entgleisungen des Talmud erstmals 
zwischen 1238 und 1240 durch jüdische „Verräter“ bekannt 786 gemacht wurden. 
Gregor IX. (1227-41 ) erließ 1239 als erster Papst eine Bulle, in der er befahl, 
sämtliche Exemplare des Talmuds einzuziehen. Frankreich machte sich zum 
Vorreiter dieses Beschlusses. Allein in Paris wurden in einem Monat des Jahres 
1242 insgesamt 24 Fuhren mit Talmudbüchern öffentlich verbrannt. Papst 
Innozenz IV .(1243-54) bestätigte den Einzugserlaß Gregors und befahl in der Bulle 
„Impia Judaeorum perfidia“ weitere Verbrennungen. Diese Anordnung gelangte 
denn auch in Spanien, Portugal, Frankreich, Rom und in anderen Ländern mehrfach 
zur Ausführung. 

Fortgesetzte Denunziationen aus der jüdischen Gemeinde heraus, die zum Teil 
durchaus orthodoxe Erfordernisse befriedigen sollten, sorgten dafür, daß die Hatz 
lange Zeit andauerte: Da gab es in Spanien jenen zu den Dominikanern 
konvertierten Juden, der den Namen Pablo Christiani (Paul, der Christ) 
angenommen hatte. In einer Zeit jüdischer Wohlfahrt und beginnender Assimilation 
denunzierte dieser Mann den Talmud bei Clemens IV. (1265-68) und erreichte 
außerdem, daß alle jüdischen Bücher auf christenfeindliche Stellen durchsucht 


anderen Mann von ihrem betrunkenen Nachbarn Josef geschwängert worden, während sie 
menstruierte. Jesu Wundertaten werden als Ergebnis betrügerischer Zauberei geschildert. Das 
Toldoth ist relativ alt. Schon der Bischof Agobert von Lyon (9. Jahrh.) war mit ihm bekannt. Nach 
dem Zeugnis des Juden S. Krauß befinden sich Toldoth Manuskripte „auch jetzt noch in Händen 
von schlichten Juden“. Den Zweifel, daß das Toldoth nicht den Anschauungen der Juden 
entspreche, fertigt Krauß selbstbewußt ab. „Meine Glaubensgenossen“, sagt er, „werden dagegen 
protestieren, daß das Toldoth als authentische Wiedergabe jüdischer Anschauungen zu gelten habe; 
allein, dann müssen sie auch gegen den Talmud protestieren.“ (Samuel Krauß, Das Leben Jesu 
nach jüdischen Quellen, S. 238) 

785 I. B. Pranaitis, „Der enthüllte Talmud“, St. Petersburg 1892. Deutsche Übersetzung durch 
Mariza Ruppmann, Stuttgart 

786 

Denis Fahey, „The Mystical Body of Christ in the Modern World“, Reprint der dritten Edition 
(1939), Omni Publications, Hawthome/Ca. 1987, Seite 18 Am nachhaltigsten wirkten dabei die 
Aussagen des zum Christentum übergetretenen Hebräers Nicolas Donin. Dieser zählte öffentlich 
auf dem Lateran die das Christentum verunglimpfenden Lehren des Talmud auf. 

787 Heinz Ballensiefen, „Juden in Frankreich“, Archiv-Edition im Verlag für ganzheitliche 
Forschung und Kultur, Struckum 1990, Seite 7 



345 


wurden. 788 Letztlich führten diese und andere Bloßstellungen dahin, daß die 
päpstliche Bulle „Turbato Cordo“ erlassen wurde. Diese wiederum bildete in der 
Folgezeit dann für die Inquisition die Legitimation zur Massenverfolgung und 
Verbrennung der sogenannten „Marranos“, spanischer jüdischer Konvertiten, die 
verdächtigt wurden, insgeheim weiter ihren jüdischen Riten anzuhängen. 

Als der Talmud schließlich auch den breiten Schichten des Volkes bekannt wurde, 
was insbesondere im Laufe des 16. Jahrhunderts dank der Erfindung des 
Buchdrucks der Fall war, erhob sich in der christlichen Welt die bis dahin größte 
Welle der Entrüstung. Jetzt forderte selbst Martin Luther, der Begründer des 
„aufgeklärten“ Protestantismus, die massenhafte Vernichtung des rabbinischen 
Schrifttums. Es kehrte erst wieder Ruhe ein, als eine jüdische Generalversammlung 
im Jahre 1631 anordnete, die anstößigsten Passagen fernerhin nicht mehr 
abzudrucken und die Auslassungen statt dessen mit einem kleinen Kreis zu 
versehen. Dies sollte die Rabbiner und Schullehrer anhalten, die entsprechenden 
Passagen nur noch mündlich zu vermitteln, so daß die Gelehrten unter den Christen 

789 

„keine Handhabe mehr besitzen, uns in diesem Zusammenhang anzugreifen“. 


Einheit und Abgrenzung als Ziel 

Und wieder stehen wir vor der Frage: Warum diese Haßpredigten? Und wieder 
lautet die Antwort: Um die Einheit der Gemeinde zu bewahren. Denn gerade in der 
Messiasgestalt Christi war den jüdischen Schriftgelehrten ein gefährlicher Gegner 
entstanden, dies um so mehr, als er und seine Jünger selbst Kinder Israels waren. So 
sind die heftigen Aus würfe gegen Jesus zunächst einmal in der wohlbegründeten 
Angst zu sehen, die Gefolgschaft an einen zweiten populären Religionsstifter zu 
verlieren, welcher der Auserwähltheit die Gleichheit und dem Haß die 
Barmherzigkeit gegenüberstellte. In den Augen der Rabbiner bestand damit eine 
akute Gefahr, daß die Hebräer in die Menschenfamilie herabstiegen, um in dieser 
aufzugehen, was sicher schnell zum Ende der jüdischen Religion als solcher geführt 
hätte. Deshalb schürte der Talmud Vorurteile gegen das in vielen Bereichen 
verwandte Christentum, welches in seinen Umarmungsbestrebungen die Kaste der 
Pharisäer zu erdrücken drohte. 

Die Feindbild-Politik dauert bis auf den heutigen Tag mit fatalen Folgen an. So 
schrieb der amerikanische Jude Jack Bernstein nach einem längeren Aufenthalt 
in Israel Mitte der 80er Jahre über die gebräuchliche Gesetzgebung des gelobten 


788 Edward H. Flannery, „The Anguish of the Jews“, New York 1985, Seite 129 

70Q 

Der Bischof von Dijon, Mgr. Landrieux in seinem Werk „L'Histoire et les Histoires dans la 
Bible“ unter wörtlicher Anführung des von dem ehemaligen Rabbiner Drach verfaßten Werkes 
„Harmony between the Church and the Synagogue“. Zitiert nach Denis Fahey, „The Mystical 
Body of Christ in the Modem World“, Reprint der dritten Edition (1939), Omni Publications, 
Hawthorne/Ca. 1987, Seite 281. Ende des 19. Jahrhunderts wurden ein zweites Mal besonders 
verletzende antichristliche und chauvinistische Passagen innerhalb des jüdisch-religiösen 
Schrifttums der Zensur unterworfen. Ebenso wie im ersten Fall wurden diese Stellen gesammelt 
und separat unter dem Judentum verbreitet. 



346 


Landes: „Die israelischen Gesetze unterdrücken jede Religion. Es ist zum Beispiel 
gegen das Gesetz, zu versuchen, einen Juden zu einer anderen Religion zu 
bekehren, sogar, wenn der Jude Atheist oder Humanist ist. Einem Christen ist es 
erlaubt, das Evangelium in einem Kirchengebäude zu predigen, aber für den 
Geistlichen oder jeden, der gar außerhalb des Kirchengebäudes jemanden etwas 
über die Lehren der Bibel erzählt, wird dies eine Gefängnisstrafe von fünf Jahren 
einbringen. Einem Christen, der einem Juden eine Bibel oder einen anderen 
religiösen Artikel gibt, wird dies ebenso eine Strafe von fünf Jahren einbringen. 
Sogar eine Gefälligkeitshandlung eines Christen gegenüber einem Juden, wie das 
Überreichen einer Gabe Nahrungsmittel, kann als Versuch ausgelegt werden, den 
Juden zum Christentum zu bekehren, und kann eine Gefängnisstrafe von fünf Jahren 
bringen.“ 790 

Eine natürliche Folge dieser „von oben“ betriebenen Ausgrenzungsbemühungen ist 
die religiöse Unduldsamkeit weiter Teile des Fußvolkes. Ramon Bennett, ein in 
Jerusalem lebender und ausgesprochen proisraelischer Christ, schreibt über eine 
Missionierungsaktion im Jahre 1986: „Eine Massenverteilung von (christlichen) 
Traktaten hatte wegen der ganz realen Gefahren, die damit verbunden waren, zuvor 
in Jerusalem noch nicht stattgefunden. Sowohl religiöse wie auch nichtreligiöse 
Juden sind imstande, der Person oder dem persönlichen Eigentum von 
'Missionaren', wie die an Jesus Gläubigen genannt werden, ernsthaften Schaden 
zuzufügen.“ 791 

Es war das jüdische Ghettosystem, welches die Anthropologie, die Kultur und die 
Religion des Judentums gleich einer Arche Noah durch die wechselvollen Epochen 
der Geschichte schiffte. Dieses Unterfangen konnte aber nur so lange gelingen, 
solange sich die an Bord zusammengepferchten ihrer mißlichen Lage nicht bewußt 
waren, oder solange sie die vorbeiziehenden Gestade - aus welchen Gründen auch 
immer - als wenig vorteilhaft betrachteten. Es war nicht zuletzt der Talmud, dem 
dabei die Rolle zukam, den ruhelos dahinziehenden Ahasver ständig aufs Neue auf 
seinem einsamen Weg zu bestärken, doch zu welchem Preis! 


790 Bernstein, Jack, Das Leben eines amerikanischen Juden im rassistischen, marxistischen Israel, 
Lühe-Verlag, Süderbrarup 1985, Seite 39f. Angesichts der katastrophalen Wirkung auf die 
Öffentlichkeit in den verbündeten USA soll Tel Aviv diese faschistischen Gesetze später 
abgemildert haben. Dem Autoren ist hierüber nichts näheres bekannt. Eine Meldung der „Jungen 
Freiheit“ vom 29. Mai 1998 weist jedoch indirekt daraufhin. Dort lesen wir auf Seite 18 unter der 
Überschrift „Israel: Regierung für Anti-Missionsgesetz“: „Das israelische Parlament hat einen 
Gesetzesentwurf zur Verschärfung des Anti-Missionsgesetzes angenommen und mit den Stimmen 
der Regierung an den Rechtsausschuß der Knesset verwiesen. Einem Bericht der 'Jerusalem Post' 
zufolge sieht der., eingebrachte Entwurf vor, daß mit drei Jahren Gefängnis oder umgerechnet 
25.000 Mark bestraft wird, 'wer durch Predigt oder auf eine andere Weise eine Person zum 
Religionswechsel bewegen will’... Die Regierung Netanjahu (befürwortet) die Initiative. Beobachter 
halten deshalb eine rasche Verabschiedung des Gesetzes in der Knesset für wahrscheinlich.“ 

791 Siehe Ramon Bennett, „Wenn Tag und Nacht vergehen“, Christliche Kommunikation und 
Verlagsgesellschaft, Lübeck 1996, Seite 87 



347 


Der bereits weiter oben genannte Nahum Goldmann offenbart: „Eines der großen 
Wunder der jüdischen Psychologie, das weitgehend das außergewöhnliche 
Überleben unseres Volkes - trotz zweitausendjähriger Verstreuung - erklärt, bestand 
darin, einen absolut genialen Verteidigungsmechanismus entwickelt zu haben, der 
gegen die politisch-wirtschaftliche Situation, gegen die Verfolgung und das Exil 
half. Dieser Mechanismus kann in wenigen Worten erklärt werden: die Juden 

7Q9 

betrachteten ihre Peiniger als eine minderwertige Rasse...“ 

Ebenso zielstrebig an die völkisch-psychologische Zielsetzung des Talmuds 
herangehend schreibt der jüdische Schriftsteller Bernard Lazare in seinem Buch 
“L'Antisemitisme“: „Ohne das Gesetz, ohne das es bewahrende Israel, würde die 
Welt zu bestehen aufhören, Gott würde aufhören, diese zu erhalten. Die Welt wird 
Glück nur kennen, wenn es diesem Gesetz unterworfen ist, das heißt, dem Gesetz 
der Juden. Konsequenterweise ist das jüdische Volk jenes Volk, das von Gott 
erwählt wurde, Treuhänder seiner Wünsche und Begehren zu sein. Das jüdische 
Volk ist das einzige, mit dem die Gottheit einen Pakt geschlossen hat. Der Jude ist 
der Auserwählte des Herrn. Als die Schlange Eva in Versuchung führte, sagt der 
Talmud, infizierte sie diese mit ihrem Gift. Als Israel am Sinai die Verkündung 
erhielt, wurde die jüdische Rasse von dieser Infizierung befreit: die anderen 
Nationen aber bleiben dieser erlegen... Israel ist der auserwählt geliebte Sohn des 
Allerhöchsten, das Volk, welches allein das Recht hat, an seiner Liebe, seiner Güte, 
seinem einzigartigen Schutz teilzuhaben. Die Menschen der anderen Nationen 
stehen in seinen Augen auf einer niedrigeren Stufe als die Hebräer. Es ist nur eine 
Konzession, daß die an der göttlichen Freigiebigkeit Anteil nehmen dürfen, da nur 
die Seelen der Juden vom ersten Menschen abstammen. Die Besitztümer, die den 
anderen Nationen unterstellt sind, gehören in Wahrheit Israel... 

Dieser Glaube an ihre Bestimmung, an dem Faktum, daß sie Gegenstand einer 
speziellen Ausgenommenheit sind, führte zum Aufkommen eines gewaltigen 
Stolzes bei den Juden. Das Ergebnis davon war, daß sie auf Nichtjuden mit 
Verachtung herabsahen... Die Juden mischten sich so als Eroberer und nicht als 
Gäste unter die modernen Nationen. Sie waren wie eine Herde oder ein Rudel, das 
seit langem eingepfercht war. Als mit einem Schlag die Hindernisse 
niedergebrochen wurden, enteilten sie in das Feld, das ihnen geöffnet war. Nun 
waren sie keine Krieger, und abgesehen davon war der Zeitpunkt zur Führung eines 
Feldzugs für eine relativ kleine Streitmacht nicht günstig, aber es gelang ihnen eine 
Unterwerfung, für die sie wirklich ausgerüstet waren, die wirtschaftliche 

7QT 

Unterwerfung, für die sie sich seit Jahren vorbereitet hatten.“ 


792 

Nahum Goldmann, „Das jüdische Paradox“, Köln/Fra nk furt 1978, Seite 25 

'JQ'l 

Bernard Lazare, „L'Antisemitisme“, Seite 9 und 223. Zitiert nach Denis Fahey, „The Mystical 
Body of Christ in the Modern World“, Reprint der dritten Editon (1939), Omni Publications, 
Hawthorne/Ca. 1987, Seite 281 f. 



348 


Die messianische Sendung 

Lassen wir zum Ausklang dieses Kapitels (die vorliegenden Ausführungen sollten 
ursprünglich das 2. Buchkapitel bilden, wurden dann aber kurz vor Drucklegung 
ersetzt, der Verf) noch einmal in wenigen Worten den Inhalt des vorliegenden 
Buches Revue passieren. 

Es begann mit der Frage: Wer steckt wirklich hinter dem vielbeschworenen Thora- 
Code? Alles deutete dabei auf radikalorthodoxe Kreise innerhalb des Judentums 
hin, sozusagen der ersten Generation des Geheimvatikans. Sie waren vor Christi 
Geburt die einzig bekannte Gruppe in der Alten Welt, die mit entsprechenden 
Verschlüsselungssystemen vertraut war. Und sie wandten zumindest einen Teil 
dieses Wissen nachweisbar bei der Niederschrift der Bibel an. 

Die von uns angenommenen „Verschwörer“ konnten ihre Texte aber nur dann 
sichern, wenn es ihnen gelang, Inhalt und Abfolge des Bibeltextes vor jedweder 
noch so kleinen Änderung zu bewahren. Der jeden einzelnen Buchstaben heiligende 
Umgang mit dem äußerlichen„Körper“ der israelitischen Überlieferung mag 
veranschaulichen, daß auch auf diese Bedingung Rücksicht genommen wurde. Jetzt 
gab es also nach der Niederlegung der Nachrichten zugleich die Gewißheit, daß die 
einmal verschlüsselten Zukunftsvisionen für alle Zeit abfragbar waren. 

Daß diese mehr oder weniger versteckten „Gottesworte“ von nicht wenigen 
kabbalistischen Fundamentalisten (sagen wir „den Nachfolge-Generationen“ des 
Geheimvatikans) auch tatsächlich abgefragt wurden und als Auftrag zur eigenen Tat 
verstanden wurden, haben wir ebenfalls in zwei verschiedenen Etappen gesehen. 
Die Eckpunkte der Motivierung mögen dabei je nach individuellem 
Einweihungsgrad von dem „Wissen“ bzw. der „Esoterik“, über den „Gehorsam“ bis 
hin zum mehr oder weniger blinden „Glauben“ reichen. 

Nachdem wir auf diesem Wege die Hauptmerkmale der Kriegerkaste Jahwes 
untersuchten, wandten wir uns dann dem Wesen des Judentums an sich zu, wo wir 
unter einem rassistischen Überbau ein erschreckendes Maß an Vor- und 
Großmachtsstreben entdecken konnten. Diese Charakterzüge scheinen durchaus 
dazu angetan, das über die Religionsgrenzen hinaus gerichtete Wirken des 
Geheimvatikans zu verstärken. Sie mögen seinen Ausführungsorganen als stete 
Ermutigung gedient haben, selbst das Rad der Geschichte in Gang zu setzen, um die 
erweiterte Menschheit mit den elitären Planungen ihres Gottes und ihrer Propheten 
zu „beglücken“. 

Auch angesichts der klaren Sprache Lazares, welcher in Termina wie „Eroberung“ 
und „Unterwerfung“ spricht, scheint es daher an der Zeit, sich an dieser Stelle 
etwas näher mit den Zukunftserwartungen des biblischen Judentums 
auseinanderzusetzen. Gibt es einen für unsere Forschungen bedeutsamen 
Endzustand, einen Lebenszweck, den die gläubigsten Hebräer im Herzen halten, 
einen Zielpunkt dem sie im täglichen Leben zusteuem? 



349 


Wieder einmal ist es in diesem Zusammenhang hilfreich bei dem bereits genannten 
Nahum Goldmann nachzuschlagen. Dieser schreibt zu den Erwartungen der 
jahrtausendelang über die Welt verstreut lebenden Juden: „Die Politik der Gojim 
(Nicht-Juden) interessierte sie nicht: diese Welt war ihnen fremd, und sie fühlten 
sich wie auf der Durchreise; eines Tages würde der Messias kommen und sie nach 
Israel mitnehmen. Also war das wichtigste, bis zur Ankunft des Messias zu 
überleben, ohne sich übermäßig um die 'anderen' zu kümmern...“ 794 

Der Messias - fast hätten wir ihn vergessen. Während das Christentum seinen 
Heiland bereits durch Jesus erlebt hat, wartet der fromme Jude ja noch weiter auf 
seinen Erlöser... Was aber verbindet sich mit dieser Erwartung? Ist es die 
Vergebung der Sünden, ist es das ewige Leben? Schlagen wir im Lexikon nach, 
dann lesen wir unter dem Stichwort „Judaismus“: „Die unerschütterliche Hoffnung 
Israels hat zwei Eckpfeiler: erstens, daß es irgendwann zum gelobten Land Kanaan 
zurückkehrt und zweitens, daß in Israel der Messias erscheint, der die Welt zwingen 
wird, sich seinem Gott zu beugen und sein Volk zu den Weltbeherrschern machen 
wird.“ 795 Sieht man einmal von der „Weltbeherrschung“ ab, so ist dies ziemlich 
genau eine Wiederholung der Goldmannschen Zukunftsschau. 

Nehmen wir zum Quervergleich ein zweites Lexikon zur Hand, so findet sich unter 
dem Begriff „Messias“ eine ähnliche Darstellung. Hier steht geschrieben: „In der 
königlosen Zeit bezeichnete das Wort den für die Endzeit erwarteten, von den 
Propheten geweissagten gottgesandten Gründer des messianischen Reiches. In 
dieser zunächst politisch gearteten Erwartung dereinstiger Weltherrschaft des 
Volkes Israel lag die Hoffnung auf Vollendung der Jahwe Verehrung beschlossen. 
Der Gründer dieses irdischen Gottesreiches wurde als ein zweiter David gedacht. In 
der späteren Apokalyptik wurde die Vorstellung weitergebildet, indem man sich 
den Messias als vorweltliches Wesen dachte, das mit seinem Reich vom Himmel 
zur Erde herabkommen werde. In den letzten Zeiten vor seiner Erscheinung sollten 
sich alle Übel und Schrecken der Natur und des Menschenlebens aufs höchste 
steigern und damit erschöpfen (Messiaswehen).“ 796 

Wieder lesen wir also in einer grundlegenden Definition über die Jüdische 
Weltherrschaft“, ein Begriff, der übrigens im gleichen Nachschlagewerk noch 
einmal - und diesmal allein - als Erklärung des „messianischen Reiches“ 
aufscheint... 797 

Wer unter den Lesern würde derart machtorientierte Vorstellungen nicht einzig und 
allein in der kämpferischen Welt des Islam für möglich halten? Und nun soll sich 
ausgerechnet das Opfervolk der Juden anschicken, den iranischen Gottesstaat durch 
ein weltweites Modell zu übertreffen? Die Antwort lautet eindeutig , Ja“. Das Alte 
Testament bestätigt diese erschreckende Vision ebenso wie der Talmud. Und da 


794 Nahum Goldmann, „Das jüdische Paradox“, Köln/Fra nk furt 1978, Seite 26 

795 Columbia-Enzyklopädie, Ausgabe 1950, Seite 1026 

796 

Meyers Lexikon, 7. Auflage, 8. Band, Bibliographisches Institut, Leipzig 1928, Seite 303 

797 Meyers Lexikon, 7. Auflage, 8. Band, Bibliographisches Institut, Leipzig 1928, Seite 251 



350 


auch andere grundlegende Schriften des Jahwitischen Kultus - darunter die von den 
Kirchenvätern als heilig akzeptierten aber nicht in den Bibelkanon aufgenommen 
„Apokryphen“ (griech: „verborgene“) - in denselben Tenor einstimmen, befindet 
noch heute jeder halbwegs beschlagene Kenner der hebräischen Eschatologie: Die 
Endzeiterwartungen des Judentums richten sich auf einen von Jerusalem aus 
regierten Welt-Bundesstaat. 

Was passieren wird oder soll, ist damit geklärt. Die Frage nach dem „Wie“ führt uns 
zurück in das erste Kapitel, zum Ursprung dieses Buches: Dem bibeltreuen Wirken 
des Geheim-Vatikans. Viele hundert Jahre vor ihrem christlichen Gegenpart zu 
Rom waren die selbsternannten Stellvertreter Jahwes auf Erden bereits in Palästina 
politisch aktiv. Wie nach ihnen die Päpste, konnten auch die schriftgelehrten 
Hohenpriester Bibelstellen namhaft machen, die ihren Anspruch, Gottes Wort in die 
Tat umzusetzen zu dürfen, stützten. Mehr aber als die Kirche des Nordens sollte 
der Sinai den Sieg in diesem himmlischen Feldzug um die Vorherrschaft über den 
Menschen davontragen. Die Söhne Mose waren vor allem deshalb so erfolgreich, 
weil sie unerkannt aus dem Dunkel heraus arbeiteten und -dieser Grund ist nicht zu 
unterschätzen - weil sie die kampffähigere Religion besaßen. Dabei wurde das 
gesamte Volk in die Waagschale der Ausein-andersetzung geworfen. Denn nach 
der Anweisung des David „Schreite zur Unterwerfung inmitten deiner Feinde. Dein 
Volk wird sich willig darbieten am Tag deiner Streitmacht“ (Psalm 110, 1-3) hatten 
aus Sicht des Geheim-Vatikans die gläubigen Juden in aller Welt das ihre zum 
Gelingen des heiligen Krieges beizutragen. 799 

Es ist eine tragische Koinzidenz, daß der Geheimvatikan das Judentum als ganzes 
für seinen Kampf reklamiert bzw. einzuspannen gedenkt - setzte diese zumeist 
unfreiwillige Verpflichtung das gemeine und passive Fußvolk doch immer wieder 
Angriffen von außen aus. Doch dessen ungeachtet sprach der prominente jüdische 
Historiker Heinrich Graetz noch 1864 keineswegs für sich alleine, als er in Wien 
enthüllte, „daß der Träger der messianischen Sendung, von der in den Prophetien 


7QO 

Eine dieser Auslegungen folgt dem tatsächlich in der Bibel anklingenden Gedanken, daß das 
Judentum als ganzes Höchstselbst den Messias darstelle. Vergleiche hierzu Psalm 2,6-9, Psalm 
110, 1-3, Offenbarung 2, 26-28, Offenbarung 12, 5 in Verhältnis zueinander. Wiewohl hier der 
gleiche Zusammenhang beschrieben steht, ist der Adressat dennoch sowohl das Judentum als 
auch (besonders deutlich bei Off. 12,5) der Messias. 

799 Daß sich dabei nur eine kleine Minderheit als „5. Kolonne“ mißbrauchen ließ, steht auf einem 
anderen Blatt geschrieben. Tatsache ist indes, daß es die Einforderung von Zuarbeit immer 
gegeben hat. Glaubt man dem jüdisch-amerikanischen Mossad-Biographen Viktor Ostrovsky, 
dann gelingt es dem Staat Israel noch heute aus dem im Judentum verbreiteten Grundsatz 
„Entscheidend ist die Religion, die Staatsangehörigkeit spielt eine untergeordnete Rolle“ 
außenpolitisch Profit zu schlagen. Hierin mag ein wichtiger Grund gesehen werden, warum die 
Presse und Bildungseinrichtungen in Israel so gebetsmühlenhaft die Formel lehren: „Alle Juden 
auf der Welt bilden insgesamt eine Nation.“ Siehe hierzu auch die Stellungnahme des 
israelischen Knessetabgeordneten Uri Avnery in dessen Buch „Israel ohne Zionisten“, Gütersloh 
1969, Seite 160 



351 


Jesajas gesprochen wurde, das jüdische Volk sei und nicht eine einzelne Person.“ 
Und in diesem Sinne befand der chassidische Esoteriker Dr. Alfred Nossig: „Die 
jüdische Gemeinschaft ist mehr als ein Volk im modernen, politischen Sinne dieses 
Wortes. Sie ist die Trägerin einer welthistorischen, ja kosmischen Aufgabe, die ihr 
von ihren Gründern, von Noah und Abraham, von Jakob und Moses auferlegt 
wurde.“ 801 

Daß sich das Wesen dieses epochalen Unternehmens exakt mit der Beweisführung 
des vorliegenden Bibelcode-Kapitels deckt, soll abschließend anhand zweier 
hebräischer Quellen illustriert werden. 

Hören wir einleitend Jacob Katz, welcher über die geistige Welt des 
Diasporajudentums referiert. Er sieht sie bestimmt „von seiner Hingabe an die 
religiösen Traditionen, deren heilige Texte in einer streng fundamentalistischen 
Weise verstanden wurden. Man glaubte, daß die Schriften der Bibel und des 
Talmud, auch die Kabbala, verborgene Bedeutungen und Botschaften enthielten, 
die entschlüsselt werden könnten und sollten. Für ein Volk, das von seiner 
endlichen Erlösung überzeugt war, deren vorbestimmtes Datum vielleicht in einem 
der heiligen Dokumente verschlüsselt war, wurde die Entdeckung dieses Datums 
zu einem begehrten Ziel. Die jüdische literarische Tradition enthielt auch deutliche 
Aussagen über die Bedingungen für das Kommen des Messias... Auch diese 
Aussagen wurden wörtlich genommen... Zu bestimmten Zeiten war es die erklärte 
Absicht, das messianische Zeitalter durch die Erfüllung seiner in der Überlieferung 
festgelegten Vorbedingungen herbeizuführen.“ 802 

Diese „welthistorische Aufgabe“ (Nossig) fand in der wechselvollen Geschichte 
der Menschelt ihre Erfüllung. Daß „es“ dabei von Ereignis zu Ereignis immer 
blutiger zuging, war dabei nicht etwa zufällig sondern ein beabsichtigter weil 
endzeitlicher Effekt. Der in Wien geborene und Ende der 60er Jahre in Jerusalem 
gestorbene chassidische Religionsphilosoph Prof. Martin Buber, betonte in seinem 
Buch „Gog und Magog“ deshalb die Pflicht zur Tat mit folgenden eindrucksvollen 
Worten: 

„Die Welt der Völker ist in Aufruhr geraten und wir können nicht wollen, daß es 
aufhöre, denn erst, wenn die Welt in Krämpfen aufbricht, beginnen die Wehen des 
Messias. Die Erlösung ist nicht ein fertiges Geschenk Gottes, das vom Himmel auf 
die Erde niedergelassen wird. In großen Schmerzen muß der Weltleib kreißen (in 
Geburtswehen liegen, der Verf.), an den Rand des Todes muß er kommen, ehe sie 
geboren werden kann... Selber müssen wir dahin wirken, daß das Ringen sich zu 
den Wehen des Messias steigere. Noch sind die Rauchwolken um den Berg der 


u Jacob Katz, „Zwischen Messnianismus und Zionismus“, Jüdischer Verlag, Fra nk furt am Main 

1993, Seite 28f. 

801 

Nossig, Dr. Alfred, Integrales Judentum, Interterritorialer Verlag „Renaissance“, 

Wien/Berlin/New York, 1922, S. 1 f.) 

802 

Jacob Katz, „Zwischen Messianismus und Zionismus“, Jüdischer Verlag, Fra nk furt am Main 
1993, Seite 25f. Kapitel „Messianismus und Zionismus“. Erstmals erschienen in „Commentary“ 
83,1987 



352 


Völkerwelt klein und vergänglich. Größere, beharrlichere werden kommen. Wir 
müssen der Stunde harren, da uns das Zeichen gegeben wird... Nicht zu löschen, ist 
uns dann aufgetragen, sondern anzufachen.“ 

Das ist „self-fulfilling-prophecy“ im besten Sinne. Mehr Ehrlichkeit kann man von 
einem Eingeweihten des Geheim-Vatikans wirklich nicht verlangen... 


Weiterführende Literatur 


Shahak, Israel,, Jüdische Geschichte, Jüdische Religion. Der Einfluß von 3000 Jahren“, Lühe- 
Verlag, Süderbrarup 1998 


Zusätzliche Anmerkungen 


Die hier zur Darstellung gebrachten Auswüchse der jüdischen Religion sollten keinesfalls als 
stellvertretend für den Jahwismus schlechthin gesehen werden. Wie jede Religion steht auch das 
Judentum für eine Vielzahl begrüßenswerter Moralstandards, die die breite Masse der Hebräer zu 
allen Zeiten als unteilbar betrachtet haben dürfte. Trotzdem existiert diese „dunkle Seite“ und der 
Vorsitzende der israelischen Liga für Menschen- und Bürgerrechte Prof. I. Shahak bringt eine 
ganze Reihe von Beispielen, welch z. T. blutige Folgen die Verhetzung noch heute im Umfeld des 
Fundamentalismus zeitigt. Angesichts der starken Stellung religiöser Parteien im Gelobten Land 
reicht dieser der Kampfzeit entstammende Arm Mose bis hinein in politische Belange. 



353 


Rabbi Nachmann sagt von den Zaddikim, daß sie 'im 
Offenbaren' gar keine Macht zeigen, 'aber im 
Verborgenen das ganze Geschehen regieren.' (S. 
Ipares, „Geheime Weltmächte“, Ludendorffs Verlag, 
München 1937, Seite 22) 

Anhang 2 


Kabbalistische Welt-Politik 
und das Mysterium Zaddik 


Die Zaddik-Chronik 

Im hebräischen wird Zaddik (auch Zaddek) „der Gerechte“ bzw. der „Fromme“ 
genannt, im Chassidismus steht diese Person für einen nahezu entrückten Lehrer 
und Meister. Damit wird innerhalb der radikalfundamentalistischen bzw. 
kabbalistischen Gemeinde Israels eine Art „Übergott“ in Menschengestalt 
umzeichnet. Denn der jeweils regierende Zaddik steht in seiner Bedeutung noch 
über Jahwe. Wenn der Zaddik befielt, muß Jahwe und jeder Jude seine Befehle 
ausführen. Alle Befehle des Zaddik sind „unumkehrbar“ und müssen auf Biegen 
und Brechen präzise ausgeführt werden. Hierfür steht dem Mittler Gottes eine 
erlesene Mannschaft von ca. 25 Cohens (Hohepriester), sowie hunderte von 
eingeweihten Rabbinern, Bankfürsten, Politikern, Journalisten und Experten aus 
allen weltlichen Branchen auf Abruf zur Verfügung. Folgt man der Sicht des 
Geheimvatikans, dann waren die „Propheten“ der Thora unmittelbare Vorläufer 
des Zaddiks, was nichts anderes bedeutet, als daß das Judentum als ganzes seit 
nunmehr 5000 Jahren von einer höchst leibhaftigen Instanz inspiriert und geführt 
wird. 

Der eigentliche Begriff des Zaddik wurde jedoch erst in jüngerer Zeit ins Leben 
gerufen, und zwar in Polen. Das war im Mittelalter und danach das Zentrum 
zahlreicher obskurer Sekten, wobei Lublin um 1700 als Hochburg dieser 
Kabbalisten galt. Im 18. Jahrhundert wurde nun die talmudische Enklave Polen 
von den Chassiden aus der Ukraine überrollt. Und die brachten die Vorstellung des 
Zaddik, eines Mittlers zwischen Himmel und Erde, mit ins Land. Die Chassiden 
entwickelten sich in verschiedenen Gruppen - meist als Familiendynastien. Oft 
wirkten sie direkt auf das politische Spannungsfeld ihrer Zeit ein. Der Zaddik von 

803 

Als talmudische Denkfabrik bekannt geworden ist die Yeshivot Chachmei Lublin oder die 
Akademie der Sages von Lublin. Zwei Namen der damals lebenden „Heiligen“ sollte man sich 
dabei merken: Rabbi Meir Lublin (1558-1616) und Solomon Luria (1501-1573). 



354 


Gurja Kalwarja besipielsweise schickte zusammen mit dem jüdischen Bankengura 
Jacob Schiff 320 Kommissare 1918 nach St. Petersburg, wo sie zusammen mit 
Lenin und Trotzki die kommunistische Revolution durchpeitschten, die mit dem 
Tode von 150.000 Russen endete. Der Zaddik von Lubatschow erklärte Adolf 
Hitler und dem deutschen Volk am 23. März 1933 den Krieg. Hierzu entwarf er 
den Plan, Deutschland von einer Million Fallschirmjägern und 30.000 Spezial¬ 
panzern angreifen zu lassen. Er war der Erfinder der bedingungslosen Kapitulation 
ohne Friedensschluß, als Voraussetzung für alle zwischen 1941 und 1945 gegen 
Deutschland ins Auge gefaßten Teilungs- und Vernichtungspläne (Nitzer, 
Morgenthau, Kaufman etc. ). Indes scheint es in diesem Fall eine Art Doppelspiel 
gegeben zu haben. Erfahren wir doch an anderer Stelle, daß die nazistische 
Reichsleitung wenige Jahre später den griffbereiten Rebben nicht inhaftierte, 
sondern im Gegenteil die Überführung Schneersons in seine Heimat unterstützte. 
(Symptomatologische Illustrationen, Nr. 15, Basel/CH November 2000, Moskau- 
Basel-Verlag, Seite 5). Einen möglichen Grund für dieses seltsame Verhalten 
eröffnet uns ein Nachruf Rabbi Menachem Mendel Schneersons, welcher der 
Nachfolger des Genannten Yosef-Yitzak Schneerson war. In diesem lesen wir 
nämlich, daß dieser stets die „Assimilierung der Juden bekämpft“ habe (Ebenda). 
Hatte er das hitleristische Dogma von seinem Vorgänger übernommen? 


Weiteres Informationsmaterial zum Themenkreis Zaddik findet sich in den 
Büchern „DIE GEKLONTE MENSCHHEIT“ Teil I und Teil II sowie 
„GEHEIMBÜNDE REGIEREN DIE WELT“, die von Jan Van Heising „Co- 
Autiert“ sind. Zu Kabbalistik, Chassidismus und der Chronik des Zaddik siehe das 
Buch THE DOCTRINE OF THE ZADDIK von Rabbi Yaakov Yosef of Polnoy. 
Dort findet man auch Hinweise auf Menschenopfer-Rituale zu Ehren des 
satanischen Gottes Baal. Sehr aufschlußreich und empfehlenswert zu diesem 
Thema ist dann noch das Buch von Dr. Moses Idel: DER GOLEM IN JEWISH 
MAGIC AND MYSTICISM. Zu den Hintergründen des Chassidismus siehe 
ENCYCLOPEDIA OF HASIDISM von Tzvi Rabinowicz. 



355 


Anhang 3 


Tikkun: Der Imperativ des Historischen 
Aktivismus 


Die alte Kabbala der Kontemplation 

Die jüdische Mystik beschäftigt sich seit jeher intensiv mit dem Problem der Sünde, 
insbesondere mit der Natur und Bedeutung von Adams Sündenfall. 

Die ursprünglichste aller kabbalistischen Deutungen besagt dabei, daß die 
Emanationsstufen Gottes, die sogenannten „Sefiroth“, „dem Adam in der Form des 
Baumes des Lebens und des Baumes der Erkenntnis enthüllt wurden, das heißt in 
symbolischen Repräsentationen der vorletzten und der letzten Sefira. Anstatt deren 
ursprüngliche Einheit zu bewahren und dadurch die Sphären des 'Lebens' und der 
'Erkenntnis' zu vereinigen und in solcher Vereinigung der Welt die Erlösung zu 
bringen trennte er die beiden und entschied sich für die ausschließliche Verehrung 
der Schechina, ohne ihre Einheit mit den anderen Sefiroth in Betracht zu ziehen. 
Dadurch unterbrach Adam den Lebensstrom, der von Sphäre zu Sphäre fließt, und 
brachte Trennung und Vereinzelung in die Welt. Seitdem gibt es... irgendeinen 
geheimnisvollen Riß, zwar nicht in der Substanz der Gottheit, aber in ihrem Leben 
und Wirken... 

Freilich, in der unerlösten Welt wird jener Riß, der eine ständige Verbindung 
Gottes mit der Schechina verhindert, durch die religiöse Tat Israels, durch die 
Thora, Gebot und Gebet überwunden, ausgebessert. Auslöschung des Makels, 
Wiederherstellung der Harmonie, das ist der Sinn des hebräischen Wortes Tikkun, 
das die kabbalistischen Nachfolger des Sohar für die Aufgabe des Menschen (also 
allein der Juden, W. E. 804 ) in dieser Welt gebrauchen.“ 805 


804 Die Kabbala sieht allein im Juden einen Menschen und ein Kind Gottes. Außerhalb der 
Synagoge lebende Subjekte sind durchweg satanischer Herkunft. Dementsprechend ist Jahwes 
Auftrag zum Tikkun auch nur den Juden zuteil geworden. Die meisten jüdischen Verfasser 
fuhren darüber ihre nicht-hebräische Leserschaft bewußt in die Irre. Die Israelis Israel Shahak 
und Norton Mezvinsky schreiben dazu: „Diese Autoren, Gershon Scholem ist einer der 
signifikantesten, verwandten den Trick Worte wie 'Menschen’, 'menschliche Geschöpfe' und 
'Welten' zu gebrauchten, um entgegen der Wahrheit zu suggerieren, daß die Kabbala einen Weg 
zur Erlösung für alle menschlichen Geschöpfe darstelle. Die eigentliche Tatsache ist aber, daß die 
kabbalistischen Texte... die Erlösung nur für Juden unterstreichen.“ (Shahak/Mezvinsky, „Jewish 
Fundamentalem in Israel“, Pluto Press, London 1999, Seite 58) Shahak betont noch einmal an 



356 


Dieser Vorgang wurde nun zunächst ebenso vergangenheitsorientiert wie 
kontemplativ, als ein rückführender Weg des Einzelnen nach innen, aufgefaßt. „So 
schuf die Versenkung des Kabbalisten in Theogonie und Kosmogenie“, bestätigt der 
jüdische Mystiker Gershom Scholem, „in gewisser Weise eine unmessianische und 
individuelle Art der Erlösung oder des Heils.“ 806 Scholem sieht aber bereits die 
Gefahren: 

„Wo die Versenkung des Mystikers“, schreibt er, „in einer großartigen Revolution 
des Gefühls als religiöse Aktivität der gesamten Gemeinde gleichsam nach außen 
umgestülpt wird, da vermag, was vorher mit dem zarten und zurückhaltenden 
Begriff des Tikkun, der Ausbesserung, Gestaltung oder Wiederherstellung, gedeckt 
war, sich nun als eine entscheidende Waffe zu enthüllen, die den Zusammenbruch 
der Ordnungen des Bösen, das heißt aber die Erlösung, herbeizuführen vermag.“ 807 

Und genau dieser Weg wurde schon bald im Lager der Kabbalisten in seiner 
vielleicht radikalsten Form beschriften - und zwar ebenso zukunftsgerichtet wie 
geschichtsgestaltend. Letztlich auslösender Anlaß hierzu war die von den 
jüdischstämmigen Großinquisitor Torquemeda 1492/1496 durchgesetzte 
Vertreibung der Juden aus Spanien und Portugal; ein Ereignis, das wie kaum ein 
zweites von den Israeliten endzeitlich bewertet wurde. 


Von der spanischen Vertreibung zum Aufbau des „Safed- 
Vatikans“ 

„In der alten Kabbala“, lehrt uns Scholem, „hat es an messianischen Berechnungen, 
Gedanken und Visionen, die die Zeit des Endes betrafen, natürlich nicht 
vollkommen gefehlt. So wenig für sie das Problem der Erlösung 'in unserer Zeit' 
entscheidend ist. Wenn sie sich jedoch damit beschäftigte, so geschah es im Geiste 
einer zusätzlichen, nicht in ihr selbst angelegten Fragestellung. Als eine furchtbare 
Bestätigung des den Mystikern von jeher gegenwärtigen Doppelsinnes solchen 
Denkens über Erlösung erscheint es in der Tat, daß gerade das Jahr 1492 lange Zeit 
hindurch und von vielen kabbalistischen Autoren als Erlösungsjahr verkündet 
worden war. Nun zeigte es sich, daß an Stelle der Befreiung von oben das tiefste 
Exil hier unten getreten war. Die Schärfe und Unerbittlichkeit, mit der dieses 
Bewußtsein von der Zweideutigkeit der Erlösung und von der Gegenwart des Exils 


anderer Stelle: „Die großen Autoritäten - solche wie Gershom Scholem - haben ihre Autorität in all 
den 'sensiblen’ Bereichen einem System der Täuschungen geliehen, wobei die bekannteren 
Persönlichkeiten die unehrlichsten und irreführendsten sind.“ (Israel Shahak, „Jüdische Geschichte. 
Jüdische Religion“, Lühe-Verlag, Süderbrarup 1998, Seite 45) 

805 

Gershom Scholem, „Die jüdische Mystik“, Suhrkamp Taschenbuch, Frankfurt/Main 1996, 

Seite 253f. 

806 

Gershom Scholem, „Die jüdische Mystik“, Suhrkamp Taschenbuch, Frankfurt/Main 1996, 
Seite 268 

807 Gershom Scholem, „Die jüdische Mystik“, Suhrkamp Taschenbuch, Frankfurt/Main 1996, 
Seite 269 




357 


in allen Dingen sich in der neuen religiösen Bewegung durchsetzte, ist nur die 
andere Seite jener Erscheinung, die als das Hineinwandern der Apokalypse in die 
jüdische Realität bezeichnet werden kann.“ 808 

Dieser Prozeß führte zu einer immer stärker anwachsenden Verbindung der 
messianischen und apokalyptischen Elemente des Judentums mit jenen der alten 
Kabbala. Die letzten Tage und der Weg zu ihnen werden ebenso wichtig wie die 
ersten. Statt an den Uranfang vor aller Geschichte oder zu ihren metaphysischen 
Voraussetzungen zurückzukehren, gilt es nun, das Endstadium des kosmologischen 
Prozesses zu erstürmen. Das Pathos des Messianismus durchzieht die ganze neue 
Kabbala, die sich jetzt im heiligen Land bildet. 

Dabei besteht eine eigenartige Konstanz: Die alte Geheimlehre hatte ihre wichtigste 
Entwicklung in einer einzigen Stadt Kataloniens, in der kleinen Gemeinde von 
Gerona, durchgemacht, wo in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts eine ganze 
Gruppe von Mystikern wirkte, denen es zuerst gelungen ist, die Gedankenwelt der 
Kabbala in einflußreichen Kreisen des spanischen Judentums heimisch zu machen. 
Genau so bildete sich jetzt - vierzig Jahre nach der Vertreibung aus Spanien -wieder 
in einer kleinen Stadt das Zentrum, in dem die neue religiöse Bewegung sich am 
großartigsten kristallisiert und von der aus sie ihren Siegeszug durch die jüdischen 
Gemeinden aller Länder der Diaspora antreten soll. 

Die Rede ist von Safed (Zefat) in Obergaliläa. Und es gibt eine zweite, viel 
weitgreifendere Besonderheit. Ausgerechnet hier an diesem verschlafenen Örtchen 
kam es zeitgleich zur Gründung jener bedeutsamen Organisation, die diesem Buch 
den Namen gab: Inspiriert durch die Überlieferung, daß die messianische Ära durch 
horrende Katastrophen eingeleitet werde hatte eine Gruppe aus Spanien 
vertriebener Rabbis eine ordensähnliche Gemeinschaft ins Leben gerufen, wo in 
Erwartung des Messias das ganze Leben auf den Prinzipien der Heiligkeit und 
mystischen Kontemplation aufgebaut wurde. Unter der Führung von Jacob Berab 
wurde 1538 sogar die alte Praxis der Priesterweihe wiedereingeführt, die den 
Mittelpunkt eines wiederbelebten Sanhedrin bilden sollte, da für die Abhaltung 
ritueller Prozeduren ordinierte Autoritäten benötigt wurden. Wir sehen hier den 
Gehe im Vatikan in seinen ersten Anfängen. Nur vier Jahre nach Konstituierung des 
römisch-katholischen Jesuitenordens kämpften damit schon zwei israelitisch 
inspirierte wie dominierte 809 Geheimgesellschaften um die Vorherrschaft der Alten 
Welt. Besser geführt, nach innen gefestigter und nach außen hin weit 
abgeschlossener sollte der Vatikan zu Safed letzten Endes die Oberhand über seinen 
Gegenspieler in Rom erlangen. 

Aus diesem religiösen Untergrund heraus gewann Safed - wie eingangs erwähnt - 
nun noch auf einem zweiten Gebiet eine wichtige Bedeutung für das Judentum. Mit 


808 

Gershom Scholem, „Die jüdische Mystik“, Suhrkamp Taschenbuch, Frankfurt/Main 1996, 
Seite 269 

809 Der Jesuitenorden rekrutierte seine Führung und wichtigsten Streiter aus dem Judentum. 



358 


der neuen Kabbala, die das politische Programm des Geheimvatikans am besten 

m t 810 
umriß: Aktionismus im hier und jetzt für die Zukunft... 


Die neue Kabbala der Aktion 

Für die alte Kabbala verlief der Weltenbildungsprozeß in recht einfachen, 
durchschaubaren Bahnen. Alles beginnt mit jenem Urknall, in dem Gott nach außen 
tritt und seine Schöpferkraft aus seinem Wesen hinausprojiziert. Jeder weitere Akt 
ist ein weiteres solches Hinaustreten. Der Prozeß verläuft von oben nach unten in 
eindeutiger Linie, wobei sich Gottes schöpferische Kraft bildlich in zehn „Sefirot“ 
(Emanationsstufen) entlang eines im Himmel wurzelnden und nach unten 
wachsenden schematischen Baumes abbildet. 

Dieses harmonische Konzept wurde nun von Isaak Luria (1534-1572) in 
gnostischer Weise verändert. In Lurias Mythos ist davon die Rede, daß der 
allgegenwärtige Gott sich zunächst aus einem bestimmten Bereich zurückzieht 
(„Zimzum“), in den er dann anschließend in der eigentlichen Schöpfung und 
Offenbarung hinaustreten konnte. Der erste Akt ist also kein Akt der Offenbarung, 
sondern ein Akt der Verhüllung und Einschränkung. Erst im zweiten Akt tritt nun 
Gott mit einem Strahl seiner Wesenheit aus sich hinaus und beginnt seine 
Offenbarung oder seine Entfaltung als Schöpfergott in jenes relative Vakuum, das 
er sich selbst geschaffen hat. 

Im Zuge dieses Prozesses erschafft Gott den Urmenschen Adam Kadmon dadurch, 
daß er einen Lichtstrahl aus seinem Wesen in den Urraum fallen läßt, was jedoch 
mit einem solchen urethralen Druck geschieht, daß die Gefäße, die diese Flut hätten 
aufnehmen sollen, zerbrechen (Schebirath ha-Kelim, „Bruch der Gefäße“, W. E.) 
und es aus den Augen, Ohren, den Nasenlöchern und dem Mund des Urmenschen 
nur so herausflutet. Dadurch vermischen sich die dämonischen 
(Kelipoth/“Schalen“) und die guten Kräfte, was die eigentliche Katastrophe des 
Geschehens darstellt. 

Hören wir weiter bei Scholem: „Dieser Bruch der Gefäße ist der entscheidende 
Vorgang im Weltgeschehen. Er führte dazu, daß alle Dinge in gewisser Weise 
diesen Bruch in sich tragen, daß allem Existierenden, solange dieser Bruch nicht 
geheilt ist, ein gewisser innerlicher Mangel anhaftet, da ja bei dem Bruch der 
Gefäße das Licht sich nach allen Seiten verbreitete, teils in seinen Ursprung 
zurückflutete, teils aber auch nach unten (in die „Tiefen des großen Abgrundes“, 
W. E.) stürzte. Aus den Scherben der zerbrochenen Gefäße, an denen einige 
Funken des heiligen Lichtes aus Gottes Essenz hoch hafteten, entstanden die 
dämonischen Gegenwelten des Bösen, das sich auf allen möglichen Stufen der 


sin. 

Hieraus leitet sich die berühmte Hellsichtigkeit des eingeweihten(!) jüdischen Kabbalisten 
Nostradamus ab, welche auf 1555 n. Chr. datiert. 



359 


Weltentwicklung einnistete. Die heiligen Elemente haben sich solcherart also mit 

811 

den unheiligen und unreinen vermischt.“ 

Das Drama des Adam Kadmon auf der theosophischen Ebene wiederholt sich später 
in gleichem Ablauf beim Drama des Adam Rischon auf der anthropologischen. 
Adam war ein spirituelles Wesen, das sich ebenso in der spirituellen Welt Asija 
befand. Erst infolge seiner Sünde fiel auch diese Welt von ihrer Stufe herab und 
vermischte sich dadurch mit dem unter ihr befindlichen Bereich der Kelipoth. So 
erst entstand nicht nur die materielle Welt, in der wir leben, sondern auch der 
Mensch als ein aus Materie und Geist zusammengesetztes Wesen. Die Ursünde 
wiederholt also den Bruch der Gefäße auf einer niedereren Ebene. Wieder ist das 
Resultat die Vermischung von Gut und Böse, die durch Herausholung der Elemente 
des Lichts und Zurückführung in ihre frühere Lage wieder gesondert werden 
müssen. 

Tatsächlich ist die Restitution des idealen Zustandes, auf den die Schöpfung 
ursprünglich zielte das geheime Ziel allen Geschehens. Erlösung heißt nichts 
anderes als Wiederherstellung des ursprünglichen Ganzen, als Tikkun. Das 
besondere an diesem himmlischen Weg ist indes, daß er (obschon in seinem Verlauf 
vorbestimmt) nicht von Gott, sondern durch den gläubigen Juden beschriften 
werden muß. Lesen wir noch einmal bei Scholem nach: „Es gibt Stücke des 
Restitutionsprozesses, die dem Menschen überantwortet sind. Nicht alle Lichter, die 
in den Kerker der bösen Gewalten gefallen sind, erheben sich von selbst.“ 812 „Es 
gilt - dem Juden -, sie wieder zu sammeln, an ihren richtigen Ort hinaufzubringen 
und das geistige Wesen des Menschen in jener ursprünglichen Reinheit, in der es 
von Gott beabsichtigt war, wieder herzustellen.“ 813 „Es ist also mit anderen Worten 
der Mensch, der dem Antlitz Gottes die letzte Vollendung gibt, der Gott als den 
König und mystischen Gestalter aller Dinge erst eigentlich in sein 
Himmelskönigtum einsetzt und dem Gestalter selbst die letzte Gestalt gibt... So 
entspricht dem inneren, zeitlosen Vorgang des Tikkun, der im Symbol der Geburt 
der Persönlichkeit Gottes geschildert wird, der zeitliche Prozeß der Weltgeschichte. 
Der historische Prozeß und dessen geheimste Seele, nämlich die religiöse Tat des 
Juden, bereiten die endgültige Restitution aller versprengten, ins Exil der Materie 
gesandten Lichter und Funken vor. So steht es also in der freien Entscheidung des 
Juden... diesen Prozeß zu beschleunigen oder zu verlangsamen. Jede Tat des 
Menschen hat Bezug auf diese letzte Aufgabe, die Gott seiner Kreatur aufgetragen 
hat.“ „So sind wir in einem gewissen Sinne nicht nur Herren unseres eigenen 


811 

Gershom Scholem, 

Seite 294 

812 

Gershom Scholem, 
Seite 300 

813 Gershom Scholem, 
Seite 306 

814 Gershom Scholem, 
Seite 300 


,Die jüdische Mystik“, 
,Die jüdische Mystik“, 
,Die jüdische Mystik“, 
,Die jüdische Mystik“, 


Suhrkamp 

Suhrkamp 

Suhrkamp 

Suhrkamp 


Taschenbuch, 

Taschenbuch, 

Taschenbuch, 

Taschenbuch, 


Frankfürt/Main 

Frankfürt/Main 

Frankfürt/Main 

Frankfürt/Main 


1996, 

1996, 

1996, 

1996, 



360 


Schicksals und im Grunde selbst verantwortlich für die Fortdauer des Exils, sondern 
wir erfüllen zugleich auch eine Sendung, die weit darüber hinausgeht.“ 815 

Hier liegt ein sehr entscheidender Unterschied zur Bewertung der Entwicklung, den 
die jüdische Mystik schließlich nehmen sollte: Die alte Kabbala richtete sich in 
Fragen der Messianistik passiv aus. Ohne dies vielleicht zu intendieren erzog sie 
ihre Studenten dahingehend, den historischen Prozeß zunächst einmal als 
gottgegeben hinzunehmen und nicht abkürzend in das Geschehen einzugreifen. 
Nicht Abschluß und Erlösung lauteten die Maxime der Gefolgschaft. Nicht das 
Vorwärts stürmen durch die Geschichte, um ihre Krise und Katastrophe zu 
beschleunigen. 

Der Zusammenbruch von 1492 änderte das Gesicht der Kabbala jedoch genau in 
diese Richtung. Denn die Schriftgelehrten der neuen Generation verständigten sich 
auf die Auslegung, daß mit der Vertreibung die „Geburtswehen der messianischen 
Zeit“ eingesetzt hatten. Damit erhielt jetzt auch - in einer vorangesetzten Stufe - die 
jüdisch-kollektive Mission des Messias ben Joseph grünes Licht. Ihr vom Tikkun 
geprägter Weg, in dessen Abschluß nach Luria das Erscheinen des Messias ben 
David stehen sollte, war vorgezeichnet in jenem Bibelplan, den Nostradamus als 
eifriger Kabbalist gekannt haben mag. 

Als vollziehende „Handlanger Gottes“ fungierten dabei seit 1666 die häretischen 
Bewegungen des Sabbatianismus und des Chassidismus. Aus dem nordöstlichen 
Karpatengebiet, dort wo Graf Dracula der Sage nach sein Schloß hatte, zog diese 
immer wieder mit blutigen Ritualen und Opferungen in Verbindung gebrachte 
Bewegung 816 aus, die Welt nach den Vorgaben der alten Propheten zu richten. Und 


815 

Gershom Scholem, „Die jüdische Mystik“, Suhrkamp Taschenbuch, Frankfürt/Main 1996, 

Seite 301 

816 

Als „Gründer“ des Chassidismus gilt allgemein Rabbi Israel Baal Shem Tov genannt. Dieser 
Rabbi soll sich - wie schon sein Name ausweist - auch auf häretisch-satanische Stellen der Bibel 
gestützt haben. (Buch der Richter, 2:16: Er schwor Gott ab und wandte sich dem satanischen 
Baal zu). Zufall? In Zentren des Chassidismus - nicht aber in jenen des konventionellen 
Judentums - kam es im Laufe der Geschichte immer wieder zu unerklärlichen Todesfällen, die 
mit schwarzmagischen Riten in Verbindung zu stehen schienen. Die Serie des Schreckens 
erreichte einen Höhepunkt 1698 in Sandomir. Weitere gerichtsbekannte und großes Aufsehen 
erregende Fälle der ersten Generation ereigneten sich 1748 in Dunigrod, 1753 in Pavalochi und 
1753 in Zhytomir. Der unter rätselhaften Begleitumständen verstorbene Engländer Arnold Leese 
war der einzige Buchautor, der über dieses Thema vor dem Hintergrund kabbalistischer Gruppen 
berichtete. Er kam nach Auswertung der Statistiken zu dem Schluß: „... wo auch immer sich die 
Sekte der XXXXXXXXXXXX Chassiden niederließ, stiegen damals die gemeldeten 
Ritualmorde rapide an.“ 

In der Tat wurden im Umfeld des Chassidismus mehr als sonderbar zu nennende Totenkulte 
betrieben. Eine heute noch bekannte Abart ist das magische Bestreben, toten Körpern Leben 
einzuhauchen und auf diese Weise einen künstlichen Menschen (den Golem) zu schaffen. Als 
moralische Absicherung diente dabei der babylonische Talmud (Sanhedrin 65b) wo Rabbi Rava 
einen künstlichen Mann schuf und diesen zu Rabbi Zera schickte. Noch deutlicher ist das Buch 
der Offenbarungen 13:13-15 wo ein Gott jemandem die Macht übertragen hat, in eine Kreatur 
Leben einzuhauchen. Die Idee scheint bereits um 1600 von dem berühmt-berüchtigten Golem- 
Erzeuger Rabbi Jehudah Löw ben Bezalel von Prag perfektioniert worden zu sein. Ein 
Nachkomme des Israel Baal Shem Tov, der Rabbi Nachman von Bratslav, beschäftigte sich 



361 


wie im berühmten Roman Stokers war ihr erstes Ziel London. Kurze Zeit später 
begann an gleicher Stelle die endzeitliche Geheimgesellschaft der Freimaurer ihr 
dunkles Wirken aufzunehmen... 


ebenfalls ausgiebig mit diesem befremdlichen Hobby. Rabbi Yedudah he-Hasid sowie Rabbi 
Eleazar von Worms schrieben sogar eine Art Grundlagenwerk zur Frage der Erschaffung 
künstlicher Kreaturen. 

Noch heute stellt eine Autoriät des Chassidismus, Dr. Moshe Idel von der Hebräischen 
Universität in Jerusalem, eindeutig fest, daß die Kreation von Menschen laut Talmud erlaubt sei. 
Die angesichts fortschreitender Gentechnikerfolge heute mehr denn je aktuelle Frage trägt indes 
etwas bedrohlich-apokalyptisches in sich: Bekanntlich spricht die Offenbarung vom „Zeichen des 
Tieres“ (die Zahl 666), die entweder auf der Stirn oder am Handrücken der Menschen 
aufgebracht werden wird. Und im Buch des Rabbi Eleazar müssen auch seine Golems mit einem 
Zeichen auf der Stirn herumlaufen. 




363 


Anhang 4 


Kabbalistischer Satanismus: 
Verderbnis als Weg zur Erlösung 


Der Sabbatianismus 

Als das Jahr 1666 näherrückte, kam es zu einer Welle der Hysterie, die in brutaler 
Klarheit die Gegensätzlichkeit jener Gruppen offenlegte, die sich am alten 
Testament inspirierten: Während nämlich viele Christen mit der baldigen Ankunft 
des Antichristen rechneten, meinte zur gleichen Zeit die Mehrzahl der Juden aus 
Rußland, der Ukraine, Persien, vom Osmanischen Reich bis hin nach Holland und 
zur Atlantikküste, den Messias in dem Rabbiner Rabbi Shabbetai Tzevi von Smyrna 
(1626-76) zu erkennen. Dieser verkündete 1665, er sei der fleischgewordene Erlöser 
des Judentums. Von muslimischen Behörden festgesetzt konvertierte der 
vermeintliche Heiland jedoch schon ein Jahr darauf zum Islam, um wenig später 
sein Leben im Exil zu beenden. 

Nun mag man meinen, daß Tzevis Mission kläglich gescheitert war. Nichts¬ 
destoweniger war es dem umtriebigen Propheten aber gelungen, eine verschworene 
Gefolgschaft um sich zu sammeln. Und aus dieser entstand eine Sekte, welche 
überlebte - insbesondere dank des Aktivismus des Nathan von Gaza (1644-80), 
welcher jene Aktionen Zewis, die den jüdischen Gesetzen entgegenstanden durch 
Theorien erklärte, die sich auf der Lurianischen Sicht der „Reparatur“ aufbauten: 
die „Sünden“ sollten als der Abstieg des vergeistigten Juden in den Abgrund der 
Schalen verstanden werden, um aus diesen die gefangenen Partikel des göttlichen 
Lichts zu befreien. 

„Wir alle“, illustriert der jüdische Mystiker Scholem dieses Gedankengebäude 
„müssen in den Abgrund de Bösen hinunter, um es von innen her zu überwinden. Es 
gibt - so lehrten die Apostel des Nihilismus unter allen möglichen theoretischen 
Einkleidungen -, es gibt gewisse Bezirke, in denen der Prozeß des Tikkun nicht 
mehr durch heilige Handlung vollzogen werden kann. Hier kann das Böse nur durch 
sich selbst überwunden werden... Das ist die verhängnisvolle und doch zugleich 
verführerische Lehre von der Heiligkeit der Sünde... Und die ließ sich unter den 
Nichtjuden, die aus kabbalistischer Sicht das satanische Prinzip an sich darstellten, 
durchaus anwenden. 



364 


Die von der Thora statuierte Verbindung der ersten Sünde mit dem Ursprung der 
Scham stellt die Kabbalisten, die über den Tikkun, die Ausbesserung des Makels 
der Sünde, nachdenken, vor die heikle Frage der Aufhebung der Scham im neuen 
messianischen Stande. Der umgekehrte Weg, die Erlösung geradezu durch 
Zertreten des Schamgefühls zu erlangen, wie es ein berühmt gewordenes 
apokryphes Wort, das die Gnostiker Jesus zuschrieben, fordert, ist unter den 
radikalen Sabbatianern bewußt und nachdrücklich von Jakob Frank verkündet 
worden. Das abgründige alte Wort der Mischna, daß man Gott auch mit dem 'bösen 
Triebe' lieben könne, bekam hier eine Bedeutung, an die sein Autor nicht gedacht 
hat. 

Moses Chagis spricht 1714 über zwei Richtungen der sabbatianischen Ketzerei: 
'Der Weg der einen Sekte ist, jeden Unreinen, der sich selber mit leichten oder 
schweren Sünden verunreinigt, für einen Heiligen zu halten.. Sie sagen, wenn wir 
mit unsern eigenen Augen sehen, wie sie an den Fasttagen essen, daß dies kein 
körperliches, sondern ein spirituelles Essen sei und daß, wenn sie sich vor den 
Augen der Welt verunreinigen, dies keine Unreinheit ist, sondern sie damit den 
Geist der Heiligkeit auf sich herabziehen. Und von jeder bösen Handlung, von der 
wir sehen, daß sie sie nicht nur in Gedanken, sondern auch in der Tat begehen, 
sagen sie, daß es gerade so sein muß und ein Mysterium bei der Sache ist und alles 
ein Tikkun ist und ein Herausholen der Heiligkeit aus den Kelipoth. Und so 
kommen sie dahin überein, daß jeder, der sündigt und Böses tut, in Gottes Augen 
gut und redlich ist. Eine andere Sekte unter ihnen wendet die Häresie aber nach 
einer anderen Seite. Sie pflegen zu argumentieren, daß mit der Ankunft Sabbatai 
Zwis der Fall Adamas schon ausgebessert und daß das Gute aus dem Bösen und 
den Schlacken herausgeholt ist. Seitdem sei eine neue Thora ergangen, durch die 
alle möglichen Verbote der Thora erlaubt werden, nicht zum letzten auch die von 
ihr verbotenen Arten von sexuellen Beziehungen. Denn da alles rein ist, gibt es bei 
allen diesen Dingen nichts Verwerfliches mehr...' 

Diese Äußerung von Chagis... wird in der Tat durch das, was wir über die 
Entwicklung des Sabbatianismus zwischen 1700 und 1760 wissen, durchaus 
bestätigt. Aber nichts... kann sich entfernt an Entschiedenheit mit jenem 
Evangelium des Antinomismus messen, das Jakob Frank (1726 bis 1790) in mehr 

817 

als zweitausend Lehrworten seinen Jüngern verkündet hat...“ 


Der Frankismus 

Soweit die Ausführungen Gershom Scholems, die uns an diesem Punkt von den 
Wurzeln der unmittelbaren Tzevi-Jünger zum Stamm einer neuen Bewegung 
überleiten. Sie hatte sich als nötig erwiesen, weil die erste Generation des 
Sabbatianismus zu versanden drohte, wofür nicht zuletzt auswärtige Pressionen 


817 Gershom Scholem, „Die jüdische Mystik“, Suhrkamp Taschenbuch, Frankfurt/Main 1996, Seite 
346f. 



365 


maßgeblich waren (Einen Höhepunkt dieser Bewegung bildete 1683 die Schein- 
Konvertierung der morgenländischen Anhängerschaft als „Dönmeh“ zum Islam). 

Der Geburtsort der neuen Mystiker war kaum zufällig die Hautwirkungsstätte ihrer 
Vorgänger. „Die Sekte“, schreibt Scholem über die Pilgerväter nach Tzevi, breitete 
sich „durch die Tätigkeit eines Sabbatianers, Chajim ben Salomo, besser bekannt 
als Chajim Malach... in den südlichen Provinzen Polens aus... So wurde vor allem 
Ostgalizien und Podolien ein Zentrum des Sabbatianismus, der sich hier mit großer 

O 1 o 

Hartnäckigkeit relativ lange erhalten hat.“ Und genau hier entstand nun unter der 
Führerschaft des selbsternannten Messias Jacob Frank seit 1750 ein neuer, noch 
extremerer Sabbatianismus. 

Scholem urteilt: „Seltsame, mehr oder weniger paradoxe Aussprüche des Talmuds 
und anderer Schriften und manche ursprünglich ebenfalls ganz anders gemeinte 
Symbole der Mystik erscheinen bei den radikalen Sabbatianern als Fosungen und 
Symbole eines religiösen Nihilismus, in dem die Gedanken einer in Abgründe 
versunkenen depravierten Mystik in offenen Konflikt mit jeder positiven Religion 
treten. Talmudische und halbtalmudische Worte wie 'Groß ist eine Sünde um ihrer 
selbst willen' oder 'Die Aufhebung der Thora kann ihre wahre Erfüllung werden' - 
Worte, deren Sinn im Talmud selbst natürlich ein völlig anderer ist, deren Wortlaut 
aber eine solche Interpretierung zuläßt - bezeichnen diese Stimmung. Die Thora ist, 
wie die Sabbatianer im Gleichnis auszuführen liebten, das Samenkorn der Erlösung. 
So wie das Samenkorn in der Erde faulen muß, um zu keimen und Frucht zu 
bringen, so auch muß die Thora, um in ihrer wahren messianischen Gestalt 
erscheinen zu können, im Bereich unserer Taten vernichtet werden. Der Prozeß des 
Tikkun ist nach dem Gesetz des organischen Lebens, das alle Welten durchzieht, 
daran gebunden, daß auch die Taten des Menschen mindestens in gewissen 
Bezirken dunkel und sozusagen faulig werden. Der Talmud sagt: 'Der Sohn Davids 
(das ist der Messias, W. E.) kommt nur in einem Zeitalter, das entweder ganz 
schuldig oder ganz unschuldig ist.' Aus diesem Epigramm folgerten viele 
Sabbatianer: da wir nicht alle Heilige werden können, so laßt uns alle Sünder 
sein.“ 819 

So erklären sich letztlich die „dunklen Wendungen Franks vom 'Abgrund, in den 
wir alle hinein müssen', und von der 'Last des Schweigens', die wir auf uns nehmen 
müssen“ eben messianisch. 

Frank wiederholte das Schicksal seines Vorgängers Zewi, indem er 1759 mit-samt 
seiner polnischen Anhängerschaft zum Schein konvertierte. Das religiöse 
Auffangbecken war in diesem Fall die Römisch-Katholische Kirche. In Böhmen 
und Mähren allerdings blieben die Frankisten nach außen hin Juden. Scholem: „Es 


818 

Gershom Scholem, „Die jüdische Mystik“, Suhrkamp Taschenbuch, Frankfurt/Main 1996, 
Seite 332 

o i q 

Gershom Scholem, „Die jüdische Mystik“, Suhrkamp Taschenbuch, Frankfürt/Main 1996, 
Seite 348 



366 


waren gerade diese Kreise, die die äußere Verbindung zwischen sich und dem 
rabbinischen Judentum nicht zerschnitten haben, die als Schrittmacher der neuen 
Bewegung im Judentum seit der Französischen Revolution auftraten.“ Die Rede ist 
von der Geburt des Reformjudentums, das die Aufklärung in die Reihen der 
Israeliten trug. Indes wurde und wird dieser Einfluß der jüdischen Mystik auf die 
Politik unter den Tisch gekehrt. 820 


Der Chassidismus 

Allerdings hatten sich die Entwicklungsstränge der jüdischen Mystik damit noch 
nicht erschöpft. Denn parallel zum Wirken Franks entstand nun mit dem 
Chassidismus abermals eine Bewegung, in der die Lurianische Kabbala eine 
wichtige Rolle spielte. Wieder wechselte der Messianismus den Staffelstab, indem 
er zu einer neuen Maske griff. Scholem deutet diesen Umstand an, wenn er schreibt: 
„Der Chassidismus ist,... was keineswegs zufällig sein kann, in denselben Gegenden 
entstanden, in denen der radikale Sabbatianismus am tiefsten Wurzeln geschlagen 
hatte, das heißt in Podolien und Wolhynien.“ 

Und der große israelitische Mystiker sieht auch die Beweggründe des Bäumchen- 
Wechsel-Dich-Spiels. Die Radikalisierungen hatten den Sabbatianismus und den 
Frankismus zu Fall gebracht: „Israel Baal-schen, der Stifter der Bewegung... und 
seine ersten Schüler... haben ihre Konsequenzen aus dieser Erfahrung gezogen.“ 
Und Scholem gibt zu, daß gerade zu Anfang eine „Fluktuation unter den Anhängern 
der beiden Richtungen bestanden hat. Jene Gruppen des polnischen Judentums, die 
sich vor und zur Zeit des Auftretens des Baal-schem 'ChassidinT nannten, waren 
von Sabbatianern stark durchsetzt, wenn es nicht überhaupt ihrem Wesen nach 
krypto-sabbatianische Gruppen gewesen sein sollten.“ 821 

Der Chassidismus hat sich bis heute erhalten. Er ist vor allem in London, New York 
und Israel einflußreich und beeinflußte alle späteren Satelliten des Geheimvatikans 
bis hin zu Rabbi Kook. 


820 

‘ Selbst um Vorsicht bemüht führt Scholem diesen interessanten Pu nk t nicht weiter aus. 
Anstelle dessen setzt er auf Seite 449 als Anmerkung eines Zeitgenossen zu den entsprechenden 

Verbindungen die Worte „Es ist aber die Frage, ob es klug ist, jetzt diesen Punkt zu diskutieren.“ 

821 

Gershom Scholem, „Die jüdische Mystik“, Suhrkamp Taschenbuch, Frankfürt/Main 1996, 
Seite 362f. 



367 


Um den Schlüssel zu allen Revolutionen, angefangen 
von der Ermordung Karls I. bis zur Ermordung 
Ludwigs XVI. zu finden, muß man sich stets in erster 
Linie zu den geheimnisvollen Freimaurer¬ 
bruderschaften wenden. - Die rote phrygische Mütze, 
die 1793 zum Emblem der Jakobinder wurde, war 
gleichfalls der Kopfschmuck der britischen 
Independenten während des Aufstiegs Cromwells. 
(Lombard de Landre, „Les Societes Secretes en 
Allemagne“, 1819) 

Anhang 5 


Großbritannien: „Reich des Bösen“? 


Die Vertreibung des Judentums 

Im Jahre 1290 waren die in England lebenden Juden in ihrer Gesamtheit des Landes 
verwiesen worden. Die Regierung erklärte diesen Schritt mit wiederholten 
finanziellen Betrügereien, darunter auch die Auflage von Falschgeld 822 , die aus den 
Reihen der Neubürger betrieben worden sei. 

Das Ausweisungsgesetz hebt indes eine andere Begründung hervor: „Im dritten 
Jahre seiner Regierung“ heißt es dort, „hatte der König (Edward I) bereits 
angeordnet, daß kein Jude seines Reiches Geld gegen Wucherzinsen verleihen 
soll... Außerdem hatte der König bestimmt, daß die Juden in Zukunft ihren 
Lebensunterhalt durch Handel und ehrbare Arbeit verdienen sollten. Sie kamen aber 
unter sich nach wohldurchdachtem, schändlichen Plan überein, den Wucher auf 
andere, viel schlechtere Art weiter zu betreiben. Dies nannten sie 'Höflichkeit'. 
Unter einem solchen Deckmantel trieben sie ihre dunklen Geschäfte mit dem Volke 
in einem Umfange, daß ihr jetziges verbrecherisches Treiben doppelt so nachteilig 
ist wie früher. Zur Vergeltung ihrer Verbrechen und für die Ehre des Gekreuzigten 
haben wir sie als Verräter aus unserem Reich verbannt.“ 

Dabei blieb es lange Zeit und selbst den judenfreundlichen Revolutionären um die 
messianische Gestalt Oliver Cromwells gelang es nach 1650 nicht, die bei Handel 


822 

~ Vgl. Peter Aldag, „Der Jahwismus erobert England“, Verlag für ganzheitliche Forschung und 
Kultur, Struckum 1989, Seite 66-69 
823 Close Rolls of Edward I, Bd. 12881296, Seite 109 



368 


und Volk populäre Order rückgängig zu machen. Dieser Schritt war nun aber nach 
dem Willen des geschichtsbildenden Kabbalismus, der damals in Holland seinen 
Hauptstützpunkt gefunden hatte, unumgänglich. Zu eindeutig verwies mit den 
israelischen Propheten die historische Vorsehung selbst auf eine derartige 
Entwicklung. Nach Spanien und den Niederlanden sowie vor den USA sollte jetzt 
England als Achse des okkulten Judentums zum eigentlichen Wasserträger und 
Vollstrecker der Jahwitischen Religion „aufsteigen“. 

Da sich der Umschwung in England auf legalem Wege nicht durchführen ließ, 
rüstete man ein Umsturzuntemehmen aus, das mit einer ausländischen Aggression 
attachiert wurde. Als hauptsächliche Verbündete betätigten sich dabei 
protestantische Freischärler und Wilhelm III. von Oranien... 


Wie einem Holländer der englische Thron gekauft wurde 

Im Jahre 1685 bestieg in Britannien der zum Katholizismus übergetretene Jakob II. 
den englischen Thron. Maßgebender Berater wurde ihm der Jesuit Petre, den Jakob in 
den Geheimen Staatsrat berief. In London wurde ein Jesuitenkolleg eröffnet, ein 
Nuntius in London aufgenommen. Nur dreißig Jahre nach den Religionswirren der 
englischen Revolution wurde diese Entwicklung von der protestantischen Opposition 
mit schwerer Mißgunst verfolgt. Als wider Erwarten dem inzwischen bereits bejahrten 
Jakob am 10. Juni 1688 auch noch ein Sohn geboren wurde, schien die Herrschaft 
einer katholischen Dynastie auf dem englischen Thron dauernd begründet. Nunmehr 
traten die Führer des englischen Protestantismus mit Wilhelm von Oranien, dem 
Schwiegersohn Jakobs, in Verbindung, damit dieser nach einer ins Auge gefaßten 
Invasion im Lande die Uhren wieder zurückstelle. Kaum zu Unrecht bezeichnete der 
Poet John Dryden jene Verschwörer als „eine Truppe von Männern, die vielleicht wie 
keine zweite in der geschichtlichen Überlieferung bar jeden Ehrgefühls und 
gottverlassen“ gewesen sei. 1822 

Nun fehlte es aber dem niederländischen Erbstatthalter an Geld, das der Protestant 
insbesondere zur Ausrüstung eines größeren Expeditionskorps benötigte. Die 
Feldzugspläne befanden sich an einem toten Punkt. Da sprang - wie es den Anschein 
hat - der Geheimvatikan in die Bresche: Glaubt man der jüdischen 
Geschichtsforschung, dann waren es nämlich in Amsterdam ansässige Hebräer, die 
das Putschuntemehmen mit einigen sehr hohen Zuwendungen entscheidend auf die 
Beine stellten. Allen voran soll die Finanzierung in den Händen des israelitischen 


824 

‘ Im gleichen Sinne schreibt der amerikanische 32-Grad-Bruder Sol Clark: „Diese als Anglo- 
Israelismus bekannte Theorie, stimmt mit vielen Prophezeiungen der hebräischen Schriften 
überein. Unter diesen 'Erfüllungen’ sind solche, daß Israels Name geändert würde, daß seine 
Söhne im Norden wohnen würden, daß sie den göttlichen Namen 'in the isles of the sea’(Isaiah) 
preisen würden, und daß einer ihrer Stämme, Manasseh, eine unabhängige Macht werden würde, 
wie es das Beispiel der Vereinigten Staaten zeigen sollte.“ (Siehe das offizielle Organ des US- 
amerikanischen Höchsten Rates des Alten und Angenommenen Schottischen Ritual der 
Freimaurerei „The New Age“, Washington D. C, Ausgabe Oktober 1952) 

825 Siehe „Great Catholics“, Sheed & Ward, Seite 266 



369 


Bankiers Francisco Lopez Suasso, Baron d'Avernas-le-Gras, der sich später in 
England niederließ, gelegen haben. Die fraglichen Darlehen dürften über die 
Regierung Hollands und nicht direkt an den Statthalter der Niederlande geflossen 
sein, da - so Picciotto - „wir durch Lord Macaulay darüber informiert sind, daß bald 
nachdem der erste Beamte Hollands den britischen Thron bestiegen hatte, das 
englische Parlament 600.000 Pfund als Rückzahlung an die Niederländische 
Republik für die Kosten des Feldzuges bewilligte.“ 826 

Der nicht unbekannte hebräische Historiker Margoliouth macht darüber genaue 
Angaben. Nach seiner Schilderung mußte Wilhelm die Vorbereitungen für seine 
Expedition nach England tatsächlich wie erwähnt vorübergehend aus Geldmangel 
einstellen. Als er verzweifelt nach einem Ausweg suchte, wurde ihm ein Jude 
gemeldet, der ihm ohne Übergang mitteilte, „die jüdische Nation sei bereit, ihn mit 
2 Millionen (wahrscheinlich Gulden) zu unterstützen. Haben Sie Erfolg, zahlen sie 
es uns zurück. Geht die Sache schief, sind wir quitt.“ 827 

Die „Sache“ klappte. Am 5. November 1688 landete Wilhelm von Oranien mit 
15.000 Mann in der Bucht Torbay. Von dort zog er in London ein und übernahm 
die Regentschaft. Als erster Monarch der Geschichte wurde der Putschist wenige 
Monate darauf in die Freimaurerei aufgenommen. Er begründete eine einmalige 
Dynastie, denn bis auf den heutigen Tag amtierten die Regenten des Buckingham 
Palace als nominelle Staatsoberhäupter Englands stets zugleich als höchste 
Würdenträger jener geheimen Bruderschaft, die von London aus ihre mächtigen 
Arme in die Welt verteilt.“ 828 

So mag es nicht verwundern, daß das „Mecklenburgische Logenblatt“ in den 20er 
Jahren zum Verhältnis der Politischen Maurerei zu seinem Mutterland befinden 
konnte: „Die englische Politik (hat) seit 200 Jahren mit unentwegter 
bewunderungswerter Konsequenz die Richtlinien der freimaurerischen Ideale 
eingehalten... (Es) wurde die Freimaurerei die Verkörperung der englischen Politik 
derart, daß man meinen könnte, die Freimaurerei sei eigens zu dem Zwecke 
gegründet worden, um England die erstrebte Vorherrschaft als See-, Handel- und 


James Picciotto, „Sketches of Anglo-Jewish History“, Trubner & Co., 1875, Seite 52f. 
Auch A. M. Hyamson, „A History of the Jews in England“, London 1928, Methuen, 2nd. 
Edition, Seite 187f. 

827 M. Margoliouth, „The History of the Jews in Great Britain, 1851, Bd. II, Seite 40ff. sowie 
ders., „A Pilgrimage to the Land of my Fathers“, 1850, Bd. n, Seite 229 sowie ders., „The Anglo- 
Hebrew“, 1856, Seite 47. Von weiteren jüdischen Autoren, die auf den Zusammenhang bezug 
nehmen sind zu nennen: Lucien Wolff in seinen „Essays in Jewish History“ (Vgl. „Jewish 
Historical Society of England“, 1934, Seite 215). Er erwähnt, daß es Suasso gewesen sei, der die 
genannten 2 Millionen ausgehändigt habe. 

‘ „Die Zugehörigkeit“, schreibt das Internationale Freimaurerlexikon unter dem Stichwort 
England/Königshaus, „ist dabei in den allermeisten Fällen nicht als Formalität betrachtet worden, 
die königlichen Prinzen nahmen auf die Entwicklung der englischen Freimaurerei entscheidenden 
Einfluß.“ (Lennhoff/Posner, „Internationales Freimaurerlexikon“, Wien 1932, Spalte 435) 



370 


&9Q 

Kolonialmacht zu verschaffen und zu sichern. Die englische Politik seit der Zeit 
der Gründung der Freimaurerei ist Freimaurer-Politik.“ 830 


Die Übernahme der englischen Finanzwelt 

Mit der Machtübernahme Wilhelms begann sich das hebräische Finanzzentrum 
sofort von Amsterdam nach London zu verlagern. „Gegen Ende des 17. 
Jahrhunderts“, illustriert der Volkswirt Werner Sombart, „finden wir die königliche 
Börse (seit 1698 Wechselgasse) bereits voller Juden... (Der plötzliche Zustrom) war 
auf die zahlreichen Juden zurückzuführen, die in Wilhelms Gefolge aus Amsterdam 
angereist waren.“ 

Am Ort des Geschehens erfaßte der Einfluß dieser Neubürger praktisch sämtliche 
Bereiche des finanziellen Systems. Der israelitische Historiker Hyamson etwa 
befindet: „Die jüdischen Händler, die Wihlem III. begleiteten, transferierten den 
Edelmetallhandel von Amsterdam nach London.“ 832 Werner Sombart dagegen 
erscheint die Erkenntnis wichtiger, „daß das Geschäft professionellen 
Wertpapierhandels und damit der professionellen Spekulation durch Juden an der 
Londoner Börse eingeführt wurde.“ „Ebenso plötzlich wie die Minerva tauchte auch 
der Wertpapierhandel auf, das heißt, er erschien voll entwickelt auf der 
Bildfläche.“ 833 

Zweifelsohne den größten Einfluß aber lancierte der Geheimvatikan künftig über 
die 1694 gegründete „Bank von England“, die nachmalige Zentrale Notenbank. 
„Allerdings“, schreibt Hilaire Belloc, „war die Bank von England keine 
Regierungseinrichtung, wie dies erwartet werden sollte. Es handelte sich vielmehr 
um eine unabhängige Einrichtung, die - von der Regierung priveligiert und 
garantiert - eine völlig eigenständige Politik betrieb. Von diesem Tag an hatte die 
Bank von England in immer größerem Ausmaß das letzte Wort in jeder Ausgaben 
betreffenden Regierungspolitik, was besonders den Umstand von auswärtigen 
Kriegen anging.“ 834 


829 Daß dem in der Tat so war befand „The Free Masons' Chronicle“ 1902/1/319: „Die Größe 
Englands“, lesen wir dort fra nk und frei, „ist das Werk der Freimaurerei“. 

830 

„Mecklenburgisches Logenblatt“, nach Friedrich Hasselbacher, „Entlarvte Freimaurerei“, 
Verlag Paul Hochmuth, 1941, Seite 278f. und 285f. 

Werner Sombart, „Die Juden und das Wirtschaftsleben“, Seite 104ff. mit Bezug auf 
zeitgenössische Berichte 

Auch A. M. Hyamson, „A History of the Jews in England“, London 1928, Methuen, 2nd. Edition, 
Seite 188 

833 

Werner Sombart, „Die Juden und das Wirtschaftsleben“, Seite 104ff. mit Bezug auf John 
Francis und „zahlreiche Aussagen, die insbesondere durch jüdische Schriftsteller in jüngster Zeit 
erstmalig vorgelegt worden sind.“ 

834 

Hilaire Belloc, „A shorter History of England“, Seite 455f. Zu der geschichtlich sehr 
zentralen Rolle der jahwitischen Bankiers siehe insbesondere Josef Landowsky, „Rakowskij 
Protokoll“, Faksimile Verlag, Bremen 1987 



371 


Anhang 6 


Endzeitprojekt Aufklärung: Der 
Einfluß des okkulten Chassidentums 


Der israelische Wissenschaftler Jacob Katz schreibt in seinem Buch „Zwischen 
Messianismus und Zionismus“: „Unter dem Eindruck von Moses Mendelssohn 
wuchs eine Generation heran, die zwar sein Ideal, alle trennenden Mauern zwischen 
Juden und Christen einzureißen, übernahm, die jedoch nicht von seinen beiden 
Tugenden des Abwartens und der Mäßigung beseelt war. Seine Schüler und 
Nachfolger wollten im praktischen Leben das erreichen, woran man sie zu glauben 
gelehrt hatte, und sie waren bestrebt, den Aufnahmeprozeß in die Zellen ihre ihrer 
gesellschaftlichen Umgebung voranzutreiben - und hier waren die freimaurerischen 
Zellen, wie man meinte, von grundlegender Bedeutung. Wenngleich diese Gruppe 
außerstande war, jegliche Opposition zu überwinden, so unterstützte sie doch jede 
Anstrengung auf Seiten der Freimaurer, neue Bedingungen zu schaffen, unter denen 
das Prinzip der Gleichheit von Juden und Nichtjuden aufrechterhalten werden 
sollte. Drei oder vier derartige Versuche zeichneten sich gegen Ende des Lebens 
von Moses Mendelssohn (1786) ab, als die ersten Gesetze in Kraft traten, die die 
bürgerliche Benachteiligung der Juden beseitigen sollten, und als sie erste 

835 

Bewegung zur Integration der Juden in die Gesellschaft stattfand. 

Es sind das die einleitenden Worte zu einem Kapitel, welches Katz einer speziell 
jüdischen Freimaurerloge widmet. Die Rede ist vom „Orden der Asiatischen 
Brüder“, welcher 1780/81 in Wien gegründet wurde und einflußreichste 
Mitglieder - darunter Bischoffwerder, Wöllner und sogar den Kronprinzen, den 
späteren König Friedrich Wilhelm II. von Preußen - in seinen Reihen gehabt 
haben soll. „Bis zum Ende des Jahres 1786 oder dem Anfang des Jahres 1787“, 
erfahren wir, „blieb das Zentrum der Bewegung Wien. Dort hatte der 'Sanhedrin', 
der den Orden beherrschte, seinen Sitz. Dieser Rat bestand aus sieben Mitgliedern 
und einigen Amtsträgern und besoldeten Angestellten. Der 'Sanhedrin' delegierte 
die Macht an die vier Gebietsvorsteher in ganz Europa, und diese Vorsteher 


835 

Jacob Katz, „Zwischen Messianismus und Zionismus“, Jüdischer Verlag, Fra nk furt am Main 
1993, Seite 72 



372 


wiederum ermächtigten die einzelnen Zellen in ihren entsprechenden 
Regionen.“ 836 

Das interessante an dieser Gesellschaft ist nun, daß sie geradezu wie geschaffen zu 
sein scheint, um die Monus'schen Enthüllungen über den sabbatianisch- 
messianischen Hintergrund der Maurerei unter Beweis zu stellen. So schreibt Katz: 
„Über die unmittelbaren Ursachen, die zur Gründung dieses Ordens führten, liegen 
mir keine direkten Quellen vor, so daß ich auf Aussagen von Mitgliedern 
angewiesen bin, die später aktiv hervortraten. Ihnen zufolge war es ein früherer 
Franziskanermönch namens Justus, dessen bürgerlicher Name Bischoff gewesen 
war, dem eine herausragende Rolle bei der Gründung des Ordens zukam. Justus 
hatte mehrere Jahre im Orient, besonders in Jerusalem, verbracht, wo er mit 
jüdischen Kabbalisten in Berührung gekommen war. Er vertiefte sich in ihre Lehren 
und erhielt von ihnen sogar Manuskripte, auf die die theosophischen Lehren und 
zeremoniellen Regeln des Ordens zurückzuführen sind. Obwohl diese Details nicht 
im einzelnen bestätigt werden können, sind die Spuren seiner Person doch so weit 
nachweisbar, daß an seiner Existenz kaum, wenn überhaupt, gezweifelt werden 
kann. Hinsichtlich einer anderen Person, namens Azariah, der angeblich Justus die 
Manuskripte gegeben hat, ist die Quellenlage eher zweifelhaft. Wollen wir dem 
Zeugnis von Ephraim Joseph Hirschfeld (urspr. Hirschei, Gründungsmitglied, lebte 
in Offenbach, dem Zentrum des sabbatianischen Frankismus W. E.) Glauben 
schenken, so gehörte Azariah einer kabbalistischen Sekte an, die anderen Quellen 
zufolge als ein Zweig der Sabbatai-Zwi-Bewegung zuzurechnen ist. Seine 
persönlichen Geschäfte übertrug er auf seine Söhne, um als Emissär der Sekte 
von Ort zu Ort reisen zu können. Obwohl an der Verbindung zwischen den 
Asiatischen Brüdern und der sabbatianischen Bewegung durch andere Quellen 
kein Zweifel besteht, so ist die Person Azariahs dennoch... vage und unbestimmt; 
wir wissen über ihn nur wenig, und das Wenige ist widersprüchlich. Allem 
Anschein nach ist er eine Erfindung der Mitglieder des Ordens, die damit der 
Behauptung Glauben verleihen wollten, der Orden sei orientalischen Ursprungs. 
Die Mitwirkung eines Dritten ist dagegen über jeden Zweifel erhaben. Es war 
dies Baron Thomas von Schoenfeld, ein von Glauben abgefallener Jude, der sich 
als Verfasser zahlreicher Schriften einen Namen gemacht hatte. Sein Mitwirken 
spiegelt sich in der Literatur über den Orden hinlänglich wider, und sein Anteil 
an dessen Gründung ist aus anderen Quellen bekannt... Im Orden der Asiatischen 
Brüder widmete sich Schoenfeld dem Kopieren und Übersetzen jüdisch¬ 
kabbalistischer Werke. Der Geschichtsschreiber des Ordens, Franz Josef Molitor, 
schloß sich der Überlieferung an, wonach Schoenfeld der Enkel R. Jonathan 
Eybeschütz' war, dessen Sammlung sabbatianisch-kabbalistischer Werke er 
geerbt hatte. Schoenfelds Stammbaum läßt sich allerdings inzwischen genauer 
angeben. Er entstammte der Familie Dobruschka aus Brunn und war mit 
Eybeschütz weder verwandt noch verschwägert. Dennoch entbehrt diese 
angebliche verwandtschaftliche Verbindung nicht eines gewissen wahren Kerns, 


836 

Jacob Katz, „Zwischen Messianismus und Zionismus“, Jüdischer Verlag, Frankfurt am Main 
1993, Seite 87 



373 


insofern Mosheh Dobruschka, alias Thomas von Schoenfeld, tatsächlich ein aktives 
Mitglied der sabbatianischen Bewegung gewesen war. Wie wir noch sehen werden, 
war er es, der viele Gedanken des Sabbatianismus in die Lehren des Ordens 
einfügte.“ 837 

„Anleitungen und Übungstexte mußten verfaßt werden, um die Mitglieder in ihrem 
'Werk' zu leiten. Hierzu gehörten herleitende Symbolinterpretationen, Wort- und 
Buchstabenkombinationen und ähnliches. Ganz im Einklang mit dem Ursprung der 
Lehren der Asiatischen Brüder entnahm man das Material für die religiös- 

OTO 

spirituellen Bemühungen des Ordens der kabbalistischen Literatur.“ Dann geht 
der Autor näher auf die Ritualien der Loge ein, die auch für esoterisch 
verschlossene „normaljüdische“ Ohren einen befremdlichen Klang haben müssen. 
„Derartige widersprüchliche Auffassungen“, erklärt Katz dem Leser „ließen sich 
nur in sabbatianischen Ideen wiederfinden, und dieser Einfluß war, wie wir bereits 
gesehen haben, durchaus vorhanden. Moses Dobrushka-Schoenfeld, ein vom 
Glauben abgefallener Sabbatianer, war hier der entscheidende Vermittler, der diese 
Ideen auf den Orden der Asiatischen Brüder übertrug. Andere Mitglieder 
entstammten möglicherweise einem ähnlichen sabbatianischen Milieu, und ihre 
sektiererische Vergangenheit machte es ihnen vielleicht möglich, sich einer jüdisch¬ 
christlichen Gesellschaft anzuschließen, die ihre früheren Lehren und Regeln 

OTfl 

übernommen hatte.“ 

Gershom Scholem bestätigt den engen Zusammenhang zwischen Sabbatianismus 
und ,Aufklärung“ - zumal jener innerhalb des Judentums selbst - in seinem 
Standardwerk „Die jüdische Mystik“. Hier erfahren wir näheres über die zum 
Schein zum Islam oder zum Christentum konvertierten Sabbatianer und jene 
Glaubensbrüder, die innerlich und äußerlich innerhalb des Verbandes des 
Judentums verblieben. 

„Es waren gerade diese Kreise“, schreibt Scholem, „die die äußere Verbindung 
zwischen sich und dem rabbinischen Judentum nicht zerschnitten haben, die als 
Schrittmacher der neuen Bewegung im Judentum seit der Französischen 
Revolution auftraten. Um 1850 wußte man noch manches von diesen 
Zusammenhängen zwischen Sabbatianismus und Reform. Aus den Kreisen der 
gemäßigten Reform haben wir sehr beachtenswerte und sicher glaubwürdige 
Traditionen, daß der erste Pionier des Reformjudentums in Ungarn, Aron Chorin, 
in seiner Jugend dem Prager Sabbatianistenkreise angehört hat. 840 Hamburg und 
Proßnitz, die im 18. Jahrhundert Mittelpunkte sabbatianischer Propaganda... 


837 

Jacob Katz, „Zwischen Messianismus und Zionismus“, Jüdischer Verlag, Fra nk furt am Main 
1993, Seite 74f. 

838 

Jacob Katz, „Zwischen Messianismus und Zionismus“, Jüdischer Verlag, Frankfurt am Main 
1993, Seite 81 f. 

R3Q 

Jacob Katz, „Zwischen Messianismus und Zionismus“, Jüdischer Verlag, Fra nk furt am Main 
1993, Seite 85 

840 Leopold Löw, 'Gesammelte Schriften’, vol. n, p. 255, und A. Jellineks Brief ibid., vol. V, p. 193, 
der sehr bezeichnender Art sagt: „Über den Sabbatäismus Chorins habe ich einen Zeugen, der 
merkwürdige Beweise gibt: es ist aber die Frage, ob es klug ist, jetzt diesen Punkt zu diskutieren.“ 
(Bei Scholem findet sich diese Fußnote auf S. 449) 



374 


gewesen waren, gehörten am Anfang des 19. Jahrhunderts zu den wichtigsten 
Zentren der Reformbewegung. Die Söhne jener Prager Frankisten, die noch 1800 
nach Offenbach bei Frankfurt, dem Sitz von Jakob Franks Nachfolgern, pilgern und 
ihre Kinder im Geiste ihrer mystischen Sekte erziehen, stehen um 1832 mit an der 
Spitze der ersten Organisation der 'Reform' in Prag. Die Schriften von Jonas Wehle, 
dem geistigen Haupt dieser Prager Mystiker um 1800, verraten durchweg schon 
eine ganz seltsame Verbindung von Mystik und Aufklärung... Sabbatai Zwi und 
Moses Mendelsohn, Isaak Luria und Immanuel Kant sind für ihn... in gleichem 
Maße Autoritäten... 

Wie nun gerieten die Kabbalisten, soweit sie von der sabbatianischen Bewegung 
ergriffen wurden, auf Gedankengänge, die haarscharf an die Grenze des 
rabbinischen Judentums oder direkt zu offenem Konflikt mit ihm führten? Diese 
Frage kann am besten durch Zurückgreifen auf das beantwortet werden, was ich im 
letzten Kapitel über die Erlösung durch den Tikkun' gesagt habe.“ 841 


841 Gershom Scholem, „Die jüdische Mystik“, Suhrkamp, Frankfürt/Main 1996, Seite 333 



Epilog 


375 


Es wird, glaube ich, keinen Leser geben, den nach der Lektüre dieser 
Aufzeichnungen über das Wirken des geheimen Vatikans vom Sinai nicht die Angst 
überkommt, in einer Truggesellschaft zu leben, in der nichts, was wahr aussieht, 
auch wirklich wahr ist, da man niemals ganz die Hintergründe erfährt. Zugegeben, 
die „Geschichte neben der Geschichte“ vermittelt vorderhand ein gewisses Gefühl 
der Ohnmacht. Aber diese unterirdische Welt ist trotz aller zur Schau getragenen 
Macht nicht unverwundbar; sie bezieht ihre Stärke eben sehr zentral durch ihr 
Geheimnis. In dieses hineinzuleuchten heißt, ihre Pläne tief durchkreuzen. Und 
deshalb hat ein Historiker seine Aufgabe eben nur dann ganz erfüllt, wenn er 
versucht hat, die verborgenen Triebkräfte der Ereignisse zu erkennen... 

In diesem Sinne überlassen wir das eigentliche Schlußwort dem französischen 
Generalstabsoffizier Pierre Desgranges (Joseph Crozier) vom 2. Büro des 
französischen Generalstabs, Sektion I, Geheimer Nachrichtendienst und 
Gegenspionage. In seinem Buch „In geheimer Mission beim Leinde“ schrieb er 
in den 20er Jahren bezüglich der Kriegsschuldfrage des 1. Weltkrieges: 

„Der, der die Arbeit eines Historikers und nicht eines Polemikers leisten wollte, 
müßte sich über die Parteien und Nationen erheben und auf diesem Wege die 
verantwortlichen Urheber des Krieges suchen. Eine harte Arbeit, denn 
undurchsichtige Schleier verbergen diese Herrscher, die nur Gold und Schatten 
suchen - aber sie ist nicht unmöglich. 

Dieser Mann hätte das Verdienst, nützliche Arbeit für den Frieden zu leisten, denn 
er hätte die Gefahr gezeigt, dem der Frieden durch die unmittelbarste und 
wirksamste Drohung ausgesetzt ist, und er hätte die Diskussionen und Streitigkeiten 
über eine besonders erregende Frage beigelegt. 

Im Laufe der letzten Jahre konnten geübte Blicke bei allen großen Ereignissen den 
Einfluß der geheimen und namenlosen Geldmächte spüren, die hinter den Kulissen 
der Ersten Haager Konferenz mit dem Worte 'Unterausschuß der Abwesenden' 
bezeichnet wurden. Es waren die gleichen, die dem zusammenbrechenden Wilson 
Befehle für den Vertrag von Versailles erteilten, die gleichen, die das 
uneinnehmbare Bollwerk errichtet haben, an dem sich sogar Clemenceaus Energie 
gebrochen hat, die gleichen, die ihn schließlich dahin brachten, dem Marschall 
Foch gegenüber einzugestehen: 'Als Oberbefehlshaber der alliierten Armeen 
können Sie Befehle erteilen und deren Befolgung durchsetzen, ich kann es nicht.' 


842 


Verlag Grethlein & Co., Leipzig/Zürich, 1930, S. 126 ff. 



376 


Man sieht nur die, die im Felde sind, und übersieht die Drahtzieher. Der Krieg für 
Recht und Freiheit ist eine hübsche Fabel wie jede Fabel über den Krieg. “ 

Mit diesen Worten, die bereits eine Verbindung zu den beiden nachfolgenden Bänden 
herstellen (vgl. die Vorschau auf den folgenden Seiten), treten wir an die 
grundlegende Bedeutung dieses Werkes heran. Denn zweifelsohne sind die 
vorgestellten Erkenntnisse dazu angetan, die internationale Konfliktforschung auf ein 
tiefreichendes wie zugleich erweitertes Fundament zu stellen. Tatsächlich wurde die 
Veröffentlichung von „Israels Geheimvatikan“ am Ende über alle Schwierigkeiten 
hinweg gerade deshalb durchgesetzt, um der Versöhnung zwischen den Völkern und 
damit dem Frieden zu dienen. Zwei Weltkriege, die im eigentlichen Sinne keine 
Sieger sondern nur überstaatliche Profiteure kannten, stehen als geschichtliche 
Mahnung vor der Kulturwelt. Möge sich die leidgeprüfte Menschheit das letzte noch 
ausstehende Gemetzel und die daraus resultierenden Folgen selbst ersparen. 



Grafiken 


377 


Grafik 1 
Grafik 2 
Grafik 3 
Grafik 4 
Grafik 5 
Grafik 6 
Grafik 7 


Organisatorischer Aufbau des Geheimvatikans 

Der Machtaufbau innerhalb des kabbalistischen Judentums 

Wesen und Wirken des Geheimvatikans und seiner Satelliten 

Konkurrenz unter den Überstaatlichen 

Zusatz 

Zeittafeln 

Die Deutschlandpolitik der führenden Mächte zwischen den 
Weltkriegen 



378 


Organisatorischer Aufbau des Geheimvatikans 


„Uhrwerk“ der irdischen 
Auf- und Abstiege. Lotse 
wiederkehrender Zeitalter 
(Goldenes Z.-Eisernes Z.) 
Heimstatt aller Erlöser u. 
„Kalkis“ (Jesus. Buddha..! 


Wächter 
von Eden 


SHAMBALLAH 


Östliche 

Mystiker 


Jüdische 

Mystiker, 


Zions 


Tempelbauer 


Gestalter 

der 

Geschichte 


l 'ö nai 
Brith 


Ultrareligiöse 

Messianisten 


Fundamentalistische 

Bankiers 


Rothschild 


S ATEL 


Kuhn, Loeb & 
Co, Soros 


L IT E N 


Form: quasi - 
Göttlich 
Sitz:Uighur 

FomrGeheim- 
buddhistisch 
Sitz:Tibet und 
Indien 

Form-Jüdisch 
Sitz:Kotschin 
"vBombay 
3 Israel 


Formdüdisch 

Sitz:NewYork/London 

\ FormJüdiseh 
\ Sitz: Früher 
\ London. Heute 
\ New York 


tiM 

III 


Britische 

Zionismus 

Trotzkismus 

USA 

Regierung (über 

Primärziel: 

Primärziel: 

(Anbindung an 

Britische 

Jüdische 

Nicht-jüdische 

GB über 

Israeliten und 

Zentrierung/ 

Auflösung/ 

Freimaurerei und 

Einbindung in 

Nationalismus in 

Globalisierung 

Council on 

die 

Israel 

zum Weltstaat 

ForeignRealtions 

Freimaurerei) 

Vehikel/Raison 

Vehikel/Raison 

Anbindung an 


d etre.A ntisemitis 

d'etre: 

Israel über starke 


mits 

Weltkriege 

zionist.Lobby) 

Offensives 

Offensives Wirken 

Offensives 

Offensives 

Wirken via 

via Geheimdienste 

Wirken via 

Wirken via 

Geheimdienste 


„Geheimdienst“ 

Geheimdienste 


EINFLUSSOBJ EKTE 


Nationale und Internationale 

Presse- und Medienapparate; Hochfinanz (Noten- und Zentralbanken, Weltbank); 
Exekutiven (Polizei, Militär, Geheimdienste); Jurisdiktion (Gerichte);Parteienwesen, 
Interessenverbände(Gewerkschaften); Supranat.Behörden/Strategiezentralen(Bilderberger) 






















379 


Der Machtaufbau innerhalb des kabbalistischen 

Judentums 


/ Isch \ 

/ Ha’Elohim \ 

/ gebender Jahwe“ \ 

/(entspricht dem JcbcndcnX 
/ Buddha“ im Lamaismus) \ 

„Rat der 3“ \ 

3 „Große Räte“ 

36 „Lamed-Wufniks“ oder 
Zaddikim („Gerechte“) 


Rat der 7 
70 Älteste 


B’nai B’rith Orden 

Leit- und Kontrollinstanz der „nichtjüdischen“ Freimaurerei 
Über Schottische Hochgradlogen und „Grand Orient de France‘ 


Nach S. Ipares, „Geheime Weltmächte“, Ludendorffs Verlag, München 1937, 
Seite 24f. 




380 


Wesen und Wirken des Geheim- 



Ethnisch- 

Organisator. 

Aufbau 

Zentrale 

Politisch vorder¬ 
gründiges Wesen 

Biblisch hinter- 

gründige(s) Ziel(e) 

Beteiligung ant 

Ausbruch des L WK 

Geheimvatikan 

Rein religiöse 

Ebene 

Vor Chr. Geb. 

Rein Jüdisch 

Jerusalem 

New York 

Missionsarbeit im 

Judentum. 

Vorgeblich nicht 
politisch aktiv. 

Theokratie des 

Judentums in einem 

von Jerusalem aus 

zentral regierten 

Weltstaat 

Kabbalistisch deutbar. 

Sichtbar im Wirken 

seiner „Agenturen“ 
siehe folgend 

Großbritannien 

Paktpartei seit 
1648(Manasse 

ben Israel und 

Puritaner) 

Nichtjüdisch/ 
Einbindung durch 

Freimaurerei 

London 

Vorgeblich rein 

britisch-national 

Via „Britische 

Israeliten“ u. 

Freimaurerei biblisch 

Stark: Siehe z.B. 

Wirken Edwards VII. 

Freimaurerei 

1717 Gründung 

der ersten 

Großloge in GB 

Formal nicht 

jüdisch/ Über 
Hochgrade, B'nai 

B'rith und 

Illuminati aber 

jüdisch geleitet/ 
Logenaufbau 

London 

Paris 

Vorgeblich nicht 
politisch aktiv. 
Präsentiert sich gern 

in Sachen 

Wohltätigkeit 

Aufbruch national¬ 
unabhängiger 

Herrschaft. 

Begünstigung des 

Judentums. Letzlich 

siehe Geheimvatikan 

Kjiegsvorbereitungen in 

den Reihen der 

Alliierten. Todesurteil 

und Attentat gegen den 
Österreich. Thronfolger. 

Privatbanken¬ 

imperium 

(Rothschild etc.) 

ca. 1800 

Stark jüdisch/ 

Leitende Köpfe 
meist Mitglieder 
in Logen 

New York 

London 

Kapitalist. 

Gewinnbildung. 
Vorgeblich nicht 
politisch aktiv 

Wirtschaftliche 

Assistenz j üdischer 
Belange (u. a. 

Zionismus und rass. 

Revolution) 

Bei Rothschild spürbar, 

bei Schiff/USA 

nachweisbar 

Zionismus 

1860-90 

Rein jüdisch/ 

Beim biblischen 

Zionismus 

(Ginsburg) 

Logenaufbau 

Wien-> 

Berlin-> 

London-> 

New York 

Erwerb Israels als 

nationale Heimstätte 

(Nationalismus) 

Erwerb Israels als 

Organisations¬ 
zentrale des 

Geheimvatikans und 

späteres Weltzentrum 
(Biblischer 
Zionismus) 

Spürbar in 

prophetischen 
Vorhersagen u. jiid. 
Kriegsvorbereitungen 

i.d. verschiedenen 

Ländern. Mosaischer 

Hintergrund von Gavril 
Princip 

Trotzkismus 

ca. 1895 

(Hess/Marx seit 

1825) 

90% jüdisch/ 
Logenaufbau. 

Zusätzl.Wirken 

über kommunist. 

Parteien, die 

Komintern und 

neulinke „Volks- 

Parteien“ (Doriot 

etc.) 

London 

New York 

Moskau 

Internationalismus u. 

Sozialismus. Daneben 

antichristlich bis hin 

zum Satanismus 

(dieser ist ebenfalls 
logenmäßig 
strukturiert) 

Schaffung eines 

sozialistischen 

Weltstaates als 

Überbau - mittels 

Weltrevolution u. 

Anarchismus 

Gavril Princip Trotzkist 


Anmerkimg und Ergänzung: Neben den dargestellten Satelliten gibt es noch einen weiteren Verbündeten des Geheimvatikans, der sich die 
Gleichschaltung des christlichen Denkens zur Aufgabe gemacht hat und der daher allein auf religiöser Plattform auftritt. Es ist dies das 
bereits im Puritanismus spürbare „Christentum des Geheimvatikans“. Seine hauptsächlichen Vertreter sind heute neben den Zeugen 
Jehovahs vor allem biblisch-endzeitliche Kulte in den USA und die Internationale Messianisch-Jüdische Allianz. Allen gleich ist die 














































381 


Vatikans und seiner Satelliten 


Ziel-Umsetzung 

Rückschläge 

und Umbräche 

Warum 

Unterstützung Hitlers 

Form der Unter¬ 
stützung 

Rückschläge 

und 

Umbrüche 

Ergebnis des 2. 

Weltkrieges 

Eroberung Palästina 

für den Zionismus 

Völkerbund. 

Weltrevolution. 

Russ. Umsturz. 

Nein, sie gelten 

(bis hin zu Krieg 
und Holocaust) 

als biblisch 

vorbestimmt 

Bibeltreues Handeln 

Siehe folgend 

Nein, da diese 

biblisch vor¬ 
geplant sind. 

Siche folgende 

Biblisch 

Siehe Geheim- 

Vatikan 

Siehe Geheim-Vatikan 

Englische Politiker, 

Finanziers und 

Pressezaren. 

Seit 1919 

Machtverlust 

nach 

Zionismus- 

Kontroverse 

Ablösung 
Englands durch 
die Vereinigten 

Staaten 

Siehe Geheim- 

Vatikan. 

Abschaffung der 

Monarchien durch 

von Zionisten und 

Trotzkisten 

begünstigte 

Erhebungen 

Siehe Geheim- 

Vatikan und 

folgende. 

Scheinbar durch 

rechte 

Restauration in 

den 20er und 

30er Jahren 

Siehe Geheim- 

Vatikan u. folgende. 

Schacht Jungkons. 

Herrenclub. 

Tatkreis. „Die 

Kommenden“. 

Ermächtigungs- 

Gesetz. 

Appeasement. 

Siehe Geheim¬ 
vatikan und 

folgende. 

Siehe folgende 

Adressat der 

Balfour- Erklärung 

und Finanzier der 

Oktober- 

Revolution 

Individueller 

Machtverlust. 

Via Warburg/ 
Sorosjedoch 

Konstanz 

Siehe Geheim- 

Vatikan u. folgende 

Warburg Montagu 

Norman Schroeder 

als Finanziers 

Keine 

Siehe folgende 

Unter-Dmck- 

Setzung 

Britanniens führt 

1917 zur Balfour- 

Deklaration 

Nach Bruch des 

Palästina- 

Versprechens + 
rückläufiger 

Israel-Ein¬ 
wanderung (20er 
Jahre) politische 
Radikalisierung 
(->Jabotinski) 

1. Antisemit. NS- 

Regiemng begünstigt 
jüd. Auswanderung 

nach Zion/30er Jahre 

2. Holocaust führt zur 

Aufwertung des 

zionistischen Israel- 

Anspruchs/ 40er Jahre 

Insbesondere 

Finanziers (s. 

Banken) Außenpol. 

Absichern Hitlers 

durch Zuarbeit in 

Pol, GB u. 

Frankreich 

Jabotinski- 

Ermordung 

(Sommer 

1940) 

Erwerb Israels 

und Aufbau des 

Staates als 

weltweite 

Organisations- 

Zentrale des 

Geheimvatikans 

1 .Popanz Krieg 

dient als Hebel für 

den Völkerbund. 

2. Deutsche u. US- 

Juden lancieren 

Trotzkis Oktober- 

Revolution -> 

UdSSR 

Kaltstellung des 

Trotzkismus und 

Macht¬ 

übernahme 

Stalins. 
Ausweisung 
Trotzkis (1921- 
1929) 

1. Hoffnung, daß ein 

dt-sowj et.Krieg zu 
Putsch(?), 

Weltkrieg^) u. damit 

letztlich zur 

Weltrevolution führt. 

2. Belastung des 
nichtjüdischen 

Nationalismus 

Zuarbeit durch 

Komintern u. 

Kreml- Finanziers/ 

Kooperation Heß- 

Trotzki/ Labour- 
Appeasement i. GB 

Moskauer 

Partei- 

Verfahren. 

Ermordung 

Trotzkis im 

Sommer '40 

Beschleunigte 

Globalisierung 
(UNO, Weltbank 
etc.) Über NATO 
und EG zum 
Europäischen 

Zentralstaat. 


Verbindung von Judentum und Christentum in einem Endprodukt, das in der abermaligen Erwartung eines Messias Jesus die 
einzigartige Erwählung Judas und Israels vor Gott bestehen läßt Letztlich wild so der Gekreuzigte vor den Jahwitischen Karren 
gespannt und auf diesem Umweg das Christentum für die jüdische Messiaserwartung dienstbar gemacht Seit Übernahme des 
römischen Vatikans durch den Polen Karol Wojtila beginnt dieser Geist auch in der katholischen Kirche Fuß zu fassen. 





































382 


• • 

Konkurrenz unter den überstaatlichen vor dem 
Hintergrund eingeweihter publizistisch-politischer 
Aufklärungszentralen 

(*Organisationszugewandt. Gegen die Konkurrenz gerichtet. 

**Organisationskritisch. Oft Renegaten 
***Kritisch gegen innen und außen) 


Luzifer 


Esoterisch ident 
Sonnengottheit 


Jahwe 


Messias noch ausstehend Christus 
I 


Shambhala als letztlich 

Geheimvatikan 

Vatikan 

Vorgesetzte Zentrale 



TIBET 

ISRAEL 

ROM 

Geheimbuddhismus 

Judentum 

Christentum 

Lamaismus 



Okkultismus, 

Kabbalah 

Keine esoterische 

Tantrismus, A (chemie 


Ausrichtung 

Rosenkreuzerei.Grals- 

Chassidismus 

Odus Dei 

Maurerei.TheosoDhie 


Societas Jesu (S.J.V 

z. T. Anthroposophie 


Jesuiten 

• Rtiggeberg- 


• Revue 

Verlag* 


Internationale des 

• Moskau-Basel 

• Neturei Karta 

Societes Secretes* 

Verlag 

(inoffiziell)** 

• La Sapiniere* 

(CH)*** 

• Ben Weintraub** 

• Lefebvre- 

• Verlegerd lio 

• Aron Monus** 

Bewegung*** 

Röttgen** 


- 1 


LaRouche-Bewegung* 


Ludendorff-Bewegung* 


Shambhala und 
Geheimvatikan 



ENGLAND 

MOSKAU 

ISRAEL 

Freimaurerei 

Sozialistische 

Internationale 

Zionismus 

• Prof. Manuel 

• Anarchisten 

• Bundisten** 

Sarkisyanz** 

(Chomsky)*** 

• Neturei Karta 


• Trotzkisten*** 

(offiziell)** 

• Anarchisten *** 



















383 


Zusatz: 

Die Verschwörungstheorie, von „rechts 66 gesehen 

Es ist wiederholt versucht worden, die Aufklärungsarbeit der Ludendorff-Bewegung dergestalt 
zu diskretitieren, daß man diese als Wasserträger der NSDAP bzw. Hitlers verleumdete. Sieht 
man von der Tatsache ab, daß sich Teile der Feindbilder formal deckten, hält dieser Vorwurf 
einer historischen Prüfung nicht stand. Richtig ist vielmehr, daß die Ludendorff-Bewegung seit 
Mitte der 20er Jahre in entschiedener Opposition zum Hitlerismus stand und dies in ihrer Arbeit 
politisch wie publizistisch immer wieder deutlich zum Ausdruck brachte. In diesem 
Zusammenhang standen Enthüllungen, die die Nazis in Kumpanei zu Vatikan, Freimaurerei, 
Zionismus und Okkultismus zeigten. Nach der Machtergreifung Hitlers mußte dieser Kampf 
naturgemäß vorsichtiger geführt werden. Trotzdem wurden Anhänger Ludendorffs in KZs 
verschleppt und die Bewegung des Generals als solche staatlicherseits reglementiert (wiederholte 
Publikationsverbote etc.) 

Die Moskau- und Judenfeindliche Nationalsozialistische Bewegung hat gegen den Vatikan, den 
Geheimvatikan, den Zionismus und den O kk ultismus nie wirklich gekämpft. Im Gegenteil kam 
es gerade mit diesen Machteliten immer wieder zu symbiotischer Zusammenarbeit. Während 
dabei im Fall der katholischen Kirche oder des jüdischen Nationalismus allein praktische 
Gesichtspunkte zum Schulterschluß geführt haben dürften, lassen sich für die Tibet-Connection 
seitens des Faschismus sogar ideologische Beweggründe ins Feld führen. Die Anfälligkeit von 
Hitler-Vorbild Richard Wagner für diesen Ideenkreis ist erst in jüngster Zeit Gegenstand 
literarischer Untersuchungen gewesen. Darüber hinaus weiß man um entsprechende Neigungen 
von NS-Urvater Dietrich Eckart bzw. der braunen Ideologen Haushofer, Rosenberg und Evola. 
Fakt ist ferner, daß große Teile der östlich-esoterischen Rechten eine Heimstatt in der SS 
suchten und fanden. Dies begann mit den List'schen Armanen der Jahrhundertwende und fand 
seine natürliche Fortsetzung mit Namen wie Karl Maria Wiligut, Schwartz-Bostunitsch, Ignatz 
Trebitsch-Lincoln, Otto Rahn, Kurt Eggers bis hin zu dem okkultgläubigen Heinrich Himmler 
selbst. Noch bis in unsere Tage hinein halten rechtsgewirkte Autoren wie Miguel Serrano, 
Richard Schepmann, Wilhem Landig das zweifelhafte Erbe arisch-tantrischer Kultur hoch, ohne 
dabei auf staatliche Restriktionen zu stoßen. 

Eine spezielle antibritische und probolschewistische Spielart des Tibetabenteuers vertrat mit 
Graf Ernst zu Reventlow einer der geistigen Köpfe der nichtchristlichen religiösen Bewegung. 
Nach dem Weltkrieg gehörte er der deutsch-völkischen Bewegung (seit 1924 als MdR), seit 1927 
der NSDAP (seit 1928 als MdR) an. Er war und blieb ein Gegner Englands und befürwortete eine 
Verständigung mit der Sowjetunion. 1920 gründete Reventlow seine eigene Wochenschrift „Der 
Reichswart“, in der er besonders für deutschen Sozialismus und religiöse Glaubensfreiheit 
eintrat. 1934 bis 1936 amtierte er als stellvertretender Leiter der „Deutschen 
Glaubensbewegung“. Der Graf stellte die religiöse Frage im indoarischen Sinne (z. B. „Für 
Christen, Nichtchristen und Antichristen“, 1928) und betonte die Skepsis gegenüber allen 
christlichen Begriffen. Für ihn - so seinerzeit „Meyers Lexikon“ - wurzelte „die Religion in der 
über den Sinnenschein hinaus zum Eigentlichen strebenden Persönlichkeit mit der ständigen und 
unaufhebbaren schöpferischen Innenspannung ihres 'Dämons' (im goethischen Sinne).“ Als 
vermeintlich „tibetischer“ Gegner von Christentum, Judentum und Freimaurerei gehört 
Reventlow in die Reihe halbgebundener Aufklärungszentralen. Da er sich für Moskau und gegen 
London stellte, blieb ihm im III. Reich der Einfluß versagt. 

Noch vehementer traf dieses Schicksal die Anhänger des ehemaligen Hitler-Intimus Otto Strasser: 
Diesen erklärten Gegner überstaatlicher Macht machte seine prosowjetische Gesinnung das Leben in 
der Partei schließlich unmöglich. So brach er mit der NSDAP und ging 1933 ins Exil. Ein Großteil 
der zurückgebliebenen Weggefährten - darunter viele in einflußreichen Staatspositionen - wurde ein 
Jahr darauf am Rande des „Röhmputsches“ ennordet. Das in unserem Sinne aufklärerische Erbe 
Strassers wird noch heute von einigen national-/sozial revolutionären Gruppierungen bzw. 
Individualisten (z. B. dem Schriftsteller Henecke Kardel) aufrechterhalten. 



384 


Zeittafel I 


Zeitrechnung: 


jüdisch 

christ¬ 

lich 

Geschehnis 

5000 

1240 

Der „heilige Gral“ gelangt im Süden Frankreichs in die Hände der Katha¬ 
rer. In Spanien (Gerona) und der Provence entwickelt sich die theoretische 
Kabbala. 


1492/ 

Vertreibung der Juden aus Spanien und Portugal durch Verfügung des 


1496 

jüdischstämmigen Großinquisitors Torquemeda. 


1517/ 

1518 

Palästina fallt an die osmanischen Türken 


1534 

Gründung des Jesuitenordens unter jüdischer Führung In Palästina (Safed) 


1539 

entwickelt sich die praktische Kabbala. Der Geheimvatikan wechselt von 
Gerona (Spanien) hierher und erneuert sich organisatorisch. 


1688 

Wilhelm von Oranien putscht sich in England zur Macht: Eingeweiht in die 
Loge begründet er die Tadition, daß jeder englische Monarch zugleich 
säkulares Haupt der Weltfreimaurerei ist. 


1694 

Aufbau der Bank von England 


1717 

Offizieller Beginn der Freimaurerei. Erster Dachverband (Großloge) in 
London 


1773- 

1783 

Amerikanische „Revolution“ 


1776 

Gründung des Illuminaten-Ordens. Unabhängigkeitserklärung der USA. 

5550 

1789 

George Washington zum ersten Präsidenten der USA gewählt. Beginn der 
Französischen Revolution 

5555 

1794 

Ende der Französischen Revolution 


1843 

Gründung des B’nai B’rith-Ordens. Spätestens ab diesem Datum sind 25-50- 
75 und 100-Jahr es schritte zu beachten 


1864 

1. Internationale in London gegründet./US-Präsident Lincoln am 14. April 
1865 ermordet. Die französischen Schutztruppen verlassen den Kirchenstaat. 
Dieser wird bis auf Rom von carbonarischen Freischärlern besetzt. Die AIU 
erklärt den Beginn des messianischen Zeitalters 


1869- 

Suezkanal eingeweiht. Staatliche Einigung in Deutschland und Italien. Fall 


1871 

Roms, das Italiens Hauptstadt wird. Logenurteil gegen Deutschland. 


1889 

Dreikaiserjahr in Deutschland (1888). 2. Internationale in Paris gegründet. 
1890 Bismarck entlassen 


1897 

1. Zionistenkongreß in Basel. Gründung der Russischen Sozialdemokra¬ 
tischen Partei am Rande der Gründung des „Jüdischen Arbeiterbundes“. 

5666 

1906 

Revolution in Rußland (1905/06). Labour-Party erstmals im Unterhaus 


1914 

Ennordung des österreichischen Thronfolgers durch trotzkistische 
Freimaurer. Beginn des ersten Weltkrieges. Hauptverantwortlich zeichnen 
neben dem Geheimvatikan („Bedienung“ der Prophetie) Zionisten (Israel¬ 
programm), Trotzkisten (Rußlandprogramm), Freimaurer (Völkerbundpro¬ 
gramm) sowie staatlicherseits offene (GB, FRA, Rus) und versteckte 
Imperialismen (USA) 

5677 

1917 

Februar- und Oktober-Revolution in Rußland. Gleichzeitig Balfour- 
Erklärung. Beginn des 100jährigen messianischen Countdowns 

5678 

1918 

Kriegsende. Aufbau des Völkerbundes. Einrichtung einer Kriegskonferenz 
in Versailles. Damit erfüllt sich die letzte Vorkriegs-Prophezeiung des 
Zionistenführers Max Nordau („Leitersprossenvoraussage“). 





385 


Zeittafel II 

Zeitrechnung: 

jüdisch c * ir ' s t- Geschehnis 

lieh 

1918ff. Der Geheimvatikan beginnt die Vorarbeiten zum 2. Weltkrieg. Konflikt des 
Zionismus mit England über der Palästinafrage und mit der Sowjetunion 
über die jüdische Emanzipation. 

1923 Erste Förderung des Faschismus durch die Satelliten des Geheimvatikans. 
Maßgeblich sind verschiedene, sich geradezu widersprechende Antriebe. 

1928ff. Beginn der zweiten Förderung Hitlers durch die Satelliten des 
Geheimvatikans. Instrumentalisierung des römischen Vatikans. 

1929 Der von britischen und amerikanischen Bankerkreisen in Szene gesetzte US- 
Börsenzusammenbruch reißt die Weltwirtschaft in eine Talsohle. 
Massenarbeitslosigkeit in Deutschland. 

1930ff. Außerparlamentarische Sonderdiplomatie Rosenbergs versichert England 
einen deutschen Rußlandfeldzug nach der Machtergreifung der 

Nationalsozialisten. 

1933 Machtergreifung Hitlers in Deutschland und Roosevelts in den USA. Pakt 
zwischen den USA und der UdSSR zur Teilung Europas. Auf der anderen 
Seite Bevorteilungspolitik seitens Englands und Frankreichs gegenüber 
Berlin. Der Sieg des Nationalsozialismus bedient aus jüdisch-kabbalistischer 
Sicht die „Cheble Moschiach“, d.h. die nach der Weissagung dem Messias 
vorausgehenden Heimsuchungen. 

1937 Höhepunkt der Trotzkistenprozesse. Radeks Enthüllungen über die wahre 
Rolle der Freimaurerei, des Trotzkismus und des Zionismus hinter den 
Konflikten der Zeit. In Deutschland Verbot des B’nai B’rith und 
englandgerichteter Logen. Entmachtung der sowjetischen Annee durch 
einschneidende Säuberungen. Die UdSSR scheint auf Jahre wehrlos. Hitler 
beginnt unverzüglich den aktivistischen Teil seiner Großraumpolitik. 

1939 Beginn des zweiten Weltkrieges. Hauptverantwortlich zeichnen neben dem 
Geheimvatikan („Bedienung“ der Prophetie) Zionisten (Blutzollpolitik), 
Trotzkisten (Weltrevolutionsprogramm), Freimaurer sowie offene (D) und 
versteckte Imperialismen (GB/SU/USA). 

5700 1940 Schwenk des Zionismus. Ermordung Trotzkis, Jabotinskis und hoher 

britischer Appeasementpolitiker. Churchill wird englischer Premier. 

1941 Hitlers Stellvertreter Rudolf Heß fliegt zu Ausgleichsgesprächen nach 
England, wird aber festgenommen. Deutsche Kriegseröffnung gegen die 
Sowjetunion. Kriegseintritt der USA. 

1942- Holocaust als erster jüdischer Höhepunkt der Messiaswehen. 

44 

1963 Ermordung von John F. Kennedy. Evidente Parallelen zum Fall „Lincoln“ 
und „Sarajewo“. 

1967 50. Jahrestag der Balfour-Deklaration und Scheitelpunkt der „letzten 100 

Jahre vor Ankunft des Messias“. Die israelische Annee besetzt nach 
chassidischen Forderungen im „6-Tage-Krieg“ den Westen Jerusalems. 
Verstärkung des Parteienübergreifenden Messianismus in Israel. 

1989 „Edoms Untergang“: Zusammenbruch der Sowjetunion. 

20?? 3. Weltkrieg mit atomarem Schlußakkord in Nahost 

5777 2017 Geplante Ankunft des Messias 










386 


Die Deutschlandpolitik der führenden Mächte 
zwischen den Weltkriegen 



USA 

Gross¬ 

britannien 

RUSSLAND/SU 

-1914 

Formal neutral 

Kriegsvorbereitungen 

Kriegsvorbereitungen 

m 

Formal neutral 

Im Krieg. Klare 

Position gegen D 

Im Krieg. Klare Position 
gegen D 

1916 

Druckmittel zionistischer 
Politik. Wechselseitig 
parteiisch (D/GB) 

Im Krieg. Klare 

Position gegen D 

Druckmittel zionistischer 
Politik. Tendenz zu 

Ausgleich mit D. 

1917 

Trotz Kriegserklärung 
gegen D kein entschlos¬ 
senes Eingreifen 

Im Krieg. Klare 

Position gegen D 

Engl, -zionistischer Putsch 
bringt wiederum klare 

Position gegen D 

1918 

Im Krieg. Klare Position 
gegen D 

Im Krieg. Klare 

Position gegen D 

Deutsch-jahwitischer Putsch 
bringt Frieden mit D 

1919- 

1928 

Deutschland Ökonom, 
entlastende Anti-Ver- 
sailles-Politik (z. T. and 
englisch vom Zionismus 
inspiriert) 

Deutschland nat.soz. 
imperialsisierende Anti- 
Versailles-Politik (gegen 
die Sowjetunion zielend) 

D nationalkonservativ im- 
perialisierende Rapallo- 
Politik (gegen den Westen 
+ Polen zielend) 

1929- 

1933 

W eltwirtschaftskrise 
fuhrt zu Abwendung 
von europ. Belangen 

Zuarbeit für Hitler 
(gegen die Sowjetunion 
zielend) 

Nach Wiederaufnahme von 
Beziehungen zum Logentum 
und zionistischem Ausgleich 
Zuarbeit für Hitler 

1933- 

1938 

Isolationistische Politik, 
die innenpolitischen 
Belangen Vorzug gibt 

Aber: 1933 Schulter¬ 
schluß mit SU 

Zuarbeit für Hitler. 
Entsprechende Beein¬ 
flussung von Polen und 
Frankreich (gegen die 
Sowjetunion zielend) 

Zunächst ausgleichende, 
dann einkreisende Haltung 

1939- 

1940 

Treibt Polen in den 

Krieg und England/- 
Frankreich zu Kriegs¬ 
beteiligung. Antideut¬ 
sche Rüstung Dabei 
formal neutral. 

Auf amerikanischen 

Druck hin rein formal 
betriebene and- NS- 
Politik. De facto 

Fortdauer der Detente 

Offene Bündnispolitik Da¬ 
durch 4. Teilung Polens und 
innenpolitische Schwächung 
Frankreichs im Westfeldzug 

1941- 

Nach deutschem Angriff 
auf SU offen zum Krieg 
gegen D treibend 

Nach deutschem Angriff 
auf SU „ verreali- 
sierter“ Krieg gegen D 

Im Krieg. Klare Position 
gegen D 












































387 


Die Buchreihe „Israels Geheimvatikan“ umfaßt drei in sich 
abgeschlossene Bände. 

Band 2 

Teil A: Der Zionismus - „Dirigent“ des ersten Weltkrieges 

Der Zionismus auf dem Weg zum radikalen Fundamentalismus: Der Kampf um das 
britische Uganda-Angebot * Die Suche Herzls nach einem Ausgleich in Rußland * 
Ultrareligiöse Widersacher Herzls * Das Attentat auf Nordau * Das gewaltsame Ende von 
Herzl und Plehwe * Gegen die Integration: Die „Protokolle der Weisen von Zion“, eine 
zionistische Fälschung? * Der Russisch-Japanische-Krieg und die Revolution durch 
Trotzki und Parvus * Zionistischer Terror * Weizmann verwirft das Uganda-Programm 

Die überstaatlichen Mächte - Zünglein an der Waage: Italiens sonderbarer Weg in den 
Krieg * Unruhen in Deutschland und Großbrittannien * Der Kriegseintritt Rumäniens 

Das Geheimnis der Balfour-Erklärung: Der Zionismus tritt auf den Plan * Ein russischer 
Separat-Frieden als Trumpf im Spiel mit England * Der Schacher um Palästina * Wie der 
Zionismus mit England handelseinig wurde 

Wie der Zionismus die USA in den Krieg brachte: Präsident Wilsons freimaurerische 
Verbindungen * Wilsons zionistische Hintermänner * Die Instrumentalisierung eines 
„Bad Boy“ * Die Organisierung der Juden Amerikas * Der Geheimvatikan treibt Amerika 
in den Krieg * Der jüdisch-nationale Presse-Feldzug in Amerika * Greuellügen * Der 
Druck des Zionismus auf einen blauäugigen Präsidenten 

Der überstaatliche Frühjahrsputsch in Rußland: Berlin und Moskau vor einem 
Sonderfrieden * Die Finanzierung der russischen Februar-Revolution durch Jakob Schiff * 
Die Foge als Erfüllungsgehilfe * Freimaurerische Putschpläne * Englische Verwicklungen 

* Eine freimaurerische Regierung und die gewaltsame Zaren-Demission * Jahwes Wille 
geschehe * Wilsons Kriegserklärung an Deutschland 

Auf dem Weg zur Balfour-Deklaration: Der Entschluß zum Marsch auf Jerusalem * 
Abschluß der Verhandlungen * Die Balfour-Erklärung * Kabbala, Prophetie, Freimaurerei 

* Der jahwitisch-freimaurerische Völkerbund 

„Dolchstoß“ - Der deutsche Zusammenbruch: Freimaurerische Pläne für das Reich * 
B'nai B'rith * Die zersetzende Wirkung des deutschen Kommunismus * „Deutsche 
Patrioten“ mit zwei Gesichtem * Knapp vor dem Sieg - Die deutsche Westoffensive * 
Trotzkis Finanztransaktionen * „Wir haben... ihre Dienste gezahlt“. Geld und Fügen von 
den Westalliierten * Friedens Schalmeien als Waffe * 



388 


Einmal mehr zionistische Komplizen * Die Folge: Deutschland eine hohle Hülle * 
Die Novemberrevolution * Zeugnisse von den Wirkkräften der deutschen Niederlage 

Der betrogene Betrüger - Geheimvatikan vs. Zionismus. Zionismus vs. England: 
Vertagung der Israelgründung - der Geheimvatikan läutet die Vorphase des 2. 
Weltkriegs ein * London „vergißt“ sein Balfour-Versprechen * Der Kampf der 
jüdischen Nationalstaatsbewegung gegen England * Britische Niederlagen in aller 
Welt - Trotzkis Kommunistische Internationale als verlängerter Arm des Zionismus 

Teil B: Brennpunkt Sowjetunion 

Bolschewismus - Zionismus - Freimaurerei: Der Grand Orient und die russische 
Linke * Der jüdische Anteil in der Opposition * Der Trotzkismus und die 
Vorbereitung des Weltkrieges: Der Grand Orient, Serbien und die russischen 
Emigranten in Frankreich * Princip und Ciganovic in Paris * Princip - Freimaurer 
und Trotzkist * Der Geheimvatikan und die Absetzung des Zaren * Br. Kerenski- 
Statthalter der Macht * Trotzkis gekaufte Oktober- „Revolution“ * Der Trotzkismus 
als Erfüllungsgehilfe des Zionismus * Der Zionismus im Gegensatz zum Leninstaat * 
Kampf gegen den Frieden von Brest-Litowsk und Bürgerkrieg 

Deutschland als Jokerkarte im Pokerspiel der Überstaatlichem Der Kapp-Putsch - 
Berlin als Bundesgenosse oder Bremsklotz der polnischen Bedrohung * Der Vertrag 
von Rapallo * Der Mord an Rathenau und die Absetzung Lloyd Georges 

Zionismus, Trotzkismus und England gegen Moskau - Die antisowjetische Mission 
des Faschismus: Die sowjetische Assimilierungspolitik als Grund zionistischer Pro- 
Hitler-Politik * Trotzkis Weltrevolution als Grund britischer Pro-Hitler-Politik * Die 
Thronanwärterschaft des nationalrussischen Stalinismus als Grund trotzkisti- 
scher Pro-Hitler-Politik * Der Rechtsschwenk der deutschen Freimaurerei * Lenins 
Kampf gegen den Trotzkismus und die Freimaurerei * „Das Geheimnis des Krieges“ 
* Lenins Ermordung 


ISBN 3-935845-02-2 



389 


Band 3 

Teil A: Überstaatliche Einflußnahmen auf Faschismus und Krieg 

Profiteure des Todes: Der zweite Weltkrieg und seine Nutznießer * Israel: 
Antisemitismus für das Besiedelungsprogramm * Deutschlands Rechte im 
Blickfeld des Zionismus * England: Feldzug Barbarossa für die Rettung des Empire 
* Deutschlands Rechte im Blickfeld Englands * Deterding, Shell und der Gedanke 
eines Ostkrieges * Von Hoffmann zu Hitler * Sowjetunion: Weltkrieg, 
Weltrevolution und der Untergang Europas - Stalins Motive zur Förderung Hitlers * 
Moskaus Übereinkunft mit England und der Freimaurerei * Die Ausweisung 
Trotzkis 

Die Machtergreifung des Faschismus in Deutschland (1929-1933): Versailles * 
Versklavung auf Generationen? Der Young-Plan * Der Aufstieg des 
Nationalsozialismus * Der New Yorker Börsenkrach * Im Zentrum des 
Gehe im Vatikans: Kuhn Loeb & Co. Die Wallstreet als Finanzier Hitlers * Englische 
Zeitungslords - Trommler für Hitler * Die englischen Missionen des Thule-Bruders 
Rosenberg * Die sowjetisch-kommunistische Allianz mit der NSDAP * 
Trotzkismus und „Barbarossa“, Weltkrieg und Weltrevolution. Sowjetische 
Unterstützer. Komintern und deutsche Linke * Deutschlands Rechte im Blickfeld 
des Trotzkismus * Hitlers freimaurerische Trumpfkarte Hjalmar Schacht * Der 
Herrenklub - Konservative Steigbügelhalter Hitlers * Von Schacht zu Norman zu 
Schröder 

Anfänge der NS - Außenpolitik (Mitte 1933): Kampf gegen Sowjetrußland als 
einziger Inhalt * Die Einweisung der Reichswehr in das Offensivprogramm der 
NSDAP * Der 4-Mächte-Pakt 

Der amerikanisch-russische Ausgleich (Ende 1933): Doppelspiel: Die Freimaurerei 
als Garant der Sowjetunion * Kriegsentscheid 1933: Der Zukunftspakt zwischen 
der USA und Sowjetrußland 

Hitlers Polenpakt (1934): Die Ostfrage und Polen * Polens Interesse an einem Ost- 
Feldzug * Der Pakt des Zionsfreundes Pilsudski mit Hitlerdeutschland 

Stalin erledigt den Trotzkismus - Der trojanische Krieg findet nicht statt (1934- 
1937): Der Trotzkismus als Bündnispartner * Die Kriegsvorbereitungen des APA 
und ihres Chefs Rosenberg * Der Mord an Kirow * Die antitrotzkistische 

Prozeßlawine * Br. Radek und die Doppelstrategie der politischen Maurerei * Das 
illuminierte Bündnis zwischen Frankreich und Rußland * Ein Geheimnis für zwei 
Weltkriege, eine Waffe dagegen * Die Kriegserwartungen Trotzkis und Rothschilds 

Hitlers unblutige Siege (1937-1939): Albrecht Haushofer: Der Geheimdiplomat 
Adolf Hitlers * Einverständnis statt Beschwichtigung: Appeasement als deutsch- 



390 


englisches Geheimbündnis * Hitlers englische Steigbügelhalter 2. Teil * 
Frankreich: Desinteresse und trotzkistische Volksfront * Österreich und 
Tschechien - Aufrüstung durch Annexion 

Wende durch die USA (1939): München. Die Reichskristallnacht. Roosevelts 
Einflußnahme auf Polen und England. Stalin auf Rakowski-Kurs 

Scheinkrieg in Europa (1939-1940): Der europäische Konflikt * Ein „Scheinkrieg“ 
als Fortsetzung des Appeasement? * Die „Falle“ des Geheimvatikans * Massen¬ 
sterben deutscher Paktpartner: Jabotinski, Trotzki, und britische Imperialisten * Die 
verspätete Englandflug des Hitler-Stellvertreters Rudolf Hess 

Das Ende (1941/1942): Der kalkulierte Weg in den Weltkrieg * Roosevelts 
Pazifische Hintertür zum Krieg * Unconditional Surrender und zionistische 
Vemichtungspläne gegen Deutschland (Kaufman, Nitzer...) * Die Reaktion Hitlers 

Teil B: Überstaatliche Einflußnahmen auf Antisemitismus und Holocaust 

Zionismus und Holocaust (1942-1944) : Der geförderte Holocaust, der 

Geheimvatikan und das Kommen des Messias * Die Nähe von deutschem und 
jüdischem Extremnationalismus * Die unmittelbaren Folgen der Machtergreifung * 
Sowjetische Erkenntnisse * Gemeinsame Politik zwischen Nazis und Zionisten * 
Heydrichs Berufung * Eichmann und die Haganah * Von der Flucht aus Deutsch¬ 
land zur Judaisierung Palästina * „Nur Israel“: Das gefährliche Wirken des Zionis¬ 
mus * Kriminelle Blindheit, Thora-treue oder Politische Berechnung? * Schlu߬ 
akkord: Die biblische „Opferung“ - der Holocaust * „Nicht Wille zur Rettung 
sondern Wille zur Ausnutzung“ * Kabbalismus besser verstehen 

Die Staatswerdung Israels (1945-): Europa und die Gründung des Staates Israel: 
Me Carthy- und SU-Antisemitismus * Israels Zionisten und die Weltherrschaft * 
Der letzte Prozeß: Zionisten und der Mord an Lenin. Der Mord an Stalin * Der 
zionistische Ungarn-Aufstand 

Zeichen der (End-) Zeit: Vereinigten Staaten von Europa * Der Zusammenbruch 
der Sowjetunion 

Teil C: Die Verschwörung am Ende der Tage 

Der Kampf um Babylon/Irak: Saddam Hussein, der Liebling des Westens * Israel 
will den „Präventivschlag“ * Die Propaganda und der „neue“ Irak * Washington 
bringt die „freie Welt“ auf Linie * Kuwait - Hintertür in den Krieg * Grünes Licht 
vom US-Außenministerium * Die torpedierte Jidda-Konferenz und der Beginn des 
Krieges * Krisensichernde Maßnahmen * Wie Jahwe seine Diener vor Saddams 
Scud- Angriff warnte 



391 


Von kommenden Dingen: Der „gottbefohlene“ Mord an Itzhak Rabin * Der Bibel- 
Code und der geplante dritte Weltkrieg * Die „Weissagungen“ der letzten Tage - 
die Bedrängniswehen * Gläubige Stellvertreter Jahwes oder: Wer führt die 
Führungsmächte? * Gog-Rußland, der Gegenspieler * Kriegsszenarien zwischen 
Rußland und Nahost * Konflikte und nationale Selbstaufgabe. Vom Weltkrieg zum 
Weltstaat * Die Jerusalemer Weltregierung in der biblischen Prophetie * „Ein Volk, 
ein Reich, ein Führer“ - Die totalitäre Konstanz des „Tausendjährigen Reiches“ 

Die Bundeslade und die Ankunft des jüdischen Messias: Die Enthüllung des Grals * 
Das Mysterium des Sirius * Technik, Technao: Absichtliche Irreführung der 
modernen Wissenschaft durch die Feuertechniker * Die Atlanter und der Äther. * 
Der Weg des Gral * Der Wiederaufstieg der Menschheit vom Himalaja * Mission 
oder Diebstahl Israels? * Eine Ufo-Sichtung in der Bibel? * Geheimhaltungspolitik 
als Versklavungsprogramm * Die Templer-Mission * Geheime Anfangsjahre und 
archäologische Grabungen * Der „Heilige Gral“ der Troubadoure * Aufstieg. 
Verschwörung? Zerschlagung! Das Schicksal der Templer * Der Baphomet. 
Weisheit * Die vermeintliche Zerschlagung des Templer-Ordens * Flucht nach 
Schottland * Die Fortsetzung der Konspiration * Metaphysik contra Physik: Helene 
P. Blavatsky * Bulwer-Lytton, Rudolf Steiner, Vril-Gesellschaft * Die Umsetzung 
des Gral in Deutschland: Swastika, Hess, Himmler et al. * Ufos unterm Hakenkreuz 
* Dr. Ing. Fritz Todt und die deutsche Atombombe * Ahnenerbe, Waffen-SS, Skoda 
und die Tschechen * Die Ufos und Israel * Ins Herz des Geheimvatikans: Die 
Tempel-Bauer * Das Jahr 2016 (5777) Die Ankunft des jüdischen Messias in einem 
UFO 

Nachträge zur Förderung Hitlers durch den Okkultismus: Geheimbuddhismus- 
Lamaismus-Faschismus: Tibet als überstaatlicher Machtfaktor * Führer oder 
Geführter? Hitlers Noviziat * Die Rolle des Einflußagenten Trebitsch-Lincoln * 
Die Ludendorffbewegung zum Thema Hitler und der Okkultismus“ * Die 
Katastrophe, die keine war... 


ISBN 3-935845-03-0